Добавил:
kiopkiopkiop18@yandex.ru t.me/Prokururor I Вовсе не секретарь, но почту проверяю Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:

Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2897_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
15.09.2026
Размер:
12 Мб
Скачать
☆
21.8 Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) – Übersicht
21.8 Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) –
Übersicht
Definition
▶
Chronisch entzündliche Erkrankungen, bei denen es infolge bekannter oder unbe­kannter Ursachen zu einer Infiltration und/oder eines bindegewebigen Umbau (= Lungenfibrose) im Lungeninterstitium kommt.
Ursachen – Einteilung
▶
ILD bekannter Ätiologie:
• Inhalative Noxen: Organische Stäube (exogen-allergische Alveolitis), anorgani- sche Stäube (Pneumokoniosen (S.349)), Gase, Dämpfe, Aspirationen
• Nichtinhalative Noxen: Medikamente (z. B. Amiodaron, Bleomycin, Cyclophos- phamid, Methotrexat, Azathioprin, Sulfonamide, Busulfan), Herbizide, ionisieren­de Strahlen, chronische Linksherzinsuffizienz, Schocklunge, chronische Nieren­erkrankung
• Systemkrankheiten: Rheumatoide Arthritis (S. 462), Kollagenosen, Vaskulitiden, Speicherkrankheiten, Neurofibromatose, Sarkoidose.
▶
Idiopathische interstitielle Pneumonien (IIP): z. B. idiopathische Lungenfibrose (IPF), akute interstitielle Pneumonie (früher Hamman-Rich-Syndrom).
▶
Granulomatöse ILD: z. B. Sarkoidose (S. 350), Berylliose
▶
Andere Formen: Histiozytose X, Eosinophile Pneumonie.
Klinik
▶
Unproduktiver Reizhusten; anfangs Belastungs-, später Ruhedyspnoe, Tachypnoe; hochstehendes, wenig verschiebliches Zwerchfell.
▶
Auskultatorisch inspiratorisches Knisterrasseln, besonders über den basalen Lun­genabschnitten, im Unterschied zur Linksherzinsuffizienz ohrnah (wie das Öffnen eines Klettverschlusses) klingend.
▶
Später Cor pulmonale (S.330) mit Rechtsherzinsuffizienzzeichen.
Diagnostik
▶
Anamnese: Vorerkrankungen, Familien-, Berufsanamnese, Medikamente.
▶
Röntgen-Thorax:diffuse, feinstreifige, retikuläre, noduläre u. a. Verschattungen je nach Ursache, hochstehende Zwerchfelle.
▶
Hochauflösendes Thorax- CT (HR-CT): typische Verschattungsmuster.
▶
Bronchoskopie (S. 69) mit BAL und transbronchialer Lungenbiopsie.
▶
Labor: je nach Verdacht z. B. BSG/CRP, Rheumafaktor, antinukleäre Antikörper, ACE (S.350).
▶
Untersuchungen zur Quantifizierung der funktionellen Einschränkung: Blutgasana­lyse: in Ruhe und unter definierter Belastung, Lungenfunktion (S.48).
Therapie
▶
Behandlung der auslösenden Ursache oder Grundkrankheit.
▶
Bei ungeklärter Ursache Glukokortikoide, evtl. Immunsuppressiva.
▶
Behandlung einer Rechtsherzinsuffizienz (S. 330), bei chronischer Hypoxämie O2­Langzeittherapie (S. 346).
▶
Lungentransplantation bei fortgeschrittenen Stadien nach Ausschöpfung der kon­servativen Therapiemöglichkeiten.
21
Erkrankungen der Atmungsorgane
347
21.9 Exogen allergische Alveolitis (EAA)
Данная книга находится в списке для перевода на русский язык сайта https://meduniver.com/
21
21.9 Exogen allergische Alveolitis (EAA)
Definition
▶
Lungenerkrankung infolge einer allergischen Reaktion (meist Typ III oder IV, vgl. Tab. 30.6) gegen organische Stäube.
Ursachen
▶
Mikrobielle Antigene: z. B. Farmerlunge, Luftbefeuchterlunge, Champignonzüchter­lunge, Käsewascherlunge.
▶
Tierische Antigene: z. B. Vogelhalterlunge, Kürschnerlunge.
▶
Pflanzen: z. B. Holzarbeiter- und Waldarbeiterlunge, Kaffeearbeiterlunge.
▶
Chemikalien: z. B. bei Chemiearbeitern.
Klinik
▶
Akut:4– 8 Std. nach Antigenkontakt Fieber, Husten, Dyspnoe.
Erkrankungen der Atmungsorgane
▶
Chronisch: Schleichender Beginn mit Husten, Leistungsschwäche und Dyspnoe.
▶
Auskultation: evtl. endinspiratorisch feinblasige RG bds. basal.
▶
Später Zeichen der chronischen Hypoxämie und des Cor pulmonale (S.330).
Diagnostik
▶
Berufsanamnese, Hobbys?
▶
Labor: BSG-Beschleunigung, Leukozytose, Immunglobulin-Erhöhung (v. a. IgG), Nachweis präzipitierender Antikörper (Speziallabor).
▶
Röntgen-Thorax: Milchglasartige Trübung der Unter- und Mittelfelder, im chro­nischen Stadium retikuläre und feinfleckige Verschattungen.
▶
Lungenfunktion: Restriktive Ventilationsstörung.
▶
Hochauflösendes Computertomogramm des Thorax (HR-C T): Typische Verschat­tungsmuster: noduläre Veränderungen, Milchglasinfiltrate.
▶
Bronchoskopie (S.69) mit bronchoalveolärer Lavage; typisch: Lymphozytose> 50 %, dabei hoher Anteil an T-Suppressorzellen (CD
= T-Helferzellen).
ten (CD
4
▶
Nur selten erforderlich: Transbronchiale Lungenbiopsie oder inhalative Provokati­onstests.
Therapie
▶
Expositionsprophylaxe: z. B. Atemschutzmaske, ggf. Berufswechsel, bei V. a. Berufs­krankheit Meldung an die zuständige Berufsgenossenschaft.
▶
Bei akutem Verlauf mit ausgeprägten Beschwerden Glukokortikoide (S. 340), z. B. 50 mg/d Prednisolon, nach Möglichkeit bis zur Beschwerdefreiheit, dann stufen­weise Reduktion. Bei Therapieresistenz Immunsuppressiva.
Prognose
▶
Abhängigkeit von der Ursache, vom Ausmaß der respiratorischen Insuffizienz, vom Stadium der Lungenfibrose und von der Entwicklung eines Cor pulmonale.
▶
Günstige Prognose bei Expositionsprophylaxe in den Frühstadien.
) mit erniedrigtem CD4/CD8-Quotien-
8
348
21.10 Pneumokoniosen
21.10 Pneumokoniosen
Definition
▶
Lungenerkrankungen infolge Ablagerung von inhaliertem anorganischem Staub. Am bedeutendsten sind die Silikose und die Asbestose.
Ursachen
▶
Silikose: Quarzstaub (Sandstrahler, Schleifer, Gießer, Bergleute).
▶
Asbestose: Asbestfasern. Z. n. Exposition z. B. in der Zementindustrie, Autoindustrie, Schiffsbau, bei Schlossern, Dachdeckern. Entsprechende Materialien werden heute nicht mehr verwendet.
Klinik
▶
Leichte bzw. frühe Formen sind symptomlos.
▶
Allgemeine Symptome interstitieller Lungenerkrankungen (S. 347).
▶
Belastungs-, später Ruhedyspnoe, Tachypnoe.
▶
Hochstehende, wenig verschiebliche Zwerchfelle.
▶
Caplan-Syndrom: Kombination von Silikose und chronischer Polyarthritis (S.462).
Komplikationen
▶
Allgemein: Infektanfälligkeit, chronisch obstruktive Bronchitis, Lungenemphysem, Cor pulmonale.
▶
Silikose: akute Silikose mit rascher Progredienz, Silikotuberkulose.
▶
Asbestose: Pleuramesotheliom, Bronchialkarzinom (v. a. bei Rauchern).
Diagnostik
▶
Berufsanamnese.
▶
Röntgen-Thorax:
• Silikose:Diffuse, fein- bis grobfleckige Verdichtungen, „Eierschalenhili“.
• Asbestose: Streifige, basal und subpleural betonte Zeichnungsvermehrung.
▶
Lungenfunktion: Primär restriktive, später häufig auch obstruktive Ventilationsstö­rung.
▶
Hochauflösendes Thorax-CT (HR-CT): Typische Verschattungsmuster: bei Silikose noduläre Lungengerüstveränderungen, bei Asbestose Fibrose in den Lungenunter­feldern, tafelbergartige Pleuraauflagerungen.
▶
Bronchoalveoläre Lavage bei Asbestose: Nachweis von Asbestfasern (nicht bewei­send). Biopsie (bronchoskopisch/thorakoskopisch) bei Malignomverdacht.
▶
BGA (S. 50) in Ruhe und unter Belastung: Einstufung des Schweregrades.
Therapie
▶
Expositionsprophylaxe: Arbeitsschutzmaßnahmen, bei V. a. Berufskrankheit Mel­dung an die zuständige Berufsgenossenschaft.
▶
Nikotinkarenz.
▶
Konsequente antibiotische Behandlung von Infekten.
▶
Ggf. Behandlung einer Bronchialobstruktion (S.343) oder eines Cor pulmonale (S.330).
Prognose
▶
Abhängigkeit vom Auftreten von Komplikationen, schlechte Prognose bei Bronchi­alkarzinom und Pleuramesotheliom.
21
Erkrankungen der Atmungsorgane
349
21.11 Sarkoidose (Morbus Boeck)
Данная книга находится в списке для перевода на русский язык сайта https://meduniver.com/
21
21.11 Sarkoidose (Morbus Boeck)
Definition
▶
Granulomatöse Systemerkrankung mit epitheloidzelligen nicht verkäsenden Granu­lomen, die sich in > 90 % der Fälle in den Lungen manifestiert.
Ursachen – Epidemiologie
▶
Eigentliche Ursache unbekannt, genetische Disposition.
▶
Prävalenz: in Mitteleuropa ca. 30 – 40/100 000 Einwohner, Häufigkeitsgipfel im Al­ter von 15 – 40 Jahren, Schwarze 10- bis 20-mal häufiger betroffen.
Klinik
▶
Akute Sarkoidose:
• Plötzlicher Krankheitsbeginn, subfebrile Temperaturen, Nachtschweiß, Müdig­keit; ggü. chronischer Form häufiger extrapulmonaler Befall, insbesondere Leber,
Erkrankungen der Atmungsorgane
lymphatische Organe, Milz und Knochenmark, Hyperkalzämie
• Löfgren-Syndrom: Häufigste Unterform, v.a. jüngere Frauen betroffen; klassische Trias: bihiläre Lymphadenopathie, Sprunggelenksarthritis und Erythema nodo- sum = subkutane erbsen- bis walnussgroße schmerzhafte Verdickungen und rötli­che Flecken meist an beiden Schienbeinen (auch bei Tbc, Streptokokken- und Yersinieninfekten, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Morbus Behçet, Medikamen­tenallergie und idiopathisch).
▶
Chronische Sarkoidose: Bei Typ I häufig symptomlos, später Husten, Dyspnoe und evtl. extrathorakale Beteiligung:
• Augen: Iridozyklitis, Keratokonjunktivitis
• periphere Lymphadenopathie: Meist Lymphknoten der unteren Körperhälfte
• Haut: Erythema nodosum (s. o.), Sarkoidose der Haut
• Hepatosplenomegalie: Meist symptomlos
• Herz: Selten Kardiomyopathie, Rhythmusstörungen, Perikardergüsse
• Gelenke: Polyarthritis, v. a. Sprung-, Knie-, Hand- und Fingergelenke betroffen
• Knochen: Osteolysen meist an den kleinen Knochen (Jüngling'sche Zysten)
• Parotis: Schwellung mit Fazialisparese und Uveitis = Heerfordt-Syndrom
• Nervens ystem: Hirnnervenlähmungen, Meningitis granulomatosa.
Diagnostik – Differenzialdiagnose
▶
Anamnese: respiratorische und extrapulmonale Symptome.
▶
Körperliche Untersuchung: v. a. Lungen, Lymphknotenstationen, Haut.
▶
Röntgen-Thorax: Befunde und Klassifikation: Tab. 21.10.
▶
Transbronchiale Lungenbiopsie (sicherste Diagnose bei Verdacht): In > 90 % Nach­weis nicht verkäsender Epitheloidzellgranulome.
▶
Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage (S.69): Typisch lymphozytäre Alveoli- tis mit erhöhtem CD4/CD8-Quotienten (S.348), d.h. > 3; Aktivitätsbeurteilung, Aus-
schluss von Infektionen (Kultur auf Bakterien, M. tuberculosis und Pilze).
▶
Hochauflösendes Computertomogramm des Thorax (HR-C T): Typische Verschat­tungsmuster: oberfeldbetonte noduläre Veränderungen häufig entlang der Lymph­bahnen, später Fibrosierungen. Sensitivität und Spezifität geringer als bei Biopsie.
▶
Weitere diagnostische Maßnahmen bei Lungensarkoidose:
• Labor: BSG-Erhöhung (besonders bei akuter Sarkoidose), häufig erhöhte Gamma- globuline (besonders IgG), evtl. erhöhtes Ca ACE = Angiotensin-converting-Enzyme (unspezifischer Aktivitätsparameter).
• Lungenfunktionsprüfung (S. 48) einschließlich CO-Diffusionskapazität
• Diagnostik des extrapulmonalen Befalls: Abdomensonographie, Echokardiografie,
EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, augenärztliche Untersuchung, bei V. a. Neu­rosarkoidose Schädel-MRT.
350
++
(im Serum und Urin), erhöhtes
21.12 Pneumonie
21
Tab. 21.10 • Internationale Einteilung der pulmonalen Sarkoidose und deren Differen-
Typ Röntgenbefund Differenzialdiagnose
I bihiläre Lymphadenopathie mit vergrö-
II III
IV Lungenfibrose, retikuläre und streifige
zialdiagnose nach dem Thorax-Röntgenbild.
ßerten polyzyklisch begrenzten Hili
zusätzlich zu Typ I fein- bis mittelfleckige pulmonale Infiltrate diffuser Lungenbefall ohne Lymphadeno­pathie
Infiltrate (irreversibel)
Hiluslymphknoten-Tbc, Bronchialkarzinom, maligne Lymphome
Allergische Alveolitis, Pneumokoniosen, Miliar-Tbc, Lymphangiosis carcinomatosa, Alveolarzellkarzinom, Ornithose
Lungenfibrosen anderer Genese
Therapie
▶
Akute Form: Symptomatisch, z. B. nichtsteroidale Antiphlogistika (Tab. 30.4).
▶
Chronische Form:
• Indikationen zur Glukokortikoidtherapie:
– ab Typ II nur bei vitaler Gefährdung, z. B. rascher Verschlechterung der Lungen-
funktion
– Hyperkalzämie, Hyperkalzurie – Beteiligung von ZNS, Augen, Myokard
• Dosierung der Glukokortikoide (S.340):
– 50 mg/d Prednisolon, solange bis eine röntgenologische oder lungenfunktions-
analytische Besserung festzustellen ist; dann stufenweise Reduktion unter fort­laufender Kontrolle (z. B. monatlich um 5 – 10 mg/d auf eine vorläufige Erhal­tungsdosis von 7,5 – 15 mg/d)
– Therapiedauer bis zum ersten Auslassversuch meist 4 – 6 Monate
• Bei Rezidiv erneute Behandlung wie oben (gleiche Anfangsdosis, Erhaltungsdosis
über 12 Monate, dann erneuter Auslassversuch). Alternative Therapieoptionen:
– Methotrexat (S. 464) + Folsäure: 10–25 mg/Woche – Hydroxychloroquin (Tab. 30.2): 200–400 mg/d – Azathioprin (S.390): 50–200 mg/d – Infliximab (S. 465): 5 mg/kg KG i. v. alle 4–8 Wochen.
▶
Regelmäßige Verlaufskontrolle nach Beendigung der Therapie (zunächst in dreimo­natigen Abständen): Klinik, Röntgen-Thorax, Lungenfunktion, Blutgasanalyse.
Prognose
▶
Akute Form: meist Spontanheilung (> 95 %).
▶
Chronische Form:
• Typ I: Remission in 80 – 90 % der Fälle
• Typ II: Remission in 50 – 70 % der Fälle
• Typ III: Remission in 20 – 30 % der Fälle.
Erkrankungen der Atmungsorgane
21.12 Pneumonie
Definition
▶
Durch Krankheitserreger (infektiös) verursachte Entzündung der Lunge. Abgren­zung zur Pneumonitis: Entzündungsreaktion durch physikalische (z. B. Strahlen) und chemische (z. B. Medikamente, Reizgase, Magensaft) Noxen.
351
21
Данная книга находится в списке для перевода на русский язык сайта https://meduniver.com/
Erkrankungen der Atmungsorgane
21.12 Pneumonie
Einteilung
▶
Am wichtigsten: Nosokomiale und ambulant erworbene Pneumonie.
▶
Ätiologisch: Primäre (ohne) und sekundäre (mit kardiopulmonaler Vorerkrankung) Pneumonie.
▶
Pathologisch-anatomisch: Alveoläre und interstitielle Pneumonie.
▶
Verlaufsform: typische (v.a. klassische Pneumokokkenpneumonie) und atypische Pneumonie (z. B. Mykoplasmen, Legionellen, Chlamydien, Viren) mit häufigen Überschneidungen.
Ursachen
▶
Ambulant erworbene Pneumonie (CAP = community-acquired pneumonia): Pneu­mo-, Streptokokken, Haemophilus inf luenzae, Viren, Mykoplasmen, Legionellen, Coxiellen (z. B. Q-Fieber), Chlamydien (z. B. Ornithose), seltener Anaerobier.
▶
Nosokomiale Pneumonie (Symptombeginn> 48 Std. nach Krankenhausaufnahme): Staphylococcus aureus, gramnegative Keime (Klebsiellen, Pseudomonas, Serratia, Proteus), zunehmend auch multiresistente Keime wie MRSA (S. 615), Extended­Spectrum-β-Laktamase (ESBL)-Bildner (v. a. E. coli und Klebsiellen) oder Vancomy­cin-resistente Enterokokken (VRE).
▶
Pneumonien bei Abwehrschwäche (z. B. bei Leukämie, malignen Lymphomen, AIDS) bzw. Immunsuppression (z. B. unter immunsuppressiver/zytostatischer Therapie): Viren (Cytomegalie, Varizellen-Zoster, Herpes simplex), Bakterien (nosokomiale Er­reger s. o., Mykobakterien), Pilze (Candida, Aspergillen, Cryptococcus neoformans), Pneumocystis jiroveci.
▶
Prädisposition auch durch Alkoholabusus, hohes Lebensalter, kardiopulmonale Grunderkrankung, andere Infektionen.
Klinik
▶
„Typischer“ Verlauf (z. B. Pneumokokkenpneumonie): Akuter Beginn, Schüttelfrost, hohes Fieber, Husten mit rötlich-eitrigem Auswurf, Dyspnoe, Tachypnoe, evtl. Zya­nose, atemabhängige Thoraxschmerzen (Begleitpleuritis). Auskultatorisch ohrnahe klingende RG, Stimmfremitus verstärkt, gedämpfter Klopfschall.
▶
„Atypischer“ Verlauf (v. a. Chlamydien-, Mykoplasmen-, Legionellen-, Viruspneu- monie): schleichender Beginn mit leichtem Fieber, Myalgien, Kopfschmerzen und wenig produktivem Husten. Trotz z. T. ausgeprägten Röntgenveränderungen gerin­ger oder kein Auskultationsbefund.
▶
Häufig Überschneidungen von typischer und atypischer Verlaufsform.
▶
■
Beachte: Bei über 65-jährigen Patienten in der Regel höhere Komorbidität, weniger
pleuritische Schmerzen, geringere Körpertemperatur und vermehrt Verwirrtheits­zustände. Bei Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen vierfach erhöhte Mortali­tätsrate.
Diagnostik
▶
Anamnese: Grundkrankheiten, Genussmittel, Beruf, Tierkontakte.
▶
Klinik allein oft wenig aussagekräftig (Differenzialdiagnose: grippaler Infekt). Im Zweifel röntgen.
▶
Röntgen-Thorax in 2 Ebenen = wichtigste Untersuchung zum Nachweis einer Pneu­monie. Befunde:
• lobäre oder segmentale häufig scharf begrenzte Verschattung, evtl. positives Bronchogramm, z. B. bei „typischer“ Pneumokokken-Pneumonie (Abb. 21.2)
• beidseitig lokalisierte, fleckige, retikuläre oder homogene Verschattungen z. B. bei Mykoplasmen-Pneumonie („atypische Pneumonie“, Abb. 21.3).
352
21.12 Pneumonie
21
Abb. 21.2 • Pneumokokken-Pneumonie.
Abb. 21.3 • Mykoplasmen-Pneumonie.
▶
Labor:
• CRP, später auch BSG erhöht
• Blutbild: Leukozytose, Linksverschiebung, toxische Granulation und Lymphopenie
besonders bei bakterieller Pneumonie
• Blutgasanalyse (S. 50): Hypoxämie, evtl. Hypokapnie, respiratorische Globalinsuf-
fizienz deutet auf einen schweren Verlauf hin (Beatmungsindikation?)
• Erregernachweis (bei unkomplizierter CAP nicht notwendig):
– Blutkultur (S.34): Am besten bei Schüttelfrost und Fieberanstieg – Sputum (S.35): Nur bei eitrigem Sputum sinnvoll, oft Kontamination – Tracheal-/Bronchialsekret (S. 35) bei beatmeten Patienten über Tubus – bronchoskopische Materialgewinnung bei nosokomial erworbener schwerer
Pneumonie mit Therapieresistenz oder bei Immunschwäche (z. B. V. a. Pneu­mocystis jiroveci), ggf. auch transbronchiale Biopsie (S. 69). Bei BAL (S.69), d. h. bronchoalveolärer Lavage, Antibiotika möglichst vorher absetzen.
– Pleurapunktat bei Ergussbildung – indirekter Erregernachweis durch serologische Untersuchungsmethoden: Anti-
körpernachweis, signifikanter Titeranstieg zweier Serumproben innerhalb von 2 Wochen (für Therapieentscheidungen meist wenig hilfreich)
– bei Legionellen auch Antigennachweis im Urin.
Erkrankungen der Atmungsorgane
353
21.12 Pneumonie
Данная книга находится в списке для перевода на русский язык сайта https://meduniver.com/
21
Differenzialdiagnose
▶
Tuberkulose (S. 358).
▶
(Poststenotische) Pneumonie bei Bronchialkarzinom (S. 363).
▶
Lungenembolie (S. 699) mit Infarktpneumonie.
▶
Aspirationspneumonie bei Patienten mit Schluckstörung infolge neurologischer Krankheiten (z. B. nach Schlaganfall).
Komplikationen
▶
Komplikationen v. a. bei bakteriell verursachten Pneumonien je nach Erreger häufig.
▶
Bakterielle Sepsis: z.B. Otitis media, Meningitis, Endokarditis, Hirnabszess.
▶
Lungenabszess, Pleuraerguss bzw. Pleuraempyem.
▶
Respiratorische Globalinsuffizienz (S. 51).
▶
Thromboembolische Komplikationen infolge Bettruhe und Exsikkose (besonders bei älteren Patienten).
▶
Herz-/Kreislauf-Versagen: Toxisch und/oder durch starke Flüssigkeitsverschiebun-
Erkrankungen der Atmungsorgane
gen sowie durch Hypoxämie und hohes Fieber.
▶
Akutes Nierenversagen: Besonders bei älteren exsikkierten Patienten.
▶
Rezidiv.
Therapie – Prognose
▶
Körperliche Schonung, je nach Schweregrad initial Bettruhe und Thromboembolie­prophylaxe. Überprüfung der Indikation zur stationären Behandlung durch Bestim­mung des CRB-65-Index (siehe Box).
▶
Bei stationärer Behandlung Entscheidung über die Aufnahme auf die Intensivstation unter Berücksichtigung der modifizierten ATS-Kriterien (American Thoracic Socie­ty) für eine schwergradige Pneumonie:
• „Major“-Kriterien: Werden bei Aufnahme und/oder im weiteren Verlauf be- stimmt (Intensivstation wenn ≥ 1 von 2 Variablen vorhanden):
– Notwendigkeit der Int ubation und maschinellen Beatmung – Notwendigkeit der Gabe von Katecholaminen > 4 h (septischer Schock)
• „Minor“-Kriterien: werden bei Aufnahme bestimmt (Intensivstation wenn ≥ 2von
3 Variablen vorhanden)
– schwere akute respiratorische Insuffi zienz: PaO
– multilobäre Infiltrate in der Röntgen-Thoraxaufnahme – systolischer Blutdruck < 90 mmHg.
▶
Antibiotikatherapie zunächst kalkuliert nach vermuteter Ätiologie: ambulant er­worbene Pneumonie: Tab. 21.11, nosokomiale Pneumonie: Tab. 21.12
riell gemessener O 60 mmHg/0,5 [50 %] = 120 mmHg)
-Partialdruck, FiO2= inspiratorische O2-Konzentration: z. B.
2
/FiO2< 250 mmHg (PaO2=arte-
2
Überprüfung der Indikation zur stationären Behandlung einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) mittels CRB-65-Index
▶
Bewusstseinstrübung (confusion)
▶
Atemfrequenz (respiratory rate) > 30/min
▶
diastolischer Blutdruck (blood pressure) ≤ 60 mmHg/systolischer Blut­druck < 90 mmHg
▶
Alter ≥ 65 Jahre
Beim Vorliegen eines Kriteriums stationäre Einweisung erwägen, bei > 1 Kriterium ist eine stationäre Behandlung indiziert.
▶
■
Beachte: Bei Indikation zur stationären Behandlung vor Antibiotikatherapie Mate-
rialentnahme zur Erregerdiagnostik (s. o.): mindestens Blutkultur, bei schwerer no­sokomialer oder Beatmungspneumonie sowie unter Immunsuppression Broncho­skopie mit bronchoalveolärer Lavage.
354
21.12 Pneumonie
Tab. 21.11 • Kalkulierte Initialtherapie der ambulant erworbenen Pneumonie (CAP).
Pneumonieform Therapieempfehlung
unkomplizierte, ambulant behandelbare (CRB-65-In­dex = 0) CAP ohne Risikofak­toren*
unkomplizierte, ambulant behandelbare CAP mit Risi­kofaktoren*
komplizierte, hospitalisierte (CRB-65-Index ≥ 1) CAP
schwere (intensivpflichtige) CAP ohne Risiko für Pseudo- monas aeruginosa**
schwere (intensivpflichtige) CAP mit Risiko für Pseudo­monas aeruginosa**
Aspirationspneumonie Piperacillin/Tazobactam. Alternativen: Ceftriaxon + Clindamycin
* Allgemeine Risikofaktoren: Pflegeheimbewohner, Antibiotika-Vortherapie (in den letzten 3 Monaten), chronische internistische oder neurologische Begleiterkrankungen ** Risikofaktoren für Pseudomonas aeruginosa: schwere COPD mit Antibiotika-Vortherapie oder Hospitalisierung in den letzten 3 Monaten, Bronchiektasen, Mukoviszidose, bekannte Kolonisation der Atemwege mit P. aeruginosa
1)
: bei Vortherapie ≤ 3 Monate Wechsel der Substanzgruppe empfohlen
2)
: bei V. a. ESBL oder kürzlicher Therapie mit Penicillinen oder Cephalosporinen
Handelsnamen, Nebenwirkungen, Dosierungen (Tab. 9.1), bei Niereninsuffizienz (Tab. 12.1)
• 1. Wahl: Amoxicillin (≥ 70 kgKG: 3 × 1 g/d, < 70 kgKG: 3 × 0,75 g/d p. o.) für 5 – 7 Tage
• Alternativen: – Makrolid: Azithromycin (1 × 500 mg/d p. o.) für 3 Tage oder
Clarithromycin (2 × 500 mg/d p. o.) oder Roxithromycin (1 × 300 mg/d p. o.) für 5 – 7 Tage oder
– Doxycyclin (≥ 70 kgKG: 1 × 200mg/d, < 70 kgKG: 1 × 100 mg/d
p. o.) für 5 – 7Tage
• 1. Wahl: Amoxicillin/Clavulansäure (2 × 875/125 mg/d p. o.) für 5 – 7 Tage
• Alternativen: – Levofloxacin (1 × 500 mg/d p. o.) oder Moxifloxacin
(1 × 400 mg/d p. o.) für 5 – 7 Tage
Alternativen (initial i. v., orale Sequenztherapie s. o.):
• Amoxicillin/Clavulansäure (3 × 2,2 g/d i. v.) oder Ampicillin/ Sulbactam (3 × 3,0 g/d i. v.) oder Cefuroxim (3 × 1,5 g/d i. v.) oder Ceftriaxon (1 × 2,0 g/d i. v.) oder Cefotaxim (3 × 2,0 g/d i. v.) für 5 – 7 Tage +/-Makrolid (s. o.) oder
• Levofloxacin(1 × 500mg/d i. v.) oder Moxifloxacin (1 × 400 mg/d i. v.) für 5 – 7 Tage oder
• Ertapenem (1 × 1,0 g/d i. v.) für 5 – 7 Tage +/- Makrolid (s. o.)
• 1. Wahl: Piperacillin/Tazobactam (3 × 4,5 g/d i. v.) oder Cef-
triaxon (1 × 2,0 g/d i. v.) oder Cefotaxim (3 × 2,0 g/d i. v.) oder Ertapenem (1 × 1,0 g/d i. v.) + Makrolid (s. o.) für 8 – 10 Tage
• Alternative
• Piperacillin/Tazobactam (3 × 4,5 g/d i. v.) oder Cefepim
oder Moxifloxacin oder Imipenem oder Meropenem
1)
Tage
(3 × 2,0 g/d i. v.) oder Imipenem (3 × 1,0 g/d i. v.) oder Mero­penem (3× 1,0 g/d i. v.)
+ Levofloxacin (2 × 500 mg/d p. o.) oder Ciprofloxacin
(3 × 400 mg/d p. o.) für 8 – 15 Tage oder + Makrolid (s. o.) und Aminoglykosid (z. B. Gentamicin 5–7 mg/kgKG/d i. v. für 3 Tage)
2)
: Levofloxacin oder Moxifloxacin (s. o.) für 8 – 10
1)
21
Erkrankungen der Atmungsorgane
2)
▶
Orale Sequenztherapie: Bei initialer parenteraler Antibiotikagabe sollte eine orale Sequenztherapie erwogen werden. Ein Umsetzen auf die orale Gabe kann oft bereits nach 3 Tagen erfolgen. Vorteile sind kürzere Liegezeiten und niedrigere Kosten bei gleicher Wirksamkeit. Da die Sequenztherapie häufig mit einer Dosisreduktion ver­bunden ist, sollten folgende Voraussetzungen vor Umsetzen auf die orale Gabe be­rücksichtigt werden: Herzfrequenz < 100/min, Atemfrequenz < 24/min, systolischer Blutdruck > 90 mmHg, Körpertemperatur < 37,8 °C, Fähigkeit zur oralen Nahrungs-
355
21.12 Pneumonie
Данная книга находится в списке для перевода на русский язык сайта https://meduniver.com/
21
aufnahme, normaler Bewusstseinszustand, keine Hypoxämie (PO2> 60 mmHg bzw.
>90 %).
SaO
2
▶
Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (S. 101), ggf. parenteral.
▶
Antipyretika (z. B. Paracetamol 4 × 500 mg/d p. o.) und/oder Wadenwickel.
▶
Inhalationsbehandlung (z. B. mit NaCl 0,9 %).
▶
Atemgymnastik, evtl. Klopfmassagen, frühzeitige Mobilisierung je nach Verlauf.
▶
Bei Hypoxämie O progredienter respiratorischer Globalinsuffizienz frühzeitige Beatmung, vgl. invasi-
-Gabe unter BGA-Kontrollen. Bei fehlender Besserung und bei
2
ve Beatmungstherapie (S. 684) und nichtinvasive Beatmung (S.687).
▶
Ggf. Behandlung einer bronchialen Obstruktion (S. 343).
▶
Nach Erhalt der Resistenzprüfung ggf. Wechsel des Antibiotikums.
▶
Bei progredientem Pleuraerguss Punktion (S. 85) einschließlich Diagnostik (S. 190). Drainagebehandlung bei großen Ergüssen oder Hinweisen für Empyem (eitriger Er­guss oder ph < 7,2 oder positive Mikrobiologie).
Tab. 21.12 • Kalkulierte Antibiotikatherapie der nosokomialen Pneumonie unter
Erkrankungen der Atmungsorgane
Risikofaktoren (Punktzahl)
Alter > 65 Jahre (1), strukturelle Lungenerkrankung (2), antiinfektive Vorbehandlung (2), Beginn der Pneumonie ≥ 5. Krankenhaustag (3), schwere respiratorische Insuffizienz mit/ohne Beatmung (3), extrapulmonales Organversagen, Schock, DIC (4)
Gruppe I:
≤ 2 Punkte
Gruppe II:
3 – 5 Punkte
Gruppe III:
6 Punkte
Handelsnamen, Nebenwirkungen, Dosierungen (Tab. 9.1), bei Niereninsuffizienz (Tab. 12.1)
Berücksichtigung der Risikofaktoren.
Aminopenicillin/Betalaktamaseinhibitor, z. B. Augmentan® (S.115) oder
®
oder Cephalosporin Gruppe 2/3 a oder Fluorchinolon Gruppe 3/4
Unacid
Acylaminopenicillin/Betalaktamaseinhibitor, z. B. Tazobac® (S.115) oder Cephalosporin Gruppe 3 b oder Fluorchinolon Gruppe 2/3 oder Carbapenem Gruppe 1
Acylaminopenicillin/Betalaktamaseinhi­bitor (s. o.) oder Cephalosporin Gruppe 3b oder Carbapenem Gruppe 1
+ Fluorchinolon Gruppe 2/3
oder Aminoglykosid
Besonderheiten bestimmter Pneumoniearten
▶
Pneumokokkenpneumonie:
• Erreger: Streptococcus pneumoniae (in ca. 30 % in der Mundhöhle Gesunder)
• Übertragung: endogen, Tröpfcheninfektion; Ink.-Zeit 2–5 Tage
• Klinik (s. o.): „Typische“ bakterielle Pneumonie
• Komplikationen: Otitis media, Meningitis, Sepsis, Ulkus corneae
• Diagnose: Erregernachweis im Blut, Sputum, Tracheal-/Bronchialsekret
• Therapie: Penicillin G (Tab. 9.1, Problem: Penicillin-Resistenz; Antibiogramm!);
Alternativen: Aminopenicillin, Cephalosporin, Fluorchinolon
• Prognose: Mortalität ca. 5 %, bei Sepsis > 20 %
• Prophylaxe:Pneumokokkenimpfung in 6-Jahresabständen (z.B. Pneumovax
Personen > 60 J., Patienten mit kardiopulmonalen oder hämatologischen Erkrankun­gen, Diabetes mellitus, chronischer Niereninsuffizienz, nach Knochenmarktransplan­tation, vor Organtransplantation und vor Beginn einer immunsuppressivenTherapie.
▶
Viruspneumonie: Bei sonst Gesunden schwere Verläufe besonders bei bakterieller Superinfektion.
▶
Mykoplasmen-Pneumonie (häufig bei Jugendlichen):
• Erreger: Mycoplasma pneumoniae
• Übertragung: Tröpfcheninfektion; Ink.-Zeit ca. 14 Tage
• Klinik (s. o.): „Atypische“ Pneumonie
• Komplikationen: extrapulmonale Manifestationen: Herz, Gelenke, Haut, Hämolyse
356
®
)bei