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Файл:Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Der fremde Ausdruck kann neben dem deutschen umgekehrt der Verstärkung des Effekts dienen (synonymische Wiederholung).
In ernsten Lebensbereichen wird durch bewusst ungewöhnliche
Wortverwendung eine gewisse Schockwirkung (Überraschungseffekt) erzielt.
Der Job wirkt auffallend, wenn von der Königin Elisabeth als Frau mit
dem besten Job gesprochen wird. Mit dem Wort Slogan verbinden sich
auch kommerzielle oder politische Assoziationen und doch kann man vom
kirchlichen Werbeslogan lesen: Die Bibel ist kein Bestseller, obwohl es das
meist verkaufte Buch der Welt ist.
Schließlich ist darauf zu verweisen, dass das Fremdwort auch im
Zusammenhang mit Stilschichten und Stilfärbung des Wortschatzes eine
Rolle spielt. So gibt es eine erhebliche Anzahl von Fremdwörtern mit usueller pejorativer Färbung: (verbrecherische) Clique, Visage, Gazette.
Andere Fremdwörter gehören der gehobenen Stilschicht an und ha ben
die Färbung des Gewählten, Feierlichen. Sie werden verwendet, um das
Bezeichnete besonders hervorzuheben: Auditorium, Salon.
Fachlexik
Die Fachsprache unterscheidet sich von der Gemeinsprache, an der
alle Mitglieder der Sprachgemeinschaft teilhaben, vor allem durch einen
besonderen Wortschatz, die so genannte Terminologie und durch sonstige
syntaktische und stilistische Eigenarten. Die Fachsprache soll es ermöglichen, fachliche Gegenstände besonders klar, eindeutig, genau, exakt und
vollständig zu bezeichnen, z. B. Pinale (Technik), derivativ, Parole (Linguistik), Foul, Penalty (Sport), Äquilibrierung (Medizin), Fauna (Zoologie),
ionisieren (Physik), digital (Medizin- und Datenverarbeitungstechnik).
Die Welt um die Wende vom 20. Jh. zum 21. Jh. ist durch eine fortlaufend stärkere Spezialisierung menschlicher Kenntnisse und Tätigkeiten geprägt, die ständig neue Bedingungen der Verständigung untereinander mit
sich bringt. Zu denken ist hier insbesondere an die Bereiche Technik, Me-
dizin, Wirtschaft, Kultur, Politik oder Verwaltung. Mit dieser Spezialisierung
geht zudem oftmals auch eine Popularisierung solcher Kenntnisse und Tätigkeiten einher, welche durch deren Bedeutung im Alltag bedingt ist und
hier ebenfalls zu laufend geänderten Verständigungsbedingungen führt. Vor
diesem Hintergrund kommt dem Gebrauch von Sprache als Mittel der fachlichen Verständigung eine besondere Bedeutung zu. Die Beschäftigung mit
Fachsprachen geht hierbei davon aus, dass der Gebrauch von Sprache in
solch verschiedenen Bereichen jeweils eigenständige und dabei miteinander
vergleichbare Züge aufweist, die die Verständigung unterstützen.
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Der Terminus Fachsprache ist bis heute nicht gültig defi niert. Die
Schwierigkeit der Festlegung des Begriffes Fachsprache liegt darin, dass
er kontrastierend zum Begriff Gemeinsprache gebraucht wird und so unterschiedliche Bereiche wie handwerkliche, technische oder wissenschaftliche Sprache und ihre Übergangsformen abdeckt. Diese als Fachspra chen
bezeichneten Gebilde erscheinen in der deutschen sprachwissen schaftlichen
Fachforschung unter Benennungen wie Arbeitssprache, Be rufssprache,
Gruppensprache, Handwerkersprache, Sekundärsprache, Son dersprache,
Standessprache oder Teilssprache. Allen diesen Bezeichnun gen eignet
die Vorstellung, dass die bezeichnete Sache auf bestimmte Sprachgruppen
beschränkt, von der Gemeinsprache isoliert oder einfach ausgesondert sei
und ein eigenes Sprachsystem bilde. (H. Fluck, 1991)
Fachwortschatz: Begriff und Schichtung
Fachwörter dienen der präzisen Erfassung, Benennung und Beschreibung der gegenständlichen und theoretischen Elemente und Prozesse von
Fachgebieten in Wissenschaft, Technik und Kunst sowie im weitesten
Sin ne in allen Bereichen der speziellen menschlichen Tätigkeit. Sie
sind Mittel der Erkenntnistätigkeit und der fachlichen und beruflichen
Kommuni kation. Der Fachwortschatz weist eine komplizierte Schichtung
auf; zwischen dem allgemeinsprachlichen Wortschatz, der der Mehrheit
der Sprachträger einer Sprachgemeinschaft verständlich und bekannt ist,
und dem Fachwortschatz bestehen fließende Übergänge. Dabei sind im
We sentlichen zu unterscheiden:
• allgemeinsprachliche Wörter, die in allen Fachdisziplinen gebraucht
werden,
• allgemeinsprachliche Wörter, die in Abhängigkeit von der Spezifi k
der jeweiligen Fachrichtung verwendet werden, ohne einen
wissenschaft lich defi nierten Begriff zu benennen, Termini im
engeren Sinne.
Die wissenschaftlich-technische Terminologie bezieht sich auf die
schriftliche, buchsprachliche Rede und gehört zur Literatursprache. Die
Professionallexik ist in der Regel in der mündlichen Rede zu verwenden,
sie gehört nicht nur zur Literatursprache, sondern zu den peripheren Schichten des Gemeinwortschatzes. Also soll die Terminologie der modernen
Wissenschaft und Technik als eine gesonderte lexikalische Schicht der Gemeinsprache betrachtet werden. Über den engster Zusammenhang zwischen
der Terminologie und der Gemeinsprache spricht auch die Tat sache, dass
viele Termini heutzutage von Laien verstanden, gebraucht und zum Teil des
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Gemeinwortschatzes werden. Die Ursache dieser Erschei nung soll im immer
steigenden Ausbildungsniveau gesucht werden.
Der Aufschwung der Wissenschaft hatte selbstverständlich als
außerlinguistischer Faktor auf die Entwicklung des Wortschatzes
großen Ein fluss. Einerseits entstanden auf verschiedenen Fachgebieten
viele neue Termini oder sie wurden aus internationalen Fachsprachen
übernommen. Andererseits drangen infolge der starken Verbreitung
wissenschaftlicher Kenntnisse zahlreiche Fachbezeichnungen in den
Allgemeinwortschatz ein und verloren ihre funktionale Markierung.
Das führte zur Intellektualisierung der Sprache.
Es gibt glücklich ausgeprägte Ausdrücke, die über das Fach hinausgingen und die Sprache bereicherten. So wurden z. B. verdrängen von der
Psychoanalyse, bankrott von der Finanzsprache aufgenommen. Die neue
Medizin beschrieb die Allergien. Die Sprache übernahm und erweiterte
den Begriff: Die Menschen sind nicht nur gegen Speisen, sondern auch
ge gen Textilien, gegen Menschen allergisch.
Die Autosprache gab als gutes Bild für Geistesgegenwart: Ich habe
schnell geschaltet.
Fachausdrücke sollen innerhalb der Fächer bleiben.
Fachspezifisch verwendete Wörter
der Allgemeinsprache
Das Wort Parameter, das früher nur zum Fachwortschatz der Mathe matik
gehörte, ist auch in der Technik und Wirtschaft und damit in den allgemeinen
Sprachgebrauch vorgestoßen. Auch noch als Beispiel: Paradenthose
(Medizin), sich ein-/ausschalten, das Fax – faxen (Technik).
Umgekehrt wird aber auch der Fachwortschatz ständig durch den Allgemeinwortschatz bereichert.
Der fachsprachlichen und berufl ichen Kommunikation dienen weiterhin
fachspezifi sch verwendete Wörter der Allgemeinsprache, die im Unterschied
zu den Termini keinen wissenschaftlich defi nierten Begriff benennen. Viele
allgemeinsprachliche Lexeme werden fachrichtungsbe dingt in bestimmten
Fachsprachen verwendet. Sie haben keine fachspe zifi sche Bedeutung,
stehen jedoch mit Spezifi ka der jeweiligen Fachrich tung in unmittelbarem
Zusammenhang. Dazu gehören allgemein sprach liche Bezeichnungen von
technischen Details, Geräten und Werkzeugen sowie von Arbeitshandlungen,
z. B. in der Elektrotechnik: Kabel – кабель, Glühlampe – электрическая
лампа, Schalter – выключатель; in der Chemie: Tropfen – капля, Stopfen –
пробка, spülen – полоскать.
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Termini
Termini sind durch Defi nition begriffl ich festgelegt, z. B. (biol.) Sym biose –
симбиоз: Zusammenleben artverschiedener Organismen zu ge genseitigem
Nutzen; Symbiont – симбионт: Lebewesen, das mit einem anderen in
Symbiose lebt. Der einem Terminus zu Grunde liegende Be griff ordnet sich
in das Begriffssystem des betreffenden Fachgebiets ein. Daneben enthält
der jeweilige Fachwortschatz auch Termini anderer, zumeist übergreifender
Disziplinen, z. B. mathematische Termini, Ter mini in der Physik und Elektronik.
Termini können polysem bzw. homonym sein, Ihre Formative treten in
verschiedenen Fachwortschätzen auf, jedoch mit jeweils spezifi scher fach-
licher Bedeutung, z. B. Adaption – адаптация (allgemeine Bedeutung:
“Anpassung an wechselnde äußere Bedingungen“):
• (mus., lit.) Umarbeitung eines musikalischen oder literarischen
Wer kes, um es den Bedingungen einer anderen Gattung anzupassen;
• (biol.) Anpassungsvermögen von Zellen, Geweben und Organen an
wechselnde Umwelteinfl üsse;
• (physiol.) Fähigkeit eines Sinnes, bei fortdauernder Einwirkung
ei nes gleich bleibenden Reizes mit einer Änderung des Wahrnehmungsbereiches zu reagieren;
• (kyb.) Prozess der systembezogenen Informationsgewinnung und
-auswertung mit dem Ziel, einen bestimmten Zustand bzw. ein bestimmtes Verhalten zu erreichen.
Zu den Termini gehören auch lexikalisch-semantische Varianten von
allgemeinsprachlichen Lexemen, die neben ihren allgemein sprachlichen
Bedeutungen zusätzlich wissenschaftliche oder technische Begriffe benennen, z. B. Adresse:
• Wohnsitzangabe einer Person, Anschrift einer Institution;
• An eine politische Institution oder Person gerichtetes feierliches
Schreiben einer Gruppe, Institution o.Ä.;
• numerische oder alphanumerische Kennzeichnung eines bestimmten Bereichs im Speicher eines Digitalrechners (Programmieren).
Termini können in Form von Einwortbenennungen (wie die bisheri gen
Beispiele) oder auch als Mehrwortbenennungen auftreten, z. B. (math.)
Eulersche Gleichung – ypaвнение Эйлерa, (physikal.) kommunizierende
Gefäße – сообщающиеся сосуды.
Viele Termini sind aus modernen Sprachen entlehnt und von den Einzelsprachen mehr oder weniger stark assimiliert worden. Dabei sind für
einige Fachgebiete bestimmte Gebersprachen charakteristisch, z. B. für die
Musik das Italienische: staccato – dt. Stakkato/Staccato, russ. стаккато;
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
für den Sport das Englische: bobsleigh – dt. Bobsport, russ. бобслей; für
die elektronische Datenverarbeitung das Englische: Software – dt. Software,
russ. программное обеспечение.
Berufsjargonismen
Für x-beliebige professionale Kommunikation ist das Vorhandensein
von einer gewissen Menge der Jargonismen kennzeichnend, d. h. der
Wortschatzeinheiten mit dem Bewertungscharakter, die die Haltung der
Mit glieder der einschlägigen, homogenen, mit einem Beruf verbundenen
Gemeinschaft zu den Umgebungsgegenständen übergeben.
Die Entstehungsfrage der professionalen Jargonismen ist sowohl in
linguistischer als auch in sozialer Hinsicht sehr interessant. Die Mehrzahl der Sprachwissenschaftler erklärt deren Entstehung vor allem mit
psychologischen Gründen (R. Krön, G. Moser, W. Porzig, 1916: 34).
Professionelle Jargonismen sind für Angehörige anderer Berufe nicht
immer verständlich. Die Stilfarbung der Berufsjargonismen umfasst die
Skala vom Umgangssprachlichen über das Saloppe bis zum Groben.
In der Berufslexik macht sich die Tendenz zur Sprachökonomie bemerkbar (oft greift man zum emotionalen Synonym, scherzhaft oder satirisch, zum Berufsjargonismus): Manus – Manuskript, Gänse – Gänse-
füßchen (Redaktionsbereich); der Achter – ein Boot mit acht Ruderern.
Die Berufsjargonismen setzen sich auf jedem Fachgebiet durch, z. B. eine
Springstunde haben (Lehrersprache). In der Verlagstätigkeit nennt man die
letzte, häufi g kürzere Zeile des Absatzes, die als erste Zeile auf einer anderen
Buchseite steht Hurenkind; die erste, häufi g eingezogene Zeile des Absatzes,
die als letzte Zeile auf einer Buchseite steht, wird Schuster junge genannt. In
der alltäglichen Bürosprache wird der Antisteppler Stief mutter genannt und
der Lastfahrstuhl bei Bauarbeitern Hexe benannt.
Besonderheiten der Fachsprache unter stilistischem Aspekt
Die Metonymie ist neben der Metaphorik ein weiteres produktives
Mittel zur Bildung von Fachbezeichnungen. Produktiv in den verschiedenen Fachsprachen ist insbesondere die Übertragung der Namen von
Personen auf ihre Entdeckungen und Erfi ndungen, ohne dass zunächst
eine Änderung der Lautform erfogt. Syntaktisch-morphologisch handelt
es sich um einen Wechsel der Wortart (so genannte Konversion, Nullableitung). Dies bedeutet, dass die konvertierten Wörter die morphologisch
-syntaktischen Funktionen der neuen Wortart übernehmen und Zusam-
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mensetzungen, Ableitungen und Präfi gierungen ermöglichen, z. B.
Kilo watt, Bessemerverfahren, voltaisch, dieseln, röntgen, Einsteinium (das
nach A. Einstein genannte chemische Element).
Insbesondere die naturwissenschaftlich-technischen Fächer benennen neue Entdeckungen und Erfi ndungen gerne mit dem jeweiligen For-
schernamen, z. B.: Diesel-, Otto-, Wankelmotor. Zu den bekanntesten
me tonymischen Fachbezeichnungen in der Chemie zählen der Erlenmeyer-
Kolben, kurz Erlenmeyer genannt (deklinierbar), der Bunsenbrenner und das
Haber-Bosch-Verfahren (Ammoniak-Synthese). Hinzu kommen zahlreiche
Umlagerungen, Synthesen und dergleichen, die nach Chemi kern benannt
wurden, z. B. Bartsche Reduktion, die Schiffsche Base, die Zerenitinov-
Tschugajewsche Bestimmung aktiver H-Atome.
In der Physik kennt man den Faraday-Effekt, das Ohm’sсhe Gesetz sowie
die physikalischen Einheiten Ampere, Volt, Watt, Celsius usw., die alle einen
Forschernamen tragen. Auch hier werden Apparate nach ih rem Erfi nder
benannt wie der von de Graaf (zur Erzeugung höherer Span nung) oder Mac
Leod (zur Druckmessung).
Diese Art Benennung widerspricht oft der Forderung an einen Terminus nach Systemhaftigkeit, Eindeutigkeit und Selbstdeutigkeit: Blau gas –
farbloses, von Blau und Riedinger entwickeltes Gas. Dennoch bleibt diese
Bildungsweise unter den Forschern produktiv, z. B. bei der Benen nung neuer
astronomischer Entdeckungen.
Metaphorischer Gebrauch der Berufsjargonismen
Der metaphorische Gebrauch, d. h. “die (bildhafte) Übertragung des
Bezeichnenden auf ein neues Bezeichnetes” (Hoffmann, 1976: 297),
ist in den Fachsprachen weit verbreitet und vor allem in der fachlichen
Umgangssprache beliebt, wo sie der sprachlichen Verlebendigung von Arbeit
und Gerät dienen, z. B. Anker: Teil des Elektromotors; Krokodilklemme:
Klemme mit gezackter Öffnung; Sumpf: bräunlicher bis schwarzer, dreiartiger
Destillationsrückstand; oder ein Auszug aus der Wirtschaftsspra che: Aufstieg
aus dem Tal der Tränen wirkt sehr bildhaft, bedeutet aber “ein erfolgreicher
Ausweg aus einer krisenhaften Situation”. Die Meta phern sind auch in der
Wissenschaftssprache anzutreffen, z. B. Brutreak tion: Reaktor, der neues
spaltbares Material erzeugt, Zylinder: Arbeits raum in Verbrennungsmotoren.
Metaphern sind auch ein Reservoir für neue Wortschöpfungen, z. B.
Treibhauseffekt, Tunneleffekt.
In den Fachsprachen spielt die Metaphorik eine wichtige Rolle, um neue
Gegenstände und fachliche Erscheinungen zu benennen. Je nach Art des
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der Metapher zugrunde liegenden Vergleichs, unterscheidet Pel ka (1971:
194) Form-, Funktions-, Bewegungs- und Lagemetaphern, Brand (1995:
9) klassifi ziert sie nach Entlehnungssphäre (z. B. Mensch, Um welt, Tiere)
und Analogieart (z. B. Funktion, Bewegung, Lage, Sicht). Die überwiegende
Mehrzahl dieser Metaphern entstammt dem vertrau ten Erfahrungsbereich
des Menschen:
Formmetapher: Anker, Trommel, Dorn
Funktions- bzw. Lage-/Funktionsmetapher: Bett, Brücke, Tisch
Form-/Funktionsmetapher: Kappe, Fenster, Krokodil
Bewegungsmetapher: Kissen, Schlitten, Flügel
Sichtmetapher: Mönchsschrift, Zwiebelfi sch
Viele dieser bildhaft-anschaulichen Bezeichnungen beziehen sich auf
den Bereich des tierischen oder menschlichen Körpers, z. B. Horn, Schna-
bel, Arm, Knie, Lippe (Metallverarbeitung); Elefantenrüssel, Fliegenkopf,
Hasenohr, Schwalbenschwanz (Schriftsetzersprache). In geringerem Aus-
maß werden auch Tiernamen terminologisiert, z. B. Frosch, Hahn. Der
Bildgehalt solcher metaphorischen Bezeichnungen verblasst allerdings mit
zunehmendem Gebrauch und die expressiv-emotionalen Konnotationen
gehen zurück.
Bei der Vielzahl und Beliebtheit metaphorischer Bezeichnungen ist
es unvermeidbar, dass eine solche Wortform zur Benennung unterschiedlicher
Gegenstände dient. Wie die Tabelle zeigt, bedeutet Frosch im Bergbau etwas anderes als in der Textil- oder der Elektrotechnik:
Fach Wortform Gegenstand
Bergbau
Textiltechnik
Hochbau
Frosch Grubenlampe
Frosch Endsteg an der Webmaschine
Frosch Stütze für Balken
Manchmal vollbringen die Fachausdrücke eine hohe stilistische Leis tung,
indem sie als Mittel der Satire, der Komik dienen. Der folgende Auszug ist
dem Roman “Die Väter” entnommen. Fritz, der jüngste Sohn der Hardekopfs,
huldigt dem Fussballsport, einer Leidenschaft, für die seine Mutter kein
rechtes Verständnis aufbringen kann.
“Frau Hardekopf konnte sich ... damit nicht befreunden. Fußball fand
sie grässlich roh. Und dann diese unverständlichen Ausdrücke: “Modder,
datt sitt wie ʼn Goal von Adje. Ist ja pyramidal!” – “Also – was sitzt? Was
hast du da eben gesagt? Wie sitzt das?” – ,,Wie ein Goal von Adje!” Frau
Hardekopf meinte, ihr Junge spreche Chinesisch. “Also, was das ist, weiß ich
auch nicht. – Und wer ist Adje?” – “Ach, Modder, du weißt aber auch gar
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nichts. Das ist doch Adolf Däger von ... Altona 93”. – “Von Altona 93? Wo
ist das?” – “Aber das ist doch der berühmte Fußballverein Deutscher Meister.” – Ja, Frau Hardekopf war sehr unwissend.”
Auf lustige Weise zeigt W. Bredel, wie sehr man im Gespräch anein ander
vorbeireden kann, wenn einer der Gesprächspartner mit Fachaus drücken um
sich wirft (die Unterschiedlichkeit der Interessen).
Der Missbrauch der Fachausdrücke im Stil der schönen Literatur so wie
ihre Verwendung ohne künstlerischen Takt macht das Werk kaum les bar,
macht es zum Fachbuch mit exakter technischer Beschreibung. Man darf aber
den fachlich nicht beschlagenen Leser nicht überfordern. Die professionelle
Koloritierung bildet ein Element des sozialen Kolorits. Beim übertragenen
Gebrauch ändert die Fachlexik ihre stilistische Färbung.
In der “Aula” von H. Kant wird die Medizinstudentin Schmöde “stu-
fengeschaltete Schönheit” genannt. Der Terminus aus der Raketentechnik
wird dank der Übertragung stilistisch markiert.
Die Fachlexik schafft das Sprachporträt der handelnden Personen, zeigt
uns den Menschen näher. R. Iswal sehnt sich nach seinem Beruf (früher war
er als Elektriker tätig), das gibt H. Kant durch die Aufzählung von 27 Termini
aus der Elektrotechnik (Drehstrom, Schwachstrom, Gleich strom...).
Die Fachausdrücke (Termini verschiedener Wissenschaftszweige, Professionalismen bzw. Fachlexik verschiedener Berufssphären) sind funkti onal
markiert. Sie schaffen berufl iches Kolorit und können in allen funk tionalen
Stilen verwendet werden. Der Stil der schönen Literatur ist dabei keine
Ausnahme.
Mit Takt gebraucht zeugt die Verwendung der Fachlexik von bestimmter künstlerischer Absicht des Verfassers. Hier ist ein Beleg aus dem Roman “Buddenbrooks” von Th. Mann. Der Klavierlehrer hilft dem 8-jäh rigen
Hanno Buddenbrook beim Komponieren:
“Was ist das für ein theatralischer Schluss, Johann! Das passt ja gar nicht
zum Übrigen! Zu Anfang ist alles ganz ordentlich, aber wie verfällst du
hier plötzlich aus H-Dur in den Ouarti-Sext-Akkord der vierten Stufe mit
erniedrigter Terz, möchte ich wissen?
Das sind Possen.
Und du tremolierst ihn auch noch!...
Aber gerade auf diesen Mollakkord und diesen Schluss legte Hanno das
allergrößte Gewicht, und seine Mutter amüsierte sich so sehr darüber, dass
es dabeiblieb.” (Zitiert nach E.G. Riesel, 1975)
In diesem Auszug fi nden sich viele Termini ans dem Bereich des mu-
sikalischen Schaffens. Die Anhäufung von Fachausdrücken ist nicht zufällig.
Die Termini übernehmen hier eine besondere Funktion: sie die nen unmittelbar
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
der Charakterisierung der Figur von Hanno, der schon seine eigenen
Kompositionen schafft. Er hört dem Klavierlehrer nicht verständnislos zu.
Die Fülle spezieller musikalischer Fachwörter verwirrt ihn nicht, er begreift
alles, will aber seine Idee durchsetzen.
Obwohl die Fachausdrücke in ihrer logisch-gegenständlichen Bedeu tung
von den Schriftstellern gebraucht werden, kann ihnen im Großzu sammenhang
expressiver Ausdruckswert (und daher tiefer Eindruckswert) zukommen.
Wir können uns an Brechts Worte über E. Schrittmatters Sprache erinnern: “Der Traktor ersetzt den Ochsen. Dies alles ist dichterisch gestaltet. Aus so “prosaischen” Dingen wie Kartoffeln, Straßen, Traktoren wer den
poetische Dinge.“
Die Fachwörter schaffen im Werk bestimmtes Arbeitskolorit, die professionelle Atmosphäre wird spürbar.
Bekannte Vorlagen können in einen anderen Funktionalstil übertragen
werden, einerseits mit dem Ziel, durch die Ambivalenz zwischen den stilistischen Merkmalen und der Aussage/dem Thema einen komischen Effekt
hervorzurufen, andererseits die Stilzüge eines Funktionalbereiches – meistens
karikierend – darzustellen. So wurden viele bekannte literarische Vorlagen in
die Amtssprache übersetzt, so auch das Märchen “Rotkäppchen»:
ROTKÄPPCHEN AUF JURISTENDEUTSCH
Als in unserer Stadt wohnhaft ist eine Minderjährige aktenkundig, wel che
infolge ihrer hierorts üblichen Kopfbedeckung gewohnheitsrechtlich Rotkäppchen genannt zu werden pfl egt...
Vor ihrer Inmarschsetzung wurde die R. seitens ihrer Mutter über das
Verbot betreffs Verlassens der Waldwege auf Kreisebene belehrt. Sie machte
sich infolge Nichtbeachtung dieser Vorschrift straffällig und begegnete beim
Überschreiten des diesbezüglichen Blumenpfl ückverbotes einem
polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen Wohnsitz.
Dieser verlangte in unberechtigter Amtsanmaßung Einsichtnahme in den
zum Transport von Konsumgütern dienenden Korb und traf zwecks Tötungsabsicht die Feststellung, dass die R. zu ihrer verwandten und verschwägerten
Großmutter eilends war.
Da bei dem Wolfe Verknappungen auf dem Ernährungssektor vorherr schend
waren, beschloss er, bei der Großmutter der R. unter Vorlage falscher Papiere
vorsprachig zu werden. Da dieselbe wegen Augenleidens krankgeschrie ben
war, gelang dem Wolf die diesfällige Täuschungsabsicht, worauf er unter
Verschlingung der Bettlägerigen einen Straßaren Mundraub ausführte.
Bei der später eintreffenden R. täuschte er seine Identität mit der Großmutter vor, stellte der R. nach und durch Zweitverschlingung derselben sei-
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nen Tötungsvorsatz unter Beweis. Der sich auf einem Dienstgang befi ndliche
Förster B. vernahm verdächtige Schnarchgeräusche und stellte deren Urheberschaft seitens des Wolfsmaules fest.
Er reichte bei seiner vorgesetzten Dienststelle ein Tötungsgesuch ein,
welches zuschlägig beschieden wurde. Daraufhin gab er einen Schuss ab auf
den Wolf.
Die Beinhaltung des Getöteten weckte in dem Schussabgeber die Vermutung, dass der Leichnam Personen beinhalte. Zwecks diesbezüglicher Feststellung öffnete er unter Zuhilfenahme eines Messers den Kadaver zur Einsichtnahme und stieß hierbei auf die noch lebende R. nebst Großmutter.
Soziale Jargonismen
Es ist notwendig, die Frage zu klären, was unterm Begriff Jargon ver-
standen werden soll, was seine sprachwissenschaftliche Struktur bildet.
Hier gehen die Meinungen der Forscher auseinander. Ziemlich verbrei tet
ist die Meinung, dass Jargon ein “Sonderwortschatz? oder ein “spezi elles
Wörtersystem” sei (St. Stoikov, I. V. Arnold, M. K. Moren). (Zitiert nach
B. Larin, 1928) Aber es gibt auch eine andere Einsicht in den Jar gon, als
in eine Gesamtheit von lexikalischen, grammatischen und pho netischen
Besonderheiten, die durch eine bestimmte Systemorganisati on und ein
Normvorhandensein kennzeichnend sind. Solche Meinung hat als erster der
französische Linguist M. Koen geäußert, und die sowje tischen Linguisten
B. A. Larin und M. N. Peterson stimmten zu. B. A. La rin schrieb: “Der Jargon
hat seine Phonetik und Morphologie. Die pho netischen und morphologischen
Elemente des Jargons können auf ver schiedene Urquellen zurückgeführt
werden, aber nirgendwo kann solche oder gleiche Gesamtheit der Elemente
und deren Struktur angegeben werden.” (B. Larin, 1928: 157)
Der Begriff Jargon stammt aus dem Französischen her und bedeutete
ursprünglich “unverständliches Geschwätz” – er wird von Bausinger (1997:
17) im Wesentlichen als enteignete Kontrasprache interpretiert. Jargon dient
in erster Linie der Geheimhaltung.
Also, der Jargon ist eine Gesamtheit der nicht nur lexikalischen, sondern auch grammatischen und phonetischen Besonderheiten, die durch eine
bestimmte Systemorganisation und ein Normvorhandensein gekenn zeichnet
werden. Unter Jargonismen wird nur die Lexik der bestimmten sozialen,
altersmäßigen und anderen Gruppen verstanden, d. h. Wörter und Wendungen,
die von einem Kollektiv in der mündlichen Rede ge braucht werden und als
expressivbewertende und euphemistische Dop pelformen (Dubletten) zu den
Wörtern der Literatursprache auftreten.
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