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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL IV. MITTEL DER BILDKRAFT
Dieses Stilistikum lässt sich aus unterschiedlicher Sicht betrachten und systematisieren; und zwar was das Wesen und die pragmatische Wir kung der Vergleiche betrifft, wie sie verbreitet und wie sie strukturell be schaffen sind.
Man unterscheidet:
Vergleiche auf Grund direkter Bedeutung, welche bloß der sachli­chen Veranschaulichkeit dienen (z.B: rational präzisierende, reale Vergleiche in der wissenschaftlichen Prosa, im Alltag, in der Publi­zistik). Sie können als Mittel der Bildhaftigkeit angesehen werden.
Vergleiche, welche auf Grund uneigentlicher metaphorischer Be­deutung entstanden sind. Sie sind bildlich, meistens hyperbolisch, emotional und subjektiv.
Wie eine Natter schlängelt sich der Fluss durch das Tal (W. Borchert.
Draußen vor der Tür)
Der Vergleich hat hier einen poetischen Charakter, weil er eine Per-
sonifi kation in sich birgt.
SCHNEEWITTCHEN
Ein Auszug aus dem Märchen
Es war mitten im Winter und die Schneefl ocken fi elen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger und es fi elen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich: “... hättʼ ich ein Kind so weiß wie Schnee. so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz, an dem Rahmen” . Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz und ward darum Schneewittchen (Schneeweißchen) genannt...”
Die drei Vergleiche fügen sich hier zusammen zu einem Gesamtvergleich mit dem Kopf des Mädchens: schwarze Haare, weiße Haut, rote Lippen.
Für das Märchen und seine Tradition ist natürlich dann der Name wichtig, der seinerseits ein “sprechender”, sprachlich motivierter Name ist. Im Märchen ist das nicht selten der Fall: derselbe Name noch einmal in “Schneeweißchen und Rosenrot”.
Aus der Sicht der Häufi gkeit und der Verbreitung der Vergleiche un- terscheidet man gemeinsprachliche (allmählich verblassende), individuelle (okkasionelle) und verblasste Vergleiche. Für die Stilistik ist die zweite Gruppe von großer Bedeutung. Auf Einmalbildungen solcher Art stoßen wir in verschiedenen Stilen, öfter aber im Alltag und in der schönen Lite ratur.
Schicka sah wahrhaftig aus – hier wollte die abgegriffene Redewendung her – wie einer, der nicht bis drei zählen kann. (H. Kant. Die Aula)
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Beachten wir neben dem Vergleich auch die parenthetisch eingescho­benen Kommentare des Erzählers.
Die Gottgläubigkeit umschloß das Denken der Menschen wie eine Hau be.
(Aus einem wissenschaftlichen Artikel)
Ein Beispiel aus der Zeitung: Der Imperialismus be ndet sich also ge-
genwärtig in der Lage eines Hamsters in seiner Lauftrommel: Ersetzt sich al­lerhand in Bewegung, aber er kann seine eigentliche Position nicht verändern.
Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. (Ztg.)
Ein großer Meister der Vergleiche ist E. Strittmatter. Die Vergleiche hel­fen ihm, den Aussagen Leben einzuhauchen und für den Leser plastische Vorstellungen zu schaffen. Oft dienen sie zur Personencharakterisierung. Bei der satirischen Beschreibung leistet der Vergleich dem Schriftsteller gute Dienste, z. B. die Hände wie Geierkrallen (E. Strittmatter “Ole Bienkopp“).
Die Begriffe, die im Leben keine engeren Beziehungen zueinander aufweisen, steigern die Aussagekraft. In diesem Fall ist der Vergleich wit zig. Ein treffender Vergleich trägt zur Knappheit und Zuspitzung des Aus drucks bei, zur Sprachökonomie.
Man bezeichnet den Vergleich als einen lexisch-grammatischen Tro pus, weil er eine Abart von Attribut oder Adverbiale darstellt (im Unter schied zur Metapher oder Metonymie, die als lexische Ausdrucksmittel bezeichnet werden). Die stilistische Leistung der Vergleiche hängt vom Kontext und dem betroffenen funktionalen Stil ab. Wenn sie belehrende Tendenzen zeigen und dabei zu ganzen Bildern erweitert sind, heißen sie – nach der traditionellen Terminologie der Stilkunde – Gleichnisse.
EIN SPIEL MIT VERGLEICHEN
Aus: Max Frisch “Homo Faber“
Vom Schlafen keine Rede! Ich habe ja nicht gedacht, dass die Nacht in Griechenland so kalt sein würde, eine Nacht im Juni, geradezu nass. Und dazu keine Ahnung, wohin er uns führen wird, ein Saumpfad zwischen Fel­sen hinauf, steinig, staubig, daher im Mondlicht weiß wie Gips. Sabeth fi n- det: Wie Schnee! Wir einigen uns: Wie Joghurt! Dazu die schwarzen Felsen über uns: Wie Kohle! fi nde ich, aber Sabeth fi ndet wieder irgendetwas ande res, und so unterhalten wir uns auf dem Weg, der immer höher führt. Das Wiehern eines Esels in der Nacht: Wie der erste Versuch auf einem Cello! fi ndet Sabeth, ich fi nde: Wie eine ungeschmierte Bremse! Sonst Totenstille; die Hunde sind endlich verstummt, seit sie unsere Schritte nicht mehr hören. Die weißen Hütten von Korinth: Wie wenn man eine Dose mit Würfelzucker ausgeleert hat! Ich fi nde etwas anderes, bloß um unser Spiel weiterzuma chen. Eine letzte schwarze Zypresse: Wie ein Ausrufzeichen!
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ndet Sabeth, ich bestreite es; Ausrufzeichen haben ihre Spitze nicht oben, sondern unten. Wir sind die ganze Zeit gewandert. Ohne einen Menschen zu treffen. Einmal erschreckt uns Gebimmel einer Ziege, dann wieder Stille über schwarzen Hän gen, die nach Pfefferminz duften, Stille mit Herzklopfen und Durst, nichts als Wind in trockenen Gräsern: Wie wenn man Seide reißt! fi ndet Sabeth, ich muss mich besinnen, und oft fällt mir überhaupt nichts ein, dann ist das ein Punkt für Sabeth, laut Spielregel. Sabeth weiß fast immer etwas. Türme und Zinnen einer mittelalterlichen Bastion: Wie Kulissen in der Opera! Wir gehen durch Tore und Tore, nirgends ein Geräusch von Wasser, wir hören das Echo unserer Schritte an den türkischen Mauern, sonst Totenstille, so bald wir stehen. Unsere Mondschatten: Wie Scherenschnitte! fi ndet Sabeth. Wir spielen stets auf einundzwanzig Punkte, wie beim Pingpong. dann ein neues Spiel, bis wir plötzlich, noch mitten in der Nacht, oben auf dem Berg sind. Unser Komet ist nicht mehr zu sehen. In der Ferne das Meer: Wie Zinkblech fi nde ich...
Diese Anhäufung von Vergleichen haucht die besondere Atmosphäre im Text ein, erhöht die stilistische Wirkung, den besonderen Ausdrucks wert ein.
Oft haben die Vergleiche satirischen Charakter: Die Zahl der Göttingen
Professoren war so groß wie Sand oder wie Kot am Meer.
In meinem Magen sah es so nüchtern aus wie in der Goslarschen Kirche.
(H. Heine. Die Harzreise)
Die Faust geballt, die Zeigefi nger wie eine Pistole ausgestreckt...
Entlegene und unerwartete Vergleichsbegriffe sind der Satire besonders dienstbar.
Der Vergleich besitzt immer einen bewertenden Charakter (wenn z.B. Hans Fallada die Hände eines Nazisten mit den Krallen eines Geiers ver­gleicht), was die Durchschlagskraft des Bildes erhöht. Für diese Art der Vergleiche sind die Bildlichkeit und die Bildhaftigkeit ausschlaggebend, die pragmatische Wirkung auf den Empfänger ist stark.
Der Mensch ist nichts als eine Luftblase.
Mittel der Bildlichkeit
Metapher
Die Metapher (griech. metaphorein “hinübertragen, anderswohin tra- gen”) ist ein sprachlicher Ausdruck, bei dem ein Wort (eine Wortgruppe, ein Satz, ein Textfragment) aus seinem Bedeutungszusammenhang in ei­nen anderen übertragen und als Bild verwendet wird. Ihr pragmatischer Wert und stilistische Wirkung resultieren aus der Zusammenschau zweier Dinge, Erscheinungen bzw. Sachverhalte, die durch ein gemeinsames
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Merkmal (tertium comparationis) zueinander in Verbindung stehen (Ähn-
lichkeitsbeziehung).
Auf dem Zusammenwirken von Grund- und Übertragungsbegriff (zwei Assoziationslinien) beruhen der semantische Mehr- und der stilis­tische Ausdruckswert der Metapher. Im ersten Fall geht es um gedankli che Konnotationen, im zweiten um emotional-bewertende.
Der stilistische Zweck der Metapher besteht in der Veranschaulichung, Verdichtlichung, in der Hervorhebung eines Wesensmerkmals, in ästhe tischer Wirkung (Poetizität), in inkonventioneller Sicht auf Denotate (Expressivität) und ferner in der emotionalen Verstärkung und meliorativer oder pejorativer Bewertung.
Bevorzugte Verwendungsbereiche der Metapher sind Alltagsrede und Journalistik (emotional-bewertende Funktion), sowie die Belletristik (äs­thetische Wiederspiegelung der Wirklichkeit).
In der modernen schöngeistigen Literatur werden die Metaphern we niger als noch im 19. Jh. benutzt. Hier gibt es aber große individuelle Unterschiede.
Nach Häufi gkeit und Verbreitung unterscheidet man individuelle, ge- meinsprachliche, okkasionelle und verblasste Metaphern, nach Struktur – knappe, erweiterte und ausgebaute Metaphern.
In der Standardsprache gebraucht man als Oberbegriff für das uneigentliche Sprechen gewöhnlich den Begriff Metapher, in der wissen- schaftlichen Poetik und Rhetorik ist der übergeordnete Begriff Tropus oder Trope (griech. tropos “Wendung, Richtung”) gebräuchlich.
Metapher (griech. metaphorein “hinübertragen“): ein Wort wird nicht in seiner wörtlichen Bedeutung gebraucht, sondern in einen anderen Kon­text gestellt, wobei es von seiner Grundbedeutung etwas in den neuen Kontext mitnimmt: Achill ist ein Löwe in der Schlacht. (Aristoteles, “Poe­tik”; übertragen werden der Mut und die Kraft des Löwen, des Herren der Tiere – ebenfalls eine Metapher, jetzt aus der Menschenwelt in die Tierwelt übertragen). In der Wertigkeit ganz anders: Achill das Vieh... (Christa Wolf, “Kassandra”; übertragen wird das Bestialische vom Tier auf den Menschen).
Entscheidend ist, dass es sich bei der Metapher um ein Kontextphä nomen handelt. Die “Übertragung” geschieht im Text; deshalb spricht man vom
metaphorischen Prozess.
Der Begriff Metapher wird standardsprachlich als Oberbegriff für bild­hafte Ausdrücke schlechthin verwendet; im engeren, wissenschaftlichen Sinn sind Metaphern nur dann gegeben, wenn aus einer Bildsphäre in die andere übertragen wird: Wurzel allen Übels, Abgrund von Bosheit, bitteres Los.
Metaphern sind sprachliche Bilder, die zu übertragenen Bedeutun gen von Wörtern werden können, z. B., wenn das Wort Bein nicht nur die Gliedmaße
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bedeutet, sondern ’Tischbein, Stuhlbein, Stativbein’ oder wenn die Haube nicht mehr auf dem Kopf der Krankenschwester sitzt, sondern den Motor des Autos bedeckt. Hier wird jeweils ein Teil der ursprüngli chen Wortbedeutung in den neuen Kontext hinübergetragen. Metaphern werden in der Dichtung wie in der täglichen Rede benutzt. Die bildhaf ten Ausdrücke der Redensarten und Sprichwörter sind ursprünglich Me taphern.
Es folgen einige Typen, bei denen ein Teil der Wirkung aus dem Ty pus der miteinander in Verbindung gebrachten Bildbereiche entsteht; das Wichtigste bleibt ein individuelles Bild.
Übertragungstypen (Ersetzungstypen, Substitionstypen)
Übertragung (Konkretes auf Abstraktes): blitzgescheit, strohdumm, Quelle der Hoffnung, Gedächtnis wie ein Sieb, der Zahn der Zeit...
Übertragung (Abstraktes auf Konkretes), kommt nur selten vor:
Algebra der Hebe...
• Übertragung (Belebtes auf Unbelebtes): Maus für Computerbedie- nungsgerät, Drahtesel für Fahrrad...
Übertragung (Unbelebtes auf Belebtes): steinalt, Fels in der Bran-
dung...
Übertragung (Menschliches auf Nicht-Menschliches) = Personi­ kation (siehe unten): Löwe als König der Tiere...
Übertragung (Nicht-Menschliches, z. B. Tierisches oder Pfl anzli- ches, auf Menschliches): siehe Beispiele oben, weiter: Hahn im
Korb, Pechvogel oder auch viele Schimpfwörter wie Affe, Rindvieh, Kamel, Hundsfott... Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Mauer­blümchen, Glückspilz...
Wirkungstypen
verblasste Metaphern nennt die Stilistik solche, die als Polyseme lexikalisiert oder Phraseologismen sind: der Weg in die Zukunft, Tischbein, Stuhlbein, Schlafmütze (Spätaufsteher), die oben erwähn­ten Schimpfwörter: Schwein, Esel. Solche Metaphern wie Abrech- nung, Galgen-Strick, Flimmer-Kiste (W. Porzig, 1957).
tote Metaphern nennt man solche, die ebenfalls verblasst, aber noch nicht in gleicher Weise lexikalisiert sind, oder Phraseologismen sind wie Hüter des Gesetzes für Polizei; sie wirken kaum noch.
gemeinsprachliche Metaphern: schwarzes Geld (Öl), weißer Tod (He roin); Venus (Liebe) macht blind.
kühne Metaphern (okkasionelle, individuelle) nennt die Stilistik sol che, bei denen ungewöhnliche Verbindungen hergestellt
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werden, ge nannt wird häufi g die schwarze Milch der Frühe aus Paul Celans “To desfuge“; hier wird das Todesmotiv schwarz über das Merkmal der Farbe, und zwar der gegensätzlichen (Milch ist weiß), in den inners ten Bereich des Lebens übertragen, und zwar des beginnenden Le bens, das noch alles vor sich hat (Milch als Nahrungsmittel der Säug linge; die Frühe zugleich der beginnende Tag und das beginnende Leben); in der “Todesfuge” sind Farbwörter bedeutsame Stilmittel.
Als besondere stilistische Leistungen gelten die okkasionellen (indivi-
duellen) Metaphern.
Franziska ist Schwarzhörerin. (B. Reimann. Franziska Linkerhand), d. h. sie hört verbotene BBC-Sendungen. Schwarzhörerin ist metaphori sche Einmalbildung unter Benutzung des Wortes schwarz im Sinne ille gal. Auf Grund der Analogie – Schwarzmarkt, Schwarzreisen. Das ist eine knappe Metapher.
Deutschland, meine Trauer (R. Becher).
Feldmarschall E. Rommel wurde während des zweiten Weltkrieges “Wüstenfuchs” genannt.
Die unten angeführten Metaphern sind erweiterte Metaphern:
Die Lichtbänder tigerten die Möbeln (B. Reimann. Franziska Linkerhand).
Die Götterdämmerung bricht an für die panische Atmosphäre vor der
Kapitulation 1945 (B. Reimann. Franziska Linkerhand). Übertragung nach der Bedeutung: Ende, Untergang der Welt.
Die ausgebauten Metaphern:
Du bist mein Himmel, meine Welt
der tiefe Wald, das tiefe Feld
unendlich nah, unendlich weit Geliebte!
Und wenn einmal von mir gehst,
und meine Welt nicht mehr verstehst...
dann bin ich Asche, bin ich Staub,
ein dürres Holz, ein welkes Laub. (Chanson)
Ihm gegenüber saß mit gefalteten Händen auf dem Nachrichtenblatt des Vatikans, ein Mann dem Obervatoro romano, ein Mann ohne Unterkörper, ein menschlicher Torso mit schulterlangen, rötlich schimmernden Haaren, der nickend seine Hand ausstreckte, wenn ihm ein mitleidiger Passant einen Geldschein oder eine Münze reichte. (Josef Winkler. Natura Morta. Eine
römische Novelle)
Anschließend kann man sagen, dass die getäuschte Erwartung, die bei der Übertragung entsteht, die Spannung schafft. Darin besteht ihr be sonderer stilistischer Zweck. Als auffälliges Stilmittel muss die
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Metapher zur hohen Anschaulichkeit und Wirksamkeit, Eindringlichkeit und Klar heit des ausgesprochenen Gedankens beitragen, sonst werden unnütz sti listische Energien verpulvert, und das Stilmittel wird abgewertet.
Die Metapher wird in der modernen Werbesprache gern gebraucht:
Unser silbernes Kamel (Werbung der Saudi Arabien Airlines)
Die Beine Ihres Autos (Reifen-Werbung)
Der beste Ort – Geld anzulegen, ist immer noch eine schöne Frau. Citroen – Intelligenz auf Rädern.
Das ist die Sonne, die wir brauchen (Orangengetränk Cappy)
Metaphern werden in allen funktionalen Stilen gebraucht.
Gehen wir über zur Wissenschaft, zu Fach-, Sachtexten, zur Publi­zistik und Zeitung. Schon in wissenschaftlichen Terminologien fi nden sich lexikalisierte Metaphern. Einige Beispiele:
In der Sprachwissenschaft spricht man von Wortstamm, Wurzel und Wortfamilie. Hinter diesen Begriffen steht eine – heute überholte – Auf­fassung von Sprache als einem organisch wachsenden Gebilde.
In der Wirtschaftssprache kennt man das Wachstum und dann sogar das – sprachlich unsinnige – Null-Wachstum, das auf allerhand wirtschaft liche Prozesse und Daten angewendet wird.
Die Physik arbeitet mit der Feldmetapher Magnetfeld die Sprach­wissenschaft auch mit Wortfeld.
Über die Mäuse und das Surfen im Internet (Netzmetapher) der Com­putersprache schrieben wir schon; dann gibt es auch Speicher, Datenbank, Drucktreiber, Fenster, Kopf- und Fußzeilen und einen Anker (Position im Text für den Einbau einer Grafi k) usw.
In der Medizin übersetzt mm Appendix mit Blinddarm und den Bruch des Unterarms bei einem Kind Grünholzbruch.
In der Presse: Am Abend zuvor hatte Lothar de Maiziere; DDR-Minis- terpräsident, bei einem Festakt im Ostberliner Schauspielhaus in einer Rede zum Ende der DDR und zum Beitritt u. a, die Worte benutzt: ein Abschied
ohne Tränen; Wir stehen an der Schwelle einer neuen Zeit. “April wetter in Belfast” – so lautet die Überschrift.
Katachrese
Die Katachrese (griech. katachresis “Missbrauch”): Füllen einer Lü­cke in einem Gesamtzusammenhang durch eine Metapher, häufi g aus Sprachnot gebildet und lexikalisiert zu Polysemen (siehe oben): Arm und Bett des Flusses, Bein des Stuhls und Tisches, Fuß des Sessels, Schrankes und Berges usw.
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Sonderformen der Metapher
Nach dem Verhältnis des Übertragungsbegriffes zum Grundbegriff hält man folgende Sonderformen der Metapher auseinander: die Personifi zierung, die Allegorie, die Synästhesie auseinander.
Personifi zierung
Die Personi zierung ist die Vermenschlichung der Nichtlebewesen und Gegenstände. Mit ihrer Hilfe können Gegenstände oder Vorgänge anschau­lich erlebbar dargestellt werden, indem sie auf Unbelebtes, Eigenschaften, Gefühle oder Handlungsweisen belebter Wesen übertragen werden.
E. Strittmatter schreibt in “Hundert Kleingeschichten“: Es wurde Abend.
Der Himmel leuchtete grüngolden und ein sanfter Wind trieb Wolken hauchfein, wie weiße Seidentücher vor sich her.
Der Wind wird vermenschlicht, indem ihm Eigenschaften menschli chen Wesens zugesprochen werden.
Frei geht das Unglück durch die ganze Erde. (F. Schiller)
Der Frühling lässt sein blaues Band wiederfl attern durch die Lüfte.
(Mörike)
Die Fenster gähnen. Die Tür miaut. (W. Borchert)
Die Personifi zierung lässt Gegenstände oder Vorgänge plastischer er- scheinen. Mit Hilfe der Personifi zierungen kann die emotionale Aussa gekraft verstärkt werden.
Aber seine Gedanken waren lahm und stolperten wie betrunken. (St. Zweig. Brennendes Geheimnis)
Draußen aber stand schon die Angst, ungeduldig sie anzufassen... (St. Zweig. Angst)
Die Personifi zierung fi ndet sich vor allem in der schönen Literatur, besonders in der Lyrik. Aber sie kommt auch in wissenschaftlichen Tex ten vor: Die Pest zog durch das Land; Der Tod hauste in den Städten.
Die Alltagssprache ist von den Personifi zierungen voll: jemand wird von
einer tückischen (anstatt von einer gefährlichen) Krankheit überfal len; Das alte Jahr nimmt Abschied, das neue Jahr zieht ein; Das Glück ist blind; Die Sonne lacht.
Die Personifi kation wird erfolgreich auch in der Werbesprache ge braucht:
Das Shirt hat sechs Semester Eiscream studiert; Auf Vogel ist Verlass; Fiat-Autos mit Witz und Verstand; Camel Filter. Eine Zigarette geht um die Welt; Renni räumt den Magen auf (Arznei).
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Allegorie
Die Allegorie (griech. allegoria “Sinnbild“) ist eine besondere Form der Personifi zierung von abstrakten Begriffen und Ideen. Manche tradi- tionellen Allegorien sind tief in der deutschen Sprache verankert Frau Sorge,
Sensenmann als Tod, der schöne Jüngling als Frühling; mit Frauen namen Marie (dt.) und Liesel (österr.) wird die Sonne bezeichnet.
Mit Hilfe der Allegorie kann eine Verallgemeinerung bildlich erfasst und ausgedrückt werden, indem sie körperhaft vorgestellt wird.
Junker Jugend ist bald dahin.
Justizia malt selten gleichmäßig.
Die Allegorie kann dazu dienen, die Wirklichkeit genauer zu erfassen und durchschaubar zu machen.
Die Mädchen waren sehr beweglich um die vornehmste Dame und schwatzten viel untereinander. “Ich habe noch mehr gemüht wie du, liebe Sittlichkeit”, sagte die Eine, “aber ich heiße auch und zwar die Schöne”. Die Sittlichkeit wurde etwas blass und die Tränen schienen ihr nahe zu sein. “Ich war gestern so tugendhaft”, sagte sie, “und machte immer größere Fort­schritte in der Anstrengung. Ich habe genug an meinen eigenen Vorwürfen, warum muss ich noch welche von dir hören?”
Eine andere, die Bescheidenheit, war neidisch auf sie, welche sich “die schöne Seele” nannte und sprach: “Ich bin böse mit dir, du willst mich nur als Mittel brauchen.“
Die Dezent, die sie die arme öffentliche Meinung so hilfl os auf dem Rü- cken liegen sah, vergoß zweieinhalb Tränen, und gebürdete sich dann auf eine interessante Weise das Auge zu trocknen, welches aber gar nicht mehr nass war. “Wundre dich nicht über diese Offenheit», sagte der Witz. “Sie ist weder gewöhnlich noch willkürlich. Die allmächtige Fanfarie hat diese we senlosen Schatten mit ihrem Zauberstabe berührt, damit sie ihr inneres of fenbaren. Aber die Frechheit redet von freien Stücken so.” Der junge Schwär mer da sagte:“Die Delikatesse soll mich recht amüsieren”, der wird immer schöne Verse auf mich machen. (F. Schlegel. Lucinde)
Es kommt ein Tag, doch ohne Klarheit.
Die Kälte mit Entsetzen spricht.
Was du versäumt hast, ist die Wahrheit.
Was du verspielt hast, ist das Licht. (A. Arnim. Armut der Grä n Do lores)
Bei der Verwendung einer Allegorie geht es immer um für das Kunst werk wichtige Begriffe und Zusammenhang, über die der Leser nachden ken soll. Deshalb tritt sie meist an Stellen auf, denen besondere Bedeu tung zukommt. Die stilistische Funktion besteht also vor allem darin, besonders Wichtiges hervorzuheben.
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Die Allegorie wird auch in der Werbung verwendet:
Auch in diesem Frühjahr hält Frau Mode eine Reihe hübscher Überra­schungen für sie bereit. (Zeitungsanzeige)
Symbol
Das Symbol (griech. symbolon “Wahrzeichen, Merkmal”) ist in der Literatur eine Form des Tropus, bei dem für einen Gegenstand oder ei nen Vorgang eine Bezeichnung verwendet wird, deren Bedeutungsinhalt viel größer ist als das direkt Ausgesagte.
Das Symbol grenzt an die Allegorie, es kann eine ganze Aussageein­heit erfassen. Das Symbol ist eine implizite Größe. Der Sinn liegt zwischen Zeilen. Die Entschlüsselung des Bildes erweckt im Leser eine Fülle ge­danklicher und gefühlsmäßiger Konnotationen (siehe H. Heine. Deutsch­land. Ein Wintermärchen).
In vielen Fällen fl ießen Allegorie und Symbol ineinander. Allegori sches Symbol ist “die Taube des Friedens”.
Der Romantitel von A. Seghers “Das siebte Kreuz” hat eine viel um­fassendere Bedeutung als eines Kreuzes. Das Leerbleiben des siebenten Kreuzes ist im Roman zugleich Symbol für die Widerstandskraft der Häft­linge. Die Aufgabe des Symbols besteht darin, dem Adressaten über das direkt Gesagte hinaus einen allgemeinen Sinn zu erschließen.
Die Farbe kann z. B. zum Symbol der Emotionalität werden: rote Ro sen, aber rote Literatur.
Friededen Hütten! Krieg den Palästen! (G. Büchner)
In diesem Beispiel steht Hütte symbolhaft für die Menschen in den Hütten – die Armen – und Paläste ebenso Symbol für die Menschen in den Palästen – die Reichen.
Die festen Symbolgegenstände sind das Kreuz, der Lorbeerkranz, die
Friedenstaube.
Synästhesie
Die Synästhesie (griech. “Zusammenempfi ndung”) ist die Verbindung von zwei verschiedenen Sinnesempfi ndungen, wobei die eine übertrage ne Bedeutung annimmt (sattleuchtende Talare – bei H. Kant).
Die Vereinigung von Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten er­zeugt viele neue Begriffe, manche davon sind in den Sprachgebrauch ein gegangen (helle und dunkle Töne; kalte, grelle, giftige, satte Farben). Wenn das Vergleichsmoment subjektiv-emotional gefärbt ist, recht oft in der Po esie, dann stellt die Synästhesie die Einmalbildung dar (die duftende Stim me – bei H. Heine; häufige Einmalbildungen –
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