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ivanov666
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Файл:Детство и юность Людвига ван Бетховена. Учебное пособие – книга для чтения на немецком языке
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Ludwig richtete sich hoch auf; ein herrliches Feuer strahlte aus seinen
Augen.
Ich werde ihm einen Tempel bauen! Mit meinen Werken! Seinen
Nachfolger hat mich Mozart genannt! Ich schwörs, ich will es werden!
Und so soll mich die Welt einst kennen und nennen!
Texterläuterungen
1
... in Sicht kamen
2
ein Pfaff = ein Pfarrer;
3
... einen Besuch abstatten
4
ein abgedankter Husarenoberst
гусаров;
5
sich blamieren
6
So gab es also Arbeit in Fülle
7
Earl Maria von W
der Oper: der Freischütz, Oberon, Euryanthe, schuf Klavier
und Kammermusik, Lieder;
8
Sei so gut, tritt mir die Bälge
9
Matthias Grünewald (14751528) der deutsche Maler der Renaissencezeit.
Seine bekannte Arbeit ist Isenheimer Altar.
10
... und ich schmeiß dich zum T
отсюда;
11
Lupus in fabula
открылись взг
ëÿäó;
нанести визит;
уволенный в от
ставку полковник
позориться;
Итак, работы было пре
достаточно;
eber der deutsche komponist (17861826), Schöpfer
будь любезен, нажимай пе
äàëè;
empel naus! è ÿ âûñò
(лат.) Волк в басне з
äåñü: íàê
онец-то дождались!
Aufgaben
1. Sie haben das nächste Kapitel gelesen. Sagen Sie, wen Ludwig im
Theater kennengelernt hat? W
Carl Maria von W
eber?
2. Finden Sie im Text ein Fragment, wo es sich um Ludwigs Klavierspiel
handelt. W
ie schätzte dieses Spiel ein Musikschriftsteller aus Kirchber
3. Erzählen Sie, welchen Eindruck der Altar in der Kirche auf Ludwig
machte. W
4. W
elche traurige Nachricht brachte der Brief aus W
em gehörte diese Arbeit?
5. Woran litt eine lange Zeit Mozart?
6. Welches W
erk von Mozart blieb unvollendet?
ie charakterisierte seinen V
ien?
ater als Dirigent
g?
211

VIERUNDZWANZIGSTES
K
APITEL
Die Ereignisse in Frankreich hatten im Laufe der Zeit eine Menge
vornehmer Familien über die deutschen Grenzen getrieben. Das ganze
Trachten dieser Emigranten war darauf gerichtet, Deutschlands Fürsten
in einen Krieg gegen das revolutionäre Frankreich zu treiben, damit das
Königtum gerettet und sie selber wieder in ihre alten Rechte eingesetzt
würden. In Koblenz befand sich ihr Hauptquartier; ihre Agenten
durchzogen die Rheinlande, um Freiwillige anzuwerben. Die Höfe von
W
ien und Berlin waren zum Kriege geneigt; der Kaiser schon, weil es um
die Krone seiner Schwester Marie Antoinette ging; und Friedrich W
ilhelm
der Zweite von Preußen fühlte in Ludwig dem Sechzehnten das eigene
1
Gottesgnadentum beleidigt und gefährdet;
seine Generäle erhofften einen
leichten Sieg. Aber das von der Revolution durchtobte, militärisch
vollkommen desorganisierte Frankreich kam seinem Gegner zuvor und
schleuderte ihm im April 1792 die Kriegserklärung hin. Ungeheure Erregung
bemächtigte sich des rheinischen Volkes. Hatte man die V
orgänge jenseits
der Grenzen bis jetzt zwar mit leidenschaftlichem Interesse verfolgt, aber
doch als etwas Fremdes, das die Deutschen unmittelbar nicht berührte, so
änderte sich das nun mit einem Schlage. Das uralte Streben Frankreichs
nach dem Rhein als Grenze war nicht vergessen; jeder fühlte, es ging jetzt
um seine Heimat. Und das Kurfürstentum Köln mußte sich besonders
bedroht fühlen; war doch der Kurfürst der Bruder Marie Antoinettes, und
dazu noch der Oheim des Kaiser Franz, den nach dem plötzlichen T
ode
Leopolds die Kriegserklärung getroffen hatte. Die Zeitungen wurden
verschlungen; die W
irtschaften waren überfüllt; jeder wollte die letzten
Neuigkeiten hören, sich mit Gleichgesinnten aussprechen, seine eigene
Meinung an den Mann bringen. Auch Ludwig, der die Wirtshäuser seiner
Vaterstadt bisher nur von außen gekannt, drängte es unter die Menschen.
Er ließ sich durch Wegeler in einen Kreis von Männern einführen, die sich
abends im Zehrgarten am Markt bei der W
itwe Koch zu versammeln
pflegten; Künstler, Gelehrte, Geistliche, Hofbeamte saßen dort um den
großen runden Stammtisch zusammen, diskutierten, schimpften,
prophezeiten, stritten sich und vertrugen sich wieder
, wobei die Wirtstochter
Babette, das schönste Mädchen von Bonn, oft den Versöhnungsengel
spielen mußte.
212

Trotz der politischen Spannung hatte das Theater an Anziehungskraft
nicht eingebüßt. Im Gegenteil, man sehnte sich nach Ablenkung, und die
Vorstellungen waren besuchter denn je. Die Saison hatte diesmal wegen
des langen Aufenthaltes des Kurfürsten in W
ien außer
gewöhnlich spät
begonnen; dafür zog sie sich nun bis Ende Juni hin. Ludwig brauchte
sich mit seiner Bratsche nicht zu überanstrengen; der Kapellmeister
Reicha kränkelte; deshalb wurden während der ganzen Spielzeit nur elf
Opern aufgeführt, und fast alle nur einmal. Nichts wollte recht gefallen;
das Publikum verlangte immer Neues. Ludwig befand sich während
dieser ganzen Zeit in einer fortwährenden inneren Unruhe. V
ieles kam
zusammen. Zunächst die Unsicherheit der politischen Lage, die ihn in
fortgesetzter Sparmung hielt. Dann die Ungewißheit, was mit ihm selber
werden solle. Er stand nun in seinem zweiundzwanzigsten Lebensjahre,
und obgleich er ununterbrochen an seiner geistigen Entwicklung arbeitete,
so mußte er sich doch sagen, daß es auf die Dauer so nicht weitergehen
könne. Vor allem war er doch Musiker
, und der Stillstand in seiner musikalischen Ausbildung, der nun schon vier Jahre währte, erfüllte ihn mit
quälender Ungeduld. Ein Ende dieses Zustandes war noch immer nicht
abzusehen. Und zu allem dem in seinem Herzen sah es unruhig genug
aus. Maria W
er von Mergentheim zurückgekehrt war
esterholt war es nicht mehr
, die seinen Frieden störte. Als
, hatte er ihren Unterricht nicht
wieder aufgenommen und vermied es, ihr zu begegnen. Aber dieses erste
Liebeserlebnis hatte seine junge Seele aufs T
iefste erschüttert, hatte
eine heiße Sehnsucht nach Liebe in ihm zurückgelassen, und diese
Sehnsucht führte nun mit seinem kategorischen Imperiativ
, wie er sich
ihn zurechtgelegt hatte, einen harten Kampf, der immer wieder aufs
neue entbrannte, sooft er in die Nähe eines jungen weiblichen W
esens
kam. Und das geschah eigentlich jeden Tag; seine Lehrtätigkeit brachte
ihn mit einer ganzen Anzahl junger Damen aus der Gesellschaft in nahe
Berührung. Und dann war da noch das Theater mit seinen
Schauspielerinnen und Tänzerinnen, denen Ludwig als Orchestermitglied
häufig begegnete. Es hatte eine Weile gedauert, bis er begriffen hatte,
daß das Theater, wenigstens innerhalb seiner eigenen vier Wände, nicht
gerade als eine Sittenschule bezeichnet werden konnte. Der familiäre
Ton, den da Männlein und W
anfangs gefallen; im V
eiblein untereinander anschlugen, hatte ihm
ergleich zu dem T
on der Gesellschaft, der ihm
213

nun schon seit langem geläufig war, erschien ihm jener ehrlicher,
herzhafter und als eine erfrischende Abwechslung. Aber allmählich hatte
er doch gemerkt, daß da noch irgend etwas anderes dahinterstecken
müsse, und eines T
ages wurde er auf das Gründlichste aufgeklärt: ein
Kollege fragte ihn, ob er vorhabe, noch lange als keuscher Joseph durchs
Leben zu wandeln, während er doch an jedem Finger ein Mädel haben
könne. Das letzte war richtig; obgleich Ludwig eher alles andere als ein
Adonis. war, galt er doch beim Theater als ein interessanter junger Mann,
der schon jetzt in der Gesellschaft eine Stellung und gewiß eine große
Zukunft hatte. Und unter den Demoisellen des Theaters gab es mehrere,
die nicht das geringste gegen ein Liebesverhältnis mit ihm eingewendet
hätten. Eine reizende kleine Choristin wagte eines Tages den ersten
Vorstoß. Ludwig fertigte sie kurz ab, und als sie nicht nachließ und ihm
um den Hals fallen wollte, erhielt sie eine derbe Ohrfeige. Freilich, diese
Ohrfeige hatte ihm sein Gewissen diktiert, und nicht sein Herz. Das
klopfte vielmehr gewaltig und begann immer wieder aufs neue zu klopfen,
wenn er an den V
orfall dachte, und er mußte sehr oft daran denken.
Eine Unruhe war über ihn gekommen, deren er nicht Herr zu werden
vermochte. Mit geschärfter Aufmerksamkeit beobachtete er nun das
Hin und Her von Liebesspiel und Intrigen, dies Locken und Anziehen
und Abstoßen, und begann schließlich selber die weiblichen Mitglieder
mit einem Interesse zu betrachten, das nicht allein ihrer Kunst galt,
sondern mehr noch ihren Gesichtern und ihrem Wuchs. Am besten gefiel
ihm die Primadonna, Magdalene Willmann, die mit Vater und Schwester
ein bürgerlich ehrbares Leben zu führen schien, von der aber der
2
Theaterklatsch doch allerlei Dinge munkelte?
Und da er noch gänzlich
unschuldig und unerfahren war, so bemerkte die Willmann seine
Bewunderung natürlich sofort und legte es nun darauf an, ihn wirklich
verliebt zu machen, obgleich sie über ihren häßlichen Verehrer im stillen
lachte. Es dauerte nicht lange, so wollte alle Welt wissen, Ludwig sei
der begünstigte Liebhaber der Willmann. Ein Kollege gratulierte ihm zu
seinem Erfolg; wütend verbat Ludwig einen derartigen V
erdacht. Aber
das half ihm nichts; sein Zorn wurde ihm nur als Ärger darüber ausgelegt,
daß man hinter das Geheimnis gekommen sei. Ludwig dankte Gott, als
die Ferien begannen und er auf einige Zeit aus dem ganzen Theaterbetrieb
herauskam, der ihm nun widerwärtig und fast unerträglich dünkte.
3
Er
214

war von Breunings eingeladen worden, die Ferien mit ihnen in ihrem
Sommerhaus zu verbringen, das sie in Beul an der Ahr besaßen. W
eine Flucht in das Paradies kam ihm die kleine Reise vor
, die er zu Fuß
ie
zurücklegte. Das behagliche Haus mit den merkwürdigen
Familienwappen an den Toren lag in ländlicher Abgeschiedenheit.
Breunings hatten noch nichts von dem Theaterklatsch erfahren; so wurde
Ludwig mit der alten Unbefangenheit aufgenommen. Die beiden
geistlichen Herren, deren kritische Augen ihn noch immer ein wenig
genierten, waren in Bonn zurückgeblieben. Der V
erkehr mit Frau von
Breuning und Eleonore war ihm wie ein Bad, das den Bonner Schmutz
abwusch. Und doch
Eleonore nun mit anderen Augen betrachtete. So schön wie die W
war sie nicht; aber eigentlich war sie doch sehr, sehr hübsch l W
die letzten Erlebnisse hatten bewirkt, daß er
illmann
ie war
sie fein und schlank gewachsen! Wie rein und vornehm war ihr Gesicht!
Wie reizend konnte sie lächeln! Und was das Schönste an ihr war: welch
kluger, gebildeter Geist, welche adelige Seele wohnte in diesem Körper!
Er begriff nicht, daß er das alles erst jetzt bemerkte. Nein, das war wohl
nicht richtig. Bemerkt hatte er es schon immer, aber es war eigentlich
immer an ihm abgeglitten, er hatte es als selbstverständlich hingenommen,
ohne weiter darüber nachzudenken. Jetzt kam er zu der Erkenntnis, daß
Eleonore, alles in allem, doch das reizendste Mädchen in ganz Bonn sei,
die schöne Babette Koch im Zehrgarten nicht ausgenommen. Und dieses
vornehme, liebe Geschöpf war seine Freundin! Wie ein großes Geschenk
kam diese Entdeckung über ihn und erfüllte ihn mit stillem Glück.
Neckereien seiner Kollegen fielen ihm ein, die ihn um diese Freundschaft
heftig beneideten; Bemerkungen seines V
aters, ob sein Ältester die Gunst
des Schicksals denn nicht ausnutzen und seinem Papächen durch eine
reiche Heirat mit einem
gewissen Mädchen einen sorgenfreien
Lebensabend bereiten wolle. Ludwig hatte nie ernst genommen, was sein
Vater schwatzte. Jetzt sah er die Dinge in einem neuen Licht. W
arum
sollte eine Verbindung mit Eleonore nicht möglich sein? Er dachte an seinen
verunglückten Heiratsantrag bei Maria W
esterholt. Aber das war etwas
ganz anderes gewesen; über Standesvorurteile waren die Breunings
erhaben. Wie verhielt es sich aber mit W
egeler? Daß der Eleonore gern
hatte, wußte Ludwig. Aber warum hatte er noch nicht gesprochen,
nachdem er nun seit fast zwei Jahren einen Lehrstuhl für Medizin innehatte,
215

also in Amt und Würden saß4. Oder hatte er gesprochen und war abgewiesen worden? Er selber freilich, was konnte er Eleonore bieten mit
seinem bescheidenen Einkommen als Or
dazu ausreichte, seine Brüder durchzubringen! Er
Schüler war
, mußte doch wohl noch viele Jahre auf das Glück eines eige-
ganist und Klavierlehrer, das eben
, der noch immer ein
nen Hausstandes verzichten. Denn etwa von der Mitgift seiner Frau zu
leben, auf ihre Kosten weiter zu studieren, das hätte sein Stolz niemals
ertragen.
5
So war es mit seiner Unbefangenheit
Eleonoren gegenüber vorbei. Er
beobachtete, wie sie sich zu ihm stellte, wie sie ihn ansah, was sie zu ihm
sagte; suchte sich alles ohne Voreingenommenheit zurechtzulegen und kam
doch nicht zur Klarheit. Eleonore, die Ludwig seit langem mit einer reinen
stillen Liebe in ihr Herz geschlossen hatte, bemerkte diese V
eränderung
sehr wohl, wußte nicht, wie sie sie deuten solle, und geriet in Unruhe und
Verwirrung.
6
So gingen die zwei jungen Menschen glücklich-unglücklich
nebeneinander hin. Und doch war es für beide eine wunderschöne Zeit. Sie
musizierten zusammen, und Ludwig war stolz darauf, was er musikalisch
aus Eleonore gemacht hatte, seit er damals als kleiner Junge in ihr Haus
gekommen war
. Er kannte ihre Vorliebe für den Figaro. War es zwischen
ihnen einmal zu einem kleinen Wortwechsel gekommen, dann hatte sie ihm
gern das herausfordernde Se vuol ballare, Signor Contino kampflustig
entgegengesungen. Nun kam ihm der Einfall, V
ariationen für Klavier und
Geige über die Melodie zu schreiben, eigens für sie, in denen er sie und sich
selber schildern wollte; manchmal gegensätzlich, aber im Grunde doch nicht
zu trennen und zuletzt in seliger Gemeinschaft einander findend. Morgens
in der Frühe, wenn alles noch schlief, saß er in seinem Dachkämmerchen,
schrieb und brummte leise, daß er niemand störe, vor sich hin. Er war
glücklich, als das Werk wuchs und fortschritt und alles darauf hindeutete,
daß es nicht nur Eleonorens und seiner selbst, sondern auch des großen
Meisters würdig sein werde, dessen Namen es tragen sollte. Sie
durchwanderten zusammen das herrliche Ahrtal, von dessen Schönheit die
Umgebung Beuls nur den Auftakt gab. Ahrweiler mit seiner alten
turmbewehrten Stadtmauer und dem von einer riesigen Pappel bewachten
Eingangstor lag wie ein trotziger Wächter vor der romantischen Pracht, die
sich hinter ihm flußaufwärts erschloß; wo das Ahrtal enger wurde, die dunklen
Massen des Schiefergebirges oft hart an den Fluß herantraten und selbst
216

die Weinbergsanlagen, die der Fleiß der Menschen dem Felsen abgewonnen,
durch ihre Ähnlichkeit mit Festungswällen den heroischen Charakter dieser
Landschaft nicht zu mildern vermochten. Und wie ein liebliches Andante
zwischen zwei brandenden Ecksätzen: Altenahr mit seinem Hain riesiger
Ahornbäume, in deren Schatten es sich bei einem Glase feurigen blaßrosa
Ahrweines so schön rasten und plaudern ließ. Oft freilich stockte ihr
Gespräch, wenn beide das gleiche dachten: was wohl der andere gerade
jetzt denken möge. Mehr als einmal schwebte Ludwig die Frage auf der
Zunge, ob er Eleonoren wohl noch etwas mehr sei als ein guter Freund;
aber er beherrschte sich, und stumm verlief dann oft der Heimweg; stumm,
aber nicht minder schön. Ein seliges Gefühl war es für Ludwig, so neben
Eleonore dahinzuwandern, die so gut mit ihm Schritt hielt. Ihr Gang, jede
Bewegung ihres schlanken Körpers erfüllte ihn mit dem Gefühl tiefer
Zusammengehörigkeit. So gingen die T
age hin, die W
ochen; Breunings
Sommeraufenthalt neigte sich dem Ende zu; morgen sollte es wieder nach
Bonn zurückgehen.
Ludwig stand mit Eleonore vor dem Gartentor und ließ sich die
Familienwappen erklären. Da war das alte Stockhausensche Wappen, der
Baumstumpf mit dem primitiven kleinen Häuschen darüber; daneben das
Kreuz, das W
appen der Kerichs, deren Abkömmling Frau von Breuning
war; über beiden die Adelskrone. Dann das Breuningsche Wappen: drei
Lilien, aber ohne Krone.
Waren die Breunings ursprünglich nicht von Adel? fragte Ludwig.
Ich weiß es gar nicht, entgegnete Eleonore. Kommt darauf etwas
an?
Sein Herz begann stürmisch zu klopfen; er brauchte lange, bis er
antworten konnte.
Natürlich nicht, stieß er endlich hervor
. W
ir zum Beispiel ich weiß
nicht einmal, bedeutet das ,van in unserem Namen den Adel, oder bedeutet
es ihn nicht. W
ir kennen nur einen Adel, sagte Eleonore, und der braucht
kein Wappen. Ludwig wagte es jetzt, sie anzusehen. Sie war ganz blaß,
ihre Lippen bebten leise, ihre Augen blickten starr auf die Breuningschen
Lilien.
Da rasselte ein W
Neefe. Er war so außer Atem, als ob e r den W
gezogen hätte. Louis! stieß er nach einer hastigen Begrüßung hervor
agen heran, hielt dicht vor ihnen, und heraus sprang
agen von Bonn nach Beul
, du
217

mußt mit! Mach schnell! Haydn ist da! Haydn? rief Ludwig völlig
überrascht. Jawohl! Haydn in höchsteigener Person! Kommt von London
zurück, reist nach Wien. Mensch, so spute dich doch! Müssen gleich
losfahren, kommen gerade noch zurecht. Rasiert bist du ja glücklicherweise.
Wir fahren nach Godesber
g, dort gibt ihm die Kapelle ein Frühstück. Er hat
schon nach dir gefragt, möchte dich gern selber sprechen. Menschenskind,
was hast du denn? ist das vielleicht keine gute Nachricht? Frau von Breuning
trat unter die Tür. Neefe begrüßte sie, und Ludwig war für den Augenblick
der Antwort enthoben? Was sollte er tun? Mitgehen, Eleonore verlassen,
gerade jetzt?
Lorchen, richte schnell einen Imbiß her, sagte Frau von Breuning.
Eleonore ging ins Haus hinein. Könnte ich denn nicht ebensogut morgen
mit Haydn reden? meinte Ludwig. W
ir wollten sowieso morgen alle
zusammen nach Bonn zurückfahren. Unmöglich, sagte Neefe, er reist
morgen mit dem Frühsten weiter
.
Ludwig überlegte noch einen Augenblick. Es half nichts, er mußte mit.
Schon morgen abend würde er ja wieder bei Eleonore sein. So packte er
eilig seinen kleinen Kof
fer, und eine halbe Stunde darauf rollte der W
agen
davon. Also Louis, sagte Neefe, wenn du vielleicht noch gezweifelt hast,
ob ich was für dich übrig habe, dann glaubst du mirs jetzt hof
ganzen geschlagenen V
ormittag hätt ich jetzt in Haydns Gesellschaft
fentlich! Den
zubringen können, und statt dessen fahr ich ganz solo durch diese verdammte
Julihitze über Land hinter meinem Louis her
. W
enn das nicht Aufopferung
ist, dann weiß ichs nicht. Und von Dankeschön! hab ich auch bis jetzt
nichts gehört.
Ludwig starrte ins Leere. Als Neefe jetzt seinen Redefluß unterbrach,
wachte er aus seinen Gedanken auf.
Wie meinen Sie, Herr Neefe? Sein Lehrer schüttelte resigniert den
Kopf. W
o der mal wieder seine Gedanken hat! sagte er etwas gekränkt.
Na ja, gut. Also da drüben liegt die Landskrone. Interessanter Basaltkegel.
Wollen wir mal hinauf spazieren? He, Kutscher!
Nun mußte Ludwig aber doch lachen. Seien Sie nicht bös, Herr Neefe!
die ganze Sache kam mir so überraschend! Also, was hat Haydn gesagt?
Was Haydn gesagt hat? Na, er sagte: ,Zum Donnerwetter, war da
nicht vor zwei Jahren hier so n junger
, dunkelhaariger Bursche, der mir so
nen Stoß Notenpapier gezeigt hat, wo ich dann sagte: na ja, s könnt besser
218

sein, s könnt aber auch schlechter sein? ,Ganz recht, Herr
Kapellmeister
sagt er. ,Na ja, Unkraut vergeht nicht.
wieder recht, Herr Kapellmeister
, sagt ich, ,der lebt immer noch. ,So, der lebt immer noch?
7
Und ich sagte: ,Da haben Sie mal
.
Herr Neefe, nun sein Sie doch wieder friedlich! Also, was hat er
gesagt?
Ich hab
s dir doch eben wortwörtlich erzählt! Ach so, richtig, das hab
ich noch vergessen: er hätte den jungen Burschen in guter Erinnerung, und
seine Musik auch, und er möcht ihn gern wiedersehen.
Und wie kommt er nach Godesberg? Der Kurfürst ist doch verreist,
und da hat es die Kapelle übernommen, den illustren Herrn Kollegen zu
feiern, gibt ihm in Godesberg ein kleines Frühstück. Der Kurfürst ist
verreist?
Du scheinst überhaupt gar nichts mehr zu wissen, mein teurer Freund!
Daß in Frankfurt Kaiserkrönung ist , und daß die Preußen und Österreicher
heranrücken , und der Herzog von Braunschweig ein albernes Manifest
8
vom Stapel gelassen hat,
worin er die Neufranken auffordert, ihre
Verirrungen demütig zu bereuen, widrigenfalls er in Paris keinen Stein auf
dem ändern lassen würde , das weißt du natürlich auch alles nicht
Doch, doch, sagte Ludwig, natürlich wurde bei Breunings davon
gesprochen. Ja, und Haydn? Nun, der ist noch ganz der Alte. Ist in
England mit Ehren überschüttet worden, hat auch nen schönen Batzen
Geld mitgebracht , man redet von so was wie Zwölftausend Gulden ,
aber er ist noch ganz der schlichte, bescheidene Haydn vom letztenmal.
Der Mann ist jetzt ne europäische Berühmtheit, und du kannst es dir hoch
anrechnen, mein lieber Freund, daß er sich deiner noch entsinnt und dich
sprechen möchte. Nach langer, heißer Fahrt war man endlich in Godesberg
angelangt. W
ie die beiden sich der Redoute näherten, dem hübschen
Gesellschaftshaus, das der Kurfürst hatte erbauen lassen, tönte ihnen Lachen
und Gläserklingen entgegen. Unter schattigen Bäumen war eine große T
afel
gedeckt; in einem girlandengeschmückten Sessel saß Haydn mitten zwischen
den Bonner Musikern, plauderte und scherzte mit ihnen wie mit
seinesgleichen. Die Mahlzeit war schon beendet, und als Haydn die beiden
Neuangekommenen erblickte, stand er auf, ging ihnen entgegen und begrüßte
sie aufs freundlichste. Ich habe Ihre Kantate noch sehr gut im Kopfe,
Herr van Beethoven; sie hat mir einen starken Eindruck hinterlassen, und in
219

England hab ich oft gedacht, was wohl weiter aus Ihnen geworden sei.
Kommen Sie, lassen Sie uns ein bissei promenieren. Aber halt! Sie haben ja
noch nicht gespeist! Doch, Herr Kapellmeister
Um so besser, meinte Haydn, am T
.
isch geht es etwas laut her.
Haben Sie Lust, mich auf die Godesburg zu begleiten? Man soll eine schöne
Aussicht von da droben haben. Nach kurzer W
anderung war man oben
im Burghof angelangt und stand vor der kleinen Kapelle. Das ist die
Michaelskapelle, erklärte Ludwig. So lassen Sie uns eintreten, sagte
Haydn, ich möcht einen Augenblick meines lieben Bruders Michael
gedenken. Das kleine Gotteshaus nahm die W
anderer auf. Haydn kniete
vor dem Heiligen mit dem Flammenschwert nieder und verrichtete
andächtig sein Gebet. Dann schritten sie weiter, die Steintreppe empor,
und gelangten zu dem T
eil des Burghofes, von wo man eine weite Fernsicht
auf den Rhein und das Siebengebirge hatte. Eine Bank lud zum Sitzen ein,
man nahm Platz.
Die Aussicht erinnert mich an Wien, meinte Haydn. W
ie bei uns
daheim, ein breiter Strom mit schönen sanften Bergen im Hintergrund. Ja,
also, Herr van Beethoven, was für Pläne haben Sie jetzt eigentlich? Als ich
das letztemal hier war
zu gehen, zu Mozart. Dazu ist es nun freilich zu spät. T
, da hofften Sie doch, später noch einmal nach W
ränen traten ihm
in die Augen. Der arme, arme Mozart! So jung sterben zu müssen! W
ien
as
hätt er der Welt noch alles geschenkt! Das Schönste ist aus meinem Leben
nun dahin! Was ich jetzt da drüben genoß, das reichlich verdiente Geld,
die vielen Geschenke, alles bedrückte mich, denn immer mußt ich dran denken,
daß man für ihn nicht einmal ein würdiges Begräbnis aufgebracht hat! In
England war er mit königlichen Ehren bestattet worden! Zum ersten Male
hab ich mich geschämt, ein Deutscher zu sein!
Wir denken beide genau wie Sie, Herr Kapellmeister, wagte jetzt
Neefe zu bemerken.
Ich weiß es, und darum hab ich mich einmal ausgesprochen. Und
jetzt lassen Sie uns von unserm jungen Freund reden, auf den wir so große
Hoffnung setzen. Wollen Sie mir nicht erzählen, Herr van Beethoven, wie
Sie sich Ihre Zukunft denken? Oder sagen Sie mir lieber erst: was haben
Sie getrieben in den anderthalb Jahren, seit ich hier war? Ach, sagte
Ludwig etwas verlegen, eigentlich nicht viel. W
viel? Also, Herr Kapellmeister
, zunächst hat er mal seine Or
as? rief Neefe, nicht
gel gespielt,
220
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