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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Der fremde Ausdruck kann neben dem deutschen umgekehrt der Ver­stärkung des Effekts dienen (synonymische Wiederholung).
In ernsten Lebensbereichen wird durch bewusst ungewöhnliche Wortverwendung eine gewisse Schockwirkung (Überraschungseffekt) erzielt.
Der Job wirkt auffallend, wenn von der Königin Elisabeth als Frau mit dem besten Job gesprochen wird. Mit dem Wort Slogan verbinden sich auch kommerzielle oder politische Assoziationen und doch kann man vom kirchlichen Werbeslogan lesen: Die Bibel ist kein Bestseller, obwohl es das
meist verkaufte Buch der Welt ist.
Schließlich ist darauf zu verweisen, dass das Fremdwort auch im Zusammenhang mit Stilschichten und Stilfärbung des Wortschatzes eine Rolle spielt. So gibt es eine erhebliche Anzahl von Fremdwörtern mit usu­eller pejorativer Färbung: (verbrecherische) Clique, Visage, Gazette.
Andere Fremdwörter gehören der gehobenen Stilschicht an und ha ben die Färbung des Gewählten, Feierlichen. Sie werden verwendet, um das Bezeichnete besonders hervorzuheben: Auditorium, Salon.
Fachlexik
Die Fachsprache unterscheidet sich von der Gemeinsprache, an der alle Mitglieder der Sprachgemeinschaft teilhaben, vor allem durch einen besonderen Wortschatz, die so genannte Terminologie und durch sonstige syntaktische und stilistische Eigenarten. Die Fachsprache soll es ermögli­chen, fachliche Gegenstände besonders klar, eindeutig, genau, exakt und vollständig zu bezeichnen, z. B. Pinale (Technik), derivativ, Parole (Lingu­istik), Foul, Penalty (Sport), Äquilibrierung (Medizin), Fauna (Zoologie), ionisieren (Physik), digital (Medizin- und Datenverarbeitungstechnik).
Die Welt um die Wende vom 20. Jh. zum 21. Jh. ist durch eine fortlau­fend stärkere Spezialisierung menschlicher Kenntnisse und Tätigkeiten ge­prägt, die ständig neue Bedingungen der Verständigung untereinander mit sich bringt. Zu denken ist hier insbesondere an die Bereiche Technik, Me- dizin, Wirtschaft, Kultur, Politik oder Verwaltung. Mit dieser Spezialisierung geht zudem oftmals auch eine Popularisierung solcher Kenntnisse und Tä­tigkeiten einher, welche durch deren Bedeutung im Alltag bedingt ist und hier ebenfalls zu laufend geänderten Verständigungsbedingungen führt. Vor diesem Hintergrund kommt dem Gebrauch von Sprache als Mittel der fach­lichen Verständigung eine besondere Bedeutung zu. Die Beschäftigung mit Fachsprachen geht hierbei davon aus, dass der Gebrauch von Sprache in solch verschiedenen Bereichen jeweils eigenständige und dabei miteinander vergleichbare Züge aufweist, die die Verständigung unterstützen.
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Der Terminus Fachsprache ist bis heute nicht gültig defi niert. Die Schwierigkeit der Festlegung des Begriffes Fachsprache liegt darin, dass er kontrastierend zum Begriff Gemeinsprache gebraucht wird und so un­terschiedliche Bereiche wie handwerkliche, technische oder wissenschaft­liche Sprache und ihre Übergangsformen abdeckt. Diese als Fachspra chen bezeichneten Gebilde erscheinen in der deutschen sprachwissen schaftlichen Fachforschung unter Benennungen wie Arbeitssprache, Be rufssprache,
Gruppensprache, Handwerkersprache, Sekundärsprache, Son dersprache, Standessprache oder Teilssprache. Allen diesen Bezeichnun gen eignet
die Vorstellung, dass die bezeichnete Sache auf bestimmte Sprachgruppen beschränkt, von der Gemeinsprache isoliert oder einfach ausgesondert sei und ein eigenes Sprachsystem bilde. (H. Fluck, 1991)
Fachwortschatz: Begriff und Schichtung
Fachwörter dienen der präzisen Erfassung, Benennung und Beschrei­bung der gegenständlichen und theoretischen Elemente und Prozesse von Fachgebieten in Wissenschaft, Technik und Kunst sowie im weitesten Sin ne in allen Bereichen der speziellen menschlichen Tätigkeit. Sie sind Mittel der Erkenntnistätigkeit und der fachlichen und beruflichen Kommuni kation. Der Fachwortschatz weist eine komplizierte Schichtung auf; zwischen dem allgemeinsprachlichen Wortschatz, der der Mehrheit der Sprachträger einer Sprachgemeinschaft verständlich und bekannt ist, und dem Fachwortschatz bestehen fließende Übergänge. Dabei sind im We sentlichen zu unterscheiden:
allgemeinsprachliche Wörter, die in allen Fachdisziplinen gebraucht werden,
allgemeinsprachliche Wörter, die in Abhängigkeit von der Spezifi k der jeweiligen Fachrichtung verwendet werden, ohne einen wissenschaft lich defi nierten Begriff zu benennen, Termini im engeren Sinne.
Die wissenschaftlich-technische Terminologie bezieht sich auf die schriftliche, buchsprachliche Rede und gehört zur Literatursprache. Die Professionallexik ist in der Regel in der mündlichen Rede zu verwenden, sie gehört nicht nur zur Literatursprache, sondern zu den peripheren Schich­ten des Gemeinwortschatzes. Also soll die Terminologie der modernen Wissenschaft und Technik als eine gesonderte lexikalische Schicht der Ge­meinsprache betrachtet werden. Über den engster Zusammenhang zwischen der Terminologie und der Gemeinsprache spricht auch die Tat sache, dass viele Termini heutzutage von Laien verstanden, gebraucht und zum Teil des
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Gemeinwortschatzes werden. Die Ursache dieser Erschei nung soll im immer steigenden Ausbildungsniveau gesucht werden.
Der Aufschwung der Wissenschaft hatte selbstverständlich als außerlinguistischer Faktor auf die Entwicklung des Wortschatzes großen Ein fluss. Einerseits entstanden auf verschiedenen Fachgebieten viele neue Termini oder sie wurden aus internationalen Fachsprachen übernommen. Andererseits drangen infolge der starken Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse zahlreiche Fachbezeichnungen in den Allgemeinwortschatz ein und verloren ihre funktionale Markierung. Das führte zur Intellektualisierung der Sprache.
Es gibt glücklich ausgeprägte Ausdrücke, die über das Fach hinaus­gingen und die Sprache bereicherten. So wurden z. B. verdrängen von der Psychoanalyse, bankrott von der Finanzsprache aufgenommen. Die neue Medizin beschrieb die Allergien. Die Sprache übernahm und erweiterte den Begriff: Die Menschen sind nicht nur gegen Speisen, sondern auch
ge gen Textilien, gegen Menschen allergisch.
Die Autosprache gab als gutes Bild für Geistesgegenwart: Ich habe schnell geschaltet.
Fachausdrücke sollen innerhalb der Fächer bleiben.
Fachspezifisch verwendete Wörter
der Allgemeinsprache
Das Wort Parameter, das früher nur zum Fachwortschatz der Mathe matik gehörte, ist auch in der Technik und Wirtschaft und damit in den allgemeinen Sprachgebrauch vorgestoßen. Auch noch als Beispiel: Paradenthose (Medizin), sich ein-/ausschalten, das Fax – faxen (Technik).
Umgekehrt wird aber auch der Fachwortschatz ständig durch den All­gemeinwortschatz bereichert.
Der fachsprachlichen und berufl ichen Kommunikation dienen weiterhin fachspezifi sch verwendete Wörter der Allgemeinsprache, die im Unterschied zu den Termini keinen wissenschaftlich defi nierten Begriff benennen. Viele allgemeinsprachliche Lexeme werden fachrichtungsbe dingt in bestimmten Fachsprachen verwendet. Sie haben keine fachspe zifi sche Bedeutung, stehen jedoch mit Spezifi ka der jeweiligen Fachrich tung in unmittelbarem Zusammenhang. Dazu gehören allgemein sprach liche Bezeichnungen von technischen Details, Geräten und Werkzeugen sowie von Arbeitshandlungen, z. B. in der Elektrotechnik: Kabelкабель, Glühlampeэлектрическая
лампа, Schalter – выключатель; in der Chemie: Tropfen – капля, Stopfen – пробка, spülen – полоскать.
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Termini
Termini sind durch Defi nition begriffl ich festgelegt, z. B. (biol.) Sym biose симбиоз: Zusammenleben artverschiedener Organismen zu ge genseitigem Nutzen; Symbiontсимбионт: Lebewesen, das mit einem anderen in Symbiose lebt. Der einem Terminus zu Grunde liegende Be griff ordnet sich in das Begriffssystem des betreffenden Fachgebiets ein. Daneben enthält der jeweilige Fachwortschatz auch Termini anderer, zumeist übergreifender Disziplinen, z. B. mathematische Termini, Ter mini in der Physik und Elektronik.
Termini können polysem bzw. homonym sein, Ihre Formative treten in verschiedenen Fachwortschätzen auf, jedoch mit jeweils spezifi scher fach- licher Bedeutung, z. B. Adaptionадаптация (allgemeine Bedeutung: “Anpassung an wechselnde äußere Bedingungen“):
(mus., lit.) Umarbeitung eines musikalischen oder literarischen Wer kes, um es den Bedingungen einer anderen Gattung anzupassen;
(biol.) Anpassungsvermögen von Zellen, Geweben und Organen an wechselnde Umwelteinfl üsse;
(physiol.) Fähigkeit eines Sinnes, bei fortdauernder Einwirkung ei nes gleich bleibenden Reizes mit einer Änderung des Wahrneh­mungsbereiches zu reagieren;
(kyb.) Prozess der systembezogenen Informationsgewinnung und
-auswertung mit dem Ziel, einen bestimmten Zustand bzw. ein be­stimmtes Verhalten zu erreichen.
Zu den Termini gehören auch lexikalisch-semantische Varianten von allgemeinsprachlichen Lexemen, die neben ihren allgemein sprachlichen Bedeutungen zusätzlich wissenschaftliche oder technische Begriffe be­nennen, z. B. Adresse:
Wohnsitzangabe einer Person, Anschrift einer Institution;
An eine politische Institution oder Person gerichtetes feierliches Schreiben einer Gruppe, Institution o.Ä.;
numerische oder alphanumerische Kennzeichnung eines bestimm­ten Bereichs im Speicher eines Digitalrechners (Programmieren).
Termini können in Form von Einwortbenennungen (wie die bisheri gen
Beispiele) oder auch als Mehrwortbenennungen auftreten, z. B. (math.)
Eulersche Gleichung – ypaвнение Эйлерa, (physikal.) kommunizierende Gefäße – сообщающиеся сосуды.
Viele Termini sind aus modernen Sprachen entlehnt und von den Ein­zelsprachen mehr oder weniger stark assimiliert worden. Dabei sind für einige Fachgebiete bestimmte Gebersprachen charakteristisch, z. B. für die Musik das Italienische: staccato – dt. Stakkato/Staccato, russ. стаккато;
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für den Sport das Englische: bobsleigh – dt. Bobsport, russ. бобслей; für die elektronische Datenverarbeitung das Englische: Software – dt. Software, russ. программное обеспечение.
Berufsjargonismen
Für x-beliebige professionale Kommunikation ist das Vorhandensein von einer gewissen Menge der Jargonismen kennzeichnend, d. h. der Wortschatzeinheiten mit dem Bewertungscharakter, die die Haltung der Mit glieder der einschlägigen, homogenen, mit einem Beruf verbundenen Gemeinschaft zu den Umgebungsgegenständen übergeben.
Die Entstehungsfrage der professionalen Jargonismen ist sowohl in linguistischer als auch in sozialer Hinsicht sehr interessant. Die Mehr­zahl der Sprachwissenschaftler erklärt deren Entstehung vor allem mit psychologischen Gründen (R. Krön, G. Moser, W. Porzig, 1916: 34).
Professionelle Jargonismen sind für Angehörige anderer Berufe nicht immer verständlich. Die Stilfarbung der Berufsjargonismen umfasst die Skala vom Umgangssprachlichen über das Saloppe bis zum Groben.
In der Berufslexik macht sich die Tendenz zur Sprachökonomie be­merkbar (oft greift man zum emotionalen Synonym, scherzhaft oder sa­tirisch, zum Berufsjargonismus): Manus – Manuskript, Gänse – Gänse- füßchen (Redaktionsbereich); der Achter – ein Boot mit acht Ruderern.
Die Berufsjargonismen setzen sich auf jedem Fachgebiet durch, z. B. eine Springstunde haben (Lehrersprache). In der Verlagstätigkeit nennt man die letzte, häufi g kürzere Zeile des Absatzes, die als erste Zeile auf einer anderen Buchseite steht Hurenkind; die erste, häufi g eingezogene Zeile des Absatzes, die als letzte Zeile auf einer Buchseite steht, wird Schuster junge genannt. In der alltäglichen Bürosprache wird der Antisteppler Stief mutter genannt und der Lastfahrstuhl bei Bauarbeitern Hexe benannt.
Besonderheiten der Fachsprache unter stilistischem Aspekt
Die Metonymie ist neben der Metaphorik ein weiteres produktives Mittel zur Bildung von Fachbezeichnungen. Produktiv in den verschie­denen Fachsprachen ist insbesondere die Übertragung der Namen von Personen auf ihre Entdeckungen und Erfi ndungen, ohne dass zunächst eine Änderung der Lautform erfogt. Syntaktisch-morphologisch handelt es sich um einen Wechsel der Wortart (so genannte Konversion, Nullab­leitung). Dies bedeutet, dass die konvertierten Wörter die morphologisch
-syntaktischen Funktionen der neuen Wortart übernehmen und Zusam-
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mensetzungen, Ableitungen und Präfi gierungen ermöglichen, z. B. Kilo watt, Bessemerverfahren, voltaisch, dieseln, röntgen, Einsteinium (das nach A. Einstein genannte chemische Element).
Insbesondere die naturwissenschaftlich-technischen Fächer benen­nen neue Entdeckungen und Erfi ndungen gerne mit dem jeweiligen For- schernamen, z. B.: Diesel-, Otto-, Wankelmotor. Zu den bekanntesten me tonymischen Fachbezeichnungen in der Chemie zählen der Erlenmeyer-
Kolben, kurz Erlenmeyer genannt (deklinierbar), der Bunsenbrenner und das Haber-Bosch-Verfahren (Ammoniak-Synthese). Hinzu kommen zahlreiche
Umlagerungen, Synthesen und dergleichen, die nach Chemi kern benannt wurden, z. B. Bartsche Reduktion, die Schiffsche Base, die Zerenitinov-
Tschugajewsche Bestimmung aktiver H-Atome.
In der Physik kennt man den Faraday-Effekt, das Ohm’sсhe Gesetz sowie die physikalischen Einheiten Ampere, Volt, Watt, Celsius usw., die alle einen Forschernamen tragen. Auch hier werden Apparate nach ih rem Erfi nder benannt wie der von de Graaf (zur Erzeugung höherer Span nung) oder Mac Leod (zur Druckmessung).
Diese Art Benennung widerspricht oft der Forderung an einen Ter­minus nach Systemhaftigkeit, Eindeutigkeit und Selbstdeutigkeit: Blau gas – farbloses, von Blau und Riedinger entwickeltes Gas. Dennoch bleibt diese Bildungsweise unter den Forschern produktiv, z. B. bei der Benen nung neuer astronomischer Entdeckungen.
Metaphorischer Gebrauch der Berufsjargonismen
Der metaphorische Gebrauch, d. h. “die (bildhafte) Übertragung des Bezeichnenden auf ein neues Bezeichnetes” (Hoffmann, 1976: 297), ist in den Fachsprachen weit verbreitet und vor allem in der fachlichen Umgangssprache beliebt, wo sie der sprachlichen Verlebendigung von Arbeit und Gerät dienen, z. B. Anker: Teil des Elektromotors; Krokodilklemme: Klemme mit gezackter Öffnung; Sumpf: bräunlicher bis schwarzer, dreiartiger Destillationsrückstand; oder ein Auszug aus der Wirtschaftsspra che: Aufstieg aus dem Tal der Tränen wirkt sehr bildhaft, bedeutet aber “ein erfolgreicher Ausweg aus einer krisenhaften Situation”. Die Meta phern sind auch in der Wissenschaftssprache anzutreffen, z. B. Brutreak tion: Reaktor, der neues spaltbares Material erzeugt, Zylinder: Arbeits raum in Verbrennungsmotoren.
Metaphern sind auch ein Reservoir für neue Wortschöpfungen, z. B. Treibhauseffekt, Tunneleffekt.
In den Fachsprachen spielt die Metaphorik eine wichtige Rolle, um neue Gegenstände und fachliche Erscheinungen zu benennen. Je nach Art des
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der Metapher zugrunde liegenden Vergleichs, unterscheidet Pel ka (1971:
194) Form-, Funktions-, Bewegungs- und Lagemetaphern, Brand (1995:
9) klassifi ziert sie nach Entlehnungssphäre (z. B. Mensch, Um welt, Tiere) und Analogieart (z. B. Funktion, Bewegung, Lage, Sicht). Die überwiegende Mehrzahl dieser Metaphern entstammt dem vertrau ten Erfahrungsbereich des Menschen:
Formmetapher: Anker, Trommel, Dorn
Funktions- bzw. Lage-/Funktionsmetapher: Bett, Brücke, Tisch
Form-/Funktionsmetapher: Kappe, Fenster, Krokodil
Bewegungsmetapher: Kissen, Schlitten, Flügel
Sichtmetapher: Mönchsschrift, Zwiebel sch
Viele dieser bildhaft-anschaulichen Bezeichnungen beziehen sich auf den Bereich des tierischen oder menschlichen Körpers, z. B. Horn, Schna-
bel, Arm, Knie, Lippe (Metallverarbeitung); Elefantenrüssel, Fliegenkopf, Hasenohr, Schwalbenschwanz (Schriftsetzersprache). In geringerem Aus-
maß werden auch Tiernamen terminologisiert, z. B. Frosch, Hahn. Der Bildgehalt solcher metaphorischen Bezeichnungen verblasst allerdings mit zunehmendem Gebrauch und die expressiv-emotionalen Konnotationen gehen zurück.
Bei der Vielzahl und Beliebtheit metaphorischer Bezeichnungen ist es unvermeidbar, dass eine solche Wortform zur Benennung unterschiedlicher Gegenstände dient. Wie die Tabelle zeigt, bedeutet Frosch im Berg­bau etwas anderes als in der Textil- oder der Elektrotechnik:
Fach Wortform Gegenstand
Bergbau Textiltechnik Hochbau
Frosch Grubenlampe Frosch Endsteg an der Webmaschine Frosch Stütze für Balken
Manchmal vollbringen die Fachausdrücke eine hohe stilistische Leis tung, indem sie als Mittel der Satire, der Komik dienen. Der folgende Auszug ist dem Roman “Die Väter” entnommen. Fritz, der jüngste Sohn der Hardekopfs, huldigt dem Fussballsport, einer Leidenschaft, für die seine Mutter kein rechtes Verständnis aufbringen kann.
“Frau Hardekopf konnte sich ... damit nicht befreunden. Fußball fand sie grässlich roh. Und dann diese unverständlichen Ausdrücke: “Modder, datt sitt wie ʼn Goal von Adje. Ist ja pyramidal!” – “Also – was sitzt? Was hast du da eben gesagt? Wie sitzt das?” – ,,Wie ein Goal von Adje!” Frau Hardekopf meinte, ihr Junge spreche Chinesisch. “Also, was das ist, weiß ich auch nicht. – Und wer ist Adje?” – “Ach, Modder, du weißt aber auch gar
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nichts. Das ist doch Adolf Däger von ... Altona 93”. – “Von Altona 93? Wo ist das?” – “Aber das ist doch der berühmte Fußballverein Deutscher Meis­ter.” – Ja, Frau Hardekopf war sehr unwissend.”
Auf lustige Weise zeigt W. Bredel, wie sehr man im Gespräch anein ander vorbeireden kann, wenn einer der Gesprächspartner mit Fachaus drücken um sich wirft (die Unterschiedlichkeit der Interessen).
Der Missbrauch der Fachausdrücke im Stil der schönen Literatur so wie ihre Verwendung ohne künstlerischen Takt macht das Werk kaum les bar, macht es zum Fachbuch mit exakter technischer Beschreibung. Man darf aber den fachlich nicht beschlagenen Leser nicht überfordern. Die professionelle Koloritierung bildet ein Element des sozialen Kolorits. Beim übertragenen Gebrauch ändert die Fachlexik ihre stilistische Färbung.
In der “Aula” von H. Kant wird die Medizinstudentin Schmöde “stu- fengeschaltete Schönheit” genannt. Der Terminus aus der Raketentechnik wird dank der Übertragung stilistisch markiert.
Die Fachlexik schafft das Sprachporträt der handelnden Personen, zeigt uns den Menschen näher. R. Iswal sehnt sich nach seinem Beruf (früher war er als Elektriker tätig), das gibt H. Kant durch die Aufzählung von 27 Termini aus der Elektrotechnik (Drehstrom, Schwachstrom, Gleich strom...).
Die Fachausdrücke (Termini verschiedener Wissenschaftszweige, Pro­fessionalismen bzw. Fachlexik verschiedener Berufssphären) sind funkti onal markiert. Sie schaffen berufl iches Kolorit und können in allen funk tionalen Stilen verwendet werden. Der Stil der schönen Literatur ist dabei keine Ausnahme.
Mit Takt gebraucht zeugt die Verwendung der Fachlexik von bestimm­ter künstlerischer Absicht des Verfassers. Hier ist ein Beleg aus dem Ro­man “Buddenbrooks” von Th. Mann. Der Klavierlehrer hilft dem 8-jäh rigen Hanno Buddenbrook beim Komponieren:
“Was ist das für ein theatralischer Schluss, Johann! Das passt ja gar nicht zum Übrigen! Zu Anfang ist alles ganz ordentlich, aber wie verfällst du hier plötzlich aus H-Dur in den Ouarti-Sext-Akkord der vierten Stufe mit erniedrigter Terz, möchte ich wissen?
Das sind Possen.
Und du tremolierst ihn auch noch!...
Aber gerade auf diesen Mollakkord und diesen Schluss legte Hanno das allergrößte Gewicht, und seine Mutter amüsierte sich so sehr darüber, dass es dabeiblieb.” (Zitiert nach E.G. Riesel, 1975)
In diesem Auszug fi nden sich viele Termini ans dem Bereich des mu- sikalischen Schaffens. Die Anhäufung von Fachausdrücken ist nicht zufällig. Die Termini übernehmen hier eine besondere Funktion: sie die nen unmittelbar
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der Charakterisierung der Figur von Hanno, der schon seine eigenen Kompositionen schafft. Er hört dem Klavierlehrer nicht verständnislos zu. Die Fülle spezieller musikalischer Fachwörter verwirrt ihn nicht, er begreift alles, will aber seine Idee durchsetzen.
Obwohl die Fachausdrücke in ihrer logisch-gegenständlichen Bedeu tung von den Schriftstellern gebraucht werden, kann ihnen im Großzu sammenhang expressiver Ausdruckswert (und daher tiefer Eindruckswert) zukommen.
Wir können uns an Brechts Worte über E. Schrittmatters Sprache er­innern: “Der Traktor ersetzt den Ochsen. Dies alles ist dichterisch gestal­tet. Aus so “prosaischen” Dingen wie Kartoffeln, Straßen, Traktoren wer den poetische Dinge.“
Die Fachwörter schaffen im Werk bestimmtes Arbeitskolorit, die pro­fessionelle Atmosphäre wird spürbar.
Bekannte Vorlagen können in einen anderen Funktionalstil übertragen werden, einerseits mit dem Ziel, durch die Ambivalenz zwischen den stilisti­schen Merkmalen und der Aussage/dem Thema einen komischen Effekt hervorzurufen, andererseits die Stilzüge eines Funktionalbereiches – meistens karikierend – darzustellen. So wurden viele bekannte literarische Vorlagen in die Amtssprache übersetzt, so auch das Märchen “Rotkäppchen»:
ROTKÄPPCHEN AUF JURISTENDEUTSCH
Als in unserer Stadt wohnhaft ist eine Minderjährige aktenkundig, wel che infolge ihrer hierorts üblichen Kopfbedeckung gewohnheitsrechtlich Rot­käppchen genannt zu werden pfl egt...
Vor ihrer Inmarschsetzung wurde die R. seitens ihrer Mutter über das Verbot betreffs Verlassens der Waldwege auf Kreisebene belehrt. Sie machte sich infolge Nichtbeachtung dieser Vorschrift straffällig und begegnete beim
Überschreiten des diesbezüglichen Blumenpfl ückverbotes einem polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen Wohnsitz.
Dieser verlangte in unberechtigter Amtsanmaßung Einsichtnahme in den zum Transport von Konsumgütern dienenden Korb und traf zwecks Tötungs­absicht die Feststellung, dass die R. zu ihrer verwandten und verschwägerten Großmutter eilends war.
Da bei dem Wolfe Verknappungen auf dem Ernährungssektor vorherr schend waren, beschloss er, bei der Großmutter der R. unter Vorlage falscher Papiere vorsprachig zu werden. Da dieselbe wegen Augenleidens krankgeschrie ben war, gelang dem Wolf die diesfällige Täuschungsabsicht, worauf er unter Verschlingung der Bettlägerigen einen Straßaren Mundraub ausführte.
Bei der später eintreffenden R. täuschte er seine Identität mit der Groß­mutter vor, stellte der R. nach und durch Zweitverschlingung derselben sei-
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nen Tötungsvorsatz unter Beweis. Der sich auf einem Dienstgang befi ndliche Förster B. vernahm verdächtige Schnarchgeräusche und stellte deren Urhe­berschaft seitens des Wolfsmaules fest.
Er reichte bei seiner vorgesetzten Dienststelle ein Tötungsgesuch ein, welches zuschlägig beschieden wurde. Daraufhin gab er einen Schuss ab auf den Wolf.
Die Beinhaltung des Getöteten weckte in dem Schussabgeber die Vermu­tung, dass der Leichnam Personen beinhalte. Zwecks diesbezüglicher Fest­stellung öffnete er unter Zuhilfenahme eines Messers den Kadaver zur Ein­sichtnahme und stieß hierbei auf die noch lebende R. nebst Großmutter.
Soziale Jargonismen
Es ist notwendig, die Frage zu klären, was unterm Begriff Jargon ver- standen werden soll, was seine sprachwissenschaftliche Struktur bildet. Hier gehen die Meinungen der Forscher auseinander. Ziemlich verbrei tet ist die Meinung, dass Jargon ein “Sonderwortschatz? oder ein “spezi elles Wörtersystem” sei (St. Stoikov, I. V. Arnold, M. K. Moren). (Zitiert nach B. Larin, 1928) Aber es gibt auch eine andere Einsicht in den Jar gon, als in eine Gesamtheit von lexikalischen, grammatischen und pho netischen Besonderheiten, die durch eine bestimmte Systemorganisati on und ein Normvorhandensein kennzeichnend sind. Solche Meinung hat als erster der französische Linguist M. Koen geäußert, und die sowje tischen Linguisten B. A. Larin und M. N. Peterson stimmten zu. B. A. La rin schrieb: “Der Jargon hat seine Phonetik und Morphologie. Die pho netischen und morphologischen Elemente des Jargons können auf ver schiedene Urquellen zurückgeführt werden, aber nirgendwo kann solche oder gleiche Gesamtheit der Elemente und deren Struktur angegeben werden.” (B. Larin, 1928: 157)
Der Begriff Jargon stammt aus dem Französischen her und bedeutete ursprünglich “unverständliches Geschwätz” – er wird von Bausinger (1997:
17) im Wesentlichen als enteignete Kontrasprache interpretiert. Jargon dient in erster Linie der Geheimhaltung.
Also, der Jargon ist eine Gesamtheit der nicht nur lexikalischen, son­dern auch grammatischen und phonetischen Besonderheiten, die durch eine bestimmte Systemorganisation und ein Normvorhandensein gekenn zeichnet werden. Unter Jargonismen wird nur die Lexik der bestimmten sozialen, altersmäßigen und anderen Gruppen verstanden, d. h. Wörter und Wendungen, die von einem Kollektiv in der mündlichen Rede ge braucht werden und als expressivbewertende und euphemistische Dop pelformen (Dubletten) zu den Wörtern der Literatursprache auftreten.
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