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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2897_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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20.8 Aortenklappeninsuffizienz (AI)
▶
Bei medikamentöser Behandlungsindikation (präoperativ oder wenn Operation kontraindiziert) Herzinsuffizienzbehandlung mit Diuretika (S.275), evtl. Digitalis (umstritten). ACE-Hemmer nur bei hypertensiven Patienten und dann vorsichtig einschleichend dosieren. Grundsätzlich sind hypertensive Blutdruckwerte prognos­tisch ungünstiger als vorsichtig dosierte Antihypertensiva.
▶
Endokarditisprophylaxe (S. 248).
20.8 Aortenklappeninsuffizienz (AI)
Definition
▶
Aortenklappenschlussunfähigkeit mit diastolischem Blutreflux in den linken Ven­trikel.
Ursachen
▶
Rheumatisches Fieber (S. 468) mit rheumatischer Endokarditis: dann häufig mit Mitralstenose kombiniert.
▶
Bakterielle Endokarditis.
▶
Bikuspide Aortenklappe.
▶
Aortale Ektasie insbesondere bei älteren Hypertoniepatienten.
▶
Aortenaneurysma, Marfan-Syndrom, selten Lues (Mesaortitis luica) u. a.
▶
Akute Aortenklappeninsuffizienz bei Dissektion der Aorta ascendens.
▶
Posttraumatisch.
▶
Selten andere Ursachen.
Klinik
▶
Bei leichtgradiger Aorteninsuffizienz meist keine Beschwerden.
▶
Leitsymptom: Große Blutdruckamplitude (diastolischer Blutreflux und hohes Schlagvolumen):
• Pulsus celer et altus („Wasserhammer-Puls“)
• hebender, nach unten außen verlagerter Herzspitzenstoß
• Pulssynchrones Kopfdröhnen, Musset-Zeichen (pulssynchrones Kopfnicken).
▶
Folgen der Volumenbelastung des linken Ventrikels:
• Dyspnoe, Leistungsminderung
• Stauungs-RG über den Lungen
• Angina pectoris.
Diagnostik
▶
Klinik: Große Blutdruckamplitude mit Pulsus celer et altus (diastolischer RR > 80 mmHg schließt eine höhergradige Aortenklappeninsuffizienz weitgehend aus).
▶
Auskultation (Abb. 20.3):
• unmittelbar auf den 2. HT folgendes hauchendes diastolisches Decrescendo­geräusch über dem 2. ICR rechts oder dem Erb'schen Punkt, am besten im Sitzen bei vorgebeugtem Oberkörper zu hören
▶
■
Beachte: Oft ist ein spindelförmiges Systolikum lauter zu hören, bedingt durch
eine relative Aortenstenose durch das abnorm hohe Schlagvolumen
•„Austin-Flint-Geräusch“: Leises spätdiastolisches Geräusch bei schwerer Insuffi- zienz. Ursache: diastolischer Blutreflux an der Aortenklappe führt zum Flattern des vorderen Mitralsegels (auch gut im Echo zu erkennen).
▶
EKG: Bei höhergradiger Insuffizienz: Linkshypertrophiezeichen, positiver Sokolow- Lyon-Index (S. 271), betonte Q-Zacken (exzentrische Volumenhypertrophie).
20
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
257
20.8 Aortenklappeninsuffizienz (AI)
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20
▶
Röntgen-Thorax (Abb. 20.4): Evtl. Klappenkalk, Ektasie der Aorta ascendens, durch vergrößerten linken Ventrikel, „Aortenkonfiguration“ mit „Holzschuhform“ des Herzens, pulmonale Stauungszeichen (S. 271).
▶
Echokardiografie:
• B-Mode: Exzentrisch hypertrophierter hyperdynamer linker Ventrikel; später Di-
latation und Einschränkung der Ejektionsfraktion. Entscheidend zur Verlaufskon­trolle und OP-Indikationsstellung ist die Messung enddiastolischer und endsysto­lischer LV-Diameter
• Farbdoppler: Nachweis der diastolischen Refluxwolke in den linken Ventrikel und
Graduierung z. B. anhand des Durchmessers der Regurgitationsöffnung, des PISA (= proximal isovelocity surface area), des diastolischen retrograden Flusses in der aszendierenden Aorta und der Druckhalbwertszeit (PHT)
• Transösophageale Echokardiographie vor allem bei bikuspiden Klappen (s.o.) zur
Darstellung der Aszendensweite (häufig Aszendensdilatation, s. o.)
▶
Linksherzkatheter
• zwei Methoden zur Quantifizierung:
– Kontrastmittelreflux in den linken Ventikel bei Aorta-ascendens-Angiografie:
Grad I: minimale Regurgitation, Grad II: schwache Kontrastierung des gesam­ten linken Ventrikels, Grad III: deutliche Kontrastierung (nicht sofort), Dichte
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
wie in der Aorta ascendens, Grad IV: sofortige Kontrastierung des gesamten linken Ventrikels nach 1–2 Herzaktionen, dann mit höherer Kontrastmittel­dichte als in der Aorta ascendens
– Bestimmung des Schweregrades anhand der Regurgitationsfraktion (in % des
Schlagvolumens): Grad I: < 20 %, Grad II:20– 39 %, Grad III:40– 60 %, Grad IV: > 60 %.
• Nachweis anderer begleitender Vitien, Koronarangiografie.
2. ICR rechts parasternal oder
3. ICR links parasternal
III
Abb. 20.3 • Auskultationsbefund bei Aortenklappeninsuffizienz.
Aortenbogen
linker
Ventrikel
Abb. 20.4 • Aortenklappeninsuffizienz im Röntgenbild.
Therapie – Prognose
▶
Operativer Klappenersatz/Klappenrekonstruktion. Indikationen:
• Zunahme der LV-Diameter und Abnahme der LV-Funktion (eindeutige OP-Indika­tion bei LVESD> 55 mm oder LVEF< 50 % auch bei asymptomatischen Patienten)
• symptomatische, mindestens mittelgradige Aortenklappeninsuffizienz
• akute Aortenklappeninsuffizienz (Notfalloperation, bei Aortendissektion unter
Miteinbeziehung der Aorta ascendens).
▶
Konservativ: Behandlung bei Herzinsuffizienz (S.272): günstig für die Prognose ist die Nachlastsenkung mittels ACE-Hemmer.
▶
Endokarditisprophylaxe (S. 248).
258
20.9 Mitralklappenstenose
▶
Mittlere Lebenserwartung abhängig vom Ausmaß der Linksherzinsuffizienz. 10­Jahres-Überlebensrate nach rechtzeitigem Klappenersatz: ca. 60 %.
20.9 Mitralklappenstenose
Definition
▶
Einengung der Mitralklappenöffnungsfläche, die einen diastolischen Druckgradien­ten zwischen linkem Vorhof und linkem Ventrikel verursacht.
Ursachen
▶
In > 95 % d.F. rheumatisches Fieber (S. 468) mit rheumatischer Endokarditis.
▶
Selten: Funktionell bedingte Mitralklappenstenose durch diastolischen Prolaps von Vorhoftumoren (z. B. Myxom) in den Mitralklappenbereich, degenerative Mitral­klappenstenose mit Mitralringverkalkung, SLE (S. 470) u. a.
Klinik
▶
Folgen der Linksherzinsuffizienz (S. 270):
• Leistungsminderung, Dyspnoe bei Belastung und im Liegen, Müdigkeit, nächt­licher Husten
• Stauungs-RG über den Lungen, rötlich gefärbtes Sputum
▶
■
Beachte: Stauungs-RG können bei chronischer pulmonaler Hypertonie infolge
Mitralstenose fehlen.
▶
Folgen der Drucksteigerung und Vergrößerung des linken Vorhofs:
• häufig absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern (S. 306)
• bei Vorhofthromben arterielle Embolien: Ischämischer zerebraler Insult, akuter
Extremitätenarterienverschluss, Nierenarterienembolie, Mesenterialinfarkt.
▶
Folgen einer (sekundären) Rechtsherzinsuffizienz (S. 270):
• Halsvenenstauung, Ödeme, Stauungsleber (Spätform: cirrhose cardiaque mit se­kundärer Leberinsuffizienz), Proteinurie.
▶
Facies mitralis: rötliche Wangen.
Diagnostik
▶
Auskultation (Abb. 20.5): Paukender 1. Herzton, Mitralöffnungston gefolgt von einem diastolischen Decrescendo-Geräusch mit p.m. über der Herzspitze, bei Sinus­rhythmus präsystolisches Crescendogeräusch.
▶
EKG: Bei Sinusrhythmus P-sinistroatriale (S. 44), absolute Arrhythmie bei Vorhof­flimmern (S.306), Steil- bis Rechtstyp, Rechtsbelastungszeichen (S. 270).
▶
Röntgen-Thorax: Evtl. Klappenkalk und Mitralringverkalkung, mitralkonfiguriertes Herz mit verstrichener Herztaille und von seitlich sichtbarer Einengung des Retrokar­dialraumes (vergrößerter linker Vorhof) sowie des Retrosternalraumes (bei Rechts­herzhypertrophie), prominentesPulmonalissegment, pulmonale Stauung (S. 271).
▶
Echokardiografie:
• B-Mode: Verdickte/verkalkte Mitralsegel, kuppelförmige diastolische „Domstel­lung“ der Mitralsegel, Vergrößerung des linken Vorhofs, in der parasternalen kur-
zen Achse Quantifizierung der Stenose durch Planimetrierung der Öffnungsflä­che; Suche nach Vorhofthromben
• M-Mode: Verminderter EF-Slope (S. 59), aufgehobenes M-Muster, konkordante Bewegung des hinteren Klappensegels.
• Doppler: Quantifizierung der Stenose durch Ermittlung des Gradienten und der Klappenöffnungsfläche, z. B. nach der Pressure-half-Time-Methode.
▶
Herzkatheter:
• Rechtsherzkatheter: Druckwerte im Lungenkreislauf und später auch im rechten Herzen erhöht, Bestimmung des Herzzeitvolumens
20
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
259
20.10 Mitralklappeninsuffizienz (MI)
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20
• Linksherzkatheter: Bestimmung des diastolischen Druckgradienten zwischen lin-
kem Vorhof und linkem Ventrikel sowie der Klappenöffnungsfläche, Nachweis einer begleitenden Mitralklappeninsuffizienz oder anderer Herzklappenfehler, Koronarangiografie.
▶
Schweregradeinteilung anhand des mittleren Druckgradienten über der Klappe und der Klappenöffnungsfläche: Tab. 20.2.
Tab. 20.2 • Schweregradeinteilung der Mitralklappenstenose.
Schweregrad mittlerer Gradient über der Klappe* Klappenöffnungsfläche
leicht ≤ 7 mmHg 1,5 – 2,5 cm
mittelschwer 8 – 15 mmHg 1 – 1,5 cm
schwer >15 mmHg <1 cm
* bei normaler Frequenz und mittlerem Herzzeitvolumen
I
II
MÖT
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
Herzspitze
Abb. 20.5 • Auskultationsbefund bei Mitral­klappenstenose (MÖT= Mitralöffnungston).
Therapie – Prognose
▶
Medikamentöse Therapie:
• bradykardisierende Medikamente mit Verlängerung der Diastolendauer sind bei Mitralklappenstenose von Vorteil: z. B. Betablocker, Kalziumantagonisten, Digita­lispräparate
• Herzinsuffizienztherapie mit Diuretika (S. 275)
• bei Vorhofflimmern Digitalisierung (S. 277) und Dauerantikoagulation mit oralen
Antikoagulanzien (Tab. 8.4).
▶
■
Beachte: eine Tachykardie, insbesondere bei intermittierendem Vorhofflimmern,
führt bei Mitralstenosen zu einer erheblichen Symptomatik und sollte daher me­dikamentös konsequent reguliert werden. Orale Antikoagulanzien sind ab einem Durchmesser des linken Vorhofs von 50mm auch bei Sinusrhythmus indiziert.
▶
Operative Therapie ab NYHA-Stadium III (Tab. 20.4):
• perkutane Mitralklappensprengung mittels Ballonkatheter (= Ballonvalvuloplas­tie), bei geeigneter Klappenmorphologie Methode der Wahl, Durchführung in er­fahrenen Zentren
• Klappenrekonstruktion (selten möglich)
• Klappenersatz.
▶
Endokarditisprophylaxe (S. 248).
▶
5-Jahres-Überlebensrate ohne Operation bei mittelgradiger Stenose ca. 60 %, bei hochgradiger Stenose ca. 10 %, nach rechtzeitiger Valvuloplastie ca. 80 %.
2
2
2
20.10 Mitralklappeninsuffizienz (MI)
Definition
▶
Schlussunfähigkeit der Mitralklappe mit systolischem Blutreflux in den linken Vor­hof. Unterscheidung zwischen akuter und chronischer Mitralinsuffizienz.
260
20.10 Mitralklappeninsuffizienz (MI)
Ursachen
▶
Primäre Mitralinsuffizienz:
• Klappendestruktion bei bakterieller Endokarditis
• Mitralinsuffizienz infolge ischämischer Papillarmuskeldysfunktion oder -nekrose
nach Myokardinfarkt
• Mitralklappenprolapssyndrom (S.263), auch bei Marfan-Syndrom
• Autoimmunerkrankungen wie SLE (S. 470), z. B. Libman-Sacks-Endokarditis
• Nach Valvuloplastie (S. 260)
• Rheumatisches Fieber (S.157) mit rheumatischer Endokarditis
• HOCM (S. 253), Thoraxtrauma, Vorhofmyxom, selten angeboren.
▶
Sekundäre Mitralinsuffizienz:
• Relative Mitralinsuffizienz bei linksventrikulärer Dilatation durch Überdehnung des Klappenansatzrings ohne primär vorliegenden Klappenfehler.
Klinik
▶
Leichtere Formen oft symptomlos. Symptomatik dann, wenn der linke Ventrikel durch das Pendelvolumen überlastet wird oder bei Rückstau in die Lungenstrom­bahn:
▶
Folgen der Vergrößerung des linken Vorhofs:
• absolute Ar rhythmie bei Vorhofflimmern (S. 306)
• Embolien (seltener als bei Mitralstenose).
▶
Folgen der Linksherzinsuffizienz (S. 270): Leistungsminderung, Dyspnoe bei Belas­tung und im Liegen, Stauungs-RG, rötlich gefärbtes Sputum.
▶
Folgen einer i. a. später als bei Mitralstenose auftretenden Rechtsherzinsuffizienz
(S.270), i. d. R. mit höhergradiger Trikuspidalinsuffizienz: Halsvenenstauung, Öde­me, Stauungsleber, Proteinurie.
Diagnostik
▶
Auskultation (Abb. 20.6): leiser 1. Herzton unmittelbar gefolgt von einem hochfre­quenten bandförmigen Holosystolikum mit p.m. über der Herzspitze mit Fortlei­tung in die Axilla, 2. Herzton weit gespalten, häufig tieffrequenter 3. Herzton (Ga­lopp). Bei geringer Mitralinsuffizienz oft Decrescendocharakter des Systolikums.
II IIII
AP
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Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
Herzspitze
Abb. 20.6 • Auskultationsbefund bei Mitralklappeninsuffizienz (A = Aortenklappenschluss, P = Pulmonalklappenschluss).
▶
EKG: bei Sinusrhythmus P-sinistroatriale (S.44), evtl. Vorhofflimmern (S.306), Zei- chen der Linksbelastung (S.271), später auch der Rechtsbelastung.
▶
Röntgen-Thorax (Abb. 20.7): mitralkonfiguriertes, linksvergrößertes Herz mit ver­strichener Herztaille und von seitlich sichtbarer Einengung des Retrokardialraumes (vergrößerter linker Vorhof), pulmonale Stauung (S. 271).
▶
Echokardiografie:
• B- und M-Mode: Nur indirekte Zeichen: linker Vorhof und linker Ventrikel vergrö- ßert, evtl. überhöhte DE-Amplitude (Abb. 3.15). Wichtig ist die Bestimmung der Ventrikeldiameter: eine zunehmende Dilatation des linken Ventrikels stellt auch bei asymptomatischen Patienten eine OP-Indikation dar (LVESD > 45 mm)
261
20.10 Mitralklappeninsuffizienz (MI)
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rechter Ventrikel
linker Vor hof
linker Ventrikel
Abb. 20.7 • Mitralklappeninsuffizienz im Röntgenbild.
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
• Farbdoppler: Bestimmung der Fläche der Refluxwolke (ungenau), Bestimmung
der Durchtrittsöffnung (V. contracta) auf Klappenebene sowie des PISA (= pro­ximal isovelocity surface area). Errechnung der effektiven Regurgitationsöffnung (ERO, genauester Wert!). Eine höhergradige Mitralinsuffizenz ist definiert als ERO > 40 mm² bei primärer Mitralinsuffizienz und ERO > 20 mm² bei sekundärer Mitralinsuffizienz
• Transösophageale Echokardiographie (ggf. 3-D-TEE) zur genauen Quantifizierung
des Insuffizienzmechanismus
• Bestimmung des systolischen pulmonal-arteriellen Drucks zur Abschätzung der pulmonalen Hypertonie (Tab. 20.3)
• Dynamische Stressechokardiographie (obligat Fahrrad oder Laufband) zur Quanti- fizierung der Mitralinsuffizienz und des pulmonal-arteriellen Drucks unter Belas­tung.
▶
■
Merke: insbesondere bei der stark nachlastabhängigen sekundären Mitralinsuffi-
zienz ist eine Blutdruckmessung vor Echokardiographie obligat und muss auf dem Befund dokumentiert werden. Die Quantif izierung der Mitralinsuffizienz bei hypertensiven Werten ist nicht sinnvoll.
▶
Linksherzkatheter:
• Bestimmung des Schweregrades anhand der systolischen Kontrastmittel-Regur­gitation (S. 258) in den linken Vorhof (Prinzip wie bei AI), bei aussagekräftiger Echokardiographie entbehrlich; Durchführung zur präoperativen Koronarangio­graphie
• Nachweis anderer begleitender Vitien.
▶
Rechtsherzkatheter: Bei weiterhin unklarer Einschätzung der MI bzw. zur Abgren­zung anderer, pulmonalarterieller Ursachen einer pulmonalen Hypertonie, vgl. Pul­monalarterienkatheter (S. 74).
Therapie – Prognose
▶
Medikamentöse Therapie bei Herzinsuffizienz (S. 272): günstig für die Prognose ist die Nachlastsenkung mittels ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker.
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Bei Vorhofflimmern oder stattgehabter Embolie Dauerantikoagulation mit oralen Antikoagulanzien (Tab. 8.4).
▶
NYHA-Stadium III–IV (Tab. 20.4) bzw. mittelschwere und schwere Mitralinsuffi- zienz: Klappenersatz bzw. –rekonstruktion, evtl. parallele epikardiale Ablation des
262
20.11 Mitralklappenprolapssyndrom
Vorhofflimmerns. Zunehmende Bedeutung der minimal-invasiv durchgeführten Operation.
▶
■
Merke: wenn irgend möglich, ist die Mitralklappenrekonstruktion dem Mitralklap-
penersatz vorzuziehen, da der Klappenersatz zur obligaten Zerstörung des Klappen­halteapparates und damit zu einem ungünstigen linksventrikulären Remodeling mit deutlich erhöhter Mortalität kommt.
▶
Bei Hochrisikopatienten Reduktion der Mitralklappeninsuffizienz durch perkutane endovaskuläre Implantation eines Mitral-Clips (in entsprechenden Zentren).
▶
Endokarditisprophylaxe (S. 248).
▶
5-Jahres-Überlebensrate bei mittelschwerer und schwerer Mitralinsuffizienz ohne Operation 25 – 40 %, nach Klappenersatz 60 – 80 %.
20.11 Mitralklappenprolapssyndrom
Definition
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Mitralklappenprolaps: asymptomatischer systolischer Prolaps meist des hinteren Mitralsegels in den linken Vorhof (Mehrzahl der Fälle).
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Mitralklappenprolapssyndrom (Barlow-Syndrom): Mitralklappenprolaps mit Rhyth­musstörungen, Herzinsuffizienz oder atypischen pektanginösen Beschwerden.
Ursachen – Epidemiologie
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Idiopathisch: Am häufigsten, meist Frauen betroffen, familiäre Häufung.
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Angeboren: z. B. beim Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, Osteogenesis im­perfecta, häufig auch bei ASD II (S. 268).
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Erworben: z. B. nach Myokardinfarkt.
Klinik
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Meist Beschwerdefreiheit.
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Palpitationen, Schwindel, selten Synkopen infolge ventrikulärer und supraventriku­lärer Rhythmusstörungen, Dyspnoe, leichte Ermüdbarkeit.
▶
Atypische pektanginöse Beschwerden.
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Selten hämodynamisch relevante Mitralinsuffizienz mit entsprechender Klinik.
Diagnostik – Differenzialdiagnose
▶
Auskultation: Typischer mesosystolischer Klick („Klick-Syndrom“) und höherfre- quentes Spätsystolikum abhängig von der Körperlage: in der Hocke (Nachlast ↑) Verlagerung in die spätere, im Stehen oder bei Valsalva-Manöver (Vorlast ↓)indie frühere Systole.
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EKG: Meist normal, evtl. Nachweis von Rhythmusstörungen im LZ-EKG.
▶
Echokardiografie:
• B- und M-Mode: Systolische Dorsalbewegung meist des hinteren Mitralsegels
(„Hängemattenform“)
• beim typischen Mitralk lappenprolapssyndrom sind myxomatös verdickte Mitral­segel nachweisbar
• Farbdoppler: Ausschluss/Nachweis einer Mitralinsuffizienz (S. 260).
▶
Differenzialdiagnose: Koronare Herzkrankheit (Belastungs-EKG), anderes Herzviti­um (Echokardiografie), funktionelle Beschwerden bei Somatisierungsstörung, die mit einem zufällig entdeckten Mitralklappenprolaps in Verbindung gebracht wer­den.
Therapie – Prognose
▶
Bei symptomlosem Mitralklappenprolaps keine Therapie, Beruhigung der Betroffe­nen, unnötige Somatisierung vermeiden.
20
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
263
20.12 Erworbene Klappenvitien des rechten Herzens
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Bei Mitralklappenprolapssyndrom: symptomatische Behandlung von Palpitationen oder pektanginösen Beschwerden: Kaffee, Nikotin und Alkohol meiden, ggf. niedrig dosierter Betablockern (Tab. 20.18).
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Behandlung einer hämodynamisch relevanten Mitralinsuffizienz (S.262).
▶
Prognose des Mitralklappenprolaps ist eher günstig, nur selten progrediente Mit­ralinsuffizienz, bakterielle Endokarditis oder maligne Rhythmusstörungen.
20.12 Erworbene Klappenvitien des rechten Herzens
▶
■
Beachte: Erworbene primäre Klappenvitien des rechten Herzens sind selten. Triku-
spidalvitien treten meist nach einer bakteriellen Endokarditis z. B. bei i. v. Drogen­abhängigen, beim Karzinoidsyndrom, durch Schrittmachersonde und beim rechts­atrialen Vorhofmyxom auf. Relativ häuf ig sind die relativen Klappeninsuffizienzen.
▶
Relative Trikuspidalklappeninsuffizienz: Bei einer Rechtsherzinsuffizienz unter- schiedlicher Genese, z. B. Mitralklappenfehler, Ursachen des Cor pulmonale (S. 328), kann die rechtsventrikuläre Dilatation zu einer Überdehnung des Klappenansatz­ringes führen
• klinisch stehen neben der Grundkrankheit Rechtsherzinsuffizienzzeichen (S. 270) im Vordergrund
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
• Auskultation: Hochfrequentes Holosystolikum mit p.m. über dem 4. ICR rechts parasternal
• (Farb-)Dopplerechokardiografie: Systolische Regurgitationswolke in den rechten Vorhof, Einschätzung der pulmonalen Hypertonie (s. u.)
• therapeutisch steht die Behandlung der Herzinsuffizienz (S. 272) und der aus- lösenden Grundkrankheit im Vordergrund. Bei dilatiertem rechten Herzen ist eine konsequente Volumenreduktion mit Schleifendiurektika essenziell, wodurch der Grad der Trikuspidalinsuffizienz reduziert werden kann. Dabei einschlei­chend dosieren, zu starkes und zu rasches Senken der Vorlast bei Rechtsherz­insuffizienz kann zum akutem Rechtsherzversagen führen
▶
Relative Pulmonalklappeninsuffizienz: Überdehnung des Klappenansatzringes bei einer chronischen pulmonalen Hypertonie unterschiedlicher Genese, z. B. Mitralklap­penfehler, Ursachen des Cor pulmonale (S.328).
• klinisch steht die auslösende Grundkrankheit im Vordergrund, zusätzlich evtl. Rechtsherzinsuffizienzzeichen (S. 270)
• Auskultation: Kurzes, hochfrequentes Diastolikum (Graham-Steel-Geräusch) im Anschluss an den 2. Herzton mit p.m. über dem 2. ICR links parasternal
• (Farb-)Dopplerechokardiografie: – Nachweis einer Regurgitation im Ausstromtrakt des rechten Ventrikels – Einschätzung der pulmonalen Hypertonie bei begleitender Trikuspidalinsuffi-
zienz durch Addition des maximalen Druckgradienten über der Trikuspidal­klappe mit dem anhand der Füllung der Vena cava inferior oder der Halsvenen geschätzten rechtsatrialen Druck. Patient in Rückenlage, Beobachtung der Halsvenen oder Sonografie der Vena cava inferior retrohepatisch: Tab. 20.3.
• therapeutisch steht die Behandlung der Grundkrankheit im Vordergrund, ggf. Be­handlung einer Herzinsuffizienz (S.272) (s. o.).
264
20.13 Kongenitale Vitien – Übersicht
Tab. 20.3 • Dopplerechokardiografische Einschätzung der pulmonalen Hypertonie.
Vena cava inferior Halsvenen rechtsatrialer Druck
systolischer Kollaps nicht sichtbar 5 mmHg
kein Kollaps, Durchmesser maximal 2,5 cm gut sichtbar 10 mmHg
Durchmesser > 2,5 cm ektatisch 15 mmHg
Anlotung der Trikuspidalinsuffizienz im apikalen 4-Kammer-Blick mit dem CW-Doppler und Ausmessung des maximalen Druckgradienten.
Pulmonaler Spitzendruck= rechtsatrialer Druck + maximaler Druckgradient:
• normal: < 30 mmHg
• mäßige pulmonale Hypertonie: 30 – 50 mmHg
• schwere pulmonale Hypertonie > 50 mmHg
20.13 Kongenitale Vitien – Übersicht
Definition
▶
Angeborene Herzfehler, die bei entsprechender medizinischer Grundversorgung meist schon im Kindesalter diagnostiziert und behandelt werden. Dadurch errei­chen mittlerweile viele Patienten das Erwachsenenalter.
Ursachen
▶
Oft unbekannt. Faktoren für die Entstehung können sein: Virusinfekte (z. B. Röteln), genetische Disposition (z. B. Trisomie 21, Turner-Syndrom) sowie teratogene Sub­stanzen (z. B. Alkohol, Contergan) und ionisierende Strahlen.
Einteilung
▶
Die gebräuchlichste Einteilung kongenitaler Vitien erfolgt nach dem Vorliegen und der Richtung eines Shunts.
▶
Herzfehler ohne Shunt: 20 – 30 %
• Pulmonalklappenstenose (S.266): 6 – 7%
• Aortenklappenstenose (S.255): 6 – 7%
• Aortenisthmusstenose (6 – 9 %): Stenosierung der thorakalen deszendierenden
Aorta. Leitsymptom: Hypertonie der oberen und Hypotonie der unteren Körper­hälfte. Typisch sind Rippenusuren (Konturdefekt durch ektatische Kollateralgefä­ße) im Röntgen-Thorax. Therapie: operativ. Formen: – Präduktale = infantile Form: Ductus Botalli offen, oft mit Ventrikelseptumde-
fekt u. a.
– Postduktale Form (= Erwachsenenform): Ductus Botalli verschlossen, oft
gleichzeitig bikuspide Aortenklappe mit Vitium.
▶
Herzfehler mit Links-rechts-Shunt: 50 %
• Ventrikelseptumdefekt (S.267): 20 – 30 %
• Vorhofseptumdefekt (S. 268): 5 – 10 %
• persistierender Duc tus arteriosus Botalli (10 – 15 %): Links-rechts-Shunt zwischen
thorakaler Aorta descendens und linker A. pulmonalis. Beschwerden hängen von der Größe des Shuntvolumens ab:
– Volumenbelastung des linken Ventrikels: Linksherzinsuffizienz (S.270) – bei pulmonaler Hypertonie Druckbelastung des rechten Ventrikels. Gefahr einer
irreversiblen Pulmonalsklerose mit Shuntumkehr (Eisenmenger-Reaktion)
– Auskultation: Systolisch-diastolisches Crescendo-Decrescendo-(Maschinen-)
geräusch über dem 2. ICR links parasternal
– Diagnose durch Farbdopplerechokardiografie und Herzkatheter – Gefahr der bakteriellen Besiedlung: Endokarditisprophylaxe (S. 248)
20
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
265
20.14 Pulmonalklappenstenose
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– Therapie: Medikamentöser Versuch mit Prostaglandinhemmern, durch Kathe-
terokklusion oder operativ durch Ligatur.
▶
Herzfehler mit Rechts-links-Shunt (20–30 %), Kennzeichen: zentrale Zyanose (S.187):
• mit überwiegend ver minderter Lungenperfusion:z.B.Fallotsche Tetralogie: Pul- monalstenose mit konsekutiver rechtsventrikulärer Hypertrophie sowie einer dextroponierten, auf einem Ventrikelseptumdefekt reitenden Aorta
• mit überwiegend vermehrter Lungenperfusion:z.B.Transposition der großen Arte- rien (TGA): Aorta entspringt aus dem rechten Ventrikel, der Truncus pulmonalis
aus dem linken Ventrikel.
20.14 Pulmonalklappenstenose
Definition - Einteilung
▶
Pulmonalstenose: Einengung der rechtsventrikulären Ausflussbahn im Bereich der Pulmonalklappe.
▶
Einteilung:
• valvuläre (=Pulmonalklappenstenose), am häufigsten
• subvalvuläre bei Fallotscher-Tetralogie (S. 266)
Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
• supravalvuläre und periphere Pulmonalisstenosen (selten).
Ursachen
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Meist angeboren, nur selten erworben. Sehr häufig Kombination mit anderen Vi­tien. Vgl. Ursachen kongenitaler Vitien (S. 265).
Klinik
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Beachte: Im Stadium I u. II (s. u.) of t keine Beschwerden. Bestehen deutliche Sympto-
me, so handelt es sich bereits um eine höhergradige Pulmonalstenose.
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Folgen des erniedrigten poststenotischen Druckes (erniedrigtes Herzzeit-Volumen): Leistungsminderung, Dyspnoe, periphere Zyanose (S. 187).
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Folgen der Druckbelastung des rechten Ventrikels (konzentrische Hypertrophie): Rechtsherzinsuffizienzzeichen (S. 270).
Diagnostik
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Auskultation: Spindelförmiges raues Systolikum mit p.m. über dem 2. ICR li. paras­ternal, fixierte Spaltung des 2. Herztones.
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EKG: Bei bedeutsamer Stenose: P-dextroatriale (S. 44), Rechtshypertrophiezeichen (S.270), Rechtstyp, Rechtsschenkelblock.
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Röntgen-Thorax: Vergrößerter rechter Ventrikel mit Einengung des Retrosternal­raumes in der Seitenaufnahme, prominentes Pulmonalissegment.
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Echokardiografie:
• B- und M-Mode: Systolische kuppelförmige „Domstellung“ der Klappensegel, rechtsventrikuläre Hypertrophie, poststenotische Dilatation der Pulmonalarterie
• Doppler: Bestimmung des maximalen Druckgradienten durch CW-Doppler-Mes- sung (S. 58): minimale < 25 mmHg, leichtgradige 25 – 49 mmHg, mittelgradige 50 – 79 mmHg, schwere Pulmonalstenose ≥ 80 mmHg.
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Kardiales MRT = CMR (S.250): gute Darstellung kombinierter Vitien.
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Rechtsherzkatheter: Bestimmung des mittleren Druckgradienten zwischen A. pul­monalis und rechtem Ventrikel. Schweregradeinteilung:
• nicht relevant: Mittlerer Druckgradient < 25 mmHg
• leicht: mit tlerer Druckgradient 25 – 49 mmHg
• mittelgradig: Mittlerer Druckgradient 50 – 79 mmHg
• schwer: Mittlerer Druckgradient ≥ 80 mmHg
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