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Детство и юность Людвига ван Бетховена. Учебное пособие – книга для чтения на немецком языке

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noch nicht! Allen Respekt, daß Sie ihn so weit gebracht haben; aber nun gehört er in die Hände eines Klavierspielers, und nicht eines Sängers. Dixi.
Texterläuterungen
1
..., rückte die Wiege nah zu sich heran und versetzte ihr nun im
Weiterspielen ab und zu mit dem Fuss zu bringen 
время от времени ка
2
..., die Püffe des Grösseren 
3
... bis es Ludwig gelang, sich loszumachen 
придвинул к себе ко
чал ее ногой.
лось отделаться от него;
4
..., aber ich gebe mir auch M
5
entzückt sein 
6
... und die jammervoll bezahlte Singerei an den Nagel hängen 
отказаться от жалк
7
Durchlaucht 
8
Johann weidete sich einen Augenblick an ihrer Spannung 
выждал некоторо
9
Einwände machen 
10
... und so nahm er die Sache schliesslich auf Treu und Glauben hin 
быть в восторге;
ой зарплаты певца;
Ваше высочество;
е время;
возражать;
ühe mit ihm  но это тоже моя заслуга;
и, таким образом, он принял это на веру;
11
An der Seite trug er den Degen mit silbernem Portepee 
него висела шпага в серебряной портупее;
12
Das reizte einen Teil des Publikums zur Heiterkeit 
часть публики в веселое настроение;
13
... wie ein Wahnsinniger  ê
14
zitternd vor V
15
... der Kerl hat den Grössenwahn 
erlegenheit  äðî
àê áåçó
einen Stoss, um sie ins Schaukeln
лыбель и, продо
лжая играть,
тумаки старшего брата;
ïîê
а Людвигу не уда-
это привело
ìíûé;
жа от смущения;
у парня мания величия.
è
Иоганн
Íà áîêó ó
Aufgaben
1. Die folgenden zusammengesetzten Nomen sind im Kapitel zu finden. Versuchen Sie, die Bedeutung dieser W einen Zusammenhang zu bringen:
 das Wunderkind  die Klavierkonzerte
orter zu erklären und inhaltlich in
31
 der Konzertdirigent  der Klavierlehrer  der Hofkonzert
2. Spielen Sie den Dialog des Vaters von Ludwig und Mattioli.
3. Beschreiben Sie die Kleidung und das Äussere von Ludwig beim Konzert.
4.Finden Sie im T
ext folgende Redewendungen und übersetzen Sie diese
ins Russische:
 bis in die Spitzen von den Fingern;  auf und ab rennen (gehen)  auf Treu und Glauben hinnehmen;  todmüde sein;  sich (Dativ) Mühe geben.
5. Arbeiten Sie in 2, 3 Gruppen. Sprechen Sie über das 1. Hofkonzert von Louis.
FÜNFTES
K
APITEL
Johann van Beethoven wachte am nächsten Morgen in einer Stimmung
1
auf, in der er hätte Brunnen vergiften mögen.
Da sah mans mal wieder: die sogenannten Kollegen, die waren die schlimmsten von allen! Wenn sein Sohn am kurfürstlichen Hofe zu Bonn Erfolg hatte, warum sollte er ihn nicht geradesogut woanders auch haben? V
erdammte, mißgünstige Bande, diese ganze Hofkapelle! Und dies Bonn überhaupt das neidischste Pflaster entlang dem Rhein! Aber er wollte ihnen schon zeigen, was für ein Kerl er war! Nun erst recht wollte er mit seinem Sohn auf Reisen gehen.
So gab denn Ludwig am 26. März 1778 in Köln sein erstes öffentliches Konzert. Johann hatte die Kölner wissen lassen, daß sein Söhnchen von sechs Jahren schon zum größten V zu lassen die Gnade gehabt habe Köln allen hohen Herrschaften ein völliges V
ergnügen des Bonner Hofes sich hören
2
und sich deshalb schmeichle, auch in
ergnügen zu bereiten. Aber
der Erfolg war keineswegs überwältigend.
Hatten nun seine Kollegen recht? W
ar er nicht der richtige Lehrer? Er
hatte es doch wahrhaftig nicht an Fleiß und Gewissenhaftigkeit fehlen lassen.
32
Es mußte an Louis liegen. Der Bengel übte einfach nicht genug, verwendete viel zuviel Zeit auf den Krimskrams für die Schule, albernes Zeug, das er als Musiker doch später nicht brauchte; trieb sich viel zuviel draußen herum. Das mußte nun anders werden.
Armer kleiner Ludwig! Eine schlimme Zeit begann für ihn. Mit den Fischerskindern oder mit den Jungen aus der Nachbarschaft draußen auf der Gasse, am Rhein, im Schloßpark zu spielen, das wurde ihm nun ein für allemal auf das strengste verboten, die Zeit, die er auf seine häuslichen Schulaufgaben zu verwenden hatte, auf das äußerste beschnitten, so daß er in der Schule bald einen schweren Stand bekam. Dafür mußte er nun tagein, tagaus bis spät in die
3
Nacht am Klavier sitzen
Es war eben bei Johann zur fixen Idee geworden: was Mozarts V
und üben, mechanisch, geistlos, ununterbrochen üben.
ater mit seinem Sohn gelungen war, das mußte ihm mit seinem Louis auch gelingen; ein Wunderkind mußte er aus ihm machen, mit dem er reisen und Triumphe feiern konnte; und das in kürzester Zeit, solange sein Sohn noch ein kleiner Kerl und es zum W
Aber leider glich Johann allzu wenig Mozarts V
underkind noch nicht zu spät war.
ater mit seinem starken, durch Selbstzucht und Pflichttreue gefestigten Charakter, seiner ernsten und hohen Kunstauffassung, seinem weiten geistigen Gesichtskreis. Er hatte doch keine wirkliche Vorstellung davon, was für ein Schatz ihm in seinem Sohn anvertraut war
. Und daß es in der Musik Höheres geben könne als blendende Virtuosität, das ließ er sich nicht träumen. Je mehr die Zeit verrann und das Ziel, das sich seine nervös überspannte Einbildungskraft gesteckt, noch immer nicht erreicht war
, desto ungeduldiger wurde er. Er begann den Kleinen zu quälen, zu tyrannisieren. Kam er spät nachmittags von seinen Lektionen nach Hause, und war ihm tagsüber irgend etwas quer gegangen, so bekam Ludwig die Folgen zu spüren, wenn er sein T Vater war dann nichts recht zu machen; irgendein unbedeutendes V
agespensum vorspielen mußte. Dem
ersehen, ein Danebengreifen, trug dem Knaben Prügel ein, oder er wurde gar in den dunklen feuchten Keller gesperrt. Ludwig wurde mürrisch, verschlossen, menschenscheu. ergreifen, dem V
4
Und wenn er dann bemerkte, wie die Mutter seine Partei
ater gut zureden wollte und dafür oft genug brutal
zurückgestoßen wurde, so begann die Anhänglichkeit, die er dem Vater trotz
5
allem noch bewahrt hatte, sich allmählieh in Abneigung zu wandeln.
Ja, er begann, ihn zu verachten. Desto leidenschaftlicher ward seine Liebe zur Mutter
. Die sanfte stille Frau wurde ihm der Inbegriff alles dessen, was es
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auf der W
elt Verehrungswürdiges gab. Er sah, daß sie litt, für ihn litt, und
dankte ihr das durch abgöttische Verehrung.
Kein W
er sein Instrument und die Musik überhaupt zu hassen anfing. War der V
under, daß ihm das Klavierspielen allmählich zur Qual wurde, daß
ater
nicht zu Hause und die Mutter mit den beiden Kleinen spazierengegangen, dann stahl er sich gern vom Klavier weg, legte sich ins Fenster nach dem Hof zu, schaute nach dem Himmel und träumte. Oder er kletterte in den Speicher hinauf, von dessen Fenster man eine weite Aussicht über den Rhein bis zu dem fernen Siebengebir
ge hatte. Wie schön mußte es sein, mit dem Schiffer da im Kahne den Strom hinabzuschwimmen, weit weit fort von Bonn und der Rheingasse mit dem verdammten Klavier den sieben blauen Bergen, fort auf Nimmerwiedersehen!
. Oder mit jenem V
ogel davonzufliegen, hinüber zu
6
 Auf Nimmerwiedersehen? Jetzt hatte er gar nicht an die Mutter gedacht. Nein, von der wollte er sich freilich nicht trennen. Aber sonst, alles übrige  was hatte das für einen Sinn? Warum durfte er nicht spielen wie andere Kinder? W
arum mußte gerade er den ganzen Tag Klavier üben?  Leise zog ihm eine Melodie durch den Kopf, die er sich selber ausgedacht und ganz heimlich aufgeschrieben und harmonisiert hatte. Aber wie traurig war das Leben, wenn all die schöne Musik nur dazu gemacht war
Am meisten litt Ludwigs Mutter
, kleine Jungen damit zu plagen.
. Sie begriff, daß ihr Mann trotz der unendlichen Mühe, die er sich mit dem Jungen gab, nicht auf dem rechten W
ege mit ihm war. Aber da sie nichts von Musik verstand, so wagte sie nicht, ihm dreinzureden. Hätte er dem Kleinen wenigstens ein paar Stunden am T
age Freiheit gelassen, draußen seinen heranwachsenden Körper zu recken und zu strecken! Aber davon wollte er nichts wissen. Er sei der Vater
, er sei dafür verantwortlich, daß aus dem Jungen etwas werde, und er bitte sie, jede Einmischung zu unterlassen. Dazu hatte Frau Magdalene noch für die beiden jüngeren Söhne zu sorgen, die nun vier und zwei Jahre zählten, also noch unausgesetzter Obhut bedurften. Ja, sie hatte ihr Kreuz zu tragen. Aber sie biß die Zähne zusammen, suchte ihren Mann aufzuheitern, wenn er schlechter Laune war
, und drückte gern ein Auge zu, wenn Ludwig in
seines Vaters Abwesenheit auch einmal etwas anderes tat als Klavierüben.
7
*
Johann war ausgegangen, und Ludwig hatte sich vom Klavier
weggestohlen, lag im Hoffenster und ließ die eisernen Ladenhalter
34
umeinanderschwirren; das gab schöne tiefe Töne. Er war so in sich versunken, daß er gar nicht bemerkte, wie Cäcilie Fischer auf dem Hof erschien und ihm winkte.
Louis! rief sie halblaut, mach dich ans Klavier! Dein Papa kommt! Aber der Kleine sah und hörte nicht. Schon betrat der V
ater den Hof und erblickte seinen Sohn. Er beobachtete ihn eine Weile, dann schlich er leise die Treppe hinauf. Nun stand er hinter dem ahnungslosen Kleinen. Dem zog gerade eine schöne Melodie durch den Kopf; er lauschte andächtig. Da fühlte er sich plötzlich gepackt; sein Kopf wurde gegen den Fensterrahmen gestoßen, daß ihm Hören und Sehen verging.
8
Also das nennst du üben, du verfluchter Lump! schrie Johann, und hageldicht sausten die Ohrfeigen auf den Kleinen herab, der sich vergeblich durch seine vorgehaltenen Arme zu schützen suchte. Frau Magdalene hatte den Lärm gehört und war herbeigeeilt. Im Hof stand Cäcilie und jammerte. Johann packte das Kind bei der Hand und zerrte es ins V
orderzimmer,
während er seine Frau vor sich herdrängte.
Und du, Lene, statt den Tagedieb zum Üben anzuhalten, läßt ihn faulenzen, wenn der Vater den Rücken dreht! Verschworen habt ihr euch
9
gegen mich!
Das ist der Dank, daß ich mich für euch zu Tode arbeite! Setzt mir doch lieber gleich Gift vor und tanzt um meinen Leichenstein!  Komm her
, du Faulenzer! Ans Klavier mit dir! Ich will sehen, ob du heute
was gelernt hast.
Stumm, leichenblaß, mit zusammengebissenen Zähnen, hatte Ludwig
alles über sich ergehen lassen.
V
orwärts! Ans Klavier! schrie der V
ater
. Ludwig blieb unbeweglich stehen. Ans KlavierI schrie jener zum dritten Male. Ludwig rührte sich nicht. Rasend vor Wut wollte Johann sich auf ihn werfen, da drängte sich die Mutter dazwischen.
Halt! Jean! Bei allen Heiligen! Schlag das Kind jetzt nicht!  Jean! Ich flehe dich an! Laß mich erst ein W
ort mit ihm reden!  Sie
faßte den Kleinen an beiden Händen.
Louis! Gehorch deinem V
ater! Setz dich ans Klavier! Nein! sagte das Kind mit fester Stimme. Wie? schrie der V
ater. Was hast du gesagt?
Nein.
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Johann stieß seine Frau beiseite, prügelte den Kleinen wie noch nie
zuvor
, schleppte ihn in den Keller und schloß die Tür hinter ihm zu.
Kreidebleich kam er wieder herauf und ließ sich schweratmend auf das Sofa fallen. Seine Frau trat schüchtern zu ihm und legte ihre eiskalte Hand auf seine Stirn. Johann ließ es geschehen und schloß die Augen.
 Jean, sagte sie leise, du hast Louis doch lieb! Sei doch nicht so hart
mit ihm!
Ob ich ihn liebe! Ebenso wie du liebe ich ihn! Oh Magdalene, du weißt nicht, was ich durchmache für den Jungen! Ich tue ja für ihn, was ich kann, ich will noch mehr für ihn tun, alles will ich für ihn hingeben, wenn er nur groß und berühmt wird!
Dann sei doch nicht so unglücklich, Jean! Louis ist doch brav und begabt und fleißig! Gewiß wird er einmal groß und berühmt! Das sagen doch alle!
Wenn er so weiter macht, dann wird nichts aus ihm. Er ist auf einem toten Punkt angelangt, es geht nicht mehr vorwärts. Und vorhin diese störrische W
idersetzlichkeit gegen seinen V
ater, dem er alles, aber auch alles zu verdanken hat! Lene, ist das nicht entsetzlich? Zweimal dieses Nein, dem V
ater gegenüber!
Frau Magdalene überlegte einen Augenblick. Jean, erlaube mir, daß
ich den Louis hole! Er soll selber reden!
Und rasch stand sie auf, ging in den Keller und kam gleich darauf mit
dem Kleinen zurück, der am ganzen Körper bebte.
Louis! sagte die Mutter sanft, dein V
zu gehen. Zweimal hast du nein geantwortet. W
ater hat dir befohlen, ans Klavier
illst du mir erklären, wie du
dazu kommst?
Ich rühre keine T
aste mehr an.
Ich hasse das Klavier
. Louis! Das
10
ist ja nicht wahr! Du hassest das Klavier ja gar nicht! Du liebst es doch!
Nun war es um Ludwigs Fassung geschehen. Er warf sich seiner Mutter
in die Arme und schluchzte, als sollte ihm das Herz brechen.
Louis, sagte sie endlich, du weißt, wie lieb wir dich haben! Sag uns
alles, wie es dir zumute ist!
Ich  ich  will nicht mehr! stieß der Kleine schluchzend hervor
. Ich
 ich  will  Bäcker werden!
Also das habe ich mit all meiner Mühe erreicht! rief Johann. Bäcker
will mein Sohn werden! W
Frau Magdalene erblaßte. Lene! Liebe gute Lene! V
arum nicht lieber gleich Koch!
erzeih mir! Das hätt
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ich nicht sagen sollen! Du weißt ganz genau, das hab ich gar nicht so gemeint! Lene! Mach nicht solch ein Gesicht! Ich hab dich ja lieb! Mein Großvater war doch auch nur ein Schneider! Lene! Liebe gute Lene, verzeih mir!
Frau Magdalene strich ihm übers Gesicht. Laß es gut sein, Jean, ich
bin dir nicht böse. Du bist überreizt, du machst dich noch kaputt!
Johann nickte eifrig. Louis, fuhr sie fort, geh, wasch dir dein Gesicht, bürste deinen Anzug, und dann geh auf den Hof und schaukle dich oder spiel sonst etwas. Das Kind sah sie dankbar an und ging hinaus.
Und nun, Jean, fuhr sie in ermunterndem T
one fort, nun wollen wir die Sache nicht schlimmer nehmen, als sie ist. Bäcker wird Louis gewiß nicht werden, setzte sie lächelnd hinzu, sondern Musiker, das wissen wir doch alle beide!
Johann schüttelte müde den Kopf. Das weiß ich gar nicht so genau,
entgegnete er
. Ach, Lene! W
as hab ich mir mit dem Jungen aufgeladen!
Er legte die Hand über die Augen und versank in dumpfes Brüten.
Frau Magdalenens Blick fiel auf das Bild ihres Schwiegervaters, das ernst und gütig auf sie herabsah. Oh, warum hatte er so früh sterben müssen! Bei ihm hätte sie Rat und Hilfe gefunden.
Jean, sagte sie nach einer Weile, wie wär es, wenn du einmal den alten Eeden um Rat fragtest! Er war Vaters bester Freund und hat es immer gut mit uns gemeint.
Was sollte der uns wohl helfen können!  Aber wenn es dich beruhigt  gut, ich will einmal zu ihm gehen. Geh gleich, Jean! T
u es mir zuliebe!
Jetzt triffst du ihn gewiß zu Hause. 
Bald darauf saß Johann dem greisen Hoforganisten gegenüber und klagte ihm seine Sorgen. Der alte Herr hörte aufmerksam zu.
Mein lieber guter Junge, sagte er endlich, mir scheint, die Schuld liegt an dir
. Ich bin jetzt fünfundsiebzig Jahre alt; aber solang ich denken kann, ist ein Klavierspieler immer der Schüler eines Klavierspielers gewesen, und Klavierspieler bist du nicht, mein alter Junge. W
as du kannst, das kann dein Sohn wahrscheinlich schon längst selber, du bist mit deinem Latein zu Ende und wunderst dich, daß du ihm langweilig und lästig wirst. Jetzt bring ihn mir mal her, ich habe ihn seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Ich will ihn gern selber unterrichten, wenn es dir recht ist; ich wäre glücklich, wenn ich meinem teuren Louis noch übers Grab hinaus einen Liebesdienst leisten könnte.  Er
12
schwieg eine W
eile, in Erinnerung versunken.
 Ich sehe ihn noch vor mir,
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wie ich ihn zum erstenmal gesehen habe. Das war Anno zweiunddreißig in der Hofkapelle, in meiner lieben alten Kapelle, die nun das Feuer zerstört hat.  Seine Stimme bebte einen Augenblick.  Ich saß vor meiner Or
gel und spielte einen Satz von unserem niederländischen Nationalheiligen Orlando di Lasso. W
ie ich fertig bin und mich erhebe, steht ein junger Bursch vor mir und redet mich an in der Sprache meiner Heimat  Jean! Ich will deinen Sohn mit denselben Tönen begrüßen, mit denen ich seinen Großvater begrüßt habe; das soll ein gutes Omen sein! Bring ihn mir morgen ins Münster, wenn die
13
Vesper
zum Münster. Gesprochen ward unterwegs kein Wort. Es hatte mor zwischen V
beendet ist; da will ich ihn empfangen.
So wanderte Johann am andern T
age, den kleinen Ludwig an der Hand,
ater und Sohn noch einmal einen heftigen Auftritt gegeben, denn
gens
der Kleine hatte sich wiederum standhaft geweigert, Klavier zu üben. Alles Zureden und Bitten und Schelten hatte nicht das mindeste gefruchtet; Johann hätte ebensogut auf einen Stein einreden können.
14
Am liebsten hätte er seinen starrköpfigen Sohn zu Boden geschlagen; aber die Angst und das Flehen in den Augen seiner Frau bestimmte ihn, vorläufig nachzugeben.  Durch eine Seitentür der Kirche, nahe dem Chor, traten sie ein. Stille und Dunkelheit umfing sie, der Duft von Weihrauch und Lilien. Johann führte seinen Sohn die Stufen zum Chor hinauf; dort nahmen sie Platz. Still glühte das rote Licht der Ewigen Lampe. In geheimnisvoller Dämmerung dehnte sich der ungeheure Raum. Nur von dem Fenster oben hinter der Orgel drang Licht herein. Dort geht es in den Himmel, dachte Ludwig. In dunklem Goldschein schimmerte die Figur eines Heiligen, der ein kleines Kind auf dem Arm hielt; gebor
gen vor der Welt da draußen ruhte es an seiner Brust  Ähnlich war Ludwig zumute. Still und unbeweglich saß er; die vorausgegangene Erschütterung war einer sanften Entspannung gewichen.
Ein leiser Ton schwebte heran. Wo kam er her? Ein anderer gesellte sich
hinzu, ein dritter
, immer mehr; es wurde stärker, immer stärker, wuchs zum
Brausen, zum Dröhnen, und in mächtigen Akkorden zog ein alter Hymnus vorüber.
Ludwig saß wie erstarrt; er wagte kaum zu atmen. Das war Musik! Ja,
das war Musik!
Der letzte Ton war verhallt. Eine feierliche Stille trat ein. Vater flüsterte Ludwig, wer hat die Musik gemacht? Johann deutete nach oben zur Orgel. An der Brüstung stand ein alter Mann; das Licht der Abendsonne umschimmerte sein weißes Haupt. Er hob winkend die Hand.
15
38
Wir sollen hinaufgehen, Louis. Hinter seinem V
steinernen Riesenpfeilern des Schiffes vorbei, die T
ater schritt Ludwig die Stufen des Chores hinab, an den
reppe zur Or
gel hinauf. Da stand der Alte und streckte ihm die Hand entgegen.  Lange betrachtete er den Enkel seines liebsten Freundes. Ihm entgingen nicht die letzten W
ellen der Sturmflut, die soeben über die Seele dieses Knaben dahingebraust war. Gütig strich seine feine durchgeistigte Hand über Ludwigs Haar.
Ganz der Großvater! Die Stirn, die Augen, der Mund, Zug um Zug
mein lieber alter Louis!  Jean! fuhr er leiser fort, um den Jungen ist dir
16
bange?
Laß dich doch nicht auslachen, dummer Kerl du!  Sag, Louis,
möchtest du nicht auch so schöne Musik machen können?
Ich? Wie soll ich das können? Du mußt es lernen, Louis. Kann man das? Freilich! Ich hab es doch auch gelernt! Dann möchte ich es auch lernen! Das ist viel schöner als Klavier spielen! Ich will nicht mehr Klavier spielen. Deine Hände sind aber noch zu schwach, und die Königin der
Instrumente verlangt einen vollkommenen Klavierspieler.
Soll ich dich auf dem Klavier weiter unterrichten? Wenn ich später Orgel lernen darf  Das versprech ich dir
, Louis.
Dann will ich weiter Klavier spielen.
Texterläuterungen
1
..., in der er hätte Brunnen vergiften mögen 
÷òî åìó ñâåò áûë íå ìèë;
2
... die Gnade gehabt hatte  заслужил милость
3
Dafür musste er nun tagein, tagaus bis spät in die Nacht am Klavier
sitzen  И к тому же он должен был теперь сидеть за роялем
изо дня в день до поздней ночи;
4
Ludwig wurde mürrisch, verschlossen, menschenscheu 
угрюмым, замкнутым, нелю
5
..., sich allmählich in Abneigung zu wandeln 
димым;
титься в антипатию;
6
..., fort auf Nimmerwiedersehen! 
прощайте, навс
â ò
аком настроении,
;
Людвиг стал
ïî
степенно превра-
åãäà!
39
7
Sie hatte ihr Kreuz zu tragen 
8
..., dass ihm Hören und Sehen verging 
она должна была нести свой крест;
что он перестал слышать и
видеть;
9
Verschwören habt ihr euch gegen mich 
Вы устроили заг
овор против
ìåíÿ;
10
Ich rühre keine Taste mehr an 
Я не прико
снусь больше к
клавишам
11
..., wie es dir zumute ist 
12
in Erinnerung versunken 
13
die Vesper 
14
Johann hatte ebensogut auf einen Stein einreden können 
ìîã áû ñ ò
15
... die vorausgegangene Erschütterung war einer sanften Entspannung
gewichen 
вечерня (рел.)
аким же успехо
полученно
÷òî ó òåáÿ íà äóøå;
погруженный в воспоминания;
м говорить с к
е потрясение спо
амнями;
собствовало тихо
Иоганн
ìó
умиротворению;
16
... um den Jungen ist dir bange? 
тебе не страшно за ма
льчика?
Aufgaben
1. Erklären Sie den Gebrauch des Konjunktivs im folgenden Satz: Er sei der Vater, er sei dafür verantwortlich, dass aus werde, und er bitte sie, jede Einmischung zu unterlassen. Übersetzen Sie diesen Satz ihs Russische.
2. Von welchem Redensart sind diese Nomen gebildet?:  das Zureden,das Bitten, das Schelten. Verstehen Sie die Bedeutung dieser Wörter?
3. Erzählen Sie über die Folgen des ungelungenen Konzertes in Köln.
4. Arbeiten Sie in kleinen Gruppen. Spielen Sie die Rollen des Vaters, der Mutter und des Sohnes laut des Textes auf den Seiten 3537.
5. Welchen Eindruck machte auf Ludwig das Orgelspiel des Hoforganisten?
6. Finden Sie das Fragment des Textes, in dem es sich um das Ä von Ludwig handelt. An wen erinnerten dem alten van den Eeden Ludwigs Gesichtszü
ge?
dem Junge etwas
ussere
40
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