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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5272_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана.pdf
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Abb. 1.1 Monovetten®, Fa. Sarstedt [V153]
Abb. 1.2 Vacutainer®, Fa. Becton Dickinson
(BD) [V342]
1.10 Allgemeines zur Interpretation der
Befunde
Physiologische Bedeutung
Laborbefunde liefern in den meisten Fällen Informationen über
den Ist-Zustand und geben in der Regel keine Auskünfte über den
Verlauf.
Werte, die von der Norm abweichen, werden in den meisten
Fällen mit + (für Erhöhung) bzw. – (für Erniedrigung)
gekennzeichnet. Abweichungen von Referenzwerten sind nicht
automatisch gleichbedeutend mit einer Erkrankung; auch völlig
gesunde Patientinnen und Patienten können auffällige Parameter
zeigen. Die Interpretation der Befunde bedarf einiger Übung, will
man Erkrankungen nicht übersehen oder durch
Überinterpretation der Befunde der Patientin oder dem Patienten
eine Erkrankung zuschreiben, die möglicherweise gar nicht
vorhanden ist.
Die Referenzwerte schwanken von Labor zu Labor und auch
eine Patientenprobe, die in zwei verschiedene Labore geschickt
wird, liefert meist unterschiedliche Werte. Diese Tatsachen führen
bei Patientinnen und Patient sowie Therapierenden gelegentlich
zu einer heftigen Verunsicherung. Wichtig zu wissen ist an dieser
Stelle, dass Labore unterschiedliche Geräte, unterschiedliche
Reagenzien und z. T. unterschiedliche Methoden benutzen, um
definierte Werte zu bestimmen.
Von eminenter Bedeutung im praktischen Alltag ist die
sorgfältige Erhebung der Anamnese und des körperlichen
Untersuchungsbefunds. Sie geht jeder Laboruntersuchung voraus.
In den meisten Fällen ist eine Verdachtsdiagnose (und
Differenzialdiagnose) möglich, die dann über Laboranalysen und
apparative Untersuchungen bestätigt werden kann oder verworfen
werden muss.
Laborparameter werden nach Sensitivität und Spezifität
beurteilt. Eine hohe Sensitivität besagt, dass die
Wahrscheinlichkeit, an einer Erkrankung zu leiden, hoch ist; so ist
z. B. eine Sensitivität von 100 % für eine bestimmte Erkrankung
beweisend. Eine Spezifität von 100 % besagt, dass jede Patientin
bzw. jeder Patient mit einem Wert, der sich im Referenzbereich
bewegt, tatsächlich gesund ist.

1.11 Uringewinnung

Physiologische Bedeutung
Gewinnungsarten
• Spontanurin: Urin in sauberem Gefäß auffangen. Bei Frauen
kann die Untersuchung falsch positiv Leukozyten
(Fluorbeimengung) oder Erythrozyten (Menstrualblut)
anzeigen.
• Mittelstrahlurin: Genitalbereich gründlich reinigen, erste
Urinportion verwerfen, zweite Urinportion auffangen,
Urinstrahl nicht unterbrechen. Bakteriologische
Untersuchungen erfordern ein steriles Gefäß.
• Morgenurin: Für Sedimentuntersuchung, weil die
Verweildauer des Urins in der Blase meist lang war.
• 24-h-Sammelurin: Bestimmung von Harnmenge und
chemischer Beschaffenheit.
Allgemeine Empfehlungen
• Urin sofort, spätestens 4 h nach Entnahme untersuchen.
Zeitverzögerungen führen zu bakterieller Vermehrung, Zerfall
von Leuko- und Erythrozyten.
• Bei der Teststreifenuntersuchung den Urin im Kühlschrank
lagern, wenn er nicht sofort untersucht werden kann.
• Bei der Sammlung von 24-h-Urin den Urin kühl lagern.
Beeinflussende Faktoren
• Unsaubere Sammelgefäße können falsch positive Befunde
liefern.
• Reste von Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln stören die
Bestimmung von Blut und Glukose.
• Verwendung von Teststreifen außerhalb der Haltbarkeitsdauer
liefert falsch positive bzw. falsch negative Befunde.
• Hohe Mengen von Vitamin C beeinflussen die
Glukosebestimmung.
• Eine lange Lagerung des Urins führt zu Zelllyse und falsch
negativen Befunden für Leuko- und Erythrozyten.
Prüfungs- und Praxistipps
Prüfung
• Gewinnungsarten des Urins
• Beeinflussende Faktoren
1.12 Vorbereitung zur Stuhlgewinnung
Physiologische Bedeutung
Beeinflussende Faktoren bei der Bestimmung von
okkultem Blut
• Die Bestimmung von okkultem Blut sollte nicht zum Zeitpunkt
der Menstruation erfolgen.
• Der Verzehr von rohem Fleisch und Wurstwaren ergibt falsch
positive Befunde in der Guajak-Untersuchung.
• Die Einnahme von ASS, NSAR oder Antikoagulanzien kann
falsch positive Resultate ergeben.
• Die Einnahme von Vitamin C kann falsch negative Befunde
liefern.
• Durchfall kann einen Verdünnungseffekt herbeiführen, der
falsch negative Befunde ergibt.
Beeinflussende Faktoren bei Bestimmung der Darm-
Mikroökologie
• Die Einnahme von Mikroorganismen-Präparaten sollte
mindestens 3 Tage vor der Stuhluntersuchung gestoppt
werden.
• Der Stuhl sollte nicht mit Toilettenspülwasser, Toilettenpapier
oder Urin in Kontakt kommen.
• Das Stuhlröhrchen sollte mit einem haselnussgroßen Stück
Stuhl befüllt werden, wobei der Stuhl als ein
zusammenhängendes Stück in das Gefäß eingebracht werden
sollte.
• Eine Probenverschickung kurz vor Feiertagen oder
Wochenenden ist zu vermeiden.
• Der Versand sollte in den vom Labor vorgesehenen Gefäßen
erfolgen.
• Die gewohnte Ernährung sollte beibehalten werden.

2: Elektrolyte

2.1 Natrium (Na
+
)
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Natrium (Na
+
) findet sich in großen Mengen im
Extrazellularraum, in geringen Mengen in der Zelle. Natrium wird
als Begleit- und Verlaufsparameter bei allen Störungen des
Wasserhaushalts, insbesondere bei Durchfall, Verbrennungen
oder Erbrechen bestimmt, des Weiteren bei Nieren- und
Herzinsuffizienz, Diabetes insipidus und bei endokrinen
Störungen, die sich auf den Natriumhaushalt auswirken (z. B.
Hyperaldosteronismus).
Normwert
SI-Einheit: 134–150 mmol/l
Abweichungen vom Normwert
Hyponatriämie
• Herz-, Nieren- und Leberinsuffizienz
• Übermäßige ADH-Produktion, u. a. bei Hirntumoren,
Hirnblutungen, Meningitis, Enzephalitis
• Erbrechen, Durchfall, Verbrennungen
• Morbus Addison (Unterfunktion der Nebennierenrinde,
Hypoaldosteronismus)
• Diuretikatherapie
Hypernatriämie
• Wassermangel durch z. B. Schwitzen, ungenügende
Wasseraufnahme
• Diabetes insipidus (ADH-Mangel)
• Salzüberschuss durch vermehrte Aufnahme von Kochsalz
• Morbus Conn (primärer Hyperaldosteronismus)
Prüfungs- und Praxistipps
Prüfung
• Physiologische Bedeutung von Natrium
• Ursachen und Symptome der Hyper- und Hyponatriämie
Praxis
Um eine Hämolyse zu vermeiden, sollte das Serum bei längerem
Probentransport abzentrifugiert werden.
2.2 Kalium (K
+
)
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Kalium (K
+
) findet sich zu 98 % in den Zellen und zu 2 % im
Extrazellularraum. Täglich werden ca. 50–100 mmol
aufgenommen, der größte Teil wird über den Urin ausgeschieden.
Kalium hat enge Referenzwerte, sodass sich
Kaliumverschiebungen rasch z. B. als Herzrhythmusstörungen
manifestieren.
Der Kaliumhaushalt wird u. a. hormonell reguliert, z. B. über
Aldosteron, Insulin, Adrenalin.
Normwert
SI-Einheit: 3,5–5,1 mmol/l
Abweichungen vom Normwert
Hypokaliämie
• Erhöhte renale Verluste durch z. B. Diuretikatherapie, in der
polyurischen Phase des akuten Nierenversagens (ANV)
• Erhöhte gastrointestinale Verluste, z. B. durch
Laxanzienabusus, Erbrechen, Diarrhö
• Hyperaldosteronismus
• Hyperkortisolismus
• Alkalose
• Hohe Insulinspiegel (Insulin befördert Glukose und Kalium in
die Zelle)
Hyperkaliämie
• Chronische Nierenkrankheit (Niereninsuffizienz)