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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
wird die Expressivität verstärkt, der Eindruckswert der Phraseologismen wirksamer. Es gibt individuelle und gemeinsprachliche Varianten der Phraseologismen: Es ist alles in (bester) Butter; sich auf die faule Haut
legen – sich auf die Bärenhaut legen.
Zu stilistischen Zwecken können nach einem phraseologischen Vorbild okkasionelle Einmalbildungen entstehen, z. B. mit Hilfe der Transformation, z. B.:
Ich bin nicht aus Marmorstein – die feste Verbindung etw. an den Fingern abzählen wurde geändert als eine okkasionelle Wendung zu etw. an den Dreckfi ngern abzählen (aus der satirischen Zeitschrift “Eulenspieger’).
Das neue Wort “Dreck nger” ändert die stilistische Bedeutung der ganzen phraseologischen Wendung (sie klingt abwertend, grob gefärbt).
Noch zwei Beispiele der Abwandlung der phraseologischen Form: Sand
in die Augen streuen; den Hirsch fest beim Geweih packen statt den Stier bei den Hörnern packen (Sprachp ege. 1980, H. 5).
Die feste Verbindung bei jmdm einen Stein im Brett haben, d. h. in gutem Rufe stehen, wird von L. Feuchtwanger transformiert zu einen dicken Stein im Brett haben. Dadurch wird die Ausdruckskraft intensi viert, die Expressivität
erhöht. Doppelsinn, Wortspiel und andere sti listische Figuren beruhen auf dieser Fügungsmöglichkeit. Man kann von phraseologischen Synonymen sprechen: einen kleinen Dachscha den haben; ein Rädchen zu viel; du hast
wohl einen Sonnenstich; dich hat man wohl als Kind zu heiß gebadet; nicht alle Tassen im Schrank haben.
Als Regel sind sie umgangsprachlich und sehr expressiv gefärbt. Im Lauf der sprachlichen Entwicklung veralten Wörter und Wendun gen und kommen außer Gebrauch, andererseits werden immer wieder neue Ausdrucksmöglichkeiten erschlossen. Das WdG bietet eine Rei he von Beispielen für phraseologische Neuprägungen. Diese weisen in der Mehrheit eine expressive Stilfärbung auf, indem sie ein Ereig nis, einen Vorgang gutmütig-humorvoll oder spöttisch, mit oder ohne abwertenden Akzent unter die Lippe nehmen (salopp ich verstehe immer nur Bahnhof – ich verstehe gar nichts; grünes Licht geben – Hand­lungsfreiheit geben). Mit phraseologischen Neuprägungen versucht man durch ungewohnte und daher gleichsam unverbrauchte Assozia tionen die Ausdruckskraft sprachlicher Äußerungen zu erhöhen.
Es ist unmöglich, die große Anzahl von gemeinsprachlichen und individuellen semantisch-stilistischen Variationen phraseologischer Fügungen zu systematisieren. Wir haben die wichtigsten erwähnt. Manchmal wird der Versuch unternommen, Redensarten und Sprich wörter aus verschiedenen Bereichen zusammenzufassen. So macht es z. B. R. Lehmann (Sprachpfl ege. 1977, H. 2) mit den Phraseologismen aus dem Bereich Medizin.
TEIL III
GRAMMATIK DER DEUTSCHEN
GEGENWARTSSPRACHE
AUS STILISTISCHER SICHT
Einleitung
Nicht nur der Wortbestand, sondern auch das grammatische Sys tem der deutschen Gegenwartssprache hält synonymische Ausdrucks mittel bereit, unter denen der Sprecher bei der Darstellung eines Sach verhalts in einer bestimmten kommunikativen Situation unter Beach tung der gesellschaftlichen Anwendungsnormen der Sprache auswäh len kann.
Die Wahl bestimmter grammatischer Formen (das können synony me syntaktische Konstruktionen und sinnverwandte morphologische Formen sein) ist mit ihrem Ausdruckswert verbunden.
Die Kenntnis der grammatischen Synonyme ist für die Praxis der sprachlichen Kommunikation sehr wichtig. Das heißt beim Sprechakt die günstige Konstruktion wählen zu können – die unangemessene durch treffendere zu ersetzen oder grammatische Synonyme innerhalb eines gegebenen Textes zu gebrauchen, wie es z. B. bei E. Strittmatter zu künst­lerischen Zwecken gemacht wird: Der Bauer Ole Bienkopp, dieses große Kind, friert zuweilen und hier weiter Ole wusste nichts zu erwidern. Ihm fror. (Der Wechsel zwischen Nominativ und Akkusativ, Präsens und Prä teritum.)
Durch die Verwendung grammatisch-stilistischer Mittel kann die persönliche Stellungnahme des Sprechers/Schreibers zum Ausdruck kommen (Ruhe oder Erregtheit, Bestimmung oder Ablehnung, Sach lichkeit, Verwirrung usw.).
Durch die Wahl der entsprechenden grammatisch-stilistischen Va rianten kann man dem Text ein bestimmtes historisches, territoriales oder soziales Kolorit verleihen. Doch darf man die stilistische Leistung grammatischer Mittel nicht überschätzen.
Bestimmte grammatische Mittel können zwar Expressivität verschie­dener Art und Stärke ausdrücken, jedoch keine unmittelbaren Wertun gen. Ob z. B. die expressive Stellung der Satzglieder mit positiver oder negativer Wertung verbunden ist, bestimmt primär die Wortwahl.
Wie gesagt, beschäftigt sich die grammatische Stilistik mit stilisti­schen Leistungen sowohl der morphologischen als auch der syntakti­schen Sprachmittel. Jedoch sind die ersten noch nicht genügend erfasst und systematisiert. Auch andere Stilfragen im Zusammenhang mit dem
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TEIL III. GRAMMATIK DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
grammatischen Bau der Rede sind noch nicht ausgearbeitet: grammati sche Archaismen und Neologismen; die Umformung der grammatischen Formen ist kaum angeschnitten.
Die Stilfärbung auf grammatischem Gebiet ist auch noch nicht er forscht. Bei der Stilanalyse kann man verschiedene Wege gehen:
die stilistischen Möglichkeiten einer einzelnen grammatischen Er­scheinung in Morphologie und Syntax aufdecken (z. B. das stilis­tische Potential des Artikelgebrauchs, der Zeitformen, des Mo dus bestimmen);
mehrere grammatische Erscheinungen in Stilfi guren (so genann te Stilistika) zusammenfassen (z. B. die grammatische Metapher, die Gegenüberstellung verfolgen);
die Gesamtanalyse eines Textes aus grammatisch-stilistischer Sicht vornehmen (als Teil der Textinterpretation).
Wir befassen uns im Rahmen des theoretischen Buches vorwiegend mit
zwei ersten Punkten.
Absolute Stilfärbung in der Grammatik
Während die Wörter außer dem denotativen Inhalt unter dem para­digmatischen Aspekt (d. h. im System der Sprache) noch eine absolute stilistische Bedeutung besitzen, die ihren Gebrauchswert bestimmt und sie stilistisch differenzieren lässt, weisen die grammatischen Oppositio­nen im Sprachsystem keine absolute stilistische Bedeutung auf. Einzel ne grammatische Kategorien wie Kasus, Zahl, Modus, Genus unter scheiden sich nicht durch das Vorhandensein/Nichtvorhandensein der absoluten Stilfärbung (sie ist in der Regel gleich Null), sondern durch semantische Merkmale. Es gibt einige Fälle, in denen bei der Formen bildung die absolute Stilfärbung zum Vorschein kommt.
Die Doppelbildungen, die stilistisch koloriert sind: die Jungen – die Jungens/Jungs (umg., expressiv); die Mädchen (normalspr.) – die Mäd-
chens/Mädels (umg.); die Kerl(e) (normalspr.) – die Kerls (umg.); die Denkmäler (normalspr.) – die Denkmale (gehob.), die Männer (normal spr.) – die Mannen (geh.).
Die Kasusendung -e im Dativ (z. B. auf dem Tische, an diesem Tage) ist veraltet und klingt gehoben.
Eine stilistische Differenzierung der Doppelformen fi ndet man im Verb: wurde – ward, wasche – wasch, beweiset statt beweist usw.
In allen angeführten Beispielen handelt es sich um Varianten oder Doppelformen einzelner Wörter oder Wortgruppen und nicht um Op-
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positionsglieder (Gegenglieder) in einem morphologischen Paradigma. In der Syntax gibt es mehr Formen, die stilistisch (expressiv) koloriert sind. Als Beispiel der absoluten Stilfärbung (d.h. der stilistisch mar kierten Satzbaupläne (Modelle) kann folgender Ausrufesatz angeführt werden: Er und lügen! (d.h. Er kann unmöglich lügen); Er ein Sänger! (d.h. Er ist bestimmt kein Sänger). In Klammern sind stilistisch neutrale Synonyme angegeben.
Diese Modelle eines expressiven im Stil der Alltagsrede üblichen Ausrufesatzes besitzen die absolute Stilfärbung (die emotive Verneinung ist implizit) mit Konnotationen “Staunen”, “Empörung über die fal sche Meinung”. In neutralen synonymen Satzmodellen fehlen diese Konnotationen.
Das Satzmodell mit Genitiv als Objekt (erfreut sich seines Erfolges oder ich harre deiner) ist stilistisch koloriert. Es gibt stilistisch kolorier­te Infinitiv- und Partizipialsätze, Adverbialsätze als Aufforderungssätze (Aufstehen! – Aufgestanden! – Immer weiter! – Fort! – Zurück!). Solche Modelle wie du Langeschläfer, so ein Zufall sind auch stilistisch kolo- riert. Elliptische Sätze aller Art besitzen eine zusätzliche stilistische Komponente und damit verbundene bestimmte Einschränkungen des Gebrauchs.
Die Zahl der stilistisch neutralen Satzbaupläne ist viel größer als die der stilistisch kolorierten.
Kontextuale Stilfärbung in der Grammatik
Unter dem syntagmatischen Aspekt kann jede grammatische Form in der Morphologie und in der Syntax eine zusätzliche stilistische In formation vermitteln. Jede grammatische Form kann ebenso wie jedes Wort vom Kontext und der Sprechsituation beeinfl usst werden, d. h. eine und dieselbe grammatische Einheit oder Gruppe kann unterschied lichen kontextuellen Stilwert haben. Das betrachten wir näher im nächs ten Kapitel.
KAPITEL I. MORPHOLOGIE AUS STILISTISCHER SICHT
Wortarten
Die morphologischen Wortformen entfalten sich ganz nur im Redezusammenhang (im Mikro- und Makrotext), weil sie Bausteine der syn taktischen Konstruktion sind. Doch werden wir ganz kurz einige mor­phologische Kategorien getrennt von der Syntax behandeln, um sie deut­licher überblicken und besser erfassen zu können.
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Vor allem sind das Wortarten, die reiche stilistische Möglichkeiten bie­ten. Ein und derselbe Sachverhalt, eine und dieselbe Erscheinung kann mit Hilfe von verschiedenen Wortarten sprachlich ausgedrückt werden (unter den synonymischen Variationsmöglichkeiten kann ein Kompositum, eine Wortgruppe, auch ein Satz auftreten). Jede Wortart hat bei gleichem De notat ihre eigenartige inhaltliche Prägung, die den Stilwert bedingt.
Betrachten wir als eine der drei Hauptwortarten zunächst das Verb. Die Verben machen ein Viertel des Gesamtwortschatzes aus. Sie bringen “eine Unruhe in die starre Welt der Substantive” (W. Schneider, 1973: 57). Schlussfolgerung: je dynamischer eine Schilderung sein soll, desto mehr Verben nutzt sie aus (der so genannte Verbalstil).
Die Verben können das Leblose beleben. Werden die Gegenstände per­sonifi ziert, entstehen verbale Metaphern: das Zimmer grinst (K. Tucholsky). Den bildhaften Verben stehen die Funktionsverben mit verblasster Bedeu­tung gegenüber, die mit abstrakten Substantiven “Streckformen” (Wortfü­gungen) bilden. Ihre Häufung ist ein Stilmerkmal der offi ziellen Sachprosa und Publizistik (Bilanz ziehen, Rechenschaft ablegen). Die Häufi gkeit im Gebrauch von Substantiven und Adjektiven kennzeichnet den Nominal­stil, der den Anforderungen der modernen Kommunikation (Sparsamkeit und Informationsreichtum) am zweckmäßigsten entspricht (es gibt mehr­gliedrige Blockbildungen, die über 15 Substantive enthalten).
Die Adjektive, die 1/6 des Gesamtwortschatzes ausmachen, geben objektive und subjektive Merkmale der Gegenstände, sowie Einschätzun­gen und Beurteilungen der Dinge wieder. Sie dienen zur Präzisierung der Begriffe in der Sachprosa; die Fülle der Adjektive verrät feinen Beobach ter im Bereich der Literatur. Die attributive und prädikative Verwendung führt zur statischen Wirkung. Deshalb ist der adjektivische Stil als Ge gensatz zum dynamischen Verbalstil zu betrachten.
Die Entdeckung versteckter Merkmale ruft die metaphorische und metonymische Übertragung der Eigenschaft von einem Gegenstand auf einen anderen hervor – also die adjektivische Metapher oder Metonymie (frierende Häuser, lachende Sterne, eisige Stimme).
Die reichste Wortart (50–60 %) bilden Substantive, die alle materiel­len Dinge benennen, logische Begriffe vergegenständlichen. Das ist “das Wort der Wörter” (W. Schneider, 1973: 6–7). Der Nominalstil ist ein Kenn­zeichen der deutschen Gegenwartssprache. In allen Textsorten überwie gen die Substantive. Die Vorherrschaft der Substantive ist wohl eine sprach liche Besonderheit, aber zugleich eine stilistische Besonderheit.
Reich an Nomina ist der Stil der Wissenschaft (Abstrakta, Termini). Der substantivische Stil ist dem Stil des öffentlichen Verkehrs eigen
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(offi zielle Dokumente). In der schönen Literatur hängt das von der persönli- chen Ausdrucksweise ab.
Th. Mann zählt man zu den Dichtern nominalen Stils der so genann ten intellektuellen Prosa, aber auch er greift oft zum verbalen Ausdruck. Die stilistische Wirkung der Nomina ist polar – mal statisch, mal dyna misch, z. B. bei W. Borchert in “Hamburg”: alle Mann an Bord. Die gro ße Wirkung der substantivischen Metaphern ist zu erwähnen: der steiner ne Wald von Häusern – bei W. Borchert.
Stilwerte der Wortarten
Die Wortarten sind sprachliche Einheiten mit unterschiedlicher Leis tung, Form und Verwendung (B. Sowinski, 1978: 213).
Bei abstrakten Wörtern können sich im Wechsel von Singular und Plural Stimmungsveränderungen ergeben: Der Staat muss das Recht schüt zen, aber auch die Rechte seiner Bürger.
Der Wechsel zwischen Objektkasus und propositionalem Objekt bie tet wieder mehr stilistisch relevante Variationen: Ich gedenke des Tages. – Ich denke an den Tag.; Ich schreibe ihm. – Ich schreibe an ihn.; Heute feiere ich den Tag meiner Geburt. – Heute feiere ich meinen Geburtstag.
Die gehobene Stilfärbung in der Grammatik wird oft durch die Wort­bildung und Wortzusammensetzung erreicht, z. B. die Wörter, die die Schönheit der Natur zeigen, die zusammengesetzten Wörter mit Kom­ponenten Abend-, Blumen-, Mond-, Nacht-, Nebel-: Abend-: das Abend­dunkel, der Abendglanz, das Abendgold; Blumen-: Blumenmeer, Blumen­stern; Himmel-: Himmelsgabe, Himmelsmacht.
Bei der gehobenen Stilfärbung werden den normalsprachlichen Verben bestimmte Präfixe: be-, ent-, er-, ge-, dahin-, durch- vorangesetzt, z. B. ent-: entbieten, entfließen, entflammen; er-: erachten, erharren, erblühen, ge-: geleiten, gemahnen, genehmen, gewahren, dahin-: dahinraffen, dahin schwinden, dahinschmelzen; durch-: durchblitzen, durchleiden, durchtoben.
Emotionalbewertende Substantive sind der Grundteil der emotiven Lexik der deutschen Sprache. Sie gehören verschiedenen Gebieten der menschlichen Kommunikation, bezeichnen oft die Charaktereigenschaf ten: Barmherzigkeit, Existenzkrise, Machtmissbrauch.
Die negative Bewertung wird oft in der Sprache durch Affi xe und Suffi xe ausgedrückt: Raufbold. Weichling. Grübelei, geschichteln. K. Tucholsky gibt Ratschläge einem schlechten Redner: Geschichtete nur weiter (bei K. Tucholsky ironisch gemeint), -isch: neidisch, weibisch.
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Bei E.T.A. Hoffmann wird das Komische durch das paradox klingen de Wort “ohnmächteln” erreicht, weil der Begriff “in Ohnmacht fallen” keine Stufen haben kann.
Die Ironie tritt hier deutlich zutage. Mit Hilfe geläufi ger Suffi xe bil- det E. T. A. Hoffmann Wörter, die dem Substantiv eine negative ironische Schattierung verleihen: Prinzesslein, Doktorhütlein, Werklein, Leserei, Verserei. Präfi xe: miss- (Missgestalt), ge- (Gejaule), aus- (Ausschlag), auf- (Aufsteiger) (E.T.A. Hoffmann. Lebensansichten des Katers Murr).
Jede Sprachgemeinschaft ist gezwungen, den vorhandenen Wortschatz ständig durch neue Wörter zu ergänzen. Neue Wortbildungen erfolgen sowohl aus sachlichen als auch aus stilistischen Bedürfnissen, z. B. die Wörter Wurst und Blatt sind stilistisch neutral, normalsprachlich, aber die Kompositabildung Wurstblatt (газетенка) hat abwertende ironische Bedeutung, ist stilistisch markiert. Vgl. Röntgenbluse, Röntgenaugen (scherzhaft), Milchbart (scherzhaft, abwertend), Kulturstrick (scherzhaft).
Pronomen
Der treffende Gebrauch von Pronomen kann auch seine stilistische Funktion erfüllen.
Die man-Sätze dienen im wissenschaftlichen Stil der Objektivität und Verallgemeinerung. Manchmal führen man-Sätze zu verschiedenen sti­listischen Effekten.
Die Pronomen können nicht in ihrer eigentlichen Bedeutung verwen­det werden und dann sind sie stilistisch markiert. Unter bestimmten Vor­aussetzungen kann man abweichend von einer Standardbedeutung auch einzelne Personen bezeichnen (U. Engel, 1988: 673).
“... ich wollte eigentlich auch noch dazu sagen zum Beispiel, bei mir war der Grund, dass ich abgehauen bin, aufgrund dessen, weil also man kein Reisekader gewesen ist,... blockiert war man.” (M. Hellmann. IDS. Mann­heim. Video-Ausschnitt. Moderator G. Michel Steinbrecher interviewt einen DDR-Flüchtigen.)
Man als Anrede an den Adressaten erzeugt einen gewissen Verfrem­dungseffekt: Warum sagt man mir das nicht? Oder. Man wird alt und krank. Man verliert schon Freude. (L. Frank) Ironisch über sich selbst äußert sich der Adressant: Das kann man ja nicht alles wissen.
Das Pronomen man kann in der Figurensprache und in der erlebten Rede an Stelle eines persönlichen Satzes gesetzt werden:
Anstelle von ich: Man war auch mal ein Dichter; Das verdammte Ischi as, man wird alt; Man hatte erst Eltern gehabt, mit denen man nicht gut, aber
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erträglich stand. Man hatte einen Mann gehabt und eine Tochter – man hatte sie nicht mehr (H. Fallada. Wolf unter Wölfen).
Im ersten Fall vermeidet der Sprecher die 1. Person aus Bescheiden­heit, im zweiten Fall möchte er die unangenehme Tatsache verschleiern, im dritten Fall (die erlebte Rede) dient man nicht zur Milderung, son dern zur Verstärkung des tragischen Effekts.
Das Personalpronomen wir kann die Pronomen ich, du und Sie­Höfl ichkeitsform ersetzen:
Wir haben (ich habe) diese Frage in einer früheren Arbeit ausführlicher behandelt.
Wir werden (ich werde) auf dieses Phänomen später zurückkommen.
Solche Wörter nennen wir (nenne ich) Pronomina (in wissenschaftli chen Texten).
Wir werden bald sehen, wie ... (in öffentlicher Rede).
Nun nehmen wir (nimmst du) schnell noch unsere Tablette.
Wir werden (du wirst) so etwas nicht wieder tun, hörst du? (gegenüber Kindern)
Wir (ich), Wilhelm von Gottes Gnaden deutsche Kaiser, König von Preu­ßen... (U. Engel, 1988: 677).
Das Pronomen wir als Anrede an eine einzige Person: ” Wer sind wir denn?”, dröhnte Herr Krepatz. (H. Rosendorfer)
In der Umgangssprache wird ich durch wir zu ironischen Zwecken ersetzt: Wissen wir deine Versprechungen! Ach, wie feinfühlig wir sind!
Die Personalpronomen er und sie können als Hyperonyme in der Be deutung “Person männlichen-weiblichen Geschlechts” oft in den Zeitungsanzeigen auftauchen: gepfl egte, sehr sportliche “Sie” sucht unab hängige, charmante Freundin (DUW). Die Information wirkt emotional.
Interessant ist aus stilistischer Sicht “die Du-Erzählperspektive”: “Du hast Hunger. Du hast Hunger und hast wenig Geld. Du hast Hunger, hast we nig Geld, hast wenig Zeit. Und: Du bist Student. Es ist fünf vor eins: Du gehst in die Mensa. Vielleicht bist du noch nie in einer Mensa gewesen. Vielleicht ge hörst du noch nicht zu denen, die sich hier täglich abspeisen lassen...” (Annete Cerok. Speisung). Der Adressat wird direkt angesprochen, wird in die Handlung mit einbezogen. Solche Form ist besonders gefühlsbetont.
Manchmal wird in der 2. vertraulichen Form Imperativ Singular das Personalpronomen du gebraucht. Häufi ger wird das Pronomen du in der Umgangssprache gebraucht.
Wenn der Adressant einen der Adressaten von vielen anderen hervor­heben will: Geh du nach oben! Red du zu ihr! Wenn der Adressant nicht
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nur Aufforderung, sondern auch das bewertende Verhalten zum Adressa ten ausdrücken will: Du sei still! (E. Strittmatter)
Das Pronomen du kann die gehobene Stilfärbung der Aufforderung unterstreichen: Herr, gib du allein, die das Schwert vertrieb, ein Dach, ein Brot, ein Kind, ein eigen Kissen. (M. Kaleko)
Das Pronomen er in der Situation der zweiten Person du hat eine ne gative Konnotation: Da fragt er mich!
Synonymie der Modi
Eine große Bedeutung kommt der Synonymie der Modi zu. Der Indika tiv (Wirklichkeitsform) und der Konjunktiv (Möglichkeitsform) können in der Funktion des Imperativs auftreten. Indikativ Präsens oder Futur dienen in vertraulicher wie in distanzierter Ausdrucksform als besonders brüske Auf­forderungen, z. B. Du bist jetzt endlich ruhig!; Du fragst nicht mehr!; Heute ist es kalt. Du bist krank. Du bleibst zu Hause.; Du wirst alles sofort sagen.
Perfekt kann manchmal auch den Imperativ realisieren: Du hast mir die Arbeit bis zum Wochenende geschafft.
Konstativsätze mit Modalverben müssen, sollen und dürfen werden meist mit einer Negation gebraucht. Die Aufforderung mit sollen wirkt nicht so kategorisch wie der echte Imperativ: Warte! Du sollst warten!
Der Imperativ im Konjunktiv I wirkt ziemlich mild: Du müsstest et was weniger essen. Du solltest dich bei ihm bedanken.
Besonders unhöfl ich wirken unvollständige Kurzsätze in der Funkti on des Imperativs: Lauter! Weg! Bisschen schneller! Platz! Schluss jetzt! Hierher! Keine Angst! Weg vom Zwinger! (M. Walser)
Es wäre zweckmäßig bei dem indirekten Gebrauch der Interrogativ sätze (Fragesätze) zu verweilen.
Nach R. Konrad ist der indirekte Sprechakt ein Sprechakt, der nicht die direkte Bedeutung des Satzes widerspiegelt, sondern eine Schlussfolgerung darstellt, die aufgrund linguistischer und außerlinguistischer Angaben, aus bestimmten Informationen über die entsprechende Situation, die direkt mit dem Satz verbunden ist, zustande kommt. Dabei ist die direkte Bedeutung, der direkte Sprechakt durch den Imperativ nicht verdrängt. Die Fragesätze realisieren semantisch eine Bitte. Aber nur dann, wenn die Sprechsituation die Situation der Bitte darstellt. R. Konrad führt sechs Typen von Fragen an:
Steigen Sie jetzt aus? – Lassen Sie mich bitte durch!
Können Sie diese Uhr reparieren? – Reparieren Sie bitte diese Uhr!
Könnten Sie mir helfen? – Helfen Sie mir!
Würden Sie mich abschleppen? – Bitte schleppen Sie mich ab!
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Gibst du mir das Buch? – Gib mir das Buch!
Wissen Sie, wie spät es ist? – Sagen Sie, wie spät es ist. (R. Konrad, 1985: 362, 363)
Für die meisten Fragesätze (Interrogativsätze), die oben angeführt sind, gibt es parallele Konstruktionen, in denen die Bitte explizit durch das Wort “bitte” ausgedrückt wird, z. B.:
Könnten Sie bitte diese Uhr reparieren?
Könnten Sie mir bitte helfen?
Würden Sie mich bitte abschleppen?
Gibst du mir bitte das Buch?
Das Wort “bitte” tritt hier als illokutives Wort auf.
Der Infi nitiv kann als phraseologisiertes Modell auftreten, dabei ist er immer stilistisch markiert, äußerst expressiv:
Ich dich ehren? Er und nachgeben?
Artikel
Die stilistischen Funktionen weisen auch die Artikel auf. Folgende Beispiele illustrieren die stilistische Rolle des Artikels.
Der unbestimmte Artikel wird für die emphatische Hervorhebung des Bekannten bei der Gegenüberstellung gebraucht. Bei W. Bredel: Ein fa­schistisches Spanien war den Machthabern in London und Washington will­kommen, ein Volksfrontspanien fürchteten sie.
Der bestimmte Artikel dient als Mittel der Hervorhebung eines noch unbekannten Objekts, unterstreicht, dass etwas unerwartet erscheint. Bei L. Frank: Aber in den gelassenen ausladenden Kronen spielte das zierliche Eichhörnchen.
Bei den Personenbezeichnungen mit dem bestimmten Artikel kann mitunter auch ein verächtlicher Klang einfl ießen: der Meier, die Anna. Das Substantiv der Mensch ist neutral, das Mensch in Bezug auf eine Frau hat negative Konnotation.
Zeitformen
Der Stilwert vom Präsens historicum kann sachlich, kühl, dokumen tarisch sein (im Lehrbuch, in der historischen Chronik), dieselbe Form kann in der Erzählung dynamisch-lebhaft wirken. In E. Strittmatters “Ole Bienkopp“: Zur Nacht fi el neuer Schnee und tilgte alle Spuren. Ein Sonntag schält sich aus dem Winterdunst. Die Sonne hebt sich aus dem Waldbett. (E. Strittmatter. Kalendergeschichten)
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