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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL IV. MITTEL DER BILDKRAFT
bei E. Strittmatter). Die Synästhesie war das Lieblingsmerkmal der Romantiker, wobei die Origi nalität der individuellen Bilder oft übersteigert wurde und zur Verdunke lung des Gedankens führte (grüne
Geräusche).
Die Synästhesie wird vor allem verwendet, um dem Leser eine neue Sicht auf Bekanntes zu ermöglichen oder die Sinneseindrücke zu ver stärken. Diese Absicht liegt bei E. Strittmatter vor, wenn er in seinem Roman “Tinko” den Großvater zum Enkel sagen lässt: Wenn sie (die Hasen) erst in der Pfanne
singen, wird ihnen deine Nase schon zuhören.
In der Werbesprache ist die Synästhesie beliebt, z. B. Rot denken, blond träumen. (Werbung für Zigaretten “Roth-Hände Blond”).
Metonymie
Der Metonymie und ihren Abarten liegt nicht wie bei der Metapher die Merkmals- und Namensübertragung infolge der Ähnlichkeit zugrunde, sondern ein Austausch zweier Begriffe aus verschiedenen Bereichen auf Grund räumlicher, zeitlicher, stoffl icher bzw. logischer Beziehung.
Beispiele für Metonymie:
auf der Basis von Raum- und Zeitverhältnis – Das ganze Dorf war
auf den Beinen; Das Zeitalter der technischen Revolution stellt neue Aufgaben auf; Die ganze Stadt wusste davon, dass es Jahrhunderte auslöffeln werden, was ein Hitler eingebrockt hat.
• auf Grund von Stoff- und Kausalitätsverhältnis – Hand
statt Hand schrift, “ein Glas trinken”, “der eiserne Regen” (Geschosse); ihn traf das kalte Blei (Kugel); Kausalverhältnis – “Die Torheit wächst auf den Bergen” (H. Heine): auf den Bergen wächst Weintraube, aus Weintraube wird Wein gemacht, Wein ist Ursache der Torheit.
Die Metonymie kann auf einem assoziativen bzw. logischen
Ver hältnis beruhen – Die Flöte streitet dauernd mit dem Kapellmeister; Unsere Geige ist erkrankt; Das neue Besen
(Putzfrau) ist noch nicht gekommen; eine giftige Blume (unbe­liebte alte Lehrerin); Röntgenaugen haben, eine Röntgenbluse (durchsichtige Bluse).
• Auf der Basis der Quantitätsverhältnisses (die so genannte
Synekdoche) – ein Teil für das ganze, das Ganze für einen Teil, Gattung für Art, Einzahl (Singular) statt Mehrzahl (Plural) – das
Brot verdienen; Mein Fuß betritt dein Haus nie mehr; Ich sah vor mir steinerne Gesichter usw.
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Synekdoche
Die Synekdoche ist eine Abart der Umschreibung. Dabei wird entwe der ein weiterer Begriff durch einen engeren bezeichnet:
das Ganze durch einen Teil (pars pro toto) – Ich rühre keinen
Finger krumm (leiste keine Arbeit dafür)
das Ganze durch eine beliebige Zahl – einige Tausend Köpfe
die Mehrzahl durch die Einzahl – das Korn steht eingesagt; edel
sei der Mensch
die Art für die Gattung – Wer nie sein Brot in Tränen aß. (Goethe)
In der Sprachwirklichkeit fl ießen die Grenzen zwischen Metaphern und Metonymien so oft zusammen, dass eine absolute Klassifi zierung ein zelner Tropen nicht immer möglich ist. Es kommt gar nicht so sehr dar auf an, dass man eine stilistische Erscheinung exakt benennt. Für den Leser/Hörer ist die stilistische Funktion im Redeganzen, im konkreten Text ausschlaggebend.
Durch die andere Benennung werden die Gegenstände, Vorgänge oder Eigenschaften auffälliger, emotional wirksamer, z. B. B. Brecht schreibt:
Die Kinder an sich drückend stehen die Mütter und durchforschen entgeis tert den Himmel nach den Erfindungen der Gelehrten. Wörter,
die Erfindun gen der Gelehrten, die für “Bombenflugzeuge” stehen, sind eigentlich mit positiven Gefühlswerten verbunden. Der Dichter stellt sie für den Leser unerwartet und widerspruchsvoll in einen neuen schrecklichen Zusam menhang. Dadurch werden dessen Gedanken auf die Unsinnigkeit ge richtet, das Gelehrte Mordwerkzeuge für den Menschen erfinden, und darauf, dass Erfindungen missbraucht werden. Das Anderssagen gibt also Denkanstöße besonderer Art.
Antonomasie
Die Antonomasie (syn. “Pronomination, Umschreibung“) ist eine Sonderform der Metonymie. Statt des einen Substantivbegriffs (immer Eigenname oder Personalpronomen) wird ein anderes Substantiv gesetzt:
Jumbo (der Elefant), oder Jumbo-Jet (Großraum ugzeug), der Wallen- stein – Dichter (Schiller), Donaumetropole (Wien), Korsischer Thron- und Kronenräuber (Napoleon) (J. D. Harjung, 2000: 99).
Die Ersatzbezeichnung, die außerhalb des Begriffsinhalts der ersetzten Bezeichnung liegt, beruht auf folgenden Zusammenhängen: Ursache für Wirkung, Wirkung für Ursache, Gefäß für Inhalt (eine Tasse trinken), Sym­bol für soziales Phänomen (Kreml für russische Regierung), Zeit für soziale Phänomene (Jahrzehnte werden auslöffeln, was ein Hitler eingebrockt hat), Mittel für Ergebnis, Erzeuger für Erzeugnis, Autor für Werk: Ich packe den
zerlesenen Hemingway in den Koffer ein; einen Puschkin lesen.
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Der Mann, der Versuche mit Pfl anzen durchführt, wird der neue Mitschurin genannt.
Der alte Fritz – Friedrich der Große; der eiserne Kanzler – Otto Bis mark; die eiserne Lady – Margaret Thatscher.
Die Antonomasie ist der Ersatz des Eigennamens durch die Nennung der Dienstbezeichnungen, der Herkunft, des Berufes, der Eigenart (B. Sovinski, 1991: 263), z.B. die graue Eminenz des Bundes kanzlers (in ironisch-satirischer Weise), Revolutionsprinzessin (Julia Timoschenko) und Schokoladenkönig (P. Poroschenko) (MDZ. 14.01.05).
Charakterisierungen für politische Einstellungen sind geläufi g: die Roten, die Linken. Er ist rot, links, schwarz, braun eingestellt. Schwarz ist auch Synonym für heimlich, ohne Genehmigung gebraucht: schwarzfah ren,
Schwarzer Markt.
Wir unterscheiden 2 Arten der Antonomasie:
Die erste Art. Die Ersetzung eines Gattungsnamen durch den Eigennamen. Dabei werden auf den Gattungsnamen besondere Kennzeichen und Eigenschaften übertragen, die dem Eigennamen eigen sind, deshalb sind die Gattungsnamen verbreitet und aufschlussreich genug.
z.B. Otello – ein eifersüchtiger Mann, Don Kichot – ein Romantiker,
Kasanowa – ein liebreicher Genussmensch, Eskulap – Arzt, Mutter Teresa – die Person, die allen armen, leidenden Menschen uneigennützig selbstlos hilft, Ben Laden = Top Terrorist usw.
Die Antonomasie wird oft gebraucht in der Zeitungssprache, in dem publizistischen Diskurs, in der schönen Literatur und in der Alltagsrede.
z.B. In der vergangenen Woche half die “Bild” Zeitung den
konservativen Wahlkämpfern überraschend auf die Sprünge. Das Boulevardblatt berichtete: die frühere RAT-Terroristin Albrecht arbeitete unter anderem Namen in der Hansestadt als Lehrerin. “Ich möchte nicht, dass meine Kinder von einem Ben-Laden unterrichtet werden”, polterte der Spitzenkandidat der Union Innensenator Thomas Röwekamp los. Albrecht müsse gefeuert werden, forderte er. (Der Spigel. 07.05.2008) “Von einem
Ben-Laden” d.h. von einem Terroristen.
1991 wurde Albrecht zu 12 Jahren Gefängnis für den Mord des Hauptes der Dresdener Bank Jürgen Tonto und nahm teil am Attentat auf Natogeneral Heig. Im Gefängnis bewältigte sie den Lehrerberuf und arbeitete später als Lehrerin im Gymnasium.
Jeder Mensch oder eine Gruppe Menschen können Ben-Laden genannt werden, wenn sie Terroristen sind.
Mehr von Not getrieben denn von aufrichtiger Neugier auf seine Mutter Teresa im Kleinformat, macht sich Geldermann selbst als Sohn eines Missionärs in Afrika geboren, an die Arbeit (Die Zeit. 18.05.2008).
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Die Antonomasie Mutter Teresa ist Symbol der Herzensgüte, der
Uneigennützigkeit, kostenlos jedem helfen, der die Unterstützung braucht.
Der Name des balkanischen Diktators musste von nun an mit der Bezeichnung “Drakula, der blutige Schlächter von Zagreb” versehen werden.
“Woher kommt der nächste Bill Gates und wohin geht er?” (Spiegel.
14.03.2012)
Der Eigenname Bill Gates wird auf alle begabten, talentierten, kreativen und innovativen Menschen übertragen.
Es wäre interessant die Antonomasie als Toponyme zu erwähnen.
In Tschikago gibt es einen Bezirk der Little Saigon heißt, der offi ziell nicht fi xiert wird, zum Unterschied zu den offi ziellen Toponymen wie Los Angeles. Der Bezirk heißt Little Saigon, weil dort Vietnamesen wohnen, die ihre Sitten und Bräuche aufbewahren.
z.B. “Wie lange machst du das schon, das Ignorieren?”
“Fünf Wochen.”
“Und mit Erfolg?”
Eveline schüttelte den Kopf.
“Im Gegenteil, sagte Ruth, er taucht immer öfter mit der Kleinen auf. Maya hat sie in Saigon gesehen”. (M. Suter. Die dunkle Seite des Mondes.)
Im Grunde genommen sind solche Toponyme ins Sprachsystem eingegangen. In Los-Angeles gibt es Korea town, China town, und im Osten Little Tokio.
Berlins gibt es in allen Erdteilen, dort, wo Berliner wohnen.
“Berlin liegt nicht nur an der Spree.
118 Berlins existieren auf der weiten Welt. Einschließlich der deutschen Hauptstadt. Der Berliner Fotograf Harry Hampel kennt sie fast alle.
Berlin ist fast überall, und irgendwann hatte der Berliner Fotograf Harry Hampel eine Idee: Er wollte von Berlin nach Berlin nach Berlin nach Berlin nach Berlinauf die lange Reise gehen. Im März 1995 bestieg er den Flieger nach Boston, im Handgepäck neben der Kamera auch herzliche Grüße von “Mama Berlin”: Für jeden amerikanischen Berlin­Bürgermeister eine Satellitenkarte der deutschen Hauptstadt sowie eine Flagge mit Bär als Gastgeschenk.
26 Berlins Liegen allein in den Vereinigten Staaten von Amerika. Eine Namensgebung, die die Sehnsüchte früher Einwanderer ausdrückte oder einfach nur auf den Zufall verweist. Harry Hampel jedenfalls fotografi erte sie alle: Das erste Berlin auf amerikanischem Boden, gegründet 1764, also East Berlin in Pennsylvania. Das größte Berlin in den Vereinigten Staaten , in Wisconsin, mit 35000 New Berlinern ebenso wie das kleinste im Bundesstaat Oregon; dort, wo 38 Berliner ohne Sheriff und Bürgermeister
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auskommen. Ein Berlin, in dem der Fotograf “überhaupt niemanden traf, der etwas über die Geschichte des Ortes nur wusste”.
“Ich bin ein Berliner”, sagte John F. Kennedy am 26. Juni 1963. Vermutlich hat niemand diese Worte so ernst genommen wie Harry Hampel. Denn tatsächlich leben Berliner überall, und Berlin liegt nicht nur in den USA. Sondern auch in Neuseeland, Argentinien, Venezuela, El Salvador, Nicaragua, in Uruguay oder in der Dominikanischen Republik, sogar in de Ukraine.Nach seinem erfolgreichen Trip durch die USA startete Hampel am 26. Februat dieses Jahres zu einer weiteren Suche nach den Namensvettern seiner Heimatstadt.”
Die 2. Art der Antonomasie
Die Gattungsnamen ersetzen die Eigennamen. Dabei werden auf Eigennamen kennzeichnen und Eigenschaften der Gattungsnamen übertragen.
“Mitte Dezember vorigen Jahres haben die amerikanischen Streitkräfte die Taliban Hochburg Tora Bora bombardiert. Dorthin sollte der Terrorpate nach dem Sturz des Taliban-Regimes gefl üchtet sein”. (NDZ. 03.2005)
Der Gattungsname tritt in der Bedeutung des Eigennamens Terrorpate = Osama Ben Laden.
Trümmertrio. Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Rudolf Scharping – Trümmertrio des heutigen Deutschlands. (F.A. 10.02.2006)
In diesem Fall ersetzt Gattungsnamen den Eigennamen.
Ariel Scharon wurde in Israel “der bullige Premier” genannt, dank seiner eigenen Eigenschaften.
Als eine Abart der Antonomasie betrachten wir die Spitznamen und
die sprechenden Namen. Die Spitznamen und sprechenden Namen werden als Ersatznamen für reale Personen gebraucht, sie konzentrieren die wesentlichen Charaktereigenschaften der Menschen, die oft in mehrere Jahre und manchmal im Laufe des ganzen Lebens gebraucht werden.
“Ex-Spitzer” ist der Spitzname der Magdeburger JHK-Präsidenten Klaus Hiekman, der den Decknamen “Stall” als Mitarbeiter “Stasi” hatte.
“Ein hünerhafter impulsiver Mann mit dem Spitznamen “Befehlshaber”, der schon an der Seite von Mullah Omar gegen die Russen gekämpft hatte.” (Der Spiegel. 05.06.2008)
Aerofl ot bekam nach vielen Katastrophen den Spitznamen “Aeroschrott”. “Schrott” auf Deutsch bedeutet “помойка”, “отбросы”. Die Schriftstellerin Viktoria Viktorson hatte den Spitznamen “Doppel-V” nach den Anfangsbuchstaben ihres Vor- und Familiennamens.
Gerhard Schröder hat folgende Spitznamen: “Der glorreiche Sielte” (Spiegel. 10.07.2007), “Cäsar Schröder” (Spiegel. 26.10.2006), “ein ganzer Kerl auf Abschiedstour” (Spiegel. 04.07.2004), “Schröder der Goldjunge” (Spiegel. 10.03.2007).
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Spitznamen von Angela Merkel:
“Madam No” (Spiegel. 11.07.2005), “Reformerin Light” (Spiegel.
17.12.2009), “Keine Basta Kanzlerin” (Spiegel. 9.01.2009).
Spitznamen von Boris Becker sind: “Ex-Tennisprofi ”, “Bum-Bum-Boris”.
Sprechende Namen
Den sprechenden Namen zugrunde liegen metaphorische Assoziationen. Der sprechende Name ist immer ein konkreter Name, das vom Autor geschaffen wird und im Text des Werkes gebraucht wird.
Im Roman von Th. Mann “Buddenbrocks” heißt Tonis Buddenbrock Bräutigam und später Mann Grünlich. Dieser sprechende Name lässt sich mit etwas grünen, glitschigen, aalglatten, ekelhaftem assoziieren, Ursula von der Lezen Ministerin für Zensur wird “Zensurursula”, “Zensa”, “Zensi” genannt. Vizekanzler Müntering den sprechenden Namen “Merkalianer”. Den russischen Politiker Schirinivski nennt Spiegel “Politklown” und “Politakrobat”.
Bahuvrihi
Zu den Bahuvrihi gehören Substantive, die den Menschen anders nen­nen auf Grund der Körperteile. Sie haben immer negative Konnotationen, sie bezeichnen Personen mit negativen Eigenschaften: Drehkopf, Döskopf,
Betonkopf, Brummbart, Lügenmaul, Jammerlappen, Nörgelsack, Fresssack, Gerzkragen, Qualgeist, Poltergeist, Plagegeist (V. D. Devkin, 1973).
Appelativum
Eine Sonderform der Metonymie ist das Appelativum, Umschreibung eines Gattungsbegriffes durch einen Eigennamen: Zeppelin für Luftschiff, Judas für Verräter, Lieschen Müller oder Otto Normalverbraucher für die breite Nase, der deutsche Michel – der Deutsche, die Deutschen, der rus- sische Bär – der Russe, Uncle Sam – der US-Amerikaner.
Metonymie wird erfolgreich in der Werbung gebraucht: Sinalgo. Die
Frische mit der Frucht (Limonade); Begeisterung auf Rädern (Toyota); Wal- kerkommt (Whisky); FAZ – Dahinter steckt immer ein kluger Kopf; Meister Proper putzt so sauber, dass man sich drin putzen kann.
Der stilistische Zweck der Metonymie besteht in der Veranschauli chung, Verdichtung, in der Hervorhebung eines Wesensmerkmals in der expressiven Darstellung von Sachverhalten. Die stilistische Färbung der Metonymie ergibt sich genauer aus dem Kontext.
Metaphern und Metonymien können nach Häufi gkeit und Verbrei tung klassifi ziert werden. Man unterscheidet individuelle, gemeinsprach liche und
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verblasste Metaphern und Metonymien. Die Betrachtung der verblassten Metaphern gehört in den Bereich der Lexikologie, da die Spra che ein Wörterbuch erstarrter Metaphern und Metonymien ist.
Wie sind die Leistungen der Tropen in einzelnen funktionalen Stilen?
Es ist bekannt, dass nicht alle Aussagesituationen bildliche Sprach­mittel vertragen. Bei der rein sachlichen Aussage wirken die Bilder stö rend. Auch im wissenschaftlichen Text sind die Bilder spärlich zu gebrau chen. Im Alltagsstil tauchen immer wieder Tropen auf, die wirken ge wöhnlich frisch und originell ein, ihr Schöpfer ist auch unbekannt (Bei spiele: Pfennigabsätze,
Trümmerfrau, Pendler).
Im Stil des öffentlichen Verkehrs spielen die bildlichen Mittel eine geringe Rolle.
Das Hauptgebiet der individuellen Tropen ist natürlich die Publizistik und die schöne Literatur. Die Belletristik nutzt die Mittel des bildlichen Ausdrucks zur ästhetischen Widerspiegelung der objektiven Realität aus. Die Bilder offenbaren auch die Parteinahme des Autors (bei A. Seghers: Die
Festung war unannehmbar ...In diese Festung sollte er jetzt eindringen.).
Strukturell unterscheidet man, wie bei Vergleichen, knappe und er­weiterte Tropen. Ein Beispiel für erweiterte Metapher aus der wissenschaft­lichen Prosa, wo die Rede von Notwendigkeit ist, tief in die Geschichte der Sprache einzugreifen: Einen Berg, ein Gebirge kann man in der Eigen art
ihrer Umrißformen nicht am Fuß erkennen – dafür muss man ins Flach­land zurücktreten und geduldig warten, bis Dunst und Nebel sich versorgen haben, um ihr Wesenhaftes mit einem Blick zuverlässig zu umgreifen.
Die Mittel bildlichen Ausdrucks sind keine Schmuckmittel, sondern wesentliche Bestandteile einer Aussage.
Mittel der Umschreibung und ihre Abarten Stilistische Periphrase
Sie ersetzt die normative Bezeichnung einer Person oder Erscheinung durch andere Worte. Der Terminus “Periphrase”, der von der antiken Rhe torik stammt, ist nicht eindeutig und unscharf, da man unter diesem Be griff jedes “Anderssagen” verstehen kann, sowohl die stilistische Periphra se im weiten Sinne, als auch Metapher und Metonymie mit allen Abarten (die lebenden Tropen stellen ja auch Andersgesagtes dar, das sind bildliche Synonyme zu schon bestehenden Grundnahmen – uneigentliche Rede).
Die Periphrase ist eine komplizierte stilistische Erscheinung. E. G. Riesel versteht darunter die sekundäre Nominierung eines Denotats ent ­weder durch Hervorhebung charakteristischer Merkmale, Tätigkeiten, Wirkungen oder durch Verbildlichung in uneigentlicher Rede (E. G. Rie sel, E. I. Schendels, 1975).
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Die sekundäre Namensgebung durch Umschreibung hebt meist ein Merkmal hervor, wobei die übrigen Einzelmerkmale zurücktreten, z. B.:
Rom – die Stadt der sieben Hügel, die Elbe-Stadt für Dresden, der Dich ter der Harzreise – für H. Heine usw.
Die Periphrasen zerfallen in zwei Gruppen:
logische Periphrasen in direkter Wortbedeutung: das Haupt der
Fa milie (Vater),
metaphorische und metonymische Periphrasen, die bildlich sind:
wei ßer Sport (Wintersport); Es war die Zeit der Narzissen (Mai); ohne dass er Baldini mit Feder und Papier zugegen war, den Prozess mit Ar gusaugen beobachtete und... dokumentierte. (P. Süskind. Das
Parfüm)
Die Umschreibungen können gemeinsprachlich (die Umschreibun­gen von Personen- und Eigennamen, geographischen Namen, Berufen usw.) und individuell sein. Gemeinsprachliche Periphrasen sind meistens toponymische Periphrasen für Städtenamen, Gebietsnamen, Gebäude namen, Gewässernamen, Schlössernamen, Bergenamen, Namen von Stadtteilen und Verkehrseinrichtungen; Namen von Städtebewohnern. Die Periphrase für die Brandenburgerstraße in Potsdam ist Broadway von Potsdam, für den von den Türken bewohnten Stadtbezirk Kreuzberg in Berlin – Klein Istambul, für Dresden – Elb-Florenz, für Berlin – Spree-Athen. Für einige Begriffe gibt es mehrere Periphrasen: München – Weltstadt mit Herz, Film-Mekka des Südens,
Millionendorf, Kunstmetropole an der Isar, Isar-Athen, Weißwurstmetropole, heimliche Hauptstadt Deutschlands, weiß-blaue bayerische Metropole.
P. N. Donec hat folgende Hintergrundmerkmale für Periphrasen aus­gesondert:
Ort eines wichtigen historischen Ereignisses (Leipzig – Stadt der
Völkerschlacht),
Geburtsort einer bekannten Persönlichkeit (Bonn – Beethovenstadt),
Ort der Tätigkeit einer bekannten Persönlichkeit (Mühlhausen –
Thomas-Müntzer-Stadt),
Sitz eines bekannten Betriebes (Jena – Zeißmetropole).
geographische Lage des Objekts (Passau – Stadt an drei Flüssen),
die in der Stadt hergestellten Erzeugnisse (Lübeck – Marzipan stadt),
Haupttätigkeit der Bewohner (Husum – Stadt der Krabben scher),
architektonische Besonderheiten (Halle an der Saale – Stadt der fünf
Türme).
Die Periphrasen werden nicht in allen funktionalen Stilen gleicherweise verwendet. Sie nehmen im konkreten Zusammenhang einer funktional be­dingten Rede verschiedenen Ausdruckswert an. Der Stil des öffentlichen Verkehrs meidet individuelle Periphrasen grundsätzlich. Er kennt nur eini ge Erscheinungsformen der Umschreibung – die Höfl ichkeitsperiphrasen.
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Im Amts- und Handelsstil sind bis heute Periphrasenklischees wie “Schreiber dieses Briefes” im Umlauf. Erstarrte nur einige Erscheinungsfor­men der Umschreibung – die sind verschiedene umschreibende Anreden, die noch heutzutage anzutreffen sind, z. B. Herr Professor haben gesagt.
Der wissenschaftliche Stil schränkt den Gebrauch der Periphrasen auf ein Minimum ein. Sie sind gewöhnlich nüchtern-trockene Umschrei bungen. Der Alltagsstil verwendet scherzhaft-bildhafte, manchmal sati rische Periphrasen.
Im Stil der schönen Literatur haben die individuellen Periphrasen mit hohem expressiven Ausdruckswert eine große Bedeutung: Das größte Ge-
ruchsrevier der Welt stand ihm offen: die Stadt Paris; Ein Rom der Düfte sei die Stadt, das gelobte Land der Parfumeure. und wer nicht seine Sporen hier verdient habe, der trage nicht zu Recht den Namen Parfumeur; Aber sie konn ten sich nicht dem Duft entziehen. Denn der Duft war ein Bruder des Atems . (P. Süskind. Das Parfüm)
J. Becher nennt in der “Poetischen Konfession” das neue Universi­tätsgebäude in Moskau einen Dom der Wissenschaft, eine Kathedrale des Lernens. H. Heine nannte Lüneburg “Residenz der Langeweile“.
Im funktionalen Zeitungsstil treten neben den gemeinsprachlichen individuelle (metaphorische und metonymische) Periphrasen auf. Sie sind immer stilistisch markiert: biologisches Hiroshima. (Ztg) Osama bin Laden wird genannt: der Top-Terrorist, der Terrorpate (Der Spiegel).
Die stilistische Bedeutung der Periphrase hat ebenso wie jedes Le xem (Wort) eine komplizierte Struktur in der Paradigmatik. Sie besteht aus drei Teilen: aus einem funktionalen, expressiven und normativen As pekt – und wird von vielen zusätzlichen Konnotationen in der Syntagmatik verwickelt. Beim Funktionieren der Periphrase zeigt sich der Cha rakter ihrer stilistischen Bedeutung:
Das Treffen fi ndet dort statt, wo sich Fuchs und Hase einander gute Nacht sa gen. – d. h. an einem verlassenen, einsamen Ort;
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen,
im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht
die Myrthe still und noch der Lorbeer steht,
kennst du es wohl? (Aus J.W. Goethe. Mignon) – Gemeint ist Italien.
In der Periphrase kommt die gesamte Volksphantasie zu Tage – umschreibend ausdrücken kann man alles.
Hyperbel
Die Hyperbel (griech. “Übertreibung”) ist ein Tropus, der den Sachver­halt übertrieben darstellt, oft unglaubwürdig übertreibt oder abschwächt.
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Die Hyperbel beruht auf lexikalisch phraseologischen Mitteln, auf bestimmten wortbildenden Elementen (super, extra), grammatischen Mit teln (Superlativ), bestimmten syntaktischen Modellen (zum Tode betrübt); Sätzen (Ich kann vor Freude zerspringen), phraseologischen Einheiten (Wenn du
das schaffst, dann fresse ich einen Besen; Eher geht ein Kamel durch das Nadelöhr; einen Narren an jmdm., etw. gefressen haben (umg.-salopp); jmdm. die Würmer aus der Nase ziehen (umg.-salopp); da liegt der Hase im Pfeffer (umg.-salopp); jmd. hat zwei linke Hände; mit einem silbernen Löffel im Mund geboren sein.
Zu den poetischen Hyperbeln gehört: jmdn. den Staub zerren. Nach der Struktur unterscheidet man: das Wort – die Wortverbindung – den Satz. Es gibt nicht viele nominative Wortverbindungen, die Wortgruppen sind:
Nerven wie Drahtseile; Hals über Kopf; klar wie dicke Tinte; in die Wolle geraten; mit einer Träne im Knopfl och.
Die unten angeführten Hyperbeln sind verbal – sie bilden den prädi­kativen Kern des Satzes. Verbale Wortgruppen sind:
jmd. fällt aus dem Anzug; etw. aus dem Ärmel schütteln; etw. ist aus den Fingern gesogen; etw. steht an der Stirn geschrieben; etw. hat jmdm. ein Vö­gelchen gesungen; die Augen in die Hand nehmen; in der Brühe sitzen.
Sehr oft ist die Hyperbel mit anderen Tropen verschmolzen. Mit der Hyperbel erreicht der Autor die besondere Expressivität, die Intensivie rung des Ausdrucks. Meistens ist die Hyperbel emotional gefärbt: hunde elend, todmüde. In der Regel wird Hyperbel in der Alltagsrede, in der schöngeistigen Literatur, in der Presse und Publizistik und in der Wer bung verwendet. Man unterscheidet gemeinsprachliche und individuelle (okkasionelle) Hyperbeln.
Die Meiose ist eine Abart der Hyperbel – ein Tropus, der den Sach verhalt in untertriebener Darstellung wiedergibt.
Wer die Hyperbel verwendet, kümmert sich wenig um die Wahrheit der Information, kalkuliert absichtlich hyperbolische Wirkung. Durch die Hyperbel wird eine Verstärkung der Aussage erreicht, indem die dem Ge genstand, dem Vorgang oder der Eigenschaft angemessene Darstellung entweder weit überschritten oder übertreibend unterschritten wird (F. Kainz, 1941: 241).
Der Widerspruch zwischen der Wirklichkeit und ihrer übertreiben den oder untertreibenden Darstellung lässt die Hyperbel zu einem geeig neten Mittel der komischen, ironischen oder satirischen Darstellung der Wirklichkeit werden. E. Weinert verspottet die Dichter, die sich vom wirk lichen Leben abgeschlossen haben:
Und er las, bis seine Bronchien pfi ffen, die lautesten Stellen aus jedem Akt saßen fi nster und abgegriffen, von seiner harten Dynamik zerhagt.
(E. Wernert. Bei Dichters)
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