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ivanov666
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Файл:Die Traumdeutung
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DIE TRAUMDEUTUNG
der Aufenthalt in Rom aus Rücksichten der Gesundheit zu
(69)
meiden
. So träume ich denn einmal, daß ich vom Coupéfenster aus Tiber und Engelsbrücke sehe; dann setzt sich der
Zug in Bewegung, und es fällt mir ein, daß ich die Stadt ja gar
nicht betreten habe. Die Aussicht, die ich im Traume sah, war
einem bekannten Stiche nachgebildet, den ich Tags zuvor im
Salon eines Patienten flüchtig bemerkt hatte. Ein andermal
führt mich jemand auf einen Hügel und zeigt mir Rom, vom
Nebel halb verschleiert und noch so fern, daß ich mich über
die Deutlichkeit der Aussicht wundere. Der Inhalt dieses
Traumes ist reicher, als ich hier ausführen möchte. Das Motiv, "das Gelobte Land von fern sehen", ist darin leicht zu erkennen. Die Stadt, die ich so zuerst im Nebel gesehen habe,
ist Lübeck; der Hügel findet sein Vorbild in – Gleichenberg. In
einem dritten Traume bin ich endlich in Rom, wie mir der
Traum sagt. Ich sehe aber zu meiner Enttäuschung eine keineswegs städtische Szenerie, einen kleinen Fluß mit dunklem
Wasser, auf der einen Seite desselben schwarze Felsen, auf der
anderen Wiesen mit großen weißen Blumen. Ich bemerke einen
Herrn Zucker (den ich oberflächlich kenne) und beschließe,
ihn um den Weg in die Stadt zu fragen. Es ist offenbar, daß ich
mich vergebens bemühe, eine Stadt im Traume zu sehen, die
ich im Wachen nicht gesehen habe. Wenn ich das Landschaftsbild des Traumes in seine Elemente zersetze, so deuten
die weißen Blumen auf das mir bekannte Ravenna, das wenigstens eine Zeitlang als Italiens Hauptstadt Rom den Vorrang abgenommen hatte. In den Sümpfen um Ravenna haben
wir die schönsten Seerosen mitten im schwarzen Wasser gefunden; der Traum läßt sie auf Wiesen wachsen wie die Nar-
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zissen in unserem Aussee, weil es damals so mühselig war, sie
aus dem Wasser zu holen. Der dunkle Fels, so nahe am Wasser, erinnert lebhaft an das Tal der Tepl bei Karlsbad. "Karlsbad" setzt mich nun in den Stand, mir den sonderbaren Zug
zu erklären, daß ich Herrn Zucker um den Weg frage. Es sind
hier in dem Material, aus dem der Traum gesponnen ist, zwei
jener lustigen jüdischen Anekdoten zu erkennen, die so viel
tiefsinnige, oft bittere Lebensweisheit verbergen, und die wir
in Gesprächen und Briefen so gern zitieren. Die eine ist die
Geschichte von der "Konstitution", des Inhaltes, wie ein armer Jude ohne Fahrbillett den Einlaß in den Eilzug nach
Karlsbad erschleicht, dann ertappt, bei jeder Revision vom
Zuge gewiesen und immer härter behandelt wird, und der
dann einem Bekannten, welcher ihn auf einer seiner Leidensstationen antrifft, auf die Frage, wohin er reise, zur Antwort gibt: "Wenn’s meine Konstitution aushält – nach Karls-
bad." Nahe dabei ruht im Gedächtnis eine andere Geschichte
von einem des Französischen unkundigen Juden, dem eingeschärft wird, in Paris nach dem Wege zur Rue Richelieu zu
fragen. Auch Paris war lange Jahre hindurch ein Ziel meiner
Sehnsucht, und die Seligkeit, in welcher ich zuerst den Fuß
auf das Pflaster von Paris setzte, nahm ich als Gewähr, daß
ich auch die Erfüllung anderer Wünsche erreichen werde.
Das Um-den-Weg-Fragen ist ferner eine direkte Anspielung
an Rom, denn nach Rom führen bekanntlich alle Wege. Übrigens deutet der Name Zucker wiederum auf Karlsbad, wohin
wir doch alle mit der konstitutionellen Krankheit Diabetes
Behafteten schicken. Der Anlaß dieses Traumes war der Vorschlag meines Berliner Freundes, uns zu Ostern in Prag zu
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treffen. Aus den Dingen, die ich mit ihm zu besprechen hatte, würde sich eine weitere Beziehung zu Zucker und Diabetes ergeben.
Ein vierter Traum, kurz nach dem letzterwähnten, bringt
mich wieder nach Rom. Ich sehe eine Straßenecke vor mir
und wundere mich darüber, daß dort so viele deutsche Plakate angeschlagen sind. Tags vorher hatte ich meinem Freunde
in prophetischer Voraussicht geschrieben, Prag dürfte für
deutsche Spaziergänger kein bequemer Aufenthaltsort sein.
Der Traum drückte also gleichzeitig den Wunsch aus, ihn in
Rom zu treffen anstatt in einer böhmischen Stadt, und das
wahrscheinlich aus der Studentenzeit stammende Interesse
daran, daß in Prag der deutschen Sprache mehr Duldung gewährt sein möge. Die tschechische Sprache muß ich übrigens
in meinen drei ersten Kinderjahren verstanden haben, da ich
in einem kleinen Orte Mährens mit slawischer Bevölkerung
geboren bin. Ein tschechischer Kindervers, den ich in meinem 17. Jahre gehört, hat sich meinem Gedächtnis mühelos
so eingeprägt, daß ich ihn noch heute hersagen kann, obwohl
ich keine Ahnung von seiner Bedeutung habe. Es fehlt also
auch diesen Träumen nicht an mannigfaltigen Beziehungen
zu den Eindrücken meiner ersten Lebensjahre.
Auf meiner letzten Italienreise, die mich unter anderm
am Trasimenersee vorüberführte, fand ich endlich, nachdem
ich den Tiber gesehen und schmerzlich bewegt 80 Kilometer
weit von Rom umgekehrt war, die Verstärkung auf, welche
meine Sehnsucht nach der ewigen Stadt aus Jugendeindrücken bezieht. Ich erwog gerade den Plan, nächstes Jahr an
Rom vorbei nach Neapel zu reisen, als mir ein Satz einfiel,
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SIGMUND FREUD
den ich bei einem unserer klassischen Schriftsteller gelesen
haben muß: Es ist fraglich, wer eifriger in seiner Stube auf
und ab lief, nachdem er den Plan gefaßt, nach Rom zu gehen,
der Konrektor Winckelmann oder der Feldherr Hannibal. Ich
war ja auf den Spuren Hannibals gewandelt; es war mir so wenig wie ihm beschieden, Rom zu sehen, und auch er war nach
Kampanien gezogen, nachdem alle Welt ihn in Rom erwartet
hatte. Hannibal, mit dem ich diese Ähnlichkeit erreicht hatte,
war aber der Lieblingsheld meiner Gymnasialjahre gewesen;
wie so viele in jenem Alter, hatte ich meine Sympathien während der Punischen Kriege nicht den Römern, sondern dem
Karthager zugewendet. Als dann im Obergymnasium das erste Verständnis für die Konsequenzen der Abstammung aus
landesfremder Rasse erwuchs, und die antisemitischen Regungen unter den Kameraden mahnten Stellung zu nehmen,
da hob sich die Gestalt des semitischen Feldherrn noch höher in meinen Augen. Hannibal und Rom symbolisierten dem
Jüngling den Gegensatz zwischen der Zähigkeit des Judentums und der Organisation der katholischen Kirche. Die Bedeutung, welche die antisemitische Bewegung seither für unser Gemütsleben gewonnen hat, verhalf dann den Gedanken
und Empfindungen jener frühen Zeit zur Fixierung. So ist
der Wunsch, nach Rom zu kommen, für das Traumleben zum
Deckmantel und Symbol für mehrere andere heißersehnte
Wünsche geworden, an deren Verwirklichung man mit der
Ausdauer und Ausschließlichkeit des Puniers arbeiten möchte, und deren Erfüllung zeitweilig vom Schicksal ebensowenig begünstigt scheint wie der Lebenswunsch Hannibals, in
Rom einzuziehen.
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DIE TRAUMDEUTUNG
Das infantile Moment zu den Romträumen.
Und nun stoße ich erst auf das Jugenderlebnis, das in all
diesen Empfindungen und Träumen noch heute seine Macht
äußert. Ich mochte zehn oder zwölf Jahre gewesen sein, als
mein Vater begann, mich auf seine Spaziergänge mitzunehmen und mir in Gesprächen seine Ansichten über die Dinge
dieser Welt zu eröffnen. So erzählte er mir einmal, um mir zu
zeigen, in wie viel bessere Zeiten ich gekommen sei als er: Als
ich ein junger Mensch war, bin ich in deinem Geburtsorte am
Samstag in der Straße spazieren gegangen, schön gekleidet,
mit einer neuen Pelzmütze auf dem Kopfe. Da kommt ein
Christ daher, haut mir mit einem Schlage die Mütze in den
Kot und ruft dabei: Jud, herunter vom Trottoir! "Und was hast
du getan?" Ich bin auf den Fahrweg gegangen und habe die
Mütze aufgehoben, war die gelassene Antwort. Das schien mir
nicht heldenhaft von dem großen starken Manne, der mich
Kleinen an der Hand führte. Ich stellte dieser Situation, die
mich nicht befriedigte, eine andere gegenüber, die meinem
Empfinden besser entsprach, die Szene, in welcher Hannibals
Vater Hamilkar
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Barkas, seinen Knaben vor dem Hausaltar
schwören läßt, an den Römern Rache zu nehmen. Seitdem
hatte Hannibal einen Platz in meinen Phantasien.
Ich meine, daß ich die Schwärmerei für den karthagischen
General noch ein Stück weiter in meine Kindheit zurück verfolgen kann, so daß es sich auch hier nur um die Übertragung
einer bereits gebildeten Affektrelation auf einen neuen Träger handeln dürfte. Eines der ersten Bücher, das dem lesefähigen Kinde in die Hände fiel, war Thiers’ Konsulat und Kaiserreich; ich erinnere mich, daß ich meinen Holzsoldaten kleine
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Zettel mit den Namen der kaiserlichen Marschälle auf den
flachen Rücken geklebt, und daß damals schon Masséna (als
Jude: Menasse) mein erklärter Liebling war. (Diese Bevorzugung wird wohl auch durch den Zufall des gleichen Geburtsdatums, genau hundert Jahre später, aufzuklären sein.) Napo-
leon selbst schließt sich durch den Übergang über die Alpen
an Hannibal an. Und vielleicht ließe sich die Entwicklung dieses Kriegerideals noch weiter zurück in die Kindheit verfolgen bis auf Wünsche, die der bald freundschaftliche, bald
kriegerische Verkehr während der ersten drei Jahre mit einem um ein Jahr älteren Knaben bei dem schwächeren der
beiden Gespielen hervorrufen mußte.
Je tiefer man sich in die Analyse der Träume einläßt, desto
häufiger wird man auf die Spur von Kindheitserlebnissen geführt, welche im latenten Trauminhalt eine Rolle als Traumquellen spielen.
Wir haben gehört (p. 16), daß der Traum sehr selten Erinnerungen so reproduziert, daß sie unverkürzt und unverändert den alleinigen manifesten Trauminhalt bilden. Immerhin sind einige Beispiele für dieses Vorkommen sichergestellt,
zu denen ich einige neue hinzufügen kann, die sich wiederum auf Infantilszenen beziehen. Bei einem meiner Patienten
brachte einmal ein Traum eine kaum entstellte Wiedergabe
eines sexuellen Vorfalles, die sofort als getreue Erinnerung
erkannt wurde. Die Erinnerung daran war im Wachen zwar
nie völlig verloren gewesen, aber doch stark verdunkelt worden, und ihre Neubelebung war ein Erfolg der vorausgegangenen analytischen Arbeit. Der Träumer hatte mit zwölf Jahren einen bettlägerigen Kollegen besucht, der sich
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wahrscheinlich nur zufällig bei einer Bewegung im Bette entblößte. Beim Anblick seiner Genitalien von einer Art Zwang
ergriffen, entblößte er sich selbst und faßte das Glied des anderen, der ihn aber unwillig und verwundert ansah, worauf
er verlegen wurde und abließ. Diese Szene wiederholte ein
Traum 23 Jahre später auch mit allen Einzelheiten der in ihr
vorkommenden Empfindungen, veränderte sie aber dahin,
daß der Träumer anstatt der aktiven die passive Rolle übernahm, während die Person des Schulkollegen durch eine der
Gegenwart angehörige ersetzt wurde.
In der Regel freilich ist die Infantilszene im manifesten
Trauminhalt nur durch eine Anspielung vertreten und muß
durch Deutung aus dem Traume entwickelt werden. Die Mitteilung solcher Beispiele kann nicht sehr beweiskräftig ausfallen, weil ja für diese Kindererlebnisse meistens jede andere
Gewähr fehlt; sie werden, wenn sie in ein frühes Alter fallen,
von der Erinnerung nicht mehr anerkannt. Das Recht, überhaupt aus Träumen auf solche Kindererlebnisse zu schließen,
ergibt sich bei der psychoanalytischen Arbeit aus einer ganzen
Reihe von Momenten, die in ihrem Zusammenwirken verläßlich genug erscheinen. Zum Zwecke der Traumdeutung aus
ihrem Zusammenhange gerissen, werden solche Zurückführungen von Träumen auf Kindererlebnisse vielleicht wenig
Eindruck machen, besonders da ich nicht einmal alles Material mitteile, auf welches sich die Deutung stützt. Indes will ich
mich von der Mitteilung darum nicht abhalten lassen.
I. Bei einer meiner Patientinnen haben alle Träume den
Charakter des "Gehetzten"; sie hetzt sich, um zurecht zu kommen, den Eisenbahnzug nicht zu versäumen u. dgl. In einem
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SIGMUND FREUD
Traume soll sie ihre Freundin besuchen; die Mutter hat ihr
gesagt, sie soll fahren, nicht gehen; sie läuft aber und fällt dabei
in einem fort. – Das bei der Analyse auftauchende Material
gestattet, die Erinnerung an Kinderhetzereien zu erkennen
(man weiß, was der Wiener "eine Hetz" nennt), und gibt speziell für den einen Traum die Zurückführung auf den bei
Kindern beliebten Scherz, den Satz: "Die Kuh rannte bis sie
fiel" so rasch auszusprechen, als ob er ein einziges Wort wäre,
was wiederum ein "Hetzen" ist. Alle diese harmlosen Hetzereien unter kleinen Freundinnen werden erinnert, weil sie
andere, minder harmlose, ersetzen.
II. Von einer anderen folgender Traum: Sie ist in einem
großen Zimmer, in dem allerlei Maschinen stehen, etwa so, wie
sie sich eine orthopädische Anstalt vorstellt. Sie hört, daß ich keine Zeit habe, und daß sie die Behandlung gleichzeitig mit fünf
anderen machen muß. Sie sträubt sich aber und will sich in das
für sie bestimmte Bett – oder was es ist – nicht legen. Sie steht
in einem Winkel und wartet, daß ich sage, es ist nicht wahr. Die
anderen lachen sie unterdes aus, es sei Faxerei von ihr. – Dane-
ben, als ob sie viele kleine Quadrate machen würde.
Aufdeckung von Kindheitserlebnissen bei der Traumdeutung.
Der erste Teil dieses Trauminhaltes ist eine Anknüpfung
an die Kur und Übertragung auf mich. Der zweite enthält die
Anspielung an die Kinderszene; mit der Erwähnung des Bettes sind die beiden Stücke aneinander gelötet. Die orthopädische Anstalt geht auf eine meiner Reden zurück, in der ich
die Behandlung ihrer Dauer wie ihrem Wesen nach mit einer
orthopädischen verglichen hatte. Ich mußte ihr zu Anfang der
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Behandlung mitteilen, daß ich vorläufig wenig Zeit für sie habe,
ihr aber später eine ganze Stunde täglich widmen würde. Dies
machte die alte Empfindlichkeit in ihr rege, die ein Hauptcharakterzug der zur Hysterie bestimmten Kinder ist. Sie sind
unersättlich für Liebe. Meine Patientin war die jüngste von
sechs Geschwistern (daher: mit fünf anderen) und als solche
der Liebling des Vaters, scheint aber gefunden zu haben, daß
der geliebte Vater ihr noch zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit widme. – Daß sie wartet, bis ich sage, es ist nicht wahr,
hat folgende Ableitung: Ein kleiner Schneiderjunge hatte ihr
ein Kleid gebracht, und sie ihm dafür das Geld mitgegeben.
Dann fragte sie ihren Mann, ob sie das Geld nochmals bezahlen müsse, wenn er es verliere. Der Mann, um sie zu necken,
versicherte: ja (die Neckerei im Trauminhalt), und sie fragte
immer wieder von neuem und wartete darauf, daß er endlich
sage, es ist nicht wahr. Nun läßt sich für den latenten Trauminhalt der Gedanke konstruieren, ob sie mir wohl das Doppelte
bezahlen müsse, wenn ich ihr die doppelte Zeit widme, ein
Gedanke, der geizig oder schmutzig ist. (Die Unreinlichkeit
der Kinderzeit wird sehr häufig vom Traume durch Geldgeiz
ersetzt; das Wort "schmutzig" bildet dabei die Brücke.) Wenn
all das vom Warten, bis ich sage usw., das Wort "schmutzig"
im Traume umschreiben soll, so stimmt das Im-Winkel-Stehen
und das Sich-nicht-ins-Bett-Legen dazu als Bestandteil einer
Kinderszene, in der sie das Bett schmutzig gemacht hätte, zur
Strafe in den Winkel gestellt wird unter der Androhung, daß
sie der Papa nicht mehr liebhaben werde, die Geschwister sie
auslachen usw. Die kleinen Quadrate zielen auf ihre kleine
Nichte, die ihr die Rechenkunst gezeigt, wie man in neun
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Quadrate, glaube ich, Zahlen so einschreibt, daß sie, nach allen Richtungen addiert, 15 ergeben.
III. Der Traum eines Mannes: Er sieht zwei Knaben, die sich
balgen, und zwar Faßbinderknaben, wie er aus den herumliegenden Gerätschaften schließt; einer der Knaben hat den anderen
niedergeworfen, der liegende Knabe hat Ohrringe mit blauen
Steinen. Er eilt dem Missetäter mit erhobenem Stocke nach, um
ihn zu züchtigen. Dieser flüchtet zu einer Frau, die bei einem
Bretterzaun steht, als ob sie seine Mutter wäre. Es ist eine Taglöhnersfrau, die dem Träumer den Rücken zuwendet. Endlich
kehrt sie sich um und schaut ihn mit einem gräßlichen Blicke an,
so daß er erschreckt davonläuft. An ihren Augen sieht man vom
unteren Lid das rote Fleisch vorstehen.
Der Traum hat triviale Begebenheiten des Vortages reichlich verwertet. Er hat gestern wirklich zwei Knaben auf der
Straße gesehen, von denen einer den anderen hinwarf. Als er
hinzueilte, um zu schlichten, ergriffen sie beide die Flucht. –
Faßbinderknaben: wird erst durch einen nachfolgenden
Traum erklärt, in dessen Analyse er die Redensart gebraucht:
Dem Faß den Boden ausschlagen. – Ohrringe mit blauen Steinen tragen nach seiner Beobachtung meist die Prostituierten.
So fügt sich ein bekannter Klapphornvers von zwei Knaben
an: Der andere Knabe, der hieß Marie (d. h.: war ein Mädchen). – Die stehende Frau: Nach der Szene mit den beiden
Knaben ging er am Donauufer spazieren und benutzte die
Einsamkeit dort, um gegen einen Bretterzaun zu urinieren. Auf
dem weiteren Wege lächelte ihn eine anständig gekleidete ältere Dame sehr freundlich an und wollte ihm ihre Adreßkarte überreichen.
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