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Файл:Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
die Ungeläufi gkeit oder der seltene Gebrauch eines Wortes in der All-
tagssprache. So werden die Wörter wie exklusiv, luxurieren auf Grund ih res
nicht so häufi gen Vorkommens oft als fremde Wörter empfunden.
Meistens haben die Fremdwörter aber mehr als eines der genannten
Merkmale.
Unter den Internationalismen im Deutschen verstehen wir Wörter
fremder Herkunft, die vielen Sprachen der Welt eigen sind und bestimmte Begriffe der Ökonomik und Politik, der Wissenschaft und Technik, der
Kultur und Kunst, des alltäglichen Lebens ausdrücken. Die Internationalismen sind meistenteils allgemeinverständlich und sehr gebräuchlich –
Demokratie, Politik, international, Kultur usw. – und sehen in allen Spra chen
sehr ähnlich aus und unterscheiden sich nur durch unbedeutende spezifi sche
phonetische, orthographische und morphologische Besonder heiten – z. B.
dt. Musik; franz. musique; engl, music; russ. музыка. Was die Bedeutung der
Internationalismen betrifft, so ist es kennzeichnend, dass sie in verschiedenen
Sprachen dieselbe Bedeutung besitzen.
Eine wichtige Rolle spielen die Fremdwörter in der Terminologie.
Vie le Termini der Gesellschaftswissenschaften sind Fremdwörter. Der internationale Wortschatz spielt eine große Rolle für die Festigung der gegenseitigen Bezeichnungen der Völker, für die Schaffung einer zukünftigen
internationalen Sprache. Diese Lexik ist eine überzeugende Offenbarung der
internationalen Tendenzen in der Sprachentwicklung. Wenn wir also unter den
Wörtern nicht deutscher Abstammung eine Gruppe von Internationalsimen
absondern, können wir als Fremdwörter solche bezeich nen, deren Form die
fremdsprachige Herkunft verrät und die nach ande ren Merkmalen nicht zu
Internationalismen gezählt werden können. Diese Wörter haben meistens
deutsche Äquivalente. Es sei noch erwähnt, dass diese Wörter das Fremdartige
beibehalten und dabei oft Sitten und Bräu che des Landes, aus dem sie entlehnt
werden, charakterisieren, z. B. engl. Five o’clock (Kurzform von fi ve o’clock
tea) – Fünfuhrtee; British style – britischer Lebensstil usw.
Aber auch solche Fremdwörter können sehr oft schon deutliche Spuren der Eindeutschung tragen, so kann der Akzent den deutschen Betonungsgewohnheiten entsprechend verlagert werden (Discount statt engl.
discount; Comeback statt engl. comeback).
Manche Wörter fremdsprachiger Herkunft werden vielfach für deutsche gehalten, weil sie häufi g in der Alltagssprache vorkommen (Möbel,
Bus, Doktor) oder weil sie in Klang und Gestalt nicht oder nicht mehr fremd
(Keks, Start, boxen) wirken. So ist es zu erklären, dass das vor al lem vom
Lesen her bekannte Wort das Puzzle (engl. “Geduldsspiel, bei dem viele kleine
Einzelteile zu einem Bild, einer Figur zusammengesetzt werden müssen”) von
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Testpersonen für schwäbisch gehalten und dem entsprechend ausgesprochen
wurde. Eine wichtige Rolle spielen die Fremdwörter in der Terminologie.
Viele Termini der Gesellschaftswis senschaften sind Fremdwörter, und es wäre
geradezu falsch, wenn man mit mehr oder weniger treffenden heimischen
“Äquivalenten” solche Fachwörter synonymisch umschreibt, und d. h. variieren
will (Abstrakti on, Dialektik, Ideologie, Humanismus und viele andere).
Die fremdsprachigen Wörter können im Zusammenhang der Rede sowohl
eine rein kommunikative Funktion ausüben (d. h. bestimmte Er scheinungen
der Wirklichkeit möglichst klar und sprachökonomisch aus drücken, das gilt
für alle Stile der Nationalsprache, wo sie eindeutig und unmissverständlich
den nötigen Begriff oder Sachverhalt bezeichnen), als auch eine überwiegend
stilistische, bei der der Mitteilungsgehalt mit ei nem mehr oder minder starken
Gefühlsgehalt verbunden ist.
Die stilistische Funktion der fremdsprachigen Wörter tritt besonders
stark in der Literatur, z. T. auch in der Publizistik, hervor: Fremdsprachi ge
Wörter verhelfen dazu, das Kolorit der Darstellung zu verstehen (his torisches,
nationales, soziales und berufl iches Kolorit). Wir müssen hier aber unterscheiden,
in welchen Fällen die Verwendung des Fremdwortes durch die Epoche selbst
bedingt ist, in der der Autor lebt und in welchen Fällen das Fremdwort zu
bewusster Stilisierung des Kolorits gebraucht wird. Wenn wir bei Goethe
in seinem Roman und wissenschaftlichen Abhandlungen sowie in seinem
persönlichen Briefwechsel eine reiche Fülle fremdsprachiger Wörter fi nden
(zwar Fremdwörter, die heute schon völlig aus dem Verkehr verschwunden
sind), so handelt es sich um eine Zeiterscheinung, um die lexikalischen Normen
seiner Zeit. Ähnlich er klärt sich der reiche Fremdwortgebrauch bei Heine.
Stilistischer Aspekt des Fremdwortes
Im literarischen Text erfüllt das Fremdwort verschiedene stilistische
Aufgaben.
Es schafft das Kolorit der Darstellung. Dies wird vor allem durch fremde Namen und Benennungen erreicht, die meistens nicht übersetzbar sind
(die Begriffe der fremdsprachigen Umwelt – Bezeichnungsexotismen). Das
sind vor allem Realienbezeichnungen (Orts- und Personennamen und die
Wörter, die der Darstellung fremder Verhältnisse dienen – Cowboy). Das
Fremdwort besitzt die Fähigkeit, verschiedene Kolorite zu schaffen.
Fremdländisches Kolorit. Nationales Kolorit
Das Schaffen des Lokalkolorits ist seit langer Zeit erkannte Funktion
des Fremdwortes im Deutschen (aus Reisebeschreibungen, Romanen und
Reportagen aus Ausland bekannt). Man führt uns in ein fremdes Land, das
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
seine Eigenart und Besonderheiten hat und man benutzt gerade die Begriffe,
die diese Eigenart widerspiegeln. Das Fremdwort dient der Schil derung von
Gegenständen, Einrichtungen, Erscheinungen und Personen, die innerhalb
der deutschen Sprachgrenzen nicht vorkommen und des halb die Bezeichnung
behalten, die sie dort tragen, wo sie existieren (der Gentlemen, die Datscha,
die Geischa, der Basar).
Es gibt auch heute viele Stilforscher, die das Fremdwort nicht in der Literatur
zulassen wollen. Diese Ansichten sind falsch. In der Literatur dienen die
Fremdwörter in erster Linie zur Untermalung des nationalen (fremdländischen)
Kolorits zu einer bestimmten Zeit: durch Realienbe zeichnungen (Personen,
Ortsnamen, Titel), durch den Gebrauch fremd sprachiger Wörter als Zitate.
Sie können auch das soziale Kolorit einer Zeit angeben (als natürliches
Kolorit sehen wir sie bei F. Schiller in “Ka bale und Liebe”, als bewusste
Koloritzeichnung (Stilisierung) bei Th. Mann in “Buddenbrooks”).
Um das nationale Kolorit zu zeichnen, gebrauchen L. Feuchtwanger
im Roman “Narrenweisheit” und P Süskind im Roman “Das Parfüm”
französische Namen, Realienbezeichnungen. Im Roman “Das Parfüm”
heißt der Hauptheld Jean Baptiste Grenouille, der andere Giuseppe Baldi ni
usw. Das Parfüm heißt “Parfüm de la Marquise de Cernay”, “Parfüm de la
Marechall de Villars
”
, die Benennungen der Städte und Dörfer sowie andere
Realien kommen auch im Roman nicht zu kurz.
In der schönen Literatur können die Fremdwörter im Großzusammenhang scherzhaften oder satirischen Ausdrucksweit annehmen (als Mittel
von Humor und Satire, im Dienste der Komik z. B. gebraucht H. Heine oft
Fremdwörter).
In der Literatur wird die besondere Redeweise von Einzelpersonen
und Gesellschaftskreisen treffend dargestellt, um bestimmte “Sprachporträts” zu entwerfen. So waren die französischen Wörter in den gehobenen Gesellschaftsschichten, in adligen und bürgerlichen Kreisen des 19.
Jhs beliebt, z. B. in Th. Manns “Buddenbrooks” sind die französischen
Fremdwörter in die Rede des Stadtpoets Hoffstede eingestreut: “Christi an
scheint nur ein wenig Tausendsassa zu sein, we? Ein wenig incrovable. Allein
ich verhehle nicht mein engouement.“
Das Sprachporträt eines einfachen naiven Bauern stellt E. Strittmat ter im
Roman “Ole Bienkopp”: “Bullert saß auf der Parteikonferenz. Er hörte sich
die Reden an, ihr Sinn ging ihm nicht auf Er war in eigener Sache beschäftigt
und saß wie auf einer Wiese, in der statt Gräser Wörter sprossen. Bullert
suchte sich Wortblumen für den Strauß seiner Rede zusammen. Wör ter, die
ihm besonders gefi elen, kritzelte er sich auf die Fingernägel, zum Beispiel,
das Wort Obstrukteur. Bullert fand es gelungen und für seine Rede geeignet;
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Genossen, klopft auf die Finger der Obstrukteure in den Fragen betreffs der
Freiheit der Bauern. Noch schöner fand Bullert das Wort Eklektismus. Eine
Löwenzahnblüte von Wort!”
Der Bereich des Fremdwortes ist nicht mehr das Schreibdeutsch. Viele
Fremdwörter tauchen in der Umgangssprache auf (positiv-negativ, engagieren, produzieren). Viele Fremdwörter kommen im Jargon der städ tischen
Jugend vor (sie beziehen sich vorwiegend auf Sport und Musik – Jazz, Pop,
Techno, Rock, Rap).
Bei manchen Fremdwörtern ist der Mitteilungsgehalt mit einem Gefühlsgehalt
verbunden. Der Großteil aller volkstümlichen (populären) Fremdwörter ist
expressiv gefärbt: prima, kolossal, kaputt, total, katastro phal usw. Heute wird die
deutsche Sprache von Anglo-Amerikanismen überfl utet (siehe Neologismen).
Die Fremdwörter besitzen keinen abso luten Ausdruckswert. Ob die Verwendung
des Fremdwortes passend oder unpassend ist, hängt von der inhaltlichen
Motivierung und der konkreten Sprechsituation ab.
Fremdwörter können in bestimmten Kontexten die handelnden Per sonen
sozial und ideologisch charakterisieren (wie z. B. zahlreiche Jar gonismen
aus dem Anglo-Amerikanischen, die Lebensweise der Rausch giftsüchtigen
kennzeichnen).
Fremdsprachiges Kolorit
Fremdsprachige Wendungen sind in die Redeäußerungen einzelner
Personen eingestreut, um den Leser bewusst zu machen, dass die Figur im
Grunde eine andere Sprache spricht.
Der Autor lässt die Vertreter einzelner Nationalitäten an ihren Aus drücken
erkennen. Durch ein gelegentlich Eingefl ochtenes well, darling oder durch
Sätze wie make yourseif at home machen das Heimatland des Sprechenden
und seine Nationalität deutlich.
Zahlreiche Fremdwörter sind im Jargon bestimmter sozialer bzw. asozialer Gruppen enthalten. Kommunikativ gesehen, kann es sich bei sol chen
Fremdwörtern um den Versuch der Gruppen gebundenen Verstän digung
handeln, an der kein anderer teilhaben soll, also um eine Art Chif frensprache.
Wo es eine Absonderung von der Allgemeinheit geben soll, erleichtert
das Fremdwort dieses Bemühen erheblich. Erstens versteht nicht jeder
zufällige Mithörer, was geäußert wird. Zweitens fi ndet man es modisch und
modern, seinen Äußerungen einen fremdsprachlichen Ausdruck zu geben.
Und drittens ermöglicht der fremde Ausdruck das Spielen mit der Sprache,
was dem Menschen so besonders Vergnügen bringt.
Der Autor beschreibt die Person und versucht, ihren Jargon möglichst
wahrheitsgetreu zu kopieren. Das Fremdwort dient in diesem Fall als sti-
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
listisches Wortmittel der Charakterisierung einer Person.
Eine besondere stilistische Erscheinung stellen fremdsprachige Zitate dar.
Sie sind meist Gelegenheitsbildungen, durch Thematik und stilisti sche Aufgabe
bedingt. Manchmal werden sie vom Leser, der die betref fende Fremdsprache
nicht kennt, nur aus dem Zusammenhang erraten, oder sie bleiben überhaupt
unverständlich. Fremdsprachige Zitate kön nen sowohl Einzelwörter als auch
ganze Sätze und Absätze sein. In stilis tischer Hinsicht erfüllen sie ebenso wie
die einfachen fremdsprachigen Wörter zweierlei Funktionen:
Erstens dienen sie der objektiven Mitteilung, der sachlichen Beweisführung. Dies gilt insbesondere für den Stil der Wissenschaft und Tech nik, für
den Stil des öffentlichen Verkehrs und für den Stil der Publizistik und Presse
z. B. in der wissenschaftlichen Prosa: So fi ndet man in der “Histoire de la
littérature française” (“Geschichte der französischen Litera tur”) Kapitel
über Philosophen, Redner, Historiker... Noch weiter geht die “Cambridge
History of English Literature” (W. Kayser. Das sprachliche Kunstwerk)
Zweitens bilden die fremdsprachigen Zitate einen wichtigen Bestand teil
der nationalen, historischen und sozialen Koloritzeichnung, d. h. sie dienen
stilistisch-expressiven Zwecken.
Von der Stilkunst des Schriftstellers hängt es ab, wie das fremdspra chige
Zitat in den deutschen Text eingeführt und verständlich gemacht wird. Die
Verwendung von fremdsprachigen Zitaten muss selbstverständ lich mit Maß
und künstlerischem Takt geschehen. Ihre Häufung führt zur Erschwerung des
Verständnisses und dadurch zum Sinken des stilisti schen Wertes.
Die meisten fremdsprachigen Zitate lassen sich nicht wörtlich über setzen,
da damit ein Teil ihres nationalen Kolorits abgestreift würde: All right! (Richtig.
Alles in Ordnung! Einverstanden.); American way of life (amerikanischer
Lebensstil); Do-it-yourseif (Mach es selbst!) und Vive la France!
Fachsprachliches (berufl iches) Kolorit
Es entsteht als Resultat des Gebrauchs von fremdsprachigen Fachausdrücken (den so genannten Termini) und Berufsjargonismen (den so
genannten Professionalismen). Heute sind sie vor allem in der wissenschaftlichen Literatur und in der Publizistik verbreitet. Die Funktion des
fachsprachlichen Fremdwortes ist eine doppelte:
1. die begriffl iche thematische Benennung und eindeutige Beschrei-
bung eines Sachverhaltes.
2. Die konnotative Bewertung einer Sache durch den Fremdwort-ge-
brauch.
Der Gebrauch eines solchen Fremdwortes kann außerdem helfen, die
Zugehörigkeit zu einem Beruf festzustellen, z. B. Incentive (engl. Anreiz) –
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Jargonbegriff aus dem Amerikanischen, der das Schmackhaftmachen ei nes
Produkts, einer Arbeit bezeichnet: Für das Kaufverhalten müssen wir einfach
mehr Incentivesgeben (soll heißen: Wir müssen etwas tun, dass mehr Leute
das Zeug kaufen).
Soziales Kolorit
Man greift zu einem Fremdwort in einem bestimmten sozialen Kontext,
um die Gruppenzugehörigkeit der Person deutlich zu ma chen.
Es treten vier verschiedene Faktoren, die beim Gebrauch der Fremdwörter
im Deutschen als Gruppen bildend aufgefasst werden können: das Alter,
die Interessengemeinschaften, bestimmte weltan schauliche Prinzipien
und das Verlangen nach dem gesellschaftlichen Status. Für jede dieser
Gruppenformationen gibt es bestimmte Fremd wörter, die der Hörer/Leser
intuitiv mit den dazugehörigen Menschen assoziiert.
Es liegt auf der Hand, dass fremdsprachliche Ausdrücke gerade beim
Bemühen um eine sprachliche Identifi zierung zwischen Mitgliedern ei nes
nach außen geschlossenen Kreises verwendet werden, z. B.:
Do-it-yourseif-Bewegung – von den USA ausgehende Bewegung, die
sich als eine Art Hobby eine eigene Ausführung handwerklicher Arbeiten
zum Ziel gesetzt hat;
das Fast Food – “schnelles Essen”: in bestimmten Gaststätten angebotene, schnell und leicht verzehrbare kleinere Gerichte;
fi fty-fi fty – fünfzig/fünfzig, halbe/halbe;
Flower-Power – Schlagwort der Hippies;
der Greenpeace – internationale Organisation von Umweltschützern;
Happy-End – “glückliches Ende”: unerwarteter, glücklicher Ausgang
eines Konfl ikts, einer Liebesgeschichte, z. B. Eine Heirat ist nicht immer
ein Happy-End;
keep smiling – “höre nicht auf zu lächeln, nimmʼs leicht; immer nur
lächeln” und das Keep-smiling – auch unter widrigen Umständen optimistische Lebensanschauung;
das Know-how – auf Forschung und Erfahrung beruhendes Wissen über
die Herstellung und den Einsatz von Erzeugnissen);
“Jankee doodle” – volkstümliches Nationallied aus dem nordamerikanischen Unabhängigkeitskampf des 18. Jhs, heute: Bezeichnung für die
amerikanischen NATO-Kräfte in der BRD;
no future – “keine Zukunft”: Schlagwort arbeitsloser Jugendlicher zu
Beginn der 80-er Jahre in den westeuropäischen Industriestaaten;
nonstop – ohne Halt, ohne Pause, das Wort gebraucht man in den
Komposita: Nonstopfl ug, Nonstopkino u. Ä.;
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
right or wrong, my country – “richtig oder falsch, (es geht um) mein
Land!”, Schlagwort frei nach dem Ausspruch des amerikanischen Admirals
Decatur: “Ganz gleich, ob ich die Maßnahmen (die Regierung) für falsch
oder richtig halte, meinem Vaterland schulde ich Loyalität.”;
Who’s Who? – “Wer ist wer?”, Titel biographischer Lexika.
Sowohl fremdsprachige Zitate, als auch andere Fremdwörter werden
häufi g stilistisch im Dienst von Humor und Satire verwendet. Im Mund
von berufsmäßigen Spaßmachern, Tölpeln oder manchmal ungebildeten
Personen werden fremdsprachige Wörter phonetisch und morphologisch
entstellt oder falsch verwendet. Sehr beliebt ist die graphische Darstel lung
von falscher Aussprache, z. B. Oranscherie statt Orangerie, Kusän anstatt
Cousin, Ackronom statt Agronom.
In der Literatur gebrauchen pseudogebildete Personen Fremdwörter
fehlerhaft. So lässt Heinrich Mann im “Untertan” die plötzlich reich
gewordene Frau von Diedrich Heßling überlegen, ob sie ihre zukünftige
Wohnung “altdeutsch” oder “Louis-käs” einrichten sollte. Louis-käs ist eine
verzerrte Wiedergabe von Louis XV. (“guinze” gesprochen “kangs“).
Ein sprachlicher Spieltrieb, der an witzigen klanglichen oder begriffl ichen
Assoziationen seine Freude hat, bildet zum Cowboy eindeutschend auch das
Kaugirl, aus sex appeal wird 6x6 appeal. Ähnlich komische Wir kungen
werden erzielt, wenn der Held der Wildwestfi lme mit Kuhjungen (Cowboy)
und das Getränk der Cocktail-Party mit “Hahnenschwanz”
übersetzt wird.
Sehr viele Fremdwörter wirken scherzhaft in der Alltagsrede: Gehst du
heute baden? – Very genau. Das Wort Speech in seinem umgangssprachlichen Gebrauch wirkt ironisch in der Bedeutung “Rede, Ansprache“.
Fremdwörter in bestimmten Zusammenhängen gehören zu einem der
beliebten Ausdrucksmittel von Humor und Satire. Sie können nicht nur in der
direkten, sondern auch in der indirekten und erlebten Rede ver wendet werden
zur Vertiefung der satirischen Wirkung und zusätzlicher Charakteristik der
handelnden Person.
V.D. Devkin (1998: 77) führt eine Erzählung an, wo der Autor alle
englisch-amerikanischen Entlehnungen im Dienst von Ironie gebraucht.
Dadurch wurde von ihm die Mode der amerikanischen Lebensweise un ter
den deutschen Jugendlichen verspottet:
DER STUDENT ALS KELLNER
Seit die Amerikaner in Deutschland sind, gibt es Babysitter. (Wenn das
Baby über 16 ist, sind es Babysitter). “Ich gehe lieber abends ein paar Stunden als Kellner”, sagte der Student, der mir den Soft-drink brachte.” Bringt
mehr Money. Nette girls. Striptease. Echt amerikanisch.“
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Das Programm: Dancers tanzten, Singers sangen. Vier Mann skiffelten.
Einer sang den Song: “To seil refrigerators to the Eskimosʼ. “Ist alles kanisch
(gekürzt von “amerikanisch”)”, erklärte mir der Student, “kommt von dem
Verkehr mit den Amerikanern.” ” Im Verkehr sind sie ja groß”, gab ich ihm
Recht. Er strahlte vor Begeisterung: “Well! Luxuszüge! Düsenclipper! Und
diese Organisation im Verkehrswesen! Autostraßen, Expresslifts...”
“Kinsey-Rapport”, ergänzte ich. Er träumte davon, ein Playboy zu sein
oder ein Supershowmaker. Er schwärmte von seinem Sweetheart und einer
Party im moonlight. Ringsum saßen deutsche girls mit ihren boy-friends und
aßen ice-cream. Die Band hottete los und überschritt die Schallgrenze. Mein
Student verdrehete die Augen “Wonderful!” Er sah erschrocken auf die Uhr.
“Damned, schon eleven o’clock. Und morgen früh muss ich ins College!” –
“Was studieren Sie eigentlich?” – “Germanistik.”
Natürlich beschreibt man das alles in etwas übertriebener Weise, aber
damit ist die Zahl, Popularität und Verbreitung der Anglo-Amerikanismen
im Deutschen von heute noch einmal unterstrichen.
Eine wichtige stilistische Funktion der fremdsprachigen Wörter in
sämtlichen Stilen des schriftlichen und mündlichen Verkehrs besteht in der
Vermeidung von Wiederholung und damit in der Variierung und Be lebung der
sprachlichen Darstellung. Das synonymische Nebeneinander von Fremdwort
und heimischem Wort kann die Ausdrucksmöglichkeiten bereichern, indem
dadurch Abschattungen der lexikalischen Bedeutung ausgedrückt werden
können. Wenn das fremdsprachige Wort und sein deutsches Äquivalent
vollständige Synonyme bilden, so sind sie meist austauschbar.
Als Synonyme können Job und Arbeit betrachtet werden, auch Black-
mail (Erpressung z.B. durch Androhung der Bloßstellung) und das deut sche
Wort Erpressung selbst, Manager (mit weitgehender Verfügungsgewalt,
Entscheidungsbefugnis ausgestattete leitende Persönlichkeit z. B. eines
großen Unternehmens) und Geschäftsleiter. Zur Vermeidung von Wiederholung wechseln auch deutsche Wörter und nicht englische Entlehnun gen
ab: korrigieren/verbessern, physisch/körperlich usw.
Wenn sich fremdsprachiges und deutsches Wort nicht vollständig decken, d. h. wenn sie ideographische oder stilistische Synonyme bilden, fällt
die Möglichkeit des gegenseitigen Austausches fort. So lassen sich z. B.
keinesfalls, um Wiederholung zu vermeiden, die Wörter Gasthof, Her berge
und Hotel sowie Untergrund und Underground gegenseitig ersetzen.
Fremdwörter sind in allen Stilschichten zu fi nden. Viele von ihnen
gehören der gehobenen Stilschicht an und haben die Färbung des Gewählten, Feierlichen. Sie werden verwendet, um das Bezeichnete besonders
hervorzuheben. Sie können aber ganz neutral klingen. In man chen Fällen,
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TEIL II. WORTSCHATZ DER DEUTSCHEN GEGENWARTSSPRACHE AUS STILISTISCHER SICHT
wo das deutsche Synonym dem Grundbestand der Sprache angehört, nimmt
das Fremdwort eine herabsetzende Bedeutung an. Ge sicht ist ein stilistisch
neutraler literarischer Ausdruck, Visage (franz.) hin gegen wird heute nur
mehr zur Verspottung oder als Vulgarismus verwen det. Wenn noch zu Heines
Zeiten Amüsement und Unterhaltung gleich wertig waren, so sind die beiden
Substantive heute ideographisch und sti listisch differenziert. Mit Amüsement
bezeichnet man eine leichte, ober fl ächliche Unterhaltung, daher auch die etwas
herabsetzende expressive Stilfärbung dieses Wortes. Ebenfalls können nicht als
vollständige Syno nyme betrachtet werden: Intellektueller (stilistisch neutrales
Wort) und Egghead (“Eierkopf” meist abwertend gebrauchtes Wort).
Unter den stilistischen Funktionen des Fremdwortes sei auch die euphemistische zu erwähnen. Es kann unerwünschte Assoziationen oder nicht
zutreffende Vorstellungen ausschließen (man verwendet z. B. Passiv statt
Leideform), es kann verhüllend wirken (z. B. Fäkalien, koitieren) oder auch
gebraucht man das Wort der Slum (kleine, schmutzige Gasse) statt Elends-
viertel (meist von Großstädten). Jemanden um Diskretion zu ersuchen fällt
leichter, als ihn – unter Verwendung deutscher Entsprechungen – um Scho-
nung, Verschwiegenheit oder Rücksichtnahme zu bitten. “Genieren Sie sich
nicht!”, fordert man jemanden auf, wo man die deutschen Ausdrücke sich
zieren oder sich schämen ungern gebrauchen würde.
Viele Fremdwörter eignen sich treffl ich zur Verschleierung und Ver-
hüllung bestimmter (oft peinlicher) Sachverhalte (Tarnfunktion).
Eine Aussage, die man aus persönlichen Gründen oder mit Rücksichtnahme auf andere Menschen möglichst vage halten möchte, kann unter
Umständen mit einem fremden Wort umschrieben werden, z. B. Abkürzung
für Poliomeylitis, Kinderlähmung – Polio.
Die Ärzte reden oft statt Seuche – Epidemie, statt Schwindsucht – Tu-
berkulose (Fallsucht – Epilepsie, Brustkrampf – Asthma), denn sie wollen
eine Bedrohung verbergen, d. h. sie nutzen etymologische Undurchsichtigkeit
des Fremdwortes aus.
Unterhaltung über einen Kranken, der in der Klinik liegt:
– Und was hat er?
– Leukemie.
– Ach so, Leukämie...
– Blutkrebs.
– Oh je! (Bedauernsäußerung hängt von der Krankheitsbezeichnung ab.)
Gerade das Fehlen eines negativen Affekts ist es, was die Effektivität
dieses Stilmittels – des verschleiernden Fremdwortes – ausmacht. Spitzer
Leo sagte davon in “Fremdwörterhatz und Fremdwörterhass” (Wien, 1918:
25): “Die fremde Lautreihe rückt, auch wenn sie gut verstanden wird, den
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N. M. NAER. STILISTIK DER DEUTSCHEN SPRACHE
Inhalt etwas ferner.” In dem Fernerrücken, in der Verschmelzung zwischen
einem peinlichen Begriff und einer völlig neutralen Ausdrucksseite liegt das
Wesen des euphemistischen Gebrauchs der Fremdwörter.
So klingt das anglo-amerikanische Striptease im Deutschen anziehen der
und anständiger als Entkleidungsszene in Nachtlokalen und darum hat auch
Nachttanz die Entkleidungsnummer ausgedrängt. (Dasselbe: Callgirl statt
telefonisch erreichbare Prostituierte).
Diese Eigenschaft, den Sinn zu verschleiern, wird oft in der Sprache
der Politik, in der Geschäftswelt und ihrer Werbesprache und auch in der
Publizistik ausgenutzt.
Man spricht oder schreibt von der gentlen Infl ation, was nicht so Ge fahr
drohend scheint wie schleichende Infl ation.
Das Modewort Innovation, dass so oft in den Werbungen gebraucht wird,
kann statt einer Erfi ndung nur einen Knopf mehr bedeuten.
1972 im Zusammenhang mit Fraktionswechel einiger Abgeordneter bei
der Abstimmung über den Misstrauensantrag verwendete Willy Brandt das
Wort Korruption. Als er vom Bundestagspräsidenten offi ziell um Auf klärung
ersucht wurde, sagte Brandt, er habe das Wort nicht im Sinne Bestechung
gebraucht [wie es in der gegebenen Situation aufgefasst wer den musste],
sondern im Sinne von Sittenverderbnis. (Zitiert nach F. Debus, 1984)
In den zahlreichen Neuprägungen der Werbesprache fi nden sich Fremd-
wörter in vortäuschender Funktion. Durch Wortbildungen aus Elementen
anderer zumeist antiker Sprachen suchen die Werbeschöpfer den Eindruck
einer wissenschaftlichen Terminologie zu erwecken, ganz gleich, ob es
sich dabei um linguistisch tautologische oder sonst unpassende Bildungen
han delt (vgl. biovital, Fernseh-Television-Kundendienst, antirheumatische
Rheu matabletten), z. B. charakterisierende Medikamentbezeichnungen:
Rhino spray – Nasensprüher, Completovit – Vitaminkomplettierung. Solche
Fremd wortbildungen haben alte heimische Bildungen sehr zurückgedrängt.
Ahn liehe Fremdwortbildungen treten im Arzneimittelbereich am häufi gsten
auf, weil der Glaube an die Wirkung wissenschaftlich entwickelter oder
zumindest so dekorierter Medikamente bereits stark ist.
Erwähnt sei noch die stilistische Möglichkeit, Fremdwörter in den Text
einzusetzen, um Wiederholungen, die Tautologie, zu vermeiden und den
sprachlichen Ausdruck dadurch vor Eintönigkeit zu bewahren.
Das synonymische Nebeneinander von Fremdwort und heimischem
Wort kann die Ausdrucksmöglichkeiten bereichern, indem dadurch gewisse Abschattungen der lexikalischen Bedeutung ausgedrückt werden
können, z. B. Hotel – Gasthaus, Passion – Leidenschaft, Exemplar –
Stück (W. Fleischer, G. Michel, 1975: 108). Dabei wird die Variierung,
der stilis tische Wechsel erzielt.
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