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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
Das Schicksal der Modewörter lässt sich schwer voraussagen. Gustav Wustman, der Autor des Buches “Allerlei Dummheiten”, protestierte seinerzeit entschieden gegen den Gebrauch der Wörter: köstlich, entzü ckend, fabelhaft, prima, trotzdem wurden sie längere Zeit als expressiv einschätzende Wörter sehr populär.
Es gibt Neologismen, die von der Juri im Horst-Dieter Schlosser Ver­lag (Frankfurt a. M.) als Unwort des Jahres bezeichnet werden, die von den deutschen Linguisten nicht akzeptiert werden, z. B. das Wort Rentnerschwemme (1996). Nach der Meinung der Juri vermittelt dieses Wort den falschen und unhumanen Eindruck. Es handelt sich um Menschen, die Anspruch auf eine angemessene Altersversorgung haben. Das Wort hat negative Konnotation. Zu den Unwörtern zählt der Fachdienst “Ger­manistik” auch solche Wörter-Neologismen wie: Asylanten ut, Schüler berg, Flexibilisierung, Outsorting, Sozialhygiene usw.
III. Die dritte Gruppe stellen Okkasionalismen (Einmalbildungen) dar. Unmittelbar vermitteln die Einmalbildungen kaum das Zeitkolorit, sie üben andere stilistische Funktionen aus. Für die Stilistik ist diese Gruppe von besonderem Interesse. Die Verbreitung der Okkasionalismen ist heu te vor allem mit der “Textproduktion der Journalisten” verbunden:
Von stilistischer Relevanz ist die Einführung von Benennungen, die – aus der Sicht des Autors – als neu oder für den Adressatenkreis als nicht ausreichend bekannt angesehen werden. Im folgenden Textausschnitt geht der entsprechenden Benennung eine Erläuterung voraus: “Für die Sanie rung der rund 70.000 in der Bundesrepublik registrieren alten Mülldeponien und brachliegenden Industriefl ächen, von denen eine Gefahr für die Umwelt ausgeht (“Altlasten”), wären etwa 50 bis 100 Millionen DM erforderlich. (TZ 1990)
Anführungszeichen sind generell als metasprachliche Markierung beliebt; sie sollen den schockierenden Auffälligkeitseffekt (“Was ist denn das für ein Wort?”) mindern. Vgl. auch:
Die Landschaft der Pfützen und Hügel wurde planiert, an ihre Stelle Rosen gesät, ferner sind auf Sand “kinderfeste” Bohlen- und Palisaden­konstruktionen errichtet worden. (Weltbühne. 1979, H. 37)
Ein anderes, nicht selten benutztes metasprachliches Signal ist die Vorschaltung des meist einen kritischen Akzent setzenden Ausdrucks “neudeutsch”: Ansagerin, Sprecherin – neudeutsch: Moderatorin.
Ist der Autor sich nicht des Neuigkeitseffekts eines Wortes bewusst oder bedarf dies seiner Ansicht nach keiner Erläuterung, wird es wie ein geläufi ges Wort verwendet; vgl. den folgenden Ausschnitt aus T. Manns Rede “Deutschland und die Deutschen”: “Ohne ins Teu ische und Ver derberische
zu entarten, ohne zum Feind der Menschheit zu verfratzen kann sie [Politik] sich ihres ideellen und geistigen Bestandteils niemals völ lig entäußern.”
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Handelt es sich im vorstehenden Fall um einen Okkasionalismus, so ist die Entwicklung im Folgenden bereits weitergegangen. Der Ausdruck buchenswert: “besonderer Aufmerksamkeit wert”, wurde von Th. Mann im Roman “Lotte in Weimar” geprägt oder neu aufgegriffen. Heute be gegnet das Wort bevorzugt in literaturwissenschaftlichen Texten, z. B. mehrfach in der Brecht-Biographie von W Mittenzwei: keine buchenswerten Vorkommnisse; ...sollte zu einem
literaturgeschichtlich buchenswerten Ereignis in Deutschland werden.
Das Streben nach wertenden und prägnanten Ausdrücken führt besonders in der politischen Publizistik und in der Werbung zu expressi ven Neubildungen, die zu Schlagworten werden können. Vgl. z. B. die Charakterisierung des Wirtschaftssystems in der ehemaligen DDR durch Gegenbildungen zu dem als erstrebenswert angesehenen System der ka pitalistischen Marktwirtschaft:
Befehls-, Engpass-, Kommandowirtschaft.
Okkasionalismen verstärken die antithetische Konstruktion in einem Vortrag (“Deutschland wird Deutschland-wie wird es?”, 1990) von M. Stol pe: “Denn die Bundesdeutschen sind europageübt und die DDR-Deutschen sind
europaneugierig... Mit der staatlichen Einheit der Deutschen muss die bisherige Konfrontationsstruktur in eine Kooperationsstruktur überführt werden.
Eher in euphemistisch-distanzierender Absicht dürfte das Abstraktum “Verhaftungswesen” in einem Brief Erika Manns an J.R. Becher (17.12.1956, im Zusammenhang mit der Verhaftung von W. Janka) gebil det sein: Als Kultur-
Minister haben Sie, verehrter Herr Dr. Becher, mit dem “Verhaftungswesen” natürlich direkt nicht zu schaffen... (Zitiert nach “Welt bühne”. 1990, H. 3)
(W. Fleischer, G. Michel, G. Starke, 1993: 96).
Okkasionalismen dienen als Mittel der Poetisierung, sie werden oft zu ironischen und satirischen Zwecken gebraucht.
Die meisten Einmalbildungen fi nden wir in der Literatur. Für den Schriftsteller ist die Einmalbildung ein kräftiges Bild, eine unerwartete wirksame Kombination, mit der er den Leser packt.
Stanislaus schlurfte pantoffelnd, wie er war, bis an die Straßenecke. (E. Strittmatter. Der Wundertäter)
Endlos und dunkel verblaute die Nacht. (S. Blatter)
Existenzangst – Angst um die Existenz (Ztg.)
Auch in Wittenau sollen 100 Arbeiter des Waggonhauses entlassen wer­den. Existenzangst und Unsicherheit greifen auch im Handel um sich. (Ztg.)
Freddy schluckte, doch er war von der beinahe Katastrophe auf der Kreu­zung und dem Fast-ins-Schaufenster-Hinein noch so geschafft, dass er ohne Widerrede ausstieg. (R. Strahl)
Bei Boll: die maßgeschneiderte Operette, d. h. “nach allen Regeln ge­macht”. Auch bei Boll: staubwischenderweise (hat sie etwas gefunden).
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In den Rezensionen zur Novelle von Günter Graß “Im Krebsgang” sind folgende Okkasionalismen zum Wort Schriftsteller anzutreffen:
Nobelpreisträger – Künstler – moralische Zentralfi gur der Bundesrepublik – Anachronist – Museumsfi gur der Nachkriegszeit – der Geehrte – Schnauzbart – politischer Superintendant – Haupt- und Staatsintellektuel ler – Linksintellektueller – Heizer im Maschinraum dieser Novelle – Polemiker – Hexenmeister – der notorische Geschichtsoptimist – der Nicht-Rech te (W. Fjodorowskaja, 2003).
Im folgenden Text werden die Okkasionalismen Antikaffeeist, Antiteeist, Antialkoholiker ironisch gebraucht.
DER SCHNUPFEN KAM...
Es war am ersten Tage meines großen Schnupfens. Weil ich keine Milch im Hause hatte, ging ich in das nächste Lokal und bat um ein Glas warmer Milch.
“Kaffee können Sie haben, gute Frau”, sprach der Kellner und sah mich unfreundlich an, denn ich war nicht sein Typ.
“Kaffee habe ich genug in der eigenen Küche”, sagte ich und ging in eine Milchbar. Es war eine schöne, moderne Gaststätte.
“Wir haben keinen Ofen und es gibt nur kalte Milch.”
Ich ging in meinen Klub.
“Etwas Warmes”, sagte ich zum Kellner.
“Vielleicht einen Grog.” – “Ich bin Antialkoholiker.”
“Kaffee?” – “Ich bin Antikaffeeist.”
“Oder Tee?” – “Ich bin Antiteeist.”
“Ja, dann ...” – “Bringen Sie mir eine warme Milch.”
Er sah mich streng an und sagte: “Milch steht nicht auf der Karte.”
Ich schlug ihm vor, mir warme Zitrone zu bringen.
“Also, dann Grog”, sagte er.
Er brachte den Grog, ich tat den Zucker in das Wasser und reichte ihm das Gläschen mit dem Rum wieder in die Hand.
“Bringen Sie’s dem Herrn Geschäftsführer, ich spendiere es ihm.”
Glauben Sie mir oder nicht: Der Ober kassierte nur das Wasser und Zucker. (Ztg.)
Interessante Okkasionalismen sind im folgenden Text gebraucht.
DIE EINLADUNG DES VERBANDES DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT
IN DER RUSSISCHEN FÖDERATION
Verband der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation lädt Gäste ein. Am 2. März 2002 fi ndet im Hotel Baltschug Kempinski der Ball der deutschen Wirtschaft statt. Sehr geehrte Damen und Herren, der
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Ver band der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation lädt Sie recht herzlich zum traditionellen Ball der deutschen Wirtschaft ein. Auf Wunsch vieler Firmenvertreter fi ndet der Ball in diesem Jahr unter dem Motto “Non- stop-dancing” statt. Es wird ge-Walzer-t, ge-Tango-t, ge-Salza-t, ge-Rum­ba-t, ge-Rock-n-Roll-ed, ge-Cha-Cha-Cha-t etc.
Die äußerste Expressivität prägt die angeführten Okkasionalismen.
Ein Zeitungsartikel über das schlechte Essen in der russischen Ar mee, wo man Fleisch, Würstchen und Hühnchen getrost vergessen kann, wird betitelt: Essi-Fressi-Vergessi. (Wochenpost. 1998, H. 8)
Die Einmalbildung Trümmertrio spielt auf die deutschen Regierungs­mitglieder Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Rudolf Scharping an. Dieser Okkasionalismus hat bestimmt eine bewertende, negative Konno tation.
In den Massenmedien wurde Slobodan Miločevič Balkan-Hitler, Ser ben-
Hitler genannt. Der Okkasionalismus ist äußerst expressiv.
Sympatisant – ein Mensch, der mit bestimmten politischen Ansich ten
sympathisiert.
Di und Dodi wurden in Paris getunnelt. (Ztg.)
Wurden getunnelt – hier wird ein Begriff aus dem Fußballjargon, in
dem ein Beinschuss als Tunnel bezeichnet wird und ein Spieler einen an­deren tunneln kann, auf den tödlichen Unfall des prominenten Paares in Paris übertragen. In diesem Fall liegen die Bedeutungen von tunneln weit auseinander. Im Vordergrund dieses Okkasionalismus dürfte vielmehr die Tatsache stehen, dass sich der Unfall in einem Tunnel ereignete (B. Schaeder, 1993).
Die Okkasionalismen dienen oft satirischen Zwecken.
Ob er ein Christus-Fan oder ein Kommunist ist, ist zu bezweifeln. (Ztg.)
Es kommt selten vor, aber trotzdem geschieht es in der Sprache, dass die Okkasionalismen in den allgemeinen Wortbestand übergehen:
Schwarzhörerin, Schwarzfahrerin.
Zu den Okkasionalismen sind auch lexikalische Blockbildungen zu zählen wie mit deinem Ewig-mir-in-die-Rede-fallen.
Der Schriftsteller verletzt, durchbricht den normalen Sprachgebrauch, um die Palette seiner künstlerischen Mittel zu erweitern.
Erich Weinert gebraucht Einmalbildungen zu satirischen Zwecken, indem er bestimmte Personengruppen und negative Erscheinungen zur Zeit der Weimarer Republik anprangert: Weimarxisten, Akademokraten, Antisemeeting (als Stilfi gur Kontamination genannt).
Die Okkasionalismen, die heutzutage in Literatur-, Kunst- und Wer­bebereich entstehen, sind ironisch geprägt.
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Schmalspurstudium einloggen Zubrot, Tugenddiktator Sexakte Agentenliebe Liebesrettungsaktion Augenbrunnenschacht Erinnerungsabgrund männervereinsmeierisch Ödipussi Republikketzerkautz Champagnersäufer Weltabschottungsstub Quereinsteigerin runterbrettern Singleismus X-Large-Effekt Yuppiedisziplinierungsparolen Blaugefl ammt blaugespritzt Wunderwuzzi, Fächerfürsten Buntgefl ammt grüngefl ammt Mikrowellenjankie
In diese Gruppe gehören auch zahlreiche Beispiele von Jargonismen und gruppenspezifi scher Alltagslexik: Rohrkrepierer, Mordsröhre, Handyprolet,
Duftgemüse, Beamtenforelle.
Zu den sprachlichen Anachronismen (Zeitwidrigkeiten).
Ein Wort wird in Bezug auf die Zeit gebraucht, in der es noch nicht existierte und dies als Mittel der politischen Satire gebraucht (H. Heine nennt den Engel, der Adam aus dem Paradiese treibt, “einen himmlischen
Gendarmen”.)
Bei E. Weinert: “Die verhafteten Christen wurden auf der Flucht er­schossen”. Das Nazimodewort wird satirisch verwendet. E. Weinert be schreibt
die Szene der Brandstiftung des Reichstages 1933 so:
Der Kaiser Nero saß an voller Tafel
Doch ohne Appetit und sorgenvoll.
Er klingelte nach seiner Leibschutzstafel
und sprach: “Ich weiß nicht, was das werden soll!”
Gefährlich agitieren diese Christen.
Doch jetzt ist Schluss mit diesen Kommunisten.
In dieser Nacht wird Rom in Brand gesteckt.
Nun was verspricht ihr euch von dem Effekt.
Da brüllen die Soldaten:
“Die woll’n wir lustig braten!
Wo ist der Kion? Wo ist Benzin?
Wir kriechen gleich durch den Kamin. (Zitiert nach E.G. Riesel)
Oder umgekehrt: die Nazisten als Landsknechte hingestellt (Histo­rismus) im Dienste der politischen Satire. Bei geringerer Meisterschaft des Schriftstellers oder bei der Überhäufung von zeitwidrig gebrauchten Wörtern können historische Begebenheiten verzerrt oder aufdringlich sti­lisiert dargestellt werden.
Im folgenden Text werden Anachronismen zum Ausdruck der Ironie gebraucht.
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KEIN GRÖSSENWAHN OHNE SEINEN PREIS
Die erste Erzählung eines jungen Autors, ein Werk über den Bauern­krieg, war als Buch herausgekommen. Mit der dünnen Geschichte eilte er von Lesung zu Lesung, und böse Zungen behaupteten, er beginne größen wahnsinnig zu werden. Nicht zuletzt deshalb lud ihn eine Arbeitsgemeinschaft junger Autoren ein, und dort erlebte er die erste ehrliche Kritik. Die armen Bauern, die ihr Leben fast nur von Pellkartoffeln fristeten, seien, anachro nistisch, da die Kartoffel erst an die hundert Jahre später in Europa bekannt geworden sei; wogegen im sechzehnten Jahrhundert in Deutschland kein Au erochse mehr existierte, also vom bösen Grafen nicht gejagt werden konnte. Ein Bauer heue nicht mit der Harke, sondern mit dem Rechen, und überhaupt lasse die Erzählung notwendiges Wissen vermissen.
Der Kritisierte berief sich keinesfalls auf den Lektor, sondern bemerkte spöttisch, da könne er mit schlimmeren Anachronismen berühmter Kollegen aufwarten. In Auerbachs Keller lasse Goethe Mephisto fordern: Ich will Champagnerwein und recht moussierend soll er sein! – Aber Schaumwein sei erst nach 1700 in Deutschland hergestellt worden. Im “Julius Cäsar” von Shakespeare sage Brutus: Still! Zählt die Glocke! Zehn Turmuhren habe es aber erst über tausend Jahre später gegeben.
Da nun niemand mehr Lust hatte weiter zu diskutieren, resümierte der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, es sei deutlich geworden, dass sich der junge Freund den Großen bereits bis in ihre Fehler angeglichen habe, und so sagte er: “Es bleibt uns nichts anderes, als ihn zum Nationalpreis vorzuschlagen.”
Neologismen im Internet
In den vergangenen Jahren hat ein Thema die Öffentlichkeit in zunehmendem Maße beschäftigt: die Entwicklung der Gesellschaft auf dem Weg ins “Informationszeitalter”, in dem wir uns nach Ansicht vieler Menschen bereits befi nden, wenngleich die heute bereits endlos erschei- nende Flut von Informationen in Zukunft sicher noch anwachsen wird.
Häufi g wird das Informationszeitalter vor allem mit einem Begriff in Verbindung gebracht: mit dem Internet, einem Netzwerk, das viele Mil­lionen Menschen weltweit per Computer miteinander verbindet und durch dessen technische Möglichkeiten sich die Kommunikationsbedingungen grundlegend verändert haben und noch weiter verändern werden.
HACKER IM INTERNET UND DIE HACKERSPRACHE
Die Bezeichnung “Hacker” an sich ist heute sowohl im Deutschen als auch im Englischen, aus dem sie entlehnt wurde, mehrdeutig, was darauf zurückzuführen ist, dass sie im Laufe der Zeit mehrfach Bedeutungsverän-
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derungen erfahren hat. Im Folgenden soll kurz auf die Entwicklung der Be­zeichnung im Englischen eingegangen werden.
Laut OED wurde mit Hacker zunächst ein Werkzeug zum Hacken be zeichnet, später dann Personen, die mit einem solchen Werkzeug, vor allem mit Äxten, arbeiteten. In diesem Sinne wird die Bezeichnung auch heute noch verwendet.
Hacker sind im Allgemeinen sehr kreative Menschen mit hohem Bil­dungsniveau, die ihre Identität zu einem großen Teil über Unterschiede zwischen sich und “Normalsterblichen» defi nieren. Ihrer Kultur und Tradi- tion sind sie sich äußerst bewusst, und das hohe Maß an Zusammengehörig­keitsgefühl spiegelt sich vor allem in der Sprache wieder, die bis zu einem fast schon absurden Grade kultiviert wird. Spears sieht in der Hackerspeak denn auch “the quintessence of wordplay produced for limited social interaction between highly intelligent people.”
Die von Hackern verwendete Sprachvariante wird traditionell als Jar­gon bezeichnet, was ausschließlich historische Gründe hat und nicht durch sprachwissenschaftlichen Sprachgebrauch gerechtfertigt ist, da die Bezeich­nung Slang eher zutrifft. Vergleicht man Defi nitionen der beiden Begriffe im Lexikon der Sprachwissenschaft, so stellt man fest, dass dies nicht un bedingt richtig ist. H. Bußmann (1983: 465) defi niert Slang als anglo-amerikanische Variante lässig gebrauchter Umgangssprache mit ausgeprägten sozialen und regionalen Varianten, die durch neuartige Verwendung des vorhandenen Vokabulars sowie neue Wortbildungen gekennzeichnet ist.”
Jargon wird dagegen defi niert als spezifi sche durch gruppen- oder fach- spezifi schen Wortschatz gekennzeichnete Sprachform, der es an Allgemein- verständlichkeit mangelt. Im engeren Sinne: sozial bedingte Sonderspra­chen, die durch auffällige Bezeichnungen für alltägliche Dinge, bildliche Ausdrucksweise, emotional gefärbte oder spielerische Verwendung des stan­dardsprachlichen Vokabulars gekennzeichnet ist (H. Bußmann, 1983: 225).
Die Hackersprache weist damit Merkmale sowohl der einen als auch der anderen Defi nition auf; besonders charakteristisch sind für sie z. B. die emotional gefärbte oder spielerische Verwendung des standardsprach lichen Vokabulars, der Mangel an Allgemeinverständlichkeit sowie die neuartige Verwendung des vorhandenen Vokabulars. Zudem sind auch die Trennlinien zwischen Hackerslang oder Jargon und dem Vokabular, das im Bereich der technischen Programmierung und Computerwissenschaft verwendet wird, alles andere als eindeutig, was eine klare Defi nition der Hackersprache in sprachwissenschaftlichen Termini weiter erschwert.
Der Einfl uss bestimmter Fachsprachen – hier sind vor allem die na- turwissenschaftlich-technischen und die medizinische zu nennen – auf die
Hackersprache zeigt sich deutlich in der Übernahme einzelner Ter mini und sogar ganzer Konzepte.
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Die neue Kommunikationssituation weltweit hat zur Folge, dass Be­nennungen, die ehemals als Fachtermini galten, heute auch in der All­tagssprache unerlässlich sind. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Massenmedien, in denen in jüngster Zeit das The­ma “Informationszeitalter” verstärkt diskutiert wird und die im Zuge dessen vermehrt Vokabular aus dem Bereich der Computernetze in der Öffentlichkeit einführen. Die Hacker-/Internetsprache ist somit nicht nur im englischsprachigen Raum zu einem wichtigen Einfl ussfaktor auf die Gemeinsprache geworden, sondern auch in anderen Ländern der Erde.
Neologismenwörterbücher im System der Nachschlagewerke
Im Unterschied zu den meisten verbreiteten Sprachen gibt es für das Deutsche bisher kein größeres, nach Prinzipien der wissenschaftlichen Lexikographie erarbeitetes Neologismenwörterbuch als aktuelle Ergän­zung zu den großen Gesamtwörterbüchern, obwohl im In- und Ausland großer Informationsbedarf in Bezug auf neue Wörter und Bedeutungen des Deutschen besteht. Es ist geplant, ein erstes deutsches Neologismen­wörterbuch zu erarbeiten, das die Neologismen (Neulexeme und in ge­wissem Umfang auch Neubedeutungen), die sich im allgemeinsprachli­chen Teil des Wortschatzes der deutschen Standardsprache in den 90er Jahren etabliert haben, erfasst, beschreibt und dokumentiert.
Dem Typ nach ist das Neologismenwörterbuch – wie das allgemeine einsprachige Wörterbuch auch – ein semasiologisches, polyinformatives, makro- und mikrostrukturell selektives, alphabetisch geordnetes Wörter­buch mit partiell standardisierter Anordnung der Datentypen. Die Wort­artikel werden neben Bedeutungsangaben, Kollokationen und einem Be­legteil Angaben zum jeweiligen Typ des Neologismus, zur Herkunft, zur Gebrauchsspezifi k und zur Wortbildung enthalten.
Vom allgemeinen Wörterbuch unterscheidet sich das Neologismen­wörterbuch dadurch, dass es als Wörterbuch diachronisch als “neu” mar­kierter lexikalischer Einheiten ein Spezialwörterbuch ist, das als Kom­plement an die Seite der zeitgenössischen Gesamtwörterbücher tritt. Die lexikografi sche Präsentationsform wendet sich vorwiegend an fachexter ne Interessenten.
Anglo-amerikanische Neologismen in der deutschen Sprache
Seit 1945 schwappt nun, vor allem aus Amerika, die englische Welle um die Erde. Die Sprachwissenschaftler sind sich darüber einig, dass kei­ne andere Sprache das Deutsche mehr beeinfl usst hat und heute stärker auf sie einwirkt als das Englische. Es hat aber immer wieder kritische und
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warnende Stimmen gegeben, die sich gegen die “Engländerei” im Deut schen wandten. Einer der ersten und prominentesten Kritiker war der Schulmeister und Purist Hermann Dunger, der schon 1899 “wieder die Engländerei in der deutschen Sprache” wetterte: “... Mit dem immer wachsenden Einfl uss englischen Wesens mehrt sich neuerdings in bedenk licher Weise die Zahl der aus dem Englischen stammenden entbehrlichen Fremdwörter. Auch in dieser Spracherscheinung treten die alten Erbfeh ler des deutschen Volkes wieder hervor: Überschätzung des Fremden, Mangel an Selbstgefühl, Missachtung der eigenen Sprache...” (H. Dun ger, 1899).
In der 1909 erschienenen zweiten, umgearbeiteten und stark vermehr­ten Aufl age des Vortrags “Engländerei in der deutschen Sprache” sagt er: “...Englisch ist jetzt fein, Englisch ist Triumph! Für manchen jungen Deutschen ist es das höchste Ziel seines Ehrgeizes, für einen Engländer gehalten zu werden. Wie der Deutsche früher der Affe des Franzosen war, so äfft er jetzt den Engländer nach...” (H. Dunger, 1909)
Diels hat Recht behalten: Das Englische ist Weltsprache geworden. In den Jahren nach 1945 ist der größte Entlehnungsschub von Wörtern aus dem Englischen ins Deutsche gekommen und hat die Liste der 1909 von H. Dunger zusammengetragenen etwa 1000 Anglizismen um einige weitere Tausend vermehrt.
Wie H. Dunger haben bis in unsere Tage hinein immer wieder Puris ten und Sprachfreunde, d. h. Freunde der deutschen Sprache, gegen das allzu starke Vordringen des Englischen polemisiert, so schreibt Sybil Gräfi n Schönfeld:
DA VERSCHLÄGT’S EINEM DIE EIGENE SPRACHE
Wer Magazine und Hochglänzendes liest, kommt allmählich ohne Deutschkenntnisse aus. “Ohne Look Teils You it’s Deks” steht da ohne wei­teres auf den ganzseitigen Anzeigen oder schlicht. ” The Art of Fine Clothing” oder “I want I can” , was mir verblüffenderweise Sportschuhe empfehlen soll, vielleicht bei ”A Search For The Sun ”...
Verlassen wir die Illustrierten und warten zum Beispiel auf die U-Bahn. Lesen müßig, was auf den Wänden steht, wo das nächste Brahmskonzert stattfi ndet und “Ausländerraus” und, an der Kachelwand, “Coca-Cola – the Feeling”. Ich denke amüsiert: Also wirklich – die machen’s sich einfach, ein einziges Plakat und international zu verwenden, und drehe mich um. An der gegenüberliegenden Wand, auf ebenso großem Plakat, kann ich lesen:
“Call For Chesterfi eld. The Satisfy”. Aus dem Amüsement wird Ärger. Wo sind wir denn? In einer US-Kolonie?...
Sybil Gräfi n
Schönfeld, 02.06.1989
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Noch allerdings lassen sich keine Anzeichen für einen Rückgang der Anglo-Amerikanismen erkennen. Die Zahl der anglo-amerikanischen Entlehnungen vermehrt sich von Tag zu Tag.
Als sprachliche Erscheinung sind die anglo-amerikanischen neuen Wörter nicht einheitlich (nicht homogen).
Wenn wir auf die Klassifi kation der Neologismen aus stilistischer Sicht zurückgehen, so können wir behaupten, dass viele Anglo-Amerikanis men, die sich seit 1945 im Deutschen funktionieren und die später ent lehnt wurden, aber die keine Synonyme im Deutschen haben und die lebenswichtigen Begriffe, Gegenstände, Erscheinungen aus Technik, Wis senschaft, Mode, Wirtschaft, Kultur, Alltagsleben bezeichnen, zur ersten Gruppe der Neologismen gehören. Sie werden als lexikalische Normen in den Wortbestand der Literatursprache und der literarischen Umgangs sprache aufgenommen, weil sie im aktiven Wortschatz des Sprachsystems einen festen Platz eingenommen haben und aufhörten, Neologismen zu sein, obschon sie noch linguistische Anzeichen der Neuheit bewahren und bestimmte außerlinguistische Konnotationen erwecken. Das sind Neologismen bestimmter Zeitabschnitte.
Zu solchen Wörtern gehören: Job, Teenager, Drink, Baby, Steak, stop pen,
testen, Test, multilateral, Party, Gerl, Boss, Chef, Boy, Killer, Green-sweet, Camping, campen, Computer und andere.
Filetsteaks muss man mit einer frischen Speckscheibe umwickeln.
Simone arbeitete schon zwei Jahre als Babysitter.
Als Teenager bricht sie die Herzen reihenweise und verlässt.
Diese Weste und das T-Shirt passen ausgezeichnet zu Jeans.
Eine große Anzahl neuer Wörter und Wendungen hat Computer ins Leben gerufen:
Heim-PC sind jetzt auf dem Markt sehr populär.
1994 werden weltweit voraussichtlich mehr CD-ROM’s verkauft als bisher zusammengenommen in der Vergangenheit.
ROM-Speichler enthalten Daten, die vom Benutzer nicht geändert wer­den können.
Hi-Fi-Fans kennen Tapedick, Decoder, Receiver, Tuner, Box, Recor der, Chat, chatten, Terminal, digitalisieren, CAD/CAM-Technik. Es lässt sich
schwer behaupten, ob sie schon zum allgemeinen deutschen Wort schatz gehören, aber dass sie allen verständlich sind und auf allen Berei chen aktiv gebraucht werden, steht fest.
Zur zweiten Gruppe der Neologismen gehören Wörter, die kurzlebig sind, und nach einer bestimmten Zeit verschwinden, sie werden durch neue gesellschaftliche Faktoren dazu gezwungen. Aus diesem “Ruhe­stand” holt man sie zu stilistischen Zwecken hervor, zur Untermalung des
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