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Детство и юность Людвига ван Бетховена. Учебное пособие – книга для чтения на немецком языке

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vornehmen Leuten zu T
isch einladen! Na, ich will dir die V
schon austreiben, darauf geb ich dir mein W
ort! Und worauf ich mein W
ornehmtuerei
ort
gebe, das hab ich noch immer gehalten! Hast du mich verstanden?
Ludwig blickte in das zorngerötete Gesicht seines Vaters, in seine glasigen Augen, und V Ludwig preßte die Lippen aufeinander
erachtung überkam ihn. Hast du mich verstanden?
. Warte, ich will dich schon zum Reden bringen! schrie der Vater und schlug dem Knaben ins Gesicht. Der ging schweigend hinaus und auf sein Zimmer.
Vor seinem Bett fiel er auf die Knie und barg sein Gesicht in den Kissen. Wildes lautloses Schluchzen durchschüttelte ihn. Das war das Ende dieses schönen Tages! Er dachte an Frau von Breuning, die ihn kaum kannte und doch wie eine Mutter zu ihm gewesen war
. W
ie gut hatten es die Kinder einer solchen Mutter!  Da fiel ihm die eigene Mutter ein, heiße Liebe strömte durch sein Herz. Er stellte sich vor von Breuning wählen.  Mutter! Mutter! flüsterte er, und die T
, er solle zwischen ihr und Frau
ränen stürzten
ihm aus den Augen. So kniete er lange, bis Ruhe über ihn kam.
*
Zu derselben Zeit saß Frau von Breuning noch mit Bruder und Schwager zusammen. T starrte sie in das Licht der Lampe.
Woran denkst du, Helene? fragte ihr Bruder, dem ihr Schweigen auffiel.
Ich muß immer an das Kind denken, den Louis, entgegnete sie.
Ich weiß nicht, meinte ihr Schwager, ich habe an dem Jungen eigentlich nicht viel finden können. Er mag ja sehr musikalisch sein, ein Wunderkind meinetwegen, aber gegen Wunderkinder habe ich schon von vornherein ein gewisses Mißtrauen.
Er ist kein W ein ganz wundervolles Kind! Ihr werdet über mich lachen, fuhr sie fort, und ihre Stimme bebte leise, aber ich fühle es so, und ich täusche mich nicht: daß dieses Kind heute unsere Schwelle überschritten hat, damit hat Gott uns gesegnet, und wir dürfen nur alles tun, uns dessen würdig zu zeigen.
Ihre Augen füllten sich mit Tränen, aber mit Gewalt kämpfte sie ihre Bewegung nieder
Helene, meinte ihr Bruder ja, ich muß schon sagen, etwas überspannt. Ich habe den Jungen immer mit
iefer Ernst lagerte auf ihrem schönen Gesicht, und sinnend
underkind, entgegnete sie, er ist ein wundervolles Kind,
.  Die beiden geistlichen Herren sahen sich erstaunt an.
, ich halte dies zum mindesten für etwas 
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unseren Kindern verglichen; glänzend hat er dabei grade nicht abgeschnitten. Frau von Breuning lachte leise.
Du Guter du! Unsere Kinder sind liebe, begabte Geschöpfe. Aber dieses Kind ist ein Genius, es hat etwas  etwas Göttliches.  Und wenn ihr das jetzt nicht fühlt, fuhr sie nach einer Pause fort, so werdet ihr es später erfahren.
Ein merkwürdiger Genius! rief der Schwager, dieser häßliche, pockennarbige, schlecht erzogene, scheue kleine Bursche! Genien stelle ich mir denn doch etwas anders vor!
Ich weiß, was ich weiß, entgegnete sie. Ihr Männer seid kurzsichtige Kreaturen, und wenn ihr tausendmal gescheiter seid als wir dummen Frauen. Bedenkt doch, der Knabe ist erst zwölf Jahre alt; fast ohne Schulbildung ist er aufgewachsen, unter der Fuchtel dieses Lumpen, über den ganz Bonn Bescheid weiß. Mein Gott, was ist an diesem Kinde gesündigt worden! Es ist betrogen worden um das Schönste im Leben, um eine sonnige Kindheit! Armer kleiner Louis! W diese ernsten Augen einmal lachen könnten!  Sie schwieg eine Weile.  Aber noch ist es nicht zu spät! Ich will ihn in unser Haus ziehen, er soll kommen, so oft er mag. Die Kinder sollen mit ihm spielen; er soll lernen, daß es noch etwas anderes im Leben gibt als Musik studieren; er soll froh werden und lachen lernen, der arme kleine Kerl! Und ihr beide sollt mir beistehen, einen Menschen aus ihm zu machen! Ihr müßt mit an seiner Bildung arbeiten! er kennt ja kaum etwas anderes als seine Musik. W mir helfen?
Wer könnte dir etwas abschlagen, Helene, sagte ihr Schwager, vollends bei dieser Lage der Dinge! Gewiß, es geht um die Seele eines unglücklichen Kindes! Versuchen wollen wirs gern, nicht wahr  Der nickte eifrig.  Aber ob es etwas helfen wird? Bei der Familie?
Das laßt nur meine Sor ihr mir nach drei Monaten sagt, ich hätte mich getäuscht, dann entbinde ich euch von eurem V Die beiden trefflichen Männer drückten ihr warm die Hand.
ersprechen. Bis dahin sind wir V
egeler hat recht: Wie schön müßte es sein, wenn
ollt ihr
, Abraham?
ge sein, entgegnete Frau von Breuning. W
erbündete! Abgemacht?
enn
*
Am anderen Mor hatte ein Klavierquartett unter der Feder ein schönes Thema eingefallen war.
92
gen saß Ludwig schon in aller Frühe bei der Arbeit. Er
, zu dessen langsamem Satz ihm
Sein Vater empfand beim Erwachen ein Gefühl der Reue über sein gestriges Verhalten. Er wollte Ludwig ein gutes Wort sagen und trat zu ihm ins Zimmer. Na, Louis? sagte er freundlich, schon an der Arbeit? Das ist recht, das lob ich mir! Was schreibst du denn da? An einem Klavierquartett, Vater. So? laß mich mal sehen.
Er beugte sich über das Papier und sang die Melodie des Themas leise vor sich hin. Plötzlich brach er in Tränen aus und legte seinen Kopf auf Ludwigs Schulter
. Vater! W
as hast du denn?  V
ater! Was ist denn mit dir? ,,Louis! stammelte Johann, Louis, verzeih mir, was ich dir gestern getan habe! Oh, du bist besser als ich! ,,V
ater! Was redest du denn nur!
Und ich bin ja so stolz auf dich! Aber wenn ich sehe, wie du vorwärts kommst, und selbst so vornehme Leute wie die Breunings das anerkennen, und wenn ich dann denke, was aus mir hätte werden können, wenn ich einen Vater gehabt hätte, wie du ihn hast , er begann von neuem zu schluchzen. Ludwig wußte genau, daß sein V
ater die W
ahrheit auf den Kopf stellte, wenn er sich so mit dem Großvater verglich;  wußte, daß es nur seine Charakterschwäche gewesen war
, die es ihn nicht zu etwas Ordentlichem hatte bringen lassen. Aber geziemt es ihm, solche Wahrheit auszusprechen? Laß es gut sein V
ater! Ich weiß ja, was ich dir zu verdanken habe.
Du weißt es nicht, Louis! Du weißt nicht, wie ich gekämpft habe, um vorwärts zu kommen! Aber die äußeren V Die vielen Kinder
, für die ich Brot schaffen mußte , ein paar hat ja der
erhältnisse waren stärker als ich.
liebe Gott wieder zu sich genommen, aber es waren immer noch genug. Und dann der Dienst, der Hofdienst, dieser geisttötende ewige Dienst! Und der W
ein, sagte Ludwig.
,,Ja, Louis, du hast recht; auch der Wein.  Er begann von neuem zu schluchzen.  Aber willst du mir diesen Trost mißgönnen? Diesen einzigen Trost, der mir noch bleibt in meinem schweren Los? Der Wein erfreuet des Menschen Herz! heißt es nicht so in Gottes W
ort?
Vater, laß Gott aus dem Spiel. Es steht sicher nicht in der Bibel, daß
man sich betrinken soll.
Oh, diese Sprache! jammerte Johann, diese Sprache eines Kindes gegen seinen Vater! Du bist undankbar Louis! Alles, was du bist und kannst, verdankst du nur mir! Ludwig mochte darauf nicht antworten. Siehst du, du
6
schweigst, und dein Schweigen spricht Bände!
Sei doch dankbar gegen deinen
Vater, sei doch liebevoll! Ich habe es weiß Gott reichlich um dich verdient!
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Ich habe dich ja lieb, Vater! Aber verzeih mir, was ich jetzt sage, denn ich muß es dir sagen: du bist nicht so, wie du sein solltest! Du machst uns alle unglücklich mit deinem Trinken! Sieh die Mutter an, wie sie langsam dahinsieht! Denk an die Kinder, denen du doch ein gutes Beispiel geben solltest! Der Haushalt geht ja zugrunde! Ich kann doch noch nicht die ganze Familie erhalten!
Johann war tief erschüttert.  Oh, ich bin schlecht! Nein, ich bin nicht schlecht, aber schwach! Ich will ja nicht mehr trinken, aber wenn das Verlausen über mich kommt, kann ich nicht widerstehen.
V
ater, ich will dir einen Vorschlag machen! Liefere mir an jedem Zahltag dein Gehalt ab! Ich will es verwalten. Du sollst deswegen nicht darben, du sollst jeden Abend deinen Schoppen Wein haben, aber mehr auch nicht! Willst du, Vater? Sag ja! T
u es für Mutter und für dich selbst und für die Kinder!
Ja, Louis! Ich will es! Ich will alles tun, was du für richtig hältst, mein braver großer Junge! Ich will nüchtern werden, ich will wieder mehr Stunden geben, und dann soll die Mutter auch wieder gesund und froh werden!  Und was die Breunings betrifft , was ich da gestern gesagt habe, das war Unsinn! Ich bin doch froh, wenn du in solchen Kreisen Zutritt bekommst; das ist ja nur nützlich für deine Karriere und für uns alle! Also geh nur hin, so oft du magst, und freu dich deines Lebens! Du hast es ohnedies schwer genug, du armer Kerl, du!
Er war wieder ganz heiter geworden. Du arbeitest schon, Gott weiß, wie lange, während ich noch schlief, sagte er gerührt. Ich will dich nicht weiter stören. Also, Louis! Da hast du meine Hand! Jetzt soll ein neues Leben beginnen! W Ludwig, als sein V
ie oft er das wohl schon gesagt haben mag! seufzte
ater das Zimmer verlassen hatte.
Sein Blick fiel auf dieUhr, es war spät geworden. Hastig nahm er die unterbrochene Arbeit wieder auf. Dann schluckte or sein frugales Frühstück hinunter und begann den Kreislauf der täglichen Pflichten.
Texterläuterungen
1
auf eigene Faust 
2
der Kranken ... Linderung zu verschaf
больной;
3
auf das Hingebendste und Gewissenhafteste pflegte 
данно и самоотвержено;
94
самовольно;
fen  çä: ó
лучшить состояние
ухаживал пре-
4
von Not und Sorgen zu lesen war 
заботы;
5
unseretwegen 
6
und dein Schweigen spricht Bände 
èç-çà íàñ;
многом;
Aufgaben
можно было прочесть нужду и
а твое молчание говорит о
1.Finden Sie im T
ext die im Konjunktiv gebrauchten V
erben. Übersetzen
Sie ins Russische die Sätze, in denen diese Verben verwendet sind.
2. Wie verstehen Sie diese Redewendungen:  dann und wann;  von mal zu mal;  zu tun haben;  bis spät in die Nacht hinein;  Gott aus dem Spiel lassen;  Kreislauf der täglichen Pflichten. In welchem Kontext sind diese gebraucht?
3. Erzählen Sie über die Lage der Beethovens Familie, als Louis 12 war.
4. Unter welchen Umständen kam Franz Wegeler in die Familie von Beethoven?
5. Erzählen Sie, welche Eindrücke von Louis Lore und Lenz nach der ersten Stunde hatten.
6. W
elche Gefühle überfüllten Louis beim Abendessen in Breunings Familie?
7. Übersetzen Sie ins Russische folgende Wortverbindungen:  es roch nach Ofendunst und nach W
ein;  eine gewisse Verlegenheit überwinden;  alles lastete auf ihm;  ablehnend und teilnahmslos;  und bildete sich deshalb ein, allerlei zu können;  wie er in diesem Kreise bestehen würde;  ich will dich schon zum Reden bringen.
8. Weiche Charakterzüge von Louis sind Ihnen sympatisch? W
ar er hingebend
und liebesvoll, als seine Mutter krank war?
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ELFTES
K
APITEL
Als Ludwig das nächstemal seine Unterrichtsstunde bei Breunings
beendet hatte, hielt ihn Frau von Breuning noch zurück.
Willst du schon wieder gehen, Louis? hättest du nicht Lust, mit den
Kindern etwas im Garten zu spielen?
Ich? ich darf nicht spielen. Das hat mein Vater nie erlaubt. Hast du gar keine Spielkameraden? Keinen einzigen. Gut, Louis, dann geh nur jetzt. Ich werde einmal an deinen V
ater
schreiben.
Schon am nächsten T
age erklärte Johann seinem Sohn, er habe gar nichts dagegen, wenn er bei den Breunings nicht nur als Klavierlehrer ein und ausgehe, sondern auch als Spielgefährte der Kinder.
Wenn nun Frau von Breuning gehofft hatte, es werde sich zwischen Ludwig und ihren Kindern bald ein nahes freundschaftliches Verhältnis entwickeln, so hatte sie sich in dem Charakter ihres Schützlings getäuscht. Pünktlich wie die Sonne erschien er zu den festgesetzten Stunden, drängte immer auf sofortigen Beginn des Unterrichts und gab sich die größte Mühe, seine Schüler musikalisch zu fördern. War die Stunde beendet, so war es bald die Regel geworden, daß Ludwig zum Nachmittagsimbiß blieb und danach mit den Kindern in den Garten zum Spielen ging. Aber er stellte sich entsetzlich ungeschickt dabei an, und es war unschwer zu merken, daß er nur aus Pflichtgefühl daran teilnahm.  Frau von Breuning hatte es für das Richtigste gehalten, die Kinder sich zunächst einmal selber zu überlassen; aber als ihre eigenen Kinder ihr immer wieder erklärten, mit dein Louis sei nichts anzufangen, er sei überhaupt nicht wie andere Jungen, und sie wollten nicht mehr mit ihm spielen, da ging sie das nächstemal mit in den Garten hinunter.
Sie schlug als Spiel Bäumchen wechsele dich vor und übernahm gleich selber die Rolle desjenigen, der sich seinen Platz erringen muß. W
ie ein junges Mädchen eilte sie von Baum zu Baum, kam absichtlich immer zu spät und brachte dadurch die anfangs etwas mißmutigen Kinder allmählich in vergnügtere Stimmung. Endlich erhaschte sie einen frei gewordenen Platz. Christoph, der nun ihre Rolle übernahm, jagte Ludwig, der durch seinen zu engen Anzug am raschen Lauf gehindert war, sofort seinen Platz ab. Nun
1
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stand der Knabe mitten zwischen den lachenden Gefährten, lief bald da-, bald dorthin, kam immer zu spät und hatte plötzlich das Gefühl; die wollen mich zum besten haben.; W
ieder rannte er auf eben Baum zu, da stürzte er der Länge nach hin. Irgendwo in seinen Kleidern tat es einen Riß. Er erhob sich, hörte das Gelächter der andern, und eine namenlose Wut packte ihn. Er ging auf Christoph zu, stieß ihn von seinem Baum weg und lehnte sich daran mit dem Gefühl: nun mag kommen, was will. Christoph, wütend über das erlittene Unrecht, warf sich auf ihn, von beiden Seiten regnete es Stöße und Püffe, und nur
, mit Mühe gelang es Frau von Breuning, die beiden zu trennen. Bebend standen sich die Knaben gegenüber, Christoph rot vor Zorn, Ludwig leichenblaß. ,Jhr bleibt hier im Garten! sagte Frau von Breuning zu ihren Kindern, und du, Louis, kommst mit mir. Sie nahm den Knaben bei der Hand und führte ihn, der ihr willenlos folgte, ins Haus.
Louis, sagte sie streng, erklär mir dein Benehmen! Ludwig schwieg. Siehst du ein, daß du unrecht gehandelt hast? Ludwig schwieg
Louis, du hast dich geärgert und hast dich zu etwas hinreißen lassen, das nicht recht war. Das kann vorkommen und ist verzeihlich. Aber wie du jetzt bist, trotzig und störrisch, das ist nicht schön von dir!
Ich werde nicht wiederkommen, sagte der Knabe mit eiskalter Stimme. Ich will nach Hause gehen. Ich will auch keine Stunden mehr geben. Ich will Sie alle nie wiedersehen. Louis! sagte Frau von Breuning sanft. Da war es mit der Fassung des Kindes zu Ende. An dem Stuhl, an dem er stand, stürzte er in die Knie und verbarg sein Gesicht.  Frau von Breuning ließ ihm Zeit, sich zu beruhigen. Dann hob sie ihn auf und zog ihn auf ihren Schoß. Eine Weile schwiegen beide. 
Louis, siehst du denn nicht, wie gut wir es alle mit dir meinen?
Sie  oh, Sie sind gutl
Und die Kinder?
Sie machen sich über mich lustig! weil ich arm bin, weil ich nicht so schöne Kleider habe, weil ich nicht weiß, wie man sich zu benehmen hat
Aber Louis, das bildest du dir ja nur ein! Kein Mensch macht sich über dich lustig! Alle haben dich gern; die Kinder sind dir dankbar
, daß du dir
solche Mühe mit ihnen gibst!
Christoph gebe ich ja gar keine Stunden.
Christoph denkt genau wie die andern, dafür ist er mein Sohn.
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Er hat ja auch recht, setzte Ludwig seine Gedanken fort, ich weiß ja, ich passe nicht hierher. Frau von Breuning überlegte einen Augenblick. Louis! sagte sie dann, laß mich das nie wieder hören! Daß wir wohlhabender sind als dein Vater
, daß wir von Adel sind, das sind Dinge, für die wir nichts können, und wir haben keinen Grund, uns etwas darauf einzubilden. Für uns gibt es nur einen Adel, das ist der Adel des Geistes und der Gesinnung. Ich weiß nicht, ob du mich verstehst. Ludwig nickte. Also gut, Louis, merk dir das, und bilde dir nie wieder solch dummes Zeug ein! Du bist ein braver, tüchtiger Junge, und ich wüßte deshalb nicht, wer besser zum Spielkameraden meiner Kinder passen sollte als du.  So! nun gib mir einen Kuß, und alles ist wieder gut! 
Seit Ludwig und Christoph sich geprügelt hatten, war die trennende Wand der Geburt und Erziehung gefallen; jeder wußte nun von dem andern, daß er ein ordentlicher Kerl sei, der sich nichts gefallen lasse, und beide schlossen sich allmählich in herzlicher Freundschaft aneinander. Bei den anderen Kindern hatte das fortgesetzte nahe Zusammensein die gleiche Wirkung. Als Frau von Breuning wieder einmal in den Garten hinunter
ging, um beim Spielen zuzusehen, schallte ihr ein glückliches Kinderlachen aus Ludwigs Munde entgegen  Allmählich kam es dahin, daß der Knabe seine ganze freie Zeit bei Breunings zubrachte und sich schließlich dort wie ein Kind des Hauses fühlte.
Frau von Breuning hatte Ludwig ein Stübchen eingerichtet, in dem er übernachten konnte, wenn es mal zu spät zum Nachhausegehen wurde. Und der Fall trat immer häufiger ein. Nach dem Abendessen pflegte die Familie bis auf die zwei Kleinen noch beisammen zu bleiben; auch Franz Wegeler war oft zu Gast. Es wurde dann musiziert, oder einer der geistlichen Herren las vor, wobei auf die Jugend der Zuhörer zwar Rücksicht genommen werden mußte, sie aber doch allmählich mit den edelsten Werken der Literatur bekannt wurden. Klopstock, Lessing, Gleim, Gellert, die frühen Werke Goethes und Schillers fanden begeisterte Zuhörer. Aber den stärksten Eindruck auf Ludwig machte die Odyssee. Mit atemloser Spannung folgte er den Abenteuern des göttlichen Dulders; die Katastrophe, die Rache an
2
den Freiern,
durchlebte er wie ein gewaltiges Naturereignis.
Das müßte man komponieren! sagte er dann. Das ist alles Musik. Der Augenblick, da Odysseus den Bogen ergreift  bis dahin tobt und lacht alles durcheinander.  Jetzt packt er den Bogen und richtet sich auf  da
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wird alles still. Kein Laut kommt aus dem Orchester
. Er spannt die Sehne  sie gibt einen Ton wie das Zwitschern einer Schwalbe  ein paar Flötentöne  und Entsetzen füllt die Herzen der Freier  ein einziger dunkler Ton nur; ganz leise beginnt er, schwillt allmählich an, und dann bricht es los. Odysseus hat seinen Pfeil durch alle zwölf Äxte hindurchgejagt, und nun ein wilder Aufruhr im ganzen Orchester  Entsetzen, Angst, T beginnt, einen nach dem andern schmettert Odysseus zu Boden.  W
rotz , der Kampf
enn
ich groß bin, das will ich einmal komponieren!
Er schwieg, beschämt, daß aller Blicke auf ihn gerichtet, alle von seinen Phantasien mitgerissen waren. Als das Gedicht zu Ende war, schwieg alles eine Weile. Dann küßte Ludwig plötzlich Frau von Breuning die Hand und sagte: Penelope war gewiß so wie Sie! Frau von Breuning errötete tief. Bruder und Schwager aber lächelten in sich hinein, weil sie an die vielen Freier dachten, die die schöne junge Witwe schon ausgeschlagen hatte. Aber Papa kommt nicht mehr heim, sagte Christoph traurig.
Warum verheiraten Sie sich nicht wieder? fragte Ludwig plötzlich.
Seine in kindlicher Unbefangenheit gestellte Frage gab Frau von Breuning einen Stich durchs Herz. Aber sie nahm sich zusammen.
Das verstehst du noch nicht, Louis. Oder doch, du verstehst es, ich will es dir sagen. Ich habe meinen Mann so lieb gehabt, daß ich nach ihm keinen andern lieben könnte.  W
eißt du, wie er gestorben ist?
Freilich, entgegnete Ludwig. Ich höre noch das furchtbare Getöse, als die Mauer einstürzte.
Das hast du gehört?  Frau von Breuning war tief erblaßt.
Wir wohnten damals in der Neugasse, dicht am Schloß.
Er wollte die Akten für die Pensionen der W
itwen und Waisen retten,
sagte Frau von Breuning. Ein paar Stunden hat er noch gelebt.
Alles schwieg eine Weile. Dann sagte Onkel Abraham: Seht ihr, Kinder, das nennt man Pflichterfüllung bis zum T
ode. Ich hätte auch so gehandelt, sagte Ludwig einfach. So? Das kann jeder sagen! entgegnete Onkel Abraham ziemlich pikiert.
Frau von Breuning strich Ludwig über den Kopf. Laß ihn gehen, Abraham; ich weiß, er hätte wirklich so gehandelt. 
Mit Louis hast du uns ein wahres Himmelsgeschenk gemacht! sagte
Frau von Breuning zu W
egeler, als Ludwig zu Bett gegangen war
. Ich
hatte Lorchen früher fast für unmusikalisch gehalten  und wie lebt sie jetzt
99
in der Musik! Und ich will es nur bekennen: ich selber habe durch den Jungen eigentlich erst einen Begriff bekommen, was Musik ist. Früher war sie mir eine edle Unterhaltung des Geistes und des Herzens; jetzt kommt es mir oft vor, als sei sie der Mittelpunkt alles Lebens!
Das verstehe ich amusischer Mensch leider nicht, entgegnete W
egeler lächelnd. Dafür will ich Ihnen aber sagen: dem Louis habe ich mit Ihnen auch ein wahres Himmelsgeschenk gemacht. W
as ist in dem halben Jahr aus dem scheuen, verschlossenen Kinde geworden! Ein ganz anderer Mensch, ja ich möchte sagen, überhaupt erst ein Mensch! Ein heiterer, liebenswürdiger, aufgeweckter Junge!  Als ich ihn das erstemal sah, fragte ich mich, ob diese Augen wohl lachen könnten, und ich bezweifelte es fast. Und wie können sie jetzt lachen! Wie kann der ganze kleine Kerl manchmal lachen!
*
Kurfürst Max Franz war ein leidenschaftlicher Theaterfreund. Die Unterhaltung einer ständigen Bühne wurde ihm freilich durch die Finanzlage seines Landes vorläufig noch verboten. Aber nun stand der erste rheinische Karneval vor der Tür, und ein Karneval ohne Theater wäre ihm eben kein Karneval gewesen. Er berief deshalb die Böhmsche Truppe, die gerade am Niederrhein spielte, für einige W
3
Verehrer Glucks,
den er von Wien her persönlich kannte, hatte er sich bestellt, was man von Gluck im Spielplan hatte; es waren Orpheus und Alceste. Man hatte in Bonn bisher von Gluck nichts als das Singspiel Die Piligrime von Mekka zu hören bekommen, womit sich der Komponist noch ganz im italienischen Fahrwasser gehalten hatte. Seitdem war er mit seinen großen Reformopern hervorgetreten und hatte in Paris seinen berühmten Sieg über Piccinni erstritten. Kein W musikalische Bonn in Spannung war; am meisten natürlich Neefe. Er hatte sich vom Kurfürsten die Partituren der beiden Opern entliehen und sie wochenlang vorher mit seiner Frau und Ludwig durchstudiert; auch das Vorwort zur Alceste hatten sie gelesen, worin Gluck sich so klar über sein reformatorisches Ziel ausspricht.
So vorbereitet saßen die drei an jenem ersten Abend, der den Orpheus brachte, in der Künstlerloge, wie drei Orgelpfeifen: neben der großen Frau Neefe ihr kleiner Mann, und neben ihm sein noch kleinerer Schüler war die erste Oper großen Stiles, die Ludwig erlebte. Dagegen verblaßte
ochen in seine Residenz. Als besonderer
under, daß das ganze
.  Es
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