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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5546_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана.pdf
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☆
2.3 · Wirkungen amRezeptor
2.3.4 NMDA (. Tab.2.5)
. Tab 2.5 Wirkungen der NMDA-Rezeptoren
Hauptwirkung Nebenwirkung
17
2
NMDA (N-Methyl-D-
Aspartat)
- Agonismus - Normale Aktivie-
- Antagonismus
(z. B.Acamprosat,
Ketamin, Memantin)
a
a
rung: u. a. Wachheit
- Memantin: Neuro­protektion
- Ketamin: anti­depressiver Effekt
Die genaue Funktion des NMDA-Rezeptors ist umstritten.
- Starke Aktivierung; Symptome einer Manie oder Panik
- Extreme (Dauer-)Aktivierung: Nervenzelluntergang (z. B. bei Alzheimer-Erkrankung)
18 Kapitel 2 · Psychopharmakotherapie: Grundwissen
2.3.5 Serotonin (. Tab.2.6)
2
. Tab 2.6 Auswahl der wichtigsten Wirkungen an den serotonergen Rezeptoren. 5-HT:
5-Hydroxytryptamin, SSRI: selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer, EPS: extra­pyramidalmotorische Symptome
Hauptwirkung Nebenwirkung
Serotonin
- 5-HT1
- Agonismus (z. B. serot-
antidepressiv, anxiolytisch onerg wirkende Anti­depressiva)
- 5-HT2
- Agonismus (z. B. serot-
onerg wirkende Anti­depressiva)
- Agitation
- Insomnie
- Sexuelle Dys­funktion
- Antagonismus (z. B.Clo-
zapin oder Mirtazapin)
- Verstärkung der Wirkung an den
anderen serotonergen Rezeptoren
- Evtl. Zunahme des Körpergewichts
- Verbesserung der Negativsympto-
matik
- Reduktion von EPS
- 5-HT3
- Agonismus (z. B. serot-
- Übelkeit onerg wirkende Anti­depressiva)
- Antagonismus (z. B. das
- antiemetisch Antiemetikum Ondanse­tron)
2.3 · Wirkungen amRezeptor
19
2.3.6 Andere Neurotransmitter: Histamin und Acetylcholin
(. Tab.2.7)
. Tab 2.7 Wirkungen weiterer Rezeptoren TZA: trizyklische Antidepressiva
Hauptwirkung Nebenwirkung
Histamin
- Antagonismus (z. B.TZA und niederpotente Antipsychotika)
Acetylcholin
- Antagonismus (z. B.TZA und niederpotente Antipsychotika)
- Müdigkeit (z. T. ist dies auch eine er­wünschte Wirkung)
- Delirante Symptome
- kognitive Dezite
- Mundtrockenheit
- Miktionsstörungen bis zum Harnverhalt
- Obstipation
- Anstieg des Augeninnendruckes bis zum Glaukomanfall
2
21

Psychopharmakotherapie: Grundfertigkeiten

Inhaltsverzeichnis
3.1 Nebenwirkungsmanagement – 23
3.1.1 Blutbildveränderungen und Agranulozytose – 23
3.1.2 Extrapyramidalmotorische Symptome (EPS) – 24
3.1.3 Gewichtszunahme – 26
3.1.4 Hautnebenwirkungen – 26
3.1.5 Herzrhythmusstörungen (HRST) – 30
3.1.6 Hyperprolaktinämie – 33
3.1.7 Hyponatriämie/Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) – 34
3.1.8 Hypothyreose – 35
3.1.9 Leberfunktionsstörung – 35
3.1.10 Restless-Legs-Syndrom (RLS)/Muskelzuckungen – 36
3.1.11 Senkung der Krampfschwelle – 37
3.1.12 Sexuelle Dysfunktion – 37
3.1.13 Thrombozytenaggregationshemmung – 38
3.1.14 Zentrales serotonerges Syndrom – 38
3
3.2 Routineuntersuchungen bei Gabe von Psychopharmaka (Auswahl) – 38
3.3 Psychopharmakotherapie bei Nieren- und Leberfunktionsstörung – 42
3.3.1 Antipsychotika – 42
3.3.2 Antidepressiva – 42
3.3.3 Anxioloytika/Sedativa – 42
© Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer-Verlag GmbH, DE, ein Teil von Springer Nature 2025 J. P. Klein, E. M. Klein, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-71440-9_3
3.3.4 Stimmungsstabilisierer – 42
3.3.5 Antidementiva – 42
3.3.6 Weitere – 43
3.4 Psychopharmaka inSchwangerschaft und Stillzeit – 43
3.4.1 Antipsychotika – 43
3.4.2 Antidepressiva – 43
3.4.3 Benzodiazepine – 43
3.4.4 Stimmungsstabilisierer – 44
3.5 Absetzen von Psychopharmaka – 44
3.5.1 Antidepressiva – 45
3.5.2 Antipsychotika – 46
3.5.3 Lithium – 46
3.1 · Nebenwirkungsmanagement

3.1 Nebenwirkungsmanagement

Psychopharmaka haben neben den beabsichtigten Hauptwirkungen (z. B. anti­depressive Wirkung) immer auch zahlreiche Nebenwirkungen. Es ist kaum mög­lich, sich diese Nebenwirkungen für die einzelnen Substanzen alle zu merken. Viel­mehr braucht es eine Struktur, die einen Überblick über die wichtigsten Neben­wirkungen gibt. Daher wurden in 7 Abschn. 2.3 zunächst die entscheidenden durch Psychopharmaka beeinussten Rezeptorsysteme und entsprechenden Haupt- und Nebenwirkungen aufgeführt. Bei der Beschreibung der einzelnen Substanzklassen und der wichtigsten Wirkstoffe (7 Abschn.3.5) werden jeweils die Neurotransmitter genannt, welche durch die Substanz beeinusst werden, so­dass schnell ersichtlich wird, mit welchen Haupt- und Nebenwirkungen bei der je­weiligen Substanz zu rechnen ist. In diesem Abschnitt werden weitere wichtige Nebenwirkungen von Psychopharmaka und ihr Management erläutert (z. B.Herz­rhythmusstörungen).
3.1.1 Blutbildveränderungen und Agranulozytose
Auftretenswahrscheinlichkeit
z
5 Das Risiko einer Agranulozytose (schweren Neutropenie, d.h. <500 neutro-
philen Granulozyten/mm3) ist unter Clozapin am höchsten. Bei 1–2% der mit Clozapin behandelten Patienten kommt es zu einem Abfall der neutrophilen Granulozyten, der zum Absetzen zwingt.
5 Das Risiko einer Agranulozytose ist in den ersten Wochen am höchsten, der
Häugkeitsgipfel liegt in der 6.–14. Behandlungswoche.
5 Auch unter anderen Psychopharmaka (und unter Metamizol) können Leuko-
penien auftreten. Dazu zählen:
– Antipsychotika (z. B.Olanzapin, Quetiapin oder Melperon), – Antidepressiva (v. a. Mirtazapin), – Antiepileptika (Carbamazepin, evtl. auch Valproat), – Benzodiazepine (in seltenen Fällen).
5 In Bezug auf das Auftreten von Agranulozytose besonders sichere Antipsycho-
tika sind:
– Antipsychotika der 1. Generation: Haloperidol, Benperidol, – Antipsychotika der 2. Generation: Amisulprid, Aripiprazol.
5 Risikogruppen für das Auftreten einer Agranulozytose sind: ältere Frauen und
asiatische Patienten.
23
3
Monitoring bei Behandlung mit Clozapin
z
5 Erstbehandlung mit Clozapin
– BB-Kontrolle wöchentlich für 18 Wochen, dann monatlich bis zu einem Jahr
nach Beginn der Behandlung, dann alle drei Monate für ein weiteres Jahr und dann jährlich (monatliche Kontrollen sind nur notwendig, wenn es unter Clozapin eine leichte Neutropenie – 1000–1500/mm3 – aufgetreten ist) (de Leon et al. 2025)
24 Kapitel 3 · Psychopharmakotherapie: Grundfertigkeiten
5 Wiederaufdosierung von Clozapin
– Patienten, die mindestens zwei Jahre mit Clozapin behandelt wurden, und bei
denen nie eine Neutropenie aufgetreten ist, können unabhängig von der Dauer der Unterbrechung ihr Behandlungsschema fortsetzen (jährliche Kontrollen)
– Andernfalls: sechs Wochen Überwachung bei Unterbrechung von weniger
als vier Wochen; Schema wie bei Erstbehandlung bei Unterbrechung von
3
mehr als vier Wochen
Vorgehen bei Auftreten einer Agranulozytose
z
5 Clozapin muss sofort abgesetzt werden, wenn eine mittelschwere oder schwere
Neutropenie auftritt (< 1000/ mm3).
Vorgehen nach Clozapin-induzierter Granulozytopenie/Agranulozytose
z
5 Rund 60% der Patienten mit einer clozapininduzierten Neutropenie konnten
erfolgreich wieder aufdosiert werden. Von einer Wiederaufdosierung von Clo­zapin nach Agranulozytose (< 500 neutrophile Granulozyten/μl) wird ab ge ra­ten; hier wurden weniger als 20% der Patienten erfolgreich wieder aufdosiert (Manu etal. 2012).
> Merke
Jeder mit Clozapin behandelte Patient muss über folgende Punkte schriftlich auf ge­klärt sein (dabei sollte ein standardisiertes Formular verwendet werden, dort sind je­doch die folgenden Punkte handschriftlich einzutragen, um zu dokumentieren, dass über diese Punkte tatsächlich aufgeklärt wurde):
5 Agranulozytoserisiko und die Notwendigkeit regelmäßiger Blutbildkontrollen. 5 Verhalten bei eberhaftem Infekt: sofort einen Arzt aufsuchen und Blutbild
be stimmen lassen.
5 Bei Abfall der Granulozyten unter einen kritischen Wert muss Clozapin
abgesetzt werden.
3.1.2 Extrapyramidalmotorische Symptome (EPS)
Einleitung
z
5 EPS werden zum Teil benannt in Bezug auf den Zeitpunkt des Auftretens nach
Beginn der Behandlung.
5 Das bedeutet jedoch nicht, dass z. B. eine Akathisie nur bei Patienten auftritt,
die zuvor eine Frühdyskinesie hatten.
Auftretenswahrscheinlichkeit
z
5 Antipsychotika unterscheiden sich darin, welche EPS sie besonders stark hervor-
rufen (die Angaben zu den Risk Ratios [RR] nden sich bei Huhn etal. 2019):
– Amisulprid: Frühdyskinesien,
3.1 · Nebenwirkungsmanagement
25
. Tab. 3.1 Extrapyramidalmotorische Symptome (EPS) von Antipsychotika, aufgelistet in
der Reihenfolge ihres Auftretens nach Beginn der Behandlung
3
Name Auftreten in
Abhängigkeit von Beginn der Be­handlung nach…
Frühdys­kinesien
Parkinso­noid
Akathisie Wochen bis
Tardive Dyskine­sien
Stunden bis Tage
Tage bis Wochen
Monate
Monate bis Jahre
Symptomatik Therapie
Vor allem Zungen­Schlund- Krämpfe, schlimmstenfalls lebensbedrohliche la­ryngeale Dystonie und Dyspnoe
Einschränkung der Feinmotorik, ver­minderte Mitbewegung der Arme, kleinschritti­ger Gang
Quälende Sitz- und Stehunruhe und Reiz­barkeit
Stereotype Be­wegungen der Zungen-, Mund- und Gesichtsmuskulatur (z. B.Schmatz­bewegungen)
Biperiden (Akineton®) i. v. 2,5–5 mg, bei leichteren Verläufen auch oral (unretardiert t s. Parkinsonoid), Achtung: i. v.-Gabe von Biperiden kann zu anti­cholinergem Syndrom führen
Dosisreduktion oder Umsetzen des Antipsychotikums Biperiden retard (Akineton 8 h) 4–12mg oral, möglichst nied­rige Dosis, Absetzen so bald als möglich
Dosisreduktion oder Umsetzen des Antipsychotikums; Beta­Rezeptorenblocker (Propranolol 30–120 mg/d) oder Mirtazapin (7,5–15 mg/d, Alternativen: andere 5-HT2A-Antagonisten wie Mianse­rin oder Trazodon) (Hasan und Leucht 2022)
Umstellung auf Clozapin
= 1–2 h, Dosierung:
max
®
, t
max
=
– Haloperidol und andere ältere Antipsychotika (z. B.Fluphenazin und Flu-
pentixol): Parkinsonoid (RR 3,06–6,14),
1
– Fluphenazin, Zuclopenthixol und Flupentixol: Akathisie (RR 12,16–23,81), – Clozapin, auch Sertindol, Olanzapin und Quetiapin: besonders selten EPS
(. Tab.3.1)
1 Gemessen als Häugkeit der Notwendigkeit der Gabe von Medikamenten zur Behandlung eines
Parkinsonoids.
26 Kapitel 3 · Psychopharmakotherapie: Grundfertigkeiten
3.1.3 Gewichtszunahme
Auftretenswahrscheinlichkeit
z
5 Antipsychotika:
– Besonders stark fällt beispielsweise die Gewichtszunahme aus bei Clozapin
3
und Olanzapin (ca. 3 kg), gefolgt von Sertindol, Quetiapin, Paliperidon, Ri­speridon und Asenapin (ca. 1–2 kg) (Huhn etal. 2019; Pillinger etal. 2020).
– Die Gewichtszunahme ist dosisabhängig, meist wird bei Standard-
dosierungen ein Plateau erreicht; bei Clozapin, Olanzapin und Paliperidon gehen steigende Dosierung bis in einen hohen Dosisbereich mit zunehmender Gewichtszunahme einher (Wu etal. 2022).
– Unter Ziprasidon und Haloperidol (und mit Einschränkungen auch Cari-
prazin und Amisulprid) wird hingegen kaum Gewichtszunahme beobachtet (Huhn etal. 2019; Pillinger etal. 2020).
5 Antidepressiva (Serretti und Mandelli 2010; Gill etal. 2020):
– In der akuten Behandlungsphase ist die Gewichtszunahme (ca. 2 kg) be son-
ders stark ausgeprägt bei Mirtazapin und trizyklischen Antidepressiva (v. a. Amitriptylin und Nortriptylin).
– In der Erhaltungsphase (nach mindestens 4 Monaten) kommt es auch bei be-
stimmten
– Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) bzw. – Selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)
zu einer Gewichtszunahme (v. a. Paroxetin und Citalopram, aber möglicher­weise auch Duloxetin, Escitalopram und Sertralin). Das ist wahrscheinlich dadurch zu erklären, dass die Appetitminderung zu Beginn der SSRI-Be­handlung der Gewichtszunahme entgegenwirkt (möglicherweise keine Ge­wichtszunahme bei Fluoxetin und Venlafaxin).
– Bupropion führt sowohl kurz- als auch langfristig eher zu einer Ge wichts ab-
nah me.
Behandlung
z
5 Aripiprazol (~10 mg/d) und Metformin (~1000 mg/d) sind wirksam in der Be-
hand lung von durch Antipsychotika hervorgerufene Gewichtszunahme (off-la­bel); die Gewichtsabnahme ist unter Metformin möglicherweise stärker aus­geprägt (3,17kg vs. 2,13 kg) (Mizuno etal. 2014). Eine möglicherweise noch etwas größere Gewichtsabnahme kann erreicht werden mit den Glucagon-like Peptid- 1 (GLP-1)-Agonisten Exenatid und Liraglutid (3,71 kg) (Siskind etal.
2019).
3.1.4 Hautnebenwirkungen
An dieser Stelle sind nur die wichtigsten Hautnebenwirkungen aufgeführt (für eine gute Übersicht siehe Lissner und Dobmeier 2006).
3.1 · Nebenwirkungsmanagement
Arzneimittelexanthem (exanthemische Eruptionen)
z
5 Aussehen: morbiliforme (masernartige) makulopapuläre Hautausschläge, häu-
g juckend (. Abb.3.1).
5 Verteilung: symmetrisch, stammbetonter Beginn und sekundäre Ge ne ra li sie-
rung.
5 Zeitverlauf: Beginn 1–2 Wochen nach Therapiebeginn und Ende ca. 2 Wochen
nach Absetzen der Medikation.
5 Auslösende Medikamente (wichtige Beispiele): Dieses Exanthem kann durch
nahezu jedes Medikament hervorgerufen werden. Besonders zu nennen sind Carbamazepin, Oxcarbazepin, Gabapentin, Lamotrigin, Lithiumcarbonat, To­piramat, Valproat; jedoch auch Sertralin, Fluoxetin, Trizyklika, Johanniskraut und Antipsychotika.
5 Therapie: Absetzen des auslösenden Medikamentes, Antihistaminika bei star-
kem Juckreiz, ggf. dermatologische Vorstellung zur Klärung der Indikation zur Kortikoidgabe.
27
3
. Abb. 3.1 Arzneimittelexanthem. (Abbildung: Lissner und Dobmeier 2006, Abdruck mit freund-
licher Genehmigung)