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Ординатура / Хирургия / Библиотека им академика М.И. Перельмана / Книга_5272_Библиотеки_им_академика_М_И_Перельмана.pdf
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• Falsch hohe Werte bei Alkoholabusus, Eisenmangelanämie,
Leberzirrhose.
• Zweifelhafte Werte bei verkürzter Erythrozytenlebensdauer,
Erythrozytenverlust, Transfusionen, Hämoglobinopathien.

8.3 Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

4 ml NaF-Blut oder 4 ml NaF-Plasma
Physiologische Bedeutung
Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) wird bei Patientinnen und
Patienten durchgeführt, die eine grenzwertig erhöhte Plasma-
Glukose aufweisen, und/oder als Suchtest bei erhöhtem
Diabetesrisiko (z. B. bei Adipositas) eingesetzt.
Durchführung:
• Messung des Glukosespiegels im Nüchternzustand
• Gabe von 75 g Glukose oral
• Messung des Glukosespiegels nach 2 h
Abweichungen vom Normwert
SI-Einheit: Angabe in mmol/l (konventionelle Einheit: Angabe in
mg/dl)
Bei Schwangeren wird zwischen der 24. und 28.
Schwangerschaftswoche ein oGTT durchgeführt, um ggf. einen
Gestationsdiabetes aufzudecken. Zunächst erfolgt ein Suchtest mit
50 g Glukose, wobei die Patientin nicht nüchtern sein muss. Bei
einem Wert im Bereich von 135–200 mg/dl sollte sich ein oGTT
mit 75 g Glukose unter Nüchternbedingungen anschließen. Die
pathologischen Grenzwerte unterscheiden sich gegenüber dem
herkömmlichen Test wie folgt:
• Nüchternglukose: > 91 mg/dl
• 1-h-Wert: > 179 md/dl
• 2-h-Wert: > 152 mg/dl
Finden sich ein oder mehrere pathologische Werte, liegt ein
Gestationsdiabetes vor.
Prüfungs- und Praxistipps
Prüfung
Kenntnisse über die Durchführung des oGTT, Normwerte,
Abweichungen vom Normwert und Kontraindikationen
Praxis
• Störende Medikamente sollten nach Möglichkeit 3 Tage vorher
abgesetzt worden sein (z. B. Betablocker, Glukokortikoide,
orale Kontrazeptiva, NSAR).
• Während des oGTT sollte die Patientin oder der Patient 2 h
ruhig sitzen, damit eine insulinunabhängige
Glukoseeinschleusung in die Muskelzellen unterbunden wird.
• Kontraindikationen für die Durchführung des oGTT sind u. a.
fieberhafte Infekte, Lebererkrankungen, bei Frauen Zeitpunkt
der Menstruation, manifester Diabetes mellitus
(Nüchternglukose eindeutig pathologisch) und V. a. oder
bekannter Typ-1-Diabetes. Der Typ-2-Diabetes geht mit
absolutem Insulinmangel einher. Die Zufuhr von 75 g Glukose
kann ein ketoazidotisches diabetisches Koma auslösen.
9: Entzündungsparameter
und Tumormarker

9.1 BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)

2 ml Citratblut 3,8 %
Physiologische Bedeutung
Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) ist ein unspezifischer
Test, der bei entzündlichen Erkrankungen als Suchtest und
Verlaufsparameter eingesetzt wird. Die Beschleunigung der BSG
erfolgt frühestens 24 h nach Beginn einer Entzündung. Die Werte
normalisieren sich Wochen nach Abklingen der Entzündung.
Normwert
• Frauen < 50 Jahre: < 25 mm nach 1 h, nach dem 50.
Lebensjahr: < 30 mm nach 1 h
• Männer < 50 Jahre: < 15 mm nach 1 h, nach dem 50.
Lebensjahr: < 20 mm nach 1 h
Abweichungen vom Normwert
BSG-Beschleunigung
• Entzündungsprozesse jeglicher Art
• Tumorerkrankungen
• Dysproteinämien, z. B. Multiples Myelom (Plasmozytom),
nephrotisches Syndrom
• Leichte Erhöhungen zum Zeitpunkt der Menstruation,
Einnahme von Ovulationshemmern, Schwangerschaft,
Anämie
Sturzsenkung
Von einer Sturzsenkung spricht man, wenn der feste Bestandteil
des Bluts nach 1 h um mehr als 100 mm abgesunken ist. Die
Sturzsenkung kann z. B. bei einer Arteriitis temporalis, einer
Polymyalgia rheumatica, schweren bakteriellen Entzündungen
oder rheumatischen Erkrankungen vorkommen.
BSG-Verlangsamung
• Erythrozytose (Polyglobulie)
• Polycythaemia vera
• Exsikkose
• Nach Untersuchungen mit jodhaltigen Kontrastmitteln (i. v.)
Prüfungs- und Praxistipps
Prüfung
Definition und Normwerte
Praxis
Im Falle einer manuellen Aufbereitung des Bluts werden 1,6 ml
Blut mit 0,4 ml 3,8-prozentiger Natriumcitrat-Lösung aufgezogen
und vorsichtig gemischt (geschwenkt). Das Gemisch wird in ein 20
cm langes Glasröhrchen (2 mm Durchmesser) bis zur oberen
Marke gefüllt. Nach 1 h wird der Wert der Senkung abgelesen und
dokumentiert. Dabei muss, wenn man Fehlerquellen ausschalten
will, unbedingt ein Verhältnis von 1 : 4 (Natriumcitrat-Lösung :
Blut) eingehalten werden. Bei einem präparierten BSG-Röhrchen
ist auf die vollständige Befüllung des Röhrchens zu achten.

9.2 CRP (C-reaktives Protein)

1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Das C-reaktive Protein (CRP) gehört zu den Akute-Phase-
Proteinen (Plasmaproteine, deren Konzentration bei
entzündlichen Reaktionen ansteigt). Benannt ist das CRP nach
dem C-Polysaccharid der Pneumokokken, das durch das reaktive
Protein gespalten werden kann. Der Anstieg des CRP erfolgt ca. 6–
12 h nach Infektionsbeginn, die HWZ beträgt 8–12 h; somit sinkt
der Parameter schnell bei Genesung bzw. nach erfolgreicher
antibiotischer Therapie. Der CRP-Wert erlaubt keine Aussage bzgl.
des erkrankten Organs.
Normwert
• SI-Einheit: < 5 mg/l
• Konventionelle Einheit: 0,5 mg/dl
Abweichungen vom Normwert
CRP-Erhöhung
• Bakterielle Infektionen
• Nekrosen
• Postoperative Komplikationen
• Rheumatische Erkrankungen
• Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
• Myokardinfarkt, instabile Angina pectoris
• Entzündliche Reaktionen im Rahmen von arteriosklerotischen
Gefäßveränderungen
CRP-Erniedrigung
Ohne Krankheitswert
Prüfungs- und Praxistipps
Prüfung
• Physiologische Bedeutung des Markers
• Veränderungen bei bakteriellen und viralen Infekten
Praxis
Der CRP-Wert ist der beste Marker für die Diagnose und den
Therapieverlauf bakterieller Erkrankungen und der BSG-
Bestimmung deutlich überlegen.

9.3 Anti-Streptolysin (ASL)

2 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Anti-Streptolysin (ASL) ist ein Antikörper, der von den
Plasmazellen bei Infektionen mit β-hämolysierenden
Streptokokken der Gruppe A gebildet wird.
Normwert
Konventionelle Einheit: < 200 IE/ml
Abweichungen vom Normwert
ASL-Erhöhung
• Im Rahmen der Infektion mit β-hämolysierenden
Streptokokken der Gruppe A, z. B. Scharlach
• Streptokokken-allergische Zweiterkrankungen wie z. B.
rheumatisches Fieber (Arthritis der großen Gelenke, Karditis,
Erythema anulare, Chorea minor) oder Poststreptokokken-
Glomerulonephritis
Prüfungs- und Praxistipps
Prüfung
Physiologische Bedeutung des Markers
Praxis
ASL hat eine relativ geringe Sensitivität und Spezifität, sodass
gleichzeitig auch die Antikörper anti-DNAse B und anti-
Hyaluronidase bestimmt werden sollten, um die Diagnose zu
sichern. Bei akuten Streptokokkeninfekten ist ein
bakteriologischer Nachweis zuverlässiger. Dieser kann nach § 24
Infektionsschutzgesetz (IfSG) nicht von der Heilpraktikerin oder
dem Heilpraktiker vorgenommen werden.

9.4 Rheumafaktor (RF)

1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
Als Rheumafaktor (RF) bezeichnet man einen Autoantikörper
(meist der Klasse IgM), der sich gegen den Fc-Anteil des IgG
richtet. Die beiden Antikörper verbinden sich miteinander und
bilden einen zirkulierenden Immunkomplex.
Normwert
SI-Einheit: < 20 IE/ml
Abweichungen vom Normwert
Rheumafaktor-Erhöhung
• Rheumatoide Arthritis (RA)
• Systemischer Lupus erythematodes
• Sjögren-Syndrom
• Sklerodermie
• Mixed Connective Tissue Disease (Sharp-Syndrom)
• Chronische Lebererkrankungen, z. B. Hepatitis B, primäre
biliäre Leberzirrhose
• Infektionskrankheiten, z. B. Tbc, Lues oder Malaria
• Lymphome
Prüfungs- und Praxistipps
Prüfung
Kenntnis der Ursachen einer RF-Erhöhung
Praxis
• Der RF kann im Rahmen von Kollagenosen als Diagnose- und
Verlaufsparameter eingesetzt werden. Allerdings ist sein
Vorhandensein kein Beweis für eine rheumatische
Erkrankung.
• Patientinnen und Patienten mit RA weisen in der Regel
positive Titer auf (seropositiv), ein kleiner Teil von ihnen ist
seronegativ.
• Bei V. a. eine RA empfiehlt sich neben der Bestimmung des
Rheumafaktors auch die Bestimmung von CCP-Ak (anti-CCP;
→ Karte 52).
9.5 CCP-Ak (Antikörper gegen cyclisches
citrulliniertes Peptid)
1 ml Serum
Physiologische Bedeutung
CCP-Ak richten sich gegen das Strukturprotein Fillagrin,
insbesondere dann, wenn es enzymatisch verändert (citrulliniert)