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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2897_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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☆
30.16 Amyloidose
30.16 Amyloidose
Definition
▶
Extrazelluläre Ablagerung von Amyloid (fibrilläres Protein) in verschiedenen Orga­nen.
Ursachen - Einteilung
▶
Immunglobulin-assoziierte Amyloidosen: Ablagerungen vom AL-Typ bei Multiplem Myelom, Lymphoplasmozytischem Lymphom oder primär.
▶
Reaktive Amyloidosen: Ablagerungen vom AA-Typ bei chronischen Infektionen (z. B. Tbc, Lues, Osteomyelitis, Bronchiektasen), nichtinfektiösen Entzündungen (z. B. rheumatoide Arthritis, Kollagenosen, Spondylitis ankylosans, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), familiärem Mittelmeerfieber (autosomal rezessiv), anderen Autoinflam­mationssyndromen, Malignomen.
▶
Familiäre Amyloidosen (autosomal dominant vererbt): z. B. Transthyretin(TTR)-as­soziierte Amyloidose (ATTR).
▶
-Mikroglobulin-assoziierte Amyloidosen: Amyloidablagerungen nach jahrelanger
β
2
Dialyse. Hauptsächlich Befall von Sehnen und Gelenken.
▶
Lokalisierte Amyloidosen: z. B. bei Diabetes mellitus, Morbus Alzheimer, als seniles kardiales Amyloid (TTR) bei alten Menschen (häufig).
Klinik
▶
Ggf. Symptome des Grundleidens.
▶
Symptomatik abhängig von der Lokalisation der Amyloidablagerungen:
• Nieren: Proteinurie, Niereninsuffizienz
• Herz: Herzinsuffizienz, Kardiomegalie und Herzrhythmusstörungen
• Haut: Ablagerungen in Form erhabener wachsartiger Papeln
• Gastrointestinaltrakt: Makroglossie, Dysphagie, Durchfälle, Malabsorption, Ileus,
Blutungen
• Leber/Milz: Hepatosplenomegalie, Transaminasenerhöhung
• Nervens ystem: Polyneuropathie
• Sehnen: z. B. Karpaltunnelsyndrom
• Gelenke: Arthralgien.
Diagnostik
▶
Histologischer Nachweis von Amyloidablagerungen:
• Suchverfahren: Tiefe Rektumbiopsie (große Biopsiezange, Submukosa muss mit-
erfasst werden), Kongorotfärbung, Immunhistochemie
• ggf. Biopsien aus der Haut, subkutanes abdominelles Fettgewebe, Mundschleim­haut, Myokard, Leber, Niere etc.
▶
Genanalyse: Bei familiären Amyloidosen.
Therapie – Prognose
▶
Ggf. Behandlung der Grunderkrankung, Colchicin-Therapie bei familiärem Mittel­meerfieber, Behandlung der Organmanifestationen (z. B. Herzinsuffizienz), ggf. Le­bertransplantation (Transthyretinsynthese v. a. in der Leber) bei ATTR.
▶
Prognose abhängig vom Organbefall (bei Herz- und Nierenbeteiligung schlecht) und der Grunderkrankung.
30
Rheumatische und immunologische Erkrankungen
487
30.17 Degenerative Gelenkerkrankungen
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30
30.17 Degenerative Gelenkerkrankungen
Definition
▶
Arthrosis deformans (Osteoarthritis): nicht entzündliche Gelenkerkrankungen, ge- kennzeichnet durch eine Zerstörung der Gelenkstruktur infolge eines Missverhält­nisses zwischen Beanspruchung und Belastbarkeit des Gelenkes.
▶
Spondylosis deformans: degenerative Erkrankung der Wirbelkörper und der Band­scheiben (Osteochondrosis inter vertebralis).
▶
Spondylarthrose: degenerative Erkrankung der kleinen Wirbelgelenke.
Ursachen – Epidemiologie
▶
Genetische Disposition.
▶
Begünstigend sind Adipositas, angeborene Fehlstellungen, andauernde mecha­nische Überlastung (z. B. Fußballer) und Traumata.
▶
Häufigkeit mit dem Alter zunehmend, Frauen häufiger betroffen als Männer.
Klinik
▶
Arthrosis deformans:
• allgemein: Initial Anlauf- und Belastungsschmerzen, später auch nachts auftre-
tende Dauerschmerzen mit rascher Ermüdbarkeit bei körperlicher Bewegung, Deformierung des Gelenks, Muskelatrophien, bei aktivierter Arthrose Schwellung, manchmal auch Rötung
Rheumatische und immunologische Erkrankungen
• spezielle Krankheitsbilder:
– Koxarthrose (Coxarthrose) = Arthrose des Hüftgelenks: zuerst eingeschränkte
Innenrotation, später auch Abduktion, Extension und zuletzt Flexion. Häufig Schmerzausstrahlung bis zum Knie
– Gonarthrose = Arthrose des Kniegelenks: Schmerzen zunächst bei der Belas-
tung in Extension (Abwärtsgehen), häufig bereits frühzeitig Crepitatio bei pas­siver Gelenkbewegung tastbar
– Interphalangealarthrose = Fingerpolyarthrose: im Gegensatz zur rheumatoiden
Arthritis (S. 462) Befall der Fingermittel- und Endgelenke. Formen: Heberden- Arthrose mit sichtbaren knotigen Verdickungen (= Heberden-Knötchen) an den Streckseiten der Fingerendgelenke und Bouchard-Arthrose mit Kapselschwel­lung und Konturdeformierung der Fingermittelgelenke
– Rhizarthrose = Daumensattelgelenksarthrose: eingeschränkte Daumenabdukti-
on, Druckschmerzen, tastbare Crepitatio bei passiver Bewegung.
▶
Spondylosis deformans, Spondylarthrose:
• schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule, Rückenschmerzen, je nach Lokalisation evtl. mit Ausstrahlung in die Extremitäten oder nach interkos­tal
• bei Befall der Halswirbelsäule häufig zusätzlich Nackenschmerzen und okzipitale, nach frontal ausstrahlende Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen.
Diagnostik – Differenzialdiagnose
▶
Klinik
▶
Differenzialdiagnose anderer Ursachen von Gelenk- (S.222) und Rückenschmerzen (S.466).
▶
Labor: Keine typischen Veränderungen der Routineparameter; zum Ausschluss einer entzündlichen Beteiligung Untersuchung mindestens von BSG und Blutbild.
▶
Röntgen:
• betroffene Gelenke: Gelenkspaltverschmälerung, Unregelmäßigkeit der Gelenkflä- chen, subchondrale Sklerosierungen, Osteophyten (Knochenausziehungen), Fehl­stellung des Gelenks.
488
30.17 Degenerative Gelenkerkrankungen
• Wirbelsäule: Verschmälerung des Intervertebralspaltes, Sklerose der Wirbelkör- per, zackenförmige Ausziehungen an den Wirbelkörperrändern (= Spondylophy-
ten), v.a. im LWS-Bereich evtl. Verschiebung der Wirbelkörper (= Spondylolisthe­sis).
▶
Je nach differentialdiagnostischer Fragestellung: Gelenksonografie, CT, MRT.
Therapie
▶
Bei akuten Schmerzen nicht steroidale Antiphlogistika, sog. NSAR (Tab. 30.4), in schweren Fällen einer aktivierten Arthrose intraartikul äre Glukokortikoidbehand­lung.
▶
Gewichtsnormalisierung.
▶
Physiotherapie/physikalische Therapie: z. B. Wärme-/Kältebehandlung, Massagen, analgesierende Elektrotherapie, Ultraschalltherapie, Ergotherapie, Gelenkschutz.
▶
Evtl. operative Therapie: z.B. endoprothetische Versorgung bei Cox- und Gon­arthrose.
▶
Hilfsmittel: z. B. orthopädische Einlagen, Gehstützen, Bandscheibenmatratzen, spe­zielle Sitzmöbel.
Periarthropathia humeroscapularis
▶
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung v.a. bei der Schulterabduktion z. B. als Fol­ge des Impingements (= Beeinträchtigung der Gelenkbeweglichkeit meist durch de­generative Veränderungen mit Einklemmung von Kapsel- oder Sehnengewebe).
▶
Röntgenzeichen: Kalkablagerungen im Bereich der Supraspinatussehne und in der Bursa subdeltoidea.
▶
Therapie: Physiotherapie, NSAR (Tab. 30.4), Infiltration mit Lokalanästhetika, Glu­kokortikoidinjektionen, evtl. Strahlentherapie.
30
Rheumatische und immunologische Erkrankungen
489
Knochenerkrankungen
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31
31 Knochenerkrankungen
31.1 Osteoporose
Definition
▶
Mit Frakturen einhergehende Verminderung der Knochenmasse, -struktur und
-funktion.
Ursachen - Einteilung - Epidemiologie
Knochenerkrankungen
▶
Häufigste Knochenerkrankung, ca. 10 % der Bevölkerung betroffen. Frauen sind zehnmal häufiger betro ffen als Männer.
▶
Primäre Osteoporose (> 90 %):
• idiopathische juvenile Osteoporose: selten
• adulte Osteoporose: Risikopatienten sind zierlich gebaute Frauen, Patienten mit
positiver Familienanamnese, vorzeitiger Menopause, Alkohol und/oder Nikotina­busus. Einteilung in Typ I- und Typ II-Osteoporose: Tab. 31.1.
▶
Sekundäre Osteoporose (< 10 %). Ursachen: Immobilisation (lokalisiert - generali­siert), Hyperkortisolismus, Hypogonadismus, Hyperthyreose, Mangelernährung, Malabsorption, Maldigestion, medikamentöse Langzeittherapie mit Glukokortikoi­den, Antiandrogenen, Protonenpumpenhemmern, Glitazonen, Antiepileptika, He­parin u. a.
Tab. 31.1 • Osteoporoseformen.
Typ-I-Osteoporose Typ-II-Osteoporose
Synonyme postmenopausal, präsenil senil
Manifestationsalter 40 – 70 Jahre > 70 Jahre
Frauen : Männer fast nur Frauen 2 : 1
Knochenabbau Spongiosa Spongiosa, Kompakta
bevorzugte Frakturlokali­sationen
ätiologische Faktoren Östrogenmangel biolog. Alterung, Immobilität,
Wirbelkörper distaler Radius
Proximaler Femur, Humerus, Radius, Wirbelkörper
evtl. Ca
++
-, Vit.-D-Mangel
Tab. 31.2 • Osteoporosestadien.
klinisches Stadium T-Score (Densitometriebefund)
0 Osteopenie, präklinische Osteoporose -1,0 bis -2,5 SD; keine Frakturen
I Osteoporose ohne Frakturen < -2,5 SD; keine Frakturen
II manifeste Osteoporose mit Frakturen < -2,5 SD; 1 – 3 Wirbelkörperfrakturen
III fortgeschrittene Osteoporose <-2,5 SD;> 3 Wirbelkörperfrakturen, auch
T-Score: Anzahl der Standardabweichungen (SD), die der Messbefund vom Mittelwert gesunder junger Erwachsener (peak bone mass) abweicht
490
ohne adäquates Trauma
extraspinale Frakturen
31.1 Osteoporose
Klinik
▶
Stadieneinteilung: Tab. 31.2
▶
Schmerzen: Meist vertebragen im Thorax und Lumbalbereich („Lumbago“).
▶
Erhöhtes Frakturrisiko.
▶
Rundrücken, Gibbusbildung, Verminderung der Körpergröße mit tannenbaumarti­gen Hautfalten am Rücken (= Tannenbaumphänomen).
Diagnostik
▶
Anamnese: Schmerzen (s. o.), Reduktion der Körpergröße, Frakturen, Voroperatio­nen (z. B. Dünndarmresektion), Immobilisation, Medikamente, Ernährung, Alkohol, Nikotin, gynäkologische Anamnese, familiäre Belastung.
▶
Befund: Wirbelsäulenform, Klopf- und Stauchungsschmerzen von Wirbelsäulenseg­menten, Hinweise für Cushing-Syndrom, Hyperthyreose, Kachexie, Hypogonadis­mus u. a.
▶
Labor (im Rahmen der DD, vgl. Tab. 31.3, bei reiner Osteoporose keine typische Konstellation): BSG, Blutbild, BG, Ca GPT, alkalische Phosphatase (aP), Gesamteiweiß, Serum-Elektrophorese (S. 242), TSH-basal, Urinstatus, Bence-Jones-Proteine im Urin.
▶
Röntgen: BWS und LWS in 2 Ebenen: je nach Stadium Grund- und Deckplattenbeto­nung, Betonung vertikaler Trabekel, Fischwirbel, Keilwirbel.
▶
Knochendichtemessung = Osteodensitometrie. Verfahren der Wahl: Dual-Röntgen- Absorptiometrie= DEXA = DXA (Dual X-ray-Absorptiometrie). Ermittlung des T-Scores
(s. o.).
▶
Knochenbiopsie am Beckenkamm (S. 91): Bei speziellen Fragestellungen z. B. rasch progredienter Verlauf, jüngere Patienten, Männer < 60 J.
++
(ggf. PTH intakt), Phosphat, Kreatinin, γGT,
Differenzialdiagnose
31
Knochenerkrankungen
Tab. 31.3 • Differenzialdiagnose verschiedener Knochenerkrankungen anhand typischer
Osteoporose n n n-↑
Osteomalazie (S.493)
pHPT (S.528) ↑↓ ↑PTH intakt ↑
Malignome (multiples Myelom, Metastasen)
Laborveränderungen im Serum.
Kalzium Phosphat aP Sonstiges
n-↓ n-↓↑Vitamin D ↓
↑ n ↑ BSG ↑, Serum-Elektrophorese
(S.242), Tumorsuche
Prophylaxe und Therapie
▶
Kausale Behandlung bei sekundärer Osteoporose.
▶
Basistherapie:
• Minimierung des Alkohol- und Nikotinkonsums
• Kalziumreiche Kost (v. a. Milchprodukte): 1000–1500 mg täglich, ggf. ergänzend
als Präparat, z.B. Calcium-Sandoz
• Vitamin D
älteren immobilen (weniger Sonnenexposition) Patienten mit subklinischem Vi­tamin-D-Mangel. Unter Vitamin-D-Therapie Ca 3 Monate
: 500 – 1000 I.E./d (z. B. Vigantoletten®500|1000 Tbl.), besonders bei
3
®
500|1000 mg/Tbl.
++
-Serumspiegelkontrollen alle
491
31
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Knochenerkrankungen
31.1 Osteoporose
• Schmerztherapie: Medikamentös (S. 128), bei akuter Exazerbation evtl. passagere
Stützmiederbehandlung, Physiotherapie (isometrische Übungen, Anleitung zum schmerzkontrollierten Transfer Liegen-Stehen etc.)
• Regelmäßige körperliche Bewegung (protektiver Effekt)
• Sturz- und Frakturprophylaxe: Insbesondere bei älteren Patienten Medikation
überprüfen (v. a. Benzodiazepine, Neuroleptika, Antidepressiva, Antihypertensiva, Diuretika), Trainingsmaßnahmen (z. B. Balance, Kraft, Gehen, Reaktion), Optimie­rung des häuslichen Umfelds (Beleuchtung, Stolperfallen), Beurteilung von Hör­und Sehdefiziten, passendes Gehhilfsmittel, Hüftprotektoren = Baumwollhosen mit seitlich fest eingenähten Schalen, die beim Aufprall auf die Hüfte die Sturz­energie vom Oberschenkelhals weg in das umliegende Weichteilgewebe verteilen (z. B. Safehip
▶
Medikamente, die nachgewiesen das Frakturrisiko senken:
®
).
• Indikation: manifeste Osteoporose (Wirbelkörperfraktur bei T-Score ≤ -2,0), lang- fristige Glukokortikoidtherapie (≥ 7,5 mg/d über ≥ 3 Monate), erniedrigte Knochen­dichte in Abhängigkeit von der Risikokonstellation (www.dv-osteologie.org/),
• Bisphosphonate: Antiresorptive Wirkung durch Hemmung der Osteoklasten. Do- sierung (über mindestens 3 Jahre): z. B. Alendronsäure (Fosamax oder 1 × 70 mg/Woche), Risedronsäure (Actonel Einnahme morgens p. o. ≥ 30 Min. vor dem Frühstück; alternativ jährliche Infusi­on: Zoledronsäure (Aclasta
®
5 mg). Nebenwirkungen: Häufig Übelkeit und Diar-
®
1 × 5 mg/d oder 1 × 35 mg/Wo.);
®
1×10mg/d
rhö, seltener: Urtikaria, Pruritus, Exantheme, Angioödem, Blutbildveränderun­gen, bei Tumorpat. Osteonekrosen im Kieferbereich u. a.
• Strontiumranelat (Protelos
®
2 g/Btl., Dosierung: 1 Btl./d, Einnahme > 2 Std. nach dem Abendessen): Knochenanbau stimulierend und Knochenabbau hemmend. Nebenwirkungen: Thromboembolie- / Myokardinfarktrisiko ↑, Diarrhö, Kopf­schmerz, Übelkeit, Dermatitis; Anwendung beschränkt auf schwere Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit hohem Frakturrisiko und bei Männern mit er­höhtem Frakturrisiko. Kontraindikationen: KHK, pAVK, zerebrovaskuläre Erkran­kungen, schlecht eingestellte arterielle Hypertonie
• Denosumab (Prolia
®
, 60 mg alle 6 Monate s. c.): monoklonaler Antikörper gegen
RANKL (= Receptor Activator of Nuclear Factor-κB Ligand), wodurch gezielt die Bildung der Osteoklasten gehemmt wird.
• Raloxifen (Evista
®
60 mg/Tbl., Dosierung: 1 Tbl./d): selektiver Östrogenrezeptor­Modulator (SERM) mit östrogenagonistischer Wirkung am Knochen (Frakturrisi­ko ↓) und -antagonistischer Wirkung an Mamma (Mammakarzinomrisiko ↓) und Uterus
• Parathormon: Teriparatid (Forsteo
(Preotact
®
100 μg/d s. c.); Stimuliert den Knochenanbau. Indikation: komplizierte
®
20 μg/d s. c.), Parathormon rekombinant
Osteoporoseformen. Behandlung max. 18 bzw. 24 Monate, sehr hohe Therapie­kosten.
• Östrogene: Antiresorptive Wirkung aber erhöhtes Risiko für Myokardinfarkt,
Schlaganfall, Venenthrombose und Mammakarzinom. Indikation: Substitution bei Östrogenmangel im Zusammenhang mit vorzeitiger Menopause oder Z. n. Ovarektomie.
▶
Verlaufskontrollen unter Pharmakotherapie: Alle 3 – 6 Monate Anamnese (Compli- ance, Medikamentenverträglichkeit, Schmerzen?), bei Frakturverdacht Röntgen; Knochendichtemessung frühestens nach 2 Jahren.
492
31.2 Osteomalazie
31.2 Osteomalazie
Definition
▶
Gestörte Knochenmineralisation durch Mangel an 1,25-(OH) wachsenen (bei Kindern: Rachitis).
Ursachen
▶
Vitamin-D-Mangel bei Malassimilation (S. 380), seltener Folge einer mangelhaften Vitamin-D-Zufuhr oder ungenügenden UV-Bestrahlung.
▶
Gestörter Vitamin-D-Stoffwechsel bei chronischer Leber- oder Niereninsuffizienz oder als Nebenwirkung von Medikamenten (z. B. Phenytoin).
▶
Seltene Ursachen:z.B.kongenitale renal tubuläre Azidose oder Phosphatdiabetes (Tab. 28.2) mit Vitamin-D-resistenter Rachitis, vermehrter Ausscheidung von Phos­phat und Hypophosphatämie, beim Debré-Toni-Fanconi-Syndrom zusätzlich ver- mehrte Ausscheidung von Glukose und Aminosäuren.
Klinik
▶
Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparats.
▶
Knochenverformung.
▶
Erhöhte Frakturgefährdung.
Diagnostik
▶
Anamnese: Grunderkrankung.
▶
Labor:
• alkalische Phosphatase (aP): erhöht (typisch)
• Kalzium: niedrig normal bis leicht erniedrigt
• Phosphat: bei Malassimilation erniedrigt, bei chron. Niereninsuffizienz erhöht
• Vitamin-D-Bestimmung bei weiterer diagnostischer Unklarheit (Serum tiefgefro-
ren): bei chronischer Niereninsuffizienz Erniedrigung des 1,25-(OH)
-Spiegels, bei Malassimilation, Mangelernährung und chronischer Leberinsuffi-
D
3
zienz zusätzlich auch 25-(OH)-Vit.-D
▶
Röntgen: Verwaschene Knochenzeichnung, erhöhte Strahlentransparenz, Looser- Umbauzonen (quer zur Knochenlängsachse verlaufende Aufhellungsstreifen), Kno-
chenverformungen.
▶
Knochenbiopsie am Beckenkamm (S.91): Nur bei speziellen Fragestellungen und di­agnostischer Unklarheit.
erniedrigt.
3
Therapie
▶
Therapie der Grunderkrankung.
▶
Bei Vitamin-D-Mangel: Anfangs über 3 Wochen 10 000 I.E./d (z. B. 1 Tbl. Vigantol 10 000), später 1000 I.E./d (z. B. 1 Tbl. Vigantoletten®1000). Bei Malassimilation meist kombinierte parenterale Substitution fettlöslicher Vitamine (z. B. ADEK-Falk 1 Amp./Woche i. m.). Dosissteuerung durch regelmäßige Ca++-Kontrollen (cave: Hy­perkalzämie).
▶
Behandlung der renalen Osteopathie (S. 441).
-Vitamin D3beim Er-
2
-Vitamin-
2
31
Knochenerkrankungen
®
®
493
31.3 Morbus Paget (Ostitis deformans)
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31
31.3 Morbus Paget (Ostitis deformans)
Definition
▶
Lokalisierte Knochenerkranku ng mit pathologisch vermehrtem Umbau und Bildung von mechanisch minderwertigen, teilweise deformierten Knochen.
Ursachen – Epidemiologie
▶ ▶
Prävalenz: ca. 2 % der Bevölkerung, behandlungsbedürftige Fälle: ca. 4/100 000 Ein­wohner, Männer > Frauen, Auftreten meist in der zweiten Lebenshälfte.
Knochenerkrankungen
Klinik
▶
Häufig Beschwerdefreiheit (ca. ⅓ der Pat.).
▶
Lokalisierte Knochenschmerzen im Bereich der betroffenen Skelettabschnitte: be­sonders Becken, Femur, Tibia, LWS und Schädel.
▶
Deformierung und Verbiegung befallener Röhrenknochen ( „ Säbelscheidentibia“), Volumenzunahme des Schädels.
▶
Hörstörungen (Tinnitus, Schwerhörigkeit) bei Befall des Felsenbeins.
▶
Evtl. radikuläre Schmerzen und motorische Störungen bei LWS-Befall.
▶
Komplikationen:
• Frakturen, verstärkte Arthroseneigung.
• Wurzelkompressionssyndrom (Tab. 17.6) bei LWS-Befall.
• Nephrolithiasis.
Diagnostik – Differenzialdiagnose
▶
Skelettszintigrafie: Empfindlichster Nachweis befallener Knochenabschnitte.
▶
Röntgen-Aufnahmen Klinisch oder szintigrafisch betroffener Knochenabschnitte: Kortikalisverdickung und Vergröberung der Trabekelstruktur.
▶
Labor: Anstieg der alkalischen Phosphatase (aP) im Blut und der Hydroxyprolin­Ausscheidung im Urin (unspezifische, zur Aktivitäts- und Verlaufsbeurteilung ge­eignete Parameter).
▶
Knochenbiopsie am Beckenkamm (S. 91): Nur bei speziellen Fragestellungen und di­agnostischer Unklarheit.
▶
Differenzialdiagnose: Knochentumoren, Metastasen, Osteomyelitis, primärer Hy­perparathyreoidismus (S. 528).
Therapie – Prognose
▶
Bei Beschwerden, Frakturgefahr und neurologischen Ausfällen Bisphosphonate (S.492): Etidronsäure, Dosierung 5 mg/kg KG/d über 6 Monate, Wiederholung frü­hestens nach 3 Monaten. Erfolgskontrolle durch aP-Bestimmung; Alternativ Zole- dronsäure als jährliche Infusion.
▶
Symptomatische Therapie mit Analgetika (Tab. 30.4), z. B. ASS, Diclofenac.
▶
Chirurgische Therapie von Frakturen oder ggf. neurochirurgische Therapie neurolo­gischer Komplikationen.
▶
Prognose: Unter Behandlung in ca. 60 % Beschwerdefreiheit. In ca. 1 % maligne Transformation (z. B. Osteosarkom).
494
32.2 Akute intermittierende Porphyrie
32 Stoffwechselerkrankungen
32.1 Porphyrien – Übersicht
Definition
▶
Gruppe von Stoffwechselkrankheiten mit Störung der Biosynthese von Häm mit Ak­kumulation oder vermehrter Ausscheidung von Porphyrinen.
Ursachen
▶
Primäre Porphyrien: genetische Disposition.
▶
Sekundäre Porphyrien: s.u.
Einteilung
Klassifikation der Porphyrien
hepatische Porphyrien
▶
akute hepatische Porphyrien:
• akute hepatische Porphyrie mit Porphobilinogen-Synthetase-Defekt (auto­somal-rezessiv): extrem selten
• akute intermittierende Porphyrie (autosomal dominant): s. u.
• hereditäre Koproporphyrie (autosomal dominant): selten
• Porphyria variegata (autosomal dominant): selten
▶
chronische hepatische Porphyrie (S. 496) = Porphyria cutanea tarda (autosomal dominant)
erythropoetische Porphyrien (selten)
▶
kongenitale erythropoetischePorphyrie= Morbus Günther (autosomal rezessiv)
▶
erythropoetische = erythrohepatische Protoporphyrie (autosomal dominant)
sekundäre Porphyrien
▶
akute toxische Porphyrie bei Bleivergiftung
▶
sekundäre Koproporphyrinurien (asymptomatisch): z. B. bei Lebererkrankun­gen, Alkoholintoxikation, Infektionen, Malignomen, hereditären Hyperbilirubi­nämien, Schwangerschaft, Diabetes mellitus u. a.
▶
sekundäre Protoporphyrinämien (asymptomatisch): Anämien unterschiedli­cher Ätiologie, Isoniazidtherapie u. a.
32
Stoffwechselerkrankungen
▶
Am häufigsten und wichtigsten sind:
• akute intermittierende Porphyrie:s.u.
• chronische hepatische Porphyrie (S.496).
32.2 Akute intermittierende Porphyrie
Ursachen – Epidemiologie
▶
Autosomal dominant vererbter Defekt der Porphobilinogen-Desaminase.
▶
Überwiegend symptomlose Anlageträger oder latent Erkrankte. Begünstigung der Manifestation durch: zahlreiche Medikamente, Alkohol, Infektionen, Operationen, Traumata, Psychostress, Hypoglykämie.
▶
Prävalenz 5 – 10/100 000 Einwohner, Verhältnis Frauen : Männer = 3 : 1, Erkran­kungsgipfel im dritten Lebensjahrzehnt.
495
32.3 Chronische hepatische Porphyrie
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32
Klinik
▶
Abdomen: Kolikartige Schmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, Obstipation.
▶
Nervensystem: Psychische Veränderungen, Psychosen, zerebrale Krampfanfälle, Po­lyneuropathie mit Parästhesien, Extremitätenschmerzen und Paresen zunächst der Streckmuskulatur von Händen und Armen. Bei weiterem Fortschreiten Gefahr der Tetraparese und Atemlähmung.
▶
Herz/Kreislauf: Arterielle Hypertonie, Tachykardie.
Diagnostik – Differenzialdiagnose
▶
Urininspektion: Rot nachdunkelnder Urin.
▶
Laboruntersuchung des Urins:
• Screening: Porphobilinogennachweis (Hoesch- oder Schwartz-Watson-Test)
Stoffwechselerkrankungen
• quantitative Bestimmung von Porphobilinogen (PBG, Norm: < 2 mg/d) und δ-Ami- nolävulinsäure (δ-ALS, Norm: < 6 mg/d) im 24-h-Urin (Lichtschutz!).
▶
■
Beachte: Bei positiver Diagnose Untersuchung von Familienangehörigen.
▶
Differenzialdiagnose: Andere Ursachen des akuten Abdomens (S.195), Polyarteriitis nodosa (S. 478), neurologische Erkrankungen, Bleivergiftung.
Therapie – Prognose
▶
Alkoholkarenz und Absetzen porphyrinogener Medikamente: Barbiturate, Dia­zepam, Sulfonamide, Östrogene, Nitrofurantoin, Griseofulvin, Phenytoin, Phenylbu­tazon, Diclofenac, Halothan, Imipramin, Mebrobamat, Clonidin, Theophyllin.
▶
Bei Bedarf „erlaubte“ Medikamente: ASS, Propranolol, Reserpin, Morphium und Derivate, Chloralhydrat, Chlorpromazin, Atropin , Neostigmin, Procain, Digitoxin, Pe­nicilline, Tetrazykline, Cephalosporine, Glukokortikoide.
▶
Bei akutem Porphyrie-Syndrom (intensivmedizinische Überwachung):
• Glukoseinfusionen (z. B. Glukose 40 % 1000 ml/d über ZVK) + forcierte Diurese, Bi­lanzierung, engmaschige Elektrolyt- und Blutglukosekontrollen
• bei fehlender Besserung unter Glukosetherapie: Häm-Arginin (Normosang 3 mg/kg KG/d über 15 Min. i. v. an bis zu 4 aufeinanderfolgenden Tagen (Notfall­bestellung über Firma Orphan Europe GmbH, Tel. 06 074/91 409–0)
• symptomatische Therapie: – Schmerzen: ASS oder Morphinderivate – Hypertonie, Tachykardie: Propranolol (z. B. Dociton – Unruhe/Brechreiz: Chlorpromazin (z. B. Propaphenin
Chloralhydrat (z. B. Chloraldurat
– Infektionen: Penicilline, Tetrazykline.
▶
Verlaufskontrolle: Kontrolle von Porphobilinogen und δ-ALS im Urin.
▶
Prognose: Unter adäquater Prophylaxe und Therapie günstig.
®
) 1000 – 2000 mg/d
®
)50– 200 mg/d
®
)50– 100 mg/d oder
®
)
32.3 Chronische hepatische Porphyrie
Ursachen – Epidemiologie
▶
Autosomal dominant vererbter Defekt der Uroporphyrinogen-III-Decarboxylase. Sy­nonym: Porphyria cutanea tarda
▶
Überwiegend symptomlose Anlageträger oder latent Erkrankte. Begünstigung der Manifestation v.a. durch Alkoholabusus (
▶
Prävalenz 20 – 50/100 000 Einwohner (häufigste Porphyrie), Verhältnis Männer : Frauen = 5 : 1, Erkrankungsgipfel jenseits des 40. Lebensjahres.
496
2
/3d.F.) und Östrogene.