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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5546_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана.pdf
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256 Kapitel 20 · Traumafolgestörungen
20
20.4.2 Psychotherapie
Die Psychotherapie wird gestaltet in Abhängigkeit von folgenden Faktoren:
5 Fortbestehen von Täterkontakt mit Traumatisierungsrisiko: Dies gilt als Kon-
tra in di ka ti on für eine Bearbeitung des Traumas. Allerdings kann eine Psy cho­the ra pie auch bei anhaltendem Täterkontakt wirksam sein (Yim etal. 2024). In diesem Fall sollten die Betroffenen zu Beginn der Behandlung darin unterstützt werden, Täterkontakte mit Traumatisierungsrisiko zu beenden (z. B. sexuelle Kontakte mit dem Täter).
5 Fertigkeiten der Regulation von intensiven Affekten: Mangelnde Fertigkeiten
in der Regulation von intensiven Affekten äußern sich beispielsweise in aus­geprägter Dissoziationsneigung. In diesem Fall sollten zu Beginn der Be hand­lung Stresstoleranzfertigkeiten und antidissoziative Fertigkeiten vermittelt wer­den (siehe 7 Abschn.7.3.2).
Im Mittelpunkt der Psychotherapie steht die traumafokussierte Behandlung:
5 Das Ziel der Behandlung von Menschen mit posttraumatischer Be las tungs stö-
rung ist die Integration des traumatischen Ereignisses in die Lebensgeschichte des Patienten. Dadurch wird das Trauma natürlich nicht ungeschehen gemacht, auch wenn viele Betroffene sich das nachvollziehbarerweise wünschen. Viel­mehr wird dem Patienten dabei geholfen, dass seine Lebensführung nicht mehr so stark durch Erinnerungen an das Trauma beeinusst werden. Eine trauma­fokussierte Be hand lung kann sich orientieren an den allgemeinen Prinzipien der Expositionsbehandlung (siehe 7 Abschn.7.3.3), dabei sollten auch antidis­soziative Fertigkeiten eingesetzt werden (siehe 7 Abschn.7.3.2).
5 Bei der Behandlung von Menschen mit einer komplexen posttraumatischen Be-
las tungs stö rung sollte beachtet werden, dass diese Menschen neben dem eigent­lichen traumatischen Ereignis oftmals auch traumatische Invalidierung erlebt haben. Damit ist gemeint, dass sie Invalidierungserfahrungen gemacht haben, wenn sie versucht haben, anderen von ihren belastenden Erlebnissen zu be rich­ten („wenn du das noch einmal erzählst, dann schicken wir dich ins Kin der­heim“). Diese Erfahrungen tragen zu dem tiefgreifenden Gefühl von Scham, Hilosigkeit, Un ter le gen heit, Wertlosigkeit oder sogar Schuld bei. Daher wird empfohlen, auch diese Erfahrungen zu bearbeiten (z. B. durch Imagery Rescrip­ting, siehe 7 Abschn.7.3.4).
Die Behandlung endet nicht in jedem Fall mit der Traumabearbeitung. In einer darauffolgenden Behandlungsphase können, wenn indiziert, weitere Aspekte be­arbeitet werden, zum Beispiel:
5 Unterstützung bei der Bewältigung der mit dem Trauma assoziierten Emotio-
nen (z. B.Verfassen eines Briefes an den in einem Unfall getöteten Ehemann, in dem die Trauer zum Ausdruck kommt darüber, dass er fehlt, aber auch der Ärger darüber, dass er die Patientin durch seinen Tod nicht mehr bei der Er zie­hung der noch kleinen Kinder unterstützen konnte).
Therapie
20.4 ·
5 Soziale Neuorientierung (z. B.Unterstützung einer sexuell traumatisierten Frau
beim Aufbau von vertrauensvollen Beziehungen, in denen auf angemessene Art und Weise Grenzen eingehalten werden).
5 Aufbau von Aktivitäten; dieser kann sich orientieren an den in 7 Abschn.7.4.2
beschriebenen Prinzipien (z. B. bei einem Patienten, der im Rahmen seiner PTBS seine Hobbys vernachlässig hat, weil er beim Verlassen des Hauses immer an seinen schweren Fahrradunfall erinnert wurde).
20.4.3 Psychopharmakotherapie
Die selektiven Serotonin-Reuptake-Hemmer (SSRI) gelten auf Grundlage von Metaanalysen als das Mittel der 1. Wahl für die psychopharmakologische Be hand­lung. SSRIs sollten jedoch nach den S3-Leitlinien nur in Kombination mit einer Psychotherapie zum Einsatz kommen. Für traumaassoziierte Schlafstörungen und Albträume hat der A1-Antagonist Prazosin ebenfalls in einer Metaanalyse seine Wirksamkeit gezeigt. Da Prazosin in Deutschland nicht auf dem Markt ist, wird als ebenfalls wirksame Alternative Doxazosin retard (4–8mg unter Kontrolle des Blutdrucks, maximal 16 mg off label) eingesetzt (Smith und Koola 2016). Auf Benzodiazepine sollte wegen des Abhängigkeitspotenzials, wenn möglich, ver­zichtet wer den.
257
20
259

Dissoziative Störung

Inhaltsverzeichnis
21.1 Diagnostische Kriterien (F44) – 260
21.2 Therapie – 261
21.2.1 Pharmakotherapie – 261
21.2.2 Allgemeine Prinzipien der Behandlung von Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung – 262
21
© Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer-Verlag GmbH, DE, ein Teil von Springer Nature 2025 J. P. Klein, E. M. Klein, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-71440-9_21
21
Kapitel 21 · Dissoziative Störung
260

21.1 Diagnostische Kriterien (F44)

Im gesunden Zustand besteht eine bewusste Kontrolle über die Steuerung psychi­scher und körperlicher Funktionen (z. B.Aufmerksamkeitslenkung auf bestimmte sensorische Reize oder die Ausführung und Unterbrechung von Bewegungen). Diese bewusste Kontrolle ist in der Dissoziation gestört (aber nicht aufgehoben). Das hat zur Folge, dass es zu einer unerwünschten Abspaltung von bestimmten psychischen oder körperlichen Funktionen vom wachen Bewusstsein kommt. Dabei besteht im Gegensatz zum Wahn nicht die Überzeugung, dass diese Ab spal­tung von außen gemacht wird. Die abgespaltenen psychischen und körperlichen Funktionen können vielfältig sein (u. a. Wahrnehmung, Gedächtnis, Motorik, Sensorik). Einen systematischen Überblick bietet . Tab.21.1.
. Tab. 21.1 Überblick über dissoziative Symptome mit den zugehörigen Denitionen und
dem jeweiligen mentalen Inhalt, der bei diesem Symptom vom Bewusstsein abgespalten ist
Dissoziatives Symp­tom
Störung der Kontinuität des subjektiven Erlebens („positive“ dissoziative Symptome)
Derealisation Erleben der Umgebung als fremd, unwirklich oder
Depersonalisation Erleben des Selbst als fremd, unwirklich oder
Unfähigkeit, Informationen abzurufen oder psychische oder körperliche Funktionen zu kontrol­lieren („negative“ dissoziative Symptome)
Dissoziative Amnesie (F44.0)
Dissoziative Identitätsstörung (F48.1)
Denition Betroffener
Mentaler Inhalt
Wahrnehmung
verändert: „Es war alles wie im Film“
verändert: „Ich habe das Gefühl, mich wie von außen zu sehen“ oder „Ich habe das Gefühl, dass meine Beine gar nicht zu mir gehören“
Unfähigkeit, autobiograsche Informationen abzurufen
- lokal (bezogen auf ein Ereignis)
- selektiv (bezogen auf einen Aspekt eines
- generalisiert (bezogen auf Identität oder
Gekennzeichnet durch:
- 2 oder mehr unterscheidbare Persönlichkeits-
und
- wiederholte Episoden von Amnesie alltäglicher
a
.
Ereignisses)
Lebensgeschichte– selten)
zustände (z. B. sich plötzlich verhalten wie eine andere Person)
Ereignisse
der Umgebung
Wahrnehmung des Selbst
Gedächtnis
Identität
21.2 · Therapie
. Tab. 21.1 (Fortsetzung)
261
21
Dissoziatives Symp­tom
Dissoziative Stö­rung der Bewegung und Empndung (F44.4- F44.7)
a
Kann verbunden sein mit dissoziativer Fugue, also einer absichtlichen Reise oder einem ziellosen Umherirren verbunden mit einer Amnesie für die eigene Identität oder für andere wichtige autobiograsche Informationen.
b
Diese Störung werden wir im Folgenden als funktionelle neurologische Störung bezeichnen. Ebenfalls gebräuchlich ist der Begriff Konversionsstörung.
Denition Betroffener
Neurologische Symptome (z. B. motorisch, senso­risch oder nicht-epileptische Anfälle), die sich nach
b
angemessener neurologischer Untersuchung als un­vereinbar mit einer neurologischen Pathophysio­logie erweisen.
Mentaler Inhalt
Motorik, Senso­rik, Bewusstsein

21.2 Therapie

Zur Behandlung der dissoziativen Störung siehe:
5 antidissoziative Fertigkeiten: 7 Abschn.7.3.2, 5 Behandlung von dissoziativen Störungen der Bewegung und Empndung:
7 Abschn.22.5.4,
5 Behandlung von dissoziativen Identitätsstörungen: 7 Abschn.21.2.2.
21.2.1 Pharmakotherapie
Dissoziative Symptome treten bei einem breiten Spektrum von psychischen Stö­rungen auf. Die Ergebnisse aus Psychopharmakotherapiestudien sind sehr he te ro­gen. Die im Folgenden aufgeführten Wirkstoffe haben ihre Wirksamkeit gezeigt in der Behandlung von dissoziativen Symptomen (z. B.Depersonalisation) im Rah­men einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bzw. einer Posttraumatischen Be las­tungs stö rung (Sutar und Sahu 2019):
5 Antidepressiva:
– Paroxetin (maximal 60 mg/d).
5 Opiatantagonisten:
– Naltrexon 50–250 mg/d (möglichst niedrig dosieren, beginnend mit 50 mg,
dann auf 100mg aufdosieren wenn nötig) d= 1,46 (Escamilla etal. 2023).
– Nalmefen ist möglicherweise besser verträglich, aber weniger gut untersucht;
hier Dosierung 18 mg/d–72 mg/d und evtl. abnehmende Nebenwirkungen mit ansteigender Dosierung (Enning und Schmahl 2022).
262 Kapitel 21 · Dissoziative Störung
21.2.2 Allgemeine Prinzipien der Behandlung von Menschen
mit dissoziativer Identitätsstörung
21
Bei einer dissoziativen Identitätsstörung treten meistens auch andere dissoziative Symptome auf (v. a. dissoziative Amnesie, aber auch alle anderen dissoziativen Störungen). Diese Störung tritt auch häug komorbid auf mit einer Borderline­Persönlichkeitsstörung und einer posttraumatischen Belastungsstörung, meist einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (Huntjens etal. 2019).
Daher kann man sich bei der Behandlung der dissoziativen Identitätsstörung
zunächst an den in 7 Abschn.27.4.3 beschriebenen allgemeinen Prinzipen der Be­hand lung der Borderline-Persönlichkeitsstörung orientieren, weil hier der Umgang mit dissoziativen Symptomen und den Traumafolgen bereist mitgedacht ist. Bei der Behandlung der Traumatisierung stehen die von den Patienten erinnerlichen belastenden Erlebnisse im Mittelpunkt. Es ist nicht notwendig, nach „verdrängten“ Traumata zu suchen.
Zusätzlich braucht man in der Behandlung der dissoziativen Identitätsstörung Strategien im Umgang mit der von den Patienten erlebten Spaltung ihrer Identität in mehrere Persönlichkeiten. Die Patienten erklären sich dieses Erleben oft so, dass es rigide Grenzen zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten gibt, sodass die eine Persönlichkeit sich beispielsweise nicht an Dinge erinnern kann, welche die an­dere Persönlichkeit erlebt hat.
Möglicherweise ist dieses Erleben mehrerer Persönlichkeiten aber nicht bedingt durch tatsächlich bestehende rigide Grenzen zwischen den Persönlichkeiten. Viel­mehr ist dieses Erleben Ausdruck von Schwierigkeiten, unterschiedliche Anteile der eigenen Identität wahrzunehmen, beispielsweise aus Angst, durch intensives emotionales Erleben dieses Persönlichkeitsanteils überwältigt zu werden. Aus die­ser Perspektive betrachtet, wird die dissoziative Identitätsstörung aufrechterhalten durch Überzeugungen wie „Wenn ich alles erinnern würde, was mir in meinem Leben passiert ist, dann würde ich die Kontrolle verlieren“.
Dieser Haltung folgend wäre es das Ziel der Behandlung der dissoziativen Identitätsstörung, den Patienten helfen zu erkennen, dass die verschiedenen Perso­nen, die sie erleben, alle verschiedene Aspekte einer einzigen Identität sind. Zu die­sem Zweck können Patienten unterstützt werden, ihre verschiedenen Persönlich­keiten nach dem Modell der Schematherapie einzuordnen als verschiedene Modi (siehe auch . Tab.21.2). Das hilft dabei, die dahinterliegenden Bedürfnisse anzu­erkennen und Fertigkeiten zu lernen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Eine Einführung in das Modusmodell ndet sich in 7 Abschn.6.3.3.
Auf diese Art und Weise können Patienten Schritt für Schritt übergehen von „Ich habe verschiedene Persönlichkeiten, die mich beherrschen“ hin zu „Ich habe verschiedene Bewältigungsstile, und ich kann entscheiden, auf welche ich zugreife“.
21.2 · Therapie
263
. Tab. 21.2 Beispiel einer hypothetischen Zuordnung der verschiedenen Persönlichkeiten, die
eine Patientin mit dissoziativer Identitätsstörung erlebt, zu verschiedenen Bewältigungsstilen
21
Name und Alter
Eva (7 Jahre)
Anne (43 Jahre)
Verhalten Funktion dieses
Verhalten
Sich im Schup­pen verstecken
Stimme, die mir sagt „Halt’s Maul“
Wachsamkeit, Schutz vor Gefahr
Verschwiegenheit, um erneuten Missbrauch zu verhindern
Emotion Bedürfnis Bewältigungsstil
Angst Sicher-
heit
Angst Sicher-
heit
Verletzliches Kind
Wütender Beschützer
265

Belastung durch körperliche Symptome und Krankheitsangst

Inhaltsverzeichnis
22.1 Epidemiologie – 267
22.2 Diagnostische Kriterien – 267
22.2.1 Psychische Störung – 268
22.2.2 Funktionelle Störung – 269
22.2.3 Dierenzialdiagnose – 272
22.3 Anamnese – 273
22
22.4 Diagnostik – 273
22.5 Therapie – 273
22.5.1 Allgemeine Prinzipien – 273
22.5.2 Psychopharmakotherapie – 274
22.5.3 Psychotherapie – 275
22.5.4 Spezielle Aspekte inder Behandlung ausgewählter Störungen – 276
© Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer-Verlag GmbH, DE, ein Teil von Springer Nature 2025 J. P. Klein, E. M. Klein, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie,
https://doi.org/10.1007/978-3-662-71440-9_22
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266 Kapitel 22 · Belastung durch körperliche Symptome und Krankheitsangst
Der Umgang mit psychischer Belastung durch körperliche Symptome und Krank­heitsangst hat sich in den letzten Jahren entscheidend gewandelt:
5 Man ging davon aus, dass körperliche Symptome eine psychische Ursache
haben, wenn diese nicht durch medizinische Befunde erklärt werden können. Daher wurden psychische Belastungen durch körperliche Symptome und ver­wand te Störungen deniert durch die Abwesenheit einer medizinischen Er klä­rung für die vorgetragenen Beschwerden (Dichotomie zwischen körperlichen und psychischen Erkrankungen).
5 Dies führte im konkreten Vorgehen dazu, dass zunächst körperliche Ursachen
ausgeschlossen wurden, bevor die erhebliche psychische Belastung der Be­troffenen diagnostiziert und behandelt wurde (Hierarchie des Vorgehens: erst körperliche Gesundheit, dann psychische Gesundheit).
5 Im Bereich der psychischen Gesundheit ging man davon aus, dass körperliche
Symptome Ausdruck von zum Teil schwerwiegenden psychischen Stressoren und Konikten sind (Konzept der Konversion: Unbewusste Konikte äußern sich als körperliche Symptome, siehe auch 7 Abschn.5.1.1).
Dabei wurden wichtige Aspekte übersehen, die für die Versorgung dieser Patienten­gruppe entscheiden sind:
5 Psychische und körperliche Faktoren können bei der Entstehung und Auf recht-
er hal tung von körperlichen Symptomen zusammenwirken. Das bedeutet, neben einer körperlichen Erkrankung (z. B. koronare Herzerkrankung oder Krebs) kann auch eine psychische Erkrankung bestehen (und umgekehrt). Es gibt konkrete Zeichen, anhand derer die psychische Belastung durch körper­liche Symptome und die funktionelle Störung erkannt und diagnostisch ein­geordnet werden kann (siehe . Tab.22.1).
5 Eine psychische Belastung durch körperliche Symptome ist häug und sollte
daher früh im Behandlungsprozess mit berücksichtigt werden: etwa ein Drittel aller Vorstellungen in Allgemeinpraxen nden wegen medizinisch nicht erklär­barer Symptome statt (Kroenke 2003), in Facharztpraxen ist der Anteil sogar noch höher (bis zu 50% in neurologischen und gastroenterologischen Praxen).
5 Medizinisch nicht erklärbare Symptome können erheblich psychisch belasten,
selbst wenn nicht unmittelbar ein Stressor oder Konikt erkennbar ist, der die körperlichen Symptome verursacht. Diese psychische Belastung kann direkt behandelt werden. Das kann, muss aber nicht eine Behandlung der zugrunde liegenden Stressoren und Konikte beinhalten.
In diesem Kapitel werden Sie lernen, wie Sie die psychische Belastung durch körperliche Symptome und Krankheitsängste diagnostisch einordnen und wie Sie therapeutisch vorgehen.
22.2 · Diagnostische Kriterien
267
. Tab. 22.1 Psychische Belastung durch körperliche Symptome und Krankheitsangst:
Übersicht
Diagnose ICD- Code Zentrale Kriterien
22
Somatische Belastungsstörung
Krankheitsangst­störung
Körperdysmorphe Störung
a
Die zur somatischen Belastungsstörung analoge Diagnose in der ICD-11 wird als „Bodily
Distress Disorder“ bezeichnet (6C20).
F45.0 - Psychische Belastung durch körperliche Symptome
a
F45.2
F45.3 - Übermäßige Beschäftigung mit wahrgenommenen
(z. B. Ängste, Sorgen und Vermeidungsverhalten)
- Typischerweise mehrere Monate andauernd (wenn weniger als 6 Monate F45.1)
- Meist mehrere körperliche Symptome (bei überwiegendem Schmerz F45.4)
- Übermäßige Beschäftigung damit, eine ernsthafte Erkrankung zu haben/zu bekommen
- Körperliche Symptome liegen maximal in geringer Intensität vor
- Länger als 6 Monate andauernd
Mängeln im äußeren Erscheinungsbild
- Darauf bezogenen wiederholte Verhaltensweisen oder mentale Handlungen

22.1 Epidemiologie

5 Prävalenz der somatischen Belastungsstörung: 3,8% (Creed etal. 2012), Krank-
heitsangststörungen haben vermutlich eine ähnliche Häugkeit.
5 Etwa zwei Drittel derer, die an einer bestimmten funktionellen Störung leiden,
leiden auch an anderen funktionellen Störungen. Das Auftreten einer einzigen funktionellen Störung (ohne weitere funktionelle Störungen) reicht in der Häu­g keit von knapp 20% bei der Fibromyalgie bis über 40% bei einem Reizdarm­syndrom (Petersen etal. 2020).

22.2 Diagnostische Kriterien

Langanhaltende körperliche Beschwerden können auf 2 Ebenen diagnostiziert werden:
5 Psychische Störung: Hier steht die psychische Belastung durch die körperlichen
Symptome im Mittelpunkt (z. B.Somatische Belastungsstörung).
5 Funktionelle Störung: Hier wird ein bestimmtes Muster an körperlichen Be-
schwer den beschrieben (z. B.Fibromyalgie).
Die meisten Menschen, die an einer bestimmten funktionellen Störung leiden, er­füllen auch die diagnostischen Kriterien für eine somatische Belastungsstörung