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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5275_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана.pdf
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☆
Prof. Dr. Sven Gottschling | Lars Amend
Leben bis zuletzt
Was wir für ein gutes Sterben tun können
Inhalt
[Widmung]
[Motto]
Vorwort
Ida
Erstes Kapitel »Das ist doch wahnsinnig belastend. Ich könnte das
nie!«
Zweites Kapitel Sterben und Tod– Mythen und Fakten
Mythos1: Sterben und Tod sind leidvoll und schmerzhaft
Die körperliche Dimension des Schmerzes
Die soziale Dimension des Schmerzes
Die psychische Dimension des Schmerzes
Die spirituelle Dimension des Schmerzes
Mythos2: Ärzte als gottgleiche Lebenszeitvergeber
Die Verdränger
Die Planer
Mythos3: Nahrung und Flüssigkeit sind Lebenserhaltung
Mythos4: Schmerzmittel machen süchtig
Vorurteil1: Morphin macht süchtig/abhängig
Vorurteil2: Morphin bekommt man zum Sterben
Vorurteil3: Sobald man Morphin bekommt, dämmert man nur noch so vor sich
hin
Vorurteil4: Man darf Morphin nicht zu früh einsetzen, sonst verliert es seine
Wirkung
Vorurteil5: Der Einsatz von Morphin beschleunigt den Tod
Vorurteil6: Morphin hat eine Dosisobergrenze
Vorurteil7: Morphin führt zu Atemdepression
Vorurteil8: Morphin wird von vielen Patienten nicht gut vertragen
Mythos5: Man muss sich zwischen Lebenszeit oder Lebensqualität entscheiden
Was ist eigentlich Lebensqualität?
Was sich sterbenskranke Kinder [...]
Mythos6: Man darf einem Menschen nicht die Hoffnung nehmen
Was ist Hoffnung überhaupt und worauf dürfen wir eigentlich hoffen?
Ein kurzer Exkurs zum Thema Loslassen
Drittes Kapitel Beschwerden am Lebensende und was wir wirklich tun
können
Warum die Angst vor Schmerzen tatsächlich unbegründet ist
Die 10Regeln der Schmerztherapie
»Muss ich wirklich nicht elendig ersticken?« Wie Luftnot wirksam gelindert werden
kann
Der Atemnotplan
»Ich fühle mich zum Kotzen!« Wege aus der Übelkeit
Was kann man gegen Übelkeit tun?
Nachts, wenn es dunkel wird. Wie man der Angst begegnen kann
Wovor haben Patienten Angst jenseits körperlichen Leidens?
Erschöpfung: Wenn die Batterie komplett leer ist und was man dagegen tun kann
Wie kann man Patienten in solchen Situationen helfen?
Neuropsychiatrische Symptome: »Hilfe, ich erkenne meinen eigenen Partner nicht
mehr!«
Was tun bei Unruhe und Verwirrtheit?
Warum einfach, wenn man daraus auch ein Drama machen kann?
Die letzten Stunden im Leben eines Menschen. Was ich unbedingt über das Sterben
wissen sollte, damit es seinen Schrecken verliert
Woran erkennt man, dass die letzten Tage oder Stunden gekommen sind? Oder
anders gefragt: Wie stirbt man richtig?
Was gilt es in der Sterbephase sonst noch zu beachten?
Notfälle: Was zu tun ist
Schmerzen
Atemnot
Epileptische Anfälle
Blutungen
Viertes Kapitel Kommunikation mit lebensbegrenzend erkrankten
Menschen, deren Angehörigen und beteiligten Kindern
Wahrhaftigkeit am Krankenbett– Wovor haben wir Ärzte eigentlich solche Angst?
Sterbende sind Lebende!
Wenn es ans Sterben geht, ist Bescheidenheit angesagt
Schweigen kann etwas sehr Wertvolles sein
Die Phantasie ist immer schlimmer als die Wirklichkeit
Unvoreingenommen sein
Verdrängung ist absolut in Ordnung
Gespräche sind immer Gespräche gegen die Angst
Der Tod ist der unwiderruflichste Beziehungsverlust
Worte können Leben verlängern, aber auch verkürzen
Eigene Ängste und Fettnäpfchen im Umgang mit Sterbenskranken
Über das Sterben reden: Wenn Kinder dem Tod begegnen
Todesverständnis– Todeskonzepte von Kindern
Adäquate Trauerbegleitung
Kinder unter drei Jahren
Kinder zwischen drei und sechs Jahren
Kinder zwischen sechs und neun Jahren
Kinder über zehn Jahren
Situationsgerecht offen und ehrlich handeln
Für ein Gespräch über den Tod gibt es keine Altersbeschränkung
Digitale Zombies– Der Tod im Zeitalter von Facebook & Co.
Humor am Lebensende: Lachen bis zum letzten Atemzug
Fünftes Kapitel Wo bekomme ich Hilfe?
Sterben zu Hause
Ambulante Hospizdienste
Die Rolle der Hausärzte
Wie bekomme ich professionelle Unterstützung für zu Hause?
Sterben in einer Einrichtung
Die Normalstation: Wecken, Waschen, Wenden– morgens um halb sechs im
Mehrbettzimmer
Die Intensivstation: von Kabeln, Schläuchen und Maschinen
Die Palliativstation: Würde, Nähe und Ruhe– Hand in Hand mit bestmöglicher
medizinischer Versorgung. Geht das?
Das stationäre Hospiz: Todeshaus oder das Zuhause bis zum Tod?
Sechstes Kapitel Sterbeverhinderung, Lebensverlängerung oder
Sterbehilfe?
Sterbehilfe– eine Standortbestimmung
Die Beihilfe zur Selbsttötung
Ein Blick zu unseren Nachbarn in Europa
Schweiz
Niederlande
Belgien
Luxemburg
Österreich
Umsorgen oder Entsorgen?
Verlauf ohne Palliativversorgung
Möglicher Verlauf des Falles bei adäquater palliativmedizinischer Versorgung
Umsorgen oder entsorgen?
Zwei Frauen– zwei Schicksale
Sophie M.
Anna
Danksagung
Liste nützlicher Websites (alphabetisch)
Wollen Sie unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen?
Für die besten Kinder auf diesem Planeten:
Leonie, Lilou, Levy, Lenyo
dieses Buch ist für Euch
Ein furchtbarer Sturm kam auf. Der Orkan tobte. Das Meer wurde
aufgewühlt und meterhohe Wellen brachen sich ohrenbetäubend laut
am Strand. Nachdem das Unwetter langsam nachließ, klarte der
Himmel wieder auf. Am Strand lagen aber unzählige von Seesternen,
die von der Strömung an den Strand geworfen waren. Ein kleiner
Junge lief am Strand entlang, nahm behutsam Seestern für Seestern in
die Hand und warf sie zurück ins Meer.
Da kam ein Mann vorbei. Er ging zu dem Jungen und sagte: »Was du
da machst, ist vollkommen sinnlos. Siehst du nicht, dass der ganze
Strand voll von Seesternen ist? Die kannst du nie alle zurück ins Meer
werfen! Was du da tust, ändert nicht das Geringste!«
Der Junge schaute den Mann einen Moment lang an. Dann ging er zu
dem nächsten Seestern, hob ihn behutsam vom Boden auf und warf
ihn ins Meer. Zu dem Mann sagte er: »Für ihn wird es etwas ändern!«
Verfasser unbekannt

Vorwort

von Professorin Dr.Dr.h.c.Margot Käßmann
Als Pfarrerin habe ich immer wieder erlebt, dass die Angehörigen im
Trauergespräch sagen: »Mit dem Tod hatten wir doch gar nicht gerechnet!«
Die Wahrheit war allerdings oft: Über den Tod hatten die Sterbenden und
ihre Liebsten einfach nicht gesprochen. Es ist erstaunlich, dass der Tod alle
angeht, aber so selten Gesprächsthema ist. Sogar in einer Situation, in der
allen Beteiligten klar ist, dass es auf das Sterben zugeht, wird es ignoriert
oder tabuisiert, trauen Menschen sich nicht, offen auszusprechen, was alle
ahnen oder wissen. Je mehr ein Thema jedoch beiseitegedrängt wird, desto
höher werden die Ängste. So kommt es sicher dazu, dass so viele Menschen
sagen: Im Ernstfall will ich mir schnell und schmerzlos das Leben nehmen
können. Auf keinen Fall will ich irgendjemandem zur Last fallen oder in
eine für mich nicht erträgliche Situation kommen, die ich selbst nicht
steuern kann.
Wer sich mit dem Tod befasst, Sterbende besucht oder gar begleitet, ein
Hospiz kennenlernt, ändert den eigenen Zugang. Für mich hat der Tod
etwas von seinem Schrecken verloren, seit ich erlebt habe, wie Menschen
ihr Leben ausgehaucht haben, welchen Frieden das Loslassen des Lebens
auch bedeuten kann. Den Tod mitzuerleben ist eine ungeheuer tiefe
Erfahrung, die ich nicht missen möchte. So mache ich anderen immer
wieder Mut, Sterbende zu besuchen, die Hemmung abzulegen, mit ihnen in
Kontakt zu treten. Es gibt in dieser Hinsicht Gott sei Dank positive
Entwicklungen. Ich freue mich darüber, dass immer öfter Krankenhäuser
Sterbende nicht abschieben oder ignorieren, sondern ihnen Zeit und Raum
und Ruhe geben. Immer öfter haben Angehörige den Mut, Sterbende bei
sich zu behalten und sie persönlich zu begleiten, oft unterstützt durch
ambulante Hospizdienste. Und dank eines großen ehrenamtlichen
Engagements gibt es immer mehr Hospize, die ein Sterben in Würde
ermöglichen.
Ich selbst bin Christin, und das Psalmwort »Meine Zeit steht in deinen
Händen« ist mir ein Wegweiser. Nicht ich bestimme über meine Lebenszeit,
sondern sie ist geschenkt von Gott, das glaube ich. Und so, wie ich diese
Zeit bei der Geburt aus Gottes Hand nehme, so lege ich sie nach einer
Lebensphase, in der ich versucht habe, nach Gottes Weisungen zu leben, in
Gottes Hand zurück. Auf diese Weise fühle ich mich gehalten und getragen
im Leben, im Sterben und darüber hinaus. Der Tod ist da kein Tabu,
sondern ein Teil meines Lebens.
Den Schmerz will ich nicht leugnen, den Tod und Abschied, vor allem
allzu früher Abschied, mit sich bringen. Religion ist kein Betäubungsmittel,
kein »Opium des Volkes«. Aber wir nehmen dem Tod einen Teil seiner
Macht über uns, wenn er nicht der ist, »dessen Namen wir nicht nennen«.
Deshalb ist es gut, dass dieses Buch den Tod schildert, darstellt, seine
verschiedenen Facetten benennt. Und es ist auch gut und wichtig, die
Fragen offen stellen zu dürfen, auch Ratschlag zu erhalten, wenn ich
überlege: Wie will ich sterben? Oder: Wie begleite ich einen Menschen auf
dem letzten Weg? Offen auch meine Ängste aussprechen zu dürfen, ist so
hilfreich!
Nun weiß ich, dass den Kirchen immer wieder unterstellt wird, mit ihren
kritischen Anfragen an »aktive Sterbehilfe« verfahre sie nach einem
Verbotsmechanismus. Ich will niemandem etwas verbieten. Aber ich habe
den Eindruck, wir verlieren die Geduld mit dem Sterben und damit die
Geduld mit den Sterbenden. Auch der Tod soll schnell und effektiv,
gewissermaßen machbar, ja ökonomisch vertretbar sein, und unter unserer
persönlichen Kontrolle stehen. Aber wir können nicht über alles im Leben
verfügen, und das ist gut so. Zuzulassen, dass Sterben seine Zeit braucht
und dass es sich dabei nicht um verlorene Zeit handelt, sondern um tiefe
menschliche und zwischenmenschliche Erfahrung, das verändert den Blick
und vertieft das Leben. Natürlich ist es ökonomisch schwer darstellbar,
einem Sterbenden die Hand zu halten. Aber es wäre eine arme Gesellschaft,
die das nicht unterstützt.
So freue ich mich über dieses Buch. Sven Gottschling räumt als
erfahrener Arzt mit Ängsten und Mythen auf. Ich habe in letzter Zeit
durchgehend erlebt, dass Menschen ohne Schmerzen in den Sterbeprozess
gehen konnten, wo die Palliativmedizin verfügbar war, und Gottschling
bestätigt, dass das möglich ist. Vor allem die Angst, an Schläuchen
ausgeliefert zu sein, kann genommen werden. Das Sterben zuzulassen, es
nicht zu verzögern, sondern so zu begleiten, dass es in Würde möglich ist,
darum geht es.
Oft habe ich auch erlebt, wie dankbar Angehörige zurückblicken, die
diesen Prozess bewusst miterlebt und begleitet haben, in aller Offenheit mit
Blick auf die Situation. Ein Abschied in Klarheit und Würde ist etwas
anderes, als wenn so vieles unausgesprochen bleibt, der Tod einfach nur
verdrängt wird.
Wir können viel für ein gutes Sterben tun. Und das wird auch unser
Leben verbessern. So wünsche ich »Leben bis zuletzt« viele Leserinnen und
Leser, die angerührt und aufgewühlt werden, ja, die sich angeregt fühlen,
über das Sterben ins Gespräch zu kommen– ohne Angst.
Berlin im März 2016