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Файл:Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Zeitkolorits oder zu den individualisierenden Porträtzeichnungen. Das sind
vorübergehende Neologismen.
Zu dieser Gruppe gehören in erster Linie die Modewörter: Darling, clever.
Interessant sind die okkasionellen anglo-amerikanischen Neolo gismen:
Perfekt gestylt: Max in Adventure-Jeans.
Was den Bedeutungsumfang der Anglo-Amerikanismen betrifft, so
werden die Wörter entweder in ihrer vollen Bedeutung übernommen (Co mic,
Babysitter, Strips, Motel) oder sie gelangen nur mit einem Teil ihrer Bedeutung
ins Deutsche: Job ist nicht mit Arbeit identisch, Job ist Mittel zum Gelderwerb,
nicht als auffüllende Aufgabe und steht an der unters ten Stufe des Wortfeldes
“Arbeit”, aber es hat dennoch einen fest um grenzten Platz darin. Es enthält
überdies einen ganz speziellen Unterton, der in keinem Wort des sprachlichen
Feldes “Arbeit” so zum Ausdruck kommt. Es füllt damit eine Lücke und macht
das Wortfeld umfangreicher und nuancenstärker. Die Konkurrenz zu einem
deutschen Wort ist häu fi g, aber selten ergibt sich Synonymität: Society ist
nicht gleich die Gesell schaft, sondern bezeichnet eine bestimmte besitzende
Gesellschafts schicht, die so genannte Große Welt. Fans sind oft Jugendliche,
Anhänger sind in Bezug auf das Alter neutral. Die traditionellen deutschen
Fest spiele können keine Festivals sein. Sex ist nicht mit Geschlecht identisch.
Trend deckt sich nicht in allen Beziehungen mit Tendenz und clever hat
andere Implikationen als klug. Weitere Beispiele ließen sich leicht auf führen.
Das Aussterben eines deutschen Wortes unter dem Einfl uss eines aus der
fremden Sprache übernommenen ist bisher noch nicht belegt. Für die nationale
Sprachsituation ist das aber bezeichnend, dass heute oft ein englisches Wort
ein älteres romanisches aussticht: Ticket verdrängt Billet, Boom steht für
Chaos, High Society verdrängt Hautevolee, Team übernimmt einen Teil der
Bedeutungen von Ensemble, Manager ist häufi ger als Impresario. In anderen
Fällen beschert der englische Einfl uss der deutschen Sprache eine neue
Unterabteilung der Kategorie “weißer Schimmel”: Testversuch, Testprüfung,
Research-Forschungen, Servicedienst und Konjunkturboom.
Dass ein Eindringling aus dem Englischen ein deutsches Wort ver-
drängt oder bedroht, ist außerordentlich selten. Teenager ist sicher sehr
viel häufi ger als das zurückweichende Backfi sch, das die Angehörigen die-
ser Altersgruppe selbst nicht mehr verwenden, Band hat die Bedeutung von
Kapelle verschoben usw.
Dazu ist auch festzustellen, dass es überhaupt eine nicht geringe Zahl von
Wortfeldern gibt, in denen Fremdwörter vor allem Anglo-Amerikanismen
einen festen Platz haben. Meistens ist der neu erschienene Angli zismus eine
Bereicherung im quantitativen Sinne, d. h. er bringt ein neues Wort und damit
neue Differenzierungsmöglichkeiten ins Deutsche. Dafür einige Beispiele:
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Im Bereich der Mode geben die aus dem Französischen entlehnten Adjektive:
elegant, modern, modisch und schick/chick sowie die Anglizismen fashionable
und das darauf entstandene fesch den Ton an. Die deut schen Wörter hübsch,
reizvoll, fl ott und geschmacksvoll spielen hier nur eine sekundäre Rolle.
Selbstverständlich gibt es viele Wortfelder, die keine Anglizismen enthalten, wie besonders deutlich die Adjektive (mutig, treu, mager, still,
schüchtern, gewaltig) zeigen. Die Felder um schnell, klug und einige ande re
Adjektive sind in diesem Zusammenhang als Ausnahme zu betrachten, da in
ihnen quick, clever etc. durchaus eine Rolle spielen.
Die Annahme, dass sich Anglizismen besonders in solchen Wortfel dern
fi nden, die vor allem Entlehnungsschübe durch die Entwicklung der modernen
Technik etc. verzeichnen, erweist sich grundsätzlich als nicht falsch, erklärt
jedoch nicht: Warum im Wortfeld Mannschaft die beiden Anglizismen Team
und Crew eine so wesentliche Rolle spielen? Warum Show neben die alte
deutsche Schau trat? Warum Frust ins Deutsche kam? Viele weitere Fragen
bleiben offen oder fi nden nur die Antwort, dass das Englische, speziell in
seiner transatlantischen Variante, Weltsprache ge worden ist.
Deutsche Sprache ist wie jede Sprache zweckbestimmte Mitteilung. Trotz
aller Vermutungen kann man eines feststellen, dass deutsche Spra che diese
Übernahmen aus dem Englischen überall dort braucht, wo neue Gegenstände
neues Denken und Fühlen begriffl ich mitgeteilt werden sol len, aber noch keine
deutschen Wörter für sie bestehen, wohl aber engli sche. Übernahmen sind nicht
notwendig, aber wünschenswert, wenn sie ein Wortfeld feiner gliedern helfen.
Wenn man über den Stilwert eines Fremdwortes spricht, so kann man
behaupten, dass der Amerikanismus meistens an der unteren Grenze des
Wortfeldes (wie bei Job) platziert. Dennoch können diese ungeschriebenen Regeln über die Wertigkeit des Fremdwortes durchbrochen werden,
wenn ironische, humoristische, satirische oder andere Untertöne angeschlagen werden sollen. In dieser Beziehung zeichnen sich wieder deutsche Zeitschriften, besonders “Der Spiegel” aus. Aber das Spielen mit dem
Fremdwort zur Erzielung eines ganz bestimmten Effektes ist auch in anderen
Publikationen zu verzeichnen; es eignet sich dazu offensichtlich besser als
das deutsche Wort. Dafür ein Beispiel mit Fan:
Sicher ist, dass ... manch diplomatischer Kollege ... sich über ein Stol pern
des Bismarck-Fans freuen würde. (Ztg.)
Nach allgemeinem Sprachgebrauch ist man kein Fan eines Politikers
oder Christi, sondern ein Fan ist “ein begeisterter, leidenschaftlicher, meist
jugendlicher Anhänger einer Person (Schauspieler, Sänger) oder einer Sache
(Sport, Film, Tanz usw.)”. Die erzielte Wirkung ist komisch, iro nisch und
satirisch.
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Im Wortschatz zeichnen sich bestimmte Sachbereiche der anglo-amerikanischen Neologismen ab:
• Reisen, Verkehr und Tourismus
• Sport
• Kleidung und Mode
• Kosmetik und Körperpfl ege
• Farbenbezeichnungen
• Kultur und Musik
• Wissenschaft und Technik
• Handel, insbesondere Essen, Getränke und Genussmittel
• Werbebranche
• Publizistik, Fernsehen
Der englische Einfl uss auf den Wortschatz des Verkehrs ist sehr alt.
Wenn man die Lehnübersetzungen der althochdeutschen Zeit außer Acht
lässt, begegnet man den ersten Übernahmen gerade auf diesem Gebiet in
der Sprache der Schifffahrt. In der Neuzeit ist neben der Schifffahrt die
Eisenbahn als ein Gebiet zu nennen, dessen Wortschatz Anglizismen enthält. Heute ist der englische Einfl uss nicht so bedeutend wie früher. Aber
es gibt doch ziemlich viele anglo-amerikanische Neuerscheinungen auf dem
Gebiet des Tourismus, Verkehrs und Reisens, z. B. Cockpit, (ein)cheken,
Gate, Airline, Jet, Airport, Arrival, Departure, Nonstop, VIP, First Class,
Economy Class, Stewardess, Transfer, Airbus, Standby, Stop over, fasten your
seat-belts, Jumbo-Jet oder:
Unser Hotel hat einen 24 Stunden-Room Service.
Mit Sight, Sound und Speed zur Karibischen See.
Beachten Sie Schilder an Privathäusern mit der Aufschrift “Bed and
Breakfast”.
Im Zeitalter des Massentourismus sind Duty-Free-Shops allen bekannt.
Prüfen Sie quick Ihre Tickets!
Auf dem Gebiet des Sports ist der Einfl uss des Englischen früher sehr
stark gewesen. Selbst das Wort Sport stammt aus dem Englischen. Ebenso
sind viele Sportarten aus England gekommen. Sport in seinem heutigen Sinn
wird in Deutschland erst seit dem 19. Jh. getrieben, aber schon in jenem
Jahrhundert ist die Zahl der englischen Sportausdrücke und -Wör ter im
Deutschen groß. Dieser Einfl uss hat keineswegs nachgelassen, z. B. Jogging,
Kafl ing, Penalty, Corner, Keeper, Body-Bulding oder
Schwimmen, Tennis, Golf, Jachting – das macht die ganze Familie mit.
In einem Country-Club oder Hotel kann man Golf spielen.
Wir bewähren uns auf dem Tennis-Court, beim Fliegen, Fahren, Lau fen,
Springen...
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Sebastian, 21, ist ein Snowboarder aus Kempten im Allgäu.
Ob Mountainbiking, Skysurfi ng oder House Running – Hauptsache: Der
Nervenkitzel ist groß.
In den USA werden jährlich 1,7 Millionen Offi road-Fahrzeuge verkauft.
Eines der Hauptgebiete des englischen Einfl usses ist heute ohne Zweifel
das der Mode. Viele dieser Wörter sind schon in deutschen Wör terbüchern
verzeichnet. Es kommen aber dauernd neue hinzu und eine ganze Menge von
diesen Bezeichnungen, denen man z. B. in Anzeigen begegnet, wird man
wahrscheinlich nie in Wörterbüchern fi nden.
Auf dem Gebiet der Kosmetik war der englische Einfl uss früher nicht
so sehr bedeutend. Aber seit dem zweiten Weltkrieg wird dieser Einfl uss
außerordentlich stark. In der Werbesprache ist die Kosmetik neben Klei dung,
Nahrungs- und Genussmitteln eines der Hauptgebiete von Über nahmen aus
dem Englischen. Einerseits werden Produkte amerikanischer und englischer
Firmen nach Deutschland importiert, andererseits geben auch viele deutsche
Firmen ihren Erzeugnissen englische Namen:
Hosenanzüge setzen jetzt auf Shirts.
Auch die Designer ließen sich von der Mode inspirieren.
Hosenanzüge und Kostüme tauschen smarte Hemden und Westen gegen
Shirts.
Raffi niertes Styling: in einem hauchfeinem Pullover.
Das Material ist leicht gestretcht.
Sportwear trifft auf Klassik.
Sein Outfi t stammt aus dem HSV Fan-Shop.
Bei einem fülligen Hals ist auch langes Haar okay.
Superbequem und total hip: Frühjahrs-Basics von Free Soul.
Mit dem schnellen Wechsel der Mode sind die Farbenbezeichnungen
eng verbunden. Eigentlich sind sie jedoch eine Modeerscheinung. – Es
ist kein Wunder, dass so viele neue Farbennamen jeweils mit dem neuen
Modetrend entstehen. Unter Farbenbezeichnungen fi ndet man erstaun-
lich viele Fremdwörter. Manchmal werden neue Fremdwörter durch Farbenbezeichnungen in die Sprache eingeführt. Dass neue Farbenbezeichnungen gerade aus dem Englischen entlehnt werden, ist auch nicht
er staunlich – heutzutage kommen solche Erscheinungen häufi g vor:
Diese Wickelbluse kommt zur weiten Workerjeans in Darkblue ganz
groß raus.
Black is beautiful: Bandmitglieder von “New Generation im Cafe de Pa ris”
Modisch interessanter Herrenschuh in Farbe derby-antik und derbybraun.
Reisekoffer... in arizonabraun.
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Atlantikblaue großräumige Reisetasche ist superbequem.
Echter Mokassin in Virginia braun.
Top-Model in den fünf neuen beat-Farben fl ieder, apfelgrün, cuclamrot,
beatgelb und orange.
Ein Kapuzenmantel beatgelb, türkis, pink oder exotic.
Auf dem Gebiet der Kultur ist der Einfl uss Amerikas und Englands stärker als
je zuvor zu beobachten. Wenn man z. B. heutige Lage in der Unterhaltungsmusik
mit der “goldenen Zeit” des deutschen Schlagers vor dem Zweiten Weltkrieg
vergleicht, fallt sofort auf, dass die amerikani sche und heute auch immer mehr
die englische Popmusik bei weitem über wiegt. Das gilt nicht nur für Deutschland,
sondern ist in anderen Län dern zu beobachten. Die Jugendlichen haben heute
dank des ansteigen den Lebensstandards mehr Geld zur Verfügung und sind
daher ein wich tiger Faktor z. B. in der Werbung geworden. Ein beträchtlicher
Anteil der Werbung wird heute direkt an sie gerichtet. Kein Wunder, dass die
Aus drücke der Popmusik ihren Weg in die Werbesprache gefunden haben.
Auch Ursprung und Schwerpunkt der von Jugendlichen konsumierten Musik liegen in England und Amerika, sodass man mit der Feststellung, die Sprache der Pop-/Rock-Kultur sei ein einziger, mit deutschen
Funktionswörtern gesprenkelter Anglizismus, keineswegs übertreibt, z. B.
Nonstopmusik, Festival, hot music, Sound oder
Mit ihren intelligenten, provokanten Popsongs wurde sie in Frankreich
zum Superstar.
Go-Go-Party. Wer macht mit?
Luxus, Komfort, Service und Entertainment enthalten in diesem Hotel
neue Akzente in der Saison.
Musik macht happy. Musik mit dem Sound, der unter die Haut geht.
Hier geht es um den Einfl uss der Showbusiness-Sprache und um die
englischsprachigen Lieder, die sich bei heutigen Jugendlichen hoher Beliebtheit erfreuen und die deutsche Sprache befruchten.
Das Gebiet der Wirtschaft und Technik ist immer entlehnungsfreudig
gewesen. Heute dringt besonders die Sprache der Datenverarbeitung stark
hervor. Die elektronische Datenverarbeitung fi ndet sich gerade heute sehr
stark im Ausbau, und die Zahl der Menschen, die mit diesen Anlagen
unmittelbar zu tun haben, wird immer größer. Die Sprache der Datenverarbeitung ist heute sehr uneinheitlich und von amerikanischen Fremdwörtern durchdrungen. Ein Fachmann ist im Allgemeinen im Stande, diese
sonderliche Sprache zu verstehen, kaum dagegen ein Laie, Anfän ger. Es
gibt zwar Lexika der Datenverarbeitung, aber sie sind vor allem für den
betriebsinternen Gebrauch bestimmt und die Terminologie variiert oft von
Betrieb zu Betrieb. Außerdem sind die Wörterbücher der Daten verarbeitung
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
sehr kurzlebig. Die Entwicklung schreitet so schnell voran, dass die
Wörterbücher kaum Schritt halten können.
Trotz alledem beeinfl usst die Sprache im Bereich Computer schon jetzt
die Gemeinsprache und erobert immer neue Wirkungsbereiche. Vielen
sind solche Wörter und Ausdrücke bekannt wie etwa Hard- und Software,
Operations-Research, Server, Marketing, Management für Italien, ProduktMa nager, Non-Food-Abteilung bzw. Non-Food-Spezialist, Service oder:
Programmieren Sie Ihre Bein-Schönheit (aus einer Damenzeitschrift)
Das Floaten des Dollars war in aller Munde.
Das ist eine der größten Time-Sharing-Organisationen.
Unser Programm umfasst die Herstellung aller Endlos-Formulardrucke
und Snap-out-Sätze.
Besonders die Werbesprache ist mit englischen Ausdrücken übersät tigt.
Ein Grund dafür ist, dass die Werbeagenturen der USA einerseits Vorbilder
für deutsche Agenturen sind und andererseits auch amerikani sche Agenturen
in Deutschland arbeiten. Überhaupt wirkt das amerika nische Wirtschaftsleben
vorbildlich. Die Effektivität des amerikanischen Kaufmanns erregt bei den
Europäern Bewunderung und spornt zur Nach ahmung an. Das amerikanische
Moneymaking bestimmt das Leben von immer weiteren Kreisen der
Bevölkerung. Die Stellenangebote der Ta geszeitungen sind ein Gebiet, wo
man den sprachlichen Einfl uss deutlich sieht. Oft fi ndet man in ihnen so
ungewöhnliche Wörter und Wendun gen, dass man die Anzeigen kaum versteht.
Nicht nur Fremdwörter sind daran schuld, auch deutsche Neubildungen
können schwerverständlich sein. Bei vielen diesen Bildungen versagen sogar
die Lexika. “Es bleibt nur zu hoffen, dass es die verstehen, die es angeht.”
Klagen über “Deng lisch” auf dem Gebiet hört man dauernd von vielen Seiten –
diese Fremd neubildungen haben keine klaren, feststehenden Bedeutungen und
“auch in Amerika wisse man nicht immer, was diese Wörter bedeuten...”
Gründe zum häufi gen Gebrauch englischer Wörter auf diesem Ge-
biet gibt es sicherlich sehr viel. Erstens ist es “modisch”, sich auf Eng lisch
auszudrücken. Weiter ist die Anzahl der englischen Anzeigen in deut schen
Tageszeitungen nicht unerheblich. Amerikanische Firmen haben Tochter- und
Zweiggesellschaften in Deutschland, die ihre Stellenange bote auf Englisch
verfassen. Diese Anzeigen erleichtern sicherlich den Entlehnungsvorgang und
führen besonders neue Berufsbezeichnungen ein. Es fällt gerade auf, dass es
insbesondere Werbeagenturen (auch deut sche) sind, die solches “Denglisch”
schreiben. Man könnte wohl mei nen, dass sie die Gelegenheit benutzen, um
anschließend auch ein Ar beitsbeispiel, eine Stilprobe sozusagen, zu zeigen.
Schließlich sind die mit fremden Termini überfüllten Anzeigen
gewissermaßen ein “Numerus clausus”, es wird sich kaum jemand für die
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
offene Stellung bewerben, der nicht einmal richtig weiß, worum es hier
eigentlich geht. So z. B. heißt es in seinem Stellenangebot:
Wir erwarten den Typ der technical manager, der mit den gesamten Lieferquellen im europäischen Raum vertraut ist.
Als Diplomkaufmann oder Diplomvolkswirt können Sie alle wichtigen
Aufgaben dieses Bereichs kennen lernen, wie Finanzplan, Budget, Control,
Gewinnplan usw.
Zum Schluss muss man bemerken, dass man vor dem Prozess der Entstehung
neuer Wörter und Wendungen auf Grund des Einfl usses von der englischen
Sprache keine Angst haben soll. Es gibt wenigstens zwei Gründe dazu.
Man hat erstens Wörter englischer Herkunft in Schriftbild und Aus sprache
total “eingedeutscht”, d. h., sobald ein englischsprachiges Fremd wort in die
deutsche Sprache aufgenommen wird, kann es einem Assimilationsprozess
unterliegen, der sich auf graphischer, morphologischer oder lexikalischsemantischer Ebene ereignet.
Man hat zweitens viele neue Angebote aus dem Englischen ohne Mühe
populär und vernünftig übersetzt, statt sie zu übernehmen: Gehirnwäsche
sagt man statt brain washing; auch Kalter Krieg, Luftbrücke, schweigende
Mehrheit, Selbstbedienung. Aber wäre es jemandem wirklich lieber, so kann
man sagen cold war, airlift, silent majority, self-service. Das ist schon eine
persönliche Sache, wenn es korrekt und am Platze gebraucht wird.
Stilistisch interessant ist folgende Spracherscheinung. In übergroßer
Begeisterung fürs Englische konservieren die Deutschen ein Wort, das
im englischen Sprachraum gestorben ist: Smoking sagt man zu dem Kleidungsstück, das englisch Dinner jacket heißt; No smoking bedeutet
bekanntlich, nicht etwa Smoking unerwünscht, sondern Rauchen verbo ten.
Also man erfi ndet englische Wörter, die die englische Sprache nicht kennt:
Dressman, Twen oder
Showmaster schrecken vor nichts zurück.
Die Neologismen der letzten Jahre
Die Erneuerung des Wortschatzes jeder Sprache ist ununterbrochen. In
den letzten Jahren wird in allen Sprachen der neologische Boom beobachtet,
der durch interlinguistische und extralinguistische Faktoren bedingt wird.
Zu den extralinguistischen Faktoren gehören gesellschaftlich-politische,
ökonomische, materielle Veränderungen der menschlichen Tätigkeit, wenn
die notwendig neue Bezeichnungen in die Sprache einzuführen auftaucht.
Zu den intralinguistischen Faktoren zählt man Entlehnungen, Wortbildung
und Zusammensetzung. Die Neologie als selbständiger Zweig erschien in
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der Zeit der wissenschaftlichen
Erkenntnisse, die die ganze Welt und den Menschen selbst verändert haben.
(А. Н. Иванов, 1984)
Die neuen Arbeiten zu diesem Thema von A. A. Polikarpow, W. P. Usotowa,
G. B. Bukowa zeugen von der Bildung besonderer Art der Linguistik, –
die Wahrscheinlichkeitstheorie, die nicht realisierten Möglichkeiten des
Wortbildungssystems und Erscheinungsmöglichkeiten der neuen Wege der
Wortbildung prognosiert. In den letzten Jahren beobachtet man Entlehnungen
auf dem Gebiet der Computertechnologie: z.B. Facebookparty – вечеринка
организованная посредством фейсбука, Internetsurfen – поиск информации
в интернете, Klammeraffe – собака, x-came – экстремальные игры, модная
музыка – Kuschelrock – мягкая рок-музыка, MP3-Spieler – любой прибор,
проигрывающий MP3-музыку, McDonaldisierung – распространение
в обществе системы по типу Mc-Donalds usw., Entlehnungen (Basejumping –
прыжки с парашютом с скал, домов или мостов, Metapher – “Tschernobyl” –
eine x-beliebige große Katastrophe und das Epiteton “kulturelles Tschernobyl”
wird aktiv von den Theaterkritikern in Bezug auf die nicht gekonnten
Aufführungen gebraucht: Phraseologie (Ende Gelände
– “уже достаточно”),
Paronomasie (lieber leicht aufhören, als “light” rauchen).
Unter den Neologismen herrschen vor, Neubildungen: Besserwessi –
представитель старого света, который ведёт себя заносчиво, Bauchgefühl –
интуиция, All-inklusiv-Reise – путешествие «всё включено».
Das Wort – das Mobben, das Mobbing – третирование коллег und dazu eine
Menge substantivierten Neubildungen: 1. mobben – das Mobben – der Mobber;
2. Mobbenberatung – Mobbinggewinler – Mobbingopfer – Mobbingtelefon –
Anti-Mobbing-Verband. Es wäre interessant die Neologismen zu erwähnen, die
in den letzten 12 Jahren erschienen sind, gebildet von dem aus dem Englischen
entlehnten Wort “Internet” (Л. В. Новикова, 2010).
Die allerneusten Neologismen, die von “Duden-Allgemeinbildung
kompakt. Frisches Wissen” angeführt werden.
Berufsleben.
Ein-Euro-Job. Bei einem Ein-Euro-Job handelt es sich um eine
sozialversicherungsfreie Beschäftigung Homeoffi sse. Das hat zur Folge, dass
einige Arbeitnehmer teilweise oder komplett von zu Hause arbeiten.
Trendscout – der Beruf des Trendscouts kommt aus der Marktforschung.
Seine Hauptaufgabe ist es, Trends in der Mode, bei Schmuck, Software,
Lifestyle, Möbel und Spielwaren zu analysieren und zu defi nieren.
Assenssment-Center. Assenssment-Center ist ein psychologisches
Testverfahren.
Jobhopping – dieser Begriff bezeichnet einen häufi gen Arbeitswechsel.
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Bildung.
Exzellenzinitiative. Die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern wurde
von der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD)
angestoßen. Sie sollte die deutschen Universitäten in Forschung und Lehre
stärken und gliederte sich in drei einzelne Förderprogramme. Vor allem
wurden Universitäten für ihr Zukunftskonzept ausgezeichnet, was in der
Öffentlichkeit häufi g als “Eliteuniversität” bezeichnet wurde.
Juniorprofessor. Es wurde in den deutschen Universitäten die Position
Juniorprofessor eingeführt. Damit soll jungen Wissenschaftlern mit
herausragender Promotion ohne die bisher übliche Habilitation direkt die
Forschung und Lehre an Hochschulen ermöglicht werden.
Biowelle.
Bionik. Die Bionik beschäftigt sich mit den Entschlüsselungen der Natur.
Biosiegel. Ein Biosiegel ist ein gutes Prüfsiegel, mit dem Erzeugnisse aus
der ökologischen Landwirtschaft gekennzeichnet sind.
Add-on. Das Wort stammt aus dem Englischen und bedeutet etwas
“Hinzugefügtes”.
FA Q – oder Fak. FAQ ist die Abkürzung für häufi g gestellte Fragen.
Icon. (aikn) Als Ikon werden kleine Symbole in der Computerwelt
bezeichnet.
Fremdwörter
Der Begriff “Fremdwort” lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Nicht
jedes Wort, das aus einer fremden Sprache stammt, bleibt ein Fremd wort.
Viele Wörter fremden Ursprungs passen sich mit der Zeit der auf nehmenden
Sprache so an, dass sie von einheimischen Wörtern nicht zu unterscheiden
sind. Sie heißen “Lehnwörter”, z. B. Kirche, Fenster.
Die Geschichte der deutschen Sprache zeigt, dass in Zeiten starker
politischer, ökonomischer oder kultureller Bindung Deutschlands an an dere
Völker fremdes Sprachgut aufgenommen wurde. Dieser Prozess ent spricht
völlig dem Wesen der Sprache als Kommunikationsmittel. Ergeb nis des
umfangreichen internationalen Verkehrs sind die zahlreichen Fremdwörter,
die nach 1945 ins Deutsche aufgenommen wurden (vor al lem aus dem
Anglo-Amerikanischen).
Heutzutage gibt es im Wortbestand der deutschen Sprache viele
Fremdwörter. Das sind Internationalismen, volkstümliche (populäre) und
unpopuläre fremdsprachige Wörter.
Für und wider die Verwendung von Fremdwörtern tobt der Kampf der
Sprachkundler seit Jahrzehnten.
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Die Puristen des 18. und des 19. Jhs waren bestrebt, “die Muttersprache in Schrift und Rede zu halten”. Man solle, hieß es, nicht bei fremden
Sprachen betteln zu gehen. Die Gelehrten des 18. Jhs schlugen vor, statt
Egoist – Selbstling, statt Korrespondent – Briefwechsler, statt Monolog –
Alleingespräch, werklich für praktisch zu gebrauchen.
Der Drang, Fremdwörter um jeden Preis zu vermeiden, erscheint heu te
komisch. D. Faulseit schreibt: “Wir können nicht generell alle Fremd wörter
verdammen oder gutheißen, sondern wir müssen von Fall zu Fall entscheiden,
indem wir uns jeweils die Frage stellen: Ist es sprachlich und stilistisch im
gegebenen Fall von Nutzen, dass wir uns dieses oder jenes Fremdwortes
bedienen.” (D. Faulseit, G. Kühn, 1975)
Im Allgemeinen wird man ein Fremdwort vermeiden, wenn ein gutes
Gleichwort in der eigenen Nationalsprache vorhanden ist. Aber die fremdsprachigen Wörter und Wendungen bieten vielseitige Verwendungsmöglichkeiten, man muss sie dort nutzen, wo es angebracht ist. Sie verhelfen
oft bestimmte Erscheinungen der Wirklichkeit möglichst klar und sprachökonomisch auszudrücken: detaillieren – die deutsche Entsprechung wäre
eine ganze Umschreibung: Elan für Schwung, Aggression statt Angriff, Dis-
kriminierung statt Herabsetzung oder Herabwürdigung. Im Vergleich zu
den deutschen Entsprechungen haben sie eine stärkere Ausdruckskraft und
können eine stärkere Wertung ausdrücken.
Unter “Fremdwort” verstehen die Linguisten die Wörter, denen noch
einige Merkmale fremdsprachiger Abstammung anzusehen sind. Nach
W. Fleischer und G. Michel (1975) sind Fremdwörter “...diejenigen Wör-
terfremdsprachiger Herkunft, die sich durch Lautgestalt, Aussprache, Schreibung, Betonung, Beugung oder auch einen Teil dieser Merkmale von den im
Deutschen sonst geltenden Gesetzen unterscheiden”.
Das Duden-Fremdwörterbuch unterscheidet einige Kriterien zur Erkennung eines Fremdwortes. Obwohl es dabei zu betonen ist, dass es eigentlich keine eindeutigen und zuverlässigen Kriterien gibt, kann man doch
vier Merkmale nennen, die oft – wenn auch nicht immer – ein Wort als nicht
muttersprachlich erkennen lassen:
die Bestandteile des W ortes, so werden z. B. Wörter mit bestimmten Vor- und
Nachsilben als fremd angesehen (expressiv, Kapitalismus, Kon frontation);
die Lautung, d. h. die vom Deutschen abweichende Aussprache
(z. B. Team [ti:m] oder die nasale Aussprache von Engagement;
die Betonung, d. h. der nicht auf der ersten oder Stammsilbe liegende
Akzent (absolut, Energie, Parität);
die Schreibung, d. h. das Schriftbild zeigt für das Deutsche unübliche
Buchstabenfolgen, unübliche graphische Strukturen, z. B. bibliographieren,
Bodybuilder, Courage u.Ä. Bestimmte Buchstaben und Lautverbin dungen
können Fremdsprachlichkeit signalisieren;
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