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Kleines_woerterbuch_der_stilkunde.doc
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109 Stil

Stichpunkte, Dispositionsausdrücke, Dispositionsbegriffe: vor-wiegend nominale Begriffe und Begriffskomplexe, die stich-wortartig in einer ↑ Disposition, einer Tagesordnung, einem Plan festgehalten sind. Oft handelt es sich um substantivierte Vorgänge, z. B. individuelle Freizeitgestaltung. Das mangelnde Umsetzen solcher Ausdrücke in Bekanntmachungen, Referaten, publizistischen Beiträgen usw. ist oft Ursache für den ↑ Nomi-nalstil. Zum Beispiel wird der an sich verbale Begriffskomplex Freizeitgestaltung einfach mit einem sinnleeren Verb nur noch formal vervollständigt: Individuelle Freizeitgestaltung kann von 16 bis 18 Uhr erfolgen statt Über die Zeit von 16 bis 18 Uhr kann jeder frei verfügen.

Stichpunktwiedergabe: eine Art der ↑ abstrahierten Rede. Die Stichpunktwiedergabe vereint in sich ↑ Exzerpt und ↑ Redewiedergabe mit Techniken der Agitationsschrift; sie formuliert jeweils in ein, zwei Sätzen. einen wichtigen Gedanken aus Äußerungen wie ↑ direkte Rede und hebt die vom Blickpunkt und in der ↑ Perspektive des Redners zu denkenden Sätze durch graphische Mittel (meist durch vorangestellten Fettpunkt) hervor.

Stil (als Stil sprachlicher Äußerungen): die gedanklich-sprachliche Aussageweise, die konkrete Verwendungsweise gedanklich-sprachlicher Formen. Der Stil wird bestimmt durch die konkrete (politische, soziale, ästhetische) Funktion und Situation der Mitteilung, geprägt durch gattungs- und genremäßige Strukturen und Konventionen, beeinflußt durch die Kommunikationsart (↑ schriftlicher Stil, mündlicher Stil), modifiziert oder bestimmt durch das sich mitteilende Individuum oder Kollektiv; er unterliegt, insbesondere in seiner sprachlichen Seite, gewissen historischen Veränderungen und Normen. Der Stil ist also die durch Zeit, Milieu, Funktion, Thema, Genre, Mitteilungs-(Kommunikations-) Art und durch die mitteilende Person oder Gemeinschaft bestimmte gedanklich-sprachliche Aussageweise. Kurz: Stil ist historisch, funktionell, vermittlungsspezifisch und individuell bedingte gedanklich-sprachliche Aussageweise.

Der Stilbegriff darf weder allein auf nur zweckgerichtete Mitteilungen noch allein auf die gedanklich-sprachliche Form künstlerischer Werke bezogen werden, noch darf er auf die

Stilanalyse 110

expressive Sprachgestaltung beschränkt werden. Einige Theore-tiker grenzen ihn auf die einer Substitution (synonymische Er-setzbarkeit) zugänglichen sprachlichen Mittel eines Textes ein. Stil eignet jedoch uneingeschränkt dem Text als einer Gesamt-heit von gedanklich-struktureller und sprachlicher Form, mithin allen gedanklich-sprachlichen Mitteln, auch solchen, die noch keine festen stilistischen Bezeichnungen haben. Unter gedanklich-sprachlichen Mitteln verstehen wir gedankliche Strukturen, die sich in sprachlichen Formen äußern, z. B. das Übertreiben in der ↑ Hyperbel, das Eine-Person-selber-Denken-lassen in ↑ direkter Reflexion, das Wiederholen in ↑ Anapher und ↑ Epipher, das Scheinbar-verändert-Darbieten in ↑ stilistischer Variation bzw. ↑ Synonymie. Gedankliche und sprachliohe Seite des Stils hängen eng zusammen, doch kann entsprechend der relativen Trennbarkeit gedanklicher Strukturen von potentiell verschiedenen Sprachformen (↑ Gedanke und Sprachform) der Stil einerseits in seiner formal-gedanklichen Komponente, als ↑ Denkstil, und andererseits in seiner grammatisch-lexikalischen Komponente, als ↑ Sprachstil, untersucht werden.

Stilanalyse: eingehende stilistische Untersuchung von Texten, praktisch gleichgesetzt mit dem Begriff ↑ Stiluntersuchung; zum Teil als Zergliederung in Stilelemente (↑ Sprachstilelemente) der Stiluntersuchung untergeordnet, die eine Darstellung des Zusammenwirkens der Stilelemente geben soll. Diese wird ihrerseits vielfach als ↑ Stilinterpretation bezeichnet. Stilarten: 1. In der antiken Rhetorik unterschied man nach dem Mitteilungszweck und dem damit verbundenen Redeschmuck (↑ Amplifikation, Ornatus, rhetorische Figuren) drei Stilarten: a) einen leichten Stil zum Zweck der bloßen Mitteilung und Lehre (docere = lehren): schmuckloser Stil; b) einen mittleren Stil zum Zweck der Unterhaltung, des Vergnügens (delectare = erfreuen, unterhalten, vergnügen): gefälliger und zugleich klarer Stil mit rhetorischen Figuren; c) einen erhabenen, schweren Stil zum Zweck der leidenschaftlichen Erregung und Erschütterung (movere = bewegen): anspruchvoller, mit allen Mitteln des Redeschmucks versehener Stil. — 2. In neuerer Zeit hat E. Kerkhoff den Begriff der Stilarten wieder aufgenommen. Sie bezeichnet als Stilarten: Werkstil, ↑ Indi-

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