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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
Seine Thesen sind von J. Mukarovsky und F. Wodicka vor allem im Hinblick auf die Dichtersprache weiterentwickelt worden.
In den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist die funktionale Einleitung der Sprachen als Differenzierung der Stile in der sowjetischen Linguostilistik und später in der Stilistik der DDR rezipiert erweitert worden. Die Stilforscherin E.G. Riesel konstatiert fünf Funktionalstile:
Stil der öffentlichen Rede;
• Stil der Wissenschaft;
Stil der Presse und Publizistik;
• Stil der Alltagsrede;
Stil der schönen Literatur.
Gemeinsam sind den Texten eines Funktionalstils bestimmte Auswahlkriterien der Stilmittel, bestimmter Stilzüge und spezifi sche kommunikative Verwendungsweisen.
Zusammenfassend kann man die Stilistik folgenderweise betrachten:
als Lehre von den Stilen der Sprache und ihren Abarten, die sich den verschiedenen Funktionen der Sprache entsprechend herausgebildet haben und durch Besonderheiten bei der Auswahl und Kombinierung von sprachlichen Mitteln gekennzeichnet sind;
als Lehre von den Ausdrucks- und emotionellen Bewertungsmitteln der Sprache und deren Anwendung in verschiedenen Sphären des sprachlichen Verkehrs.
R. Konrad gibt folgende Defi nition: “Stilistik, auch Stilkunde: Wissenschaft vom Stil. Die Stilistik untersucht die Regeln der Auswahl und Kombination sprachlicher Mittel zu einem bestimmten Zweck und deren Wirkung” (R. Konrad, 1981: 254).
Stellung der Stilistik im System der anderen
philologischen Disziplinen
Die Stilistik als eine eigenständige Disziplin berührt Kernfragen anderer Bereiche der Sprachwissenschaft, die ebenfalls die funktionsbedingten Varianten der Sprachverwendung untersucht.
Stilistik und Soziolinguistik
Auf Grund des Charakters ihres Gegenstandes und ihrer Aufgaben gehört die Stilistik zu den Gesellschaftswissenschaften und als solche berührt sie sich eng mit der Soziolinguistik. Die Soziolinguistik untersucht das Wechselverhältnis zwischen der Sprache und der Gesellschaft.
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Das Hauptanliegen der Stilistik ist es, die Beziehungen zwischen den Besonderheiten der Sprachverwendung in der Kommunikation und den Besonderheiten der gesellschaftlichen Situation, aus der sich die Notwendigkeit der Art der Sprachverwendung ergibt, aufzudecken. Die soziale Determiniertheit der Sprachverwendung bestimmt den zentralen Gegenstand der Stilistik. Die extralinguistischen Faktoren spielen die entscheidende Rolle bei der Entstehung und Entwicklung der charakterologischen Lexik und anderer stilistischen Mittel.
Stilistik und Linguistik
Die Linguistik untersucht den gesamten Sprachbau als System. Dabei untersuchen die Phonetik, die Grammatik und die Lexikologie die Gesetzmäßigkeiten im Sprachgebrauch, sozusagen sprachliche Norm, die Stilistik erforscht nun die Verwendungsweise dieser Einheiten, die Abweichung von der Norm.
Stilistik und Textlinguistik
Zwischen Stilistik und Textlinguistik bestehen Wechselwirkungen, aber auch Verschiedenheiten. Mit der Textlinguistik ist der Stilistik seit einigen Jahrzehnten eine scheinbare Konkurrenz erwachsen. Beide Disziplinen scheinen den gleichen Gegenstand zu analysieren, das gleiche Erkenntnisziel zu haben, nämlich die textliche Beschaffenheit sprachlicher Äußerungen. Aber während die Textlinguistik, dass was allen Textklassen gemeinsam ist und damit allgemeine Regularitäten der Textproduktion und Textrezeption zu erfassen sucht, die dann als Regularität des Zusammenwirkens von Regeln erscheinen, bemüht sich die Stilistik gerade die charakteristischen sprachlichen Variationen struktureller Einheiten zu beschreiben, auch die Abweichungen von erwarteten Normen und Regeln.
So achtet z. B. die Textlinguistik bei Gegenständen oder Kategotien, die von beiden Disziplinen untersucht werden, wie der Satzbau eines Textes, auf die Art der vorliegenden grammatischen und semantischen Zusammenhänge, wogegen die Stilistik die Art und Wirkung auf den Rezipienten zu erfassen und zu beschreiben versucht (B. Sowinsky, 1999: 9).
Stilistik, Pragmatik und Theorie der Sprachhandlung
In der Stilistik treten Auffasungen und Methoden der Pragmatik, d. h. handlungsorientierten Stilistik mit einem großen Geltungsanspruch hervor, Ausgangspunkt dieser Pragmatikorientierung ist die Lehre von Sprechakten wie sie von den englischen Linguisten John Austin (J. L. Austin, 1998) und John R. Searle (J. R. Searle, 1998) entwickelt worden ist. Dieser Lehre liegt
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die Auffasung zu Grunde, dass Sprache in der Kommunikation immer auch als sprachliches Handeln (im Sinne eines intentionalen, also absichtsgesteuerten Verhaltens) empfunden werden kann.
Die Stilistik wird so zur Theorie der sprachlichen Handlungsrealisationen, wie Barbara Sandig Vertreterin des pragmatischen Stilbegriffs schreibt (B. Sandig, 1986).
Man darf nicht die Pragmatik und die Stilistik getrennt betrachten. Sowohl die Stilistik als auch die Pragmatik befassen sich mit der Erforschung der Einwirkung der Aussage auf den Empfänger. Die Stilistik und die Pragmatik kreuzen sich, ihre Aufgabe ist es letzten Endes die gezielte Einwirkung auf den Leser/Hörer zu erreichen, die Rede möglich präzis und wirksam zu gestalten.
Stilistik und Literaturwissenschaft
Traditionel wird Stilistik sogar als literaturwissenschaftliche Teil­disziplin betrachtet (B. Sowinski, 1999: 10; W. Kayser, 1948: 14).
Die Literaturwissenschaft befasst sich mit dem individuellen Stil des Schriftstellers, verschiedenen Stilauffassungen, Stiltheorien und Stilmethoden. Die Stilistik schließt den Stil der schönen Literatur als einen der Funktionalstile in sich ein.
Stilistik und kognitive Wissenschaft
Was die kognitive Wissenschaft betrifft, so berührt sie sich sehr eng mit der Stilistik. Das Vorwissen (B. Sandig, 1986: 131) oder der Fram (Ch. Fillmor, 1976) stellen die Blocks unserer Kenntnisse, die in unserem Bewusstsein haften, sind sehr wichtig für die exakte Dekodierung jeder Aussage. Die meisten stilistischen Leistungen (Allusionen, Ausdrucksmittel des Komischen) lassen sich nur im kognitiven Aspekt erschließen.
Zu den Grundsatzfragen der Stiltheorie gehören vor allem die Defi nitionen der Hauptkategorien dieser Wissenschaft.
Stil. Funktionalstil
Problem der Stilklassifi kation
Bestimmung der Begriffe “Stil” und “Funktionalstil“
Bei der Defi nition der Grundbegriffe der Stilistik beginnen wir mit dem Zentralbegriff “Stil”.
Das lateinische Wort “Stilus” (griechisch stylos) bezeichnete ursprünglich den Schreibgriffel auch zur Kennzeichnung der sichtbaren Schreibweise
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und später der verstehbaren Sprachforn benutzt wurde. Im 17. Jahrhundert wurde es daneben für bestimmte Kompositionsweisen der Musik verwandt, im 18. Jahrhundert auf die Gestaltungsweise der bildenden Künste übertragen und dann weiter verallgemeinert und erneut auf den Begriff des Sprachstils als Kennzeichnung einer auf Auswahl beruhenden charakteristischen und einheitlichen Weise des sprachlichen Ausdrucks übertragen.
Die Auslegung und Verwendung des Begriffs “Stil” ist verschieden, es bestehen unterschiedliche Auffasungen über das Wesen des Sprachstils. Eine allseitige Übersicht über verschiedene Defi nitionen des Stils erscheint sinnvoll, weil damit aufs engste der Gegenstand, die Ziele und Methoden der Stilforschung verbunden sind und die damit verbundenen Problematiken einsichtig gemacht werden können.
Einige Stilforscher defi nieren Stil als Schmuck der menschlichen Rede, als Einheit der künstlerischen Gestaltung, als Abweichung von einer Norm. Der Stil setzt dort ein, wo künstlerische Werte auftreten (H. Seidler, 1963).
Unserer Meinung nach liegt diese Ansicht den rethorischen Figuren und Tropen zugrunde und kann nur der Literaturwissenschaft gehören.
Der Begriff “Stil” ist bis jetzt strittig. Es gibt eine Vielfalt von Defi nitionen. Der Terminus “Stil” wird widerspruchsvoll verwendet, dabei verschieden in Literatur, Fachliteratur, Linguistik, Literaturwissenschaft, Stilistik.
Wir befassen uns mit dem Begriff “Stil” in der Stilistik.
B. Sandig vergleicht den Stilbegriff mit einem Chamäleon, das seine Farbe wechselt und so stets anders aussehen kann (B. Sandig, 1986: 3).
Verschiedene Formulierungen des Stils scheinen mitunter einander zu widersprechen. Die Untersuchungen zeigen doch, dass in den zahlreichen Stil-Definitionen eigentlich nur unterschiedliche Aspekte des mehr oder weniger gleichen Gegenstandes vorliegen, die erst in der Zusammenschau der berechtigten Einzelperspektiven das Phänomen Sprachstil kennzeichnen.
1. B. Sowinski defi niert Stil als funktionale Redeweise, als System der Ausdrucksgestaltung der Verwendungsweise der sprachlichen Möglichkeiten, als zweckmäßig gestaltete Sprache (B. Sowinski, 1975: 20). Diese Defi nition schließt sich an die von E. G. Riesel. Es gibt zwischen diesen Defi nitionen keine Widersprüche, nur terminologische Differenzen.
2. Unter “Stil” versteht E. G. Riesel demnach “die historisch veränder­liche, funktional und expressiv bedingte Verwendungsweise der Sprache auf einem bestimmten Gebiet menschlicher Tätigkeit, objektiv verwirklicht durch eine zweckentsprechend ausgewählte und gesetzmäßig geordnete Gesamtheit lexischer, grammatischer und phonetischer Mittel” (E. G. Riesel, E. I. Schendels, 1975: 16).
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3. Krahl und Kurz defi nieren den Stil folgendermassen: “Stil ist historisch, funktionell, vermittlungsspezifi sch und individuell bedingte gedanklich- sprachliche Aussageweise” (S. Krahl/J. Kurz, 1977: 13).
4. Fleischer und Michel geben folgende Definition: “Stil ist auf die charakteristische Weise strukturierte Gesamtheit der in einem Text gegebenen sprachlichen Erscheinungen, die als Ausdrucksvarianten innerhalb einer Reihe synonymischer Möglichkeiten von einem Sprecher/ Schreiber zur Realisierung einer komunikativen Funktion in einem bestimmten Tätigkeitsbereich ausgewählt worden sind” (W. Fleischer, G. Michel, 1975: 11).
5. Bei dem amerikanischen Stilforscher N.Enkvist fi ndet man die brauchbarste und umfassendste Stildefi nition. Sie ermöglicht es, die verschiedenen Erscheinungsformen des Stils und vor allem seine Funktionalität zu erfassen: “Stil – das ist eine Form systematischer sprachlicher Variabilität” (N. Enkvist, 1971: 25).
Aber es lohnt sich auch andere Defi nitionen zu erwähnen, die nach unserer Ansicht Einzelheiten in den Vordergrund rücken und daher mehr den Redegenres eigen sind oder als stilistische Färbung in der Linguostilistik kennzeichnet werden. “Ein Schreibstil” kann ästhetisch, amtlich, individuell, erzählend, autoritär, unautoritär sein; parodischer Stil, eleganter Stil, Märchenstil, ironischer Stil, höfl icher/unhöfl icher, freundlicher/ unfreundlicher Stil (B. Sandig, 1993).
Leider kommt diese Verwendung in den Schriften der Sprachwissen­schaftler oft vor.
Aber der Grundbegriff “Stil” bedarf der Präzisierung, weil die Funktionalstilistik im Mittelpunkt der Stilistik steht und der Grundbegriff der stilistischen Forschungen “Funktionalstil” ist. Der Funktionalstil wird als Bereichsstil bestimmt (S. Krahl, J. Kurz, 1977: 22).
Das heißt: die Norm des Kommunikationsbereiches ist maßgebend und der einzelne Autor muss sich ihr völlig unterordnen.
Vom Standpunkt der nach gesellschaftlichen Bereichen gegliederten Kommunuikationen aus ist ein Funktionalstil die Gesamtheit der für einen bestimmten Bereich charakteristischen Stilzüge bzw. Stilprinzipien (S. Krahl, J. Kurz, 1977: 23).
Der Funktionalstil ist die Verwendungsweise der Sprache, die dem entsprechenden Kommunikationsbereich angemessen ist (E. G. Riesel, E. I. Schendels, 1975: 16).
Am brauchbarsten und umfassendsten wäre die folgende Defi nition:
Der funktionale Stil ist eine gesellschaftlich bewusste und funktion­almotivierte Form sprachlicher Variabilität.
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Stilklassifi kation in der deutschen Sprache
Die Stilklassifi kation ist das zentrale Problem der Stilistik. “Jede Rede, sei sie schriftlich oder mündlich, im offi ziellen oder privaten Verkehr, hat Stilmerkmale (Stilzüge), die diese Rede in festgenormte Stiltypen eingliedern.” (S. Krahl, J. Kurz, 1977: 22).
Von den meisten Sprachwissenschaftlern wird als Klassifi kationsprinzip der Funktionalstile die gesellschaftliche Aufgabe, die soziale Funktion; ihre kommunikative Aufgabe. Der funktionale Stil wird dadurch bestimmt, in welchem Bereich der gesellschaftlichen Kommunikation die Sprache ihre Funktion als Verständigungsmittel erfüllt. Deshalb gehen die Stilforscher bei der Stilkassifi kation vom funktionalen Stil aus, da die funktionale Stilklassifi kation von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung ist.
Man muss besonders unterstreichen, dass einige Stilmerkmale in mehreren funktionalen Stilen vertreten sein können, aber sehr wichtig ist ihre Kombination, ihr Zusammenhang, ihr System. Dem Funktionalstil sind alle Merkmale der Sprache als System eigen, außer der universalen Verwendung. In der deutschen Gegenwartssprache unterscheiden Stilforscher folgende Funktionalstile:
1. Stil des öffentlichen Verkehrs (der Sachstil);
2. Stil der Wissenschaft (der wissenschaftliche Stil);
3. Stil der Presse und Publizistik (der Pressestil, der Zeitungsstil);
4. Stil der Alltagsrede (der Alltagsstil, der Konversationsstil);
5. Stil der schönen Literatur.
Die genannten fünf Stiltypen sind in der deutschen Stilistik anerkannt, aber manche Fragen bleiben bis jetzt strittig.
Strittige Fragen der Stilklassifi kation
W. Fleischer (1975: 11) meint, der Stil der Presse und Publizistik sei strittig wegen seiner Mannigfaltigkeit und Variabilität, weil Stil als Ganzes einheitlich bleiben soll.
Die russischen Anglisten, die Stilforscher (I. R. Galperin, 1973: 6), (W. L. Naer, 1976: 6) behaupten, dass hier zwei selbstständige Stiltypen ungerecht vereinigt werden: der eigentliche Zeitungsstil, der seine eigene gesellschaftliche Funktion hat, sein System der Stilzüge und Stilelemente, und der publizistische Stil.
Noch umstrittener ist die Ausgliederung des Alltagsstils. Der Anglist I. R. Galperin lehnt entschieden die Alltagsrede als funktionalen Stil ab (I. R. Galperin, 1973). Erstens behauptet er, dass die Alltagsrede keine eigene gesellschaftliche Funktion außer der kommunikativen hat, die allen Stilen eigen ist, zweitens haben die anderen funktionalen
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Stile die Opposition: Schriftsprache/mündliche Sprache (Form), wo die Schriftform dem funktionalen Stil zugrunde liegt, aber seine mündliche Form kann realisiert werden, was aber nicht immer geschieht z. B. eine wissenschaftliche Arbeit kann als Vorlesung gehalten werden, ein künstlerisches Werk kann vorgelesen oder auf der Bühne aufgeführt werden usw. Drittens ist es unmöglich die mündliche Rede im Original zu fixieren. Von unserem Standpunkt aus kann man sich mit diesen Einwänden nicht einverstanden erklären. Erstens hat die Alltagsrede ihre eigene Funktion: der menschliche Verkehr, alltägliche Sprachkontakte, zweitens hat die Alltagsrede (zwar ein bisschen bearbeitete) schriftliche Form in der schöngeistigen Literatur, drittens lässt sich die Alltagsrede fixieren, was Professoren W. D. Dewkin (1965, 1973, 1981) und H. Küpper (1970, 1972) bewiesen haben. W. D. Dewkin verfasste mehrere Monographien, wo er die Alltagssprache und ihre Merkmale allseitig betrachtet. Außerdem gibt es Wörterbücher der Alltagsrede (W. D. Dewkin, 1994; H. Küpper, 1970).
E. G. Riesel hat eine spezielle Monographie herausgegeben, in der sie auf alle strittigen Fragen einzugehen und die Existenz des funktionalen Stils “Alltagsrede” zu beweisen versucht (E. G. Riesel, 1964).
Eine weitere Frage ist, ob es einen funktionalen Stil der schönen Literatur oder nur literarische Genrestile und künstlerische Individualstile gibt. Manche Stilforscher lehnen den Stil der Belletristik ab und geben folgende Gründe dafür an:
Die Thematik der schönen Literatur ist nicht einheitlich, sie ist nicht mit einem Kommunikationsbereich, sondern mit allen verbunden;
Die Ausdrucksmittel sind zu mannigfaltig und werden individuell gebraucht;
• In der schönen Literatur können alle anderen Funktionalstile vertreten werden und
Die schöne Literatur erfüllt ästhetische Funktion.
Das stimmt, aber trotzdem kann man den funktionalen Stil der schönen Literatur anerkennen, weil man die Verwendung der Ausdrucksmittel ungeachtet ihrer Mannigfaltigkeit als System betrachten und beschreiben kann. Und es ist die Eigenart der schönen Literatur, dass die ästhetische und kommunikative Funktion ineinander fl ießen. Das ist eben ein Merkmal, ein Stilzug des funktionalen Stils der schönen Literatur.
Einige Stilforscher gliedern den funktionalen Stil der Werbung – Werbesprache aus (M. Brandes, 1983: 131; B. Sandig, 1986: 63).
Die Grenzen der Stile sind verschwommen, doch ist es möglich, die allgemeine Charakteristik der funktionalen Stile statistisch zu bestimmen.
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Der einzelne funktionale Stil (G. Michel, 1979: 10), der oberste Rang der Hierarchie, schließt wiederum eine größere oder kleinere Anzahl von Abarten in sich ein. Das sind Gattungsstile, die gewisse Ausdrucksvarianten aufweisen. Ihr Wirkungsfeld ist geringer im Vergleich zum funktionalen Stil, sie haben eine spezielle gesellschaftliche Aufgabe als die funktionalen Stile, aber sie stellen eben auch funktionale Verwendungsweisen der Sprache dar.
Zum Stil des öffentlichen (offi ziellen) Verkehrs gehören: Stil der Ämter und Kanzleien, Stil des Geschichtswesens, Stil des Diplomatenverkehrs, des Handelsverkehrs usw. Sie haben gemeinsame Stilzüge des offi ziellen Verkehrsstils, aber unterscheiden sich durch einzelne Momente der sprachlichen Realisierung (durch engspezialisierte Lexik, Satzbau, spezifi sche Klischees usw.).
Innerhalb des Stils der schönen Literatur gibt es Gattungsstile als Genrestile: Epik, Lyrik, Dramatik usw.
Im Stil der Wissenschaft unterscheidet man den akademischen Stil und den populärwissenschaftlichen Stil. In der Presse, deren Funktion die Meinungsbildung ist, könnte man solche Gattungsstile bestimmen: a) das informative Genre (z. B. Bericht); b) das literarisch-publizistische Genre; c) das analytische Genre (Leitartikel, Kommentare).
Im Stil des Alltags unterscheidet man Gespräche innerhalb der Familie, am Arbeitsplatz, mit den Freunden usw.
Die Gattungsstile werden ihrerseits untergliedert in Textsortenstile, z. B. als Untergruppe des Gattungsstils “literarische Publizistik” nennt man Erzählung, Anekdote, Feuilleton, Kurzgeschichten usw.
Die Gradierung in 4 Ränge wird heutzutage von allen Stilforschern anerkannt.
Stilzüge und Stilelemente
Der Funktionalstil ist eine Abart der Nationalsprache, die in einem bestimmten Kommunikationsbereich zum Zweck der angemessenen Realisierung seines typischen Inhalts und durch die für ihn charakteristische Gesamtheit von lexischen, syntaktischen, morphologischen und anderen Zügen und Elementen gekennzeichnet ist. Die Züge und Elemente können auch in einem anderen Funktionalstil erscheinen, aber ihre bestimmte Kombinierung, zahlenmäßige Vertretung (Häufigkeit, Frequenz), der Typ ihrer Organisierung bilden die Spezifik nur dieses Funktionalstils.
Stilzüge
Alle Textsorten weisen bestimmte Stilzüge auf. Die Idee der Stilzüge wurde vom deutschen Linguisten W. Schneider (W. Schneider, 1963:
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521) formuliert und von den russischen Stilforschern weiter entwickelt (E. G. Riesel, Kulgawa, W. W. Winogradow).
Unter den Stilzügen versteht man solche inneren Stilbesonderheiten, die gerade für dieses oder jenes Verwendungssystem der Sprache charakteristisch sind. Sie werden bedingt durch Mitteilungszweck, Thema der Rede, konkrete Sprechsituation, d. h. durch die kommunikative Funktion der Sprache. Der Stilzug ist eine außer- und innersprachliche Erscheinung, ein Bindemittel zwischen den Merkmalen des Inhalts und der Sprache. Nach W.Fleischer und G.Michel ist der Stilzug eine sprachliche textimmanente Kategotie (W. Fleischer, G. Michel, 1975: 16).
Nach E. G. Riesel sind Stilzüge “innere qualitative Wesensmerkmale eines Funktionalstils / Substils oder einer beliebigen Textsorte, die zwangsläufi g aus der gesellschaftlichen Spezifi k eines konkreten Schreib- und Sprechaktes entspringen und ebenso zwangsläufi g ein bestimmtes Mikrosystem von sprachlichen Mitteln aller Ebenen zu ihrer Aktualisierung nach sich ziehen” (E. G. Riesel, 1975).
Der Stilzug ist eine abstrakte, psychologische Kategorie. Er wird zu einer sprachlichen Kategorie, wenn er verbal realisiert wird. Dann bekommt er einen besonderen Stilwert (Ausdruckswert), den der Empfänger als Eindruckswert empfi ndet.
E. G. Riesel bestimmt in der Klassifi kation der Stilzüge zwei große Gruppen:
funktionalbezogene Stilzüge, die durch die funktionale Spezifi k bestimmter Bereiche bedingt sind. Sie sind für den obersten Rang, für die Funktionalstile typisch;
• funktional nicht bezogene Stilzüge, die von der funktionalen Spezifi k der jeweiligen Äußerung unabhängig sind (frei bewegliche Stilzugbündel). Sie kommen in Gattungsstilen und unteren Rangen vor: Kürze – Breite, Objektivität – Subjektivität und andere Oppositionen (E. G. Riesel, E. I. Schendels, 1975: 24, 26). Auch die individuellen Stilzüge in der schönen Literatur gehören zu dieser Gruppe: Verklärung der Romantik, Entkonkretisierung und Unschärfe mancher literarischer Texte.
Die Stilzüge als “stilbildende und gleichzeitig stilnormende Ordnungsprinzipien” bedingen und motivieren ihrerseits die Wahl und Verwendung all der Ausdrucksmittel (sprachlicher Mittel, sprachlicher Elemente), die für eine bestimmte Information in einem bestimmten Kommunikationsbereich nötig sind (G. Michel, W. Fleischer, 1975: 12).
Auf solche Weise besteht die linguistische Spezifi k jedes Redestils aus zwei Komponenten: 1) aus Stilzügen; 2) aus konkreten lexisch-phraseologischen,
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grammatischen und phonetischen Mitteln, die diese Züge realisieren (es gibt zwar “Redeäußerungen und Textsorten, wo die Stilzüge da sind, die aber durch keine spezifischen Sprach- und Stilmittel aus­gedrückt werden”).
In der Hierarchie der Stilzüge zählt man in der 1. Gruppe zu den wichtigsten/generellen Stilzügen Logik (logische, rationale und emotionale), Expressivität und Bildkraft.
Das sind allgemeine Stilzüge/Stilbündel, die auch eigene Komponenten enthalten. Die Wesensmerkmale treten je nach der konkreten Textsorte mehr oder weniger in den Vordergrund.
Die Komponenten des Oberbegriffs Logik wie Klarheit und Sachlichkeit des Gedankenganges, Präzision, Genauigkeit der Beweisführung, Übersichtlichkeit, Exaktheit, Abstraktionsvermögen und ihre Modifi katio- nen sind Wesensmerkmale wissenschaftlicher Information; die Bildkraft mit ihren Hauptkomponenten – Bildhaftigkeit und Bildlichkeit – tritt als Merkmal für viele Funktionalstile auf. Die spezifi schen Stilzüge mit geringerem Wirkungsbereich: die Förmlichkeit (der offi zielle trockene Ton, die Unpersönlichkeit, Distanzwahrung, der Mangel an emotionaler Expressivität) als typischer Stilzug im offi ziellen, öffentlichen Sprachverkehr. Die Ungezwungenheit und Lockerheit als Opposition zur Förmlichkeit der Sprech- und Schreibweise im Alltagsverkehr ist ein spezifi scher Stilzug, der sich oft mit der emotionalen Komponente des allgemeinen Stilzugs verbindet. Man erwähnt obligatorisch-primäre und fakultativ-sekundäre Stilzüge, die in verschiedenen Stilen zum Ausdruck kommen.
Wenn wir vom Stil der Wissenschaft sprechen, stellen wir fest, dass die Logik hier primär und die Bildkraft sekundär ist.
Man kann aber Beispiele anführen, wo in wissenschaftlichen Textsorten die Bildkraft in den Vordergrund tritt.
Die Ganzheit des Stiltyps ist niemals durch einen einzigen Stilzug charakterisierbar, ebenso wie jeder Text nicht einfach eine Summe von Stilzügen ist, sondern eine spezifi sche Kombinierung, ein charakteristisches Verhältnis von verschiedenen Stilzügen.
Die Stilzüge müssen immer funktional betrachtet werden, da sie in jedem Stilsystem besondere Eigenart annehmen. Sobald ein spezifi scher Stilzug aus seinem “Mutterstil” in ein anderes Stilsystem übergeht, dient er schon besonderen stilistischen Zwecken.
Die Breite der wissenschaftlichen Darstellung, verbunden mit Klarheit und Verständlichkeit, führt zum kommunikativen Effekt in diesem Verständigungsbereich.
In der Alltagsrede ruft dies aber eine komische Wirkung hervor.
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