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ivanov666
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Файл:Детство и юность Людвига ван Бетховена. Учебное пособие – книга для чтения на немецком языке
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mußte er etwas anderes wählen. Er begann mit einem Präludium aus dem
Wohltemperierten Klavier
. Mozart, der sich ergeben in seinen Sessel
zurückgelehnt hatte, richtete sich bei den ersten Tönen überrascht auf und
hörte nun sehr aufmerksam zu. Der Bub hatte eine tiefe musikalische
Auffassung; aber sein Spiel wollte ihm nicht gefallen. Es war kräftig, aber
rauh, hatte nichts von der Zartheit und Rundung, die seinem eigenen Spiel
angeboren war. In der folgenden Fuge machte sich das weniger bemerkbar;
dafür fiel aber nicht selten eine Note unter den T
isch, und das Ganze war
doch sicher ein eingelerntes Paradestück.
Hätte Mozart gewußt, wie es Ludwig zumute war! Als er begann, schien
sich das ganze Zimmer um ihn zu drehen; die Brust war ihm wie zugeschnürt.
Mechanisch schlug er die T
asten an und hörte kaum, was er spielte. Seine
Finger waren eiskalt und drohten manchmal den Dienst zu versagen. Er dankte
Gott, als er zu Ende war
, und hatte das Gefühl, so schlecht gespielt zu haben
wie vielleicht noch nie. So so! sagte Mozart, Sebastian Bach spielst du.
Den kennt hier in W
ien fast keiner; ich selber hab bis vor ein paar Jahren so
gut wie nichts von ihm gewußt. Sein Gesicht nahm einen bitteren Ausdruck
an. Das Schicksal des Genies, vergessen zu werden, sagte er leise vor sich
hin. Ja, mein Bub, recht brav hast du gespielt, recht nett. Na, von einemmal
läßt sich ja nicht allzuviel sagen. T
alent hast du; obs freilich zu was ganz
Besonderem langt, das wird sich erst noch zeigen müssen.
Ein Flammenblitz aus Ludwigs grauen Augen traf ihn. Herr Mozart,
stieß er hervor, ich weiß, ich habe schlecht gespielt. Haben Sie noch einen
Augenblick Zeit? Dann geben Sie mir ein Thema zum Phantasieren! Ich
will es diesmal besser machen.
Jetzt schau den Buben an! rief Mozart lachend seinem Freunde zu.
Schaut er mich doch an, als wenn er mich fressen wollt! Also phantasieren
möchtest du ein bissel? Gut, sollst phantasieren, soviel du magst. Da hast du
ein Thema! Er trat ans Klavier und spielte im Stehen eine kurze Melodie,
Das ist aus meiner neuen Oper
Ludwig war der Spott in Mozarts W
, dem ,Don Giovanni. Und nun, avanti!
3
orten nicht entgangen.
Er war aufs
äußerste gereizt, das Blut stieg ihm heiß ins Gesicht und hinab bis in die
Fingerspitzen, so daß seine Hände plötzlich warm und gelenkig wurden.
Jetzt will ichs ihm geben! dachte er
setzte, war alle Befangenheit gewichen.
, und als er sich wieder ans Klavier
4
Das herrliche Thema hatte er
sich im Nu eingeprägt Aber wie um Mozarts Spott mit Spott zu begegnen,
121

tappte er es zu Beginn mit einem Finger und ohne Begleitung auf die T
asten
nieder. Mozart fuhr auf. So ein frecher Bub! lachte er leise vor sich hin.
Und nun straf
fte sich Ludwig auf. Mit grandioser W
ucht und in kühnster
Harmonik schmetterte er Mozart sein Thema in die Ohren. Dann hatte er
seine Umgebung vergessen. Er packte das Thema und zerriß es in zwei Stücke.
Aus dem einen Riesen waren zwei geworden, jeder herrlich gewachsen, beide
grundverschieden. Sie stürzten sich aufeinander
, und nun begann ein wildes
Ringen zwischen zwei ebenbürtigen Gegnern. Mozarts Gesicht war ernst
geworden; mit gespannter Aufmerksamkeit blickte er auf den kleinen Burschen,
der eine solche Titanenschlacht vor ihm aufführte. Plötzlich hielt der Kampf
inne, rauschende Arpeggien rannen über die Tasten, voll tiefster Qual wand
sich das nun wieder geeinte Thema, dumpf grollten die Bässe. Und plötzlich,
wie die Sonne nach Gewittersturm aus den Wolkea tritt, ertönte das Thema in
leuchtendem Dur, verklang in ekstatischem Jubel.
Mozart saß eine W
Freunde und sagte leise: Auf den gebt acht! Der wird einmal in der W
von sich reden machen!
eile unbeweglich. Endlich neigte er sich zu seinem
elt
5
Dann trat er auf Ludwig zu und strich ihm
liebkosend übers Haar.
Bist ein ganzer Kerl! Bist ein Teufelskerl, ein Satanskerl! W
irst einmal
ein großer Klavierist werden, darauf geb ich dir mein Wort. Und Genie zur
Komposition hast du auch. W
ies mit deiner Wissenschaft drum steht, kann
ich freilich noch nicht sagen. Nun, komm morgen früh präzis zehn Uhr zu
mir, dann werden wir schon sehen.
Ludwig wußte nicht, wie er wieder auf die Straße gelangt war
. Ein
Gefühl unendlicher Seligkeit erfüllte ihn. Ohne zu sehen, wohin er ging,
drängte er vorwärts, rannte hier einen alten Herrn an, wäre dort beinahe
unter einen Wagen gekommen, und fand sich endlich weit draußen, mitten
im Grünen. Die Sonne strahlte, die Vögel schmetterten ihre Lieder, die Donau
rauschte majestätisch vorbei. Er warf sich ins Gras. Mozart! schrie er,
Mozart! Mozart! Dann weinte er
, und dann lachte er unbändig. Eine alte
Frau, die gerade vorüberging, sah ihn mitleidig-furchtsam an.
Guten T
ag, Mutter! rief er ihr zu. Schönes Wetter heute! Da darf
man schon lustig sein!
Die Alte nickte ängstlich und machte, daß sie weiterkam, Ludwig merkte
plötzlich, daß er gewaltigen Hunger hatte, denn die gewohnte Zeit des
Mittagessens war längst vorüber
. Im ersten besten W
irtshaus ließ er sich
122

einen Imbiß geben und feierte den T
ag mit einem Glase W
ein. Spät am
Nachmittag langte er wieder in seiner Herberge an, holte sein Gepäck und
fuhr zu Graf W
etwas beklommen ums Herz
aldsteins Verwandten. T
6
als der Wagen in eine der vornehmsten Straßen
rotz.seinem Glück war es ihm doch
einbog und vor einem Palast hielt. Ein pompöser Pförtner trat heraus. Er
musterte den Mietwagen und was darin war und überlegte es sich offenbar
gründlich, bis er sich entschloß, den jungen Burschen auszufragen und
anzuhören. Doch als Ludwig das Examen überstanden und die Schwelle des
Palastes überschritten hatte, sah er sich von seinen fürstlichen Gastfreunden
so herzlich aufgenommen, daß er sich bald ganz heimisch bei ihnen fühlte.
*
Am andern Morgen, lange vor der festgesetzten Zeit, ging Ludwig schon
vor Mozarts Hause auf und ab und wartete, bis es zehn Uhr schlüge. Er
hatte seine Klavierquartette mitgebracht, um sie dem Meister vorzulegen.
Endlich erklangen die ersehnten zehn Schläge, und er trat ein. Aber es gab
eine Enttäuschung. Ihr Mann sei ausgegangen, sagte ihm Frau Mozart, er
habe eine dringende Besprechung wegen der neuen Oper
Herr van Beethoven ein wenig spazieren und komme nach zwei Stunden
wieder
. Aber als Ludwig um zwölf Uhr zurückkam, war Mozart noch nicht
zu Hause, und er wurde auf den anderen Tag vertröstet V
seines W
eges. Das war nun freilich ein böser Anfang! Und je näher die
Aufführung der neuen Oper rückte, desto mehr würde der Meister wohl
von ihr beansprucht sein. Am nächsten Morgen wurde er aber sogleich
vorgelassen; Mozart entschuldigte sich auf das liebenswürdigste wegen des
gestrigen V
ersäumnisses. Ich hab aber deswegen doch an dich gedacht,
Louis, sagte er, habe deine Quartette durchgesehen, kann dir sagen, du
hast Genie zur Komposition. Im Kontrapunkt fehlt freilich noch das meiste;
aber das läßt sich nachholen. Du kannst Melodien erfinden, das ist die Hauptsache. W
er das kann, den vergleich ich mit einem edlen Rassepferd, einen
bloßen Kontrapunktisten mit einem gemieteten Postgaul. In der
Harmonielehre bist du auch noch nicht ganz sattelfest. Nun wollen wir aber
gleich mal medias res gehen. Schau her! Er nahm ein leeres Notenblatt
und schrieb eine Melodie auf. So, Louis, nun setz dich her rund schreib
die Stimmen dazu. Sag
s, wenn du fertig bist. Darauf ging er an seinen
Schreibtisch am Fenster und war sofort in der eigenen Arbeit versunken.
. Vielleicht gehe
erstimmt ging er
123

Ludwig war schon nach kurzer Zeit mit seiner nicht eben schweren
Aufgabe fertig. Er blickte zu Mozart hinüber
völlig vergessen. Er schrieb an einer Partitur
, aber der hatte ihn of
fenbar
, wie es schien; aber so rasch,
wie wenn es ein Brief wäre. Seine blauen Augen leuchteten, der Mund war
energisch geschlossen, seine Nasenflügel zitterten. Von Zeit zu Zeit blickte er
nach der Decke, als ob er sich da neue Inspiration holen wolle. Dann und
7
sang er leise vor sich hin; nun flog die Feder von neuem übers Papier.
wann
Ludwig saß unbeweglich; er hätte es nie gewagt, den angebetenen Meister
im Schaffen zu stören. Eine Stunde mochte so vergangen sein. Draußen
ertönte die Klingel, und gleich darauf trat Frau Mozart ein. Sie mußte ihren
Mann erst ein wenig an der Schulter rütteln, bis er wieder wußte, wo er war.
Wolfgang, der Herr da Ponte ist draußen, will dich unbedingt sprechen.
Kruzifix! fluchte Mozart. Muß der Kerl grad kommen, wenn ich im
schönsten Zuge bin! Ja, und der Herr Hoforganist ist auch noch da? Mein
guter Louis, du solltest dich doch melden, wenn du fertig bist! Er blickte
auf die Uhr. Nun ist der Bub eine geschlagene Stunde dagesessen und hat
sich nicht gemuckst! Grüß Sie Gott, Signor Abbate! Ja, Louis, es tut mir
leid, wir müssen aufhören. Und ich kann dich auch nicht einladen zu bleiben,
denn du verstehst kein Italienisch, und der Herr Abbate kein Wort Deutsch.
Also bis zum nächstenmal, Louis!
Sie müssen meinen Mann entschuldigen, sagte Frau Mozart draußen
im Vorplatz. Herr da Ponte hat den Text zum ,Don Giovanni geschrieben;
Sie können sich denken, was da noch alles zu besprechen ist. Also nichts
für ungut, gelt? Mein Mann hat mir erzählt, welch schönes Talent Sie sind,
und wie es ihn freut, Sie zum Schüler zu haben. Also bis zum nächstenmal,
8
Herr van Beethoven! Mir ist
s peinlich,
Sie dürfen mirs glauben!
Es war ihr wirklich peinlich. Der Bonner Kurfürst bezahlte den Unterricht
seines Hoforganisten sehr splendid
9
; Und die arme Frau Mozart konnte dieses
Stundengeld gut gebrauchen. Die neue Oper! dachte Ludwig, als er das Haus
verließ die neue Oper wird mich noch um den ganzen Unterricht bringen!
Und dieser merkwürdige Abbate mit seiner krummen Nase, der durfte den
Meister ohne weiteres stören! Ludwig hatte eigentlich gehofft, nicht nur in
den theoretischen Fächern, sondern auch im Klavierspiel Unterricht zu erhalten.
Mein guter Louis, sagte Mozart, du siehst ja, wie es bei mir geht. Da
dran ist gar nicht zu denken. Und das brauchts auch gar nicht. W
as soll ich dich
da viel lehren! Einen zarteren Anschlag vielleicht; aber der wird dir schon von
124

selber kommen. Technisch bist du auf dem Klavier sonst so weit wie Einer,
kannst ruhig dein eigener Meister sein. Aber was einmal als Komponist aus dir
wird, das liegt mir viel mehr am Herzen. Du hast sehr viel Genie, Louis; aber
was bei dir noch nicht so recht ausgebildet ist, das ist der Sinn für lebendigen
Wohllaut und sagen wir, für das Gleichgewicht, für den ganzen Aufbau eines
musikalischen Gefüges. Darin kannst du wohl von mir lernen. Natürlich meine
ich nicht, du sollst meine Sachen ausschreiben; das war ganz verkehrt, und wir
beiden sind ja auch zwei grundverschiedene Naturen. Aber schau mal her!
Und er nahm eines von Ludwigs Quartetten und wies auf manche Härten hin,
die der Knabe allerdings im vollen Bewußtsein des V
erstoßes gegen die Regeln
hingeschrieben hatte. Ludwig suchte sich mit Pfeiffers Lehren zu verteidigen:
nicht Schönheit, sondern Wahrheit im Ausdruck der Empfindung sei oberstes
Gesetz. Um Gottes willen, rief Mozart, wo kämen wir da hin! Freilich, du
brauchst dich nicht sklavisch an die Regeln zu halten. Musik wächst immer
weiter fort und muß sich wandeln; neue Kunst stellt neue Regeln auf. Doch ein
Gesetz bleibt bestehen, muß bestehen bleiben: das Gesetz der Schönheit! Nie
darf man Leidenschaften, mögen sie noch so heftig sein, bis zum Ekel ausdrücken!
Auch wenn die Musik das Schaudervollste darstellen will, darf sie niemals das
Ohr beleidigen, muß immer noch V
ergnügen bereiten, sonst ists eben nicht
mehr Musik. Mein ,Don Giovanni steckt voll von Beispielen. Doch das ist alles
noch unfertig, du verstehst kein Italienisch, es hart also keinen Sinn, wenn ich
dir die ein oder andre Stelle zeigen wollte. Aber wenn du später mal die Oper
hörst, dann denk an meine Worte! Und laß in deinen eigenen Arbeiten Musik
immer die Reine, Schöne, die hohe Göttin bleiben!.
So gingen die Tage, so ging oft eine halbe Woche dahin, ohne daß es zu
regelrechtem Unterricht gekommen wäre. Ach, es ist mir so peinlich!
sagte Frau Mozart, wenn sie Ludwigs trauriges Gesicht sah. Zwar wurde
er nicht mehr fortgeschickt, wenn der Meister beim Komponieren war
, aber
er mußte oft stundenlang warten; und wenn Mozart dann die Feder aus der
Hand legte, war es ihm meist unmöglich, gleich an den Unterricht zu gehen.
Er ließ sich dann gern von Bonn erzählen, vom Erzbischof, den er ja von
früher her gut kannte, vom Dienst bei Hofe.
Da könnt ich nun eigentlich selber sitzen, sagte er einmal, bei euch in
Bonn, als wohlbestallter Hofmusikdirektor, statt daß ich mich hier von einem
Tag zum andern mit Lektionen abrackern muß, um nur das tägliche Brot
herbeizuschaffen. Aber damals, als euer Herr mir die Stelle antrug, da bin
125

ich über Hals und Kopf in der Arbeit am ,Figaro gesteckt, und ich dachte
mir: hab ich Erfolg, so kann doch hier mal eine Anstellung für mich
rausspringen. Und dann, das Weiberl so weit wegführen, mich vergraben in
dem kleinen Nest bei euch, all das war nicht nach meinem Sinn. So bin ich
halt geblieben, der ,Figaro hat auch Erfolg gehabt, aber eine V
nicht da für den Mozart. So plag ich mich halt weiter
. Vielleicht haben die
akanz war
hohen Herren in Wien doch noch mal eine Anstellung für mich, daß man ein
bissel ausschnaufen kann von all den Sorgen um die Existenz. Ludwig war
tief betroffen. So behandelte man in W
ien, dem kaiserlichen W
ien, den
größten musikalischen Genius, den die Welt besaß!
Müssen Sie denn wirklich vom Stundengeben leben? fragte er
. Von
was denn sonst, Louis? Hätt ich wenigstens mehr solche Schüler wie dich!
Aber man muß nehmen, was kommt, wenn nur jeder seinen halben Dukaten
pro Lektion bezahlt. Ein jeder ungarische Schnurrbart ist willkommen, den
der Satan plagt, für nix und wieder nix Generalbaß und Kontrapunkt zu
studieren; jedes übermütige Komtesserl, das mich, wie den Haackräusler,
mit einem roten Kopf empfängt, wenn ich einmal nicht auf den Glockenschlag
bei ihr anklopfe. Und Ihre W
An der
, Entführung wär ich in Frankreich ein reicher Mann geworden,
erke? Ihre Opern?
denn die hat überall Erfolg gehabt. In Deutschland sind nur die
Theaterdirektoren reich dran geworden; für mich selber sind 426 Gulden 40
Kreuzer abgefallen. Und der ,Figaro?
Der, Figaro war den W
ienern auf die Dauer doch zu schwer
ungewöhnlich. Als dann der Spanier Martin kam, der W
indmacher
10
, zu
, mit
seiner ,Cosa rara, da verschwand der Figaro in der Versenkung. Nur meine
lieben Prager halten ihn in Ehren, und deswegen schreib ich den Don
Giovanni auch für Prag. W
er in W
ien Beifall rinden will, der muß so
verständlich schreiben, daß es ein Fiaker nachsingen kann, oder so
unverständlich, daß jeder denkt: wenn ich schimpf, könnt ich mich blamieren;
also lob ich lieber. Erschweren nicht vielleicht auch die italienischen Libretti
das Verständnis? meinte Ludwig. W
keinen deutschen T
ext mehr komponiert? W
arum haben Sie seit der Entführung
arum? Weil das deutsche
Singspiel hier in Wien ein recht jammervolles Ding ist, das nicht leben und
nicht sterben kann. Das liegt an unserm Kaiser. Mit dem Kopf ist er für die
deutsche Oper
, mit dem Herzen für die welsche; und das Herz sitzt dem
Geldbeutel halt näher als der Kopf. Alle unsere ersten Sänger, die Cavalieri
126

nota bene eine brave Wienerin , der Adamber
ger, der Teyber
, lauter
Deutsche, alle müssen sie beim welschen Theater singen, müssen gegen
ihre eigenen Landsleute kämpfen, und sie sind ihnen weit überlegen; denn
die vom deutschen Theater sind ja lauter Schauspieler, die eben zur Not
singen können. Ach, es geschah den Deutschen schon recht, wenn ichs
machte wie der Gluck oder der Händel, mein geliebtes V
aterland verließe
und fortginge, nach London oder Paris; in ein paar Jahren wär ich ein reicher
Mann. Und ich weiß nicht, ob ichs nicht doch einmal so mach. Aber freilich,
es gibt nur e i n Wien in der Welt, ich komm nicht los davon. Alles hält mich
hier fest: die Menschen und die Luft und die Donau und der Prater
. Und
wenn sie mich hier verhungern lassen, besser in Wien gestorben als woanders
gelebt. Bonn ist auch wunderschön, warf Ludwig ein. Recht, Louis,
daß du was auf deine Heimat hältst. Aber W
ien ist es doch nicht. Und dann
der Hofdienst in solch kleiner Residenz , ich habs als junger Bursch
kennengelernt und hab genug davon für mein ganzes Leben. Und der
Kaiser, begann Ludwig wieder
, gibt er Ihnen nichts?
Nichts, entgegnete Mozart, nicht mal den Unterricht bei der kaiserlichen
Familie, was doch ein schönes Stück Geld einbringt; ein W
bei Hof. Ja, es ist ein V
erhängnis, Genie zu haben. Das Mittelmaß, das kommt
elscher unterrichtet
zu was im Leben, und das Genie hungert. Es ist eine Dornenkrone, die wir
tragen. Und doch möcht ich sie mit keiner Kaiserkrone tauschen. Ludwig
beugte sich zu Mozarts Hand nieder und küßte sie leise. Der strich ihm
liebkosend übers Haar
. Lieber Kerl, guter Kerl, murmelte er
. V
orwärts,
wir haben genug geschwatzt, jetzt gehts ans Arbeiten. Und er begann einen
Satz aus der Harmonielehre, aus dem Kontrapunkt zu erklären, ihn an einem
Beispiel zu erläutern; und während er sprach, waren seine Gedanken schon
weit, weit fortgewandert, nach Spanien, nach Sevilla, und umkreisten den
stolzen Kavalier
den Mächten der andern W
, der sich freventlich über Sitte und Recht hinwegsetzte, selbst
elt Trotz bietend.
Texterläuterungen
1
Umstände machen
2
in die Höhe fahren
3
Ludwig war der Spott in Mozarts W
От Людвига не уско
4
..., war alle Befangenheit gewichen
áecïîê
îèòü;
вскакивать;
льзнула насмешк
orten nicht entgangen
а в словах Моцарт
à;
исчезли смущение и робость;
127

5
Der wird einmal in der W
elt von sich reden machen
Однажды он
заставит говорить о себе весь мир;
6
..., war ... beklommen ums Herz
7
dann und wann
8
Mir ist s peinlich
9
sehr splendid
10
der Windmacher
время от времени;
Мне неловк
очень щедро;
ветреный: пустой челов
было тяжело на сердце;
î;
åê;
Aufgaben
1. Bestimmen Sie das Thema des 13. Kapitels.
2. Versuchen Sie das erste T
Dabei können Sie folgende W
in peinlicher Verlegenheit sein;
eine tiefe musikalische Auffassung haben;
sich ans Klavier setzen;
leise vor sich hin lachen;
ein grosser Klavierist werden;
darauf gebe ich dir mein W
3. Finden Sie im Text den Absatz, in dem sich um Mozarts Musikunterricht
handelt. Worüber klagte Mozart seinem Schüler?
4. Können Sie das Äussere von Mozart laut des Textes beschreiben?
Versuchen Sie, das zu machen.
5. Übersetzen Sie ins Russische folgende Wortverbindungen und
Redewendungen:
das Examen überstehen;
wie es mir geht;
das liegt mir viel mehr am Herzen;
um Gottes willen;
es hatte keinen Sinn;
an den Unterricht gehen;
vom Stundengeben leben;
in die Arbeit versinken.
reffen von Ludwig und Mozart zu beschreiben.
ortverbindungen verwenden:
ort.
128

VIERZEHNTES
K
APITEL
Eines Tages fand Ludwig den Meister in einem ziemlich lebhaften Disput
mit seiner Frau. Er war aufgefordert worden, in einem der Augartenkonzerte
1
zu dirigieren und Klavier zu spielen;
Diese Konzerte hatten vor Jahren
unter seiner Leitung gestanden, bis er die Lust daran verloren und sie einem
andern abgetreten hatte. Ach, Stanzerl, sagte Mozart, laß mich aus mit
Konzerten! W
as liegt mir jetzt an Virtuosen und Dirigentenruhm
2
! ich hab
andere Dinge im Kopf!
Aber seine Frau ließ nicht locker
. Du mußt dich den W
Erinnerung bringen, Wolfgang, du wirst ja sonst ver
gessen! Ein solches
ienern in
Konzert trägt uns gewiß drei neue Schüler ein, und du weißt, wie nötig
wirs haben! Das gab den Ausschlag; Mozart versprach zuzusagen. Und
den Louis nehmen wir mit, Stanzerl! W
Ludwig verneinte. Er verbrachte den ganzen T
arst du schon im Augarten?
ag am Klavier und am
Schreibtisch und hatte von Wien kaum mehr gesehen als die Straßen
zwischen Mozarts und seiner Wohnung. Aber das ist doch ein Jammer!
rief Mozart, als er das hörte. Klavierspielen und komponieren kannst du in
Bonn auch. Was willst du denn eigentlich von Wien erzählen, wenn du wieder
zu Haus bist? Den Augarten mußt du mindestens gesehen haben. Also heut
in acht Tagen, in der Früh präzis um sechs Uhr, holst du uns ab. Gelt, da
schaust du, daß es in Wien solche Frühaufsteher gibt! Die Augartenkonzerte
sind aber mit Fleiß auf eine so frühe Stunde angesetzt. Das Orchester besteht
nämlich fast aus lauter Dilettanten, und wer sich so früh von seinem Bett
trennen kann, um ohne Entgelt Musik zu machen, der hat wahre Lust zu
ihr. So schritt Ludwig denn eines Morgens in aller Herrgottsfrühe an der
Seite des Mozartschen Ehepaares durch die noch stillen Gassen, durch eines
der engen, dunklen Tore hinaus auf das Glacis mit seinen leuchtenden, von
Alleen durchzogenen Rasenflächen. Dann ließ ein hohes, gewölbtes Portal
sie in einen herrlichen Park eintreten. Mozart nahm den Hut ab und blickte
an den mächtigen Stämmen der alten Bäume in die Höhe. Ach, Stanzerl,
sagte er, warum leisten wir uns so einen Morgenspazier
Er tat einen tiefen Atemzug. W
ie das duftet! Es ist, als tat man
gang nicht öfters?
Gesundheit und Leben in sich trinken. Da schau das Eichkatzl! wie lieb es
zu uns herunterspitzt! O du goldiges V
iecherl du! Mozarts kleiner Hund,
sein unzertrennlicher Begleiter, war dem Blick seines Herrn gefolgt; nun
129

entdeckte auch er das kleine fremde Tier oben im Gezweig und begann
wütend zu bellen. Faß, Bimberl, faß! Kannst dus nicht erwischen? wart,
ich helf dir! Er umfaßte den nicht eben dicken Stamm, tat einen Sprung
in die Höhe und begann hinaufzuklettern. Bimberls Gebell ward zum rasenden
Gekläff. W
olfgang! jammerte seine Frau, jetzt schau einer den Mann
an! denk doch an deine Pantalons! wie willst du dich denn dem Publikum
präsentieren l Aber Mozart hörte nicht; rüstig kletterte er weiter, bis er
einen Ast erreicht hatte. Auf den setzte er sich, baumelte mit den Beinen
und schwenkte seinen Hut. Komm, Bimberl, komm zum Herrl! Na, Louis,
willst mir nicht nachsteigen? Und er sang: Se vuol ballare, Signor Contino?
Wolfgang! rief Frau Konstanze, ich bitt dich, komm herab! Schau,
Leute kommen! was sollen die zu deinen Narrenspossen sagen! In ihren
kleinen schwarzen Augen flackerte ein böses Feuer. O die Weiber! rief
Mozart. Mit einem Rutsch sauste er an dem glatten Stamm hinunter und
stand lachend und keuchend auf der Erde. Wo ists Eichkatzl? fort ist
Bimberl! Suchs Eichkatzl! da, da droben! schau! faß vorwärts! Und
begann sich in Galopp zu setzen. Bimberl jagte heulend hinter ihm her.
Ludwig wäre ihm am liebsten nachgerannt, aber mit den schweren
Notenbänden, die er trug, war das nicht möglich. So hielt er sich neben Frau
Mozart, die stumm und blaß weiterging. Er muß sich halt einmal austoben,
sagte sie endlich. Das ewige Stubenhocken ist auch nicht gesund. Aber
der gereizte Ausdruck ihres Gesichtes paßte nicht recht zu ihren
entschuldigenden Worten.
An einer Wegbiegung stürzte Mozart hinter einem Baum hervor und
flog seiner Frau an den Hals. Nicht bös sein, Stanzerl! Spitzignas!
Bagatellerl! Er schob seinen Arm unter den ihren. So! jetzt wollen wir
wieder brav sein! den ernsten Maestro machen. Da sind wir, Louis! Sie
standen vor dem Konzertsaal, einem weiten, einstöckigen Gebäude mitten
im Grünen. Auf dem freien Platze davor saß oder promenierte ein elegantes
Publikum in festlicher Erwartung. Das Mozartsche Ehepaar nahm mit
seinem Gast unter einem weitschattenden Ahornbaum Platz. Ein Kellner
brachte das Frühstück: duftenden Kaffee, Milch mit Obers, gestoßenen
Zucker in einer umfangreichen Messingdose, blütenweißes knusperiges Brot
und frische Butter. Mozart strahlte von Zufriedenheit und Frohsinn.
Na, Louis, gefällt
greif aber zu und laß dir
s dir hier! gelt, das habt ihr nicht in eurem Bonn! Nun
s schmecken! Stanzerl, schenk ein !
3
s,
130
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