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ivanov666
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Файл:Die Traumdeutung
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DIE TRAUMDEUTUNG
Ich bahne mir den Weg durch eine Reihe von schön eingerichteten Zimmern, offenbar Regierungszimmern mit Möbeln in einer
Farbe zwischen braun und violett, und komme endlich in einen
Gang, in dem eine Haushälterin, ein älteres dickes Frauenzimmer, sitzt. Ich vermeide es, mit ihr zu sprechen; sie hält mich
aber offenbar für berechtigt, hier zu passieren, denn sie fragt, ob
sie mit der Lampe mitgehen soll. Ich deute oder sage ihr, sie soll
auf der Treppe stehen bleiben, und komme mir dabei sehr schlau
vor, daß ich die Kontrolle am Ende vermeide. So bin ich drunten
und finde einen schmalen, steil aufsteigenden Weg, den ich gehe.
Wieder undeutlich . . . . Als ob jetzt die zweite Aufgabe käme,
aus der Stadt wegzukommen, wie früher aus dem Hause. Ich
fahre in einem Einspänner und gebe ihm Auftrag, zu einem
Bahnhofe zu fahren. "Auf der Bahnstrecke selbst kann ich nicht
mit Ihnen fahren," sage ich, nachdem er einen Einwand gemacht
hat, als ob ich ihn übermüdet hätte. Dabei ist es, als wäre ich
schon eine Strecke mit ihm gefahren, die man sonst mit der Bahn
fährt. Die Bahnhöfe sind besetzt; ich überlege, ob ich nach Krems
oder Znaim soll, denke aber, dort wird der Hof sein, und entscheide mich für Graz oder so etwas. Nun sitze ich im Waggon,
der ähnlich einem Stadtbahnwagen ist, und habe im Knopfloch
ein eigentümlich geflochtenes, langes Ding, daran violettbraune
Veilchen aus starrem Stoffe, was den Leuten sehr auffällt. Hier
bricht die Szene ab.
Ich bin wieder vor dem Bahnhofe, aber zu zweit mit einem
älteren Herrn, erfinde einen Plan, um unerkannt zu bleiben, sehe
diesen Plan aber auch schon ausgeführt. Denken und Erleben ist
hier gleichsam eins. Er stellt sich blind, wenigstens auf einem Auge, und ich halte ihm ein männliches Uringlas vor (das wir in
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SIGMUND FREUD
der Stadt kaufen mußten oder gekauft haben). Ich bin also sein
Krankenpfleger und muß ihm das Glas geben, weil er blind ist.
Wenn der Kondukteur uns so sieht, muß er uns als unauffällig
entkommen lassen. Dabei ist die Stellung des Betreffenden und
sein urinierendes Glied plastisch gesehen. Darauf das Erwachen
mit Harndrang.
Der ganze Traum macht etwa den Eindruck einer Phantasie, die den Träumer in das Revolutionsjahr 1848 versetzt,
dessen Andenken ja durch das Jubiläum des Jahres 1898 erneuert war, wie überdies durch einen kleinen Ausflug in die
Wachau, bei dem ich Emmersdorf kennen gelernt hatte, welchen Ort ich fälschlich für den Ruhesitz des Studentenführers Fischhof hielt, auf den einige Züge des manifesten
Trauminhaltes weisen mögen. Die Gedankenverbindung
führt mich dann nach England, in das Haus meines Bruders,
der seiner Frau scherzhaft vorzuhalten pflegte "Fifty years
ago" nach dem Titel eines Gedichtes von Lord Tennyson, worauf die Kinder zu rektifizieren gewöhnt waren: Fifteen years
ago. Diese Phantasie, die sich an die Gedanken anschließt,
welche der Anblick des Grafen Thun hervorgerufen hatte, ist
aber nur wie die Fassade italienischer Kirchen ohne organischen Zusammenhang dem Gebäude dahinter vorgesetzt; anders als diese Fassaden ist sie übrigens lückenhaft, verworren,
und Bestandteile aus dem Innern drängen sich an vielen Stellen durch. Die erste Situation des Traumes ist aus mehreren
Szenen zusammengebraut, in die ich sie zerlegen kann. Die
hochmütige Stellung des Grafen im Traume ist kopiert nach
einer Gymnasialszene aus meinem 15. Jahre. Wir hatten gegen einen mißliebigen und ignoranten Lehrer eine Ver-
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schwörung angezettelt, deren Seele ein Kollege war, der sich
seitdem Heinrich VIII. von England zum Vorbilde genommen
zu haben scheint. Die Führung des Hauptschlages fiel mir zu,
und eine Diskussion über die Bedeutung der Donau für Österreich (Wachau!) war der Anlaß, bei dem es zur offenen
Empörung kam. Ein Mitverschworener war der einzige aristokratische Kollege, den wir hatten, wegen seiner auffälligen
Längenentwicklung die "Giraffe" genannt, und der stand,
vom Schultyrannen, dem Professor der deutschen Sprache, zur
Rede gestellt, so da wie der Graf im Traume. Das Erklären der
Lieblingsblume und Ins-Knopfloch-Stecken von etwas, was
wieder eine Blume sein muß (was an die Orchideen erinnert,
die ich einer Freundin am selben Tage gebracht hatte, und
außerdem an eine Rose von Jericho), mahnt auffällig an die
Szene aus den Königsdramen Shakespeares, die den Bürgerkrieg der roten und der weißen Rose eröffnet; die Erwähnung
Heinrichs VIII. hat den Weg zu dieser Reminiszenz gebahnt.
Dann ist es nicht weit von den Rosen zu den roten und weißen Nelken. (Dazwischen schieben sich in der Analyse zwei
Verslein ein, eins deutsch, das andere spanisch: Rosen, Tulpen,
Nelken, alle Blumen welken. – Isabelita, no llores que se marchitan las flores. Das Spanische vom Figaro her.) Die weißen
Nelken sind bei uns in Wien das Abzeichen der Antisemiten,
die roten das der Sozialdemokraten geworden. Dahinter eine
Erinnerung an eine antisemitische Herausforderung während einer Eisenbahnfahrt im schönen Sachsenland (Angel-
sachsen). Die dritte Szene, welche Bestandteile für die Bildung
der ersten Traumsituation abgegeben hat, fällt in meine erste
Studentenzeit. In einem deutschen Studentenvereine gab es
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SIGMUND FREUD
eine Diskussion über das Verhältnis der Philosophie zu den
Naturwissenschaften. Ich grüner Junge, der materialistischen
Lehre voll, drängte mich vor, um einen höchst einseitigen
Standpunkt zu vertreten. Da erhob sich ein überlegener älterer Kollege, der seitdem seine Fähigkeit erwiesen hat, Menschen zu lenken und Massen zu organisieren, der übrigens
auch einen Namen aus dem Tierreiche trägt, und machte uns
tüchtig herunter; auch er habe in seiner Jugend die Schweine
gehütet und sei dann reuig ins Vaterhaus zurückgekehrt. Ich
fuhr auf (wie im Traume), wurde saugrob und antwortete,
seitdem ich wüßte, daß er die Schweine gehütet, wunderte ich
mich nicht mehr über den Ton seiner Reden. (Im Traume
wundere ich mich über meine deutschnationale Gesinnung.)
Großer Aufruhr; ich wurde von vielen Seiten aufgefordert,
meine Worte zurückzunehmen, blieb aber standhaft. Der Beleidigte war zu verständig, um das Ansinnen einer Herausfor-
derung, das man an ihn richtete, anzunehmen, und ließ die
Sache auf sich beruhen.
Die übrigen Elemente der Traumszene stammen aus tieferen Schichten. Was soll es bedeuten, daß der Graf den "Huflattich" proklamiert? Hier muß ich meine Assoziationsreihe
befragen. Huflattich – lattice – Salat – Salathund (der Hund,
der anderen nicht gönnt, was er doch selber nicht frißt). Hier
sieht man durch auf einen Vorrat an Schimpfwörtern: Gir-af-
fe, Schwein, Sau, Hund; ich wüßte auch auf dem Umwege über
einen Namen zu einem Esel zu gelangen und damit wieder zu
einem Hohn auf einen akademischen Lehrer. Außerdem
übersetze ich mir – ich weiß nicht, ob mit Recht – Huflattich
mit "pisse-en-lit"; die Kenntnis kommt mir aus dem Germinal
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Zolas, in dem die Kinder aufgefordert werden, solchen Salat
mitzubringen. Der Hund – chien – enthält in seinem Namen
einen Anklang an die größere Funktion (chier, wie pisser für
die kleinere). Nun werden wir bald das Unanständige in allen drei Aggregatzuständen beisammen haben; denn im selben Germinal, der mit der künftigen Revolution genug zu tun
hat, ist ein ganz eigentümlicher Wettkampf beschrieben, der
sich auf die Produktion gasförmiger Exkretionen, Flatus ge-
(74)
nannt, bezieht
. Und nun muß ich bemerken, wie der Weg
zu diesen Flatus seit langem angelegt ist, von den Blumen aus
über das spanische Verslein, die Isabelita, zu Isabella und Fer-
dinand, über Heinrich VIII., die englische Geschichte zum
Kampfe der Armada gegen England, nach dessen siegreicher
Beendigung die Engländer eine Medaille prägten mit der Inschrift: Afflavit et dissipati sunt, da der Sturmwind die spanische Flotte zerstreut hatte. Diesen Spruch gedachte ich aber
zur halb scherzhaft gemeinten Überschrift des Kapitels "Therapie" zu nehmen, wenn ich je dazu gelangen sollte, ausführliche Kunde von meiner Auffassung und Behandlung der
Hysterie zu geben.
Von der zweiten Szene des Traumes kann ich eine so ausführliche Auflösung nicht geben, und zwar aus Rücksichten
der Zensur. Ich setze mich hier nämlich an die Stelle eines
hohen Herrn jener Revolutionszeit, der auch ein Abenteuer
mit einem Adler gehabt, an incontinentia alvi gelitten haben
soll u. dgl., und ich glaube, ich wäre nicht berechtigt, hier die
Zensur zu passieren, obwohl ein Hofrat (Aula, consiliarius au-
licus) mir den größeren Teil jener Geschichten erzählt hat.
Die Reihe von Zimmern im Traume verdankt ihre Anregung
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SIGMUND FREUD
dem Salonwagen Sr. Exzellenz, in den ich einen Moment hineinblicken konnte; sie bedeutet aber, wie so häufig im Traume, Frauenzimmer (ärarische Frauenzimmer). Mit der Person
der Haushälterin statte ich einer geistreichen älteren Dame
schlechten Dank für die Bewirtung und die vielen guten Geschichten ab, die mir in ihrem Hause geboten worden sind. –
Der Zug mit der Lampe geht auf Grillparzer zurück, der ein
reizendes Erlebnis ähnlichen Inhaltes notiert und dann in
Hero und Leander (des Meeres und der Liebe Wellen – die Ar-
(75)
mada und der Sturm) verwendet hat
.
Infantile Wurzeln des revolutionären Traumes.
Auch die detaillierte Analyse der beiden übrigen Traum-
stücke muß ich zurückhalten; ich werde nur jene Elemente
herausgreifen, die zu den beiden Kinderszenen führen, um
deren Willen ich den Traum überhaupt aufgenommen habe.
Man wird mit Recht vermuten, daß es sexuelles Material ist,
welches mich zu dieser Unterdrückung nötigt; man braucht
sich aber mit dieser Aufklärung nicht zufrieden zu geben.
Man macht doch sich selbst aus vielem kein Geheimnis, was
man vor anderen als Geheimnis behandeln muß, und hier
handelt es sich nicht um die Gründe, die mich nötigen, die
Lösung zu verbergen, sondern um die Motive der inneren
Zensur, welche den eigentlichen Inhalt des Traumes vor mir
selbst verstecken. Ich muß also darum sagen, daß die Analyse
diese drei Traumstücke als impertinente Prahlereien, als Ausfluß eines lächerlichen, in meinem wachen Leben längst unterdrückten Größenwahnes erkennen läßt, der sich mit einzelnen Ausläufern bis in den manifesten Trauminhalt wagt
(ich komme mir schlau vor), allerdings die übermütige Stim-
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mung des Abends vor dem Träumen trefflich verstehen läßt.
Prahlerei zwar auf allen Gebieten; so geht die Erwähnung von
Graz auf die Redensart: Was kostet Graz? in der man sich ge-
fällt, wenn man sich überreich mit Geld versehen glaubt. Wer
an Meister Rabelais’ unübertroffene Schilderung von dem Leben und Taten des Gargantua und seines Sohnes Pantagruel
denken will, wird auch den angedeuteten Inhalt des ersten
Traumstückes unter die Prahlereien einreihen können. Zu
den zwei versprochenen Kinderszenen gehört aber folgendes:
Ich hatte für diese Reise einen neuen Koffer gekauft, dessen
Farbe, ein Braunviolett, im Traume mehrmals auftritt (violett-
braune Veilchen aus starrem Stoffe neben einem Dinge, das
man "Mädchenfänger" heißt – die Möbel in den Regierungszimmern). Daß man mit etwas Neuem den Leuten auffällt, ist
ein bekannter Kinderglaube. Nun ist mir folgende Szene aus
meinem Kinderleben erzählt worden, deren Erinnerung ersetzt ist durch die Erinnerung an die Erzählung. Ich soll – im
Alter von zwei Jahren – noch gelegentlich das Bett naß gemacht haben, und als ich dafür Vorwürfe zu hören bekam,
den Vater durch das Versprechen getröstet haben, daß ich
ihm in N. (der nächsten größeren Stadt) ein neues schönes,
rotes Bett kaufen werde. (Daher im Traume die Einschaltung,
daß wir das Glas in der Stadt gekauft haben oder kaufen muß-
ten; was man versprochen hat, muß man halten.) (Man beachte übrigens die Zusammenstellung des männlichen Glases
und des weiblichen Koffers, box.) Der ganze Größenwahn des
Kindes ist in diesem Versprechen enthalten. Die Bedeutung
der Harnschwierigkeiten des Kindes für den Traum ist uns
bereits bei einer früheren Traumdeutung (vgl. den Traum
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SIGMUND FREUD
p. 151) aufgefallen. Aus den Psychoanalysen an Neurotischen
haben wir auch den intimen Zusammenhang des Bettnässens
mit dem Charakterzug des Ehrgeizes erkannt.
Dann gab es aber einmal einen anderen häuslichen An-
stand, als ich sieben oder acht Jahre alt war, an den ich mich
sehr wohl erinnere. Ich setzte mich abends vor dem Schlafengehen über das Gebot der Diskretion hinweg, Bedürfnisse nicht im Schlafzimmer der Eltern in deren Anwesenheit
zu verrichten, und der Vater ließ in seiner Strafrede darüber
die Bemerkung fallen: aus dem Buben wird nichts werden. Es
muß eine furchtbare Kränkung für meinen Ehrgeiz gewesen
sein, denn Anspielungen an diese Szene kehren immer in
meinen Träumen wieder und sind regelmäßig mit Aufzählung meiner Leistungen und Erfolge verknüpft, als wollte
ich sagen: Siehst du, ich bin doch etwas geworden. Diese
Kinderszene gibt nun den Stoff für das letzte Bild des Traumes, in dem natürlich zur Rache die Rollen vertauscht sind.
Der ältere Mann, offenbar der Vater, da die Blindheit auf ei-
(76)
nem Auge sein einseitiges Glaukom bedeutet
, uriniert
jetzt vor mir wie ich damals vor ihm. Mit dem Glaukom mahne ich ihn an das Kokain, das ihm bei der Operation zu gute
kam, als hätte ich damit mein Versprechen erfüllt. Außerdem mache ich mich über ihn lustig; weil er blind ist, muß
ich ihm das Glas vorhalten und schwelge in Anspielungen
auf meine Erkenntnisse in der Lehre von der Hysterie, auf
die ich stolz bin
(77)
.
Wenn die beiden Urinierszenen aus der Kindheit bei mir
ohnedies mit dem Thema der Größensucht eng verbunden
sind, so kam ihrer Erweckung auf der Reise nach Aussee noch
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DIE TRAUMDEUTUNG
der zufällige Umstand zu gute, daß mein Coupé kein Klosett
besaß, und ich vorbereitet sein mußte, während der Fahrt in
Verlegenheit zu kommen, was dann am Morgen auch eintraf.
Ich erwachte dann mit den Empfindungen des körperlichen
Bedürfnisses. Ich meine, man könnte geneigt sein, diesen
Empfindungen die Rolle des eigentlichen Traumerregers zuzuweisen, würde aber einer anderen Auffassung den Vorzug
geben, nämlich daß die Traumgedanken erst den Harndrang
hervorgerufen haben. Es ist bei mir ganz ungewöhnlich, daß
ich durch irgend ein Bedürfnis im Schlafe gestört werde, am
wenigsten um die Zeit dieses Erwachens, ¾3 Uhr morgens.
Einem weiteren Einwand begegne ich durch die Bemerkung,
daß ich auf anderen Reisen unter bequemeren Verhältnissen
fast niemals den Harndrang nach frühzeitigem Erwachen
verspürt habe. Übrigens kann ich diesen Punkt auch ohne
Schaden unentschieden lassen.
Seitdem ich ferner durch Erfahrungen bei der Traumanalyse aufmerksam gemacht worden bin, daß auch von Träumen, deren Deutung zunächst vollständig erscheint, weil
Traumquellen und Wunscherreger leicht nachweisbar
sind, – daß auch von solchen Träumen wichtige Gedankenfäden ausgehen, die bis in die früheste Kindheit hineinreichen,
habe ich mich fragen müssen, ob nicht auch in diesem Zuge
eine wesentliche Bedingung des Träumens gegeben ist. Wenn
ich diesen Gedanken verallgemeinern dürfte, so käme jedem
Traum in seinem manifesten Inhalt eine Anknüpfung an das
rezent Erlebte zu, in seinem latenten Inhalt aber eine Anknüpfung an das älteste Erlebte, von dem ich bei der Analyse
der Hysterie wirklich zeigen kann, daß es in gutem Sinne bis
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SIGMUND FREUD
auf die Gegenwart rezent geblieben ist. Diese Vermutung erscheint aber noch recht schwer erweislich; ich werde auf die
wahrscheinliche Rolle frühester Kindheitserlebnisse für die
Traumbildung noch in anderem Zusammenhang (Abschnitt VII) zurückkommen müssen.
Von den drei eingangs betrachteten Besonderheiten des
Traumgedächtnisses hat sich uns die eine – die Bevorzugung
des Nebensächlichen im Trauminhalt – durch ihre Zurückführung auf die Traumentstellung befriedigend gelöst. Die beiden anderen, die Auszeichnung des Rezenten wie des Infantilen haben wir bestätigen, aber nicht aus den Motiven des
Träumens ableiten können. Wir wollen diese beiden Charaktere, deren Erklärung oder Verwertung uns erübrigt, im Gedächtnis behalten; sie werden anderswo ihre Einreihung finden müssen, entweder in der Psychologie des Schlafzustandes
oder bei jenen Erwägungen über den Aufbau des seelischen
Apparates, die wir später anstellen werden, wenn wir gemerkt
haben, daß man durch die Traumdeutung wie durch eine
Fensterlücke in das Innere desselben einen Blick werfen
kann.
Ein anderes Ergebnis der letzten Traumanalysen will ich
aber gleich hier hervorheben. Der Traum erscheint häufig
mehrdeutig; es können nicht nur, wie Beispiele zeigen, mehrere Wunscherfüllungen nebeneinander in ihm vereinigt sein;
es kann auch ein Sinn, eine Wunscherfüllung die andere decken, bis man zu unterst auf die Erfüllung eines Wunsches
aus der ersten Kindheit stößt; und auch hier wieder die Erwägung, ob in diesem Satze das "häufig" nicht richtiger durch
(78)
"regelmäßig" zu ersetzen ist
.
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