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Файл:Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие
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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
Im Roman von Alph Scorell “Große Fische – kleine Fische” äußert sich
ein Mineralogieprofessor im Gespräch mit seiner Frau: “Du siehst, dass ich
somit das Recht zu besitzen beanspruche, die Glaubwürdigkeit der Berichte
eines solchen Blattes gebührend in ihrer Gesamtheit in Zweifel ziehen zu
dürfen.“
Das Problem der Stilzüge ist noch nicht genügend erforscht und bedarf
noch zahlreicher Untersuchungen, was vor allem die Anzahl, die Klassifi kation
und hierarchische Anordnung der nachweisbaren Stilzugbündel betreffend.
Was den Individualstil des Menschen angeht, so ist er auf allen Gebieten
kommunikativer Tätigkeit diesem oder jenem Funktionalstil untergeordnet.
Der individuelle Charakter dieses oder jenes Textes kann die Eigenart der
Textsorte ändern (manchmal bedeutend), ohne die Spezifi k des Stils im
Ganzen zu stören.
Die individuelle Verwendung muss die Spezifik des betreffenden
Funktionalstils berücksichtigen, obwohl der Sprecher bzw. Schreiber
einen gewissen Spielraum immer hat. Diese Bewegungsfreiheit wird
durch den Stil selbst bestimmt, aber jeder Stil gibt mehr oder weniger
Möglichkeiten zum Durchbruch von der Eigenart des Senders. Der
individuelle Charakter dieser oder jener Textsorte kann die Besonderheiten
der Äußerung modifizieren, doch erfolgt das im Rahmen der allgemeinen
Stilzüge und stört die Spezifik des Stils nicht (die abstrakte Rede im
wissenschaftlichen Text verwandelt sich nicht in die bildlich-konkrete).
Stilelemente
Stilelemente sind variable Sprachmittel. Sprachliche Einheiten, die den
Stil eines Textes charakterisieren, erweisen sich als fakultative Varianten
und können im Redekontext durch andere sprachliche Mittel ersetzt werden.
Die Elemente des sprachlichen Zeichensystems, die grundsätzlich variabel
sind, können also potenzielle Stilelemente sein. Sie werden beim Prozess der
Textgestaltung unter Umständen zu tatsächlichen (aktuellen) Stilelementen
(W. Fleischer, G. Michel, 1975: 12). Jeder Text enthält eine relativ große
Anzahl von Stilelementen, die man in der praktischen Arbeit am Text oft
nicht erschöpfend erfassen kann und auch nicht zu erfassen braucht.
Der Stil eines Textes wird charakterisiert nicht nur durch die in der
Rede realisierten sprachlichen Möglichkeiten, sondern auch durch das
Nichtvorhandensein bestimmter sprachlicher Mittel. Das heißt, wir müssen
uns bis zu einem gewissen Grade bewusstmachen, dass ein bestimmter
Sachverhalt auch anders als im gegebenen Fall dargestellt werden könnte.
Der Stil eines Textes ist als Ganzheit und nicht als eine Summe einzelner
Merkmale zu erfassen, denen ein stilistischer Wert zukäme. Stilelemente
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
bestimmen den Stil eines Textes und sind bei der sprachlichen Fassung
eines und desselben Sachverhalts, bei gleichbleibendem denotativem
Bezug variabel. Die Elemente des sprachlichen Zeichensystems, die solche
Variationen zulassen, sind potentielle Stilelemente (Antwort geben –
beantworten; bekommen – erhalten).
Die Möglichkeit der unterschiedlichen Wortwahl zeigt, dass es sich um
ein Stilelement der lexikalischen Ebene handelt.
Man unterscheidet:
• lexikalische Stilelemente (Fragen der lexikalischen Wortwahl);
• morphologische Stilelemente: Tempus, Modusvariationen,
Artikelgebrauch, Flexionsschwankungen in Kasus und Numerus;
• syntaktische Stilelemente: Wortfolge, Hypotaxe, Parataxe, Kernsatz,
Langsatz usw.
Charakteristik einzelner Funktionalstile
Stil des öffentlichen Verkehrs
Offi ziell-sachlicher Stil
Die soziale Funktion dieses Stils ist die Ermöglichung der offi ziellen
Verständigung zwischen den offi ziellen Behörden, öffentlichen Organisationen
und der Bevölkerung. Der offi zielle Stil ist in Amtsdokumenten, offi ziellen
Mitteilungen,Vorträgen, Ansprachen, Gesetzbüchern, Verordnungen
gebraucht.
1. Stilbildende Stilzüge sind: Sachlichkeit als einer der Hauptstilzüge des
Stils;
2. Das sachbedingte Fehlen jeder Individualität – die Unpersönlichkeit
des Stils, die Förmlichkeit, die Präzision und die Eindeutigkeit (W. Fleischer,
G. Michel, 1975: 57). Der Stil des öffentlichen Verkehrs wurzelt im alten
deutschen Kanzleistil. Der Stil ist schwerfällig, unbeweglich und wird
“Papierdeutsch” genannt. Dieser Stil ist verhältnismäßig stabil und ist in sich
begrenzt.
Stilistische Elemente
Diesem funktionalen Stil sind zahlreiche Schablonen und Klischees eigen,
die so genannte funktional gefärbte Lexik – spezielle sachliche Bezeichnungen,
darunter Termini, Fremdwörter, Formulierungen und Fachausdrücke
amtlichen Charakters erstarrte sprachliche Formel: unter Ausnutzung,
Heranziehung, zwecks, kraft, infolge, gemäß; Pronominaladverbien: hiermit,
hierfür; bestimmte Verben: erfordern, vornehmen; abstrakte Wörter auf
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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
-ung, -heit, -keit. Auch Grammatik ist sachbezogen: vielgliedrige und lange
Einfachsätze, Passiv-Konstruktionen, Partizipialgruppen, Imperativformen
als Ausdruck bestimmter Anweisungen, Überschriften, Aufforderungen.
Der Umstand, dass viele Geschäftspapiere nach allgemeingültigen
Mustern verfasst werden, erleichtert und vereinfacht ihren Gebrauch. Für die
Postanschrift besteht in jedem Land eine ganz bestimmte Form, was sowohl
für die Schreibenden als auch für die Postbeamten seine Vorteile hat. Das
sind eigentlich die sprachlichen Klischees der Geschäftskorrespondenz, die
sich nicht nur auf die Postanschriften beschränken.
Ein Beispiel eines offi ziell-sachlichen Textes:
Anbei sende ich einige Fragen zum Projekt, die noch geklärt werden
müssen, um eine qualifi zierte Bewertung zu ermöglichen.
Ist es möglich, die Themen direkt mit den Interessenten zu besprechen?
Unsere Abteilung möchte in ihrer Person die Faden in der Hand behalten.
Es könnte ein Gespräch in Moskau mit X. verabredet werden, bei dem Sie
dabei sind.
Stil der schönen Literatur
Dieser Stil stellt eine ganz besondere Verwendungsweise der Sprache dar
und seine gesellschaftliche Funktion besteht aus zwei Teilen: die ästhetische
und die kommunikative, sie fl ießen ineinander. Die schöne Literatur ist
berufen, die Wirklichkeit in künstlerischer Form widerzuspiegeln, zu den
wichtigsten Fragen des Lebens Stellung zu nehmen, die Menschen zu
erziehen.
Im funktionalen Stil der schönen Literatur können alle anderen Stile
vorkommen (wenn z. B. die Rede von den Wissenschaftlern ist oder
ein Gesuch vom Helden eingereicht wird, die Journalisten tätig sind
usw.). Das gehört zur Spezifik des Stils. Die andere Besonderheit des
Stils besteht darin, dass es der einzige Stil ist, in dem alle Redearten
vertreten sind: Autorensprache, direkte Rede, indirekte, erzählte und
erlebte Rede.
Das Spezifi sche des Stils ist Bildkraft, die in sich die Begriffe Bildlichkeit
und Bildhaftigkeit einschließt. Die Bildhaftigkeit wird durch die treffende
Wortwahl erreicht, die Bildlichkeit entsteht dank dem Gebrauch der Tropen,
die für den funktionalen Stil der schönen Literatur einen sehr wesentlichen
Stilzug bedeuten. Die höchste Variabilität des Ausdrucks ist die auffälligste
Besonderheit dieses Stils.
Die Wintersonne stand nur als armer Schein, milchig und matt hinter
Wolkenschichten über der engen Stadt. Nass und zugig war’s in den giebeligen
Gassen, und manchmal fi el eine Art von weichem Hagel, nicht Eis, nicht
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Schnee. Die Schule war aus. Über den gepfl asterten Hof und heraus aus der
Gatterpforte strömten die Scharen der Befreiten, teilten sich und enteilten
nach rechts und links (Th.Mann. Tonio Kröger).
Stil der Alltagsrede
Die gesellschaftliche Funktion dieses Stils ist die sprachliche Gestaltung des
alltäglichen Sprachverkehrs in der nicht offi ziellen Sphäre der gesellschaftlichen
Kommunikation. Die Kommunikation wird mündlich realisiert.
Die Alltagssprache ist ein ganz besonderes stilistisch homogenes
funktionales System, das von der Literatursprache abgesondert ist. Die
Literatursprache kann sich so stark von der Umgangssprache unterscheiden,
dass man sogar von zwei verschiedenen Sprachen sprechen muss.
Jedoch ist die Grenze zwischen der Literatursprache und Umgangssprache
nicht scharf, verschwommen.
Die Umgangssprache liegt nicht außerhalb der Literatursprache.
Zwei Abarten der Nationalsprache werden gemeint. Nicht zufällig ist
die Alltagslexik stilistisch so charakterisiert: salopp, grob, vulgär. Die
Stilfärbung literarisch-umgangssprachlich ist die Brücke zwischen der
Literatur- und Alltagssprache. Als Realisierungsformen der Alltagssprache
gelten Meinungsaustausch privater Natur, Urteile über die Geschehnisse und
Vorgänge in der Welt und in der nächsten Umgebung.
Für die Umgangssprache sind die besonderen Bedingungen
charakteristisch: im alltäglichen Verkehr ist das: der unmittelbare Kontakt
zwischen Gesprächspartnern, der Dialog ist hier die Hauptform des
Redeverlaufs. Der Sprachverkehr zwischen den Partnern erfolgt direkt, ohne
dass der Äußerung ein längeres Nachdenken vorausgeht und deshalb ist
die Lexik nicht im Voraus gewählt, der Charakter der Äußerung hat nichts
Offi zielles an sich. Eine große Rolle spielt die Sprechsituation und die nicht
sprachlichen Mittel: Mimik, Gestik, die Reaktion des Gesprächspartners.
Solche sprachlich nicht lexikalischen Mittel wie emotionelle Information,
Betonung, Pausen, Sprechtempo, Rhytmus spielen nicht die letzte Rolle bei
der Verwirklichung des alltäglichen Sprachverkehrs.
Die stilprägenden (stilbildenden) Züge der Alltagsrede sind:
Ungezwungenheit, Lockerheit, Konkretheit, emotionale Expressivität,
Subjektivität und Knappheit des Ausdrucks.
Die stilistischen Elemente ergeben sich aus den Besonderheiten der
Stilzüge. Für umgangssprachliche Lexik sind mannigfache Schattierungen
der expressiven Stilfärbung (oft gesenkter) typisch (Spinnen, Birne = Kopf,
Fresse – Fratze), auch Mundartwörter, Modewörter (phantastisch, kolossal,
prima), Schimpfwörter (Vollidiot), Groblexik, Flickwörter.
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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
E.G. Riesel versteht darunter Modalwörter: sicher, natürlich, klar, bestimmt;
Partikeln werden auf Schritt und Tritt gebraucht: ja, wohl, aber, nun, spezielle
fragenartige Ausdücke, die keine eigentliche Fragefunktion erfüllen: Nicht
wahr? Stimmt! Charakterisrisch sind für Alltagsrede sind Schwammwörter, d. h.
Wörter ohne konkrete Bedeutung, die als Ersetzung anderer Wörter dienen. Sie
sind bequem, weil man bei ihrem Gebrauch nicht auszuwählen braucht, sie sind
immer bei der Hand: Ding, Sache, Zeug (W.D. Dewkin, 1973).
Die Umgangssprache zeichnet sich nicht nur durch die Expressivität
der Lexik, sondern auch der Syntax aus. Bevorzugung elliptischer Sätze,
unvollständiger Sätze, eingliedriger Sätze verschiedenen Typs, Wiederholung
von Wörtern, Anakoluth (Satzabbruch), folgewidrige Satzfügung, Lockerung
und Störung der syntaktischen Verbindung zwischen den Teilen einer
Aussage. Das ist allgemeine Tendenz zur Aufl ockerung des Satzbaus in
der Umgangssprache. Nebensätze werden oft als gewöhnliche Hauptsätze
gestaltet, womit eine allgemeine Tendenz zur Vermeidung der Hypotaxe ist.
Relativ selten werden Passivsätze gebraucht. Das lässt sich dadurch erklären,
dass die Alltagsrede immer persönlich gefärbt ist. Die Morphologie weist
bestimmte Besonderheiten auf: Pluralformen auf “s” (Mädels, Jungs), Ersatz
der Genitivform durch die präpositionale Form (der Vorschlag vom Vater).
Eigenartig ist auch der Gebrauch der Zeitformen: sehr oft Perfekt statt
Präteritum, das Futurum wird selten gebraucht usw.
Die Alltagssprache ist bildlich. Bewertende Epiteta, bildhafte Vergleiche,
Methaphern, Methonymien, Hyperbeln sind oft anzutreffen. Sie dienen
meistens zum Ausdruck der emotionellen Einschätzung des subjektiven
Verhaltens.
Die Umgangssprache erfüllt außer ihrer direkten Funktion als
Verkehrsmittel auch noch andere Funktionen: in der schönen Literatur dient
sie zur Schaffung vom sprachlichen Porträts, zur realistischen Darstellung
des Lebens in einem bestimmten sozialen Milieu und als stilisierendes
Mittel im erzählenden Teil eines Buches. Durch die Gegenüberstellung der
gesenkten und gehobenen Lexik kann ein komischer Effekt erzielt werden.
Ein Beispiel der Alltagsrede:
Herr Pfeil-Matti-Ober
H. P.: Ober!
O: Komme gleich!
H. P.: Herr Ober!
O: Bitte?
H. P.: Eine Tasse Kaffee und…
O: Limo.
H. P.: Eine Lemonade. Haben Sie Kuchen?
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
O: Apfelkuchen, Zwetschgenkuchen, Schokoladentorte.
M.: Einen Zwetschgenkuchen möchte ich.
O.: Oder heiße Würstchen? Oder ein Schinkenbrot?
O.: Klar! Ein Schinkenbrot!
H. P.: Also, Matti, bitte, was möchtest du – den Kuchen oder das
Schinkenbrot?
M: Beides.
H. P. Was?
M: Den Kuchen mit Schinkenbrot!
H. P. O Gott! Also, Herr Ober, bringen Sie zwei Zwetschgenkuchen und
ein Schinkenbrot.
O: Bitte, gern.
Stil der Presse und Publizistik
Die soziale Funktion dieses Stils ist die Informierung und
Beeinflussung (Agitation und Propaganda). Der Zeitungsstil informiert
die Massen über alles Neue, über aktuelle Ereignisse in der Politik,
im Gesellschaftsleben in aller Welt. Hierzu gehören beliebige aktuelle
Gegenwartsfragen, die jeden interessieren: politische, ökonomische,
moralische, philosophische, Fragen der Kultur und Erziehung und des
Alltagslebens.
Der publizistische Stil ist der Stil der sozialpolitischen Literatur, der
politischen Ansprachen, Versammlungsreden usw. Den Leser/Hörer zu
beeinfl ussen, bei ihm eine bestimmte Meinung zu gestalten, ihn für sich zu
gewinnen ist die Funktion der Publizistik.
Der Zeitungsstil zeichnet sich vor allem durch die Aktualität der Thematik
(daher die Benennung “die Tagespresse“) aus.
Die stilistischen Elemente hängen mit den aufgezählten Stilzügen
zusammen.
Das Vorhandensein der Lexika aus allen anderen funktionalen Stilen: aus
dem wissenschaftlichen, offi ziell-sachlichen, umgangssprachlichen und dem
Stil der schönen Literatur, was durch die Vielfalt der Themen und Genres
bedingt ist:
• Realienbezeichnungen (Namen, Titel, Orts, Zeitangaben);
• Sozial-politische Lexik und Phraseologie;
• Gesellschaftlich-politische Termini;
• Neologismen aller Art (semantische Neologismen und
Neuprägungen), die in der Zeitung oft zum ersten Mal erscheinen.
Die Zeitungssprache ist selbst sprachschöpferisch;
• Modewörter;
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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
• Schlagwörter. Besonders in den Überschriften sind sie aktuell, da
sie sofort auffallen und Interesse bei dem Leser wecken;
• Fremdwörter und Entlehnungen, Anglo-Amerikanismen, die
deutsche Sprache überfl uten, erscheinen oft zuerst in den Zeitungen;
• Emotional gefärbte Lexik, oft umgangssprachliche Lexik gehört
zum Pressestil.
Was die syntaktische Seite des Zeitungsstils betrifft, so muss man in erster
Linie zahlreiche sprachliche Klischees und Schablonen erwähnen. In der
Zeitungssprache wimmelt es von Schablonen – von ganzen kleineren Sätzen.
Die Zeitung greift oft zur Inversion, besonders in den Überschriften und
Schlagzeilen, um logisch zu betonende Worte in den Vordergrund zu rücken.
Die elliptischen Sätze besonders in den Überschriften und Schlagzeilen
fesseln die Aufmerksamkeit des Lesers.
Die Frage- und Ausrufesätze sind in der Zeitung emotional gefärbt,
besonders rhetorische Fragen. Genitivische Ketten, das Auslassen des
Artikels und der Hilfsverben erklärt sich als Sprachökonomie, was für die
Zeitungssprache sehr wichtig ist.
FDP zur SPD öffnen!
Die Ära Helmut Kohl geht zu Ende, der Trend für die Unions-Parteien
weist nach unten. Um nicht in diesen Abstiegssog zu geraten und als reines
Anhängsel der Unions-Parteien angesehen zu werden, müssen die Liberalen
noch vor der Bundestagswahl ’98 Abstand gewinnen. Die ersten Signale in
dieser Richtung gibt es: In Hamburg hat die FDP vergangene Woche eine
Koalitionsaussage zu Gunsten der SPD gemacht.
Stil der Wissenschaft
Die gesellschaftliche Funktion des wissenschaftlichen Stils besteht in
der Vermittlung von Erkenntnissen, Gesetzen, Erörterung von Problemen,
in der Erklärung der Erscheinungen der Umwelt exakt und erschöpfend, in
der Darlegung von Tatsachen und Beweisen, Erschließung der historischen
Gesetzmäßigkeiten.
Der wissenschaftliche Stil gehört zu den “Buchstilen” der Literatursprache.
Die stilbildenden Züge dafür sind: die Logik – sein obligatorischer Stilzug,
mit dem andere charakteristische Merkmale verbunden sind – die Klarheit,
die Folgerichtigkeit; die Sachbezogenheit und Präzision, die unmittelbar
mit genauen Difi nitionen verbunden ist; die Abstraktion; die logische
Expressivität; das Fehlen der emotionalen Expressivität; die Objektivität.
Die Logik dominiert in diesem Stil im Aufbau und in der Aufgliederung
der Texte, in Arten der Verbindung zwischen einzelnen Teilen des Textes, im
Charakter der Schlussfolgerungen usw.
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Jede Aussage im wissenschaftlichen Stil ist gut durchdacht, trägt immer
monologischen Charakter, die sprachlichen Mittel sind streng ausgewählt. Es
liegt die Tendenz zur normierten Sprache vor.
Entstehung und Entwicklung des wissenschaftlichen Stils hängen mit der
Entwicklung verschiedener Wissenszweige zusammen. Der wissenschaftliche
Stil umfasst verschiedene Zweige der Wissenschaft: Naturwissenschaften,
Gesellschaftswissenschaften, exakte Wissenschaften. Er gestaltet sich als
Ganzes, mit stark ausgeprägten Besonderheiten.
Der wissenschaftliche Stil hat verschiedenes Genre der Aüßerung. Das
sind: Monographie, wissenschaftlicher Beitrag, Referat, Lehrbuch usw.
Der Charakter der Aussage ist anders in physikalischen, chemischen,
mathematischen, philosophischen, philologischen, geschichtlichen
Texten. Hier hat Stilistik mit den Subtexten oder Substilen oder Textsorten
zu tun.
Stilistischen Elemente des wissenschaftlichen Stils
Der wissenschaftliche Stil spiegelt sich in der Regel in der Auswahl
der Lexik, die man oft als trocken zu bezeichnen pflegt, wider.
Wissenschaftliche Texte enthalten viel spezielle, funktionalgebundene
Lexik: Termini, terminologische Wortverbindungen, Realienbezeichnungen. Ihre Verwendung dient der präzisen Vermittlung des
wissenschaftlichen Inhalts. Viele wissenschaftliche Termini sind
Fremdwörter, Internationalismen.
Von großer Bedeutung für diesen Stil ist die abstrakte Lexik, abstrakte
Substantive, die zur Bezeichnung abstrakter, wissenschaftlicher Begriffe
dienen.
Strukturell treten als eine wissenschaftliche Charakteristik des
wissenschaftlichen Stils Komposita auf; zusammengesetzte Substantive
stehen im Dienst der Präzision, auf solche Weise offenbart sich die Tendenz
zur Sprachökonomie, zahlreiche Substantive mit dem Suffi x -ung und
Sprachformen prägen den Stil der Wissenschaft.
Das Vorherrschen substantivischer Termini gehört zu den Hauptmerkmalen
der lexikalischen Ebene der wissenschaftlichen Abhandlung, aber weitgehend
werden auch Adjektive gebraucht, die einen Begriff durch Hinweis auf seine
Merkmale präzisieren und auf solche Weise eine terminologische Funktion
erfüllen.
Im großen und ganzen ist die Syntax des wissenschaftlichen Textes
strukturell komplizierter. Was die Morphologie betrifft, so wird aus
allen Varianten knappere Form gewählt (auch aus den Gründen der
Sprachökonomie).
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TEIL I. GRUNDFRAGEN DER STILISTIK
Die Tendenz zur Nominalisierung tritt deutlich auf. Passivsätze
(zweigliedriges Passiv) werden im Dienst der Unpersönlichkeit gebraucht,
die charakteristisch für den wissenschaftlichen Stil ist.
So mag das Buch ein Beitrag sein zu einer Spielart sozialer Wissenschaft,
die den Widerspruch in ihrem Tun, nämlich von ihren Gegenständen
überfordert zu sein und ihre Identität als “fühlende Sozialwissenschaft”
suchen zu müssen, nicht verleugnet. Und darin liegt nun auch der Grund,
weshalb wir in diesem Buch die These vertrete und praktisch erproben,
Wissenschaft als Aüßerung müsse sich dergestalt “sozialisieren”, dass sie
sich an die Gattung literarischer Sprache annähern kann.
Werbesprache
Trotz der oben angeführten Argumente gegen eine Eingliederung der
Werbesprache in die Reihe der funktionalen Stile, seien an dieser Stelle
einige Charakteristika dieses Redegenres aufgezählt.
Die Werbesprache hat eine bestimmte stilistische und pragmatische
Funktion: den privaten Verbraucher der Waren zu überzeugen, ihn für die
Waren dieser Reklame zu gewinnen.
Die Werbung entwickelte sich in ihrer heutigen Form am Ende des 19.
und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Aufschwung der industriellen
Produktion in den letzten Jahren hat die Werbung mit sich gebracht. Sie
ist zu einem selbstständigen Wirtschaftszweig geworden und wird mit
wissenschaftlichen Methoden betrieben. Hunderttausende leben heute von
ihr und für sie. Sie wird an Schulen und Universitäten gelehrt. Die Werbung
in Presse, Rundfunk und Fernsehen ist heute der große Vermittler zwischen
dem Erzeuger und Verkäufer von Waren und dem privaten Verbraucher.
Sie hilft die Erzeugnisse verkaufen und zwar mit folgenden Aufgaben:
sie muss erstens mit einer Erzeugnis oder einer Leistung bekanntmachen,
Bekanntheit aufrecht erhalten. Absatz des Produktes soll gefördert werden,
indem dafür geworben wird.Eben das wird als soziale Funktion der
Werbung angesehen.
Damit kann man sich unseres Erachtens jedoch nicht einverstanden erklären.
Diese Funktion ist keine gesellschaftliche, sondern rein pragmatische Funktion.
Ferner haben wir noch einiges gegen die Ausgliederung der Werbesprache in einen
funktionalen Stil einzuwenden. Außer der gesellschaftlichen Funktion zeichnet sich
jeder funktionale Stil durch ein zusammenhängendes System der phonetischen,
morphologischen, syntaktischen und lexikalischen Mittel aus. Das System fehlt
der Werbesprache, besonders in Phonetik und Syntax. Die Syntax ist in diesem
Zusammenhang kein geeignetes Untersuchungsfeld für die Sprachforscher, weil
die Werbesprache sozusagen keine “normale” Syntax aufweist und außerdem bietet
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
die Reklamesprache wegen ihrer kurzen zusammenhängenden Texte zu wenig
Material. Die Sätze sind unvollständig, öfters fehlt das fi nite Verb. Oft kommen
nur einzelne Wörter und Bilder vor. Gerade Bilder ersetzen oft die Sprache fast
gänzlich, sodass der Text in einer Anzeige nicht mehr dominierend ist und die
Verbindung von Bild und Text nach außerhalb des linguistischen Feldes führt.
Außerdem sind dem funktionalen Stil alle Merkmale der Sprache als
System eigen außer der universalen Verwendung.
Die Werbesprache hat dagegen universale Verwendung und stellt kein
System dar. Das widerspricht der Herausbildung der Werbesprache als
funktionalen Stil.
Die Werbesprache weist keine Stilzüge des funktionalen Stils auf, in
dem sie auftritt. Das gibt uns den Anlass, die Werbesprache bloß als ein
Redegenre, die außerhalb des Systems der funktionalen Stile liegt.
Analog zu der funktionalen Stilistik entwickelt sich neuerdings eine
pragmatisch-linguistisch orientierte Stilistik (B. Sandig, 1986), die den
Sprachstil als eine durch kommunikative Faktoren, bedingte Redeform
auffasst. Aus der Sicht der pragmatischen Stilistik lässt sich die Werbesprache
als Redeform oder Redegenre bezeichnen, die nach unserer Meinung
außerhalb den funktionalen Stilen liegt.
Die sehr vielseitige Werbesprache bereichert die allgemeine
Literatursprache und Umgangssprache. Die erwähnten Ausdrücke: Alles
palletti, manoli, baureif, sendereif, tropfnass, wasserdicht usw. sind in die
Umgangssprache eingedrungen.
Auch Neologismen aller Art erscheinen in der Werbung: solche
Neuprägungen wie: Allzwecktisch, Verwandlungstisch, Abwaschtisch,
Wandhängemöbel. Besonders expressiv sind Adjektive: seidenzart,
fi gurgünstig, hautsympatisch, vitaminfrisch, kochfest, knitterarm, löffelfertig,
diebstahlsicher, kniefrei, halsfrei, wartungsfrei, staubfrei, schlüsselfertig.
Eine besondere Rolle kommt den Anglo-Amerikanismen in der
Werbesprache zu.
Im Allgemeinen ist man in der Werbung bestrebt, die Sprache und ihre
Mittel möglichst wirkungsvoll zu gestalten. Die Sprache muss “Farbe
besitzen”, der Werbetexter muss “zündende Anzeigen” schreiben und er wird
aufgefordert, spannende, packende und interessante Werbetexte zu diesem
Zweck zu verfassen. Das Fremde, Neue, Ungewöhnliche gewinnt schnell
das Ohr und Herz. Die Werbesprache wird durch werbepsychologische
Faktoren bestimmt. Mehrere Forscher weisen darauf hin, dass sich dabei
die Fremdwörter und insbesondere die englischen Fremdwörter sehr
günstig auf den Umsatz auszuwirken scheinen. Sehr oft werden die Marke
und die Ware zu einem Organismus (Cadillak, Coca-Cola usw.).
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