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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_2897_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана

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☆
2.2 Gastroenterologische Funktionsuntersuchungen
minderter glomerulärer Filtrationsrate alternativ Bestimmung der Serum-Xylose nach 1 und 2 h.
▶
Auswertung: Pathologisch, wenn Urin-Xylose< 4 g (bei normaler Nierenfunktion) bzw. Serum-Xylose< 20 (1 h) und 25 (2 h) mg/dl.
H2-Atemtests
▶
Indikation: Diagnostik intestinaler Funktionsstörungen. Vorteil: keine Belastung des Patienten, höhere Sensitivität als z. B. Laktose-Toleranz- oder D-Xylosetest. Nachteil: höherer apparativer Aufwand.
▶
Prinzip: Nicht resorbierte Zucker werden bakteriell verstoffwechselt, wobei H steht und über die Lungen abgeatmet wird. Messung der H wendung elektrochemischer Detektionssysteme.
▶
Methoden,z.B.:
-Atemtest mit Glukose: Deckt eine bakterielle Fehlbesiedelung im Dünndarm
• H
2
auf, da die pathologische Flora bereits frühzeitig (vor Resorption) die Glukose im
-Exhalation unter Ver-
2
Dünndarm verstoffwechselt
-Atemtest mit Laktose (und Xylose): Sensitiver Test zum Nachweis einer Lakto-
• H
2
seintoleranz oder einer Malabsorption. Nicht resorbierte Laktose (und Xylose) wird von der natürlichen Flora im Kolon verstoffwechselt.
Pankreolauryltest
▶
Indikation: V. a. exokrine Pankreasinsuffizienz.
▶
Prinzip: Oral gegebenes Fluoreszein-Dilaurat mit Testmahlzeit wird normalerweise durch Pankreasesterasen gespalten, resorbiert und renal ausgeschieden. Bei exokri­ner Pankreasinsuffizienz ist die Fluoreszein-Urinkonzentration vermindert.
▶
Durchführung:
• 1. Tag: – 6:30 Uhr: 0,5 l Tee ohne Zutaten trinken, nach 30 min Blase entleeren (noch
nicht sammeln)
– 7:00 Uhr: Frühstück mit 1 Brötchen, 20 g Butter und 1 Tasse Tee; hierzu
0,5 mmol Fluoreszein-Dilaurat (= 2 blaue Kps. Pancreolauryl-Test
®
N) unzer-
kaut einnehmen. Ab jetzt Urin sammeln (bis 17:00 Uhr)
– 10:00 Uhr: 1 l Tee trinken, im weiteren Verlauf uneingeschränkte Nahrungs-
aufnahme (keine Enzym- oder Vitaminpräparate einnehmen)
– 17:00 Uhr: Blase ein letztes Mal entleeren
• 3. (übernächster) Tag: – identischer Versuch mit 0,5 mmol freiem Fluoreszein (= 2 rote Kps.).
▶
Auswertung: Messung der Fluoreszein-Urinkonzentration am Testtag (T = 1. Tag) und am Kontrolltag (K = 3. Tag). Bestimmung des T/K-Quotienten. Unauffällig: T/K > 30 %, grenzwert ig: T/K = 20 – 30 %, pathologisch T/K < 20 %.
▶
■
Beachte: Eine einfachere Methode zum Nachweis einer exokrinen Pankreasinsuffi-
zienz ist die Elastase-1-Bestimmung im Stuhl (S.403).
Schillingtest
▶
Indikation: Nachweis einer Resorptionsstörung im Ileum bei speziellen Fragestel­lungen (kein Routinetest). Bei Vitamin-B sic-Faktor-Mangel und Malabsorption im Ileum.
▶
Prinzip: Normalerweise wird radioaktiv markiertes Vitamin B des Intrinsic-Faktor im Ileum resorbiert und mit dem Urin ausgeschieden. Bei In­trinsic-Faktor-Mangel oder bei Malabsorption im Ileum ist die Vitamin B scheidung im Urin vermindert.
▶
Durchführung: Nach oraler Gabe von radioaktiv markiertem Vitamin-B sen Ausscheidung im Urin gemessen. Nach ca. 1 Woche Wiederholung des Tests mit zusätzlicher Gabe von Intrinsic-Faktor.
-Mangel Differenzierung zwischen Intrin-
12
bei Anwesenheit
12
wird des-
12
12
ent-
2
-Aus-
2
Laboruntersuchungen
37
2.2 Gastroenterologische Funktionsuntersuchungen
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2
▶
Auswertung:
• Erniedrigte Vitamin-B sorption
• Erniedrigte Vitamin-B nach Gabe von Intrinsic-Faktor: Intrinsic-Faktor-Mangel bei perniziöser Anämie.
14
C-Glykocholat-Atemtest und75SeHCAT-Test
▶
Indikation: Spezielle Fragestellungen (keine Routinetests) bei der Diagnostik im
-Ausscheidung ohne und mit Intrinsic-Faktor: Malab-
12
-Ausscheidung ohne Intrinsic-Faktor, normale Werte
12
Rahmen einer Maldigestion, Nachweis eines fehlenden enterohepatischen Kreis­laufs bzw. eines Gallensäureverlustsyndroms.
Laboruntersuchungen
14
▶
C-Glykocholat-Atemtest: Orale Gabe von radioaktiv markierter Gallensäure (14C-
Glykocholat). Bei mangelhafter Resorption im terminalen Ileum wird lat im Kolon bakteriell dekonjugiert, wobei atmet wird. Pathologisch: erhöhte Aktivität in der Atemluft.
75
▶
SeHCAT-Test: Orale Gabe von radioaktiv markierter Gallensäure (75Se-Homotau-
14
CO2entsteht und über die Lunge abge-
rocholsäure), Messung der Ganzkörperaktivität. Pathologisch: fehlende oder nur unwesentliche Aktivitätssteigerung infolge enteraler Ausscheidung nicht resorbier­ter Gallensäure.
13
C-Atemtest und Helicobacter-pylori-Diagnostik
Vergleiche Helicobacter-pylori-Diagnostik (S.373).
14
C-Glykocho-
38
3 Nicht invasive Diagnostik
3.1 Blutdruckmessung
Blutdruckmessung nach Riva-Rocci (RR)
▶
Utensilien: Blutdruckmessgerät mit Manometer und passend breiter Manschette (Verhältnis Manschettenbreite : Oberarmumfang = 0,4 : 1), Stethoskop.
▶
Durchführung:
• Manschette eng anlegen, Ventilschraube schließen
• Aufpumpen über vermuteten systolischen Druck
• Stethoskop in der Ellenbeuge (über A. brachialis) aufsetzen
• durch Öffnen der Ventilschraube Manschettendruck langsam lockern (ca. 3 mmHg/s)
• systolischer Blutdruck: Druck beim ersten hörbaren Herzton (ggf. auch durch Pal-
pation der A. radialis messbar)
• diastolischer Blutdruck: letzter hörbarer Herzton oder deutliches Leiserwerden
der Herztöne.
▶
■
Beachte:
• Ruhepause vor der Messung (3 – 5 Min.) einhalten
• erste Blutdruckmessung im Seitenvergleich sowie im Liegen und Stehen
• bei zu geringer Manschettenbreite (s.o.) sind die gemessenen Werte zu hoch und
umgekehrt.
▶
Ursachen von Blutdruckdifferenzen zwischen dem rechten und linken Arm > 25 mmHg: Messfehler, Weichteilunterschiede, Herzrhythmusstörungen, Aorten­isthmusstenose, Aortenbogensyndrom, AVK, Subclavian-steal-Syndrom, Aneurys­men, Polyarteriitis nodosa, Mediastinalerkrankungen, retrosternale Struma, Lun­gentumoren, Hemiplegie und seltene andere.
Langzeitblutdruckmessung
▶
Indikationen:
• V. a. „Praxishochdruck“ („white coat hypertension“)
• Diskrepanz zwischen der Höhe des Gelegenheitsblutdrucks und dem Ausmaß
von Organschäden
• V. a. aufgehobenen Tag-Nacht-Rhythmus z. B. bei sekundärer oder maligner Hy­pertonie
• V. a. krisenhafte Blutdruckanstiege bei normalen Gelegenheitswerten
• Kontrolle der antihypertensiven Therapie.
▶
Normwerte:
• 24-h-Mittelwert: obere Normgrenze 130/80 mmHg
• Tagesmittelwert: obere Normgrenze 135/85 mmHg (äquivalenter Gelegenheits-
blutdruck: 140/90 mmHg)
• maximal 20 % der Werte > 140/90 mmHg
• nächtlicher Blutdruck-Abfall mindestens 10 % systolisch und diastolisch.
3.2 EKG
3
Nicht invasive Diagnostik
3.2 EKG
Durchführung
▶
Standardableitungen (Routineprogramm, 12-Kanal-EKG):
• Extremitätenableitungen (Frontalebene): I, II, III, aVR, aVL, aVF (Abb. 3.3), bei der EKG-Ableitung befindet sich (an Ampel und Uhrzeigersinn denken): das rote Ka­bel am rechten Arm, das gelbe Kabel am linken Arm, das grüne Kabel am linken Bein, das schwarze Kabel am rechten Bein
• Brustwandableitungen (Horizontalebene): V
(Ableitungspunkte: Abb. 3.1).
1–V6
39
IV
III
II
I
V
1
2
3
654
3.2 EKG
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3
Medioklavikularlinie
vordere Axillarlinie
Abb. 3.1 • Ableitungspunkte der Brust­wandelektroden.
: IV. ICR am rechten Sternalrand,
V
1
: IV. ICR am linken Sternalrand,
V
2
: 5. Rippe zwischen V2und V4,
V
3
: V. ICR linke Medioklavikularlinie,
V
4
: V. ICR vordere linke Axillarlinie,
V
5
: V. ICR mittlere linke Axillarlinie.
V
6
Nicht invasive Diagnostik
▶
Wichtige Zusatzableitungen:
• Brustwandableitungen V
• Brustwandableitungen V
• Ableitung nach Nehb D (dorsal), A (anterior), I (inferior).
▶
Zuordnung der EKG-Ableitungspunkte zur Herzwandlokalisation (vgl. Abb. 20.13):
• Herzvorderwand (anterior): I, aVL, V – Region oberhalb der Spitze und Ventrikelseptum (supraapikal, anteroseptal):
V
1–V3
– Herzspitze (apikal): I, aVL, V3,V – Herzseitenwand (lateral): I, aVL, V5,V
• Herzunterwand (inferior, diaphragmal): II, III, aVF
• Herzhinterwand (posterior): V
• Rechter Ventrikel: Vr3–Vr6.
7–V9
r3–Vr6
links
rechts
1–V6
4
6
, inverse Veränderungen in V1–V
7–V9
Beurteilung
▶
■
Beachte: Beurteilung der einzelnen Kriterien immer in der gleichen Reihenfolge am
besten mit Hilfe eines EKG-Lineals (siehe Befundungsschema).
Einfaches Befundungsschema für das Ruhe-EKG
▶
Lagetyp: Links-, Mittellage-, Steil-, Rechtstyp; überdrehter Rechts- bzw. Links­typ, Sagittaltyp? (meist Beurteilung der Ableitungen I, II und III ausreichend: Abb. 3.2)
▶
Rhythmus (Tab. 3.1): Sinusrhythmus: P-Wellen vorhanden (am besten in I, II, V und V2sichtbar), Vorhofflimmern: Flimmerwellen und absolute Pulsarrhythmie, Vorhofflattern: sägezahnartige Vorhoferregung. Extrasystolen: QRS unverändert (= supraventrikuläre), QRS deformiert (= ventrikuläre)
▶
Herzfrequenz: Tachykardie (> 100/min), Bradykardie (< 60/min)
▶
Erregungsausbreitung und –rückbildung:
• Zeitwerte, die am wichtigsten sind:
–
PQ-Zeit: verlängert (> 0,2 Sek.) = AV-Block ≥ I°; verkürzt (< 0,12 Sek.): z. B. bei Präexzitationssyndrom; periodisch zunehmend, dann Überleitungs­ausfall = AV-Block II° Typ Wenckebach/Mobitz I; Überleitungsausfall jeder n-ten (z. B. 2:1, 3:1) P-Welle = AV-Block II° Typ Mobitz II; völlige Dissoziati­on von P-Welle und QRS-Komplexen = AV-Block III° QRS-Dauer: s. u.
– – QT-Zeit (S. 43): herzfrequenzabhängig (Tab. 3.2)
2
1
40
• Erregungsausbreitung: – Formveränderungen der P-Wellen (S. 44): P-pulmonale, P-mitrale, P-kar-
diale?
– Form- und Breite der QRS-Komplexe: Schenkelblockbild? (Abb. 3.5); QRS-
Dauer 0,1 – 0,11 Sek. = inkompletter Block, QRS-Dauer > 0,11 Sek. = kom­pletter Block
– R-Progression in den Brustwandableitungen: R-Zacken-Amplitude nimmt
normalerweise zwischen V Verzögerte/fehlende R-Progression z. B. bei Infarktnarbe, Rechtshypertro-
bis V4zu, R/S-Umschlagpunkt normal in V4.
1
phie, linksanteriorem Hemiblock
• Erregungsrückbildung: – ST-Strecken-Veränderungen: horizontale, deszendierende, muldenförmige
oder aszendierende Senkung? (z. B. Digitalis, Angina pectoris), konvex­oder konkavbogige Hebung? (z. B. STEMI, Perikarditis)
– T-Wellen-Formveränderungen: überhöht, abgeflacht, präterminal oder
terminal negativ?
▶
Lagetyp der elektrischen Herzachse (Abb. 3.2):
• Linkstyp: Physiologisch bei Erwachsenen > 50 Jahren und bei Adipösen, patholo-
gisch bei verstärkter Linksherzbelastung (z. B. arterielle Hypertonie, Aortenklap­penfehler, Mitralklappeninsuffizienz)
• Mittellagetyp = Indifferenztyp: physiologisch
• Steiltyp: Physiologisch bei Jugendlichen und Asthenikern. Bei älteren oder adipö-
sen Patienten evtl. Hinweis auf eine verstärkte Rechtsherzbelastung
• Rechtstyp: Physiologisch bei Kleinkindern und asthenischen Jugendlichen, patho-
logisch bei verstärkter Rechtsherzbelastung (z. B. akutes oder chronisches Cor pulmonale, sekundär z. B. bei Mitralstenose)
• überdrehter Rechtstyp: Immer pathologisch, meist angeborene Herzfehler oder
linksposteriorer Hemiblock
• überdrehter Linkstyp: Meist linksanteriorer Hemiblock
• Sagittaltyp: Häufig bei erhöhter Rechtsherzbelastung (z. B. Lungenembolie):
-Typ: S-Zacke am Ende des QRS-Komplexes in Ableitung I entspricht in ih-
– S
IQIII
rer Größe in etwa der Q-Zacke in Ableitung III
-Typ: S-Zacken am Ende des QRS-Komplexes in den Ableitungen I, II und
– S
ISIISIII
III.
3.2 EKG
3
Nicht invasive Diagnostik
Extremitäten­ableitung
I
II
III Lage der
Herzachse
Pfeil nach oben: größter QRS-Ausschlag positiv Pfeil nach unten: größter QRS-Ausschlag negativ
Abb. 3.2 • Wichtige Lagetypen im EKG.
überdrehter Rechtsty p
jenseits
120°
von +
Rechtstyp Steiltyp Indifferenztyp Linkstyp
+
90° bis 120°
+
+ +
60° bis 90°
+
30° bis 60°
+
–
30° bis 30°
+
überdrehter Linkstyp
jenseits von – 30°
41
3.2 EKG
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3
–
120 °
–
90
°
–
60
überdrehter Linkstyp
°
+/–
aVR
180 °
–
150 °
–
30
°
° I
0
Nicht invasive Diagnostik
150 °
+
überdrehter Rechtsty p
Abb. 3.3 • Lagetypen und EKG-Ableitungen der Frontalebene im Cabrera-Kreis.
Tab. 3.1 • Herzrhythmus im EKG (orientierende Beurteilung bei Normofrequenz).
regelmäßiger Grundrhythmus unregelmäßiger Grundrhythmus
normales P: Sinusrhythmus negatives P, PQ kürzer: ektoper Vorhofrhyth-
mus, oberer AV-Knoten-Rhythmus negatives P hinter dem QRS-Komplex: unterer AV-Knoten-Rhythmus fehlendes P: mittlerer AV-Knoten-Rhythmus, Vorhofflimmern/-flattern mit regelmäßiger Überleitung (Flimmer/-flatterwellen)
P wie oben: o. g. Rhythmusstörungen bei Schenkelblock
PQ verkürzt, Deltawelle: WPW-Syndrom
P wie oben: o. g. Rhythmusstörung bei inter-
mittierendem Schenkelblock
+
III
120 °
Rechtsty p
schmale QRS-Komplexe
verbreiterte QRS-Komplexe
wechselnde QRS-Komplexe
+
90
aVF
°
+
Steiltyp
deformiertes P: supraventrikuläre Extrasystolie Flimmerwellen: absolute Arrhythmie bei Vor-
hofflimmern Flatterwellen: Vorhofflattern mit wechselnder Überleitung PQ-Zeit periodisch zunehmend: AV-Block II Typ Wenckebach P-Morphologie und PQ-Zeit wechselnd: wan­dernder Schrittmacher (bei Sick-Sinus-Syndrom oder vegetativer Labilität)
P wie oben: o. g. Rhythmusstörungen bei Schenkelblock
deformiertes P: supraventrikuläre Extrasystolie mit Schenkelblock fehlendes P: ventrikuläre Extrasystolie
60
°
II
+
30
°
Indifferenztyp
aVL
Linkstyp
▶
Niedervoltage: Kammerkomplex < 0,6 mV (< 6 mm), z. B. bei Perikarderguss, Lun­genemphysem, Adipositas
• periphere Niedervoltage: Extremitätenableitungen betroffen
• totale Niedervoltage: Extremitäten- und Brustwandableitungen betroffen.
42
▶
Rhythmus (Tab. 3.1), s. Herzrhythmusstörungen (S. 291):
• Grundrhythmus regelmäßig oder arrhythmisch
• nomotope (= Sinusknoten) oder heterotope Erregungsbildung
▶
Frequenz:
• Bradykardie: Frequenz < 60/min.
• Tachykardie: Frequenz > 100/min.
▶
Zeitwerte (Abb. 3.4):
• P-Welle: Beginn bis Ende der P-Welle, Norm: bis 0,1 Sek. (s. u.)
• PQ-Zeit: Beginn der P-Welle bis zu Beginn des QRS-Komplexes, Norm: 0,12 – 0,2 Sek. – verkürzt: Tachykardie, WPW-Syndrom, LGL-Syndrom (S. 303) – verlängert: AV-Block (S. 301) – periodisch zunehmend, dann Überleitungsausfall: AV-Block II Typ Wenckebach
• QRS-Dauer: Beginn der Q- oder R-Zacke (wenn keine Q-Zacke vorhanden ist) bis
zum Ende der S-Zacke oder R-Zacke (wenn keine S-Zacke mehr folgt), Norm: 0,06 – 0,1 Sek.
– QRS-Dauer 0,1 – 0,11 Sek.: inkompletter Schenkelblock – QRS-Dauer ≥ 0,12 Sek.: kompletter Schenkelblock (s. u.)
3.2 EKG
3
Nicht invasive Diagnostik
P-Welle
PQ-
Strecke
QRS-
Komplex
ST-
Strecke
U-WelleT-Welle
QRS-Dauer
(0,06 – 0,1 Sek)
PQ-Dauer
(0,12 – 0,2 Sek.)
QT-Dauer
(frequenzabhängig)
R
Q
S
Abb. 3.4 • Normales EKG.
• QT-Zeit: Beginn der Q-Zacke (bei fehlender Q-Zacke Beginn der R-Zacke) bis zum Ende der T-Welle; eine vorhandene U-Welle wird dabei nicht miteinbezogen. Die Normwerte sind abhängig von der Herzfrequenz (Tab. 3.2); QTc-Zeit = frequenz­korrigierte QT-Zeit (Werte > 460 ms = 0,46 Sek. gelten als erhöht, > 500 ms = 0,5 Sek. als stark erhöht) – verkürzt: Hyperkalzämie, Digitalis, vermehrter Sympathikotonus (z. B. bei Fie-
ber oder Hyperthyreose)
– verlängert: Antiarrhythmika, andere kardiotoxische Medikamente (S. 251), Hy-
pokalzämie, Myokarditis, Linksherzhypertrophie, Vagotonie, Hypothyreose, Schenkelblock, angeborenes QT-Syndrom (S.305).
43
3.2 EKG
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3
▶
Hypertrophiezeichen (S. 271): Sokolow-Lyon-Index
• für rechtsventrikuläre Hypertrophie:RinV
• für linksventrikuläre Hypertrophie:SinV
+SinV5>1,05mV
1
+RinV5>3,5mV.
1
Tab. 3.2 • Normwerte der QT-Zeit in Abhängigkeit von der Herzfrequenz.
Frequenz (/min)
40 50 60 70
Nicht invasive Diagnostik
80 90 100 110 120 130 150 160
▶
Erregungsausbreitung:
unterer Grenzwert (80 %) in Sek.
0,38 0,34 0,31 0,29 0,27 0,26 0,24 0,23 0,22 0,21 0,20 0,19
Mittelwert in Sek.
0,48 0,43 0,39 0,36 0,34 0,32 0,30 0,29 0,28 0,27 0,25 0,24
oberer Grenzwert (120 %) in Sek.
0,58 0,52 0,47 0,43 0,41 0,38 0,36 0,35 0,34 0,32 0,30 0,29
• Formveränderungen der P-Wellen.
– P-pulmonale (dextroatriale): Überhöhte (> 0,25 mV in AbleitungII), nicht verbrei-
terte, spitze P-Wellebei Belastung des rechten Vorhofs (z. B. bei Cor pulmonale)
– P-mitrale (sinistroatriale): Doppelgipflig verbreiterte P-Welle (> 0,1 s) bei Belas-
tung des linken Vorhofs (z. B. bei Mitralklappenstenose)
– P-kardiale (biatriale): Verbreiterte (> 0,1 Sek.) und überhöhte (> 0,25 mV) dop-
pelgipflige P-Welle bei Belastung beider Vorhöfe
• Formveränderungen der QRS-Komplexe (Abb. 3.5, komplett – inkomplett s. o.):
– Rechtsschenkelblock (RSB):RinV
breit und plump. Vorkommen z. B. bei chronischem Cor pulmonale, Lungen-
V
6
embolie, Vorhofseptumdefekt, KHK, als inkompletter Block auch bei Gesunden
– Linksschenkelblock (LSB):InI,aVL,V
und negatives T; S in III, aVF, V ve: Verwechslung mit frischem Vorderwandinfarkt
M-förmig aufgesplittert, S in I, aVL, V5und
1
und V6aufgesplittertes R, ST-Senkung
5
tief und breit. Vorkommen v. a. bei KHK; Ca-
1–3
– bifaszikulärer Block: Rechtsschenkelblock+ linksanteriorer Hemiblock (über-
drehter Linkstyp, s.o.)
• pathologische Q-Zacke: Breite > 0,03 Sek. und Tiefe> ¼ der nachfolgenden R-Za-
cke, z. B. Infarktnarben
• R-Progression in den Brustwandableitungen: R-Zacken-Amplitude nimmt norma-
lerweise zwischen V ten Mal > S-Zacke) normal in V
bis V4zu, R/S-Umschlagpunkt (R-Zacken-Amplitude zum ers-
1
(spätestens V5). Eine verzögerte/fehlende R-Pro-
4
V
1
V
2
V
3
V
4
V
5
V
Rechtsschenkelblock Linksschenkelblock
6
44
Abb. 3.5 • Rechts- und Linksschenkelblock im EKG.
gression findet sich z. B. bei Infarktnarbe, Rechtshypertrophie, linksanteriorem He­miblock
• elektrischer Alterans: Amplitude der R-Zacke wechselt von einer Aktion zur ande- ren: z. B. Perikarditis, schwere Linksherzdekompensation.
▶
Erregungsrückbildung:
• ST-Strecken-Veränderungen (Abb. 3.6): – ST-Strecken-Hebung: z. B. Klassischer Herzinfarkt = STEMI (S. 284) ist eher kon-
vexbogig, Herzwandaneurysma, Perikarditis (eher konkavbogig), auch bei aus­geprägter Vagotonie (meist in V
– horizontale ST-Strecken-Senkung: z. B. Koronarinsuffizienz, Digitalis – deszendierende ST-Strecken-Senkung: z. B. Koronarinsuffizienz, Hypokaliämie,
Digitalis
– mulden-/bogenförmige ST-Strecken-Senkung: Typisch für Digitalis – aszendierende ST-Strecken-Senkung: Meist nicht pathologisch.
)
2–4
konkavbogig
konvexbogig
ST-Streckenhebung
3.2 EKG
3
Nicht invasive Diagnostik
horizontal
muldenförmig
Abb. 3.6 • ST-Streckenveränderungen.
• T-Wellen-Formveränderungen (Abb. 3.7): – überhöhte T-Welle: z. B. bei asthenisch jungen Patienten, vegetativer Dystonie,
Hyperkaliämie, „Erstickungs-T“ beim Myokardinfarkt (Abb. 20.12) – abgeflachte T-Welle: z. B. Hypokaliämie, Koronarinsuffizienz, Digitalis – präterminal negative T-Welle (winkelhalbierender Pfeil in Abb. 3.7 zeigt zum
QRS-Komplex hin): z. B. KHK, Linksherzhypertrophie, Hyperventilation, häufig
auch bei gesunden Kindern und Jugendlichen (V – terminal negative T-Welle (winkelhalbierender Pfeil in Abb. 3.7 zeigt weg vom
QRS-Komplex): z. B. frische oder früher durchgemachte koronare Ischämie,
Myokarditis oder Perikarditis.
• U-Welle: Telegentliche Potenzialschwankung nach der T-Welle, Ursachen:
– hohe U-Wellen: Vagotonie, Bradykardie, nach körperlicher Anstrengung (Belas-
tungs-EKG), Sportlerherz, Erkrankungen des ZNS, Hypokaliämie – negative oder biphasische U-Wellen, immer pathologisch: Rechts- oder Links-
herzbelastung, Angina pectoris, Z. n. Myokardinfarkt oder Lungenembolie.
ST-Streckensenkung
)
1–4
überhöht
präterminal negativ
Abb. 3.7 • T-Wellen-Veränderungen (Erläu­terungen siehe Text).
deszendierend
aszendierend
abgeflacht
terminal negativ
45
3.2 EKG
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3
EKG-Befundformulierung (Beispiele)
▶
Normalbefund: Indifferenztyp, normofrequenter regelmäßiger Sinusrhythmus mit einer Frequenz von 72/min, normale Zeitwerte, unauffällige Erregungsausbreitung und -rückbildung.
▶
Pathologischer Befund: Linkstyp, normofrequenter Sinusrhythmus mit einer Fre­quenz von 88/min, vereinzelte monoforme linksschenkelblockartige ventrikuläre Extrasystolen, AV-Block I., anteroseptale Infarktnarbe, ischämietypische Erregungs­rückbildungsstörungen im L ateralbereich.
Belastungs-EKG
▶
Indikationen:
Nicht invasive Diagnostik
• V. a. koronare Herzkrankheit: Rezidivierende Stenokardien, Risikofaktoren, ver-
dächtige EKG-Veränderungen
• V. a. Belastungshypertonie
• Beurteilung von Herzrhythmusstörungen unter körperlicher Belastung
• Beurteilung der medikamentösen Therapie bei koronarer Herzkrankheit und ar-
terieller Hypertonie
• Abklärung der Belastbarkeit nach akutem Koronarsyndrom oder Myokardinfarkt, nach Herzoperationen und präoperativ. Übertragung ergometrischer Leistungen auf den Alltag:
– 25 – 50 Watt: normales Gehen – 75 – 100 Watt: zügiges Gehen, Treppensteigen, langsames Radfahren und
Schwimmen
– 150 Watt: Jogging, schnelles Radfahren.
▶
Kontraindikationen:
• akutes Koronarsyndrom (S.283)
• Ruhe-Blutdruck > 220/110 mmHg
• manifeste kardiale Dekompensation
• Cor pulmonale mit Ruhedyspnoe
• maligne Herzrhythmusstörungen in Ruhe (z. B. Tachyarrhythmie, ventrikuläre
Salven)
• akute Endokarditis, Myokarditis, Perikarditis
• hochgradige Aortenstenose (mittlerer Gradient > 50 mmHg, maximaler Gra-
dient > 80 mmHg) oder hypertrophische obstruktive Kardiomyopathie
• frische Thrombose oder Embolie
• fieberhafter Infekt.
▶
Komplikationen:
• Lungenödem, akutes Koronarsyndrom, Kammerf limmern (ca. 0,1 ‰)
• Exitus letalis (ca. 0,02 ‰).
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Durchführung:
• Voraussetzungen: – Patientenaufklärung – Auskultation von Herz (Aortenstenose?) und Lunge (Stauungs-RG?) – vorher Ruhe-EKG schreiben und Blutdruck messen (s. o.) – kontinuierliche ärztliche Überwachung – EKG-Monitoring – Defibrillations- und Reanimationsbereitschaft – Nitrospray bereithalten (z. B. Nitrolingual – Herzmedikamente (je nach Fragestellung) möglichst vorher absetzen: Digoxin:
1 Woche; Digitoxin: 2 Wochen; Betablocker: je nach HWZ 1 – 3 Tage, Cave Re­bound-Phänomen! daher ausschleichen; Nitrate und Kalziumantagonisten: 1 Tag
• Methoden: Fahrradergometrie (sitzend, liegend), Laufband u. a.
• Belastungsintensität: Steigerung meist alle 2 Min. um 25 – 50 Watt
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