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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2897_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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☆
22.4 Refluxkrankheit/Ösophagitis
22.3 Hiatushernien
Definition
▶
Verlagerung von Magenanteilen durch den Hiatus oesophageus in den Thoraxraum. Einteilung (Abb. 22.2):
• axiale Gleithernie: Verlagerung von Kardia und Magenfundus > 2 cm entlang der Ösophagus-Korpusachse, häufigste Form (ca. 90 %)
• paraösophageale Hernie: Regelrechte Lage der Kardia mit Verlagerung anderer Magenanteile neben den Ösophagus. Upside-down Stomach: inverse Verlagerung des gesamten Magens in den Thoraxraum
• gemischte Hernie: Mischform aus axialer Gleit- und paraösophagealer Hernie.
Ösophagus­mukosa
Zwerch­fell
Magen­mukosa
Perito­neum
22
Erkrankungen der Speiseröhre
gemischte
Hernie
Abb. 22.2 • Hiatushernien.
axiale
Gleithernie
paraöso-
phageale
Hernie
Ursachen – Epidemiologie
▶
Erhöhter intraabdomineller Druck bei Adipositas, Obstipation, Gravidität etc.
▶
Bindegewebsschwäche und Atrophie der Zwerchfellmuskulatur besonders im Alter.
▶
Prävalenz: bei Patienten > 70 Jahre in 50 – 60 % axiale Gleithernie nachweisbar.
Klinik
▶
Axiale Gleithernie: Meist symptomlos. Symptome bei Refluxk rankheit (S. 367).
▶
Paraösophageale Hernie: Häufig asymptomatisch, evtl. retrosternaler Druck (Roem­held-Syndrom, Tab. 14.3), Völlegefühl, Aufstoßen, Singultus. Komplikationen: Inkar­zeration, Ulzera, Erosionen evtl. mit akuter oder chronischer Blutung.
Diagnostik
▶
Röntgen-Ösophagusbreischluck, ggf. mit Bauchpresse und Kopftieflage. Evtl. auch bereits auf der nativen Thoraxübersichtsaufnahme sichtbare Hernie.
▶
Endoskopie.
Therapie
▶
Axiale Gleithernie: ggf. Therapie der Refluxkrankheit (S.368).
▶
Paraösophageale Hernie: Wegen häufiger Komplikationen (s. o.) operative Therapie (transabdominale Gastropexie) auch bei asymptomatischen Patienten.
22.4 Refluxkrankheit/Ösophagitis
Definition
▶
GERD = gastro-esophageal reflux disease = gastroösophageale Refluxkrankheit: Symptomatischer (typische Klinik oder Endoskopie) Rückfluss von saurem Magen­inhalt und/oder Duodenalinhalt in die Speiseröhre durch Insuffizienz des unteren Ösophagussphinkters.
367
22.4 Refluxkrankheit/Ösophagitis
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22
▶
NERD = non erosive esophageal reflux disease: Typische Klinik ohne endoskopischen Nachweis erosiver Veränderungen.
▶
Refluxösophagitis: Entzündliche Schleimhautläsionen bei Refluxkrankheit.
Ursachen – Epidemiologie
▶
Primäre Sphinkterinkontinenz: Unbekannte Ursache, Begünstigung durch Hiatus­hernien.
▶
Sekundäre Sphinkterinkontinenz: z. B. infolge von Operationen im Bereich des öso­phagokardialen Übergangs, Magenausgangsstenose, systemischer Sklerose, diabeti­scher autonomer Neuropathie, Schwangerschaft, Adipositas, Aszites, Medikamen­ten (Anticholinergika, Kalziumantagonisten, Nitrate u. a.).
▶
Häufige Erkrankung: Refluxbeschwerden bei ca. 10 %, Refluxösophagitis bei ca. 1 % der Bevölkerung, Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu.
Erkrankungen der Speiseröhre
Klinik
▶
■
Leitsymptome:Sodbrennen besonders postprandial und im Liegen, epigastrische
und/oder retrosternale Schmerzen, saures Aufstoßen und Regurgitation (S.193).
▶
In fortgeschrittenen Fällen mit peptischen Stenosen: Dysphagie und Odynophagie (= Schmerzen beim Schlucken).
Diagnostik – Stadieneinteilung
▶
Endoskopie und Biopsie (S. 70), Stadieneinteilungen der Refluxösophagitis:
• Los Angeles-Klassifikation (am besten evaluiert und am weitesten verbreitet):
Grad A = Schleimhautläsionen ≤ 5 mm; Grad B = Läsionen > 5 mm; Grad C = konflu­ierende Läsionen < 75 % der Zirkumferenz; Grad D = zirkuläre Defekte (≥ 75 %)
• nach Savary-Miller: Grad 0 = Reflux ohne Schleimhautveränderung; Grad I: ein-
zelne Erosionen; Grad II: länglich konfluierende (streifige) Erosionen; Grad III: zirkulär konfluierende Erosionen; Grad IV: Komplikationen: Ulzera, Strikturen, Barrett-Ösophagus (s. u.)
• MUSE-Klassifikation:(=Metaplasie, Ulkus, Stenose, Erosion): für jedes Kriterium
Vergabe von 0 – 3 Punkten (0 = fehlend, 1 = gering, 2 = mäßig, 3 = schwer), z. B. M1/U0/S 0/E2.
▶
24-Stunden-pH-Metrie: Registrierung des sauren Refluxes mit einer pH-Sonde. Dif­ferenzierung refluxbedingter Beschwerden bei endoskopisch unauffälliger Ösopha­gusschleimhaut (NERD, s. o.). Die Kombination mit einer Ösophagus-Impedanzmes- sung ermöglicht die zusätzliche Erfassung von nicht-saurem (Volumen-)Reflux.
Komplikationen
▶
Ulzera, Stenosen/Strikturen, chronische oder akute Blutungen.
▶
Barrett-Ösophagus: Ersatz des Platten- durch spezialisiertes (intestinales) Zylinder­epithel und nachfolgend erhöhter Neigung zu Ulzerationen (= Barrett-Ulkus) und karzinomatöser Entartung.
▶
Nächtliche Aspirationen mit Husten, Heiserkeit („Laryngitis gastrica“); evtl. Asth­maanfälle.
Therapie
▶
Allgemeine Therapiemaßnahmen:
• Meiden negativ beeinflussender Faktoren: Nikotin, Alkohol, Kaffee, opulente, fett-
oder kohlenhydratreiche v.a. abendliche Mahlzeiten, Medikamente wie Anticho­linergika, Kalziumantagonisten, Nitrate. Gewichtsnormalisierung.
• nächtliche „ Antirefluxlagerung“: Oberkörper im Winkel von ca. 30° erhöht (soweit
vom Patienten toleriert).
▶
Hemmung der Magensäureproduktion mit Protonenpumpenhemmern (= PPI, Stan­darddosen: Tab. 23.1) = Mittel der 1. Wahl bei Refluxösophagitis:
• initial: PPI-Standarddosis/d über 4 Wochen
368
22.5 Ösophaguskarzinom
• Therapieversager: doppelte PPI-Standarddosis/d
• Weiterbehandlung: – leichte Refluxkrankheit (Savary-Miller ≤ II oder NERD): bei Beschwerdefreiheit
Auslassversuch, bei Rezidiv PPI-Einnahme bei Bedarf
– schwere Refluxkrankheit (Savary-Miller > II): bei Beschwerdefreiheit Dosis
langsam reduzieren, bei Rezidiv Dauertherapie mit ½– 1 Standarddosis bzw. letzter wirksamer Dosis zunächst über mindestens 1 Jahr.
▶
Motilitätsstimulierende Medikamente Prokinetika (2. Wahl, nur bei leichten Reflux- beschwerden ohne erosive Veränderungen):
• Dopaminantagonisten: Domperidon (z. B. Motilium 30 min vor dem Essen oder Metoclopramid (z. B. MCP z. B. 3 × 10 mg/d 15 – 30 min vor dem Essen
• Nebenwirkungen: Extrapyramidale Symptome wie Dyskinesien, Schlundkrämpfe, Schluckstörung etc. Antidot: Biperiden (Akineton Diarrhö, Abdominalkrämpfe, bei Dauerbehandlung gelegentlich Gynäkomastie und Potenzstörungen.
▶
Alternativen zur medikamentösen Langzeittherapie: Antirefluxoperation (z. B. lapa­roskopische Fundoplicatio) oder endoskopische Techniken (endoluminale Gastro­plikatio, Radiofrequenztherapie u. a.).
▶
Bei peptischen Stenosen Bougierung unter endoskopischer Kontrolle.
▶
Beim Barrett-Ösophagus (S. 368) regelmäßige endoskopisch-bioptische Kontrollen je nach histologischem Befund.
®
)z.B.3×30– 60 Tr./d 15 –
®
10 mg/Tbl., 1 mg/ml Lsg.)
®
, z. B. 1 Amp. i. v.); zusätzlich
Nicht refluxbedingte Ösophagitiden
▶
Soorösophagitis: Besiedelung der Speiseröhre mit Candida albicans v. a. bei immun­supprimierten Patienten. Diagnose durch Endoskopie und Biopsie mit Pilzkultur. Therapie: Antimykotika (Tab. 9.2), Einnahme nach dem Essen und vor dem Schla­fengehen: z. B. Nystatin (Moronal (Amphomoronal
▶
Herpesösophagitis v. a. bei immunsupprimierten Patienten. Diagnose durch Endo­skopie und Biopsie. Therapie: symptomatisch (s. o.). Bei immunsupprimierten Pa­tienten in den ersten 3 Tagen Versuch mit Aciclovir (Tab. 9.3): z. B. Zovirax 800 mg/Tbl., 250|500 mg/Flasche; Dosierung oral: 5 × 800 mg/d; i. v.: 3 × 10 mg/kg KG/d über 5 – 7 Tage.
▶
CMV-Ösophagitis (S. 587) v.a. bei immunsupprimierten Patienten.
▶
Ösophagitis durch chemische (Verätzung, Alkohol) und physikalische (Bestrah­lungstherapie, Verbrühung, Magensonden) Noxen.
▶
Arzneimittelulkus: Durch längeren (nächtlichen) Schleimhautkontakt nicht voll­ständig verschluckter Medikamente (z. B. Kaliumpräparate, ASS, Doxycyclin, Bis­phosphonate u. a.). Prophylaxe: Einnahme der Medikamente in aufrechter Körper­haltung mit ausreichend Flüssigkeit.
®
Suspension 4 × 1 ml/d = 4 × 1 Pipette).
®
Suspension 4 × 5 ml/d) oder Amphotericin B
22
Erkrankungen der Speiseröhre
®
400|
22.5 Ösophaguskarzinom
Ursachen – Epidemiologie
▶
Konzentrierter Alkohol und Rauchen (insbesondere Kombination von beidem).
▶
Schleimhautveränderungen z. B. bei Barrett-Ösophagus (S. 368), Achalasie, Plum­mer-Vinson-Syndrom (S. 547) und Laugenverätzungen.
▶
Ernährungsbedingte Faktoren: z. B. Aflatoxine, Eisen- und Vitaminmangel.
▶
In Mitteleuropa ca. 7 % der malignen Tumore des Verdauungstraktes, Häufigkeits­gipfel im 6. Lebensjahrzehnt. Männer : Frauen = 5 : 1.
369
22.5 Ösophaguskarzinom
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22
Klinik
▶
Symptome häufig uncharakteristisch und oft erst im fortgeschrittenen Stadium.
▶
■
Leitsymptom: Dysphagie (meist ab einer Lumeneinengung von > 60 %).
▶
Regurgitation, evtl. retrosternale oder epigastrische Schmerzen.
▶
Übelkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme.
Diagnostik
▶
Endoskopie und Biopsie (S. 70) am zuverlässigsten. Histologische Einteilung:
• Plattenepithelkarzinom (am häufigsten) unterschiedlicher Differenzierung
• Adenokarzinom: Meist im unteren Ösophagusdrittel lokalisiert.
▶
Röntgen-Ösophagusbreischluck: Genauere Einschätzung der Längenausdehnung und Lokalisation (am häufigsten an den 3 physiologischen Ösophagus-Engen). Evtl. Darstellung von ösophago-trachealen Fisteln als Komplikation.
Erkrankungen der Speiseröhre
▶
Untersuchungen im Rahmen der Stadieneinteilung:
• Endosonografie: Bestimmung der Tiefenausdehnung
• Bronchoskopie: Ausdehnung auf das Bronchialsystem?
• Thorax-CT: Invasion von Nachbarstrukturen? Lymphknotenmetastasen?
• Röntgen-Thorax, Sonografie, Skelettszintigrafie: Erfassung von (meist spät auftre-
tenden) hämatogenen Metastasen in Lunge, Leber und Knochen.
▶
Tumormarker (Tab. 41.1): SCC (CEA); vor Therapie und bei der Nachsorge.
Therapie – Prognose
▶
Operative Therapie bei Tumoren im mittleren oder unteren Ösophagusdrittel, Aus­schluss von Fernmetastasen und Resektabilität: Ösophagusresektion bzw. Ösophag­ektomie mit Magenhochzug. Evtl. Kolon- oder Jejunuminterponat.
▶
Endoskopische Mukosaresektion: Carcinoma in situ bzw. T
▶
Photodynamische Therapie: Behandlungsalternative für inoperable Patienten mit T
1aN0M0
therapie nach Gabe einer photosensibilisierenden Substanz.
▶
Strahlentherapie bei nicht resektablen oder im oberen Ösophagusdrittel lokalisier­ten Plattenepithelkarzinomen.
▶
Chemotherapie: neoadjuvant (S. 136) oder bei fortgeschrittenen Karzinomen unter palliativer Zielsetzung; Kombination mit Strahlentherapie.
▶
Palliative Aufrechterhaltung der Nahrungspassage durch Bestrahlung, Bougierung, Laserbehandlung, Tubus- oder Stenteinlage, PEG (S.94).
▶
Nachsorge: Anamnese, körperliche Untersuchung, Tumormarker (Tab. 41.1), Rönt­gen-Thorax, Endoskopie und Abdomensonografie als Mindestprogramm. Weitere Diagnostik von Hinweisen für Progression oder Rezidiv abhängig.
▶
Prognose: 5-Jahres-Überlebensrate bei operablen Patienten ~ 20 %. Bei palliativ be­handelten Patienten Überlebensdauer < 1 Jahr.
-Tumoren.
1aN0M0
-Tumoren oder bei prämalignen Läsionen. Prinzip: endoskopische Laser-
370
23.2 Chronische Gastritis
23 Erkrankungen des Magens
23.1 Akute Gastritis
Definition
▶
Akute Entzündung der Magenschleimhaut mit oberflächlichen Leukozyteninfiltra­ten. Bei der akuten erosiven Gastritis zusätzlich mit Schleimhautdefekten, die nicht tiefer als in die Muscularis mucosae reichen (= Erosionen).
Ursachen
▶
Stress: Sepsis, Schock, postoperativ, nach Verbrennungen und Traumata u. a.
▶
Alkohol, Medikamente (v. a. NSAR), Säuren, Laugen.
▶
Infektionen: z. B. im Rahmen einer akuten Gastroenteritis (S. 606).
Klinik
▶
Epigastrische Schmerzen.
▶
Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen.
▶
Bei erosiver Gastritis mit Blutung: Symptome einer oberen gastrointestinalen Blu­tung (S. 705).
Diagnostik
▶
Bei kurzdauernder unkomplizierter Symptomatik Verlaufsbeobachtung.
▶
Bei persistierenden bzw. rezidivierenden Beschwerden oder Blutung: Gastroskopie mit Biopsie (S.70).
Therapie
▶
Allgemeinmaßnahmen: Alkohol- und Nikotinkarenz, passagere Nahrungskarenz oder Schonkost, Überprüfung der Medikation.
▶
Leichte Fälle heilen spontan ab, bei Beschwerden Antazida, z. B. Magaldrat (Rio­pan®).
▶
Schwere Fälle mit ausgedehnten Erosionen:H2-Blocker oder Protonenpumpenhem- mer (Tab. 23.1).
▶
Bei oberer gastrointestinaler Blutung (S. 705).
▶
Bei Helicobacter-pylori-Nachweis (S.373) Eradikationstherapie (Tab. 23.2).
23
Erkrankungen des Magens
23.2 Chronische Gastritis
Definition
▶
Chronische Entzündung der Magenschleimhaut. Histologische Diagnose ohne typi­sches Beschwerdebild. Einteilung nach ätiopathogenetischen Kriterien in Typ-A-, Typ-B- und Typ-C-Gastritis.
Ursachen – Epidemiologie
▶
Typ-A-Gastritis (3 – 6%): Autoimmunologische Genese mit Autoantikörpern gegen Belegzellen und/oder gegen Intrinsic-Faktor. Folgen: Achlorhydrie mit Anazidität und Hypergastrinämie, perniziöse Anämie (S. 548). Lokalisation in der Korpusregi­on. Erhöhte Inzidenz für Magenkarzinom.
▶
Typ-B-Gastritis (am häufigsten: 80 – 90 %): Bakteriell verursachte Entzündung meist durch Helicobacter pylori (Hp). Lokalisation in der Antrumregion mit aszendieren­der Ausbreitung. Häufige Erkrankung: ca. 50 % der Bevölkerung> 50 Jahre. Oft Ursa-
371
23.3 Gastroduodenale Ulkuskrankheit
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23
che einer rezidivierenden Ulkuskrankheit. Bei Hp-Gastritis mit intestinaler Metapla­sie erhöhte Magenkarzinom- und MALT-Lymphominzidenz.
▶
Typ-C-Gastritis (ca. 10 %): Chemisch toxisch verursachte Entzündung meist durch Gallereflux (häufig beim operierten Magen) oder Einnahme nichtsteroidaler An­tiphlogistika (NSAR).
▶
Seltener granulomatöse Gastritis (z. B. bei Morbus Crohn, Sarkoidose, Tbc) oder eosi­nophile Gastritis (oft im Rahmen einer eosinophilen Gastroenteritis unbekannter
oder allergischer Genese, Therapie: Glukokortikoide).
Klinik
▶
Häufig keine Symptome. Evtl. Völlegefühl, Blähungen, Durchfälle, epigastrische Schmerzen.
Erkrankungen des Magens
Diagnostik
▶
Gastroskopie mit Biopsie für histologische Untersuchung (Entnahme von mindes­tens 2 Gewebepartikeln getrennt aus Korpus und Antrum) und für Urease-Schnell­test im Rahmen der Helicobacter-pylori-Diagnostik (S. 373).
▶
Bei Typ-A-Gastritis evtl. Bestimmung von Vitamin B gegen Belegzellen und/oder Intrinsic-Faktor im Serum.
Therapie
▶
Typ-A-Gastritis:
• ggf. Behandlung einer perniziösen Anämie (S. 548)
• endoskopisch-bioptische Kontrollen alle 3 Jahre (erhöhte Karzinominzidenz).
▶
Typ-B-Gastritis:
• Hp-Eradikationstherapie (Tab. 23.2) bei: – Ulkuskrankheit, intestinaler Metaplasie, Ulkusanamnese oder Z. n. oberer GI-
Blutung im Zusammenhang mit ASS/NSAR-Langzeittherapie, Risiken für Ma­genkarzinom
– Reizmagen (S. 383) i. S. einer nichtulzerösen Dyspepsie (mögliche Indikation,
nur anbieten)
• bei intestinaler Metaplasie endoskopisch-bioptische Kontrollen alle 3 Jahre (er­höhte Karzinominzidenz).
▶
Typ-C-Gastritis: bei symptomatischem Gallereflux evtl. Prokinetika (S. 369) oder Co­lestyramin (S. 503); bei NSAR-Einnahme Indikation überprüfen, ggf. absetzen oder Kombination mit Protonenpumpenhemmer (Tab. 23.1).
(S.820) sowie Antikörpern
12
23.3 Gastroduodenale Ulkuskrankheit
Definition
▶
Ulkus: Umschriebener Schleimhautdefekt, der im Gegensatz zur Erosion über die Muscularis mucosae hinaus in die tieferen Wandschichten reicht.
▶
Akute Stressläsion: Einmaliges Auftreten einer Erosion oder eines Ulkus.
▶
Ulkuskrankheit: Rezidivierendes Auftreten gastroduodenaler Ulzera.
Ursachen – Epidemiologie
▶
Akute Stressläsion: z. B. bei Sepsis, Schock, postoperativ, nach Verbrennungen und Traumata.
▶
Ulkuskrankheit:
• Missverhältnis zwischen protektiven Faktoren (Durchblutung, Mukosabarriere, Magenschleim) und aggressiven Faktoren (Säure, Helicobacter pylori, Pepsin, Gal­lereflux, Nikotinabusus, Medikamente wie z. B. NSAR und Glukokortikoide, psy­chischer und physischer Stress)
372
23.3 Gastroduodenale Ulkuskrankheit
• genetische Prädisposition (z. B. bei Blutgruppe 0)
• seltener endokrine Erkrankungen: Zollinger-Ellison-Syndrom, Hyperparathyreoi-
dismus.
▶
Inzidenz des Ulkus duodeni ca. 150/100 000 Einwohner/Jahr, Ulkus ventriculi ca. 3-mal seltener. Verhältnis Männer : Frauen: beim Ulkus duodeni 3,5 : 1, beim Ul­kus ventriculi in etwa ausgeglichen. Beim Ulkus duodeni in ca. 90 % der Fälle Asso­ziation mit einer Helicobacter-pylori-Infektion.
Lokalisation
▶
Ulkus ventriculi: 80 % kleinkurvaturseitig besonders im Bereich der Angulusfalte
und des Antrums. Multiple Ulzera häufig bei medikamentöser Genese.
▶
Ulkus duodeni: Bulbus duodeni, meist vorderwandseitig. Weiter distal gelegene
multiple Ulzera bei medikamentöser Genese oder Zollinger-Ellison-Syndrom.
Klinik
▶
Epigastrische Schmerzen: nüchtern, postprandial, ohne Beziehung zur Nahrungs­aufnahme und/oder nachts.
▶
Evtl. Ausstrahlung in den rechten Oberbauch, nach retrosternal, in den Unterbauch oder Rücken (z. B. bei penetrierendem Ulkus duodeni).
▶
Übelkeit, Erbrechen und Inappetenz bei Magenausgangsstenose.
▶
Asymptomatisch: Häufig bei Patienten unter NSAR-Therapie.
Komplikationen
▶
Blutung (S. 705).
▶
Perforation: Schlagartig einsetzende oder sich verstärkende heftige Schmerzen mit
„bretthartem“ Abdomen. Nachweis freier Luft auf der Röntgen-Abdomenübersichts­aufnahme (S. 62).
▶
Penetration in Nachbarorgane (z. B. Pankreas bei Ulkus duodeni).
▶
Magenausgangsstenose: Akut durch entzündliche Schleimhautschwellung, chro­nisch durch Narbenbildung bei rezidivierenden, intrapylorisch oder im Bulbus duo­deni lokalisierten Ulzera.
▶
Magenkarzinom: Spätkomplikation bei chronischem Ulkus ventriculi.
Diagnostik – Differenzialdiagnose
▶
Endoskopie mit Biopsie (S. 70): Bei Ulkus duodeni Helicobacter-pylori-Diagnostik, bei Ulkus ventriculi Helicobacter-pylori-Diagnostik + Malignomausschluss (6 Par­tikel aus Ulkusrand, 1 – 2 Biopsien aus Ulkusgrund, Kontrolle nach Therapie bis zur endgültigen Abheilung).
▶
Helicobacter-pylori-Diagnostik:
• Urease-Schnelltest (z. B. HUT-Test
teilung des Therapieerfolgs aus dem Antrum und Corpus. Falsch negative Ergeb­nisse besonders nach Vorbehandlung mit säurehemmenden Medikamenten (z. B. Protonenpumpenhemmer, H nahme Medikation pausieren)
• Histologie: Sensitiver als Urease-Test
13
C-Atemtest: Oral gegebener13C-markierter Harnstoff wird durch HP-Urease ge-
•
spalten und absorbiert, wonach ein Anstieg des abgeatmeten werden kann; nicht invasive Beurteilung des Therapieerfolgs bei entsprechender apparativer Ausstattung (PPI- und H
• HP-Stuhl-Antigen-Test: Erregernachweis im Stuhl (Sensitivität wie Atemtest)
• Serologie: Wegen unterschiedlicher, teils langer Persistenz der Serum-Antikörper
zur Beurteilung des Therapieerfolgs weniger gut geeignet
• Kult ur (Biopsie): Bedeutung für die Keimaustestung bei Therapieresistenz.
▶
Labor: Ausschluss endokriner Ursachen einer Ulkuskrankheit:
• primärer Hyperparathyreoidismus (S.528): Serum-Ca
®
): Probenentnahme aus dem Antrum, zur Beur-
-Blocker: möglichst 1–2 Wochen vor Probenent-
2
13
CO2gemessen
-Blockerpause s. o.)
2
++
, ggf. Parathormon
23
Erkrankungen des Magens
373
23.3 Gastroduodenale Ulkuskrankheit
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23
• Zollinger-Ellison-Syndrom: Gastrin-Bestimmung (Cave: PPI-Einnahme erhöht den Gastrinspiegel bis zu 3-fach), ggf. Sekretintest (S. 405).
▶
Differenzialdiagnose: andere Ursachen abdomineller Beschwerden (S. 195).
Therapie
▶
Allgemeinmaßnahmen: Schonung, Nikotinabstinenz, Meiden ulzerogener Medika­mente (z. B. NSAR), Weglassen unverträglicher Nahrungsmittel, kleinere und häufi­gere Mahlzeiten.
▶
Eradikationstherapie (Tab. 23.2): Bei Helicobacter-pylori-Nachweis.
▶
Medikamentöse Säurehemmung: Protonenpumpenhemmer = PPI (1. Wahl, Tab. 23.1) oder H2-Rezeptorantagonisten (2. Wahl, Tab. 23.1): 1 Standarddosis/d über 4 Wochen.
Erkrankungen des Magens
▶
Prostaglandinanaloga (s. u.): Indikation: Ulkusprophylaxe unter NSAR-Einnahme (Kombination NSAR + PPI effektiver und kostengünstiger).
▶
Therapie rezidivierender Ulzera:
• mit Helicobacter-pylori-Nachweis: Eradikationstherapie (Tab. 23.2)
• ohne Helicobacter-pylori-Nachweis: Dauertherapie mit Protonenpumpenhemmer
▶
Therapie der Ulkusblutung (S. 706).
▶
Verlaufskontrolle unter Therapie: Kontrollendoskopie mit Biopsie einschließlich Helicobacter-Diagnostik nach 4 Wochen, bei Komplikationen oder ausgedehnten Ulzerationen früher. Bei unkompliziertem Duodenalulkus reicht nach Eradikations­therapie meistens eine Kontrolle (nach 4 Wochen) mittels Stuhl-Antigen-Bestimmung ohne erneute Endoskopie aus.
Tab. 23.1 • Ulkustherapeutika.
Freiname Handelsname z. B. Standarddosen
Protonenpumpenhemmer/-inhibitoren = PPI (Hemmung der Säuresekretion)
Esomeprazol Nexium
Lansoprazol Agopton
Omeprazol Antra MUPS
Pantoprazol Pantozol
Rabeprazol Pariet
H
2
Ranitidin Ranitic
-Rezeptorantagonisten in halber Standarddosis/d (Ausschluss Zollinger-
oder H
2
Ellison-Syndrom und Hyperparathyreoidismus).
(SD)*
®
mups
20|40 mg/Tbl.
®
15|30 mg/Kps. 30 mg
10|20|40 mg/Tbl. Antra 40 mg/Inf.-Fl.
40 mg/Tbl. 40 mg/Inf.-Fl.
-Rezeptorantagonisten (Hemmung der Säuresekretion)
150|300 mg/Tbl. 50 mg/Amp.
®
®
®
, rifun®20|
®
10|20 mg/Tbl. 20 mg
®
20 mg Esomeprazol bis Rabeprazol:
20 mg
40 mg
300 mg Übelkeit, Diarrhö, Hautaus-
13
C-Atemtest oder HP-
wichtige NW
Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, BB-Veränderungen. Bei hohen Dosen Sehstörungen. bei Magenentleerungsstörung (-atonie, -ausgangsstenose) Verwendung säurestabiler MUPS-Präparate
schläge, Myalgien, Kopfschmer­zen, Verwirrtheitszustände, Transaminasenerhöhung, BB­Veränderungen, Potenzstörun­gen, Gynäkomastie u. a. langsame i. v. Gabe; Dosisre­duktion bei Niereninsuffizienz
374
23.3 Gastroduodenale Ulkuskrankheit
Tab. 23.1 • Fortsetzung
Freiname Handelsname z. B. Standarddosen
Prostaglandinanaloga (Schleimhautprotektion v. a. unter NSAR-Therapie)
Misoprostol Zur Ulkusprophylaxe in Arthotec
* Dosis/d erkrankungsabhängig: Refluxkrankheit (S. 368), Ulkuskrankheit (S.374), Gastrinom (S.407), obere GI-Blutung (S. 706), Helicobacter-pylori-Eradikation (Tab. 23.2) Wechselwirkungen: Protonenpumpenhemmer (S. 155)
Tab. 23.2 • Therapieschemata zur Helicobacter-pylori-Eradikation.
Schema Medikamente - Dosis/d (Therapiedauer 7 Tage)
PPI + CA (1. Wahl) 2 × 1 SD 2 × 500 mg 2× 1 g
PPI + CM (alternativ) 2 × 1 SD 2 × 500 mg 2 × 400 mg
SD = PPI-Standarddosen (Tab. 23.1)
Handelsnamen und Nebenwirkungen der Antibiotika (S. 114); Einnahme der Medikamente vor einer Mahlzeit.
Kontrolle des Eradikationserfolges 4 Wochen nach Therapiebeginn durch Endoskopie einschließlich Antrum- und Corpusbiopsie (HUT-Test und ggf. Histologie) oder oder HP-Stuhl-Antigen-Bestimmung (Cave: falsch negative Ergebnisse unter PPI-Medikation, möglichst vorher 1 Woche Therapiepause).
Bei Therapieversagern vor erneuter Therapie kulturelle Anzüchtung der Keime aus Biopsien einschließlich Resistenztestung.
▶
Chirurgische Therapie bei Komplikationen, konservativer Therapieresistenz und Karzinomverdacht (trotz negativer Histologie). Übliche Verfahren:
• Ulkus ventriculi:
bination mit Diclofenac) enthalten
PPI Clarithromycin Metronidazol Amoxicillin
2
/3-Resektion und Passagewiederherstellung nachBillroth I/II
(SD)*
®
(Kom-
wichtige NW
Diarrhö, Menorrhagien. Kontra­indikationen: Gravidität, Stillzeit
13
C-Atemtest
oder Y-Roux (Abb. 23.1)
23
Erkrankungen des Magens
Abb. 23.1 • Magenresektionsverfahren in der Ulkuschirurgie.
Gastroduo-
denostomie
(Billroth I)
Gastro-
jejuno­stomie
(Billroth II)
Y-Gastro-
jejuno­stomie
nach Roux
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23.4 Magenkarzinom
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• Ulkus duodeni: Selektive proximale Vagotomie (SPV), bei Magenausgangsstenose SPV + Pyloroplastik
• kombinierte Ulcera ventriculi et duodeni: Exzision des Magenulkus + SPV + Pyloro- plastik, alternativ auch Antrektomie + Vagotomie
• im Notfall: Bei Blutu ng oder Perforation Ulkusumstechung bzw. -exzision und Übernähung.
Prognose
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Spontanheilungsquote beim Ulkus duodeni 30 – 40 % in 4 Wochen, unter adäquater Therapie Heilung in > 90 %. Hohe Rezidivneigung, die durch o. g. allgemeintherapeu­tische Maßnahmen und ggf. durch Eradikationstherapie deutlich gemindert wer­den kann.
Erkrankungen des Magens
Komplikationen des operierten Magens
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Dumping-Syndrom:
• Früh-Dumping: Übelkeit, abdominelle Beschwerden oder Herzrasen mit Kollaps- neigung kurz nach dem Essen durch Sturzentleerung des Magenstumpfes, oder passagere Hypovolämie durch hyperosmotisch wirkende Kohlenhydrate beson­ders nach BII-Resektion. Therapie: häufige kleine kohlenhydratarme Mahlzeiten
• Spät-Dumping (seltener): Hypoglykämiesymptome (S. 516) 2 – 3 Std. nach dem Essen durch überschießende Insulinausschüttung bei kohlenhydratreichen Mahl­zeiten. Therapie: kohlenhydratärmere Mahlzeiten, ggf. leichte Kohlenhydrat­zufuhr im Rahmen von Zwischenmahlzeiten.
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Syndrom der zuführenden Schlinge (afferent-loop-Syndrom) nach BII-Resektion: Übelkeit, Erbrechen, epigastrisches Völlegefühl durch Stau von Gallesekret in der Duodenalschlinge bei zu enger Öffnung oder durch abfließenden Mageninhalt in die Duodenalschlinge bei zu weiter Öffnung. Diagnose: MDP, Endoskopie. Therapie: chirurgisch.
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Blindsack-(„blind-loop“-)Syndrom mit Maldigestion (S. 380) infolge Dekonjugation der Gallensäuren durch bakterielle Fehlbesiedelung.
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Postvagotomiesyndrom: Völlegefühl, Refluxbeschwerden oder Durchfälle. Thera­pie: bei Durchfällen Versuch mit Colestyramin.
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Beschwerden des kleinen Restmagens: Postprandiales Völlegefühl. Therapie: häu­fige kleine Mahlzeiten, ggf. chirurgisch (Jejunuminterposition).
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Ernährungsstörungen: Eisen- (S. 62) und B12-Mangelanämien (S. 548), bei zu ra­scher Passage Maldigestion und Malabsorption (S. 380).
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Anastomosenulkus Durch fortbestehende Disposition (s. o.).
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Magenstumpfkarzinom: Spätkomplikation ab ca. 15 Jahre nach Magenresektion. Daher ab diesem Zeitraum mindestens alle 2 Jahre Gastroskopiekontrolle.
23.4 Magenkarzinom
Ursachen – Epidemiologie
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Krankheiten mit erhöhtem Karzinomrisiko:
• chronische Typ-A-Gastritis
• helicobacterassoziierte Typ-B-Gastritis mit intestinaler Metaplasie
• operierter Magen (nach BI- und BII-Resektion), 15 – 20 Jahre nach OP
• Polyposis ventriculi, adenomatöse Magenpolypen
• chronisches Ulkus ventriculi
• Morbus Ménétrier („Riesenfaltenmagen“): exsudative Enteropathie (S. 382) mit
Diarrhö und Eiweißverlust (Folge: Ödeme). Diagnose: Endoskopie mit Biopsie. Re­gelmäßige (jährliche) endoskopisch-bioptische Kontrollen.
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