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Файл:Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие
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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
Aber auch bei der expressiven Komponente gibt es absolute Stilfärbung.
In diesem Fall geht die expressive Stilfärbung als Komponente der Bedeutung
in die lexikalische Bedeutung des Wortes ein. Interjektionen (o weh! hurra!),
verstärkende Zusammensetzungen wie knallrot, blutjung, blitzsauber (mit
Halbpräfi xen), mit Halbsuffi xen (Prahlhans, Heulliese), auch waschecht,
goldrichtig, hochmodisch, hundsgemein, Engelsgeduld, Höllentempo,
Bullenhitze; tautologische Wortpaare (zittern und zagen, blass und bleich)
sind auch außerhalb des Kontextes stark expressiv (emotiv). Auch Wörter wie
Antlitz, füchseln, der Lenz, stinken besitzen absolute expressive Stilfärbung.
Vom Sprachsystem her völlig nullexpressive Ausdrucksmittel können
durch die Anordnung im Text hervorgehoben werden. Fleischer führt als
Beispiel eine Strophe aus dem Gedicht von B. Brecht “Lob der Dialektik” an:
Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich:
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute,
Sind die Sieger von morgen
Und aus niemals wird: Heute noch!
Die Wörter “niederschlagen, erheben, verlieren, kämpfen, Sieger”
sind “von Hause aus” nicht expressiv. Ihre Anordnung im Text in Form
von poetisch motivierten Parallelismen und Antithesen jedoch erzeugt
Expressivität (kontextuale expressive Färbung).
In der modernen Fachliteratur gebraucht man oft zur Bezeichnung der
Expressivität in der stilistischen Bedeutung der sprachlichen Einheit den
Terminus Bewertungskomponenten oder Semen. Darunter versteht man die
positive oder negative Einstellung des Sprechers/Schreibers zum Gegenstand
der Rede. Es gibt unzählige Gefühlsschattierungen und Stimmungsnuancen,
die dabei zum Ausdruck kommen (Achtung, Bewunderung, Geringschätzung,
Verachtung, Spott, Ironie). Viele Bewertungen in der expressiven Komponente
der stilistischen Bedeutung sind in Wörterbüchern kodifi ziert, doch ist ihre
Zahl viel größer, da sie vom konkreten Sinnzusammenhang oft beeinfl usst
werden.
Zwischen den drei Komponenten der absoluten stilistischen Bedeutung
besteht ein enges Wechselverhältnis: die Veränderung einer Komponente
(vor allem der funktionalen) zieht in der Regel eine Modifi kation der
anderen nach sich, sie werden anders markiert. Die einfach-literarische Lexik
ist gewöhnlich mit expressiver Neutralität verbunden. Die Expressivität
zieht die Erhöhung oder Erniedrigung der literarischen Qualität nach sich
(arbeiten – schuften; bitten um etw. – fl ehen um etw.) Es gibt Wörter mit
allseitiger Neutralität, die markiert sind.
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Ist ein Wort oder eine phraseologische Fügung polysem, muss jeder
einzelnen lexischen Bedeutung ihre stilistische Charakteristik beigegeben
werden.
Fassen wir das Gesagte zusammen. Die Komponenten der absoluten
Stilfärbung tragen sowohl in der Grammatik (morphologische Formen,
syntaktische Konstruktionen) als auch in Lexik und Phraseologie zutage. Sie
können der Spracheinheit selbst anhaften. Das ist eine explizite, kodifi zierte
Kategorie. Ihre Kenntnis ist notwendig für die praktische Arbeit. Die Wahl
der absoluten Stilfärbung im Redeakt kann bewusst, halbbewusst oder
unbewusst vor sich gehen. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, nicht
vom Sprachgefühl, vom aktiven Kennen der Stilfärbung. Die Hinweise auf
die Stilfärbung sind nicht absolut zu verstehen.
Viele Wörter und Wendungen, die isoliert betrachtet werden, einfachliterarische Stilfärbung, ohne besondere Expressivität aufweisen, nehmen im
Redeganzen eine besondere Stilfärbung an. “Maul”, “Pfote” bezüglich der
Tiere neutral: “Halt das Maul!” – grob. Der Ausdruck “so friss schon den
Apfel auf” klingt in den Worten der Mutter nicht grob. In Thüringen hat das
Wort “Sau” eine positive Schattierung (“Na, du alte Sau!“). In Österreich
fi nden wir in der Presse in einem Wetterbericht “saukalt”. Noch einige
Beispiele: der Schädel als expressives, grobes Wort in der Alltagslexik und
in der Medizin – nicht expressiv, neutral; “das Schwein”, aber “Schwein
haben”, oder als Schimpfwort.
Eine genaue Bestimmung der Stilfärbung (der Stilleistung) dieser oder
jener Sprachform ist erst in der Rede, im Kontext möglich. Die absolute
stilistische Färbung kann sich im Textzusammenhang ändern und fällt mit
der Bedeutung im syntagmatischen Aspekt nicht zusammen. “Fresse”
(grob), aber “er hat eine hübsche Fresse” oder “Ach, du meine Fresse!”
klingt als Kosewort. “Das Antlitz” (gewählt), aber “ich haue dir eine ins
Antlitz” klingt grob.
Hier sprechen wir von der kontextualen Stilfärbung. Bevor wir zur
Erörterung dieses Begriffes übergehen, muss noch Folgendes betont werden:
die Stilmittel sind nicht nur die stilistisch gefärbten Spracheinheiten. Fast
jede Spracheinheit, lexische und grammatische, kann ein Stilmittel werden.
Die stilistischen Potenzen der Sprache offenbaren sich im Funktionieren
und hängen von konkreten Redebedingungen ab. Darin besteht die Einheit
und Wechselbeziehung der strukturellen und funktionalen Seiten der Sprache.
Die Kontextstilfärbung (nach Schmidt “aktuelle Stilfärbung“)
(F. Schmidt, 1965: 160) und stilistische Konnotationen, die sich teils
unmittelbar aus der Kontextstilfärbung, teils aber aus der gesamten Information
erweisen, charakterisieren die stilistische Bedeutung einer sprachlichen
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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
Einheit in zusammenhängender Rede (unter dem syntagmatischen Aspekt).
Die kontextuale Stilfärbung kann mit der absoluten Stilfärbung identisch sein
(bei neutralem Kontext); sie kann die Intensivierung der absoluten Stilfärbung
darstellen, wenn sie in der gleichen Richtung stilistisch markiert sind. Neben
der stilistischen Konnotation ist sie als Bestandteil des Ausdruckswertes zu
betrachten.
Der Begriff der konnotativen Bedeutung geht auf L. Hjelmslev und
W. Schmidt zurück. Außer der denotativen (begriffl ichen) Bedeutungen
besitzt das Wort konnotative, zusätzliche Bedeutung: poetische,
pragmatische, individuelle, soziale, fachsprachliche oder historische
Bedeutung (B. Sowinski, 1999: 40)
Nach E. G. Riesel (1975: 35) besitzen die sprachlichen Einheiten eines
Textes auf verschiedenen Ebenen neben ihrer primärer Information (denotativen
Bedeutung) eine stilistische Bedeutung, die sich aus der Stilfärbung
(Kontextstilfärbung) und aus stilistischen Konnotationen zusammensetzt, die
in der Fachliteratur als “Nebensinn, Oberton, Unterton, Unterschwelligkeit”
u.a bezeichnet würden, aber das gleiche meinten, nämlich “die Gesamtheit
von Gedanken, Gefühlen, Stimmungen, Vorstellungen, die der Sender durch
die sprachlich stilistische Gestaltung des ganzen Kontextes dem Empfänger
(implizit) verständlich macht oder machen will.
Das geschieht auf implizierte Weise (linguistisch nicht ausgedrückt
oder indirekt ausgedrückt). Der Sender hat sie halbbewusst mitgedacht,
mitgefühlt, bei der Kommunikation muss der Empfänger dasselbe
mitempfi nden. Die Konnotationen verleihen dem Kommunikationsakt einen
hohen Wirkungsgrad (Eindruckswert). Die Konnotationen liegen an der
Grenze zwischen linguistischen und außerlinguistischen Erscheinungen und
lassen sich kaum verallgemeinern und systematisieren (außer den objektiven
Konnotationen gibt es noch viele subjektive, individuelle). Einige Stilforscher
sprechen von 3 Arten der Konnotationen: 1) im Wort, 2) im Kontext (im
Mikrokontext), 3) im abgeschlossenen Kontext (im Makrokontext als
Subjekt). Einige Beispiele dazu: Das Wort “Köpfchen” hat die Konnotation
“Liebe”, “Wärme”, “Sorge”, wenn sich das Wort auf das Kind bezieht. In
der “Harzreise” gebraucht H. Heine das Wort mit satirischen Konnotationen,
wo er von den Köpfchen der Göttingener Professoren spricht. In der
Aussage: Der Lehrer, Herr X, erklärt den Stoff sehr klar – klingt das Wort
“Herr” neutral (es kann auch die Konnotation “Anerkennung, Achtung”
mitschwingen). Im Satz “Die Herren in Pentagon haben sich verrechnet”
klingt dasselbe Wort “Herr” schon abwertend (die Konnotation: Empörung,
Hass). Die sprachlichen Größen, die auf die Konnotationen hinweisen, heißen
Konnotatoren. Das können lexische und grammatische (morphologische
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
und syntaktische) Formen sein, die Architektonik des Textes, Textpassagen.
In der Lautsymbolik sieht man die phonologischen Konnotationen. Man
beweist, dass bestimmte Lautverbindungen verschiedene Konnotationen
erwecken (die Lautverbindung “fl ” gibt etwas Leichtes, Flatterndes an,
“gr” – dagegen etwas Gräuliches). Die Konnotation ist mit der emotiven,
pragmatischen, ästhetischen und anderen Funktionen verbunden.
Der stilistische Kontext fügt der Aussage eine zusätzliche Information
zu, erhöht den Eindruckswert. Das Thema ist wie gesagt, strittig, es gibt
verschiedene Deutungen dieser Erscheinung, wir sehen hier davon ab. Im
Interesse der optimalen Kommunikation ist eine richtige Stilfärbung wichtig,
(sowohl die absolute, als auch die kontextuale), die dem Gehalt der Aussage
entsprechen würde. Im Falle der angemessenen, treffenden Wahl wird die
angestrebte rationale und emotionale Wirkung ausgelöst. Im anderen Falle
führt es zum Verstoß gegen die Sprach- und Stilnormen.

TEIL II
WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN
GEGENWARTSSPRACHE
AUS STILISTISCHER SICHT
KAPITEL I. FRAGEN DER WORTWAHL
Synonymie
Die Wortwahl – die Wahl des “treffenden” Wortes wird als wichtiges
Stilmittel angesehen. Der große J. W. Goethe wurde einmal gefragt, wie er
zu solchem Stil gekommen ist. Er hat Folgendes geantwortet: “Das will ich
Ihnen sagen. Ich habe die Gegenstände auf mich ruhig einwirken lassen und
den bezeichnendsten Ausdruck dafür gesucht”.
Es kommt eben darauf an, den bezeichnendsten, d. h. wirksamsten
Ausdruck, das genaueste Wort für eine Sache, für einen Gegenstand zu
suchen und zu finden, wenn einer etwas klar und für alle verständlich
sagen will.
Davon, wie die Wortwahl ist, hängt der allgemeine Charakter der Aussage
ab: Klarheit, Knappheit, Überzeugungskraft, Anschaulichkeit und andere
obligatorische Attribute, unabhängig von Verständigungsbereich.
Den ganzen Reichtum an synonymischen Reihen muss man ausnutzen,
daraus das nötige (treffende) Wort auswählen, um die sprachliche
Gestaltung wirksam zu machen. Ein einziges Wort kann manchmal eine
umständige Erklärung versetzen. Oder hingegen hat das Wort so viele
Anwendungsmöglichkeiten, dass man sich nur für eine Gebrauchsform
entscheiden muss, um ins Schwarze zu treffen (das Verb “durchführen” hat
rund 100 Anwendungsmöglichkeiten).
In manchen synonymischen Reihen sehen wir keine Unterschiede
in bezug auf das Denotat oder die literarische Norm. Ihre stilistische
Funktion besteht in der Ausdrucksvariation, manchmal ist das Synonym
als Euphemismus aufzufassen, als Verstärkung des Ausdrucks (vgl.
dick – korpulent, beleibt, stark, vollschlank, mollig, rundlich). Durch das
Synonym wird oft eine Kontrastwirkung erzeugt, z.B: Er lebt nicht mehr,
er existiert nur noch.
Bei Leskow: “Кончину его никак нельзя было назвать смертью“
Bei Tschechow: “Муж, или, вернее, супруг“.
Bei Fadejew: “Не глаза, а очи”.
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Die Erscheinung der Synonyme bezieht man nicht nur auf einzelne
lexische Mittel, sondern auch auf grammatische und sogar auf
komplexe sprachliche Ausdrücke. Z. B. Synonym sind Ausdrücke: Wir
können nur das ernten, was wir gesät haben; und: ohne Fleiß kein
Preis.
Es sei betont, dass der Begriff der Synonyme keinesfalls mit dem Begriff
Ersetzbarkeit zusammenfällt. Vgl. beginnen – anfangen als ideographische
Synonyme. In der Wendung “Mit dir ist nichts anzufangen” ist das Wort
“anfangen” durch “beginnen” nicht zu ersetzen.
Erhalten – bekommen – kriegen sind Synonyme mit kleinen semantisch-
stilistischen Unterschieden. “Hunger bekommen” (nicht erhalten), das Kind
bekommt Zähne. Vom Zahnarzt kann man Zähne erhalten.
Territoriale oder nationale Dubletten sind oft absolut gleichwertig. Sie
können aber im Großzusammenhang nicht ausgewechselt werden. Bei
gleicher logisch-gegenständiger Bedeutung und Stilfärbung sind die Wörter
“Sonnabend” und “Samstag”, “Frisiertischchen” und “Psyche” (öster.) nicht
austauschbar, da jedes Wort mit einem anderen Orts- oder Nationalkolorit
verbunden ist.
Die meisten Stilforscher betrachten die Synonymie und ihre Rolle für die
Notwahl des Textes von zwei Seiten:
1. Von den Schattierungen der Bedeutung (begriffl iche Synonymie) und
2. von den Schattierungen der Stilfärbung (stilistische Synonyme).
Die synonymische Beziehung besteht streng genommen nicht
zwischen Wörtern, sondern zwischen Bedeutungsvarianten. Man kann
z. B. nicht ohne weiteres Zimmer oder Stube als Synonyme vom Raum
bezeichnen (W. Fleischer, G. Michel, 1975: 73). oder hervorragend–
prächtig–ausgezeichnet. Eine ausgezeichnete Frau ist nicht immer eine
prächtige Frau und umgekehrt. E.G. Riesel, E.I. Schendels schreiben
über die Ausdruckspotenzen der Synonyme Folgendes: “die bedachte
Verwendung aller synonymischen Schattierungen hilft vor allem, den
Ideengehalt klar, deutlich und überzeugend zu gestalten. Außerdem
dient sie auch zum Ausdruck der persönlichen und oft der politischideologischen Einstelllung des Autors” (E. G. Riesel, E. I. Schendels
1975: 55).
Unter dem paradigmatischen Aspekt können fremdsprachige und
deutschsprachige Varianten (Dubletten) völlig oder fast sinngleich sein,
sie sind aber oft nicht austauschbar, weil ihre stilistische Funktion im Text
verschieden ist: Arbeit – Job; der Sero – Sekundärrohstoff; Resümee –
Zusammenfassung; Resultat – Ergebnis; Killer – Mörder; Gesicht –
Visage.
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Die Fremdwörter stehen manchmal neben den synonymischen
deutschen Wörtern, um Wiederholung zu vermeiden, öfters zum Zweck
einer besonderen Verstärkung, solche Art der synonymischen Wiederholung
wirkt im Kontext expressiv.
Für die Stilistik sind weniger wichtig die begrifflichen Synonyme,
die Wörter also, die sich trotz vorhandener Nebenbedeutungen auf den
gleichen begrifflichen Kern, den gleichen Referenten beziehen, sondern
mehr die stilistischen Synonyme, die das gleiche mit unterschiedlicher
Stilhöhe und Stilfärbung bezeichnen (vgl. Haupt, Kopf, Schädel, Birne).
Die Grenze zwischen den ideographischen (bedeutungsmäßigen,
begrifflichen) und stilistischen Synonymen ist fließend. Es gibt auch
ideographisch-stilistische Synonyme), z. B. “das Haupt” ist etwas
Bedeutenderes als “der Kopf” (begrifflich). Gleichzeitig ist das erste
Wort gehoben, das zweite neutral (stilistisch), oder “verrecken” heißt
“unter elenden Umständen zugrunde gehen” (semantisch anders als
“sterben“). Auch die Stilfärbung ist verschieden (grob bei verrecken,
neutral bei sterben).
Betrachten wir einige stilistische Synonyme.
Gefängnis – Kasten – Käfi g – Laushütte – höhere Töchterschule –
schwedische Gardinen, Strafvollzugsanstalt, Staatspension, Knast.
In dieser Reihe ist nur das Wort Gefängnis neutral, alle anderen sind
stilistisch markiert: Kasten – Käfi g – Laushütte (grob, vulgär); Knast
(argo), schwedische Gardinen, Staatspension (ironisch-scherzhaft),
Strafvollzugsanstalt (funktional markiert, offi ziell).
Geld – Heu – Staub – Qualm – Gemüse – Bones – Helch – Sponesrassel –
Spich – Meges – Moges – Lascho – Lotsche – Gore – Drat – Labe – Kis –
Genetsch – Knetsch – Netsch – Mesumme – Kess – Nopper – Stetinger;
Die ganze Reihe (außer dem Wort Geld) ist stilistisch markiert.
Sich umdrehen (neutral) – sich umgucken (umg.).
Fliehen (neutral) – stiftengehen (umg.), sich davonmachen (umg.).
Bevorstehen (neutral) – blühen (gesenkt).
Sich aufregen (neutral) – Zustände kriegen (umg.).
Werfen (neutral) – schmeißen (umg.).
Elegant – schick – apart – fesch – gut angezogen – mondän:
Elegant und gut angezogen – neutral; die anderen Wörter sind stilistisch
markiert.
Rundlich – drall – wohlgenährt: Wohlgenährt – neutral, drall – umg.;
rundlich – euphemistisch.
Von den gemeinsprachlichen Synonymen sind die kontextualen zu
unterscheiden.
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Gemeinsprachliche und kontextuale Synonyme
Die kontextualen Synonyme, die unter dem paradigmatischen Aspekt
überhaupt nicht existieren (lexikographisch sind sie nicht gebucht). Das ist
keine lexische, sondern nur stilistische Erscheinung. Sie entstehen erst im
Satz oder Großzusammenhang bei individueller Verwendung. Der Kontext
lässt solche Synonyme entstehen.
Man nennt kontextuale Synonyme Synonyme der Verwendung.
E. G. Riesel und E.I. Schendels sehen in kontextuellen Synonymen die
“Austauschbarkeit lexikalischer Einheiten im Kontext” (E. G. Riesel,
E I. Schendels, 1975: 58).
z. B. Die Schule war aus. Über den gepfl asterten Hof und heraus aus der
Gartenpforte strömten die Scharen der Befreiten (Th. Mann. Tonio Kröger).
...die Scharen der befreiten Schüler.
Im Werk von J. Borek “Amanda herzlos” nennt Amanda ihre Ehe mit
Weniger “ein Loch in ihrer Vergangenheit”, (J. Borek. Amanda herzlos).
Staatssicherheitsmenschen nennt sie “Mitarbeiter jener Behörde” (J. Borek.
Amanda herzlos).
Bahuvrihi können als okkasionelle Synonyme zu Eigennamen auftreten.
Kontextuale Synonyme können allmählich in absolute übergehen,
sobald ihr Gebrauch nicht mehr individuell und vereinzelt bleibt. Das lässt
sich gut an den Verben des Sagens nachweisen. Viele Wörter, die früher
Tierstimmen bezeichneten, haben heute die absolute Bedeutung “sprechen”
angenommen: brüllen, krähen, piepsen usw. Kriterium der kontextualen
Synonyme ist die Identität der Sachbezogenheit (denotative Beziehung),
dabei fehlt die Gleichheit der begriffl ichen Momente (signifi kative
Beziehungen). Selbst Antonyme können unter Umständen als Einzelwörter
im Sinnzusammenhang auftreten (“Eine schöne Sache” in negativer
Bedeutung des Tadels).
Als Beispiel können Bahuvrihi fungieren, die als Neologismen als
kontextuale Synonyme in der Sprache auftauchen, später in den ständigen
Wortbestand übergehen und von Wörterbüchern fi xiert werden.
Wendehals, Geizkragen, Leichtfuß, Glotzkopf, Drehkopf, Döskopf,
Jammerlappen, Quatschfrau (sieh W. Dewkin, 1994).
Die stilistischen Funktionen der kontextualen Synonyme sind fast
unbegrenzt. Sie dienen Variation des Ausdrucks, sie tragen zusätzliche
Information, sie präzisieren die Begriffe, verleihen der Aussage subjektive
Bewertung.
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
KAPITEL II
STILISTISCHE CHARAKTERISTIK DES NEUEN DEUTSCHEN
WORTSCHATZES
Aus stilistischer Sicht unterscheidet man zwei Gruppen, in die man den
gesamten Wortbestand der deutschen Sprache nach seiner Zugehörig keit zu
den einzelnen Stilen (d. h. nach seiner Verwendung, nach dem funktionalen
Prinzip) einteilen kann:
I. Der stilistisch undifferenzierte Wortbestand (Allgemeinwortschatz,
Grundwortschatz). Das sind allgemein verständliche und allgemein
gebräuchliche Wörter, die in sämtlichen Stilen verwendet werden.
II. Der stilistisch differenzierte Wortbestand. Das sind Wörter und
Wendungen, deren Verwendungsbereich durch bestimmte inner- und
außerlinguistische Faktoren eingeengt ist. Sie werden nicht von allen
Deutschsprachigen verstanden und gebraucht. Diese Gruppe ist nicht so
einheitlich wie der Grundwortschatz, sie zerfällt in verschiedene lexikalische
Gruppen. Diese zwei großen Gruppen des Wortbestandes sind in
ständigem Fluss. Man fi xiert oft Übergänge aus einer Gruppe in die andere
(das bezieht sich sowohl auf einzelne Lexeme als auch auf grammatische
Konstruktionen).
Stilistisch undifferenzierter Wortbestand
Betrachten wir die erste Gruppe näher. Ihr stilistisches Modell ist n – n – n.
Auf allen Ebenen stilistisch neutral.
Diese Gruppe ist die mehr oder weniger stabile lexikalische Basis der
Sprache. Die Wörter sind besonders beständig und halten sich jahrhundertelang im Sprachgebrauch.
Zum Kernwortschatz (Grundstock der Sprache) gehören Wörter einfach-literarischer Prägung mit expressiver Nullfärbung. Sie werden als
neutral bezeichnet. Allgemeinverständlichkeit, Allgemeingebräuchlichkeit, vollständige Neutralität sind Grundkriterien dieser Gruppe. Diese
stilistisch neutrale Grundlage der Sprache, ihr sprachliches Fundament
dient zur Bezeichnung von lebenswichtigen Gegenständen, Handlungen,
Eigenschaften, Zuständen, Zahlenverhältnissen, logischen Verhältnissen
usw. Sie haben in allen Stilen das gleiche Gewicht, die gleiche Verbrei tung.
Zu den meisten Wörtern können keine unmittelbaren Synonyme ge bildet
werden (das sind Numeralien, Pronomen, allgemeine Begriffe wie Mensch,
Hund, Termini – Elektrizität). Manche von ihnen können in the matischen
Reihen Synonyme (d. h. sinngleiche oder sinnähnliche Äqui valente) fi nden
(Esszimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer).
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Die Wörter mit funktionaler Neutralität und absoluter Nullexpressivität
werden durch die andere Gruppe bereichert (durch Wörter mit funktionalstilistischen Differenzen, die in den allgemeinen Gebrauch eingehen), z.
B. manche Fachwörter: die Lok galt früher als berufl icher Jargonismus,
heute hat es einfach-literarische Stilfärbung und absolute Nullexpressivität.
Wörter, die die gesellschaftliche Realität widerspiegeln, gehen oft aus einer
eng spezialisierten Gebrauchssphäre in den Sprachusus über. Viele Wörter
wer den mit der Zeit umgenormt und nicht mehr auf ihren engen Bereich beschränkt, d. h. ihre funktionale Spezifi k wird geändert.
Stilistisch differenzierter Wortbestand.
Charakterologische Lexik
Aus innen- und außerlinguistischen Gründen sind die Wörter nicht
allen Deutschsprachigen gleicherweise verständlich, da die Gesamtheit der
Sprachträger nicht homogen ist. Ihre Verwendung ist durch gewisse zeitliche,
lokale, berufl iche, nationale Schranken eingeengt. Ihre Beson derheit ist diese
eingeschränkte Verwendungssphäre (die Verwendungs beschränkungen). Sie
werden in verschiedenen Stilen der Sprache ver schieden verwendet, sowohl in
quantitativer, als auch qualitativer Hin sicht (in einem Stil wenig, im anderen
viel oder gar nicht, für den dritten sind sie typisch). Sie üben in verschiedenen
Stilen verschiedene Funktio nen aus. Sie haben kein einheitliches stilistisches
Modell. Man kann von zwei Untergruppen sprechen:
• die stilistische vollständig oder teilweise kolorierte Lexik, deren
absolute Stilfärbung im Sprachsystem den Gebrauch vorausbestimmt
(davon haben wir schon geschrieben);
• die so genannte charakterologische Lexik, die der Aussage ein
bestimmtes Kolorit verleiht.
Die Wörter der zweiten Gruppe haben keine absolute Stilfärbung;
lexikologisch gesehen gehören sie zu ein und derselben Schicht (Archais men,
Neologismen, Fremdwörter, Fachwörter, Jugendsprache, Dialekt ismen),
aber sie werden verschiedenartig verwendet, d. h. stilistisch be trachtet sind
sie verschieden. Diese Wörter und Wendungen unterschied licher Stilfärbung
sind nicht allen Sprachbenutzern gleicherweise bekannt, da sie zeitliche,
örtliche, nationale und andere Besonderheiten charakte risieren (nur den
Menschen einer bestimmten sozialen Schicht, Land schaft, eines Berufs).
Die lexikalischen Archaismen, Neologismen, Dia lektismen und andere
Schichten dieser Wortbestandsgruppe üben ihre sti listische Funktion aus,
zeigen ihren Ausdruckswert nur in einer konkre ten Sprechsituation. Sie geben
unterschiedliche Kolorite wieder. Darin besteht ihre stilistische Funktion
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