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ivanov666
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DIE TRAUMDEUTUNG
C) DIE SOMATISCHEN TRAUMQUELLEN
Wenn man den Versuch macht, einen gebildeten Laien
für die Probleme des Träumens zu interessieren, und in dieser
Absicht die Frage an ihn richtet, aus welchen Quellen wohl
nach seiner Meinung die Träume herrühren, so merkt man
zumeist, daß der Gefragte im gesicherten Besitze eines Teiles
der Lösung zu sein vermeint. Er gedenkt sofort des Einflusses,
den gestörte oder beschwerte Verdauung ("Träume kommen
aus dem Magen"), zufällige Körperlage und kleine Erlebnisse
während des Schlafens auf die Traumbildung äußern, und
scheint nicht zu ahnen, daß nach Berücksichtigung all dieser
Momente etwas der Erklärung Bedürftiges noch erübrigt.
Die somatischen Traumquellen nach den Autoren.
Welche Rolle für die Traumbildung die wissenschaftliche
Literatur den somatischen Reizquellen zugesteht, haben wir
im einleitenden Abschnitt (p. 16 u. ff.) ausführlich auseinandergesetzt, so daß wir uns hier nur an die Ergebnisse dieser
Untersuchung zu erinnern brauchen. Wir haben gehört, daß
dreierlei somatische Reizquellen unterschieden werden, die
von äußeren Objekten ausgehenden objektiven Sinnesreize,
die nur subjektiv begründeten inneren Erregungszustände
der Sinnesorgane und die aus dem Körperinnern stammenden
Leibreize, und wir haben die Neigung der Autoren bemerkt,
neben diesen somatischen Reizquellen etwaige psychische
Quellen des Traumes in den Hintergrund zu drängen oder
ganz auszuschalten (p. 31). Bei der Prüfung der Ansprüche,
welche zu gunsten dieser Klassen von somatischen Reizquellen erhoben werden, haben wir erfahren, daß die Bedeutung
der objektiven Sinnesorganerregungen – teils zufällige Reize
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SIGMUND FREUD
während des Schlafes, teils solche, die sich auch vom schlafenden Seelenleben nicht fern halten lassen – durch zahlreiche
Beobachtungen sichergestellt wird und durch das Experiment
eine Bestätigung erfährt (p. 19), daß die Rolle der subjektiven
Sinneserregungen durch die Wiederkehr der hypnagogischen
Sinnesbilder in den Träumen (p. 24) dargetan erscheint, und
daß die im weitesten Umfang angenommene Zurückführung
unserer Traumbilder und Traumvorstellungen auf inneren
Leibreiz zwar nicht in ihrer ganzen Breite beweisbar ist, aber
sich an die allbekannte Beeinflussung anlehnen kann, welche
der Erregungszustand der Digestions-, Harn- und Sexualorgane auf den Inhalt unserer Träume ausübt.
"Nervenreiz" und "Leibreiz" wären also die somatischen
Quellen des Traumes, d. h. nach mehreren Autoren die einzigen Quellen des Traumes überhaupt.
Wir haben aber auch bereits einer Reihe von Zweifeln
Gehör geschenkt, welche nicht sowohl die Richtigkeit als
vielmehr die Zulänglichkeit der somatischen Reiztheorie anzugreifen schienen.
So sicher sich alle Vertreter dieser Lehre bezüglich deren
tatsächlichen Grundlagen fühlen mußten – zumal soweit die
akzidentellen und äußeren Nervenreize in Betracht kommen,
die im Trauminhalt wiederzufinden keinerlei Mühe erfordert –, so blieb doch keiner der Einsicht fern, daß der reiche
Vorstellungsinhalt der Träume eine Ableitung aus den äußeren Nervenreizen allein wohl nicht zulasse. Miß Mary
Whiton Calkins hat ihre eigenen Träume und die einer zweiten Person durch sechs Wochen hindurch von diesem Gesichtspunkte aus geprüft und nur 13.2% respektive 6.7% ge-
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funden, in denen das Element äußerer Sinneswahrnehmung
nachweisbar war; nur zwei Fälle der Sammlung ließen sich
auf organische Empfindungen zurückführen. Die Statistik bestätigt uns hier, was uns bereits eine flüchtige Überschau unserer eigenen Erfahrungen hatte vermuten lassen.
Man beschied sich vielfach, den "Nervenreiztraum" als eine gut erforschte Unterart des Traumes vor anderen Traumformen hervorzuheben. Spitta trennte die Träume in Nerven-
reiz- und Assoziationstraum. Es war aber klar, daß die Lösung
unbefriedigend blieb, solange es nicht gelang, das Band zwischen den somatischen Traumquellen und dem Vorstellungsinhalt des Traumes nachzuweisen.
Neben den ersten Einwand, der Unzulänglichkeit in der
Häufigkeit der äußeren Reizquellen, stellt sich so als zweiter
die Unzulänglichkeit in der Aufklärung des Traumes, die
durch die Einführung dieser Art von Traumquellen zu erreichen ist. Die Vertreter der Lehre sind uns zwei solcher Aufklärungen schuldig, erstens warum der äußere Reiz im Traume nicht in seiner wirklichen Natur erkannt, sondern
regelmäßig verkannt wird (vgl. die Weckerträume, p. 21), und
zweitens warum das Resultat der Reaktion der wahrnehmenden Seele auf diesen verkannten Reiz so unbestimmbar wechselvoll ausfallen kann. Als Antwort auf diese Frage haben wir
von Strümpell gehört, daß die Seele infolge ihrer Abwendung
von der Außenwelt während des Schlafens nicht im stande
ist, die richtige Deutung des objektiven Sinnesreizes zu geben, sondern genötigt wird, auf Grund der nach vielen Richtungen unbestimmten Anregung Illusionen zu bilden, in seinen Worten ausgedrückt (p. 108):
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SIGMUND FREUD
"Sobald durch einen äußeren oder inneren Nervenreiz
während des Schlafes in der Seele eine Empfindung oder ein
Empfindungskomplex, ein Gefühl, überhaupt ein psychischer
Vorgang entsteht und von der Seele perzipiert wird, so ruft
dieser Vorgang aus dem der Seele vom Wachen her verbliebenen Erfahrungskreise Empfindungsbilder, also frühere Wahrnehmungen, entweder nackt oder mit zugehörigen psychischen Werten hervor. Er sammelt gleichsam um sich eine
größere oder kleinere Anzahl solcher Bilder, durch welche
der vom Nervenreiz herrührende Eindruck seinen psychischen Wert bekommt. Man sagt gewöhnlich auch hier, wie es
der Sprachgebrauch für das wache Verhalten tut, daß die Seele im Schlafe die Nervenreizeindrücke deute. Das Resultat
dieser Deutung ist der sogenannte Nervenreiztraum, d. h. ein
Traum, dessen Bestandteile dadurch bedingt sind, daß ein
Nervenreiz nach den Gesetzen der Reproduktion seine psychische Wirkung im Seelenleben vollzieht."
In allem Wesentlichen mit dieser Lehre identisch ist die
Äußerung von Wundt, die Vorstellungen des Traumes gehen
jedenfalls zum größten Teil von Sinnesreizen aus, namentlich
auch von solchen des allgemeinen Sinnes, und sind daher zumeist phantastische Illusionen, wahrscheinlich nur zum kleineren Teil reine, zu Halluzinationen gesteigerte Erinnerungsvorstellungen. Für das Verhältnis des Trauminhaltes zu
den Traumreizen, welches sich nach dieser Theorie ergibt,
findet Strümpell das treffliche Gleichnis (p. 84), es sei, wie
"wenn die zehn Finger eines der Musik ganz unkundigen
Menschen über die Tasten des Instruments hinlaufen". Der
Traum erschiene so nicht als ein seelisches Phänomen, aus
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psychischen Motiven entsprungen, sondern als der Erfolg eines physiologischen Reizes, der sich in psychischer Symptomatologie äußert, weil der vom Reize betroffene Apparat keiner anderen Äußerung fähig ist. Auf eine ähnliche
Voraussetzung ist z. B. die Erklärung der Zwangsvorstellungen aufgebaut, die Meynert durch das berühmte Gleichnis
vom Zifferblatt, auf dem einzelne Zahlen stärker gewölbt
vorspringen, zu geben versuchte.
So beliebt diese Lehre von den somatischen Traumreizen
geworden ist und so bestechend sie erscheinen mag, so ist es
doch leicht, den schwachen Punkt in ihr aufzuweisen. Jeder
somatische Traumreiz, welcher im Schlafe den seelischen Apparat zur Deutung durch Illusionsbildung auffordert, kann
ungezählt viele solcher Deutungsversuche anregen, also in
ungemein verschiedenen Vorstellungen seine Vertretung im
(79)
Trauminhalt erreichen
. Die Lehre von Strümpell und
Wundt ist aber unfähig, irgend ein Motiv anzugeben, welches
die Beziehung zwischen dem äußeren Reiz und der zu seiner
Deutung gewählten Traumvorstellung regelt, also die "sonderbare Auswahl" zu erklären, welche die Reize "oft genug
bei ihrer reproduktiven Wirksamkeit treffen". (Lipps, Grundtatsachen des Seelenlebens, p. 170.) Andere Einwendungen
richten sich gegen die Grundvoraussetzung der ganzen Illusionslehre, daß die Seele im Schlafe nicht in der Lage sei, die
wirkliche Natur der objektiven Sinnesreize zu erkennen. Der
alte Physiologe Burdach beweist uns, daß die Seele auch im
Schlafe sehr wohl fähig ist, die an sie gelangenden Sinneseindrücke richtig zu deuten und der richtigen Deutung gemäß
zu reagieren, indem er ausführt, daß man gewisse, dem Indivi-
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SIGMUND FREUD
duum wichtig erscheinende Sinneseindrücke von der Vernachlässigung während des Schlafes ausnehmen kann (Amme und Kind), und daß man durch den eigenen Namen weit
sicherer geweckt wird als durch einen gleichgültigen Gehörseindruck, was ja voraussetzt, daß die Seele auch im Schlafe
zwischen den Sensationen unterscheidet (Abschnitt I,
p. 39/40). Burdach folgert aus diesen Beobachtungen, daß
während des Schlafzustandes nicht eine Unfähigkeit, die Sinnesreize zu deuten, sondern ein Mangel an Interesse für sie anzunehmen ist. Die nämlichen Argumente, die Burdach 1830
verwendet, kehren dann zur Bekämpfung der somatischen
Reiztheorie unverändert bei Lipps im Jahre 1883 wieder. Die
Seele erscheint uns demnach wie der Schläfer in der Anekdote, der auf die Frage "Schläfst du" antwortet "Nein", nach der
zweiten Anrede, "dann leih’ mir zehn Gulden" aber sich hinter der Ausrede verschanzt: "Ich schlafe".
Die Unzulänglichkeit der Lehre von den somatischen
Traumreizen läßt sich auch auf andere Weise dartun. Die Beobachtung zeigt, daß ich durch äußere Reize nicht zum Träumen genötigt werde, wenngleich diese Reize im Trauminhalt
erscheinen, sobald und für den Fall, daß ich träume. Gegen
einen Haut- oder Druckreiz etwa, der mich im Schlafe befällt,
stehen mir verschiedene Reaktionen zu Gebote. Ich kann ihn
überhören und dann beim Erwachen finden, daß z. B. ein Bein
unbedeckt oder ein Arm gedrückt war; die Pathologie zeigt
mir ja die zahlreichsten Beispiele, daß verschiedenartige und
kräftig erregende Empfindungs- und Bewegungsreize während des Schlafes wirkungslos bleiben. Ich kann die Sensation
während des Schlafes verspüren, gleichsam durch den Schlaf
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hindurch, wie es in der Regel mit schmerzhaften Reizen geschieht, aber ohne den Schmerz in einen Traum zu verweben;
und ich kann drittens auf den Reiz erwachen, um ihn zu beseitigen. Erst eine vierte mögliche Reaktion ist, daß ich durch
den Nervenreiz zum Traum veranlaßt werde; die anderen
Möglichkeiten werden aber mindestens ebenso häufig vollzogen wie die der Traumbildung. Dies könnte nicht geschehen,
wenn nicht das Motiv des Träumens außerhalb der somatischen
Reizquellen läge.
Die Schernersche Leibreiztheorie.
In gerechter Würdigung jener oben aufgedeckten Lücke
in der Erklärung des Traumes durch somatische Reize haben
nun andere Autoren – Scherner, dem der Philosoph Volkelt
sich anschloß – die Seelentätigkeiten, welche aus den somatischen Reizen die bunten Traumbilder entstehen lassen, näher zu bestimmen gesucht, also doch wieder das Wesen des
Träumens ins Seelische und in eine psychische Aktivität verlegt. Scherner gab nicht nur eine poetisch nachempfundene,
glühend belebte Schilderung der psychischen Eigentümlichkeiten, die sich bei der Traumbildung entfalten; er glaubte
auch das Prinzip erraten zu haben, nach dem die Seele mit
den ihr dargebotenen Reizen verfährt. In freier Betätigung
der ihrer Tagesfesseln entledigten Phantasie strebt nach
Scherner die Traumarbeit dahin, die Natur des Organs, von
dem der Reiz ausgeht, und die Art dieses Reizes symbolisch
darzustellen. Es ergibt sich so eine Art von Traumbuch als
Anleitung zur Deutung der Träume, mittels dessen aus
Traumbildern auf Körpergefühle, Organzustände und Reizzustände geschlossen werden darf. "So drückt das Bild der
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SIGMUND FREUD
Katze die ärgerliche Mißstimmung des Gemütes aus, das Bild
des hellen und glatten Gebäcks die Leibesnacktheit. Der
menschliche Leib als Ganzes wird von der Traumphantasie
als Haus vorgestellt, das einzelne Körperorgan durch einen
Teil des Hauses. In den 'Zahnreizträumen' entspricht dem
Mundorgan ein hochgewölbter Hausflur und dem Hinabfall
des Schlundes zur Speiseröhre eine Treppe, im 'Kopfschmerztraum' wird zur Bezeichnung der Höhenstellung des Kopfes
die Decke eines Zimmers gewählt, welche mit ekelhaften,
krötenartigen Spinnen bedeckt ist" (p. 39). "Diese Symbole
werden vom Traume in mehrfacher Auswahl für das nämliche Organ verwendet; so findet die atmende Lunge in dem
flammenerfüllten Ofen mit seinem Brausen ihr Symbol, das
Herz in hohlen Kisten und Körben, die Harnblase in runden,
beutelförmigen oder überhaupt nur ausgehöhlten Gegenständen. Besonders wichtig ist es, daß am Schlusse des Traumes öfter das erregende Organ oder dessen Funktion unverhüllt hingestellt wird, und zwar zumeist an dem eigenen
Leibe des Träumers. So endet der 'Zahnreiztraum' gewöhnlich damit, daß der Träumer sich einen Zahn aus dem Munde
zieht" (p. 35). Man kann nicht sagen, daß diese Theorie der
Traumdeutung viel Gunst bei den Autoren gefunden hat. Sie
erschien vor allem extravagant; man hat selbst gezögert, das
Stück Berechtigung herauszufinden, das sie nach meinem Urteil beanspruchen darf. Sie führt, wie man sieht, zur Wiederbelebung der Traumdeutung mittels Symbolik, deren sich die
Alten bedienten, nur daß das Gebiet, aus welchem die Deutung geholt werden soll, auf den Umfang der menschlichen
Leiblichkeit beschränkt wird. Der Mangel einer wissenschaft-
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lich faßbaren Technik bei der Deutung muß die Anwendbarkeit der Schernerschen Lehre schwer beeinträchtigen. Willkür in der Traumdeutung scheint keineswegs ausgeschlossen,
zumal da auch hier ein Reiz sich in mehrfachen Vertretungen im Trauminhalt äußern kann; so hat bereits Scherners
Anhänger Volkelt die Darstellung des Körpers als Haus nicht
bestätigen können. Es muß auch Anstoß erregen, daß hier
wiederum der Seele die Traumarbeit als nutz- und ziellose
Betätigung auferlegt ist, da sich doch nach der in Rede stehenden Lehre die Seele damit begnügt, über den sie beschäftigenden Reiz zu phantasieren, ohne daß etwas wie eine Erledigung des Reizes in der Ferne winkte.
Von einem Einwand aber wird die Schernersche Lehre der
Symbolisierung von Leibreizen durch den Traum schwer getroffen. Diese Leibreize sind jederzeit vorhanden, die Seele ist
für sie nach allgemeiner Annahme während des Schlafens zugänglicher als im Wachen. Man versteht dann nicht, warum
die Seele nicht kontinuierlich die Nacht hindurch träumt,
und zwar jede Nacht von allen Organen. Will man sich diesem
Einwand durch die Bedingung entziehen, es müßten vom Auge, Ohre, von den Zähnen, Därmen usw. besondere Erregungen ausgehen, um die Traumtätigkeit zu wecken, so steht man
vor der Schwierigkeit, diese Reizsteigerungen als objektiv zu
erweisen, was nur in einer geringen Zahl von Fällen möglich
ist. Wenn der Traum vom Fliegen eine Symbolisierung des
Auf- und Niedersteigens der Lungenflügel bei der Atmung bedeutet, so müßte entweder dieser Traum, wie schon Strümpell
bemerkt, weit häufiger geträumt werden oder eine gesteigerte
Atmungstätigkeit während dieses Traumes nachweisbar sein.
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SIGMUND FREUD
Es ist noch ein dritter Fall möglich, der wahrscheinlichste von
allen, daß nämlich zeitweise besondere Motive wirksam sind,
um den gleichmäßig vorhandenen viszeralen Sensationen
Aufmerksamkeit zuzuwenden, aber dieser Fall führt bereits
über die Schernersche Theorie hinaus.
Der Wert der Erörterungen von Scherner und Volkelt
liegt darin, daß sie auf eine Reihe von Charakteren des
Trauminhaltes aufmerksam machen, welche der Erklärung
bedürftig sind und neue Erkenntnisse zu verdecken scheinen.
Es ist ganz richtig, daß in den Träumen Symbolisierungen von
Körperorganen und Funktionen enthalten sind, daß Wasser
im Traume häufig auf Harnreiz deutet, daß das männliche Genitale durch einen aufrecht stehenden Stab oder eine Säule
dargestellt werden kann usw. In Träumen, welche ein sehr bewegtes Gesichtsfeld und leuchtende Farben zeigen, im Gegensatz zu der Mattigkeit anderer Träume, kann man die Deutung als "Gesichtsreiztraum" kaum abweisen, ebensowenig
den Beitrag der Illusionsbildung in Träumen bestreiten, welche Lärm und Stimmengewirr enthalten. Ein Traum, wie der
von Scherner, daß zwei Reihen schöner blonder Knaben auf
einer Brücke einander gegenüberstehen, sich gegenseitig angreifen, dann wieder ihre alte Stellung einnehmen, bis endlich der Träumer sich auf eine Brücke setzt und einen langen
Zahn aus seinem Kiefer zieht; oder ein ähnlicher von Volkelt,
in dem zwei Reihen von Schubladen eine Rolle spielen, und
der wiederum mit dem Ausziehen eines Zahnes endigt: dergleichen bei beiden Autoren in großer Fülle mitgeteilte
Traumbildungen lassen es nicht zu, daß man die Schernersche
Theorie als müßige Erfindung bei Seite wirft, ohne nach ihrem
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