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Детство и юность Людвига ван Бетховена. Учебное пособие – книга для чтения на немецком языке

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Als die Sonne sank, warf man vor einem freundlichen Städtchen die Anker aus, um zum Übernachten an Land zu gehen. Ludwig zog vor, auf dem Schiff zu bleiben, und übernahm die Nachtwache; er wollte allein sein. In seinen Mantel gehüllt, saß er und lauschte dem Rauschen des Rheines, sah zu, wie Wasser und Himmel allmählich dunkel wurden. Und dunkel sah es in seinem Innern aus; es war der Rückschlag auf die Fröhlichkeit des zu Ende gegangenen T
ages, die ihm nun albern und kindisch erschien. In dem nahen Gasthaus, das seine Kameraden aufgenommen, waren die Fenster geöf
fnet; er hörte Lachen und Gläserklingen. Eine dumpfe Traurigkeit bemächtigte sich seiner Wie töricht war er gewesen, davon V zum Frieden! W
. Was sollte er in dieser fröhlichen Gesellschaft!
ergessen zu erhoffen!  Durch Kampf
ie hohl kam ihm das W
ort jetzt vor! Maria besitzen  das wäre der Friede; aber er würde ihm niemals zuteil werden. Es war Nacht geworden. Die am Lande waren zur Ruhe gegangen, tiefe Stille herrschte; nur ganz leise klopfte das Wasser gegen die Schif
fswand.  Ludwig atmete tief auf, lehnte sich zurück und blickte zum Himmel empor. Da stand Stern an Stern, und das weiße Band der Milchstraße, aus Millionen Welten gewoben, dämmerte geheimnisvolles Licht. Der gestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir
.
Eine Erschütterung, wie er sie nie erlebt, kam über den jungen Menschen. Er weinte, weinte. Endlich straffte er sich auf.  Ich armer kleiner Mensch im unendlichen, grenzenlosen Weltall,  ein Nichts , und doch nicht ein Nichts! In mir brennt ja der göttliche Funke! Derselbe Gott, der die Sterne leuchten läßt, hat ihn entzündet Ich darf ihn nicht ersticken lassen! Ich muß
5
entsagen, sonst geh ich zugrunde,
und ich d a r f nicht zugrunde gehen!  Maria! Wie ein schöner schimmernder Stern sollst du mir fortan leuchten, wunschlos will ich an dich denken, will dich nicht mehr begehren, mich nur noch an deinem Glänze freuen!
Ruhe war über ihn gekommen. Noch lange saß er und schaute dem Wandel der Gestirne zu. Aus dem Rauschen des Rheines begann eine süße Melodie zu ihm aufzusteigen; hingerissen lauschte er
. Immer mächtiger, berückender schwollen die Töne an, himmlische Harmonien woben auf und ab; dann entschwand alles in selige Ferne. Ludwig stand auf. Ihm war, als müsse er die ganze Natur an sein Herz drücken. Weit öf
fnete er die Arme
und reckte sie zum Himmel.
Musik! Ich habe dich wieder!
201
*
Am Morgen erwachte Ludwig als ein anderer Mensch; eine ruhige stille Fröhlichkeit war über ihn gekommen. Wenn er die Pflichten seines gemeinnützigen Amtes erfüllt hatte, ließ er sich den frischen W Stirn wehen und genoß mit offenen Augen und beglücktem Herzen die stetig wechselnden Eindrücke still für sich. Lauter neue Bilder waren es jetzt, denn so weit stromauf hatten sich seine Wanderungen niemals ausgedehnt. Das trotzige Felsenmassiv des Ehren breitsteines tauchte auf. Wie oft hatte die Mutter ihm davon erzählt! Von der mächtigen alten Feste dort oben, von dem schönen Residenzschloß zu seinen Füßen, das der regierende Kurfürst allerdings gegen einen glänzenden Neubau auf der Coblenzer Seite vertauscht hatte; von ihrem Heimatdorf, das sich unter dem Namen T
al Ehrenbreitstein so lieblich und bescheiden an den Fuß des Festungskolosses anschmiegte. Da drüben stand ein kleines Mädchen am Ufer und winkte Grüße herüber. So mochte seine Mutter auch oft als Kind gestanden sein. Rasch zog er sein Tuch und winkte einen Gegengruß. Und das kleine Geschöpf schwang nun sein Tüchlein doppelt geschwind, ganz stolz, daß es von dem schönen, fremden Schiff beachtet wurde.  Eine riesige blendend weiße Segelwand tauchte auf und kam in voller Fahrt rasch näher. An Bord blitzte es an allen Ecken und Enden golden auf. Am Steuer saß ein vergoldeter Neptun, der mit seinen ausgestreckten Armen Wind und W
ellen zu gebieten schien. Das war die Jacht des trierischen Kurfürsten. Rasch versammelten sich bei den Bonnern die Blechbläser, und als man einander vorüberglitt, schmetterten sie einen kräftigen Tusch hinüber, Tücher und Mützen winkten, und die beiden kurfürstlichen Flaggen senkten und hoben sich dreimal zum Gruß.  An ungeheuren Flößen fuhr man vorbei, Holzinseln von fast tausend Fuß Länge, die von unzähligen Ruderknechten bevölkert waren; an tiefgehenden schwerbeladenen Kähnen und an kleinen Fischerbooten, die ihre Netze ausgeworfen hatten.
ind um die
Texterläuterungen
1
haben sich reisefertig zu machen
2
... und alarmierte die ganze Gesellschaft, sich dieses Schauspiel
anzusehen
202
призвал вс¸ общество посмотреть на этот спектакль;
3
der Pfaffe = der Pastor;
должны готовиться к поездке;
4
... war der gleichen Meinung
5
... sonst gehe ich zugrunde
был того же мнения;
иначе я погибну.
Aufgaben
1. Bestimmen Sie das Thema dieses Kapitels. W
orum handelte es sich
hier?
2. Welche Bedeutung für den inneren Seelenzustand von Ludwig hatte diese Jachtfahrt?
3. Wie formulierte Ludwig sein Lebensmotto? Hat er sein Ideal im Schaf später verwendet? W
enn ja, in welchen Werken? Diskutieren Sie diese
fen
Frage in kleinen Gruppen.
4. Übersetzen Sie folgende Redewendungen aus dem Russischen ins Deutsche:
 почистить картофель;  под шутки и смех;  быть того же мнения;  причалить к берегу;  я не имею права погибнуть.
DREIUNDZWANZIGSTES
K
APITEL
Nun geht bald der Hofdienst wieder an, seufzte Ries, als die Türme
von Miltcnbcrg in Sicht kamenn
1
Na, wenigstens hat die verfluchte Kocherei
ein End.
Und ich freue mich schon auf die Rückfahrt, entgegnete Ludwig, trotz Kartoffelschälen und Feueranzünden. In meinem Leben bin ich nicht so vergnügt gewesen. Eine kurze Landreise brachte die Kapelle nach Mergentheim. Das kleine Landstädtchen prangte im Schmuck von Fahnen und Girlanden. Aus allen Fenstern blickten neugierige Gesichter, als die Bonner Hofmusici in ihren roten Uniformen auf blumengeschmückten Wagen über das holprige Pflaster rasselten. Junge Mädchen winkten W
illkommensgrüße, die von den Roten lebhaft erwidert wurden. Die guten Leute scheinen mindestens V
erständnis zu haben, meinte Ries, der leutselig wie ein in
203
seine Residenz einziehender Landesvater nach allen Seiten grüßte; nett und gemütlich scheint es hier zu sein, aber Bonn ist es nicht! Ich denke beinah, wir werden uns hier kräftig langweilen.  W
as ist denn das für ein alter Kasten? Habt Ihr hier eine Kaserne, Schwager? wandte er sich an den Kutscher
Ein riesiger grauer
. Das ist das Ordensschloß.
, völlig schmuckloser Bau, von dem ein kahler T
urm in die Höhe starrte, breitete sich vor ihnen aus. Daß müßt Ihr aber dran schreiben, daß das ein Schloß sein soll, meinte Ries.
Der W
agen fuhr über einen öden Platz, durch einen dunklen langgestreckten Torweg und hielt dann im inneren Schloßhof. Man stieg aus. Ringsum kahle Mauern; nur auf einer Seite wurde das Bild durch die in den Burgring eingezwängte Barockfassade der Ordenskirche etwas belebt. Graf Waldstein! rief Ludwig erfreut. Na, glücklich angekommen? sagte der Graf. Ja, schön ists hier nicht. Aber dafür gibt hab ich bereits festgestellt. Die paar W
ochen werden schon herumgehen.
s saubre Mädeln, das
Er ließ den Hausmeister rufen und den Ankömmlingen ihre Quartiere
anweisen. Überall herrschte mönchische Einfachheit.
Herr Lux, sagte Ludwig lachend, jetzt sind Sie ja kein König mehr.
2
Möchten Sie nun ein Pfaff
sein?  Der abgedankte König schüttelte sich schaudernd. Das Schloß wimmelte von allen möglichen Würdenträgern; der ganze Orden war schon versammelt bis auf den Kurfürsten, der über Würzbur
g gereist war, um dem Fürstbischof einen Besuch abzustatten. Am nächsten Abend traf auch er ein, und es war ein schönes Bild, wie die Schar der Ordensritter in ihren langen weißen Mänteln bei Fackelschein Spalier bildete und ihren Hochmeister in Empfang nahm.
Kinder, sagte Ries am nächsten T
Probe versammelt war
, langweilen werden wir uns nicht in Mer
age, als die Kapelle bei ihm zur
gentheim; wir werden elend schuften müssen! Hier hab ich das Programm für die ganze W
oche; gebt einmal acht! Sonntag Komödie, mit Ouvertüre und Zwischenaktmusik; Montag Ball  das heißt, wir spielen und die andern tanzen, und das dauert die ganze Nacht; Dienstag Operette; Mittwoch großes Konzert; Donnerstag Komödie; Freitag Akademie; Samstag Operette; und dann geht es wieder von vorn los. Jeden Tag natürlich Probe, und Gottesdienst noch dazu ... Ob da nicht der Herr Direktor Reicha mit seinem Podagra in Bonn den besseren Teil gewählt hat? Aber das will ich euch sagen, Kinder: dankt eurem Herrgott auf den Knien, daß ich nicht auch zuhause geblieben
3
204
bin. Sonst müßtet ihr nämlich unter dem Musikdirektor von der Häuslerschen Theatertruppe spielen! Ich hab ihm gestern meine V heißt er; sieht aus wie ein abgedankter Husarenoberst auch so. Von oben herab, unverschämt freundlich, feudal mit einem W
isite gemacht. W
4
und benimmt sich
eber
ort. Hat aber einen süßen kleinen Jungen, der alte Knochen. Scheint sich auch mächtig was drauf einzubilden. So, nun wollen wir mal anfangen. Und nehmt euch zusammen! V blamieren!
5
or dem Husarenoberst möcht ich mich denn doch nicht
So gab es also Arbeit in Fülle.6 Am Vormittag, wenn der Orden seine Sitzungen hatte, probte die Kapelle, und nachmittags um sechs schon begann Konzert oder Theater. Nur nach dem Mittagessen hatte man Zeit in dem herzlich langweiligen, in französischem Geschmack angelegten Schloßpark oder in den nahen Waldtälern berumzuflanieren. Einmal während einer Opernprobe bemerkte Ludwig im Parterre einen etwa fünfjährigen blassen, dunkelhaarigen Knaben, dessen leuchtende Augen gespannte Aufmerksam­keit verrieten. Als er später den Saal verließ, ging der Kleine ein paar Schritt vor ihm her
. Er hinkte, kam offenbar nur mühsam von der Stelle und blieb endlich stehen. Ludwig näherte sich ihm und bot seine Hilfe an. Der Kleine dankte mit vornehmem Kopfschütteln. W
7
Carl Maria von W
Hat dir die Oper gefallen? Ja, aber mein
eber.
ie heißt du denn, mein Junge?
Vater dirigiert besser. Ludwig mußte über den kleinen Kritiker lachen. Der warf ihm einen erstaunten Blick zu, wandte sich ab und hinkte davon.
Ein paarmal gab es hohen Besuch; der Fürstbischof von Würzburg machte seine Gegenvisite, aus dem nahen Kirchberg kam der Fürst von Hohenlohe. Beide wurden durch Galakonzerte geehrt, in denen der T Simonetti, die Sängerin Willmann, die beiden Romber
g Lorbeeren ernteten.
enorist
Ludwig schabte nur seine Bratsche; als Klavierspieler trat er nicht öffentlich auf, denn es gab in Mergentheim kein gutes Instrument. Dafür feierte er aber doch einmal wenigstens einen privaten Triumph. Der Kaplan Junker aus Kirchberg, ein hochangesehener Musikschriftsteller
, machte Ludwigs Bekanntschaft und hörte ihn phantasieren. Er bedankte sich in einem langen Bericht an Boßlers Musikalische Korrespondenz: Noch hörte ich einen der größten Spieler auf dem Klavier, den lieben guten Beethoven. Man kann die Virtuosengröße dieses lieben, leise gestimmten Mannes, wie ich glaube, sicher berechnen nach dem beinah unerschöpflichen Reichtum seiner Ideen, nach dem ganz eigenen Ausdruck seines Spieles, und nach der
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Fertigkeit, mit welcher er spielt. Ich wüßte also nicht, was ihm zur Größe des Künstlers noch fehlen sollte. Ich habe V
oglern auf dem Fortepiano gehört, oft gehört, und stundenlang gehört, und immer seine außerordentliche Fertigkeit bewundert; aber Beethoven ist außer der Fertigkeit sprechender, bedeutender, ausdrucksvoller, kurz, mehr fürs Herz; also ein so guter Adagio als Allegrospieler. Selbst die sämtlichen vortrefflichen Spieler der Kapelle sind seine Bewunderer
, und ganz Ohr, wenn er spielt. Nur er ist der Bescheidene, ohne alle Ansprüche. Sein Spiel unterscheidet sich so sehr von der gewöhnlichen Art, das Klavier zu behandeln, daß es scheint, als habe er sich einen ganz eigenen W
eg bahnen wollen, um zu dem Ziel der
Vollendung zu kommen, an welchem er jetzt steht.
*
An einem freien Sonntagnachmittag hatte Ludwig einmal mit Bernhard Romberg einen weiteren Spaziergang unternommen. Es war sehr heiß, und als sie auf dem Rückwege durch ein kleines Dorf kamen  Stuppach hieß es , traten sie in die Kirche ein, um sich auszuruhen. Ein monotones Stimmengewirr schallte ihnen entgegen; es war Betgottesdienst. Sie ließen sich auf einer freien Bank nieder. Ludwig machte es Spaß, den fortgesetzten Akkordwechsel zu beobachten, in dem der Sprechchor der Betenden sich bewegte. Aus F-Dur detonierten sie langsam nach E-Dur. Jetzt schwieg der Chor, eine Stimme betete in As-Moll vor diesmal im Quartsextakkord von G-Dur Dur. Romber
g war inzwischen eingeschlafen. Ludwig sah sich in dem Gotteshause um; alles war höchst einfach und ziemlich geschmacklos. Sein Blick wanderte nach vorn zum Altar. Da hing ein großes Bild; was es darstellte, konnte er aus der Entfernung nicht erkennen, aber ein wunderbares Leuchten ging von ihm aus. Sollte das wohl von einem Dorfmaler stammen? Er beschloß, es später aus der Nähe zu betrachten, und lenkte seine Aufmerksamkeit vorläufig wieder auf den Chor er nach dem Altarbild hinsehen.  Endlich raf Choral auf, und damit war der Gottesdienst zu Ende. Ludwig war mit dem schlafenden Freund allein in der Kirche.
Er stand auf und schritt langsam auf den Altar zu, den Blick auf das Bild geheftet. Nun stand er davor, und hatte das Gefühl: der das gemalt hat, ist mir verwandt.  Es war eine Madonna mit dem Kinde. Die Mutter Gottes,
. Dann begann der Chor wieder,
, und sank dann über Fis nach F-
. Aber immer wieder mußte
fte sich die Gemeinde zu einem
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in ein herrlich rotes Brokatkleid gehüllt, das an Leuchtkraft mit dem blauen Mantel wetteiferte, hielt den kleinen Christus auf ihrem Schoß und reichte ihm einen Apfel hin, nach dem das fröhlich lächelnde Kindchen verlangend die Hände ausstreckte. Aber welch ein Ausdruck auf Marias Antlitz! von tiefer innerer Schönheit durchleuchtet; ein glückliches Lächeln beim Anblick des Kindes, und doch etwas Wehes in den Augen; ein Genießen der schönen Gegenwart, und ein Wissen um zukünftiges Leid; aber dieses Leid schien schon überwunden durch die Ergebung in den Willen Gottes. Unbeweglich stand Ludwig, in den Anblick des Bildes versunken. Da war es ihm, als öffne Maria die Lippen. Ein leises Lied sang sie dem Kindchen auf ihrem Schoß, ein Lied von Glück und Schmerz und Ergebung. Der Farben leuchtende Töne gesellten sich hinzu in stillem, doch mächtigem Chor oben auf dem Bilde öf
fnete sich der Himmel. Gott V
ater schaute herab,
. Hoch
umgeben von winzig kleinen jubilierenden Englein; gleich zarten Flötentönen flatterten ihre Stimmchen herab und wurden Eines mit dem Gesang dort unten auf der Erde.
Jetzt spielen können! dachte Ludwig. Aber da war ja die Or
gel, und ein Bälgetreter war auch vorhanden. Er trat an den schlafenden Freund heran und weckte ihn. Romberg, ich muß spielen? Sei so gut, tritt mir die Bälge!
Sie gingen zum Orgelchor hinauf, jeder an seinen Platz. Und was das Bild gesungen, das ward unter Ludwigs Händen zu Tönen. Mit Marias Leid und Erlösung verwob sich sein eigen Leid; seine eigene Erlösung wuchs empor
, umflutete dankbar und mächtig das Bild am Altar
. 
Beethoven! sagte Romberg. Mensch, wo hast du das her! So hast du noch nie gespielt!
Wo ich es her habe? Sieh dir das Bild am Altar an! Am Ausgang der Kirche stand der alte Ortsgeistliche. Sind Sie der Künstler? wandte er sich an Ludwig; er er
griff seine beiden Hände und drückte sie immer wieder. Oh, das war schön! Nie in meinem Leben hab ich etwas so Inniges gehört! Ich danke Ihnen! W
er sind Sie, wenn ich fragen darf?
Ludwig nannte Namen und Amt. Aber zu danken haben Sie mir nichts, Herr Pfarrer! Ich hab Ihnen zu danken, oder vielmehr Ihrem Altarbild; das hat es mir eingegeben.
Ja, das Bild! entgegnctc der alte Mann und blickte voll Ehrfurcht nach dem Altar hinüber. Um des Bildes willen möcht ich mit keinem Dompfarrer tauschen! Es soll das Schönste sein, was Matthias Grüncwald
8
9
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gemalthat. Matthias Grünewald! wiederholte Ludwig. Nie hab ich den Namen gehört! 
Noch einmal trat er vor das Bild. Über die Jahrhunderte hinweg reichten
zwei Genien sich die Hand.
*
Die Ordenssitzungen hatten ihr Ende erreicht. Nach der letzten Opernvorstellung wurde Ludwig zum Kurfürsten befohlen; er traf ihn irn Gespräch mit Graf W
aldstein. Nun, Herr Zweiter Hofor der Kurfürst sich lächelnd an Ludwig, die schönen T sind zu Ende. Freut man sich wieder auf Bonn? Man hätt es hier schon noch eine W
eile ausgehalten, Königliche Hoheit.
Also man freut sich nicht auf Bonn? Ja, Ferdl, was sagst du zu solchem Mangel an Diensteifer? Meinst du nicht, da war eine exemplarische Straf am Platz? Unbedingt, Königliche Hoheit! Aber eine solche, die gleichzeitig auf Besserung hinzielt und es dem jungen Manne zum Bewußtsein bringt, wie schön er es in Bonn eigentlich hat. Ganz meine Meinung. Ferdl. Eine Luftveränderung demnach. Ich beschließe also folgendes: In ein paar T
agen fahr ich nach W wohnt ein gewisser Herr Mozart, der sich schon einmal vergeblich bemüht hat, aus unserm Zweiten Hoforganisten nen erträglichen Musikus zu machen. Besagten Herrn Mozart werd ich zu mir bitten und ihn fragen, ob er Lust hat, seine Bemühungen um den besagten Herrn Zweiten Hoforganisten noch einmal aufzunehmen. Ist der Herr Hoforganist damit einverstanden?
Königliche Hoheit , ich wäre ja überglücklich , wenn ich nur zu Hause abkommen könnte! Nun legte sich aber Waldstein ins Mittel. Hören Sie, Louis, jetzt reden Sie kein dummes Zeug! Sie haben mir doch unlängst erst in Bonn erzählt, es ginge jetzt ganz leidlich daheim! Der junge hof
fnungsvolle Apotheker mache sich ganz gut! Und was Ihren Bruder Karl betrifft , ich hab alles des langen und breiten mit Herrn Neefe be­sprochen; der will sich um seine Studien kümmern, solange Sie abwesend sind. Und mein V
ater 
Lieber Beethoven, sagte der Kurfürst sehr ernst, lassen Sie Ihren Vater aus dem Diskurs. Es kann sich nur um Ihre Brüder handeln, und wie mir scheint, besteht von der Seite kein Hindernis.
ganist, wandte
age von Mer
gentheim
ien. Dort
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Nein, Königliche Hoheit, ich glaube nicht. Also abgemacht! Und
damit Gott befohlen!
*
Nach einer wunderschönen Fahrt durch die in ihrem Herbstschmuck prangenden Lande, selig in der Erwartung auf Wien und auf Mozart, traf Ludwig wieder in Bonn ein. Und selig empfing ihn der kleine Neefe. Doch als Ludwig ihm dankte, daß er sich seinesBruders annehmen wolle, wurde er fast böse. Na, weißt du, Louis! Ist denn das nicht einfach meine ver­dammte Schuldigkeit? Sag noch ein einziges Wort und ich schmeiß dich zum Tempel naus! du ihm denn vorlegen, wenn du ihm unter die Augen trittst? Doch nicht die Kaiserkantate? Die ist nun bald zwei Jahre alt.
Ich habe in Mergentheim ein Streichtrio begonnen; das scheint etwas zu werden.
Also schau, daß du bald fertig wirst! In einem Monat, rechne ich, kannst du reisen. So verging der Oktober, der November kam ins Land. 
Eines Nachmittags saß Ludwig bei Neefe. Er hatte ihm wieder einen vollendeten Satz seines Trios vorgelegt, und sein Lehrer war zufrieden.
Es ist wieder ein großer Fortschritt, Louis! Ein wundervolles Adagio! weich und innig, und doch kraftvoll und männlich. Nun fehlt dir also nur noch der Schlußsatz, Gott sei Dank! Ich fang nämlich bald an, unruhig zu werden. Jetzt muß doch endlich mal Nachricht von Mozart kommen! Ich versteh gar nicht, daß es solange dauert. Neefes Frau trat mit einem Brief ein, gab ihn ihrem Mann und ging wieder hinaus. Neefe betrachtete den Poststempel und brach in ein Triumphgeschrei aus.
Lupus in fabula nein, Mozarts Handschrift ist das nicht. Hastig öffnete er den Brief, begann zu lesen und brach mit einem wehen Aufschrei zusammen. Zum erstenmal sah Ludwig seinen Lehrer weinen  fassungslos weinen.
Mein Gott  Herr Neefe , was ist geschehen?
Neefe richtete sich auf. In seinen sanften braunen Augen lag unendlicher Schmerz.
Louis  sei tapfer!  Mozart ist tot.
Er zog Ludwig an seine Brust und schluchzte wie ein Kind.
10
Jetzt präparier dich mal auf deinen Mozart! Was willst
. Der Dezember
11
Louis! Aus W
ien! Von Mozart!  Oder wart mal 
209
Lange standen sie so. Endlich trocknete Neefe seine Tränen und er
griff
Ludwigs Hand.
Louis, sagte er leise, ich bin ein gläubiger Christ. Aber daß so etwas geschehen kann  das faß ich nicht. So jung noch, aus der Blüte seiner Jahre weg , alles vorbei, alles ausgelöscht.  W
arum? W
arum? Wenn ein Musiker sterben sollte , warum gerade er? Warum nicht tausend andere? Warum nicht ich?  Darauf gibt es keine Antwort.
Er setzte sich und starrte vor sich hin. Dann nahm er den Brief wieder auf und las weiter. Es soll die Schwindsucht gewesen sein. Schon seit September war er leidend.
Während wir es uns in Mergentheim wohl sein ließen, sagte Ludwig bitter.
Die letzten vierzehn Tage hat er gelegen, aber bis zuletzt fieberhaft an einem Requiem gearbeitet. Er wußte, er schrieb es für sich selber. Und er hat es nicht vollenden können. Am fünften Dezember ist er gestorben.  Oh Gott! oh Gott! stöhnte er plötzlich. Louis, hör, wie die Wiener den Genius bestattet haben! Niemand, nicht eine Seele hat ihm das Geleit zum Kirchhof gegeben! Das W
etter war ihnen zu schlecht. Für ein ordentliches Begräbnis
war kein Geld da. Man hat ihn in einem Massengrab verscharrt!
Ludwig brach in wildes wütendes Schluchzen aus.
Mozart! Oh, die Schmach, die Schmach! W Er ist doch in W
ien! W
o waren denn all die reichen hochadeligen Freunde,
o war denn der Kurfürst?
die Fürsten und Grafen, die ihn bei Lebzeiten ausgepreßt haben?  Man soll den Sar
g wieder ausgraben! Einen T
empel soll man über ihm baue
n!
Man würde ihn nicht finden, sagte Neefe mit bebender Stimme, man weiß nicht, wo das Grab ist.  Er hat die Menschheit beschenkt wie keiner je vor ihm, und das ist der Lohn!
Ein langes Schweigen folgte.  Herr Neefe, sagte endlich Ludwig, lassen Sie mich fort. Ich kann nicht mehr;  ich will  o Mozart!  Ich  ich  Ein Händedruck; dann ging er.
Draußen peitschte der W es nicht. W
eiter ging er, ohne zu wissen, wohin. Nun stand er auf dem
ind ihm Schnee und Eis ins Gesicht. E r achtete
Altane beim Alten Zoll. Der Wind war zum Sturm geworden.
Im Massengrabe verscharrt!
Graue Schneewolken jagten über den Himmel. Doch am westlichen Horizont wurde es licht, ein schmaler blauer Saturn wurde sichtbar.
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