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DIE TRAUMDEUTUNG
Harnreizträume. Der erotische Reiz wird in ihnen als Harnreiz dargestellt; die Schichtung der Bedeutung in diesen Träumen entspricht einem Bedeutungswandel des Symbols seit
der Kindheit.
Den Geburtsträumen schließen sich die Träume von "Ret-
tungen" an. Retten, besonders aus dem Wasser retten, ist
gleichbedeutend mit gebären, wenn es von einer Frau geträumt wird, modifiziert aber diesen Sinn, wenn der Träumer
ein Mann ist. (Siehe einen solchen Traum bei Pfister: Ein Fall
von psychoanalytischer Seelsorge und Seelenheilung. Evangelische Freiheit, 1909.) – Über das Symbol des "Rettens" vgl.
meinen Vortrag: Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie. Zentralblatt für Psychoanalyse, Nr. 1, 1910,
sowie: Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens, I. Über einen besonderen Typus der Objektwahl beim Manne, Jahr-
(159)
buch f. Ps.-A., Bd. II, 1910
.
Die Räuber, nächtlichen Einbrecher und Gespenster, vor
denen man sich vor dem Zubettgehen fürchtet, und die auch
gelegentlich den Schlafenden heimsuchen, entstammen einer
und derselben infantilen Reminiszenz. Es sind die nächtlichen Besucher, die das Kind aus dem Schlafe geweckt haben,
um es auf den Topf zu setzen, damit es das Bett nicht nässe,
oder die die Decke gehoben haben, um sorgsam nachzuschauen, wie es während des Schlafens die Hände hält. Aus den
Analysen einiger dieser Angstträume habe ich noch die Person des nächtlichen Besuchers zur Agnoszierung bringen
können. Der Räuber war jedesmal der Vater, die Gespenster
werden wohl eher weiblichen Personen im weißen Nachtgewande entsprechen.
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SIGMUND FREUD
F) BEISPIELE VON DARSTELLUNGEN. –
RECHNEN UND REDEN IM TRAUME
Ehe ich nun das vierte der die Traumbildung beherrschenden Momente an die ihm gebührende Stelle setze, will
ich aus meiner Traumsammlung einige Beispiele heranziehen, welche teils das Zusammenwirken der drei uns bekannten Momente erläutern, teils Beweise für frei hingestellte Behauptungen nachtragen oder unabweisbare Folgerungen aus
ihnen ausführen können. Es ist mir ja in der vorstehenden
Darstellung der Traumarbeit recht schwer geworden, meine
Ergebnisse an Beispielen zu erweisen. Die Beispiele für die
einzelnen Sätze sind nur im Zusammenhange einer Traumdeutung beweiskräftig; aus dem Zusammenhange gerissen,
büßen sie ihre Schönheit ein, und eine auch nur wenig vertiefte Traumdeutung wird bald so umfangreich, daß sie den
Faden der Erörterung, zu deren Illustrierung sie dienen soll,
verlieren läßt. Dieses technische Motiv mag entschuldigen,
wenn ich nun allerlei aneinanderreihe, was nur durch die Beziehung auf den Text des vorstehenden Abschnittes zusammengehalten wird.
Zunächst einige Beispiele von besonders eigentümlichen
oder von ungewöhnlichen Darstellungsweisen im Traume.
Im Traume einer Dame heißt es: Ein Stubenmädchen steht auf
der Leiter wie zum Fensterputzen und hat einen Schimpanse
und eine Gorillakatze (später korrigiert: Angorakatze) bei sich.
Sie wirft die Tiere auf die Träumerin; der Schimpanse schmiegt
sich an die letztere an, und das ist sehr ekelhaft. Dieser Traum
hat seinen Zweck durch ein höchst einfaches Mittel erreicht,
indem er nämlich eine Redensart wörtlich nahm und nach
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ihrem Wortlaute darstellte. "Affe" wie Tiernamen überhaupt
sind Schimpfwörter, und die Traumsituation besagt nichts
anderes als "mit Schimpfworten um sich werfen". Diese selbe
Sammlung wird alsbald weitere Beispiele für die Anwendung
dieses einfachen Kunstgriffes bei der Traumarbeit bringen.
Ganz ähnlich verfährt ein anderer Traum: Eine Frau mit
einem Kinde, das einen auffällig mißbildeten Schädel hat; von
diesem Kinde hat sie gehört, daß es durch die Lage im Mutterleibe so geworden. Man könnte den Schädel, sagt der Arzt, durch
Kompression in eine bessere Form bringen, allein das würde dem
Gehirn schaden. Sie denkt, da es ein Bub ist, schadet es ihm weniger. – Dieser Traum enthält die plastische Darstellung des
abstrakten Begriffes: "Kindereindrücke", den die Träumerin in
den Erklärungen zur Kur gehört hat.
Einen etwas anderen Weg schlägt die Traumarbeit im folgenden Beispiel ein. Der Traum enthält die Erinnerung an einen Ausflug zum Hilmteich bei Graz: Es ist ein schreckliches
Wetter draußen; ein armseliges Hotel, von den Wänden tropft
das Wasser, die Betten sind feucht. (Letzteres Stück des Inhaltes
ist minder direkt im Traume, als ich es bringe.) Der Traum bedeutet "überflüssig". Das Abstraktum, das sich in den Traumgedanken fand, ist zunächst etwas gewaltsam äquivok gemacht
worden, etwa durch "überfließend" ersetzt oder durch "flüssig
und überflüssig", und dann durch eine Häufung gleichartiger
Eindrücke zur Darstellung gebracht. Wasser draußen, Wasser
innen an den Wänden, Wasser als Feuchtigkeit in den Betten,
alles flüssig und "über"flüssig. – Daß zu Zwecken der Darstellung im Traume die Orthographie weit hinter dem Wortklang
zurücktritt, wird uns nicht gerade wundernehmen, wenn sich
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SIGMUND FREUD
z. B. der Reim ähnliche Freiheiten gestatten darf. In einem
weitläufigen von Rank mitgeteilten und sehr eingehend analysierten Traum eines jungen Mädchens wird erzählt, daß sie
zwischen Feldern spazieren geht, wo sie schöne Gerste- und
Kornähren abschneidet. Ein Jugendfreund kommt ihr entgegen, und sie will es vermeiden, ihn anzutreffen. Die Analyse
zeigt, daß es sich um einen Kuß in Ehren handelt (Jahrb. II,
p. 491). Die Ähren, die nicht abgerissen, sondern abgeschnitten werden sollen, dienen in diesem Traum als solche und in
ihrer Verdichtung mit Ehre, Ehrungen zur Darstellung einer
ganzen Reihe von anderen Gedanken.
Dafür hat die Sprache in anderen Fällen dem Traume die
Darstellung seiner Gedanken sehr leicht gemacht, da sie über
eine ganze Reihe von Worten verfügt, die ursprünglich bildlich und konkret gemeint waren und gegenwärtig im abgeblaßten, abstrakten Sinne gebraucht werden. Der Traum
braucht diesen Worten nur ihre frühere volle Bedeutung wiederzugeben oder in den Bedeutungswandel des Wortes ein
Stück weit herabzusteigen. Z. B. es träumt jemand, daß sein
Bruder in einem Kasten steckt; bei der Deutungsarbeit ersetzt
sich der Kasten durch einen "Schrank" und der Traumgedanke lautet nun, daß dieser Bruder sich "einschränken" solle, an
seiner Statt nämlich. Ein anderer Träumer steigt auf einen
Berg, von dem aus er eine ganz außerordentlich weite Aus-
sicht hat. Er identifiziert sich dabei mit einem Bruder, der eine
"Rundschau" herausgibt, welche sich mit den Beziehungen
zum fernsten Osten beschäftigt.
In einem Traum des "Grünen Heinrich" wälzt sich ein
übermütiges Pferd im schönsten Hafer, von dem jedes Korn
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aber "ein süßer Mandelkern, eine Rosine und ein neuer Pfennig" ist, "zusammen in rote Seide gewickelt und mit einem
Endchen Schweinsborste eingebunden". Der Dichter (oder
der Träumer) gibt uns sofort die Deutung dieser Traumdarstellung, denn das Pferd fühlt sich angenehm gekitzelt, so daß
es ruft: Der Hafer sticht mich.
Besonders ausgiebigen Gebrauch vom Redensart- und
Wortwitztraum macht (nach Henzen) die altnordische Sagaliteratur, in der sich kaum ein Traumbeispiel ohne Doppelsinn oder Wortspiel findet.
Es wäre eine besondere Arbeit, solche Darstellungsweisen
zu sammeln und nach den ihnen zu Grunde liegenden Prinzipien zu ordnen. Manche dieser Darstellungen sind fast witzig
zu nennen. Man hat den Eindruck, daß man sie niemals selbst
erraten hätte, wenn der Träumer sie nicht mitzuteilen wüßte:
1. Ein Mann träumt, man frage ihn nach einem Namen, an
den er sich aber nicht besinnen könne. Er erklärt selbst, das
wolle heißen: Es fällt mir nicht im Traume ein.
2. Eine Patientin erzählt einen Traum, in welchem alle
handelnden Personen besonders groß waren. Das will heißen, setzt sie hinzu, daß es sich um eine Begebenheit aus meiner frühen Kindheit handeln muß, denn damals sind mir natürlich alle Erwachsenen so ungeheuer groß erschienen. Ihre
eigene Person trat in diesem Trauminhalt nicht auf.
Die Verlegung in die Kindheit wird in anderen Träumen
auch anders ausgedrückt, indem Zeit in Raum übersetzt wird.
Man sieht die betreffenden Personen und Szenen wie weit
entfernt am Ende eines langen Weges oder so, als ob man sie
mit einem verkehrt gerichteten Opernglas betrachten würde.
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SIGMUND FREUD
3. Ein im Wachleben zu abstrakter und unbestimmter
Ausdrucksweise geneigter Mann, sonst mit gutem Witz begabt, träumt in gewissem Zusammenhange, daß er auf einen
Bahnhof gehe, wie eben ein Zug ankomme. Dann werde aber
der Perron an den stehenden Zug angenähert, also eine absurde
Umkehrung des wirklichen Vorganges. Dieses Detail ist auch
nichts anderes als ein Index, der daran mahnt, daß etwas anderes im Trauminhalt umgekehrt werden solle. Die Analyse
desselben Traumes führt zu Erinnerungen an Bilderbücher,
in denen Männer dargestellt waren, die auf dem Kopfe standen und auf den Händen gingen.
4. Derselbe Träumer berichtet ein anderes Mal von einem
kurzen Traum, der fast an die Technik eines Rebus erinnert.
Sein Onkel gibt ihm im Automobil einen Kuß. Er fügt unmittelbar die Deutung hinzu, die ich nie gefunden hätte, das heiße: Autoerotismus. Ein Scherz im Wachen hätte ebenso lauten
können.
5. Der Träumer zieht eine Frau hinter dem Bett hervor.
Das heißt: Er gibt ihr den Vorzug.
6. Der Träumer sitzt als Offizier an einer Tafel dem Kaiser
gegenüber: Er bringt sich in Gegensatz zum Vater.
7. Der Träumer behandelt eine andere Person wegen eines
Knochenbruches. Die Analyse erweist diesen Bruch als Darstellung eines Ehebruches u. dgl.
8. Die Tageszeiten vertreten im Trauminhalt sehr häufig
Lebenszeiten der Kindheit. So bedeutet z. B. um ¼6 Uhr früh
bei einem Träumer das Alter von 5 Jahren 3 Monaten, den
bedeutungsvollen Zeitpunkt der Geburt eines jüngeren Bruders.
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9. Eine andere Darstellung von Lebenszeiten im Traume:
Eine Frau geht mit zwei kleinen Mädchen, die 1¼ Jahre auseinander sind. – Die Träumerin findet keine Familie ihrer Bekanntschaft, für die das zuträfe. Sie deutet selbst, daß beide
Kinder ihre eigene Person darstellen, und daß der Traum sie
mahnt, die beiden traumatischen Ereignisse ihrer Kindheit
seien um soviel voneinander entfernt. (3½ und 4¾ J.)
10. (H. Sachs.) "Aus der 'Traumdeutung' wissen wir, daß
die Traumarbeit verschiedene Wege kennt, um ein Wort oder
eine Redewendung sinnlich-anschaulich darzustellen. Sie
kann sich z. B. den Umstand, daß der darzustellende Ausdruck zweideutig ist, zunutze machen und, den Doppelsinn
als 'Weiche' benutzend, statt der ersten, in den Traumgedanken vorkommenden Bedeutung, die zweite in den manifesten
Trauminhalt aufnehmen.
Dies ist bei dem kleinen, im folgenden mitgeteilten Traume geschehen und zwar unter geschickter Benutzung der dazu tauglichen rezenten Tageseindrücke als Darstellungsmaterial.
Ich hatte am Traumtage an einer Erkältung gelitten und
deshalb am Abend beschlossen, das Bett, wenn irgend möglich, während der Nacht nicht zu verlassen. Der Traum ließ
mich scheinbar nur meine Tagesarbeit fortsetzen; ich hatte
mich damit beschäftigt, Zeitungsausschnitte in ein Buch zu
kleben, wobei ich bestrebt war, jedem Ausschnitt den passenden Platz anzuweisen. Der Traum lautete:
'Ich bemühe mich, einen Ausschnitt in das Buch zu kleben; er
geht aber nicht auf die Seite, was mir großen Schmerz verursacht.'
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Ich erwachte und mußte konstatieren, daß der Schmerz
des Traumes als realer Leibschmerz andauere, der mich denn
auch zwang, meinem Vorsatz untreu zu werden. Der Traum
hatte mir als 'Hüter des Schlafes' die Erfüllung meines Wunsches, im Bette zu bleiben, durch die Darstellung der Worte
'er geht aber nicht auf die Seite' vorgetäuscht."
Der Traumarbeit gelingt oft auch die Darstellung von
sehr sprödem Material, wie es etwa Eigennamen sind, durch
gezwungene Verwertung sehr entlegener Beziehungen. In einem meiner Träume hat mir der alte Brücke eine Aufgabe ge-
stellt. Ich fertige ein Präparat an und klaube etwas heraus, was
wie zerknülltes Silberpapier aussieht. (Von diesem Traume
noch später mehr.) Der nicht leicht auffindbare Einfall dazu
ergibt: "Staniol", und nun weiß ich, daß ich den Autornamen
Stannius meine, den eine von mir in früheren Jahren mit Ehrfurcht betrachtete Abhandlung über das Nervensystem der
Fische trägt. Die erste wissenschaftliche Aufgabe, die mir mein
Lehrer gestellt, bezog sich wirklich auf das Nervensystem eines Fisches, des Ammocoetes. Letzterer Name war im Bilderrätsel offenbar gar nicht zu gebrauchen.
Ich will mir nicht versagen, hier noch einen Traum mit
sonderbarem Inhalt einzuschalten, der auch noch als Kindertraum bemerkenswert ist und sich durch die Analyse sehr
leicht aufklärt. Eine Dame erzählt: Ich kann mich erinnern,
daß ich als Kind wiederholt geträumt habe, der liebe Gott habe
einen zugespitzten Papierhut auf dem Kopfe. Einen solchen
Hut pflegte man mir nämlich sehr oft bei Tische aufzusetzen,
damit ich nicht auf die Teller der anderen Kinder hinschauen
könne, wieviel sie von dem betreffenden Gericht bekommen
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haben. Da ich gehört habe, Gott sei allwissend, so bedeutet
der Traum, ich wisse alles auch trotz des aufgesetzten Hutes.
Zahlen und Rechnungen im Traum.
Worin die Traumarbeit besteht und wie sie mit ihrem Material, den Traumgedanken, umspringt, läßt sich in lehrreicher Weise an den Zahlen und Rechnungen zeigen, die in
Träumen vorkommen. Geträumte Zahlen gelten überdies
dem Aberglauben als besonders verheißungsvoll. Ich werde
also einige Beispiele solcher Art aus meiner Sammlung heraussuchen.
I. Aus dem Traume einer Dame, kurz vor Beendigung ihrer Kur:
Sie will irgend etwas bezahlen; ihre Tochter nimmt ihr 3 fl.
65 kr. aus der Geldtasche; sie sagt aber: Was tust du? Es kostet
ja nur 21 kr. Dieses Stückchen Traum war mir durch die Ver-
hältnisse der Träumerin ohne weitere Aufklärung ihrerseits
verständlich. Die Dame war eine Fremde, die ihre Tochter in
einem Wiener Erziehungsinstitut untergebracht hatte und
meine Behandlung fortsetzen konnte, solange ihre Tochter in
Wien blieb. In drei Wochen war deren Schuljahr zu Ende und
damit endete auch die Kur. Am Tage vor dem Traume hatte
ihr die Institutsvorsteherin nahegelegt, ob sie sich nicht entschließen könnte, das Kind noch ein weiteres Jahr bei ihr zu
lassen. Sie hatte dann offenbar bei sich diese Anregung dahin
fortgesetzt, daß sie in diesem Falle auch die Behandlung um
ein Jahr verlängern könnte. Darauf bezieht sich nun der
Traum, denn ein Jahr ist gleich 365 Tagen, die drei Wochen
bis zum Abschluß des Schuljahres und der Kur lassen sich ersetzen durch 21 Tage (wenngleich nicht ebenso viele Behand-
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lungsstunden). Die Zahlen, die in den Traumgedanken bei
Zeiten standen, werden im Traume Geldwerten beigesetzt,
nicht ohne daß damit ein tieferer Sinn zum Ausdruck käme,
denn "Time is money", Zeit hat Geldwert. 365 Kreuzer sind
dann allerdings 3 Gulden 65 Kreuzer. Die Kleinheit der im
Traume erscheinenden Summen ist offenkundige Wunscherfüllung; der Wunsch hat die Kosten der Behandlung wie des
Lehrjahres im Institut verkleinert.
II. Zu komplizierteren Beziehungen führen die Zahlen in
einem anderen Traume. Eine junge, aber schon seit einer Reihe von Jahren verheiratete Dame erfährt, daß eine ihr fast
gleichalterige Bekannte, Elise L., sich eben verlobt hat. Daraufhin träumt sie: Sie sitzt mit ihrem Manne im Theater, eine
Seite des Parketts ist ganz unbesetzt. Ihr Mann erzählt ihr, Elise
L. und ihr Bräutigam hätten auch gehen wollen, hätten aber nur
schlechte Sitze bekommen, 3 für 1 fl. 50 kr., und die konnten sie
ja nicht nehmen. Sie meint, es wäre auch kein Unglück gewesen.
Woher rühren die 1 fl. 50 kr.? Aus einem eigentlich indif-
ferenten Anlaß des Vortages. Ihre Schwägerin hatte von ihrem Manne 150 fl. zum Geschenk bekommen und sich beeilt,
sie los zu werden, indem sie sich einen Schmuck dafür kaufte.
Wir wollen anmerken, daß 150 fl. 100 mal mehr ist als 1 fl.
50 kr. Woher die 3, die bei den Theatersitzen steht? Dafür ergibt sich nur die eine Anknüpfung, daß die Braut um ebensoviel Monate – drei – jünger ist als sie. Zur Auflösung des
Traumes führt dann die Erkundigung, was der Zug im Traume, daß eine Seite des Parketts leer bleibt, bedeuten kann.
Derselbe ist eine unveränderte Anspielung auf eine kleine
Begebenheit, die ihrem Mann guten Grund zur Neckerei ge-
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