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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
nicht vom Denotat des Wortes ab, sondern von der Sphäre und Situation der Kommunikation.
Man muss des Weiteren die stilistische Bedeutung und die Stilfärbung
auseinanderhalten.
1. Stilfärbungen sind konnotative Qualitäten der Rede, die von sachlich neutraler Aussage abweichen und der sprachlichen Äußerung zusätzlich einen bestimmten Grad von Expressivität verleihen. Arten der Stilfärbung sind: scherzhaft, vertraulich, gespreizt, abwertend, spöttisch, übertrieben, verhüllend ua. Auch die Stilschichten bezeichnen außerdem konnotative Qualitäten der Rede; hinzu kommen zeitliche, territoriale und soziale Stilfärbungen (R. Konrad, 1981: 253–254).
2. Stilfärbung als Stilkolorit sind übliche, d. h. im Wörterbuch bereits xierte stilistische Nuancen von Wörtern und Fügungen. Ist an isoliert stehenden Wörtern eine besondere Stilfärbung nicht erkennbar, so spricht man von Nullfärbung (S. Кrahl, J. Kurz, 1977: 111–112).
3. Stilshicht, Stilsphäre: Höhenlage sprachlicher Formen im Verhältnis zur literarischen Norm; ästhetische Qualität. Eine mögliche Einteilung ist z. B. die Schichtung: vulgär – umgangssprachlich – einfach – literarisch – gehoben – poetisch.
4. Stilschicht oder Stilebene oder Stilsphäre: allgemeine emotionale Höhenlage sprachlicher Mittel; ausgehend von einer neutralen Grundschicht (normalsprachlicher Schicht mit expressiver Nullfärbung) sind nach oben und unten weitere Stilschichten zu unterscheiden: poetisch – gehoben – neutral (normalsprachlich) – salopp – vulgär. (R. Konrad, 1981: 254, 255).
Stilwert: 1. auf sprachliche Elemente bezogen: Oberbegriff für Stilfärbung und Stilschicht. – 2. auf den Text bezogen Expressivität (S. Krahl, J. Kurz, 1977: 120)
“Das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache” von R. Klappenbach und W. Steinitz (WdG. Bd. I, 1975) gibt das Beispiel stilistischer Charakterisierung des deutschen Wortbestandes. Es kennzeichnet Stilnormen und funktionale Qualitäten im Rahmen dieser Stilnormen.
Es werden 4 Aspekte berücksichtigt: emotionaler, räumlicher, zeitlicher,
fachlicher.
Unter dem emotionalen Aspekt werden Wörter hinsichtlich ihrer allgemeinen emotionalen Höhenlage (Stilschicht) sowie ihrer speziellen emotionalen Höhenlage (Stilfärbung) charakterisiert.
Das Wörterbuch unterscheidet 4 Schichten oder Stilsphären:
1) Die normalsprachliche Schicht (die breiteste Schicht).
Sie erhält im Wörterbuch keinen besonderen Hinweis (Abend, bekommen, Gesicht, sterben). Eine Variante der Normsprache, die im mündlichen
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Gebrauch erscheint, wird als Umgangssprache bezeichnet (wird schriftlich in privaten Briefen und in der Literatur als Ausdruck einer gewissen Vertraulichkeit verwendet).
2) Die gehobene Stilsphäre (liegt über der ersten).
Die Bewertung (geh) kennzeichnet das Wort oder die Redewendung als Ausdruck einer gepfl egten Sprache (bei feierlicher Gelegenheit des öffentlichen Lebens: entschlafen, ableben. Zu ihr gehören auch die dichterischen (dicht) Wörter für die poetische Gestaltung des Werkes (Odem, Aar – der Adler).
Folgende zwei Schichten fi nden sich unter der normalsprachlichen Sphäre:
3) Die salopp – umgangssprachliche Schicht.
Sie wird durch eine gewisse Nachlässigkeit, Gefühlsbetontheit und Bildhaftigkeit gekennzeichnet. Im Alltag ist sie sehr verbreitet: Abreibung (Schelte, Prügel), Affe (Rausch), das kannst du an den fünf Fingern abzählen – gefühlsbetont, bildhaft.
4) Die vulgäre Stilschicht.
Diese Stilsicht vertreten grobe Wörter, die im Allgemeinen vermieden werden, z. B. die Fresse, verrecken (obszöne Wörter sind im Wörterbuch nicht berücksichtigt. Nach Klappenbachs Schema sieht es z. B. so aus: für immer
einschlummern (dicht.), verscheiden (gehoben), sterben (normalsprachlich), sich davonmachen, ins Gras beißen (salopp), verrecken (vulgär).
Das Wörterbuch von R. Klappenbach und W. Steinitz verwendet folgende Termini zur Bezeichnung der Stilfärbung:
1. scherzhaft Adamkostüm;
2. vertraulich Alterchen;
3. verhüllend abberufen für sterben; eine vollschlanke Dame statt
eine dicke Frau;
4. übertrieben abscheulich;
5. abwertend (pejorativ), derb – Abscheu der Menschheit, letzter Dreck;
6. altertümlich Kondukteur, dereinst;
7. gespreizt: unnatürlich gezierte oder umständliche Wörter und Wendungen – wir beehren uns, geziemend darauf hinzuweisen;
8. Papierdeutsch Unterzeichneter sieht sich genötigt, aktenkundig…;
9. spottisch, ironisch – mit strenger Amtsmiene;
10. Schimpfwörter – du Lump, du Gauner, du Affe, du Esel;
11. derb – abkratzen statt sterben.
Prof. E.G. Riesel (1975: 35) warnt davor, die stilistische Katergorie der
Stilfärbung mit dem Grundbegriff “Stil” (feierlicher, ironischer Stil, hoher,
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vulgärer Stil) zu identifi zieren. In diesem Fall fehlt die Voraussetzung – die funktionale Basis, folglich ist diese Bezeichnung falsch. Es handelt sich um die Stilfärbung.
Unter zeitlichem Aspekt sind im Wörterbuch 2 Hauptgruppen bezeichnet:
zeitlich neutrale (zeitlich nicht veraltete) – historisch neue Wörter.
Unter fachlichem Aspekt folgt eine Differenzierung des Wortschatzes im Hinblick auf die Spezialisierung der lexischen Mittel auf bestimmte Fachgebiete – “fachliche Zuordnung“: Allgemeinwortschatz – Fachwortschatz.
Der Stilforscher J. Scharnhorst (1974: 1–7) möchte “bereits in der Benennung das emotionale Wesen zum Ausdruck bringen, um so von vornherein jede Verwechselung mit anderen stilistischen Kategorien, insbesondere der funktionalen Stilfärbung auszuschalten”. Er schlägt volgende Einteilung vor:
erhaben +2 gesenkt –1
gehoben +1 salopp –2
normalspr 0 grob –3
In der russischen Germanistik richtet man sich nach anderen Kriterien und verwendet andere Termini.
Wie schon früher erwähnt worden ist, unterscheidet E. G. Riesel absolute
und kontextuale stilistische Bedeutungen.
Die absolute Bedeutung ist eine dem Sprachsystem innewonnende linguistische Erscheinung, die die qualitative und quantitative Verwendung der sprachlichen Einheit im Kontext vorausbedingt. Das ist eine systeminterne Kategorie. Sie fügt zusätzliche (sekundäre), unentbehrliche Information zur lexischen und grammatischen Bedeutung (zur primären Information) hinzu (z. B. das Mägdlein):
1. lexikalische B. – junges weibliches Wesen
2. grammatische B. – Substantiv sächlichen Geschlechts
3. stilistische B. – kosende Benennung
Im Stilkundeunterricht ist diese Erscheinung von großer Bedeutung. Die stilistische Bedeutung einer Spracheinheit (Stilfärbung) ist eine bestimmte stilistische Prägung, ihre Spezialisierung für eine bestimmte stilistische Aufgabe im paradigmatischen Aspekt (im Sprachsystem, außerhalb jeglichen Kontextes). Linguisten sehen im Wort keine stilistische Bedeutung (I. R. Galperin, 1958: 108). Sie ordnen diese der Semantik der Sprachzeichen zu oder sehen darin einen außerlinguistischen Faktor. Viele andere Stilforscher unterstützen die Meinung, dass die stilistische Bedeutung neben lexikalischer und grammatischer (neben der semantischen) Bedeutung noch eine Seite der komplexen Bedeutung ist. Sie gehen von der Sprachverwendung aus. Sie meinen, dass die Struktur
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des Wortes – die Einheit von lexischer und stilistischer Bedeutung ist. Dem Wesen nach ist die stilistische Bedeutung das Resultat der sinnlichen Widerspiegelung der Wirklichkeit, die organisch mit der rationellen Widerspiegelung im einheitlichen dialektischen Prozess verbunden ist.
Die denotative Bedeutung (lexisch-grammatische) verwirklicht die logisch-geistige Funktion, die stilistische Bedeutung – die expressiv­emotionale; (das Fahrrad – der Drahtesel, kreischen – scharf schreien). Die stilistische Bedeutung ist daher, wie die lexische und grammatische, ein objektiver Faktor des Sprachsystems, das die gesellschaftlich determinierte Einheit in bestimmter kommunikativer Sphäre ist.
In der “Stilistik der deutschen Gegenwartssprache” von W. Fleischer und G. Michel (1975: 45) lesen wir Folgendes: “Das Wort “Fittich” hat zweifellos Bedeutungsqualitäten (Färbungen), durch die es sich vom Wort “Flügel” unterscheidet. Vom Begriff her sind beide Wörter gleich, doch nicht von der Bedeutung, der Semantik her. Diese Bedeutungspositionen kann man als unterschiedliche “emotionale Höhenlage” charakterisieren. Doch damit ist noch nichts unmittelbar Stilistisches, noch nichts über Gebrauch, die Nutzung dieser systeminternen Ausdrucksmöglichkeiten im Redetext gesagt worden. Eine spezifi sch stilistische Kennzeichnung erfolgt jedoch, wenn man unter “Stilschicht” und “Stilfärbung” den bevorzugten (wahrscheinlichen, prädiktablen) Anwendungsbereich eines Wortes, die Redewahrscheinlichkeit versteht. Damit werden Gebrauchsqualitäten markiert, die natürlich durch Bedeutungsqualitäten bedingt sind.
Die stilistische Bedeutung modifi ziert die logisch-gegenständige Seite eines Sprachobjekts und somit einen Teil der objektiven expliziten (d. h. sprachlich ausgedrückten Information. Die absolute Bedeutung (stilistische) ist eine komplexe Erscheinung, die eine komplexe stilistische Charakteristik eines Sprachmittels gibt. Am Schema kann man die Komponenten der absoluten stilistischen Bedeutung in einer bestimmten Reihenfolge, die nicht zufällig ist, sehen. Die erste Komponente gibt die kommunikative bzw. funktionale Sphäre an. Das ist jenes spezifi sche Gepräge der lexischen, grammatischen und phonetischen Mittel, das auf die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Sprachstil hinweist.
Die spezifi sche Atmosphäre ist in den Stilzügen fühlbar (Steife und Förmlichkeit der Darstellung als funktionale Stilfärbung des Amtstils, Ungezwungenheit, Emotionalität und Dynamik des Alltagsstils). Die funktionale Stilfärbung lässt sich aber auch in einzelnen Sprachelementen erkennen: in bestimmten Wörtern, Wendungen, Konstruktionen, Informationsvarianten, die die Zugehörigkeit zu diesem oder jenem Stil verraten, auf die Sphäre der Verwendung hinweisen.
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Ich danke verbindlichst (of ziell)
Ich danke sehr (neutral)
Das Postwertzeichen (of ziell)
Die Briefmarke (neutral)
Hier haben wir es mit absoluter stilistischer Färbung (d.h. im paradigmatischen Aspekt) zu tun.
Besonders deutlich offenbart sich die funktionale Färbung im Stil des öffentlichen Verkehrs (z.B. im Kanzleistil als Gattungsstil). In jedem funktionalen Stil fi nden sich neben einem neutralen Wortschatz, neutralen grammatischen und phonetischen Erscheinungen, die allen Verwendungsweisen der Sprache gemeinsam sind (die funktional differenzierten Sprachmittel) auch bestimmte funktional-stilistisch gefärbte (kolorierte) Bestandteile. Von Bedeutung ist zudem, dass die funktionale Stilfärbung erst dann greifbar zutage auftritt, wenn sie nicht im betreffenden funktionalen Stil wirkt (hier ist sie berechtigt), sondern in einem anderen auftaucht, geraten die funktional-stilistisch gefärbten Sprachmittel in andere Verwendungssphären der Sprache, so erscheinen sie dort als Fremdkörper und können nur zu besonderen Ausdruckszwecken verwendet werden (Humor, Satire usw). Ein Beispiel aus Th. Manns “Buddenbrocks”. Herr Grünlich, ein Geschäftsmacher, der sich durch die Heirat mit Tony Buddenbrook vor dem Ruin retten will, schreibt einen “Liebesbrief“:
Teuerste Demoiselle Buddenbrook
Wie lange ist es her, dass Unterzeichneter das Angesicht des reizendsten Mädchens nicht mehr erblicken durfte? Diese so wenigen Zeilen sollen ihnen sagen, dass dieses Angesicht nicht aufgehört hat, vor seinem geistigen Auge zu schweben, dass er während dieser hängenden und bangenden Wochen unablässig eingedenk gewesen ist des köstlichen “Nachmittags” in ihrem elterlichen Salon, an dem Sie sich ein Versprechen, ein halbes und verschämtes zwar noch, und doch so beseligendes entschlüpfen ließen.
Das, was Grünlich von sich gibt, ist kein lyrisches Gefühl, das ist vielmehr Stilschwulst. Es mangelt ihm, wie wir fühlen, am echten Gefühl. Ausdrücke aus dem Geschäftsstil, aus dem Kanzleideutsch zeigen, dass ihm die Liebe Geschäft ist. Das lässt Th. Mann im Stil – Mischmasch dieses Liebesbriefes ganz deutlich werden. Die bewusste Verbindung stilistisch ungleichartiger Elemente dient hier der Charakterisierung einer Person. Das beweist nochmals, dass jedes Wort des funktional – stilistisch differenzierten Wortbestandes in einem oder mehreren funktionalen Stilen seinen festen Platz hat, dort ist es zu Hause.
Diese “Heimat” des Wortes bestimmt seinen funktionalen Stilwert. Wird ein solches Wort außerhalb seines “Heimatbereichs” angewandt, so
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entsteht zwischen diesem Wort und seinem Kontext eine Spannung, die eine bestimmte stilistische Funktion bewirkt.
Manche Formen waren früher funktional undifferenziert, heutzutage wirken sie jedoch als Archaismen oder nehmen funktionale Stilfärbung an, z. B. Genetivketten, erweiterte Attributgruppen usw.
Betrachten wir die Stilfärbungsskala weiter. Die nächsten 2 Kom­ponenten, die normative und expressive, werden oft mehr unter einem Begriff “semantisch-expressive” vereinigt (nach dem Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache – “Stilsphären” oder “Stilschichten“). Diese Ausdrucksschattierungen innerhalb eines funktionalen Stils werden durch folgende Momente gekennzeichnet:
• durch ihr Verhältnis zur literarischen Norm (die normative Komponente),
durch den emotionalen Gehalt (die expressive Komponente).
Die Stilfärbung nach der literarischen Qualität der Rede und die Stilfärbung nach der Expressivität überlappen und kombinieren sich in der Sprachwirklichkeit (das beweisen wir weiter).
Der erste stilistische Begriff – die normale Komponente lässt sich durch eine Skala von Ausdrucksschattierungen veranschaulichen. Nullpunkt dieser Stilfärbung ist die einfachliterarische (normalsprachliche) Stilfärbung, die als Grundnorm für sämtliche Stile der schriftlichen und mündlichen Rede gilt, als Nullfärbung, als neutrale Basis von der bildungstragenden Schicht in allen Stilen anerkannt.
Die einzelnen Punkte der Stilfärbungsskala bilden zwei- oder mehrgliedrige Oppositionen (synonymische Reihen), Gegenüberstellungen von Stilfärbungen: Antlitz – Gesicht – Fresse. Es kommt vor, da die Glieder der synonymischen Reihen mehr oder weniger gemeinsame lexisch-semantische Merkmale enthalten, sich aber durch ihren stilistischen Charakter, durch die Lage auf der Höhenskala unterscheiden. Dabei liegt zwischen den einzelnen mit Namen bezeichneten Stilfärbungen noch eine Reihe von unbenannten Schattierungen.
die Fresse – grob; das Gesicht – neutral; das Antlitz – gehoben;
der Hut des Vaters – einfach-literarisch;
der Hut vom Vater (des Vaters Hut) – literarisch-umgangssprachlich;
das Zimmer – neutral;
das Gemach – gehoben;
die Stube, die Bude – umgangssprachlich;
das Loch – salopp, abwertend;
heiraten – neutral;
sich verheiraten – umgangssprachlich;
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sich vermählen – gehoben;
jmdn zur Frau (zum Mann) nehmen – literarisch-umgangssprachlich;
jmdn zur Frau (zum Mann) kriegen – salopp;
unter die Haube nehmen – umg. scherzhaft;
sterben – neutral; verrecken, kriepieren, abkratzen – grob;
Gebieter, Gemahl, Gatte (Ehegatte) – gehoben;
Mann (Ehemann) – neutral;
Alter, Oller – umg., salopp, Ehekrüppel – grob.
(In der Skala der grammatischen Synonyme fehlt die grobe Stilfärbung).
Beispiele der absoluten Stilfärbung in der Phraseologie:
einem die Larve vom Gesicht reißen – gehoben;
jmdn entlarven – die Nullfärbung (neutral);
Man lernt, solange man lebt (man lernt nie aus) – einfach-literarisch;
Man wird so alt wie eine Kuh und lernt doch immer etwas zu – grob;
Weiter wird ein Berspiel angeführt, wo alle Stilfärbungen in einem Satz anzutreffen sind.
Was denn, gespeist hat er? Seine Majestät speisen, ich esse, und ihr Rekruten fresst. Verstanden? (L. Frank).
Die gewählte (gehobene) Stilfärbung ist gekennzeichnet durch Ablehnen all dessen, was Alltagscharakter trägt (Alltagslexik, umgangssprachliche morphologische und syntaktische Besonderheiten). Gewählte Stilfärbungen fordern einige funktionale Gattungsstile (offi zielle Festreden, publizistische Jubileumsartikel mit Klischees, bestimmte literarische Genres – die Ode, die Kantate, wo gewöhnlich absolute Poetismen – Einmalbildungen, Archaismen gebraucht werden).
Die gewählte Stilfärbung kann in den nächsten Punkt der Stilskala übergehen, in die geschwollene (geschraubte) Stilfärbung (bei Klappenbach fehlt sie). Absolut geschwollene Lexeme verneinen viele Linguisten. Diese Ausdrucksschattierungen sind sozialen Jargons und der Sonderlexik gewisser Gesellschaftsschichten eigen. Das ist wirklich eine seltene Erscheinung als fremdsprachige und deutschsprachige. Stilschwulst entsteht gewöhnlich im Kontext.
z. B. Seitens meiner Person wird zum Abendessen geschritten.
Nehmen wir als Beispiel die Stilfärbungsschattierungen des Verbs “sterben“:
sterben (versterben) – einfachliterarisch, literarisch-umgangssprachlich;
verscheiden (verbleichen, einschlummern, einschlafen) – gehoben, auch: das zeitliche segnen; zu den Urvätern gehen usw.
abberufen werden – geschraubt (die religiöse Sonderlexik, Stilschwulst).
Einige Beispiele aus der schönen Literatur:
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Am Morgen klopfte der Diener an die Tür: “Herrin, unser Herr hat das zeitliche gesegnet. Ganz still und friedlich ist er eingeschlafen
(W. Lindenberg).
Onkel Iwan schlief den ewigen Schlaf in seinem breiten alten Bett (ebd.).
Es war ganz still im Saal. Er (Esenin) stand da mit gesenktem Haupt, alle Widerspenstigkeit war von ihm abgefallen. Ein stiller, bescheidener Bauernjunge stand da (W. Lindenberg).
Die Wörter mit gehobener Stifärbung werden in beschränkten kommunikativen Bereichen, wo veraltende Formen der Anrede aus irgendeinem Grund behalten werden können, benutzt, z. B. in den Hochschulen, die selbst als Träger der Kultur und Ausbildung sind, können diese obengenannten Formen infolge der konservativen Einstellung nicht gebraucht werden, sie werden traditionsgemäß gebraucht.
Das Wort “Magni zenz” bezeichnet den Titel des Rektors der Universität und existiert in folgenden Wortwendungen:
Eure Spektabilität, Seine Magnifi zenz
Also jetzt ist es feierliche Anrede an den Dekan einer Fakultät.
Wörter können auch neue Stilfärbung aufweisen, die sie früher nicht hatten, d.h. gehobene Wörter können einen neuen Sinn geben, zusätzliche und neue Färbung der Bedeutung bekommen, anderes Verhältnis zum bezeichneten Gegenstand oder zum Ereignis ausdrücken:
Erbarmen – veraltend, gehoben = sich über jmdn erbarmen; heute umg., scherzh.: sich über eine Sache erbarmen (sich einer Sache annehmen).
Fast immer nehmen Wörter in idiomatisierten Redewendungen eine andere Stilfärbung an:
Lenz (dichterisch) – einen faulen Lenz schieben (umgangs).
Trübsal (gehoben) – Trübsal blasen (umgangssprachlich).
Gehobenen Charakter nehmen Wörter der Alltagssprache durch geringfügige lexikalische Veränderungen an. z. B. “jauchzen”, ein Wort einfachen Stilgepräges, wird zu “entjäuchzen” (“Er entjäuchzte dem Schlaf“), einem Ausdruck, der über die gewählte Klangfarbe hinaus auch als Poetismus gelten kann; ebenso: “feuchten” anstatt ” befeuchten” (“Morgentau der Liebe feuchtete meine Wange” – H. Heine “Die Harzreise“).
In der schönen Literatur wird die gehobene Lexik gebraucht, wo etwas Ungewöhnliches, Festliches, Einmaliges, Tragisches dargestellt wird.
So sind die Gedanken von J.W. Goethe über die Größe des Alters:
“…Was ist Jugendliebe gegen die geistige Liebesmacht des Alters? Was für ein Spatzenfest ist das, die Liebe der Jugend, gegen die schwindliche Schmeichelei, die holde Jugend erfährt, wenn Altersgrösse sie liebend erwählt
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und erhebt, mit gewaltigem Geistesgefühl ihre Zartheit ziert – gegen das rosige Glück. Worin lebensversichert das grosse Alter prangt, wenn Jugend sie liebt? Sei bedankt, ewige Güte! Alles wird immer schöner, bedeutender, mächtiger und feierlicher. Und so fortan!” (Th. Mann).
In den Zeitungen wird die gehobene Lexik in den Ansprachen, Begrüßungen, Festreden, Jubiläumsreden gebraucht.
Voller Dankbarkeit gedenken wir der Opfer, die…
Doktor Trüllesand, gestatten Sie anlässlich der feierlichen Schließung ihrer ehemaligen ABF einige Fragen zu stellen.
Wir danken dem Schöpfer des großartigen Gemäldes Willi Sitte.
Hochverehrter Herr General! Voller Dankbarkeit gedenken wir…
Mit Hochachtung und tiefer Verehrung… wende ich mich an Sie...
Es ist mir ein Herzensbedürfnis... Ihnen zu beglückwünschen.
Die Wörter gehobener Stilfärbung werden zu stilistischen Zwecken in den komischen Kontexten gebraucht: zum Ausdruck der Expressivität:
“Doch sie hatte Neugierde verspürt, ob ihre Vermutungen auch stimmten, als ihr Schmidts schmachtende Blicke aufgefallen waren” (E. Neutsch).
“Weissbach erblickte seinen Gebieter durch eine Art Nebel in Überlebensgroße. Er hatte die Empfi ndung, Wolken von Alkohol auszuströmen. Wenn man ihm mit einem Streichholz zu nahe kam – um Gottes willen, seien Sie vorsichtig! – so würde er lichterloh in Flammen stehen, augenblicklich – diese etwas peinliche Empfi ndung hatte der Adjutant” (E. Neutsch)
“Aber stumm verbeugte sich der Bettelmönch. Bis zur Erde. Seine breite Brust wogte unter den Lumpen” (B. Kellermann).
Verfolgen wir die andere Hälfte der Stilfärbungsskala – die stilistisch gesenkten Glieder einer synonymischen Reihe. Die einfach­literarische Stilfärbung geht in die literarisch-umgangssprachliche über, da sie eine gewisse Auflockerung bei der Verwendung der sprachlichen Ausdrucksmittel zulässt. Sie ist gekennzeichnet durch Vorherrschen der Alltagslexik, durch gelegentliche Entlehnungen aus den Ortsdialekten, aus der groben Lexik (bei emotionaler Erregung), durch die Verwendung bestimmter grammatischer Konstruktionen (vor allem syntaktische Merkmale: plötzlicher Abbruch mitten im Satz, Ellipsen). Diese Färbung ist kennzeichnend für den Stil der Alltagsrede, ist leicht gesenkt. Sie kann sich aber auch in den mündlichen Erscheinungsformen anderer Stile ausbreiten, ohne ihr funktionales Kolorit zu verletzen. Die literarisch­umgangssprachliche Stilfärbung geht in familiär-umgangssprachliche und vulgäre über, sobald sich in ihrer Lexik und Phraseologie die Zahl der Vulgarismen verstärkt. Sie ist stark gesenkt. Die vulgäre, grobe Stilfärbung steht ebenso wie die geschwollene, außerhalb der Norm. Man konstatiert
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die ständige Bewegung in der Richtung zum stilistischen Nullpunkt. Viele Wörter mit dem Stempel der Unkultur wurden so rehabilitiert.
Die stilistische Charakterisierung der sprachlichen Erscheinungen und insbesondere des Wortschatzes in Bezug auf die literarische Norm ist mit großen Schwierigkeiten verbunden. Sie liegen “in dem subjektiven Element, das bei der stilistischen Einschätzung eines Wortes nicht auszuschalten ist. Das Sprachgefühl ist nicht bei allen Menschen gleich, sodass es zu Schwankungen in der stilistischen Beurteilung des Wortschatzes kommen muss” (WdG, Vorwort, 1975)
In strittigen Fragen kann man nur die Richtung der Stilfärbung angeben, also etwa Richtung zum Gehobenen, zum Saloppen usw., da die Übergänge zwischen lit.-umg., fam.-umg. und grob nicht unfehlbar gegeneinander abgegrenzt werden können (“Schuften” galt in alten Wörterbüchern als “familiär”, “vulgär”, jetzt – umgangssprachlich; erbarmen – veraltend, gehoben: sich über jmdn erbarmen. Jetzt umgangssprachlich und scherzhaft: sich über Sache erbarmen (sich einer Sache annehmen).
Die letzte Komponente der absoluten Stilfärbung betrifft den Grad und die Beschaffenheit der Expressivität, die dieser oder jener konkreten Aussage anhaftet. Sie steht, wie gesagt, in enger Wechselbeziehung zur normativen Komponente; es handelt sich eben um zwei Seiten einer Erscheinung. Die Expressivität ist eine komplexe Erscheinung. Sie schließt ein:
1. Die Intensität (stürmen, Riesenfreunde, Erznarr, Vollidiot,
Quadratesel, Super);
2. Emotionalität (Donnerwetter, ach, Herrgott) als ein Mittel zum
Ausdruck der Gefühle;
3. Bildlichkeit (nicht alle Tassen im Schrank haben).
Als absolute Bedeutung kann sie nur als expressiv – nichtexpressiv verstanden werden. Die Art der Expressivität wird erst aus dem Kontext verständlich (es ist zwar schwer, sie eindeutig und objektiv zu bestimmen). Es geht eigentlich um die persönliche Einstellung, die Haltung des Sprechers zum Gegenstand der Rede, (“Gefühlswertung“) (ironisch, vertraulich, spöttisch, verhüllend): Kopf (neutral), Birne (grob), Dach (vulgär), Haupt (gehoben), Schädel (salopp), Oberstübchen (umg.-salopp), das Luder (abschätzig oder zärtlich).
Falls die Aussage ruhig und sachlich bleibt, entsteht die so genannte expressive Nullfärbung. Die entsprechende Rede bezeichnet man als nichtexpressiv (das bedeutet aber keine negative Einschätzung, ebenso wie die Wahl einer vom Alltag nicht abstechenden Lexik). Die wahre Sprachkultur ist mit Schlichtheit und Klarheit verbunden. Die expressive Stilfärbung wird unmittelbar diktiert durch Inhalt und Thematik des Großzusammenhangs.
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