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ivanov666
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Файл:Die Traumdeutung
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DIE TRAUMDEUTUNG
guten Kerne zu forschen. Es stellt sich dann die Aufgabe, für
die vermeintliche Symbolisierung des angeblichen Zahnreizes
eine andersartige Aufklärung zu erbringen.
Die somatischen Reize als rezentes Material behandelt.
Ich habe es die ganze Zeit über, welche uns die Lehre von
den somatischen Traumquellen beschäftigte, unterlassen, jenes Argument geltend zu machen, welches sich aus unseren
Traumanalysen ableitet. Wenn wir durch ein Verfahren, das
andere Autoren auf ihr Material an Träumen nicht angewendet haben, erweisen konnten, daß der Traum einen ihm eigenen Wert als psychische Aktion besitzt, daß ein Wunsch das
Motiv seiner Bildung wird, und daß die Erlebnisse des Vortages das nächste Material für seinen Inhalt abgeben, so ist jede
andere Traumlehre, welche ein so wichtiges Untersuchungsverfahren vernachlässigt und dementsprechend den Traum
als eine nutzlose und rätselhafte psychische Reaktion auf somatische Reize erscheinen läßt, auch ohne besondere Kritik
gerichtet. Es müßte denn, was sehr unwahrscheinlich ist, zwei
ganz verschiedene Arten von Träumen geben, von denen die
eine nur uns, die andere nur den früheren Beurteilern des
Traumes untergekommen ist. Es erübrigt nur noch, den Tatsachen, auf welche sich die gebräuchliche Lehre von den somatischen Traumreizen stützt, eine Unterbringung innerhalb unserer Traumlehre zu verschaffen.
Den ersten Schritt hiezu haben wir bereits getan, als wir
den Satz aufstellten, daß die Traumarbeit unter dem Zwange
stehe, alle gleichzeitig vorhandenen Traumanregungen zu einer Einheit zu verarbeiten (p. 136). Wir sahen, daß, wenn
zwei oder mehr eindrucksfähige Erlebnisse vom Vortage üb-
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SIGMUND FREUD
rig geblieben sind, die aus ihnen sich ergebenden Wünsche in
einem Traume vereinigt werden, desgleichen, daß zum
Traummaterial der psychisch wertvolle Eindruck und die indifferenten Erlebnisse des Vortages zusammentreten, vorausgesetzt, daß sich kommunizierende Vorstellungen zwischen
beiden herstellen lassen. Der Traum erscheint somit als Reaktion auf alles, was in der schlafenden Psyche gleichzeitig als
aktuell vorhanden ist. Soweit wir also das Traummaterial bisher analysiert haben, erkannten wir es als eine Sammlung
von psychischen Resten, Erinnerungsspuren, denen wir (wegen der Bevorzugung des rezenten und des infantilen Materials) einen psychologisch derzeit unbestimmbaren Charakter
von Aktualität zusprechen mußten. Es schafft uns nun nicht
viel Verlegenheit, vorherzusagen, was geschehen wird, wenn
zu diesen Erinnerungsaktualitäten neues Material an Sensationen während des Schlafzustandes hinzutritt. Diese Erregungen erlangen wiederum eine Wichtigkeit für den Traum dadurch, daß sie aktuell sind; sie werden mit den anderen
psychischen Aktualitäten vereinigt, um das Material für die
Traumbildung abzugeben. Die Reize während des Schlafes
werden, um es anders zu sagen, in eine Wunscherfüllung verarbeitet, deren andere Bestandteile die uns bekannten psychischen Tagesreste sind. Diese Vereinigung muß nicht vollzogen werden; wir haben ja gehört, daß gegen körperliche Reize
während des Schlafes mehr als eine Art des Verhaltens möglich ist. Wo sie vollzogen wird, da ist es eben gelungen, ein
Vorstellungsmaterial für den Trauminhalt zu finden, welches
für beiderlei Traumquellen, die somatischen wie die psychischen, eine Vertretung darstellt.
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DIE TRAUMDEUTUNG
Das Wesen des Traumes wird nicht verändert, wenn zu
den psychischen Traumquellen somatisches Material hinzutritt; er bleibt eine Wunscherfüllung, gleichgültig wie deren
Ausdruck durch das aktuelle Material bestimmt wird.
Ich will hier gern Raum lassen für eine Reihe von Eigentümlichkeiten, welche die Bedeutung äußerer Reize für den
Traum veränderlich gestalten können. Ich stelle mir vor, daß
ein Zusammenwirken individueller, physiologischer und zufälliger, in den jeweiligen Umständen gegebener Momente
darüber entscheidet, wie man sich in den einzelnen Fällen
von intensiverer objektiver Reizung während des Schlafes benehmen wird; die habituelle und akzidentelle Schlaftiefe im
Zusammenhalt mit der Intensität des Reizes wird es das eine
Mal ermöglichen, den Reiz so zu unterdrücken, daß er im
Schlafe nicht stört, ein anderes Mal dazu nötigen, aufzuwachen, oder den Versuch unterstützen, den Reiz durch Verwebung in einen Traum zu überwinden. Der Mannigfaltigkeit
dieser Konstellationen entsprechend werden äußere objektive Reize bei dem einen häufiger oder seltener im Traume zum
Ausdruck kommen als bei dem anderen. Bei mir, der ich ein
ausgezeichneter Schläfer bin und hartnäckig daran festhalte,
mich durch keinen Anlaß im Schlafe stören zu lassen, ist die
Einmengung äußerer Erregungsursachen in die Träume sehr
selten, während psychische Motive mich doch offenbar sehr
leicht zum Träumen bringen. Ich habe eigentlich nur einen
einzigen Traum aufgezeichnet, in dem eine objektive,
schmerzhafte Reizquelle zu erkennen ist, und gerade in diesem Traume wird es sehr lehrreich werden, nachzusehen,
welchen Traumerfolg der äußere Reiz gehabt hat.
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SIGMUND FREUD
Der Traum vom Reiten.
Ich reite auf einem grauen Pferde, zuerst zaghaft und ungeschickt, als ob ich nur angelehnt wäre. Da begegne ich einem
Kollegen P., der im Lodenanzug hoch zu Roß sitzt und mich an
etwas mahnt (wahrscheinlich, daß ich schlecht sitze). Nun finde
ich mich auf dem höchst intelligenten Roß immer mehr zurecht,
sitze bequem und merke, daß ich oben ganz heimisch bin. Als
Sattel habe ich eine Art Polster, das den Raum zwischen Hals
und Croup des Pferdes vollkommen ausfüllt. Ich reite so knapp
zwischen zwei Lastwagen hindurch. Nachdem ich die Straße eine Strecke weit geritten bin, kehre ich um und will absteigen, zunächst vor einer kleinen offenen Kapelle, die in der Straßenfront
liegt. Dann steige ich wirklich vor einer ihr nahestehenden ab;
das Hotel ist in derselben Straße; ich könnte das Pferd allein hingehen lassen, ziehe aber vor, es bis dahin zu führen. Es ist, als ob
ich mich schämen würde, dort als Reiter anzukommen. Vor dem
Hotel steht ein Hotelbursche, der mir einen Zettel zeigt, der von
mir gefunden wurde, und mich darum verspottet. Auf dem Zettel steht, zweimal unterstrichen: Nichts essen und dann ein
zweiter Vorsatz (undeutlich) wie: nichts arbeiten; dazu eine
dumpfe Idee, daß ich in einer fremden Stadt bin, in der ich nichts
arbeite.
Dem Traume wird man zunächst nicht anmerken, daß er
unter dem Einflusse, unter dem Zwange vielmehr, eines
Schmerzreizes entstanden ist. Ich hatte aber Tags vorher an
Furunkeln gelitten, die mir jede Bewegung zur Qual machten,
und zuletzt war ein Furunkel an der Wurzel des Skrotum zur
Apfelgröße herangewachsen, hatte mir bei jedem Schritte die
unerträglichsten Schmerzen bereitet, und fieberhafte Müdig-
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DIE TRAUMDEUTUNG
keit, Eßunlust, die trotzdem festgehaltene schwere Arbeit des
Tages hatten sich mit den Schmerzen vereint, um meine Stimmung zu stören. Ich war nicht recht fähig, meinen ärztlichen
Aufgaben nachzukommen, aber bei der Art und bei dem Sitze
des Übels ließ sich an eine andere Verrichtung denken, für
die ich sicherlich so untauglich gewesen wäre wie für keine
andere, und diese ist das Reiten. Gerade in diese Tätigkeit versetzt mich nun der Traum; es ist die energischeste Negation
des Leidens, die der Vorstellung zugänglich ist. Ich kann
überhaupt nicht reiten, träume auch sonst nicht davon, bin
überhaupt nur einmal auf einem Pferde gesessen und damals
ohne Sattel, und es behagte mir nicht. Aber in diesem Traume
reite ich, als ob ich keinen Furunkel am Damm hätte, nein,
gerade weil ich keinen haben will. Mein Sattel ist der Beschreibung gemäß der Breiumschlag, der mir das Einschlafen ermöglicht hat. Wahrscheinlich habe ich durch die ersten Stunden des Schlafes – so verwahrt – nichts von meinem Leiden
verspürt. Dann meldeten sich die schmerzhaften Empfindungen und wollten mich aufwecken, da kam der Traum und sagte beschwichtigend: "Schlaf doch weiter, du wirst doch nicht
aufwachen! Du hast ja gar keinen Furunkel, denn du reitest ja
auf einem Pferde, und mit einem Furunkel an der Stelle kann
man doch nicht reiten!" Und es gelang ihm so; der Schmerz
wurde übertäubt und ich schlief weiter.
Der Traum hat sich aber nicht damit begnügt, mir durch
die hartnäckige Festhaltung einer mit dem Leiden unverträglichen Vorstellung, den Furunkel "abzusuggerieren", wobei
er sich benommen wie der halluzinatorische Wahnsinn der
(80)
Mutter, die ihr Kind verloren hat
, oder des Kaufmannes,
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SIGMUND FREUD
den Verluste um sein Vermögen gebracht haben; sondern die
Einzelheiten der abgeleugneten Sensation und des zu ihrer
Verdrängung gebrauchten Bildes dienen ihm auch als Material, um das, was sonst in der Seele aktuell vorhanden ist, an
die Situation des Traumes anzuknüpfen und zur Darstellung
zu bringen. Ich reite ein graues Pferd, die Farbe des Pferdes
entspricht genau dem pfeffer- und salzfarbigen Dreß, in dem
ich dem Kollegen P. zuletzt auf dem Lande begegnet bin.
Scharf gewürzte Nahrung ist mir als die Ursache der Furunkulose vorgehalten worden, immerhin als Ätiologie dem Zu-
cker vorzuziehen, an den man bei Furunkulose denken kann.
Freund P. liebt es, sich mir gegenüber aufs hohe Roß zu setzen,
seitdem er mich bei einer Patientin abgelöst, mit der ich große Kunststücke ausgeführt hatte (ich sitze im Traume auf dem
Pferde zuerst wie ein Kunstreiter tangential), die mich aber
wirklich, wie das Roß in der Anekdote den Sonntagsreiter, geführt hat, wohin sie wollte. So kommt das Roß zur symbolischen Bedeutung einer Patientin (es ist im Traume höchst in-
telligent). "Ich fühle mich ganz heimisch oben" geht auf die
Stellung, die ich in dem Hause innehatte, ehe ich durch P. ersetzt wurde. "Ich habe gemeint, Sie sitzen oben fest im Sattel",
hat mir mit Beziehung auf dasselbe Haus einer meiner wenigen Gönner unter den großen Ärzten dieser Stadt vor kurzem gesagt. Es war auch ein Kunststück, mit solchen Schmerzen acht bis zehn Stunden täglich Psychotherapie zu treiben,
aber ich weiß, daß ich ohne volles körperliches Wohlbefinden meine besonders schwierige Arbeit nicht lange fortsetzen
kann, und der Traum ist voll düsterer Anspielungen auf die
Situation, die sich dann ergeben muß (der Zettel, wie ihn die
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DIE TRAUMDEUTUNG
Neurastheniker haben und dem Arzte vorzeigen): – Nicht arbeiten und nicht essen. Bei weiterer Deutung sehe ich, daß es
der Traumarbeit gelungen ist, von der Wunschsituation des
Reitens den Weg zu finden zu sehr frühen Kinderstreitszenen, die sich zwischen mir und einem jetzt in England lebenden, übrigens um ein Jahr älteren Neffen abgespielt haben
mußten. Außerdem hat er Elemente aus meinen Reisen in
Italien aufgenommen; die Straße im Traume ist aus Eindrücken von Verona und von Siena zusammengesetzt. Noch tiefer gehende Deutung führt zu sexuellen Traumgedanken,
und ich erinnere mich, was bei einer Patientin, die nie in Italien war, die Traumanspielungen an das schöne Land bedeuten sollten (gen Italien – Genitalien), nicht ohne Anknüpfung gleichzeitig an das Haus, in dem ich vor Freund P. Arzt
war, und an die Stelle, an welcher mein Furunkel sitzt.
Der Wunsch, den Schlaf fortzusetzen.
In einem anderen Traume gelang es mir auf ähnliche Weise, eine diesmal von einer Sinnesreizung drohende Schlafstörung abzuwehren, aber es war nur ein Zufall, der mich in den
Stand setzte, den Zusammenhang des Traumes mit dem zufälligen Traumreiz zu entdecken, und solcher Art den Traum
zu verstehen. Eines Morgens erwachte ich, es war im Hochsommer in einem tirolischen Höhenort, mit dem Wissen, geträumt zu haben: Der Papst ist gestorben. Die Deutung dieses
kurzen, nicht visuellen Traumes gelang mir nicht. Ich erinnerte mich nur der einen Anlehnung für den Traum, daß in
der Zeitung kurze Zeit vorher ein leichtes Unwohlsein Sr.
Heiligkeit gemeldet worden war. Aber im Laufe des Vormittags fragt meine Frau: "Hast du heute morgens das fürchterli-
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SIGMUND FREUD
che Glockenläuten gehört?" Ich wußte nichts davon, daß ich
es gehört hatte, aber ich verstand jetzt meinen Traum. Er war
die Reaktion meines Schlafbedürfnisses auf den Lärm gewesen, durch den die frommen Tiroler mich wecken wollten. Ich
rächte mich an ihnen durch die Folgerung, die den Inhalt des
Traumes bildet, und schlief nun ganz ohne Interesse für das
Geläute weiter.
Unter den in den vorstehenden Abschnitten erwähnten
Träumen fänden sich bereits mehrere, die als Beispiele für die
Verarbeitung sogenannter Nervenreize dienen können. Der
Traum vom Trinken in vollen Zügen ist ein solcher; in ihm
ist der somatische Reiz anscheinend die einzige Traumquelle,
der aus der Sensation entspringende Wunsch – der Durst –
das einzige Traummotiv. Ähnlich ist es in anderen einfachen
Träumen, wenn der somatische Reiz für sich allein einen
Wunsch zu bilden vermag. Der Traum der Kranken, die
nachts den Kühlapparat von der Wange abwirft, zeigt eine
ungewöhnliche Art, auf Schmerzensreize mit einer Wunscherfüllung zu reagieren; es scheint, daß es der Kranken vorübergehend gelungen war, sich analgisch zu machen, wobei
sie ihre Schmerzen einem Fremden zuschob.
Mein Traum von den drei Parzen ist ein offenbarer Hungertraum, aber er weiß das Nahrungsbedürfnis bis auf die
Sehnsucht des Kindes nach der Mutterbrust zurückzuschieben, und die harmlose Begierde zur Decke für eine ernstere,
die sich nicht so unverhüllt äußern darf, zu benutzen. Im
Traume vom Grafen Thun konnten wir sehen, auf welchen
Wegen ein akzidentell gegebenes körperliches Bedürfnis mit
den stärksten, aber auch stärkst unterdrückten Regungen des
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DIE TRAUMDEUTUNG
Seelenlebens in Verbindung gebracht wird. Und wenn, wie in
dem von Garnier berichteten Falle, der erste Konsul das Geräusch der explodierenden Höllenmaschine in einen Schlachtentraum verwebt, ehe er davon erwacht, so offenbart sich darin ganz besonders klar das Bestreben, in dessen Dienst die
Seelentätigkeit sich überhaupt um die Sensationen während
des Schlafens kümmert. Ein junger Advokat, der voll von seinem ersten großen Konkurs des Nachmittags einschläft, benimmt sich ganz ähnlich wie der große Napoleon. Er träumt
von einem gewissen G. Reich in Hussiatyn, den er aus dem
Konkurs kennt, aber Hussiatyn drängt sich weiter gebieterisch auf; er muß erwachen und hört seine Frau, die an einem
Bronchialkatarrh leidet, heftig – husten.
Halten wir diesen Traum des ersten Napoleon, der übrigens ein ausgezeichneter Schläfer war, und jenen anderen des
langschläfrigen Studenten zusammen, der von seiner Zimmerfrau geweckt, er müsse ins Spital, sich in ein Spitalsbett
träumt und dann mit der Motivierung weiterschläft: Wenn
ich schon im Spital bin, brauche ich ja nicht aufzustehen, um
hinzugehen. Der letztere ist ein offenbarer Bequemlichkeitstraum, der Schläfer gesteht sich das Motiv seines Träumens
unverhohlen ein, deckt aber damit eines der Geheimnisse des
Träumens überhaupt auf. In gewissem Sinne sind alle Träume – Bequemlichkeitsträume; sie dienen der Absicht, den
Schlaf fortzusetzen, anstatt zu erwachen. Der Traum ist der
Wächter des Schlafes, nicht sein Störer. Gegen die psychisch erweckenden Momente werden wir diese Auffassung an anderer Stelle rechtfertigen; ihre Anwendbarkeit auf die Rolle der
objektiven äußeren Reize können wir hier bereits begründen.
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SIGMUND FREUD
Die Seele kümmert sich entweder überhaupt nicht um die
Anlässe zu Sensationen während des Schlafes, wenn sie dies
gegen die Intensität und die von ihr wohlverstandene Bedeutung dieser Reize vermag; oder sie verwendet den Traum dazu, diese Reize in Abrede zu stellen oder zu entwerten, oder
drittens, wenn sie dieselben anerkennen muß, so sucht sie jene Deutung derselben auf, welche die aktuelle Sensation als
einen Teilbestand einer gewünschten und mit dem Schlafen
verträglichen Situation hinstellt. Die aktuelle Sensation wird
in einen Traum verflochten, um ihr die Realität zu rauben. Napoleon darf weiter schlafen; es ist ja nur eine Traumerinnerung an den Kanonendonner von Arcole, was ihn stören
(81)
will
.
Der Wunsch zu schlafen, auf den sich das bewußte Ich eingestellt hat und der nebst der Traumzensur(82) dessen Beitrag
zum Träumen darstellt, muß so als Motiv der Traumbildung jedesmal eingerechnet werden, und jeder gelungene Traum ist eine
Erfüllung desselben. Wie dieser allgemeine, regelmäßig vor-
handene und sich gleichbleibende Schlafwunsch sich zu den
anderen Wünschen stellt, von denen bald der, bald jener
durch den Trauminhalt erfüllt werden, dies wird Gegenstand
einer anderen Auseinandersetzung sein. In dem Schlafwunsch
haben wir aber jenes Moment aufgedeckt, welches die Lücke
in der Strümpell-Wundtschen Theorie auszufüllen, die Schiefheit und Launenhaftigkeit in der Deutung des äußeren Reizes
aufzuklären vermag. Die richtige Deutung, deren die schlafende Seele sehr wohl fähig ist, nähme ein tätiges Interesse in
Anspruch, stellte die Anforderung, dem Schlafe ein Ende zu
machen; es werden darum von den überhaupt möglichen
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