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Die Traumdeutung

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DIE TRAUMDEUTUNG
der Symptome, die der Patient vor Jahren wirklich gezeigt hatte, und wurde damals im Vereine mit anderen Erschei­nungen auf eine (wahrscheinlich hysterisch vorgetäuschte) Tuberkulose bezogen. Wir kennen bereits diese dem Traume eigentümliche Sensation der Gehhemmung aus den Exhibiti­onsträumen und finden hier wieder, daß sie als ein allezeit bereit liegendes Material zu Zwecken irgend welcher ande­ren Darstellung verwendet wird. Das Stück des Trauminhal­tes, welches beschreibt, wie das Steigen anfänglich schwer war, und am Ende der Anhöhe leicht wurde, erinnerte mich bei der Erzählung des Traumes an die bekannte meisterhafte Introduktion der "Sappho" von A. Daudet. Dort trägt ein jun­ger Mann die Geliebte die Treppen hinauf, anfänglich wie fe­derleicht; aber je weiter er steigt, desto schwerer lastet sie auf seinen Armen, und diese Szene ist vorbildlich für den Verlauf des Verhältnisses, durch dessen Schilderung Daudet die Ju­gend mahnen will, eine ernstere Neigung nicht an Mädchen von niedriger Herkunft und zweifelhafter Vergangenheit zu
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verschwenden
. Obwohl ich wußte, daß mein Patient vor kurzem ein Liebesverhältnis mit einer Dame vom Theater unterhalten und gelöst hatte, erwartete ich doch nicht, mei­nen Deutungseinfall berechtigt zu finden. Auch war es ja in der "Sappho" umgekehrt wie im Traume; in letzterem war das Steigen anfänglich schwer und späterhin leicht; im Roman diente es der Symbolik nur, wenn das, was zuerst leicht ge­nommen wurde, sich am Ende als eine schwere Last erwies. Zu meinem Erstaunen bemerkte der Patient, die Deutung stimme sehr wohl zum Inhalt des Stückes, das er am Abend vorher im Theater gesehen. Das Stück hieß: "Rund um Wien"
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und behandelte den Lebenslauf eines Mädchens, das zuerst anständig, dann zur Demimonde übergeht, Verhältnisse mit hochstehenden Personen anknüpft, dadurch "in die Höhe kommt", endlich aber immer mehr "herunter kommt". Das Stück hatte ihn auch an ein anderes, vor Jahren gespieltes, er­innert, welches den Titel trug: "Von Stufe zu Stufe", und auf dessen Ankündigung eine aus mehreren Stufen bestehende Stiege zu sehen war.
Nun die weitere Deutung. In der X-Straße hatte die Schau­spielerin gewohnt, mit welcher er das letzte, beziehungsrei­che Verhältnis unterhalten. Ein Wirtshaus gibt es in dieser Straße nicht. Allein, als er der Dame zuliebe einen Teil des Sommers in Wien verbrachte, war er in einem kleinen Hotel in der Nähe abgestiegen. Beim Verlassen des Hotels sagte er dem Kutscher: "Ich bin froh, daß ich wenigstens kein Unge­ziefer bekommen habe" (übrigens auch eine seiner Phobien). Der Kutscher darauf: "Wie kann man aber da absteigen! Das ist ja gar kein Hotel, eigentlich nur ein Einkehrwirtshaus."
An das Einkehrwirtshaus knüpft sich ihm sofort die Erin­nerung eines Zitats:
"Bei einem Wirte wundermild,
Da war ich jüngst zu Gaste."
Der Wirt im Uhlandschen Gedichte ist aber ein Apfelbaum.
Nun setzt ein zweites Zitat die Gedankenkette fort:
Faust (mit der Jungen tanzend).
Einst hatt’ ich einen schönen Traum;
Da sah ich einen Apfelbaum,
Zwei schöne Äpfel glänzten dran,
Sie reizten mich, ich stieg hinan.
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Die Schöne.
Der Äpfelchen begehrt ihr sehr,
Und schon vom Paradiese her.
Von Freuden fühl’ ich mich bewegt,
Daß auch mein Garten solche trägt.
Es ist nicht der leiseste Zweifel möglich, was unter dem Apfelbaume und dem Äpfelchen gemeint ist. Ein schöner Bu­sen stand auch obenan unter den Reizen, durch welche die Schauspielerin meinen Träumer gefesselt hatte.
Wir hatten nach dem Zusammenhang der Analyse allen Grund anzunehmen, daß der Traum auf einen Eindruck aus der Kindheit zurückgehe. Wenn dies richtig war, so mußte er sich auf die Amme des jetzt bald fünfzigjährigen Mannes be­ziehen. Für das Kind ist der Busen der Amme tatsächlich das Einkehrwirtshaus. Die Amme sowohl als die "Sappho" Dau­dets erscheinen als Anspielung auf die vor kurzem verlassene Geliebte.
Im Trauminhalt erscheint auch der (ältere) Bruder des Pa­tienten, und zwar ist dieser oben, er selbst unten. Dies ist wie­der eine Umkehrung des wirklichen Verhältnisses, denn der Bruder hat, wie mir bekannt ist, seine soziale Position verlo­ren, mein Patient sie erhalten. Der Träumer vermied bei der Reproduktion des Trauminhaltes zu sagen: Der Bruder sei oben, er selbst "parterre" gewesen. Es wäre eine zu deutliche Äußerung geworden, denn man sagt bei uns von einer Per­son, sie ist "parterre", wenn sie Vermögen und Stellung einge­büßt hat, also in ähnlicher Übertragung, wie man "herunter- gekommen" gebraucht. Es muß nun einen Sinn haben, daß an dieser Stelle im Traume etwas umgekehrt dargestellt ist. Die
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Umkehrung muß auch für eine andere Beziehung zwischen Traumgedanken und Trauminhalt gelten. Es liegt der Hin­weis darauf vor, wie diese Umkehrung vorzunehmen ist. Of­fenbar am Ende des Traumes, wo es sich mit dem Steigen wie­derum umgekehrt verhält wie in der "Sappho". Dann ergibt sich leicht, welche Umkehrung gemeint ist: In der "Sappho" trägt der Mann das zu ihm in sexuellen Beziehungen stehen­de Weib; in den Traumgedanken handelt es sich also umge- kehrt um ein Weib, das den Mann trägt, und da dieser Fall sich nur in der Kindheit ereignen kann, bezieht er sich wie­der auf die Amme, die schwer an dem Säugling trägt. Der Schluß des Traumes trifft es also, die "Sappho" und die Amme in der nämlichen Andeutung darzustellen.
Wie der Name "Sappho" vom Dichter nicht ohne Bezie­hung auf eine lesbische Gewohnheit gewählt ist, so deuten die Stücke des Traumes, in denen Personen oben und unten beschäftigt sind, auf Phantasien sexuellen Inhaltes, die den Träumer beschäftigen und als unterdrückte Gelüste nicht au­ßer Zusammenhang mit seiner Neurose stehen. Daß es Phan­tasien und nicht Erinnerungen der tatsächlichen Vorgänge sind, die so im Traume dargestellt werden, zeigt die Traum­deutung selbst nicht an; dieselbe liefert uns nur einen Gedan­keninhalt und überläßt es uns, dessen Realitätswert festzu­stellen. Wirkliche und phantasierte Begebenheiten erscheinen hier – und nicht nur hier, auch bei der Schöpfung wichtigerer psychischer Gebilde als der Träume – zunächst als gleichwertig. Große Gesellschaft bedeutet, wie wir bereits wissen, Geheimnis. Der Bruder ist nichts anderes, als der in die Kindheitsszene durch "Zurückphantasieren" eingetrage-
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ne Vertreter aller späteren Nebenbuhler beim Weibe. Die Episode von dem Herrn, der auf den König von Italien schimpft, bezieht sich durch Vermittlung eines rezenten und an sich gleichgültigen Erlebnisses wiederum auf das Eindrän­gen von Personen niederen Standes in höhere Gesellschaft. Es ist, als ob der Warnung, welche Daudet dem Jüngling erteilt, eine ähnliche, für das säugende Kind gültige, an die Seite ge-
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stellt werden sollte
.
Um ein drittes Beispiel für das Studium der Verdichtung bei der Traumbildung bereit zu haben, teile ich die partielle Analyse eines anderen Traumes mit, den ich einer älteren, in psychoanalytischer Behandlung stehenden Dame verdanke. Den schweren Angstzuständen entsprechend, an denen die Kranke litt, enthielten ihre Träume überreichlich sexuelles Gedankenmaterial, dessen Kenntnisnahme sie anfangs eben­so sehr überraschte wie erschreckte. Da ich die Traumdeu­tung nicht bis ans Ende führen kann, scheint das Traummate­rial in mehrere Gruppen ohne sichtbaren Zusammenhang zu zerfallen.
Der Käfertraum.
III. Trauminhalt: Sie besinnt sich, daß sie zwei Maikäfer in ei-
ner Schachtel hat, denen sie die Freiheit geben muß, weil sie sonst ersticken. Sie öffnet die Schachtel, die Käfer sind ganz matt; ei­ner fliegt zum geöffneten Fenster heraus, der andere aber wird vom Fensterflügel zerquetscht, während sie das Fenster schließt, wie irgend jemand von ihr verlangt (Äußerungen des Ekels).
Analyse: Ihr Mann ist verreist, die vierzehnjährige Tochter
schläft im Bette neben ihr. Die Kleine macht sie am Abend aufmerksam, daß eine Motte in ihr Wasserglas gefallen ist; sie
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versäumt es aber, sie herauszuholen, und bedauert das arme Tierchen am Morgen. In ihrer Abendlektüre war erzählt, wie Buben eine Katze in siedendes Wasser werfen, und die Zu­ckungen des Tieres geschildert. Dies sind die beiden an sich gleichgültigen Traumanlässe. Das Thema von der Grausam- keit gegen Tiere beschäftigt sie weiter. Ihre Tochter war vor Jahren, als sie in einer gewissen Gegend zum Sommer wohn­ten, sehr grausam gegen das Getier. Sie legte sich eine Schmet­terlingsammlung an und verlangte von ihr Arsenik zur Tö­tung der Schmetterlinge. Einmal kam es vor, daß ein Nachtfalter mit der Nadel durch den Leib noch lange im Zimmer herumflog; ein andermal fanden sich einige Raupen, die zur Verpuppung aufbewahrt wurden, verhungert. Dassel­be Kind pflegte in noch zarterem Alter Käfern und Schmet­terlingen die Flügel auszureißen; heute würde sie vor all die­sen grausamen Handlungen zurückschrecken; sie ist sehr gutmütig geworden.
Dieser Widerspruch beschäftigt sie. Er erinnert an einen anderen Widerspruch, den zwischen Aussehen und Gesin­nung, wie er in Adam Bede von der Eliot dargestellt ist. Ein schönes, aber eitles und ganz dummes Mädchen, daneben ein häßliches, aber edles. Der Aristokrat, der das Gänschen ver­führt; der Arbeiter, der adelig fühlt und sich ebenso benimmt. Man kann das den Leuten nicht ansehen. Wer würde ihr anse­hen, daß sie von sinnlichen Wünschen geplagt wird?
In demselben Jahre, als die Kleine ihre Schmetterling­sammlung anlegte, litt die Gegend arg unter der Maikäferpla- ge. Die Kinder wüteten gegen die Käfer, zerquetschten sie grausam. Sie hat damals einen Menschen gesehen, der den
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Maikäfern die Flügel ausriß und die Leiber dann verspeiste. Sie selbst ist im Mai geboren, hat auch im Mai geheiratet. Drei Tage nach der Hochzeit schrieb sie den Eltern einen Brief nach Hause, wie glücklich sie sei. Sie war es aber keineswegs.
Am Abend vor dem Traume hatte sie in alten Briefen ge­kramt und verschiedene ernste und komische Briefe den Ihri­gen vorgelesen, so einen höchst lächerlichen Brief eines Kla­vierlehrers, der ihr als Mädchen den Hof gemacht hatte, auch den eines aristokratischen Verehrers
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.
Sie macht sich Vorwürfe, daß eine ihrer Töchter ein schlechtes Buch von Maupassant in die Hand bekommen
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Der Arsenik, den ihre Kleine verlangt, erinnert sie an die Arse­nikpillen, die dem Duc de Mora im Nabab die Jugendkraft wie-
dergeben.
Zu "Freiheit geben" fällt ihr die Stelle aus der Zauberflöte ein:
"Zur Liebe kann ich dich nicht zwingen,
Doch geb’ ich dir die Freiheit nicht."
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Zu den "Maikäfern" noch die Rede des Käthchens
: "Verliebt ja bist du wie ein Käfer mir." Dazwischen Tannhäuser: "Weil du von böser Lust beseelt –" Sie lebt in Angst und Sorge um den abwesenden Mann.
Die Furcht, daß ihm auf der Reise etwas zustoße, äußert sich in zahlreichen Phantasien des Tages. Kurz vorher hatte sie in ihren unbewußten Gedanken während der Analyse eine Kla­ge über seine "Greisenhaftigkeit" gefunden. Der Wunschge­danke, welchen dieser Traum verhüllt, läßt sich vielleicht am besten erraten, wenn ich erzähle, daß sie mehrere Tage vor dem Traume plötzlich mitten in ihren Beschäftigungen durch den gegen ihren Mann gerichteten Imperativ erschreckt wur-
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de: Häng’ dich auf. Es ergab sich, daß sie einige Stunden vor- her irgendwo gelesen hatte, beim Erhängen stelle sich eine kräftige Erektion ein. Es war der Wunsch nach dieser Erekti­on, der in dieser schreckenerregenden Verkleidung aus der Verdrängung wiederkehrte. "Häng’ dich auf," besagte soviel als "Verschaff dir eine Erektion um jeden Preis." Die Arsenik­pillen des Dr. Jenkins im Nabab gehören hieher; es war der Pa­tientin aber auch bekannt, daß man das stärkste Aphrodisia­kum, Kanthariden, durch Zerquetschen von Käfern bereitet (sogenannte spanische Fliegen). Auf diesen Sinn zielt der Hauptbestandteil des Trauminhaltes.
Das Fensteröffnen und -schließen ist eine der ständigen
Differenzen mit ihrem Manne. Sie selbst schläft aerophil, ihr Mann aerophob. Die Mattigkeit ist das Hauptsymptom, über das sie in diesen Tagen zu klagen gehabt hat.
In allen drei hier mitgeteilten Träumen habe ich durch
die Schrift hervorgehoben, wo eines der Traumelemente in den Traumgedanken wiederkehrt, um die mehrfache Bezie­hung der ersteren augenfällig zu machen. Da aber für keinen dieser Träume die Analyse bis ans Ende geführt ist, verlohnt es sich wohl, auf einen Traum mit ausführlicher mitgeteilter Analyse einzugehen, um die Überdeterminierung des Trauminhaltes an ihm zu erweisen. Ich wähle hiefür den Traum von Irmas Injektion. Wir werden an diesem Beispiel mühelos erkennen, daß die Verdichtungsarbeit bei der Traumbildung sich mehr als nur eines Mittels bedient.
Die Hauptperson des Trauminhaltes ist die Patientin Ir-
ma, die mit den ihr im Leben zukommenden Zügen gesehen wurde und also zunächst sich selbst darstellt. Die Stellung
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aber, in welcher ich sie beim Fenster untersuche, ist von einer Erinnerung an eine andere Person hergenommen, von jener Dame, mit der ich meine Patientin vertauschen möchte, wie die Traumgedanken zeigen. Insofern Irma einen diphtheriti­schen Belag erkennen läßt, bei dem die Sorge um meine ältes­te Tochter erinnert wird, gelangt sie zur Darstellung dieses meines Kindes, hinter welchem, durch die Namensgleichheit mit ihr verknüpft, sich die Person einer durch Intoxikation verlorenen Patientin verbirgt. Im weiteren Verlaufe des Trau­mes wandelt sich die Bedeutung von Irmas Persönlichkeit (ohne daß ihr im Traume gesehenes Bild sich änderte); sie wird zu einem der Kinder, die wir in der öffentlichen Ordina­tion des Kinderkrankeninstitutes untersuchen, wobei meine Freunde die Verschiedenheit ihrer geistigen Anlagen erwei­sen. Der Übergang wurde offenbar durch die Vorstellung meiner kindlichen Tochter vermittelt. Durch das Sträuben beim Mundöffnen wird dieselbe Irma zur Anspielung auf ei­ne andere, einmal von mir untersuchte Dame, ferner in dem­selben Zusammenhang auf meine eigene Frau. In den krank­haften Veränderungen, die ich in ihrem Halse entdecke, habe ich überdies Anspielungen auf eine ganze Reihe von noch anderen Personen zusammengetragen.
Sammelpersonen und Mischpersonen. All diese Personen, auf die ich bei der Verfolgung von "Ir-
ma" gerate, treten im Traume nicht leibhaftig auf; sie verber­gen sich hinter der Traumperson "Irma", welche so zu einem Sammelbild mit allerdings widerspruchsvollen Zügen ausge­staltet wird. Irma wird zur Vertreterin dieser anderen, bei der Verdichtungsarbeit hingeopferten Personen, indem ich an
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ihr all das vorgehen lasse, was mich Zug für Zug an diese Per­sonen erinnert.
Ich kann mir eine Sammelperson auch auf andere Weise
für die Traumverdichtung herstellen, indem ich aktuelle Zü­ge zweier oder mehrerer Personen zu einem Traumbilde ver­einige. Solcher Art ist der Dr. M. meines Traumes entstanden, er trägt den Namen des Dr. M., spricht und handelt wie er; seine leibliche Charakteristik und sein Leiden sind die einer anderen Person, meines ältesten Bruders; ein einziger Zug, das blasse Aussehen, ist doppelt determiniert, indem er in der Realität beiden Personen gemeinsam ist. Eine ähnliche Misch­person ist der Dr. R. meines Onkeltraumes. Hier aber ist das Traumbild noch auf andere Weise bereitet. Ich habe nicht Züge, die dem einen eigen sind, mit Zügen des anderen verei­nigt und dafür das Erinnerungsbild jedes einen um gewisse Züge verkürzt, sondern ich habe das Verfahren eingeschla­gen, nach welchem Galton seine Familienporträts erzeugt, nämlich beide Bilder aufeinander projiziert, wobei die ge­meinsamen Züge verstärkt hervortreten, die nicht zusam­menstimmenden einander auslöschen und im Bilde undeut­lich werden. Im Onkeltraume hebt sich so als verstärkter Zug aus der zwei Personen gehörigen und darum verschwomme­nen Physiognomie der blonde Bart hervor, der überdies eine Anspielung auf meinen Vater und auf mich enthält, vermit­telt durch die Beziehung zum Ergrauen.
Die Herstellung von Sammel- und Mischpersonen ist ei-
nes der Hauptarbeitsmittel der Traumverdichtung. Es wird sich bald der Anlaß ergeben, sie in einem anderen Zusam­menhange zu behandeln.
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