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Файл:Die Traumdeutung
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DIE TRAUMDEUTUNG
Da die Frau im Traume so steht wie er beim Urinieren, so
handelt es sich um ein urinierendes Weib, und dazu gehört
dann der gräßliche "Anblick", das Vorstehen des roten Fleisches, was sich nur auf die beim Kauern klaffenden Genitalien
beziehen kann, die, in der Kinderzeit gesehen, in der späteren
Erinnerung als "wildes Fleisch", als "Wunde" wieder auftreten.
Der Traum vereinigt zwei Anlässe, bei denen der kleine Knabe die Genitalien kleiner Mädchen sehen konnte, beim Hin-
werfen und bei deren Urinieren, und wie aus dem anderen Zusammenhang hervorgeht, bewahrt er die Erinnerung an eine
Züchtigung oder Drohung des Vaters wegen der von dem Buben bei diesen Anlässen bewiesenen sexuellen Neugierde.
IV. Eine ganze Summe von Kindererinnerungen, zu einer
Phantasie notdürftig vereinigt, findet sich hinter folgendem
Traume einer jüngeren Dame.
Sie geht in Hetze aus, Kommissionen zu machen. Auf dem
Graben sinkt sie dann, wie zusammengebrochen, in die Knie.
Viele Leute sammeln sich um sie, besonders die Fiakerkutscher;
aber niemand hilft ihr auf. Sie macht viele vergebliche Versuche;
endlich muß es gelungen sein, denn man setzt sie in einen Fiaker,
der sie nach Hause bringen soll; durchs Fenster wirft man ihr einen großen schwer gefüllten Korb nach (ähnlich einem Einkaufskorbe).
Es ist dieselbe, die in ihren Träumen immer gehetzt wird,
wie sie als Kind gehetzt hat. Die erste Situation des Traumes
ist offenbar von dem Anblicke eines gestürzten Pferdes hergenommen, wie auch das "Zusammenbrechen" auf Wettrennen
deutet. Sie war in jungen Jahren Reiterin, in noch jüngeren
wahrscheinlich auch Pferd. Zu dem Hinstürzen gehört die
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SIGMUND FREUD
erste Kindheitserinnerung an den 17 jährigen Sohn des Portiers, der, auf der Straße von epileptischen Krämpfen befallen,
im Wagen nach Hause gebracht wurde. Davon hat sie natürlich nur gehört, aber die Vorstellung von epileptischen
Krämpfen, vom "Hinfallenden" hat große Macht über ihre
Phantasie gewonnen und später ihre eigenen hysterischen
Anfälle in ihrer Form beeinflußt. – Wenn eine Frauensperson vom Fallen träumt, so hat das wohl regelmäßig einen sexuellen Sinn, sie wird eine "Gefallene"; für unseren Traum
wird diese Deutung am wenigsten zweifelhaft sein, denn sie
fällt auf dem Graben, jenem Platze von Wien, der als Korso
der Prostitution bekannt ist. Der Einkaufskorb gibt mehr als
eine Deutung; als Korb erinnert er an die vielen Körbe, die sie
zuerst ihren Freiern ausgeteilt, und später, wie sie meint, sich
auch selbst geholt hat. Dazu gehört dann auch, daß ihr niemand aufhelfen will, was sie selbst als Verschmähtwerden
auslegt. Ferner erinnert der Einkaufskorb an Phantasien, die
der Analyse bereits bekannt geworden sind, in denen sie tief
unter ihrem Stande geheiratet hat und nun selbst zu Markte
einkaufen geht. Endlich aber könnte der Einkaufskorb als
Zeichen einer dienenden Person gedeutet werden. Dazu kommen nun weitere Kindheitserinnerungen, an eine Köchin, die
weggeschickt wurde, weil sie stahl; die ist auch so in die Knie
gesunken und hat gefleht. Sie war damals zwölf Jahre alt. Dann
an ein Stubenmädchen, das weggeschickt wurde, weil es sich
mit dem Kutscher des Hauses abgab, der sie übrigens später
heiratete. Diese Erinnerung ergibt uns also eine Quelle für
die Kutscher im Traume (die sich im Gegensatz zur Wirklichkeit der Gefallenen nicht annehmen). Es bleibt aber noch das
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Nachwerfen des Korbes, und zwar durchs Fenster, zu erklären.
Das mahnt sie an das Expedieren des Gepäcks auf der Eisenbahn, an das "Fensterln" auf dem Lande, an kleine Eindrücke
von dem Landaufenthalte, wie ein Herr einer Dame blaue
Pflaumen durchs Fenster in ihr Zimmer wirft, wie ihre kleine
Schwester sich gefürchtet, weil ein vorübergehender Trottel
durchs Fenster ins Zimmer sah. Und nun taucht dahinter eine dunkle Erinnerung aus dem zehnten Lebensjahre auf von
einer Bonne, die auf dem Lande Liebesszenen mit einem Diener des Hauses aufführte, von denen das Kind doch etwas gemerkt haben konnte, und die mitsamt ihrem Liebhaber "ex-
pediert", "hinausgeworfen" wurde (im Traume der Gegensatz:
"hineingeworfen"), eine Geschichte, der wir uns auch von
mehreren anderen Wegen her genähert hatten. Das Gepäck,
der Koffer einer dienenden Person, wird aber in Wien geringschätzig als die "sieben Zwetschken" bezeichnet. "Pack’ deine
sieben Zwetschken zusammen und geh’."
Kinderszenen im latenten Trauminhalt.
An solchen Träumen von Patienten, deren Analyse zu
dunkel oder gar nicht mehr erinnerten Kindereindrücken,
oft aus den ersten drei Lebensjahren, führt, hat meine Sammlung natürlich überreichen Vorrat. Es ist aber mißlich,
Schlüsse aus ihnen zu ziehen, die für den Traum im allgemeinen gelten sollen; es handelt sich ja regelmäßig um neurotische, speziell hysterische Personen, und die Rolle, welche den
Kinderszenen in diesen Träumen zufällt, könnte durch die
Natur der Neurose und nicht durch das Wesen des Traumes
bedingt sein. Indes begegnet es mir bei der Deutung meiner
eigenen Träume, die ich doch nicht wegen grober Leidens-
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SIGMUND FREUD
symptome unternehme, ebenso oft, daß ich im latenten
Trauminhalt unvermutet auf eine Infantilszene stoße, und
daß mir eine ganze Serie von Träumen mit einemmal in die
von einem Kindererlebnis ausgehenden Bahnen einmündet.
Beispiele hiefür habe ich schon erbracht und werde ich noch
bei verschiedenen Anlässen weiter erbringen. Vielleicht kann
ich den ganzen Abschnitt nicht besser beschließen als durch
Mitteilung einiger eigenen Träume, in denen rezente Anlässe
und langvergessene Kindererlebnisse mitsammen als Traumquellen auftreten.
Nachdem ich gereist bin, müde und hungrig das Bett aufgesucht habe, melden sich im Schlafe die großen Bedürfnisse des
Lebens und ich träume: Ich gehe in eine Küche, um mir Mehl-
speise geben zu lassen. Dort stehen drei Frauen, von denen eine
die Wirtin ist und etwas in der Hand dreht, als ob sie Knödel machen würde. Sie antwortet, daß ich warten soll, bis sie fertig ist
(nicht deutlich als Rede). Ich werde ungeduldig und gehe beleidigt weg. Ich ziehe einen Überrock an; der erste, den ich versuche,
ist mir aber zu lang. Ich ziehe ihn wieder aus, etwas überrascht,
daß er Pelzbesatz hat. Ein zweiter, den ich anziehe, hat einen langen Streifen mit türkischer Zeichnung eingesetzt. Ein Fremder mit
langem Gesichte und kurzem Spitzbarte kommt hinzu und hindert mich am Anziehen, indem er ihn für den seinen erklärt. Ich
zeige ihm nun, daß er über und über türkisch gestickt ist. Er fragt:
Was gehen Sie die türkischen (Zeichnungen, Streifen . . . .) an?
Wir sind aber dann ganz freundlich miteinander.
In der Analyse dieses Traumes fällt mir ganz unerwartet
der erste Roman ein, den ich, vielleicht 13 jährig, gelesen, d. h.
mit dem Ende des ersten Bandes begonnen hatte. Den Namen
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DIE TRAUMDEUTUNG
des Romans und seines Autors habe ich nie gewußt, aber der
Schluß ist mir nun in lebhafter Erinnerung. Der Held verfällt
in Wahnsinn und ruft beständig die drei Frauennamen, die
ihm im Leben das größte Glück und das Unheil bedeutet haben. Pélagie ist einer dieser Namen. Noch weiß ich nicht, was
ich mit diesem Einfall in der Analyse beginnen werde. Da tauchen zu den drei Frauen die drei Parzen auf, die das Geschick
des Menschen spinnen, und ich weiß, daß eine der drei Frauen, die Wirtin im Traume, die Mutter ist, die das Leben gibt,
mitunter auch, wie bei mir, dem Lebenden die erste Nahrung.
An der Frauenbrust treffen sich Liebe und Hunger. Ein junger
Mann, erzählt die Anekdote, der ein großer Verehrer der
Frauenschönheit wurde, äußerte einmal, als die Rede auf die
schöne Amme kam, die ihn als Säugling genährt: es tue ihm
leid, die gute Gelegenheit damals nicht besser ausgenutzt zu
haben. Ich pflege mich der Anekdote zur Erläuterung für das
Moment der Nachträglichkeit in dem Mechanismus der Psychoneurosen zu bedienen. – Die eine der Parzen also reibt
die Handflächen aneinander, als ob sie Knödel machen würde.
Eine sonderbare Beschäftigung für eine Parze, welche dringend der Aufklärung bedarf! Diese kommt nun aus einer anderen und früheren Kindererinnerung. Als ich sechs Jahre alt
war und den ersten Unterricht bei meiner Mutter genoß,
sollte ich glauben, daß wir aus Erde gemacht sind und darum
zur Erde zurückkehren müssen. Es behagte mir aber nicht
und ich zweifelte die Lehre an. Da rieb die Mutter die Handflächen aneinander – ganz ähnlich wie beim Knödelmachen,
nur daß sich kein Teig zwischen ihnen befindet – und zeigte
mir die schwärzlichen Epidermisschuppen, die sich dabei ab-
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SIGMUND FREUD
reiben, als eine Probe der Erde, aus der wir gemacht sind, vor.
Mein Erstaunen über diese Demonstration ad oculos war
grenzenlos, und ich ergab mich in das, was ich später in den
Worten ausgedrückt hören sollte: Du bist der Natur einen
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Tod schuldig
. So sind es also wirklich Parzen, zu denen ich
in die Küche gehe, wie so oft in den Kinderjahren, wenn ich
hungrig war, und die Mutter beim Herd mich mahnte zu warten, bis das Mittagessen fertig sei. Und nun die Knödel! Wenigstens einer meiner Universitätslehrer, aber gerade der,
dem ich meine histologischen Kenntnisse (Epidermis) verdanke, könnte sich bei dem Namen Knödel an eine Person erinnern, die er belangen mußte, weil sie ein Plagiat an seinen
Schriften begangen hatte. Ein Plagiat begehen, sich aneignen,
was man bekommen kann, auch wenn es einem anderen gehört, leitet offenbar zum zweiten Teil des Traumes, in dem ich
wie der Überrockdieb behandelt werde, der eine Zeitlang in
den Hörsälen sein Wesen trieb. Ich habe den Ausdruck Plagiat niedergeschrieben, absichtslos, weil er sich mir darbot, und
nun merke ich, daß er dem latenten Trauminhalt angehören
muß, weil er als Brücke zwischen den verschiedenen Stücken
des manifesten Trauminhaltes dienen kann. Die Assoziati-
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onskette – Pélagie – Plagiat – Plagiostomen
(Haifische) –
Fischblase verbindet den alten Roman mit der Affäre Knödl
und mit den Überziehern, die ja offenbar ein Gerät der sexuellen Technik bedeuten. (Vgl. Maurys Traum vom Kilo – Lot-
to, p. 45.) Eine höchst gezwungene und unsinnige Verbindung zwar, aber doch keine, die ich im Wachen herstellen
könnte, wenn sie nicht schon durch die Traumarbeit hergestellt wäre. Ja, als ob dem Drange, Verbindungen zu erzwin-
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gen, gar nichts heilig wäre, dient nun der teure Name Brücke
(Wortbrücke s. o.) dazu, mich an dasselbe Institut zu erinnern, in dem ich meine glücklichsten Stunden als Schüler
verbracht, sonst ganz bedürfnislos ("So wird’s Euch an der
Weisheit Brüsten mit jedem Tage mehr gelüsten"), im vollsten
Gegensatz zu den Begierden, die mich, während ich träume,
plagen. Und endlich taucht die Erinnerung an einen anderen
teuren Lehrer auf, dessen Name wiederum an etwas Eßbares
anklingt (Fleischl, wie Knödl) und an eine traurige Szene, in
der Epidermisschuppen eine Rolle spielen (die Mutter – Wirtin) und Geistesstörung (der Roman) und ein Mittel aus der
lateinischen Küche, das den Hunger benimmt, das Kokain.
So könnte ich den verschlungenen Gedankenwegen weiterfolgen und das in der Analyse fehlende Stück des Traumes
voll aufklären, aber ich muß es unterlassen, weil die persönlichen Opfer, die es erfordern würde, zu groß sind. Ich greife
nur einen der Fäden auf, der direkt zu einem der dem Gewirre
zu grunde liegenden Traumgedanken führen kann. Der Fremde mit langem Gesichte und Spitzbarte, der mich am Anziehen hindern will, trägt die Züge eines Kaufmannes in Spalato,
bei dem meine Frau reichlich türkische Stoffe eingekauft hat.
Er hieß Popović, ein verdächtiger Name, der auch dem Humoristen Stettenheim zu einer andeutungsvollen Bemerkung Anlaß gegeben hat. ("Er nannte mir seinen Namen und drückte
mir errötend die Hand.") Übrigens derselbe Mißbrauch mit
Namen wie oben mit Pélagie, Knödl, Brücke, Fleischl. Daß solche Namenspielerei Kinderunart ist, darf man ohne Widerspruch behaupten; wenn ich mich in ihr ergehe, ist es aber ein
Akt der Vergeltung, denn mein eigener Name ist unzählige-
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male solchen schwachsinnigen Witzeleien zum Opfer gefallen. Goethe bemerkte einmal, wie empfindlich man für seinen
Namen ist, mit dem man sich verwachsen fühlt wie mit seiner
Haut, als Herder auf seinen Namen dichtete:
"Der du von Göttern abstammst, von Goten oder vom Kote" –
"So seid ihr Götterbilder auch zu Staub."
Ich merke, daß die Abschweifung über den Mißbrauch
von Namen nur diese Klage vorbereiten sollte. Aber brechen
wir hier ab. – Der Einkauf in Spalato mahnt mich an einen
anderen Einkauf in Cattaro, bei dem ich allzu zurückhaltend
war und die Gelegenheit zu schönen Erwerbungen versäumte. (Die Gelegenheit bei der Amme versäumt, s. o.) Einer der
Traumgedanken, die dem Träumer der Hunger eingibt, lautet
nämlich: Man soll sich nichts entgehen lassen, nehmen, was man
haben kann, auch wenn ein kleines Unrecht dabei mitläuft; man
soll keine Gelegenheit versäumen, das Leben ist so kurz, der Tod
unvermeidlich. Weil es auch sexuell gemeint ist und weil die
Begierde vor dem Unrecht nicht haltmachen will, hat dieses
"carpe diem" die Zensur zu fürchten und muß sich hinter einem Traume verbergen. Dazu kommen nun alle Gegengedanken zu Wort, die Erinnerung an die Zeit, da die geistige
Nahrung dem Träumer allein genügte, alle Abhaltungen und
selbst die Drohungen mit den ekelhaften sexuellen Strafen.
Ein revolutionärer Traum.
II. Ein zweiter Traum erfordert einen längeren Vorbericht:
Ich bin auf den Westbahnhof gefahren, um meine Ferienreise nach Aussee anzutreten, gehe aber schon zum früher abgehenden Ischler Zuge auf den Perron. Dort sehe ich nun
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den Grafen Thun dastehen, der wiederum zum Kaiser nach
Ischl fährt. Er war trotz des Regens im offenen Wagen angekommen, direkt durch die Eingangstür für Lokalzüge hinausgetreten und hatte den Türhüter, der ihn nicht kannte und
ihm das Billett abnehmen wollte, mit einer kurzen Handbewegung ohne Erklärung von sich gewiesen. Ich soll dann,
nachdem er im Ischler Zuge abgefahren ist, den Perron wieder verlassen und in den heißen Wartesaal zurückgehen, setze es aber mühselig durch, daß ich bleiben darf. Ich vertreibe
mir die Zeit, aufzupassen, wer da kommen wird, um sich auf
dem Protektionswege ein Coupé anweisen zu lassen; nehme
mir vor, dann Lärm zu schlagen, d. h. gleiches Recht zu verlangen. Unterdessen singe ich mir etwas vor, was ich dann als
die Arie aus Figaros Hochzeit erkenne:
"Will der Herr Graf ein Tänzelein wagen,
Tänzelein wagen,
Soll er’s nur sagen,
Ich spiel’ ihm eins auf."
(Ein anderer hätte den Gesang vielleicht nicht erkannt.)
Ich war den ganzen Abend in übermütiger, streitlustiger
Stimmung gewesen, hatte Kellner und Kutscher gefrozzelt,
hoffentlich ohne ihnen wehe zu tun; nun gehen mir allerlei
freche und revolutionäre Gedanken durch den Kopf, wie sie
zu den Worten Figaros passen und zur Erinnerung an die Komödie von Beaumarchais, die ich in der Comédie française
aufführen gesehen. Das Wort von den großen Herren, die
sich die Mühe gegeben haben, geboren zu werden; das Herrenrecht, das der Graf Almaviva bei Susanne zur Geltung
bringen will; die Scherze, die unsere bösen oppositionellen
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Tagschreiber mit dem Namen des Grafen Thun anstellen, indem sie ihn Graf Nichtsthun nennen. Ich beneide ihn wirklich nicht; er hat jetzt einen schweren Gang zum Kaiser, und
ich bin der eigentliche Graf Nichtsthun; ich gehe auf Ferien.
Allerlei lustige Ferienvorsätze dazu. Es kommt nun ein Herr,
der mir als Regierungsvertreter bei den medizinischen Prüfungen bekannt ist, und der sich durch seine Leistungen in
dieser Rolle den schmeichelhaften Beinamen des "Regierungsbeischläfers" zugezogen hat. Er verlangt unter Berufung
auf seine amtliche Eigenschaft ein Halbcoupé erster Klasse
und ich höre den Beamten zu einem anderen sagen: Wo geben wir den Herrn mit der halben Ersten hin? Eine nette Bevorzugung; ich zahle meine erste Klasse ganz. Ich bekomme
dann auch ein Coupé für mich, aber nicht in einem durchgehenden Wagen, so daß mir die Nacht über kein Abort zur
Verfügung steht. Meine Klage beim Beamten hat keinen Erfolg; ich räche mich, indem ich ihm den Vorschlag mache, in
diesem Coupé wenigstens ein Loch im Boden anbringen zu
lassen für etwaige Bedürfnisse der Reisenden. Ich erwache
auch wirklich um ¾3 Uhr morgens mit Harndrang aus nachstehendem Traume.
Menschenmenge, Studentenversammlung. – Ein Graf
(Thun oder Taaffe) redet. Aufgefordert, etwas über die Deutschen zu sagen, erklärt er mit höhnischer Gebärde für ihre Lieblingsblume den Huflattich und steckt dann etwas wie ein zerfetztes Blatt, eigentlich ein zusammengeknülltes Blattgerippe ins
Knopfloch. Ich fahre auf, fahre also auf(73), wundere mich
aber doch über diese meine Gesinnung. Dann undeutlicher: Als
ob es die Aula wäre, die Zugänge besetzt, und man müßte fliehen.
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