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Детство и юность Людвига ван Бетховена. Учебное пособие – книга для чтения на немецком языке

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und im Orchester die Bratsche. Dann hat er ne Masse Klavierstunden gegeben und auf die Weise sich und seine zwei Brüder erhalten; der V
ater ist nämlich krank und dienstunfähig. Ferner hat er eine ganze Menge komponiert: ein paar Klaviervariationen, ein Bläseroktett, Lieder
, ein wunderbares Streichtrio, um nur das Wichtigste zu nennen. Dann hat er sich in der schönen Literatur und in der Philosophie umgesehen. Und das nennt der Mensch nicht viel!
Das scheint mir allerdings eher viel als wenig, sagte Haydn lächelnd. Und wie steht es mit der Theorie, mit dem Strengen Satz und so weiter? Damit hat es doch damals bei Ihnen gehapert?
Das meinte ich eben, entgegnete Ludwig. In der Theorie bin ich eigentlich gar nicht vorwärts gekommen. Herr Neefe hat immer erklärt, darin könne er mich nichts mehr lehren. Kann ich auch nicht, brummte Neefe, habs doch selber nicht gelernt. Dann wird es freilich Zeit, meinte Haydn, daß Sie Ihre technische Ausbildung abschließen? Wissen Sie, was ich Ihnen am liebsten vorschlagen tat? Sie mit nach Wien zu nehmen und selber Ihr Lehrer zu sein.
Das wäre herrlich! sagte Ludwig. Ob mir aber der Kurfürst Urlaub geben wird?
Freilich wird er wie sein verehrter Haydn dich unter die Finger kriegt.
s! rief Neefe. Er wird froh sein, wenn ein Mann
9
Nach ein, zwei Jahren wirst du ihm dann per Extrapost zurückgeschickt, und dann hat er an dir einen Künstler, um den ihn die Höfe von ganz Deutschland beneiden können! Wie ich Ihren Kurfürsten kennengelernt hab, meinte Haydn, möcht ich zu schade, daß jetzt grade diese verfl
s eigentlich auch glauben. Ach Gott nochmal, rief Neefe,
 na, jetzt hätt ich beinah was gesagt! Sonst könntest du gleich mit nach Wien fahren. Aber wenn er wieder zurück ist, gleich soll Graf Waldstein ihm die Pistole auf die Brust
10
setzen.
Und dann, Louis: auf nach W
sagte Haydn. Ich würde das Gefühl dabei haben, ein V
ien! Mir wars eine rechte Freude,
ermächtnis Mozarts
zu vollziehen.
 Und jetzt möcht ich Ihnen noch etwas zeigen.  Er holte seine Brieftasche vor und entnahm ihr einen Brief.  Sehen Sie, das ist der größte Schatz, den ich besitze; ich trag ihn immer auf der Brust. Den Brief schrieb mir Mozart, als er mir seine sechs Streichquartette schickte, die er mir gewidmet hat.
221
 Wien, den ersten September 1785.  Meinem teuren Freunde Haydn.
 Ein V
ater, der beschlossen hatte, seine Söhne in die große W
elt hinauszuschicken, glaubte, sie dem Schutz und der Führung eines berühmten Mannes anvertrauen zu sollen, der außerdem zum guten Glück sein bester Freund war. Da, du berühmter Mann und mein teuerster Freund, da hast du meine sechs Kinder
. Sie sind 
Er vermochte nicht weiterzusprechen, seine Augen füllten sich mit Tränen. Er faltete das Blatt wieder zusammen und verwahrte es auf seiner Brust.
Herr van Beethoven, sagte er
, wenn Sie zu mir kommen, kann ich Ihnen nur einen schlechten Ersatz geben für das, was wir alle an Mozart verloren haben. Aber eins verspreche ich Ihnen: Mozarts Geist soll mit uns sein!
Texterläuterungen
1
fühlte  das eigene Gottesgnadentum beleidigt und gefährdet
почувствовал угроз
2
allerlei Dinge munkelte
3
 und fast unerträglich dünkte
4
also in Amt und Würden saß
5
die Unbefangenheit  наивность, простота;
6
 und geriet in Unruhe und V
у и оскорбление собств
шли всевозможные слухи;
 и казалось почти невыносимым;
следовательно, был со
erwirrung è (åþ) îâ
енной божьей милости;
стоятельным;
ладело смятение
и беспокойство;
7
 Unkraut ver
geht nicht (Sprichtwort)
Худое споро, не сорв¸шь
скоро;
8
ein ... Manifest vom Stappel gelassen hat
9
... dich unter die Finger kriegt
10
... die Pistole auf die Brust setzen
заполучить тебя;
...приставить пистолет к гру
îïóá
ликовал манифест;
äè;
Aufgaben
1. Übersetzen Sie folgende Redensarten aus dem Russischen ins Deutsche:
речь ид¸т о его родине;  «школа нравов»;  жить на средства своей жены;  ему пришло на ум;
222
 не оставить камня на камне;  европейская знаменитость;  человек с положением, быть состоятельным;
Vergleichen Sie Ihre Übersetzung mit dem Original im Text.
2. Hier wird über den Fluß die Ahr geschrieben. Finden Sie im Text die zusammengesetzten Nomen mit dem Bestimmungswort  Ahr  z.B. Ahrtal, n ...
3. In diesem Kapitel erzählt man über die Ereignisse in Frankriech. W
elchen
Klang fanden sie in Deutschland?
4. Was bedeutet das Sprichwort: Unkraut vergeht nicht. Wen betrif das?
5. Welches wichtige Ereignis mußte Ludwig zwingen, nach Wien zu fahren?
ft
FÜNFUNDZWANZIGSTES
K
APITEL
In der Nacht, die diesem großen Tag folgte, fand Ludwig lange keinen Schlaf. Des größten lebenden Meisters Schüler zu werden! Endlich, endlich lag die Bahn vor ihm frei! Das fühlte er: wenn er erst seine Kunst völlig in der Gewalt hätte, wenn es keine technischen Hemmnisse mehr für ihn gäbe, dann würde er groß werden, größer als alle andern! Denn dessen war er sich bewußt: er hatte unendlich viel zu sagen, mehr als alle seine Kunstgenossen. Mozart  mit dem sich zu vergleichen, lag ihm fern. Wäre er am Leben geblieben, er wäre immer mächtiger gewachsen, wäre zu
1
Höhen gelangt
zu denen ihm wohl keiner hätte folgen können. Aber er war dahin. Durch seinen Tod hatte die emporstrebende Linie des gesamten Musikschaffens einen Bruch erlittent, Naturnähe und dem Reichtum seiner Kunst. Er
2
trotz Haydn, trotz der Echtheit, der
, er fühlte sich berufen, dort anzuknüpfen, wo Mozart aufgehört hatte; er wollte einst die Musik durchtränken mit den großen Gedanken, die jetzt noch stürmisch gärten in seiner Brust. Der Gedanke, der erhabene Menschheitsgedanke sollte Musik werden; was Kant und Schiller die Menschen gelehrt, solches wollte er ihnen durch die Macht seiner Töne zurufen.  Sein Denken begann sich zu verwirren; er schlief ein. Im T
raume hörte er eine T
rompetenfanfare. V
223
or
ihm, von Glanz umflossen, stand der Erzengel Michael. Von dem Schild an seiner Linken leuchtete das Wort: Musik. Auf dem Flammenschwert in seiner Rechten war in schimmernder Schrift eingegraben das W
ort: Gedanke.  Und der Engel neigte sich über ihn, reichte ihm Schild und Schwert, und war verschwunden. Der andere Tag freilich brachte Ludwig wieder Bedenken. Würde der Kurfürst einwilligen? Was würde geschehen, wenn das feindliche Heer hereinbrach? Und Eleonore  die Trennung von ihr stand ihm schmerzlich bevor
. Aber es sollte ja keine T
rennung auf ewig sein, auf zwei Jahre doch allerhöchstens. Dann würde er als Meister zurückkehren, dann die Frage wagen dürfen, ob sie die Seine werden wolle. Gegen Abend suchte er das Haus am Münsterplatz auf. Er traf nur Frau von Breuning im Familienzimmer; Eleonore hatte gerade den Besuch einer Freundin.
Dann muß ich also Ihnen allein mein Glück verkünden, sagte er und erzählte das gestrige Erlebnis. Frau von Breuning äußerte herzliche Freude; doch klang ihr Glückwunsch etwas gemessener, als er erwartet hatte. Ist etwas geschehen? fragte er
. Sie sind nicht so wie sonst. Ich hatte gedacht, Sie würden glücklich mit mir sein. Das bin ich ja, Louis! Auch die Kinder werden froh für dich sein.
Kann ich nicht auf Lorchen warten? Es wird wohl etwas spät werden; die Mädchen haben sich einen Haufen Neuigkeiten zu erzählen. Als er fort war, ging Frau von Breuning zu ihrer Tochter hinüber
. Mit verweinten Augen saß Eleonore am Fenster und starrte hinaus. Ihre Mutter trat zu ihr und strich ihr sanft über das Haar.
Du mußt es nicht so schwer nehmen, Kindchen. Du hast noch keinen Begriff vom Leben. Louis hat heißes Blut; was er getan hat, das tun fast alle jungen Leute. Du brauchst deshalb nicht schlechter von ihm zu denken.
Sich so wegzuwerfen! sagte Eleonore leise, er
, dieser prachtvolle große Mensch! Und wenn es alle tun  er hätte es nicht tun dürfen!  Frisch aus ihren Armen weg ist er zu uns nach Beul gekommen, und tat doch so, als sei nichts vorgefallen. Ich mußte doch denken, er sei noch der Frühere, der Reine, den ich geliebt habe.
Kindchen, hätt er dir vielleicht seine Erlebnisse beichten sollen?
Er hätte nicht kommen sollen! erwiderte Eleonore heftig. Er mußte wissen, daß ich nur einen reinen Menschen lieben kann. Oh, nun ist alles, alles aus!
224
Du machst Ansprüche an das Leben, die es dir nicht erfüllen kann. Wenn du so denkst, wirst du besser tun, nie zu heiraten; einen ganz reinen Mann wirst du schwerlich finden.
Ich will auch nie heiraten! rief Eleonore leidenschaftlich. Ich will bei dir bleiben, und wenn du stirbst, will ich mit dir sterben!
Das wollen wir denn doch nicht hoffen, Lorchen. Aber erinnere dich, was ich dir früher gesagt habe. Louis ist nicht zum Heiraten geschaffen. Das sage ich nicht wegen dieses Abenteuers, das du so schwer nimmst. Er wird einmal ein großer Künstler werden, seine Kunst
3
wird ihn völlig in ihren Bahn schlagen; Platz für Frau und Kinder
. Glaub es, Lorchen, du würdest nur unglücklich
da bleibt in seinem Herzen kein
mit ihm werden.
Das glaub ich jetzt selber. Oh, wenn ich dir nur früher gefolgt wäre, dann war er mir jetzt gleichgültig, und all die Qual jetzt wäre mir erspart. Aber nun soll auch ein Ende sein.
Er war eben hier und hat nach dir gefragt. Ich sagte ihm, du hättest noch Besuch. Er hofft, in Bälde nach W
ien zu gehen, um Haydns Schüler
zu werden.
Ich wünsch ihm Glück auf die Reise, sagte Eleonore, und ihre T
ränen
flössen von neuem; ich will ihn nie wiedersehen.
Wie willst du das anstellen, Kind? Ich lege mich ins Bett und sage, ich sei krank. Und wenn sich seine Abreise länger hinzögert? Nein, Kind­chen, rede keinen Unsinn! Begegne ihm freundlich, als sei nichts vorgefallen.
Und wenn er mich fragt, ob ich seine Frau werden wolle? Dazu darfst du es nicht kommen lassen. Ich h a b es ja schon fast dazu kommen lassen! Wäre gestern Herr Neefe nicht dazwischen gekommen, dann wäre es schon geschehen.
Frau von Breuning überlegte einen Augenblick. W dann ist es freilich besser, ihr seht euch nicht mehr
enn es s o steht,
. Geh auf einige Zeit zur Tante nach Köln; vielleicht reist Louis rascher ab, als wir es jetzt denken. Und du, Mama, willst du ihm gar nichts über sein Verhalten sagen?
4
Das kommt mir nicht mehr zu.
Er ist alt genug, um zu wissen, was er tut.  Ja, das Leben ist nicht ganz so, wie du dirs wohl vorgestellt hast, mein armes kleines Mädchen.  Nun wein dich mal satt!
225
*
Bald nach Haydns Abreise kehrte der Kurfürst nach Bonn zurück; aber Ludwig wagte es nicht, ihn jetzt mit seinen Angelegenheiten zu behelligen. Er konnte sich wohl denken, daß der Kurfürst jetzt andere Sor
gen hatte. Der politische Horizont umdüsterte sich immer mehr das Schicksal seiner Schwester mußte ihn mit banger Sorge erfüllen. Die Tuilerien waren erstürmt und die treue Schweizer Garde ermordet; die königliche Familie saß im Temple gefangen. Die verbündeten Heere waren, nach unendlichem Zögern, von Coblenz aus in Frankreich eingerückt. Aber statt nun zu einem raschen Schlage auszuholen, der den weit schwächeren Feind unfehlbar vernichtet hätte, rückte man nur langsam vor mit der Belagerung bedeutungsloser Festungen auf und ließ dem Gegner Zeit, sich zu sammeln und zu verstärken. Die Einnahme von Verdun  am
2. September 1792  war für die Pariser Jakobiner unter Danton das Signal, die königstreuen politischen Gefangenen zu T abzuschlachten.  Der Himmel selber schien den Franzosen zu Hilfe zu kommen. Es begann zu regnen, tagein, tagaus; die Straßen verwandelten sich in Moräste. Immer spärlicher wurden die Nachrichten, die von der Armee zurück über die Grenze gelangten; schließlich blieben sie ganz aus. Lähmende Ungewißheit lag auf allen. Bis dann eines Tages die Kunde kam, die zuerst niemand glauben wollte, so unfaßbar, so ungeheuerlich war sie:, Das vorzüglich disziplinierte, aufs beste ausgerüstete Heer Verbündeten war in dem regendurchweichten Schlammboden der Champagne steckengeblieben und hatte nach der kurzen ruhmlosen Kanonade bei Valmy am 20. September vor den zusammengewürfelten Horden der Revolutionsarmee den Rückzug angetreten. Am nächsten T war Frankreich Republik; es gab keinen König mehr, nur noch einen armen Gefangenen, der für sich und seine Familie auf das Schlimmste gefaßt sein mußte. Graf W
aldstein war schon längst in Haydns Vorschlag ein­geweiht worden und hatte ihm begeistert zugestimmt. Schließlich faßte er sich ein Herz und ging zu seinem Herrn, um für Ludwig zu bitten. Er brauchte nicht viele W einverstanden, daß Ludwig unter W unbestimmte Zeit nach W
orte zu machen. Der Kurfürst war sogleich
eitergewährung seines Gehaltes auf
ien beurlaubt wurde.
Ob er uns wiederfindet, wenn er gar zu lange fortbleibt? W
du, Ferdl? Königliche Hoheit scherzen wohl, antwortete Waldstein und
, und
, hielt sich
ausenden
5
der
age
as meinst
226
versuchte zu lachen, aber es wollte ihm nicht recht gelingen. Die Neufranken werden mit der Einrichtung ihrer glorreichen Republik genug zu tun haben und nicht an Eroberungen denken.
Gebe Gott, daß du recht behältst, Ferdl.  Sonst nichts Neues von
Paris?
Nein, Königliche Hoheit. Du unterschlägst mir doch nichts?
6
Aber gewiß nicht, Königliche Hoheit Meine arme Schwester! W
as wird wohl aus ihr werden! Verbannung nach Deutschland, Königliche Hoheit! Meinst du, Ferdl? Aber gewiß doch! Was denn wohl sonst? W
as denn wohl sonst?
Ja , was denn wohl sonst! Ich wag es nicht zu denken.
Er war leichenblaß geworden und sank in einen Stuhl. W
aldstein trat
besorgt an ihn heran. Der Kurfürst schüttelte müde den Kopf.
s ist nix, Ferdl. Ich find nur keinen Schlummer mehr
den Doktor einmal her
, er soll mir nen Schlaftrunk brauen.
Darf sich Beethoven selber vorstellen? Heute nicht, Ferdl. V
ihn meines W
ohlwollens; er mag ein andermal kommen. Und ver
. Schick mir doch
ersichere
giß den
Doktor nicht! 
So glücklich Ludwig sonst über die Gnade des Kurfürsten gewesen
wäre , die politischen Verhältnisse, die sich in den nächsten W
ochen immer ernster gestalteten, ließen doch keine rechte Freude bei ihm aufkommen; ja, er begann zu zweifeln, ob er überhaupt das Recht habe, seine V der französische General Custine am Rhein, nahm Speyer Mainz, ja drang sogar über den Rhein bis nach Frankfurt vor benachbarten Erzbistum T
aterstadt und die Seinen jetzt zu verlassen. Im Oktober erschien
, Worms und
. Im
rier und seiner Hauptstadt Coblenz löste diese Nachricht panischen Schrecken aus. Der Erzbischof bat den Bonner Kurfürsten um militärische Hilfe, aber Max Franz hatte selber nur dreihundert Mann zur V
erfügung, weil er die Mehrzahl seiner T
ruppen an das Reichsheer abgestellt hatte. Da erschien der trierische Kurfürst als Flüchtling in Bonn; Max Franz wies ihm Münster als Asyl an. Er selber mußte sich mit dem Gedanken an Flucht vertraut machen. Die Archive und das W
ertvollste seines Besitzes wurden eingepackt und auf Schif
verladen. Viele ade
lige Familien und die höhere Geistlichkeit schickten
fen
227
sich gleichfalls an, Bonn zu verlassen. Nahrungssorgen ängstigten die Bevölkerung; der Brotpreis stieg; das Vieh, das sonst die Nacht über draußen auf den W
eiden vor der Stadt geblieben war
, wurde Abend für Abend hereingetrieben, weil man einen feindlichen Überfall befürchtete. Eine Bürgerwehr wurde eingerichtet, an der sich alle waffenfähigen Männer beteiligen mußten. Unruhe, Angst lag auf allen Gesichtern, durfte Ludwig gerade jetzt fortgehen, wo es vielleicht auf jeden einzelnen Mann ankam, die Vaterstadt zu verteidigen?
Frau von Breuning suchte ihm seine Bedenken auszureden. Nein, Louis, du hast andere Pflichten. Ob wir deutsch bleiben oder französisch werden, daran kannst du nichts ändern. Deine heilige Pflicht ist, das aus dir zu machen, wozu du berufen bist.  Ähnlich hatten auch Neefe und W
aldstein gesprochen, und Ludwig hätte sich nur zu gern überzeugen lassen; aber es blieb ein bitteres Gefühl in ihm zurück; fast wie ein Fahnenflüchtiger kam er sich vor. In diesen T
agen kam Eleonore von Köln zurück; bei der Zuspitzung der politischen Lage wollte ihre Mutter sie nicht länger von sich getrennt wissen.  Eleonore hatte inzwischen Zeit gehabt, über ihr Verhältnis zu Ludwig nachzudenken. Ihre reine Mädchenseele hatte den W
eg zu dem heimlich geliebten Freunde nicht mehr zurückgefunden; nach wie vor empfand sie sein V
erhalten in Beul als Verrat So hatte sie nach leidvollen W
ochen sich innerlich von ihm gelöst, und als er sie nun wiedersah, trat sie ihm mit einer kühlen Herzlichkeit gegenüber
, die er nicht begrif Eleonore! sagte er schmerzlich, Lorchen! was ist denn nur geschehen? W
as ist denn zwischen uns getreten? Ich weiß nicht, was Sie wollen, Louis. Ich empfinde genauso freundschaftlich für Sie wie immer
Das kann ich nicht glauben! entgegnete er
.
. Ir
gend etwas ist geschehen, Sie wollen mir es nur nicht sagen. Ich muß Sie bitten, Louis, nicht an meinen W
orten zu zweifeln.
Das ist eine Zurechtweisung, die ich nicht verdiene. Sie kränken mich,
Eleonore! S i e kränken mich, Louis!
Lorchen, ich will Sie ja nicht kränken! Verzeihen Sie mir! Aber ich habe doch Augen und Ohren! Ich sehe und höre doch, daß Sie ganz anders zu mir sind als früher! Denken Sie doch an Beul!
Ja, Louis, denken S i e an Beul!
f.
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Er verstand sie natürlich nicht.  Lorchen, in Beul waren Sie anders zu
mir! Sie waren so lieb zu mir! nicht nur freundschaftlich!
Sie sah ihn groß an.  Nicht nur freundschaftlich? Wie denn sonst? Anders! Sie waren so, daß ich glauben mußte, ich sei Ihnen mehr als
ein Freund!
Louis, ich glaube, wir brechen dies Gespräch lieber ab. Nein, Eleonore! rief er außer sich, Sie müssen mir Rede und Antwort stehen War ich Ihnen damals nicht noch mehr als ein Freund? Nein, entgegnete sie hart.
Dann haben Sie mit mir gespielt! Oh, das ist unwürdig! Louis, bitte, lassen Sie mich jetzt allein! Nun war es mit seiner Selbstbeherrschung vorbei. Gespielt haben Sie mit mir! Das leugnen Sie jetzt, weil Sie sich schämen! Eleonore, wie habe ich mich in Ihnen getäuscht! Ein Spielball für Ihre Mädchenlaunen bin ich Ihnen gewesen, und weiter nichts! Oh, daß ich das nicht früher begriffen habe!
Ohne ein W
ort zu erwidern, ohne noch einmal den Blick auf ihn zu richten, ging Eleonore hinaus. Ludwig stand eine Weile wie betäubt. Dann verließ er das Haus mit dem Gefühl, er werde es nie wieder betreten. Jetzt würde ihm der Abschied von Bonn nicht mehr schwer werden!
Frau von Breuning hielt den Bruch zwischen ihrer Tochter und Ludwig
letzten Endes für notwendig. Aber daß er in so schrof
fer Form erfolgt war, erfüllte sie mit Trauer; denn sie wußte genau, wie Ludwig litt und hatte ihm doch im Grunde nichts vorzuwerfen. Und dabei stand seine Abreise vor der Tür
, eine Trennung auf Jahre hinaus. Ging er so von Bonn fort, dann war er ihnen allen als Freund verloren. Sie wartete einige Tage, ob er nicht von selber bei ihr anklopfe. Er kam nicht. Da bat sie ihn brieflich, nicht ohne Abschied fortzugehen. Eine halbe Stunde darauf stand Ludwig vor ihr. Sie haben mich rufen lassen, sagte er und versuchte Kühle und Gleichgültigkeit in seinen Blick zu legen. Aber wie er ihr in die Augen sah, wie er darin nichts fand als die alte mütter­liche Liebe, der er das Schönste seiner ganzen Jugend verdankte, da
8
schmolz aller Trotz
dahinter beugte sich auf ihre Hand und küßte sie mit innerster Bewegung. Frau von Breuning traten die Tränen in die Augen.
7
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Mein lieber armer Junge, sagte sie sanft, wir wollen nicht weinen, sondern vernünftig miteinander reden. Komm, setz dich zu mir.  Also du glaubst nun, Lorchen hätte mit dir gespielt, mit dir kokettiert?
Sie hat mich gekränkt! Und ich hab sie doch so lieb! über alle Maßen lieb!
Sie war eine von vielen, die du liebgehabt hast, Louis! Nein! entgegnete er heftig. Das mit den andern, das war alles Kinderei. Denk an Maria W
esterholt!
Ja, die hab ich liebgehabt. Aber das ist längst vorbei. Und die Demoiselle Willmann?
Ludwig wurde über und über rot. W
as wissen Sie von der? sagte er
etwas verwirrt.
Daß du sie gern hattest, vielleicht etwas zu gern. Sie hat mich nur sinnlich gereizt. Das sage ich Ihnen, weil ich will, daß Sie alles wissen. Sie tat, als gefiele ich ihr, und das schmeichelte meiner Eitelkeit, weil nun mal alle von ihr entzückt sind. Gut, wenn Sie wollen, ich war in sie verliebt. Aber mein Inneres  hatte keinen Teil daran, Liebe war das nicht. Als ich nach Beul kam, hatte ich sie schon vergessen. Aber Lorchen liebe ich, das ist der große Unterschied!  Hat sie denn das mit der W
illmann gewußt? Gleich als wir wieder in Bonn waren, hat eine Freundin es ihr erzählt.
Darum also die V
eränderung! Oh, warum hat sie nicht gesprochen! Ich hätte ihr gesagt, diese ganze Sache sei nicht wert, ein Wort darüber zu verlieren. Louis, stell dir einmal vor
, du liebtest ein Mädchen und erführest, ein anderer Mann hätte solch einen Eindruck auf sie gemacht, wie die Willmann auf dich. Wie würde das auf dich wirken?
Von dem Moment an wäre sie mir gleichgültig. Kannst du es dann
Lorchen verdenken, daß du ihr gleichgültig geworden bist?
Er schwieg eine W
eile.  Ich dachte mir, sagte er dann, das wäre bei Mann und Frau doch nicht dasselbe. Es mag oft nicht dasselbe sein, Louis. Aber Lorchen ist nun mal nicht wie die meisten Mädchen. Der Mann, den sie liebt, muß ihr ganz gehören; sonst ist es eben vorbei. Ludwig starrte vor sich hin.  So hat sie mich also liebgehabt, sagte er endlich, und die Tränen traten ihm in die Augen. Ja, Louis.
Und das habe ich mir nun verscherzt. Auf immer verscherzt.  Oder
doch vielleicht nicht auf immer? Wir werden es sehen, Louis.  Und nun
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