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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL IV. MITTEL DER BILDKRAFT
da ihre Verwendung hier nicht funktional bedingt ist (nur vielleicht in der Polemik). Häufi g werden die bewertenden, stark expressiven Epi theta in der Publizistik verwendet. Mit ihrer Hilfe kann der Sprecher / Schreiber seine Stellungnahme zum Gegenstand eigener Rede emotio nal ausdrücken, den Leser/Hörer besser überzeugen und gewinnen:
Im Erwachen schlug er um sich, als müsse er unriechbaren Nebel ver­scheuchen. (P. Süßkind. Das Parfüm)
Wie er sein Leben nicht mit einem hoffnungsvollen Atemholen begonnen hatte, sondern mit einem mörderischen Schrei, (ebd.)
Der Stil des Alltagsverkehrs ist von bewertenden Beiwörtern stark durchsetzt: mächtige Angst, schreckliches Wetter, Bombenerfolg – ein Be- stimmungswort in der Funktion eines Beiwortes.
Besonders wichtig und notwendig sind die bewertenden Epitheta in der schönen Literatur, die die persönliche Einstellung des Autors öder der Person anzeigen.
Das syntaktische Modell der Beiwörter kann verschieden, oft recht kompliziert sein. Wir lehnen die Meinung ab, dass das Epitheton nur dem attributiven Adjektiv gleichzusetzen ist. Grammatisch ausgedrückt kann das Epitheton durch adjektivisches oder partizipiales Attribut sein, dabei kann das Attribut vor- und nachgestellt sein, durch Präpositional- bzw. Prädikatsattribut, sogar durch einen Attributsatz oder ein Kompositum (ein seltenes Modell – die Meinungsfabrik).
Es werden auch “stehende” und “unerwartete” Epitheta ausgeglie dert.
Da die Erscheinungsform des Beiwortes keine stabile Kategorie ist, wechseln die “stehenden” Epitheta mit der Zeit, durch die sozialen Um stände determiniert: Lilienweiße Haut/Hände ist kein Frauenideal mehr.
Den Gegensatz zu den “stehenden” bilden die so genannten “unerwartenden” Epitheta. In überwiegenden Fällen beruhen sie auf übertra­gener Bedeutung (metaphorische Epitheta) und dienen als Mittel von Humor und Satire. Der Begriff unerwartetes Epitheton (ebenso wie “ste hendes” Epitheton) ist nur kontextual zu deuten: die hochadligen Augen. Noch einige Beispiele für unerwartete Epitheta aus Heine: die ausgekochte Gestalt; mit
seinem langen überfl üssigen Gesicht; ein alter, müder, abgetra gener Mann, abstrakte Beine usw.
TEIL V
MITTEL ZUM AUSDRUCK VON HUMOR
UND SATIRE
Das Komische existiert seit der antiken Zeit. Die Philosophen, Psy­chologen, Literaturforscher und Philologen setzen sich mit diesem kom­plizierten Problem bis jetzt auseinander und das Problem bleibt noch nicht vollständig erforscht.
Dass der Mensch gerne lacht, ist eine allgemein bekannte Tatsache. Je schlechter die Zeiten sind, desto mehr lacht er. Das Lachen ist eine gesunde Reaktion des Menschen auf die Umwelt. Das Komische ruft in der Regel das Lachen hervor, aber dieses Lachen hat keinen tiefen Sinn. Unsere Mängel: Ungeschicktheit, Dummheit, nicht entsprechendes Be nehmen, Rücksichtslosigkeit werden ausgelacht, damit sie nicht mehr vorkommen.
Aber das Komische ist nicht unbedingt lustig, reizt nicht immer zum Lachen. Es ist oft sozial orientiert, ist bestrebt, negative gesellschaftliche Erscheinungen auszurotten. Dazu dienen solche Erscheinungsformen des Komischen wie Humor, Ironie und Satire. Das Komische ist in diesem Fall eine Form der ästhetischen Kritik.
Der Sinn für Humor erfordert hohe ästhetische Ideale und einen äs­thetisch entwickelten Verstand, der zu reichen, unerwarteten Gegenü­berstellungen geneigt ist. Der Scharfsinn ist ein hervorragendes, gesell­schaftlich bedeutungsmäßiges Talent.
Die Ironie ist schärfer als Humor, aber milder als Satire. Ironie ist Fähigkeit, reale Widersprüche zuzuspitzen, dass die Komik sehr bildlich auftritt. Aufs Schärfste konzentriert das Komische die Satire. Sie brand­markt, geißelt scharf und schonungslos die gesellschaftlichen Mängel.
Das Komische ist in all seinen Erscheinungsformen seinem Wesen nach pragmatisch, immer konkret gezielt, enthält Bewertung.
In der heutigen Zeit entwickelt sich erfolgreich die kognitive Wissen schaft, die sich mit der theoretischen und experimentalen Untersuchung der Kodierung, Aufbewahrung und Verwendung der Information ausein ander setzt.
Der kognitive Aspekt sieht die Summe der Kenntnisse über einen Ge­genstand, eine Erscheinung, ein Ereignis vor. Für die Strukturen, welche diese Kenntnisse darlegen, existiert eine Reihe der Termini: Frames (Coffman, 1974; M. Minsky, 1979; Charniak, 1978), Schemen (Rumelhart, 1975; Чейф,
1983), mentale Modelle (Jonson-Laird, 1990; Ch. Fillmore, 1998).
Diese Strukturen der Kenntnisse stellen die Summe der im Gedächt­nis existierenden Information über Gegenstände und Erscheinungen dar,
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TEIL V. MITTEL ZUM AUSDRUCK VON HUMOR UND SATIRE
und die die adäquate kognitive Verarbeitung der stereotypen Situation si­chern. B. Sandig nennt das “Vorwissen”. Besonderes Interesse stellt der Begriff Frame dar. Der Begründer der Theorie der Frames ist Ch. Fillmore. M. Minsky, der sich direkt mit der Kodierung und Dekodierung des Komischen im kognitiven Aspekt befasst hat, defi niert den Fram als Struktur der Kenntnisse für die Realisierung der stereotypen Situation. M. Minsky führt ein Beispiel des thematischen Frams an – Geburtstag. Der Fram sieht einige Terminale vor. Terminale: die Kleidung (die beste Festkleidung); das Geschenk (soll dem Geburtstagskind gefallen); Spiele; Schmuck; Festessen (Torte, Kuchen, Eis) usw.
Zum Begriff “Frame”
Der Frame ist die Darstellung einer stereotypen Situation. Mit jedem Frame ist eine bestimmte Information verbunden. Er lässt sich auch ande­re Frames anschließen. So z. B. der Frame des Stuhls beinhaltet folgende Informationen: Der Stuhl hat einen Sitz, eine Stütze und vier Beine.
Die Konzeptionen des Komischen sind mannigfaltig:
die ästhetische (extralinguistische),
die verbale (rein linguistische),
• die funktionale.
Sehr gut bricht sich der funktionale Aspekt des Komischen in der Bemerkung von M. Minski im Artikel “Scharfsinn und Logik des kog­nitiven Unbewussten” durch: “Der Witz ist in Wirklichkeit nicht nur zum Lachen, er widerspiegelt das Bestreben des Menschen zur Vernünf tigkeit. Und ihr Erreichen ist mit der Bewältigung des Absurden ver bunden.” (M. Minsky, 1988).
M. Minsky verneint nicht das Komische, er behauptet das Komische. Das Wesen des Komischen setzt nicht nur den kognitiven Aspekt des Pro blems voraus, sondern offenbart auch die pragmatische Seite des Komi schen: das Bestreben zur Vernünftigkeit (den Zweck) und die Bewälti gung des Absurden (das Mittel).
Eigentlich ist das wahre Mittel der Schaffung des Komischen das Ab­surde vom Standpunkt des gesunden Verstandes aus, das vom Sprecher kodiert wird. Das Komische (Witz, Humor, Ironie, einige Formen der Satire) verstellt ernste Intenzen, die eben die Überwindung des Absur den, des Unsinns, des Unlogischen bestreben.
Diese Überwindung wird durch das Lachen belohnt. Das ist eigent lich der psychologische Aspekt des Komischen. Nicht weniger kompli ziert ist auch der pragmatische, kognitive und der linguistische Aspekt des Komischen.
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Der linguistische, das heißt semantische und stilistische, Aspekt ist das, was an der Oberfl äche liegt. Die kommunikative Betrachtung des Komischen (das Komische hat nur Sinn im kommunikativen Bereich!) setzt die Berücksichtigung aller Faktoren der kommunikativen Situation. Bei der verbalen Verwirklichung des Komischen herrscht der pragmati­sche Faktor vor. Das Komische rechnet immer mit dem Effekt nicht nur theoretisch, sondern auch konkret, im kommunikativen Aspekt. Die Ka­tegorie des Komischen hat viele Erscheinungsformen: Scherz, Witz, Nar­renpossen, Witzelei, Parodie, Spöttelei, Humor, Anekdote, Ironie, Sati re. Diese Reihe ist nicht homogen, aber sie hat etwas Allgemeines, Ver wandtes, und zwar das Lachen. Allen diesen Erscheinungen liegen das Komische und der programmierbare pragmatische Effekt – das Lachen – zugrunde. Und dieses Lachen vom Standpunkt des Kognitiven aus wirkt sich auf die emotionale Sphäre des Rezipienten aus, hat einen bestimm ten kognitiven Inhalt.
Es entsteht die Frage über die Mittel und Methoden der Verwirkli­chung des Komischen. Man muss das in zwei Aspekten betrachten: auf der Ebene der verbalen Realisation, d. h. vom Standpunkt der linguisti­schen Pragmatik aus und auf der Ebene der allgemeinen kognitiven Me- chanismen.
Es gibt keine universelle Struktur des Komischen. Es gibt folgende Konzeptionen, die auch relativ sind:
• psychologische,
pragmatische (Verstoß gegen kommunikatives Maximum, Erzeu­gung der Implikaturen),
kognitiver (abrupter Framenswechsel),
lexikalisch-semantische (lexikalische und phraseologische Konta­mination, die Sprengung der phraseologischen Einheiten, Wort­bildung),
stilistische (stilistische Unverträglichkeit der lexikalischen Einhei­ten, Strukturen, Stilbruch),
logische (grammatische Umstellungen und Kontaminationen, lo­gisch absurde Bildungen).
Aus linguistischer Sicht drücken die Figuren der Ungleichheit das
Komische.
Die konkrete Erarbeitung dieser stilistischen Erscheinung, des Ko­mischen, beginnen wir mit der Orientierung auf die neuen Theorien mit den lexikalisch-semantischen und stilistischen Konzeptionen. Aus stilis­tischer Sicht kann man folgende Stilfi guren zum Ausdruck des Komi schen ausgliedern:
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TEIL V. MITTEL ZUM AUSDRUCK VON HUMOR UND SATIRE
Doppelsinn
Der Doppelsinn ist eine Stilfi gur, die sich auf der Mehrdeutigkeit und der Homonymie gründet. Man assoziiert gewöhnlich die bloße Nennung eines isolierten Wortes oder der phraseologischen Einheit mit der deno­tativen Grundbedeutung. Der Hörer/Leser versteht aus dem Kontext, welche von allen Potentialen Bedeutungen eines mehrdeutigen Wortes oder einer Redewendung im konkreten Fall Gültigkeit hat.
Trude und Hilde haben sich lange nicht gesehen. Hilde fragt: “Trude, wo ist dein Mann? Ich habe ihn lange nicht gesehen.” Hilde: “Er sitzt.” – “Warum sitzt er?” – “Er hat zu viel gestanden”, sagt Trude. .
In diesem Fall treibt der Doppelsinn sein Spiel mit der falschen Aus­legung des mehrdeutigen Verbs sitzen und der homonymischen Form, und zwar des Partizips II vom Verb stehen – gestanden und gestehen.
Manchmal haben wir mit der absichtlichen falschen Auslegung der Polysemie und Homonymie im Kontext zu tun.
Ein Mann geht das Ufer des Flusses entlang und hört einen Ertrinken den schreien. “Warum schreist du so sehr”, fragt er. Und der Arme schreit: “Ich habe keinen Grund, ich habe keinen Grund.” – “Desto mehr brauchst du nicht zu schreien, wenn du keinen Grund dazu hast.”
***
Der Richter redet dem Angeklagten ins Gewissen: “Sagen Sie ehrlich, ob die Stalltür offen gestanden hat oder geschlossen, als sie die Hühner stah­len.” Darauf der Angeklagte: “Offen gestanden geschlossen.”
***
Am Tore der Irrenanstalt. Eine Dame fragt den Pförtner: “Bin ich hier richtig?” – “Wenn Sie richtig sind, dann sind sie hier nicht richtig. Wenn Sie nicht richtig sind, dann sind Sie hier richtig.”
Hier spielt das Wort richtig in der direkten Bedeutung und in der Be­deutung “nicht geistesgestört”.
In der Werbung wirkt Doppelsinn auch komisch: Fünf Jahre auf Be- währung (Reklame für Fiat).
Paronomasie
Zu den Wortwitzen gehört das Wortspiel – Paronomasie. Dieses Stilistikum hat viele Erscheinungsformen: zwei verschiedene Wörter klin gen lautmalend (phonetisch) ähnlich, haben aber verschiedenen Sinn; zwei Wörter
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
haben Variationen in der Wortbildung, oder mehrere Lexe me verschmelzen auf Grund gemeinsamer Teile (die so genannte Konta mination) sowie das Spiel mit den lexikalischen Elementen einer stehen den Wortverbindung.
Ein wirksames Beispiel ist im nachstehenden Witz zu fi nden:
Der Wiener Schriftsteller J.J. David war bei einer Zeitung angestellt, die ihre Spalten hauptsächlich mit Hilfe von Schere und Klebstoff zufallen pfl egte. Als er die Zeitung schließlich verließ, schrieb er dem Herausgeber: “Lie ber L! Schneiden tut weh, kleben Sie wohl.”
Durch Konsonantenhinzufügung entsteht aus den Verben in den Ab­schiedsfl oskeln Scheiden tut weh und Leben Sie wohl die scharf und witzig die Redaktionsarbeit charakterisierenden Verben schneiden und kleben.
Anlässlich des Tages des Lehrers gibt die Berliner Staatskapelle ein Konzert für die Lehrer. Ehe der Dirigent den Taktstock hebt, dreht er sich noch einmal um und sagt kopfschüttelnd zu dem ihm am höchsten sitzenden Geiger; Ich habe den Saal schon leerer und voller gesehen. Aber so voller
Lehrer ist er noch nie gewesen.
Das phonetisch ähnliche Sprachgebilde leer – Lehrer und dazu auch die Antonymie voller – leerer, voller – Lehrer schaffen den komischen Effekt.
Im 18. Jh. fragte der Physikprofessor Kästner in Göttingen einen Prüfl ing, der Kriegk hieß. “Wie alt?” – “30 Jahre!” – “Ei, ich habe also die Ehre, den
30-jährigen Krieg vor mir zu haben.”
Wenn der Scherz gehaltvoll und wertvoll wird, wandelt er sich zum Witz:
“Waren Sie in Stuttgart länger als in Berlin?” – “Nein, ich war überall gleich lang.”
Hier treiben ihr Spiel Adjektive lange und lang, ebenso wie im nächs ten Witz: “Kannst du mir sagen, wie lange Aale leben?” – “Lange Aale le ben
meist wie kurze.“
Im Gedicht von Jan Las (Eulenspiegel. 1973, H. 17) ist das Komi sche auf der Mehrdeutigkeit des Verbes brechen und seiner Ableitungen gebaut:
WARNUNG
Glück und Glas – wie leicht bricht dieses! Marmor, Stahl und Eisen bricht.
Schon zu Omas Zeiten hieß es:
Knabe, brich das Röslein nicht!
Wissenschaft bringt Monopole.
Fritz bricht bei der Prüfung ein.
In dem Glas auf dem Konsole bricht sich matt der Sonnenschein.
Aus bricht eine Grippewelle.
Ein bricht nachts der Bösewicht.
Schweiß bricht aus bei Pilzfreund Pelle,
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bricht ’ne Sau aus dem Dickicht.
Manche Ehe ward gebrochen,
manches Wort, manch Mädchenherz.
Leicht auch brechen sich die Knochen
Fußballspieler untenwärts.
Wellen brechen, Nasenbeine.
Sieh doch nur, wie leicht man bricht!
Und versprich mir dieses eine: Menschenskind: Betrink dich nicht!
Oder
Kunstpreise sind keine Gunstpreise. (Eulenspiegel)
“Aus einer Kinderkrippe ist eine Kindergrippe geworden”, sagte ein Va-
ter, der sein Kind zu Weihnachten in die Kinderkrippe brachte und wo über Nacht Grippe ausgebrochen war.
Die Deutschen scherzen jetzt in Bezug auf griechischen Gastarbeiter:
Erstmals lehrten uns die Griechen Philosophie, jetzt leeren sie uns Müll­tonnen.
Jedem Krüppel seinen Knüppel. (Ztg)
Träume nicht dein Leben! Lebe deinen Traum.
Bitte ein Bit (Bier Bitburger).
Wortspiel in der Werbung: Erste Wahl zum zweiten Mal. (Maxell)
Die große Liebe des Berliner Zoologieprofessors galt den Insekten. Bei einem Akademieball saß an seinem Tisch eine hübsche junge Dame, die tem­peramentvoll dem Sekt zusprach und sich allmählich in übermütige Sektlau­ne steigerte. Gerstärker, der sie zum Tanz führte, machte ihr das Kompli­ment: “Sie sind das allerliebste In-Sekt-Exemplar das mir je begegnet ist...“
Die Momentanbildung In-Sekt-Exemplar ist doppeldeutig: a) einzel nes Insekt und b) Mensch, der viel Sekt getrunken hat (in Sekt ist). Das Wortspiel
ist hier sprachlich, explizit ausgedrückt.
In der Werbung: Wir ersetzen die Lösung durch eine Losung; Wiege und
Waage
Peter geht mit seiner Mutter in den Laden.
Peter: “Mutti, da steht eine Wiege!”
Mutter: “Das ist eine Waage!”
Peter: “Ja, Karluscha hat sich gestern gewaagt”.
Mutter: “Nicht gewaagt – gewogen”.
Peter: “Darf ich mich wogen ?”
Mutter: “Man sagt: Darf ich mich wiegen?”
Peter: “Also, es ist doch eine Wiege!”
Als Ausdruck des Komischen ist wirkungsvoll die Verletzung der Lo gik der Aussage.
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* * *
Die Serie “Lieber... als”.
Lieber bei Luftwaffe rausfl iegen, als bei der Marine untertauchen.
Lieber Feste feiern als feste arbeiten.
Lieber ein wackliger Stammtisch als ein fester Arbeitsplatz.
Lieber mit dem Fahrrad zum Puff als mit dem Lada zur Arbeit.
Lieber eine Blinde im Bett als eine Taube auf dem Dach.
Lieber reich und gesund als arm und krank.
Lieber arm dran als Bein ab.
Lieber fernsehmüde als radioaktiv.
Ich sehe ihn lieber gehen als kommen.
“Rührei zum Frühstück”, sagte Plato, “ist besser als die ganze Nato”.
Jedem Rowdy ein Audi.
Andere Beispiele:
Ein gutes Gewissen ist die Kehrseite des schlechten Gedächtnisses.
Alles lässt sich so lange verbessern, bis es zusammenbricht.
Auch das Brett vor dem Kopf ist eine Schlagwaffe.
Der Krug geht so lange zum Wasser, bis er Besseres fi ndet.
(Diogenes. Kleine Sprüche, 2001).
Kontamination
Die Kontamination ist ein Stilistikum, wo selbstständige Wörter oder Wortteile mit irgendeiner zufälligen lautlichen Gemeinsamkeit mitein ander verschmelzen und komisch wirken.
Ich saß neben Salomon Rotschild und er behandelte mich ganz wie sei­nesgleichen, ganz familionär. (H. Heine) – Verschmelzung der klangähn-
lichen Wörter: familiär und Millionär.
Auf diesem Prinzip werden die folgenden Kontaminationen gebildet: Sanitäter, Müllionär, Fieberg (Fieber und Berg), Philosuph usw. (V. D. Devkin, 1973)
Noch ein Beispiel aus der Zeitung: Die Jugend in den USA ist ver rockt. – Rock und verrückt geben den Anstoß zum Wort verrockt.
Die Kontamination wird erfolgreich in der Werbesprache verwendet, wirkt auch komisch, ist expressiv.
Pessimist + Mistvieh = Pessimistvieh
Gefühl+sportugal – Schuhenbewerbung
Be-8-lich; 2fel, kla 4
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Falschkoppelung
Die Falschkoppelung beruht auf scheinbar widersinniger Zusam­menstellung. Das ist eine scherzhafte Widersinnigkeit. Aus grammatischer Sicht ist diese Zusammenstellung nicht richtig: ein vierstöckiger Hausbe sitzer,
eine sterilisierte Milchfrau, ein hübsches Konto, stolzer Schnauzbart usw.
Der motorisierte Spaziergänger sollte daran denken: “Immerfair im Ver­kehr!” (Ztg)
“Kohlsuppe” (Ztg) in Bezug auf den Vorgang, den der Bundeskanzler Kohl eingebrockt hat.
Ironie
Ironie ist die Entfaltungsweise des Komischen. Aber man muss die linguistische Ironie (E. Lapp, 1992) und Ironie als ästhetische Kategorie unterscheiden. Beide Arten der Ironie sind für die Stilistik wichtig.
Ironie als linguistische Kategorie
Die Ironie (griech. eironeia “Verstellung”) ist das Gegenteil dessen, was eigentlich ausgesagt wird. Negative Wertungen sind scheinbar positiv dargestellt. Im Falle der Ironie liegt tatsächlich Verstellung und Umkeh­rung vor. Die Ironie meint das Gesagte nicht wörtlich, sondern uneigent lich, indirekt:
Die Wandtafel ist heute recht sauber! = ist schmutzig (Das ist indirekter Appel an die Schüler.)
Du hast aber ehrlich gehandelt. = gemeint unehrlich.
Im Falle der linguistischen Ironie spielen eine große Rolle die Into­nation, die Modalpartikeln, Widersprüche zum Vorhergemeinten, antonyme Andeutungen:
Er liebte seine Frau sehr, besonders in ihrer Abwesenheit. (E. Kästner. Fabian)
Julchen ist nun wirklich groß, pfi ffi g, fett und tadellos und der Vater ruft: “Was sehe ich? Die Mamsel ist heiratsfähig.” (W. Busch. Julchen. Domi nik
Harjung, 2000)
Die Ironie kann milde, liebevoll, aber auch böse sein: Was für eine
glänzende Vorbereitung der Hausaufgaben, was?
Die ironische Beteuerung lässt der Lehrer durch den situationsmäßi­gen Kontext evident werden. Eine große Rolle spielt dabei die Intonati­on: Ein Lehrer ruft einen Schüler auf, der trotz Ermahnung weiter
geschwätzt hat und fragt ihn etwas zu dem gerade Vorgetragenen. Der
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Schüler mit ratlo sem Gesicht: “Ja, äh...” – Der Lehrer: “Bis dahin schon ganz richtig. Du bist ganz schön aufmerksam. Herzlichen Dank für deine heutige Interventi on!”
Aus einem Interview, das Spiegel-Redakteur E. Böhme mit F. J. Strauß führte (Der Spiegel. 1976, H. 38): Nachdem der Interviewer die Infl ati onsrate in der BRD als geradezu vorbildlich gelobt hat, entgegnete Strauß: “Wir können uns ja zusammensetzen und ein Lob für Helmut Schmidt sin gen”.
Gemeinsames Merkmal der angeführten Beispiele, dass die Intenti on des Sprechers von dem verschieden ist, was wirklich gesagt wird und dass der Hörer das Gegenteil von dem versteht, was ausgesprochen wird.
Eigentliche Ironie
Als wichtige stilistische Ausdrucksweise muss die Ironie angesehen werden, die mit Hilfe bestimmter Mittel (z. B. Untertreibung, Übertrei bung, Anspielungen, Umschreibungen, konträre Kombinationen, Me tonymien) getroffene konventionelle Aussagen in ihrer Gültigkeit in Frage stellt, ohne das Gegenteil des Gesagten zu formulieren. Der Bedeutungs bereich des Ironischen kann dabei vom bloß Relativierenden bis zur Pa rodie reichen (B. Sowinski, 1991: 278).
Das kann man an Beispielen aus dem Roman von E. T. A. Hoffmann “Lebensansichten des Katers Murr” veranschaulichen. Hoffmanns Werk bietet zahlreiche Beispiele dieser Mittel. Hier einige davon: Das Sonett ist
eines Katers vollkommen würdig oder... wenn es überhaupt für einen Mann von Verstände schicklich wäre, sich zu schämen.
Sehr viel Ironie im eigentlichen Sinne fi nden wir bei der Beschrei bung des Fürsten und in dessen sprachlichen Charakteristiken: Auch der Fürst
trägt Schlafröcke und setzt eine Nachtmütze auf wenn er sich zur Ruhe begibt, wobei Friedrich der Große eine Ausnahme machte, der auch im Bette einen Filzhut aufsetzte; Hohen Personen steht es wohl an, auf Seltsames zu verfallen, es vermehrt den Respekt.
Mit viel Spott und Sarkasmus sowie versteckter Ironie schreibt der Autor über alles, was sich im Fürstentum abspielt. So sagt er über ei nen Baron: Er soll im Theater eine überaus wichtige Rolle spielen, da er das
Publikum nicht allein von allen Verhältnissen der Bühne und der auf­tretenden Künstler in Kenntnis setzen, sondern auch das gehörige Lob, den gehörigen Tadel anordnen, so aber überhaupt den Geschmack im rich tigen Geleise erhalten muss.
In der Szene der “Verschwörung” sagt der Fürst, dass die besten Verteidiger seines Hauses gegen die angebliche Gefahr mit einer Ver­dienstmedaille ausgezeichnet werden: Die ich selber er nden und aus prägen
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