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Kleines_woerterbuch_der_stilkunde.doc
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37 ______ _______ Dynamik

knüpfen an ↑ Sentenz, ↑ Sprichwort, ↑ Zitat, an ein aktuelles Ereignis, eine interessante Einzelheit, die aus dem Hauptteil vorweggenommen wird, Sinnbildliches, Vergleichendes, Histori-sches, ein erster Gesamteindruck; (2) der Hauptteil stellt das Beweis- bzw. Darstellungsziel (Behauptung, These, Propositio) voran und läßt den begründenden Teil (Argumentation) bzw. den darstellenden Teil (Erzählteil, Narratio) folgen; (3) der Schlußteil (Peroratio) stellt die Übereinstimmung zwischen Behauptung und Schlußfolgerung (Conclusio) fest bzw. gibt nach der ausführlichen Darstellung eine begründete Gesamteinschätzung.

Dubletten f pl, lexische Dubletten: Wörter mit gleicher Bedeu-tung. — 1. schriftsprachliche (literatursprachliche) Dubletten: im schriftsprachlichen System mögliche Wörter für denselben Sachverhalt, lexische ↑ Synonyme. — 2. landschaftliche (terri-toriale) Dubletten: landschaftlich begrenzte, schriftsprachlich gleichberechtigte Wörter für denselben Sachverhalt; mit einem neueren Terminus als ↑ Heteronyme bezeichnet. Duktus ↑ Gedankenführung.

Dynamik f: Bewegtheit, Vorgang, Geschehen im Gegensatz zu Ruhe, Verharren, Anschauen (↑ Statik). Da die wichtigste Er-scheinungsform der Bewegung ihr zeitlicher Ablauf ist, wird das Zeit-Wort, das Verb, in dem die Zeit grammatisch fixiert ist, als sprachliches Element der Dynamik, mithin der ↑ Verbalstil häufig als dynamischer Stil schlechthin angesehen, wobei unter Verbalstil eine Darstellungsweise verstanden ist, die sich relativ vieler finiter Verbformen bedient. Da jedoch Verben nicht nur Vorgänge, sondern auch Existenzformen bezeichnen, die eben-falls nur in der Zeit denkbar sind (Uran ist ein Schwermetall), ist Verbalstil nicht identisch mit dynamischem Stil. Dynamik kann lexisch ebenso in bestimmten substantivierten Infinitiven und Verbalabstrakten (also Nomina) begründet sein; sie kann syntaktisch in einem lebhaften, wechselnden Satzbau, in ↑ asso-ziativer Gedankenfolge, in Bruchstücken von Sätzen, in kühner Metaphorik (↑ Metapher) usw. liegen.

Unter den ↑ Darstellungsarten enthält das Berichten natürliche Dynamik, während Beschreiben und Charakterisieren, da ein Status ausführlich gekennzeichnet wird, zur Statik neigen. Die Kunst des Beschreibens und des Charakterisierens ist es, die

Effekt ______ _______ 38

natürliche Statik durch sprachlich-dynamische Elemente zu überwinden, was im Einzelfall schon erreicht werden kann durch Temporalisierung, d. h. durch Verzeitlichung von Zuständen (grünt für ,ist grün'), oder durch Verwendung von Bewegungs- für Zustandsverben, was allerdings auch zu konventionalisierten Fügungen führen kann, die keine Dynamik mehr enthalten (links erhebt sich ein Haus für ,links steht ein Haus').

E

Eflekt m: Nachwirkung eines Textes beim Publikum. Der ↑ Text genügt sieh nicht selbst, er kehrt sich heraus, ruft den Leser, Hörer oder Zuschauer gleichsam zu sich heran und versucht, sich mit ihm durch die Art und Weise der Darstellung (↑ Darstellungsarten) selbst ins Verhältnis zu setzen. Sowohl die Gediegenheit der Gegenstandsdarstellung als auch die Wendung zum Publikum müssen im Text vorhanden sein, doch müssen beide Anliegen einander Gleichgewicht halten. Strengste Gegen-standsdarstellung läßt das Publikum im allgemeinen kalt. Tritt andererseits das Bemühen um Publikumskontakt zu sehr hervor, so kann zwar der Text gefallen, bleibt aber ohne inhaltliche Eindringlichkeit.

einfache Gedankenftthrung ↑ unter Gedankenführung.

Einklammerung ↑ Klammerung.

Einschaltung, Einschub: 1. innerhalb des Satzes eine ↑ Paren-these. — 2. in übersatzmäßigen Einheiten (↑ suprasyntaktische Einheit) auch ein in einem selbständigen Satz formulierter Nebengedanke. — 3. im Großzusammenhang ein ↑ Exkurs.

Einschub ↑ Einschaltung.

Einsparung ↑ grammatische Einsparung, kontextuale Einsparung, Sprachökonomie.

Einwand ↑ rhetorischer Einwand.

Einzelaussage ↑ unter Aussage.

Elativ m: Superlativ ohne Vergleichsverhältnis, z. B. grundehrlich.

Dispositionsausdriicke ______ _______ 36

Elision: Wegfall eines Vokals aus sprechtechnischen oder aus rhythmischen Gründen: (1) Ausstoßung (Synkope f): gehn für gehen; (2) Abstoßung (Apokope f): lang für lange; (3) Aus- und Abstoßung: grad für gerade. Auch zur Vermeidung der Auf-einanderfolge von Vokalen (Hiatus m) werden Vokale ab-gestoßen: trag' ich. — Stilistisch interessiert insbesondere die Apokope, da oft noch die vollen und die apokopierten Formen nebeneinander stehen. Die volle Form kann z. B. archaisierend (späte und frühe) oder volkstümlich (Mein Herze!) oder humo-ristisch (im Gemüte) oder poetisch (der Hirte) wirken oder ist rhythmisch begründet (Nun noch em Wort vorm Schlafengehn, indes / mein letzter Kämmrer mir das Bette macht! [Hebbel]). In manchen Fällen wird die apokopierte Form in wörtlicher Be-deutung (am Rand des Abgrunds), die volle Form in übertragener (am Rande des Abgrunds) verwendet.

Elocutio ↑ unter Rhetorik.

Emotionalität: mögliche Bezeichnung für die Summe der emotionalen, d. h. gemütsbewegenden Elemente eines ↑ Textes; Anreicherung des Textes durch gefühlsbezogene Aussageelemente; als Summe der emotionalen Textanteile eine wesentliche Komponente der ↑ Expressivität.

Emphase f: Art des ↑ Tropus; Bezeichnung eines Merkmals durch einen Begriff, dem das Merkmal inneliegt: Daß der Mensch zum Menschen werde, / Stift' er einen ew'gen Bund (Schiller). Würde der ganze Inhalt des Begriffes Mensch genommen, wäre die Aussage überflüssig. Sie zielt jedoch hier auf das Merkmal human im Sinne des Goetheschen Wortes Edel sei der Mensch, / hilfreich und gut. Solche emphatische Aussage kann, in gewöhnlichem Tonfall gesprochen, als überflüssig mißverstanden werden; sie wird daher intonatorisch und gestisch hervorgehoben, so daß heute vielfach Emphase als phonetisehes Mittel des Nachdrucks verstanden wird: Ist das auch deine Meinung?

Endstellung: Stellung eines Satzglieds am Ende des Satzes. Bei ↑ Normalfolge der Satzglieder, im grammatischen Beiapielsatz, in dem kein Satzglied in irgendeiner Weise hervorgehoben ist, nimmt bei entzweitem Prädikat der infinite Prädikatsteil Endstellung ein (Wir haben dem Monteur die Maschine übergeben.); bei nichtentzweitem Prädikat das sachliche Objekt — nach dem persönlichen Objekt: Wir übergaben dem Monteur die

epideiktische Gattung _ _______ 40

Maschine, bei Häufung adverbialer Bestimmungen die Zweck-, davor die Orts-, davor die Modal-, davor die Zeit-, davor die Kausalbestimmung: Er arbeitete deshalb täglich unermüdlich im Labor an der Verwirklichung seiner Idee. Die Entfernung vom

finiten Prädikat, das im Aussagesatz stets in syntaktischer Zweitstellung steht, drückt (nach dem Prinzip der ↑ Satz-spannung) in umgekehrter Folge die konventionelle Stufung des Mitteilungswerts der Satzglieder aus. Deren Abfolge hängt jedoch auch von der Plazierung im Text ab (↑ unter Anfangstellung).

Soll abweiehend von der konventionellen Stufung des Mittei-lungswerts ein Satzteil hervorgehoben werden, rückt man diesen in ↑ stilistische Endstellung oder auch in ↑ stilstische Anfangstellung.

epideiktische Gattung ↑ unter Rhetorik.

Epidosis ↑ unter Komposition.

Epipher f: Wiederkehr derselben Sprachform am Ende mehrerer aufeinanderfolgender Satzteile, Sätze oder Absätze. Es kann unterschieden werden zwischen (1) einer lexischen Epipher, der Wiederholung desselben Ausdrucks, und (2) einer syntaktischen Epipher, der Wiederholung derselben syntaktischen Struktur; diese ist eine Form des ↑ Isokolons (Beispiele s. dort).

Die Epipher verbindet thematisch sich ergänzende Aussagen einer Folge von argumentierenden Gedanken (↑ Syllogismus) oder veranschaulichenden Merkmalen (↑ veranschaulichende Merkmalsfolge).

Ein Sonderfall der Epipher ist die rhetorische wörtliche Wiederholung einer schließenden Folgerung (↑ wörtliche Wie-derholung), in der Dichtung der Kehrreim. ↑ aber Anapher, ↑ auch Symploke.

epischer Dialog: die für epische und berichtende Genres charak-teristisohe Fixierung einer Wechselrede (↑ Dialog), bei der außer dem Redevorgang auch der Redende selbst jeweils ausdrücklich bezeichnet wird (↑ Redekennzeichnung), im Unterschied zum (mehr dramatischen) ↑ Blankdialog.

episches Präteritum: normale Erzählform der Literatur. Durch das Präteritum wird zunächst die Fiktion des Rückblicks ge-schaffen, auch im utopischen Roman, der gewissermaßen von einem nach-zukünftigen Standpunkt aus erzählt wird. Zugleich

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