Немецкий язык. Учебное пособие по практике устной речи-1
.pdf3.Was meinen Sie: Was bedeutet „eine gute Schule“? Wie muss eine gute Schule sein?
4.Laut den internationalen Statistik-Angaben, weisen russische Schüler schlechtere Ergebnisse als deutsche auf. Wie meinen Sie, was sind die Gründe dieser Situation? Schlagen Sie vor, wie man diese Lage verbessern kann.
Lesen Sie den Artikel aus der Zeitung „DIE ZEIT“ über die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Schultests und erfüllen Sie anschließend die Aufgaben zum Text.
Text 5. Wir sind schlauer! Freude in Großbritannien, Frust in Luxemburg, Gelassenheit in Japan –
wie die Welt auf den Schultest reagiert
Von Georg Blume, Thomas Kleine-Brockhoff & Ivo Marusczyk
Gelassen haben die Japaner die PISA-Ergebnisse zur Kenntnis genommen. Dabei fährt Japan das beste Ergebnis der großen Industrienationen ein: Spitzenplatz bei den mathematischen Fähigkeiten, Platz zwei in den Naturwissenschaften und ein respektabler achter Rang bei der Lesefähigkeit. „Man hat immer gesagt, japanische Schüler seien unfähig, sich selbstständig Gedanken zu machen. Die Ergebnisse bestätigen das nicht“, fasst der japanische PISA-Koordinator Ryo Watanabe vom Nationalen Institut für Bildungsforschung zusammen.
Dennoch lässt sich manches am japanischen Schulsystem kritisieren. Denn die PISA-Studie zeigt: Japanische Schüler lesen zu wenig – kaum überraschend im Land der Videospiele und Comics. Keine Antwort gibt PISA dagegen auf die größte bildungspolitische Sorge der Japaner: Denn in Japan ist nur der Durchschnitt überdurchschnittlich gut; dagegen fehlt dem Land eine breite Bildungsund Forschungselite. „Bisher hieß unsere Maxime: Die Schlechten sollen besser werden“, sagt Watanabe. „Von nun an müssen wir die Besseren fördern.“
Unverhohlene Freude über die PISA-Ergebnisse herrscht in Großbritannien. Neben dem eigenen guten Abschneiden bejubelt die britische Presse vor allem, dass die Schülerinnen und Schüler im Königreich klüger sind als ihre deutschen Altersgenossen. Die Times schreibt: „Großbritannien liegt weit vor Deutschland, dessen Bildungssystem oft als Vorbild dargestellt wurde.“ Und der Guardian hebt hervor: „Deutschland
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und das Vereinigte Königreich investieren dieselbe Summe an Staatsgeldern in jeden Schüler.“ Etwas hämischer liest sich die Boulevardzeitung Sun: „Unsere Kinder sind die schlauesten. Insgesamt haben wir Rivalen wie Deutschland und die USA abgehängt. Die Deutschen waren so beeindruckt von Britanniens Abschneiden, dass sie jetzt unsere Lehrmethoden genauer studieren wollen.“ Sechzehn Prozent der britischen Schüler erreichten die höchste Leistungsgruppe – im OECD-Durchschnitt waren es nur zehn Prozent. „Sogar unsere schwächeren Schüler sind noch recht gut“, sagte Bildungsministerin Estelle Morris. „Das ist eine hervorragende Nachricht.“
Auffällig unauffällig sind die amerikanischen Ergebnisse der PISA-Studie. Das Land, an dem sich deutsche Bildungsreformer neuerdings immer orientieren, ist Durchschnitt. Mittelmaß mag aus deutscher Perspektive schon erstrebenswert wirken angesichts der eigenen Ergebnisse, für den US-Bil- dungsminister ist das Resultat „ein Unglück“. Durchschnitt zu sein, sagt Rod Paige, „reicht für amerikanische Schüler einfach nicht aus“. Der Minister will nun etwas Ungewöhnliches tun und sich am Ausland orientieren.
PISA-Resultate wie die große Diskrepanz zwischen guten und schlechten Schülern bestätigen das Bildungsgefälle innerhalb Amerikas. In fast allen Ländern hat sich gezeigt, dass Kinder wohlhabender Eltern bessere Schüler sind. Die Vereinigten Staaten liegen bei dieser Auswertung trotz der großen Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen im Mittelfeld. In Deutschland dagegen hängt Erfolg in der Schule noch stärker vom Elternhaus ab als in den USA.
Die besten Ergebnisse im deutschsprachigen Raum verbuchte Österreich. Entsprechend selbstzufrieden klangen die Wiener Reaktionen. ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer beschränkte sich zunächst darauf, die Lehrerinnen und Lehrer zu loben. Ein wenig Spott über den Absturz Deutschlands konnte man sich in Österreich nicht verkneifen. Am Rande einer Pressekonferenz zur PISA-Studie wurde klargestellt, dass sich Österreich jetzt nicht in der Rolle eines Nachhilfelehrers für den großen Nachbarn sehe.
Schlusslicht in Europa ist Luxemburg: Drittletzter Platz, gerade noch vor Mexiko und Brasilien. „Die Schüler hatten nie die Möglichkeit, in ihrer Muttersprache Luxemburgisch zu antworten“, sagt Raymond Straus vom Bildungsministerium des Großherzogtums. Sie hatten die Wahl zwischen Deutsch und Franzö-
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sisch. „Das kann aber keine Entschuldigung sein.“ Luxemburgs Schüler seien unfähig, erworbenes Wissen praktisch anzuwenden. Erste Konsequenzen stehen bereits fest. Nach dem Motto „Qualität vor Quantität“ wollen die Luxemburger der Vermittlung von Grundwissen mehr Zeit einräumen. Leistung und Sorgfalt sollen stärker gefördert werden.
(nach DIE ZEIT)
Aufgaben
1.Übersetzen Sie die im Zeitungstext unterstrichenen Wörter und Wendungen.
2.Sagen Sie: Wie reagierten Japaner, Engländer, Österreicher, Deutsche und Luxemburger auf die Ergebnisse der PISA-Tests?
In den Sätzen geht es um die Schüler und die Ausbildung in bestimmten Ländern. Nehmen Sie Stellung dazu, wie die Situation der russischen Schüler und des russischen Ausbildungssystems in gleicher Hinsicht ist. Schreiben Sie anschließend einen Aufsatz darüber.
– Japanische Schüler lesen zu wenig – kaum überraschend im Land der Videospiele und Comics.
– Unsere Kinder sind die schlauesten. Insgesamt haben wir Rivalen wie Deutschland und die USA abgehängt.
– Die USA – das Land, an dem sich deutsche Bildungsreformer neuerdings immer orientieren, ist Durchschnitt.
– In fast allen Ländern hat sich gezeigt, dass Kinder wohlhabender Eltern bessere Schüler sind.
– Luxemburgs Schüler sind unfähig, erworbenes Wissen praktisch anzuwenden.
3.Lesen Sie den Artikel aus der russischen Zeitung „Argumenty i fakty“. Geben Sie den Inhalt des Artikels wieder:
a) in zusammenfassender Form; b) ausführlich.
Text 6. СМОТРИШЬ В КНИГУ, ВИДИШЬ... ЧТО?
Дарья Мартынкина
СЕГОДНЯШНИЕ школьники читают меньше. Междуна- родное исследование PISA показало, что Россия по грамотнос- ти и уровню чтения занимает аж 28-е место среди 32 развитых стран мира. Правда, неожиданный результат для когда-то
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«самой читающей страны»? Да, сегодня легче увидеть ребен- ка, уставившегося в компьютер или телевизор, чем с книжкой
вруках. Но, с другой стороны, может, и не нужно современни- кам ХХI века много читать?
Количество – качество «СКОЛЬКО нужно читать ребенку – вопрос весьма относи-
тельный,– рассказывает главный библиотекарь ЦГДБ Татья- на Рудишина. – Известно, что каждое следующее поколение читает меньше, хуже. Моя коллега, чье детство выпало на пос- левоенные годы, вспоминает, как она прочитала в 11–12 лет всего Льва Толстого из-за маминого плеча (спали вместе, кро- ватей не хватало, книг, кроме Льва Николаевича, не было). У каждого поколения свои взаимоотношения с чтением. И дети
внашейстраненичемнеотличаютсяотиностранных, которые тоже стали меньше читать. На Западе и в Японии педагоги и психологи бьют тревогу, создаются национальные программы чтения. И проходят они под девизом «Нация в опасности – дети перестают читать!». Еще один факт: из массового чтения уходит классическая приключенческая объемная литература (Дюма, Майн Рид, Жюль Верн и т.п.)».
«Да, детям необходимо читать, – продолжает сотрудник РГДБ Елена Голубева. – Но понятие «читать» имеет более широкий смысл – это значит и разбирать, и анализировать, и воспринимать текст. Причем не важно, на каком носителе – нынешнее поколение с одинаковым успехом читает и с экрана компьютера, и книги. Исследования российских и западных ученых показывают: нечитающий человек может стать опас- нымдля общества. Например, тот, кто неспособенпроанализи- ровать текст, не может сделать осознанного выбора: будь то вы- бор стиральной машины или президента страны. Чем больше читает человек, тем лучше его память, выше сознательность, способность к сочувствию. Но нельзя думать, что важнее всего КОЛИЧЕСТВО прочитанных книг. В это заблуждение точно так же впадают школьники, когда удивляются тому, что за пя- тистраничное сочинение стоит «тройка», а за трехстраничное – «пятерка». Ведь главное – КАК именно читать».
Главное – научить А ЧИТАТЬ ребят учат в школе. И читают они в первую оче-
редь то, что им задают (иначе получат «двойку»). И, как се- туют учителя, нынешняя программа по литературе устроена далеко не лучшим образом. Во-первых, в списки чтения для
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начальных классов попадают очень сложные произведения, к примеру «Тарас Бульба», к которому в старших классах уже нет времени вернуться. Во-вторых, современное образование никак не может изжить порочную практику давления на уче- ника. Пара заданий образца «прочитать от сих до сих» спо- собна отбить даже самую сильную тягу к чтению. Ученикам кажется, что Пушкина нужно читать потому, что так сказала Марь Иванна, и если сегодня на уроке про него не спросили, то возвращаться к произведению завтра совсем не обязатель- но. В-третьих, самой интересной во всех отношениях части курса – ХХ веку – уделяется очень мало внимания. За год выпускникам предлагается усвоить фактически всю поэзию и прозу современности. При этом одиннадцатиклассников ждут экзамены – они должны успеть повторить весь XIX век. Поэто- му последняя часть курса усваивается хуже всего, между тем именно на современной литературе основывается будущее са- мостоятельное чтение ученика. Вот и получается: школьники, а следом и взрослые люди читают меньше потому, что их это- му неправильно научили…
Так что ничего дурного нет в том, что дети меньше читают. Все равно, как говорят учителя, по-настоящему произведения того же Пушкина не понимают 90–95% школьников. Тот, кто чувствует потребность глубже изучать литературу, не пройдет мимо полезной книги. А насильно вложить в человека зна- ние невозможно. Но то, что школьная программа нуждается в срочном пересмотре, понятно. Необходимо подобрать те кни- ги, которые подтолкнут готового ученика к дальнейшему изу- чению и, во всяком случае, не отобьют у остальных желания читать. Ведь еще Белинский говорил, что читать плохо подоб- ранные книги хуже, чем совсем ничего не читать.
(«Аргументы и факты», № 7 (553), 18.02.04.)
Aufgaben
1.Äußern Sie Ihre Meinung über das im Artikel angeschnittene Problem.
2.Vergleichen Sie die Resultate der PISA-Tests in verschiedenen Ländern.
3.Lesen Sie die gekürzte Version eines Interviews mit Vertretern der deutschen Ausbildung, das in der deutschen Zeitung „DIE ZEIT“ veröffentlicht wurde, und erfüllen Sie anschließend die Aufgaben zum Text.
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Text 7. Der PISA-Schock hat die Bildungspolitiker aufgescheucht
Ein ZEIT-Gespräch über die Chancen, unsere Schulen zu reformieren
–Worin bestehen die Probleme der deutschen Schulen?
–Pädagogikstudenten lernen immer noch Trockenschwimmen. Sie halten Referate darüber, wie man Schüler individuell fördert. Doch wenn dieselben angehenden Lehrer ihren Unterricht vorbereiten, ist vom einzelnen Schüler keine Rede mehr. Dann entwerfen sie ihre Schulstunde in altmodischer Manier mit detaillierten Zielen und Unterzielen für die ganze Klasse und retten sich in den Frontalunterricht.
Das Bildungssystem ist ähnlich komplex wie das Gesundheitswesen.
Da ändert sich nichts mit einem Ruck, auch wenn es wünschenswert wäre.
–Wie schnell soll der Prozess der Neuerung verlaufen?
–In einigen Bereichen sollte man nicht zu schnell handeln. Beispiel Bildungsstandards. Damit verfolgt man den umgekehrten Weg: Es wird festgelegt, über welche Kompetenzen ein Schüler etwa am Ende der 10. Klasse verfügen soll, nicht aber, welches Wissen er angesammelt haben soll. Das ist sinnvoll.
Aber die bislang vorgelegten Standards sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Die für den Fremdsprachenunterricht etwa sind gut brauchbar, jene für Deutsch sind alles Andere als professionell gemacht. Es fehlt zum Beispiel eine klare Beschreibung von Kompetenzstufen, an denen sich Lernstände und Lernfortschritte messen lassen.
Außerdem gelingt jedwede Reform nur, wenn Lehrerinnen und Lehrer praktisch erfahren, dass der neue Weg besser ist als der alte. Wenn sie nicht überzeugt sind, verfügen Lehrer über viele Mechanismen, um Anordnungen von oben ins Leere laufen zu lassen.
–Wie kann man PISA deuten?
–Ich ziehe eine modernisierungstheoretische Erklärung vor. Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst alte Strukturen wieder aufgebaut. In den sechziger und siebziger Jahren wurde das Bildungssystem zwar modernisiert, aber nur unentschlossen und unvollständig. Skandinavien oder die Niederlande haben ihre Schulen dagegen auf die Anforderungen einer nachindustriellen
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Gesellschaft besser vorbereitet – etwa, indem sie früher erkannt haben, wie wichtig es ist, Schüler ihren unterschiedlichen Voraussetzungen entsprechend individuell zu fördern und möglichst viele Schüler zu höheren Bildungsabschlüssen zu führen.
–Wie sieht die Bilanz nach zwei Jahren PISA aus?
–Seit PISA setzt sich eine neue Philosophie durch, wie man Schulen steuert. In Deutschland kommt das einer kleinen Revolution gleich. Man orientiert sich an den tatsächlichen Ergebnissen, fragt nach den Leistungen der Schüler und gibt den Lehrern die Freiheit, den besten Weg dorthin selbst zu finden.
In vielen Schulen ist das Wort Evaluation kein Unwort mehr, das mit Überprüfung und Kontrolle assoziiert wird. Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass es sinnvoll ist zu wissen, ob meine Schule gut arbeitet oder wo wir besser werden müssen.
–Was schlägt noch positiv zu Buche?
–Einige Bundesländer prüfen vor der Einschulung die Sprachfähigkeit der künftigen Erstklässler und bieten Förderunterricht an. Auch die Lehrerausbildung wird langsam praxisorientierter, was ohne Studien wie PISA nicht in Gang gesetzt worden wäre. Und sicher würde ohne PISA noch viel mehr an den Bildungsausgaben gespart.
–Und wo bleibt das Negative?
–Ganz oben auf meine Negativliste gehört, dass wir uns nicht trauen, über den harten Bruch zu diskutieren, den wir unseren Schülern nach der Grundschule zumuten. Kein Land der Welt trennt die Schüler so früh und so gründlich wie wir nach ihrer vermeintlichen Leistungsfähigkeit. Diese frühe und in vielen Fällen endgültige Selektion bringt uns im internationalen Vergleich aber augenscheinlich keine Vorteile. Wenn das so ist, muss es doch erlaubt sein, über Alternativen nachzudenken.
Ein Akademikerkind kommt heute viel problemloser zum Abitur als ein womöglich klügeres Arbeiterkind, dessen Eltern den Übergang aus der Grundschule ins Gymnasium nicht wagen.
–Wie ist die Rolle der Eltern bei der Verbesserung des Bildungssystems?
–Umfragen zeigen, dass die Mehrheit von ihnen zwar eine bessere Schule will, aber gegen Veränderungen ist. Ich will keine Elternschelte betreiben. Aber bei Elternprotesten spielen seit Jahren zwei Themen eine Rolle: der Unterrichtsausfall und die Zahl der Schüler pro Klasse, also die Klassenfrequenz. Die Bildungsforschung hat dagegen nachgewiesen, dass beide Faktoren wenig Einfluss auf die Leistungen der Schüler haben.
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–Wo sitzen Ihrer Meinung nach die Bremser?
–Das Bildungswesen ist nicht träger als andere komplexe soziale Systeme. Sie müssen in den Schulen mit rund 800000 Lehrkräften einen grundlegenden Kulturwandel bewerkstelligen. Das schafft auch ein Großunternehmen nicht von heute auf morgen.
–Die Lehrer gelten als besonders veränderungsunwillig, trotz sicherer Arbeitsplätze neigen sie aber zum Jammern. Warum?
–Der Lehrerberuf nun einmal sehr belastend. In einer Grundschulklasse hat eine Lehrerin 26 Kinder. Da soll man 28 Stunden Unterricht geben, Talente entdecken und fördern, gleichzeitig ein autistisches Kind integrieren und den Kontakt zu den Eltern halten. Ständig haben Lehrer ein schlechtes Gewissen, weil sie denken, sie würden nicht jedes Kind optimal fördern. In dieser Situation kommt jede Forderung nach Veränderungen so an, dass noch etwas draufgesattelt werden soll.
Das Problem der Schulen ist die oft beklagte Isolation der Lehrer an ihrem Arbeitsplatz. Nur gemeinsam mit Kollegen lässt sich klären, was man erreichen kann und will und wie dies am besten zu schaffen ist. Seit hundert Jahren ist in Deutschland die Halbtagsschule. Wenn es klingelt, verlassen Lehrer und Schüler möglichst schnell die Schule.
–Wäre die Ganztagsschule die Lösung?
–Sie kann ein Teil der Lösung sein. Aber Ganztagsschulen erfordern einen anderen Arbeitsrhythmus von Schülern und Lehrern im Tagesverlauf und einen neuen Stil des Lehrens und Lernens. Die Pädagogen müssen nicht nur vor der Klasse stehen, sondern die Kinder auch unter Nutzung der Möglichkeiten einer Schule selbstständig arbeiten lassen und bei Bedarf unterstützen. Dazu gehört auch eine erweiterte Präsenzpflicht von Lehrkräften in der Schule.
–Ist die Bildungspolitik überhaupt in der Lage, die nötigen Veränderungen auf den Weg zu bringen?
–Hier geben zu oft die Beamten und nicht die Politiker den Takt an. Das muss sich ändern. Jede neue Idee wird so lange zwischen Ausschüssen und Unterausschüssen hinund hergeschoben, bis alles abgeschliffen ist, was irgendjemandem weh tun könnte. Trotzdem haben die Kultusminister der Bundesländer Wichtiges auf den Weg gebracht: die Reform der Lehrerbildung etwa. Oder die PISA-Studie, mit der sie sich selbst den Spiegel vorgehalten haben, auch wenn das nicht schmeichelhaft war.
Selbst die beste Bildungspolitik hat keine kurzfristigen Effekte. Wenn jetzt die Lehrerausbildung verbessert wird, dann wirkt sich das in den Schulen frühestens in fünf bis zehn Jahren aus.
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Die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer gehört mehr wertgeschätzt. Wie das zu erreichen ist, weiß ich leider nicht. Zudem sollte man nur noch Lehrer einstellen, die vorher mindestens drei Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet haben. Dann hätten wir ein ganz anderes Klima an unseren Schulen. Unsere Lehrer heute haben die Schule ihr Leben lang nicht verlassen.
Zu viele unter unseren Studenten haben den Beruf nicht gewählt, weil sie Kinder unterrichten wollen. Sie haben keine Anstellung in einem Betrieb gefunden oder studieren aus Interesse am Fach, etwa der Biologie, trauen sich aber den Diplom-Studi- engang nicht zu oder sind am Numerus clausus gescheitert.
Die Schulleiter, die eine zentrale Rolle bei der Schulqualität spielen, sind besser auf ihre Aufgaben vorzubereiten.
DIE ZEIT, Nr.50, 04.12.2003
Aufgaben
1. Finden Sie im Text die folgenden Wörter und Wortgefüge. Erklären Sie Ihre Bedeutung, wenn notwendig, mit dem Wörterbuch in der Hand. Führen Sie eigene Beispiele an.
Schüler fördern |
in Geduld üben |
in Aktionismus verfallen |
ins Leere laufen lassen |
die Kompetenzstufe |
eine strenge Auslese |
die Form der Benotung |
sich einer Evaluation stellen |
desavouiert sein |
das Beharrungsvermögen |
etwas auf den Weg bringen |
|
2. Äußern Sie Ihre Meinung über die Thesen:
–Wenn wir in Aktionismus verfallen, droht die Gefahr, dass die Bildungsstandards nichts anderes als Lehrpläne in neuem Gewand werden.
–Jedwede Reform gelingt nur, wenn Lehrerinnen und Lehrer praktisch erfahren, dass der neue Weg besser ist als der alte.
–Das Problem der Schulen ist oft beklagte Isolation der Lehrer an ihrem Arbeitsplatz.
–Die Ganztagsschulen erfordern einen anderen Arbeitsrhythmus von Schülern und Lehrern im Tagesverlauf und einen neuen Stil des Lehrens und Lernens.
–Die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer gehört mehr weitgeschätzt.
3. Unterhalten Sie sich mit Ihren Studienkollegen über sinnvolle Unterrichtsgestaltung. Verwenden Sie das Sprachmaterial
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des Interviews nach eigener Wahl, indem Sie auch die Modalwörter gebrauchen:
bestimmt, eigentlich, gewiss, hoffentlich, keinesfalls, leider, natürlich, selbstverständlich, sicherlich, tatsächlich, überhaupt, unbedingt, vielleicht, wahrscheinlich, wenigstens, wirklich.
4.Gestalten Sie aus den Zitaten des Interviews einen zusammenhängenden Text über die Probleme der deutschen Schule. Erzählen Sie ihn nach.
5.Inszenieren Sie in Gruppenarbeit bzw. zu zweit ein Interview über die Probleme der russischen Schule.
Alternativschulen
Was meinen Sie: Welche Rolle spielen die Alternativschulen? Warum entstehen Sie? Braucht man sie und wozu? Kann man ohne Schulen dieser Art auskommen? Wodurch unterscheiden sie sich gewöhnlich von den staatlichen Schulen? Kennen Sie irgendwelche Alternativschulen in Russland? Wie kann man sie charakterisieren und wie verläuft der Unterrichtsprozess in diesen
Schulen?
Lesen Sie kurze Information aus der freien Enzyklopädie über eine der Alternativschulen, und zwar über die Waldorfschule. Erfüllen Sie anschließend die Aufgaben zum Text.
Text 8. Waldorfschulen
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
An Waldorfschulen (auch Rudolf-Steiner-Schulen) wird nach dem Pädagogik-Verständnis von Rudolf Steiner gelehrt. Grundlage dieser Pädagogik ist es, jedes Kind nach seinem individuellen Entwicklungsstand zu fördern. Die Basis der Waldorfpädagogik liegt in der von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie.
Waldorfschulen gibt es weltweit. Die erste wurde 1919 in Stuttgart durch den Direktor der Waldorf-Astoria-Zigaretten- fabrik Emil Molt als Betriebsschule gegründet, daher auch der Name.
Auf Waldorfschulen gibt es bis zu der 12. Klasse keine Notenzeugnisse. Stattdessen bekommt jeder Schüler am Schuljahresende ein Gutachten-Zeugnis, das in jedem Fach die erzielten
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