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Stilistik der deutschen Sprache. Учебное пособие

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TEIL IV. MITTEL DER BILDKRAFT
Die Hyperbel ist dem Paradoxon nah, weil sie die Grenze der Glaub­würdigkeit überschreitet und die logischen Normen verletzt.
Die Hyperbel fällt durch die Sinnwidrigkeit der Darstellung, durch die Irrealität, die der Hyperbel einen phantastischen Charakter verleiht, auf:
Wenn du am 30. Februar wiederkommst, werde ich deinen Wunsch erfüllen.
Wenn die Donau ausgetrocknet ist, hört auch meine Treue auf.
Die Hyperbel erfüllt immer die charakterisierende Funktion. Die hy­perbolischen Einheiten beeindrucken durch den Effekt der Überraschung, der darum entsteht, weil etwas Gewöhnliches und Natürliches mit etwas
Irrealem und Unmöglichem kollidiert. Die Hyperbel schafft ihre eigene.
Welt, absurde Welt. Im hyperbolischen Urteil widerspricht alles dem ge sunden Menschenverstand, dem natürlichen Lauf der Dinge. Nach den Logikgesetzen ist die Hyperbel ein Fehler.
Bei der hyperbolischen Bezeichnung werden qualitative und quanti tative Dimensionen entstellt.
Besonders auffällig ist die Abkehr von der Realität bei der Hyperbolisierung der Numeralien, obwohl manche von ihnen gemeinsprachliche Hyperbeln sind:
etwas tausendmal sagen, tausende Zuschauer, Hunderte von Neugierigen.
Die Verletzung der Dimension kann man auch in solchen Fällen be­obachten, wenn ein mehr oder weniger genaues Maß etwas Ungenaues, Verschwommenes darstellt und dabei mit großer Übertreibung.
Das Glas zersprang in tausend Stücke.
Hunderte und Tausende von Tieren.
F. Kainz äußert sich dazu so: “Bekanntlich die größten runden Zahlen ganz unmathematisch verwendet mit starken Übertreibungen und Abrundungen nach oben, wobei es auf sachliches Zutreffen nicht ankommt” (F. Kainz, 1941: 243).
Es gibt auch Beispiele, die andere quantitative Begriffe enthalten: mei-
lenweit den Mund aufmachen, zentnerschwere Biermolle, Süßigkeiten tonnenweise verdrücken, kilometertiefer Kleidausschnitt.
In der Alltagsrede werden oft gemeinsprachliche Hyperbeln verwen det:
eine ganze Stunde lässt du auf dich warten; Ich kann nicht tausend Din ge zugleich machen; Ich habe dir das tausendmal gesagt; Ich habe dich eine Ewigkeit nicht gesehen; Ich möchte mit ihm ein paar Worte reden; nicht bis drei zählen können; Warten Sie eine Sekunde!
Verschiedene Formeln der Höfl ichkeit enthalten gemeinschaftliche Hyperbeln: Tausend Grüße! Tausend Dank. Ich danke Ihnen tausendmal!
Untertreibung äußert sich in folgenden Beispielen: Das Haus liegt nur
einen Katzensprung von hier entfernt. Der Laden ist nur einen Steinwurf weit entfernt. Schreib mir eine Zeile. (DUW: 1628)
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Die Hyperbel wird gerne in der Werbung verwendet: Das strahlendste
Weiß, das es gab. Der Gipfel der Frische, Lieson fl üssig. Esso Super riecht jetzt sogar super. Während Super Diesel einen Kraftstoff gibt, ist super sa-
lopp für “überragend” und “Begeisterung hervorrufend”.
Euphemismen
Auf Schritt und Tritt sind wir im Leben vor der Aufgabe gestellt, ei­nen unangenehmen oder peinlichen Sachverhalt in gemilderten, taktvol len Worten, die weniger hart vor uns treten, wiederzugeben. Dazu dienen die Euphemismen.
Es gibt viele Defi nitionen von Euphemismen (im Brockhaus, Meyers Lexikon, von H. Lausberg, Faulseit-Kühn, E. Leinfellner, S. Luchten­berg, E. G. Riesel, E. I. Schendels usw.). Verallgemeinert kann man sagen: “Der Euphemismus ist Art des Tropus, die Umschreibung, welche drei Funktionen erfüllt: mildernde, beschönigende und verschleiernde Funk­tion. Der Euphemismus ist ein Hüllwort. Sammelbezeichnung für be­schönigende, höfl iche, mildernde, betrügerische demagogische, sophis tische, verfälschende, verhüllende Ausdrücke, die aus unterschiedlichen Motiven, z. B. aus gesellschaftlicher Konvention, Zeitgeschmack, Höfl ichkeit, Aberglaube, Täuschungsabsicht, die direkte Bezeichnung des Sachverhaltes umgehen.” (W. T. Malygin, G. W Oserow, L. N. Chorew “Stilistisches Wörterbuch der deutschen Sprache”).
Ausgehend davon können wir beschließen, dass es solche Begriffe gibt, die schon in der Sprache ihre Bezeichnungen haben, aber diese Bezeich­nungen gelten als unangenehm, unanständig oder gesenkt. Und die Um­schreibung einer anstößigen, unangenehmen Sache oder furchterwecken­der Vorstellungen aus taktvoller Rücksichtnahme, Furcht, Ehrfurcht oder Scheu, aus sittlichen, religiösen oder anderen Gründen durch mildernde oder beschönigende Worte nennen wir Euphemismus. Der Euphemismus lässt uns eine Sache nicht bei ihrem richtigen Namen nennen, sondern umschrieben, angedeutet, gemildert oder auch beschönigt.
Außer dem Begriff “Euphemismus” muss man den Begriff “Tabu” defi nieren, weil eine Frage entsteht, ob Euphemismen sprachliche Reak- tion auf gesellschaftlich geltende Tabus sind. In nicht wenigen Fällen wird bei Euphemismen auf Tabu verwiesen und umgekehrt, z. B., Euphemis men zeigen Tabus an. Denn wer sich ihrer bedient, erkennt die Gültigkeit des Tabus für sich an, d.h. er gliedert sich einer Gesellschaft (Klasse) ein, die gerade dieses Tabu für wichtig hält. Euphemismen sind soziale Er kennungszeichen: wer sie nicht benutzt, wer diese Gesellschaftsnorm ab lehnt, kennzeichnet sich als einen Außenstehenden.
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Ob man sagt, eine Frau sei schwanger, in anderen Umständen, sie kriege ein Kind (ein Baby) oder habe einen dicken Bauch, entscheidet die soziale Selbsteinschätzung des Sprechers, sofern er die Wortwahl selbst vollzieht. Lässt er sich treiben, wird er durch den Euphemismus oder dadurch, dass er ihn umgeht, manipuliert; andernfalls versucht er die andern zu manipulieren.
Unter Tabu versteht man gefährlich vermeidende Ausdrücke. Aus re­ligiösen oder sittlichen Gründen, aus Furcht, Ehrfurcht oder Scheu wer den sie aus dem Gebrauch verbannt und nicht beim richtigen Namen genannt, sondern beschrieben. Tabu sind der Teufel, der Tod. Die Eu phemismen sind Mittel zur Umgehung von Tabus.
Man schreibt von drei klassischen Tabusphären: körperlicher Bereich –
Krankheiten – Tod.
H. Seidler (1963: 17) nennt Euphemismen gesellschaftliche Stilwerte.
1I. Euphemismen sind Synonyme aus der synonymischen Reihe bzw. Umschreibungen, sie gehören zur Sprache, zum System, sind ein Teil der Sprache, z. B. entschlafen im Sinne sterben gehört zum festen Wortschatz.
2. Aber es gibt auch gelegentliche Euphemismen, sie gehören zur
Rede. Das sind Umschreibungen, die nur im Komplex realisiert werden.
W. I. Schuwalow (1988) unterscheidet zwei Entstehungswege der Eu­phemismen.
Der erste Weg wird dadurch kennzeichnet, dass das Wort mit nega­tiven und unerwünschten Konnotationen durch ein anderes Le­xem ersetzt wird, bei der die Konnotationen fehlen (zwecks der Milderung, der Verglimpfl ichung der Aussage). Eben dieses Lexem übt eine euphemistische Funktion aus. vollschlank – dick, Able ben – Tod, mitnehmen – stehlen, spinnen – dichten, lügen.
Der zweite Weg weist sich dadurch aus, dass das ersetzte Wort schon diese neutrale oder positive Konnotation trägt. Manchmal werden englische Entlehnungen gebraucht, um nicht angesehene Berufe als attraktive darzustellen (so z. B. Kellnerin als Barhostess).
Anwendungsbereich der Euphemismen
TOD
Der tabuisierte Tod wird unter verschiedenen Namen personifi ziert:
Knochenmann, Sensenmann, Freund Hein. Die Euphemisierung des Ster­bens beginnt bereits mit der Zeit kurz vor dem Tod, wie die folgenden Bei­spiele zeigen: die letzten Verfügungen treffen, das letzte Vaterunser beten, den letzten Kampf kämpfen.
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Die breite Palette der Todesnamen ist alt, das meiste davon decken
christliche Vorstellungen: Heimgang, Ableben, Hinscheiden; erlöst (abbe­rufen) werden, erlöschen, verscheiden; derber: dran glauben müssen, um die
Ecke sein; nach biblischem Muster: in die Grube fahren, zu seinen Vä tern versammelt werden, den ewigen Schlaf schlafen.
Eine Menge von Euphemismen weist auf die Ähnlichkeit zwischen
Schlaf und Tod hin: in den letzten Schlaf gesunken sein, den langen Schlaf
schlafen. Die andere Gruppe von Euphemismen nennt Sterben: Reise bzw. Rückkehr; in ein besseres Zuhause gehen, die Grenze überqueren, in den Himmel gekommen sein.
Schön zu sagen: einer habe bei einem Unglück den Tod gefunden,
d. h. so zu tun, als sei das für jenen eine glückliche Entdeckung gewesen, – ist höfl icher als die direkte Aussage “er sei gestorben”. Es scheint vielen Zeitgenossen “barmherziger” von jemandem Abschied zu nehmen, ihm die letzte Ehre zu erweisen, das letzte Geleit zu haben als ihn schlicht zu begraben.
Es gibt auch Euphemismen für den gewaltsamen Tod: beseitigen, still
machen, aus dem Weg räumen, den Kopf vor die Füße legen.
Umschreibungen für sterben fi nden sich in allen Stilebenen und Aus- drucksformen. Es gibt eine hohe Anzahl von Euphemismen gehobener Sprachebene mit poetischem oder gefühlsbetonendem Inhalt, die das Schrecken der Vorstellung mildern sollen: das Lebenslicht erlosch, er wur-
de heimgerufen, er ist verschieden, er schloss die Augen, er wurde zu Gott gerufen usw.
KRANKHEITEN
Die Euphemisierung von Krankheiten fi ndet sich bereits bei den frü heren Völkern, die Erkrankungen mit Dämonen in Zusammenhang brachten. Der Grund für die Euphemisierung kann im Mitleid und Takt gesehen werden, da man dem Kranken die Erinnerung durch das Nicht-Aussprechen des Krankheitsnamens ersparen will.
Das Wort Krankheit wird manchmal durch Gesundheit (schwächliche Gesundheit) ersetzt. Der Zustand des Krankseins ohne nähere Bezeich­nung der Krankheit wird häufi g durch unbestimmte Ausdrucksformen wiedergegeben: leidend sein, nicht auf der Höhe sein, nicht in Ordnung sein. Hat einer Unglück, krank zu werden, bemüht er sich, sein Missgeschick, solange er kann, herunterzuspielen: ihm ist unwohl, erfühlt sich nicht sehr
gut, er hat sich etwas geholt. Kommt er dann wirklich zum Liegen, hat er sich einen Knacks geholt oder er ist leidend.
Für den Zustand der Schwangerschaft werden solche Ausdrücke verwandt wie guter Hoffnung sein, in anderen Umständen sein, etwas bestellt haben.
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Wer seiner Umwelt geistig nicht mehr genügt, wird gegenüber ande ren oft folgendermaßen bezeichnet: nicht ganz richtig, auch nicht bei Sin ne, er hat seine fünf Sinne nicht beisammen.
Am anderen Ende der Krankheitstabus steht die Gruppe, die uns durch Hygiene und Kosmetik aufgedrängt wird. Man nehme als Beispiel unsere Bemühungen, Überschreitungen des uns verordneten Normalgewichts zu verschleiern: wer Übergewicht hat, ist vermutlich ein Vielesser (er hat einen übermäßigen Verzehr); vielleicht neigt der Unglückliche auch nur zur Korpu-
lenz (Fülle). Man emp ehlt ihm dann Schlankheitspillen oder, feiner ge sagt, Appetitzügler (Gewichtsbremser).
GELD
Unter den klassischen Tabus ist Geld. Und wie bekannt, über das Geld spricht man nicht (man hat es!).
Synonyme stammen aus den Außenbezirken der Gesellschaft, von denen, die kein Geld haben, aber haben wollen; Draht, Kies, Moos, Zaster, Kröten,
Moneten, Piepen. Andere können ihre Verlegenheit nicht verber gen: das nötige Kleingeld haben, bei Groschen sein; mit Übertreibung: Geld wie Heu, steinreich sein, warm (in der Wolle) sitzen (reich sein), es haben.
FAMILIE UND EHE
Familie und Leben gehören zu den grundlegenden sozialen Einrichtun­gen und sollen daher zunächst auf Euphemisierung hin betrachtet werden. Die Umschreibungen für heiraten haben in der Mehrzahl keinen euphemis­tischen Charakter, da keine gesellschaftliche Tabuisierung von Heirat und Ehe existiert. Möglich ist jedoch eine okkasionelle, individuell bedingte eu­phemistische Umschreibung, bei der folgende Ausdrücke verwandt werden können: den ewigen Hausstand gründen; unter die Haube kommen; das Ja
Wort geben; die Hand fürs Leben reichen; zum Altar führen; gemeinsames Glück. Unfall-Ehe, Muss-Ehe, Muss-Hochzeit sind Ersetzungen für Frühehe.
Da die Ehe als Norm gilt, wird der Zustand des Ledigseins in ver­schiedener Weise auch euphemistisch genannt: einspännig, Einzelwirt- schaft, ungebunden, Solist. Auch uneheliches Kind wird in einer Reihe von Ausdrücken umschrieben: Kind der Liebe, natürlicher Sohn, Mantel kind,
Kind direkter Herkunft.
POLITIK
Politische Euphemismen erfüllen verhüllende Funktion. Euphemis­tisch werden z. B. die Länder bezeichnet, die in einer abhängigen Positi on stehen: Entwicklungsländer, entwicklungsfähige Länder, die Dritte Welt.
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Aus Tageszeitungen stammt folgendes Beispiel: Die dunklen Schatten der
Vergangenheit für die Umschreibung des Hitlerregimes; Gesinnungsakro­bat für geschmeidigen Gesinnungswechsler; politische Ordnung und Ruhe schaffen (durch die Armee); anstatt Baracken heißt es in der Sprache der Sozialdezernenten Schlichthäuser, Freisetzung statt Kündigung; Konjunkturspitze – staatliche Hilfe den Unternehmern in der Krisenzeit, Konjunk tur statt Wirtschaftskrise.
Politische Euphemismen in der Presse haben überwiegend okkasio nellen Charakter, und zwar besitzen nur im betreffenden Kontext euphe mistische Funktion.
Dagegen sind nachgenannte innenpolitische Euphemismen zum usu ellen Wortschatz zu rechnen bzw. in einem Übergangsstadium begriffen wie z. B.
die da oben – die Regierenden, Tauwetter – Milderung politischer Strenge, weiche Welle – Politik der Nachgiebigkeit, Maulkorbgesetz – ge setzliche
Beschränkung der Redefreiheit, bußenrein – politisch einwand frei, astrein – politisch unverdächtig, Konspiration – Verschwörung.
Diese Beispiele sind auch ohne Kontext als Umschreibungen (meist) innenpolitischer Zustände einsichtig, was jedoch nicht besagt, dass sie eine kontextuelle Zuordnung nicht mehr nötig hätten, denn die euphemisti sche Bedeutung ist auch bei ihnen nur eine der möglichen Bedeutungen.
WIRTSCHAFT
vermögend sein, gut situiert – reich, es sich schlau machen – sorgen frei, auf Kosten anderer leben.
Die Ersetzung für arm und Armut die Klinken putzen – betteln, unbe­mittelt, mittellos; Money an Oberfuß haben – Geldschwierigkeiten ha ben, kalte Füße haben; in der Schokolade sitzen – sich in Not befi nden.
BERUFSBEZEICHNUNGEN
Es wurde bereits angedeutet, dass eine Reihe von Euphemismen zugleich aufwertenden Charakter hat. Dies trifft etwa auf die Bezeich nungen zur Stellung im Betrieb zu, wo die Bezeichnung der tatsächli chen Stellung nicht angepasst ist.
Man unterscheidet mehrere Gründe, die zu euphemistischen Berufs­bezeichnungen führen. Es können Gründe der Höfl ichkeit sein, die mit einer unangenehmen oder schmutzigen Arbeit verbundenen Berufe mit einem Euphemismus zu bezeichnen, oder aber das Streben nach höhe­rem Sozialprestige kann die Ursache für die euphemistische Benennung sein. Es kann auch gesteuert werden, wenn bei einem unangenehmen oder unangesehenen Beruf Mangel an Arbeitskräften herrscht.
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Das zweifellos populärste Beispiel für aufwertende Berufsbezeichnun­gen ist Raumpfl egerin, die inzwischen in den Anzeigen die Putzfrau weit- gehend verdrängt hat, aber noch als aufwertender Euphemismus angese­hen werden muss, da keine soziale Aufbesserung die Neubezeichnung rechtfertigt. Nach L. Mackensen erfüllt Aushilfe anstelle von Putz-, Zugeh- oder Stundenfrau im ländlichen Bereich eine ähnliche aufwertende Funk­tion wie Raump egerin in der Stadt. Beispiele für Putzfrau sind: Parkett- kosmetikerin, Reinigungsassistentin, Raumbetreuerin, Bodensachbearbeite­rin, Bodenmasseuse usw.
Noch stärker als bei Putzfrau hat sich die Aufwertung bei Dienstmäd chen durchgesetzt, das am häufi gsten durch Hausgehilfi n oder Hausange stellte ersetzt wird.
Die Dienstleistungsgebiete sind besonders von der Aufwertung be­troffen, wie etwa folgende Beispiele zeigen: Floristin statt Blumenbinderin bzw. -verkäuferin, Bürokraft für Laufbursche, Sozialarbeiterin oder Wohl- fahrtsp egerin anstelle von Fürsorgerin.
Anstatt In ation schreiben die Zeitungen: Der Dollar ist schwach oder
krank. Es gibt zahlreiche Euphemismen wie z. B. gesellschaftlich nicht mehr krisenfest für bankrott; faule Ware – Aktien; Bankrott-Firmen, Schwarzpreis, schwarz verkaufen usw.
Belletristik
Wie es schon früher erwähnt ist, werden die Euphemismen aktiv in der schöngeistigen Literatur gebraucht. In der Dichtung (Poesie und Prosa) wird der literarische Euphemismus verwendet, um manche Härten des In halts oder der Form zu verbergen, zu verhüllen. Oft wird dabei als Neben wirkung oder als angestrebte Wirkung verstärkte Satire hervorgerufen.
So lesen wir in H. Manns Roman “Der Untertan“: Nüchtern und be fangen
sah er in der Gesellschaft umher, deren Selbstbewusstsein durch die vielen, leer am Boden stehenden Flaschen so sehr gesteigert worden war.
Es fällt dem Leser nicht schwer, die kausalen Beziehungen zwischen den zahlreichen leeren Flaschen und dem “geistigen Bewusstsein” der Anwesenden herzustellen.
In Oskar Maria Grafs Roman “Unruhe um einen Friedfertigen” wird der jüdische Schuster Kraus am Ende von SA-Leuten in den Tod gehetzt. Das sind die Sätze über sein Sterben: Sonderbar still war es um ihn. Er sackte irgendwo
tief; tief hinab, und die Sekunden hörten auf, für ihn Se kunden zu sein...
In ganz einfache Worte wird diese Aussage gekleidet; gerade in ihrer Schlichtheit ist sie ergreifend und wird dem Tode dieses einfachen Men schen gerecht, der sein ganzes Leben in ängstlicher Zurückgezogenheit gelebt hatte.
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Und ich wusste nicht, dass Krieg gewesen war, vor kurzer Zeit, und sie fragte mich, ob ich denn auf einem Friedhof gewesen sei, wo auf den Grab­steinen stand: ” Gefallen”, und ich sagte doch, das hätte ich gesehen, ich hätte nur vorgestellt, die dort beerdigt seien, wären tot umgefallen... (H. Boll. Billard um halb zehn)
Sehr oft sind Euphemismen in der Werbung anzutreffen: Zimmer im griechischen Stil statt “spartanische Grundmöblierung – Bett, Stuhl, Tisch”. Oder: Weiches braucht Weiches – für Toilettenpapier. Nicht mehr feucht unter den Armen – nicht mehr schwitzen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Euphemismen in den funktionalen Stilen der Alltags- und der Zeitungssprache, der Publizistik und der schönen Literatur als Stilmittel gebraucht werden. Im wissen schaftlichen sowie im offi ziell-sachlichen Stil fehlen die Euphemismen, weil die Sprache dieser Stile präzis und eindeutig ist.
Die meisten Euphemismen sind stilistische, okkasionelle Euphemis­men, insbesondere in der schönen Literatur und in der Zeitungssprache. Die Bildung der Euphemismen ist ein starker Anreiz für die Wortschöp fung.
Litotes
Die Litotes (griech. “Schlichtheit”) ist eine Periphrase auf Grund der Verneinung, d.h. verneinende Umschreibung eines Sachverhalts, meist in Form des verneinten Gegenteils. Die Aussage wird durch die Vernei nung verstärkt oder abgeschwächt, sie kann dadurch humorvoll, ironisch, satirisch wirken, Aufmerksamkeit lenken. Darin lässt sich die stilistische Leistung der Litotes äußern: Das Mädchen ist nicht ohne Talent. – eine positive Bewertung; nicht schlecht – besonders gut; nicht ungern – überaus gern;
nicht selten – ziemlich oft; kein Neuling – durchaus erfahren; nicht ohne Wohlgefallen – mit großem Gefallen.
...und betrachtete sie nicht ohne W ohlgefallen. (G. Keller. Die Leute von
Seldwyla)
Der Ausdruckswert der Litotes ist vom Kontext abhängig, ob verstär kend oder abschwächend:
Im Sprechzimmer hantierte Dora, die nicht ganz ehrliche Köchin. (Th. Mann. Die Buddenbrooks)
Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialen und abscheulichen Gestalten dieser nicht armen Epoche gehörte.
(P. Süßkind. Das Parfüm)
Besonders wirksam ist die Litotes in der Presse, oft im Titel (“Deutsch- land kein Wintermärchen”, so betitelte ein österreichischer Publizist sei ne Reiseberichte aus der DDR).
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Litotes in der Werbung: Die Disketten von Maxel sind nicht die schlech- testen; Keine Feier ohne Meier; Nichts ist unmöglich (Toyota).
Allusion
Allusion (syn. Anspielung): Das ist eine Umschreibung, der Meta pher nahe stehender Tropus, eine Anspielung auf eine meistens histori sche Person, Örtlichkeit, Begebenheit oder Sitte.
Die Pferde wedelten mit dem Schwanz so traulich wie alte Bekannte, und ihre Mistküchlein dünkten mir schön wie die Äpfel der Atlante. (H. Hei ne.
Deutschland. Ein Wintermärchen)
Äpfel der Atlante – Anspielung auf eine griechische Sage. Atlante tö tet jeden ihrer Verehrer, der sie im Wettlauf nicht besiegen kann. Hippomenes lässt auf den Rat der Liebesgöttin Aphrodite drei goldene Äpfel fallen. Die bis dahin stets siegreiche Atlante bückt sich danach und ver liert deshalb durch Zeitverlust den Wettlauf. Eine Frau mit Vergangenheit (Prostituierte),
Lukullisches Tafeln bewirken Kopfweh (sehr viel essen und sehr viel trinken), to be or not to be (eine Anspielung auf Hamlets Äuße rung).
Aißchrologie
Stilmittel des Schimpfes und streitlustigen Zeterns, wendet sich di rekt an eine Person und beschimpft sie, oberfl ächlich bis gezielt brutal; stellt jedenfalls dadurch eine Beziehung her, z.B. bei J.W. Goethe im “Faust” (zitiert nach J. D. Harjung, 2000: 26):
Wen lockst du hier? beim Element! Vermaledeiter Rattenfänger!
Au, Au, Au, Au!
Verdammtes Tier, verfl uchte Sau!
Versäumst den Kessel, versenkst die Frau!
Ve r fl uchtes Tier.
Epitheta
Epitheta (griech. “Beiwörter”) sind Mittel der Bildhaftigkeit. Das We-
sen dieses Stilistikums wird von vielen Stilforschern verschieden gedeu­tet. Manche halten es z. B. für ein schmückendes Beiwort, das nur für die schöne Literatur von Bedeutung ist. Dieser Auffassung können wir nicht zustimmen, da ein Epitheton inhaltliche und ästhetische Funktionen hat. Es gibt eine Meinung, dass ein Epitheton, grammatisch als Attribut aus­geformt, nur eine bewertende, einschätzende Funktion ausübt. Unser Standpunkt besteht darin, dass ein Beiwort Sachangabe und Einschät zung eine Einheit bilden, wobei in einem Fall das eine, im anderen Fall das andere stärker in den Vordergrund tritt.
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Epitheta charakterisieren und bewerten in der Regel gleichzeitig. Folg lich ndet das Epitheton in allen Stilen Verwendung. In Übereinstim mung mit E.G. Riesel deuten wir diesen Begriff folgendermaßen:
Epitheton ist jede Merkmalsbestimmung eines Substantivs, durch die der betreffende Begriff logisch-sachlich konkretisiert oder emotional ein­geschätzt wird. Man kann von zwei Untergruppen der Beiwörter spre chen:
Konkretisierende Epitheta, vor allem logisch-sachliche, fi nden wir in allen Stilen der schriftlichen und mündlichen Rede. Sie präzisieren und konkretisieren die Bedeutung, d. h. erfüllen die denotative Funktion, darüber hinaus aber vermitteln noch eine stilistische Information, indem sie oft bildhaft sind. Der Grund ihrer Bildhaftigkeit ist verschieden:
Im wissenschaftlichen und offi ziellen Stil dienen die konkretisieren- den Epitheta dazu, den übergeordneten Begriff, durch ein Substantiv aus­gedrückt, schärfer zu umreißen, die Aussageabsicht dem Empfänger zu verdeutlichen, zu klären (die Bildhaftigkeit fehlt gewöhnlich). Von stärkerer Bildhaftigkeit hingegen sind die Beiwörter im Stil der schönen Lite ratur. Wenn ein so hervorragender Stilist wie Th. Mann viele Merkmale bei der Beschreibung einer Person oder eines Vorfalls nennt (Äußeres, Kleidung, Umgebung, Natur), so will der Verfasser die Zeit in ihren äu ßeren Formen, in feinsten Abschattungen und Details nahe bringen.
Die konkretisierenden Beiwörter dienen auch der Personencharak­terisierung, indem sie nicht nur die äußeren, sondern auch die inneren Wesensmerkmale hervorheben, das Soziale unterstreichen. Damit erfül len sie im künstlerischen Text weite ästhetische Aufgaben.
Neben Th. Mann gilt L. Feuchtwanger als ein Freund des Epithe tons. Andererseits gibt es auch in der schönen Literatur ausgesprochene “Epitheta­Feinde”, beispielsweise Voltaire.
Die “Feindschaft” gegen das Epitheton wird damit begründet, dass es vom Dingwort (Substantiv) ablenke. Man könne andere Mittel fi nden, die Eigenschaften anzugeben (statt alter Mann – ein Greis, statt geiziger Mann – der Geizhals, der Geizkragen).
Die Diskussion um die Zweckmäßigkeit der Beiwörter in der schö nen Literatur ist noch nicht abgeschlossen. Wir können den Worten des Forschers Faulseit beistimmen, die lauten: “Im Grunde genommen aber kann es keine absolute Entscheidung für oder gegen das Epitheton ge ben, sondern man muss in jedem einzelnen Falle davon ausgehen, ob der Gebrauch des Epithetons aussagedienlich und zweckmäßig ist.”
Bewertende, emotionale Epitheta offenbaren in erster Linie die per­sönlichen Beziehungen des Sprechers zum Gegenstand der Darstellung. Im Stil der Wissenschaft und des öffentlichen Verkehrs kommen sie sel ten vor,
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