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Немецкий язык. Учебное пособие по практике устной речи-1

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allem um die Ostereier. Bunt bemalte, gekochte Eier werden am Ostersonntag zusammen mit Zucker – und Schokoladeneiern, Hasen und Süßigkeiten im Haus oder im Garten versteckt. Wenn die Kinder Eier suchen, glauben sie, dass der Osterhase die Sachen gebracht und versteckt hat. In manchen Gegenden und Ländern bringt nicht der Hase die Ostereier sondern andere Tiere oder Vögel. In der Schweiz und in der Altmark (nördlich von Magdeburg) ist das der Kuckuck, und in Schleswig-Holstein – der Osterhahn. In Thüringen dagegen bringt die Ostereier der Storch, in Westfalen – der Fuchs. In Kärnten (Österreich) und in Belgien glaubt man, dass die Osterglocken über die Feiertage nach Rom fliegen und die Eier von dort mitbringen.

Zu den alten Osterbräuchen gehört auch das Eierkrippen. Zwei Teilnehmer schlagen die hartgekochten Ostereier entweder mit den spitzen oder stumpfen Enden gegeneinander. Der hat verloren, dessen Ei dabei eingedrückt wird.

An diesem Tag geht auch die Familie mit kleinen Kindern spazieren, um die Eier an einem geeigneten Hang hinunterzurollen. Sieger ist der, wer am Schluss die meisten unzerbrochenen Eier hat. Er bekommt den Preis, der vorher von der ganzen Familie vereinbart wurde. In Bautzen (Oberlausitz) war dagegen das Eierschieben sehr populär. Vom Poitschenberg, dem gegenüber der Stadt liegenden Steilufer der Spree, rollten die reicheren Bürger der Stadt Eier, Kuchen und Süßigkeiten für die Armen hinunter.

Es gibt auch Gegenden, wo neben den Ostereiern das Wasser eine wichtige Bedeutung hat. So ist es z.B. in einigen fränkischen Dörfern. Am Karsamstag oder im Morgengrauen des Ostersonntags wird Wasser aus den Bächen geholt und über die Felder gesprengt. Damit soll die wachsende Frucht besser reifen. In vielen ländlichen Ortschaften hat sich der Brauch erhalten, in der Osternacht von Samstag auf Sonntag vor dem Sonnenaufgang an einer bestimmten Stelle das Osterwasser zu holen. Diesem Wasser werden wundertätige Kräfte zugeschrieben. Es soll das ganze Jahr über Schönheit und Gesundheit verleihen. Man muss dabei aber aufpassen, dass man auf dem Heimweg kein Wort sagt, sonst verliert das Osterwasser seine Zauberkraft. Vereinzelt werden auch in der Osternacht auf bestimmten Bergen Osterfeuer angezündet. Damit treibt man den kalten Winter aus. Nach einer strengen Regel soll man dazu neues Feuer verwenden, das nach der Methode der Naturvölker durch Reibung zweier Hölzer erzeugt wird. Wie leicht zu bemerken ist, herrschen bei den Osterbräuchen zwei Richtungen vor. Eine rein religiöse,

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christliche, die andere volkstümlich, heidnisch. Im Laufe der Zeit glichen sie sich so sehr an, dass es jetzt schwer ist, die Grenze zwischen ihnen festzulegen. Während des fröhlichen Osterfestes treten auch traurige und ernste Töne auf, die aus dem Gedanken an das Leiden Christi entstehen. Nach der grauen Fastenzeit und der wehmütigen Karwoche kommen jetzt aber lustige und lebhafte Tage. Der volkstümliche Charakter, die Religion und die Sitten und Bräuche dieses Festes durchziehen sich gegenseitig.

(http://www.zstwloclawek.neostrada.pl/publik/publik.html).

Wortschatzerläuterungen

das Ostern, das Osterfest – пасха; zu / an Ostern – на пасху;

der Palmsonntag – вербное воскресенье; der Gründonnerstag – чистый четверг; der Karfreitag – страстная пятница; der Buchsbaumzweig – ветка самшита; das Weidenkätzchen – вербные сережки;

der Bußund Bettag – день покаяния и молитвы; die Kommunion – причастие;

Wörter und Wendungen

das Ei – яйцо; sie Gleichen sich wie ein Ei dem anderen – они похожи друг на друга, ка кдве капли воды.

Er hat das Ei des Kolumbus gefunden – он нашел простое, но гениальное решение.

Das Ei will klüger sein als die Henne – яйца курицу не учат.

Das hat seine Eier – здесь есть свои трудности.

sich um ungelegte Eier kümmern – заботиться раньше времени о чем-л.;

Ostern fällt diesmal früh – пасха в этом году ранняя; der Segen — благословение;

fasten – поститься, соблюдать пост; das Fasten – соблюдение поста; Fasten pl. – пост;

der Büßer – кающийся;

wehmütig – грустный, унылый, печальный; auferstehen — воскресать;

auffahren – подниматься (ввысь), возноситься;

die Herrlichkeit великолепие, величие; величественность; Eure Herrlichkeit — ваша светлость, ваша милость;

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j-m wundertätige Kräfte zuschreiben – приписывать кому-л.,

чему-л. чудодейственные силы.

Aufgaben

1. Beantworten Sie die Fragen:

1) Was symbolisiert Ostern? 2) Was gehört zu Symbolen von Ostern und zu den Osterbräuchen? 3) Woher kommt die Bezeichnung Ostern? 4) Was symbolisieren die Osterbräuche? 5) Was wird gewöhnlich am Palmsonntag und am Karfreitag gemacht und was symbolisieren diese Tage?

2. Ergänzen Sie die fehlenden Wörter in den Sätzen:

………….......... Eier werden am Ostersonntag zusammen mit Zucker – und Schokoladeneiern, …........…….. und …….....….. im …............….. oder im ……............ versteckt.

………...........…. wird als Bußtag gefeiert und ist ein strenger

…………....…. .

In manchen Gegenden und Ländern …........……… nicht der Hase die Ostereier sondern andere …….............…… und ……....……....... .

In vielen ländlichen ………............… hat sich der Brauch

....……......… , in der Osternacht von Samstag auf Sonntag vor dem ….....…………….. an einer bestimmten Stelle ……....….....… zu holen.

3. Erschließen Sie den Inhalt folgender Thesen:

Ostern gehört zu den ältesten christlichen Festen.

Die Bezeichnung „Ostern“ geht auf die germanischen Kultriten zurück.

Das Ei und der Hase sind Symbole der Fruchtbarkeit. Der Palmsonntag ist traditionsreich.

Am Ostersonntag ist Jesus Christus auferstanden. Das Osterwasser hat auch eine wichtige Bedeutung.

4.Gliedern Sie den Text in Abschnitte und betiteln Sie jeden Abschnitt. Erzählen Sie den Text entsprechend Ihrer Gliederung nach.

5.Übersetzten Sie ins Deutsche:

1) Пасха считается одним из наиболее радостных праз- дников, важную роль при этом играют различные пасхаль- ные обряды. 2) Вербное воскресенье последнее воскресенье перед Пасхой, за этим воскресеньем начинается Страстная неделя. Считалось, что пальмовые ветви после освящения их в храме защищают человека от злых сил. 3) В зависимости от географического расположения места пальмовые ветви заменяются вербными веточками (Weidezweige), самшитом

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(Buchsbaum, der), можжевельником (Wacholder, der) или пихтой (Tanne, die), ветками орешника (Nußbaumzweige),

елью, буком и другими деревьями или кустарниками. 4) Страстная Пятница проходит целиком под знаком печали

итраура, при соблюдении строгого поста, тишины; танцы и шумная радость запрещены. 5) Пасхальная вода считается особо благословенной святой водой, ею крестят детей, берут ее с собой домой, она обладает особой целительной силой

испособствует поддержанию молодости и красоты. 6) Пас- хальное воскресенье зависит от полнолуния: его празднуют ежегодно в воскресенье после первого полнолуния в начале весны, после сорокадневного Великого поста. 7) Пасхальное яйцо в христианском смысле символ Воскресения. По ста- ринному народному обычаю яйцо символ плодородия и воз- вращения жизни.

6.Erzählen Sie ausführlich über Osterfeiern in Deutschland.

7.Was gibt es Gemeinsames beim Feiern des Osterfestes in Deutschland und in unserem Land, was ist unterschiedlich? Welche Traditionen stimmen dank ihres gemeinsamen Ursprungs überein?

8.Lesen Sie den Text über die Hochzeitsbräuche in Deutsch-

land.

Text 7. Hochzeitsbräuche

Die Hochzeit hat natürlich immer lange Vorbereitungen. Der Bräutigam und die Braut haben alle Hände voll zu tun: notwendige Kleidung kaufen, Gäste einladen, alles in Ordnung bringen und dann natürlich die Zeit gut verbringen. Bevor die Hochzeit selbst gefeiert wird, findet der Polterabend statt.

Der Polterabend macht immer mehr der Polterhochzeit Platz, die nach der Trauung gefeiert und durch das Zerschlagen von Porzellan (nicht Glas!) eingeleitet wird, dass das Brautpaar auffegen muss. Es macht vor allem dann Sinn, einen Polterabend zu veranstalten, wenn ein großer Freundeskreis vorhanden ist, aus dem nicht alle zur Hochzeitsfeier eingeladen werden sollen. Ein Grund dafür können die Kosten des Hochzeitsfestes sein. Insgesamt ist der Polterabend ein zwangloses Ereignis, das vor allem junge Leute anspricht. Die Gäste treffen nach und nach ein und werfen ihre Keramiken auf den Boden, bevor sie den Festraum betreten. Das zukünftige Ehepaar zeigt durch das gemeinsame Zusammenfegen und Aufnehmen der

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Scherben, dass es zusammenarbeiten kann. Ein Gästebuch mit hoffentlich lustigen, romantischen und besinnlichen Einträgen bleibt in Erinnerung.

Normalerweise findet der Polterabend am Donnerstagoder Freitagabend statt und am Freitag oder Samstag folgt die Hochzeit.

Am Tage der Hochzeit erfüllen Kinder eine wichtige Aufgabe: Blumenkinder, meistens ein Mädchen und ein Junge, tragen kleine Körbchen mit bunten Blüten, die zu Ehren des Brautpaares nach der Trauzeremonie gestreut werden. Durch diesen Brauch sollen die Fruchtbarkeitsgötter angelockt werden, die für einen reichen Kindersegen sorgen. Wenn die Kinder sehr klein sind, soll jemand der Erwachsenen das Blumenstreuen mit den Kindern vor der Hochzeit einmal üben, denn gerne wird das ganze große Körbchen von den Kleinen auf einmal ausgeleert. Sehr wichtig sind einige Kleinigkeiten, z.B. ein Geldstück im Brautschuh. Man steckt ein kleines Geldstück in den Brautschuh, damit das Geld in der Ehe nie ausgeht. Jede Braut soll außerdem an ihrem Hochzeitstag vier ganz spezielle Dinge tra-

gen um in der Ehe glücklich zu werden:

etwas Altes – etwa ein altes Familienerbstück, um die Familientradition weiterzuführen;

etwas Neues, z.B. das Brautkleid, als Zeichen für Optimis-

mus;

etwas Geliehenes, eine Kette einer Freundin, als Zeichen für Glück;

etwas Blaues, oft ein blaues Strumpfband.

Die Jungvermählten werden beim Verlassen der Kirche mit Reiskörnern beworfen, und es bedeutet, dass in der Ehe wirklich nichts mehr schiefgehen kann. Die bösen Geister, die das junge Glück stören könnten, werden besänftigt und auch dieser Brauch sichert reichen Kindersegen, Glück und Reichtum.

Der Stammplatz der bösen Geister, die das Eheleben der Jungvermählten stören wollen, ist laut dem Brauch unter der Schwelle des Hochzeitshauses. Deshalb wird die Braut vom Bräutigam mit Schwung über die Schwelle getragen.

Braut und Bräutigam zersägen nach der Trauung einen Baustamm als Zeichen für gemeinsames Handeln voller Glück.

Braut und Bräutigam schneiden gemeinsam die Hochzeitstorte an als Zeichen für ihren Zusammenhalt und Einigkeit in der bevorstehenden Ehe. Wer beim gemeinsamen Anschneiden

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des Hochzeitskuchens die Hand obenauf hat, der soll der Herr im Haus sein auf ewig.

Die Braut wirft ihren Brautstrauß in die Menge der nicht verheirateten Frauen der Hochzeitsgesellschaft. Diejenige Frau, die den Brautstrauß fängt, würde die nächste Braut werden.

Das Brautstehlen findet immer während des Hochzeitsfests statt. Freunde der Brautleute lenken den Bräutigam und den Trauzeugen ab um die Braut mit dem Brautstrauß zu entführen. Dann geht´s zum Sekttrinken in ein nicht all zu weit entferntes Lokal. Der Trauzeuge und der Bräutigam müssen die Braut suchen und die Rechnung bezahlen, sozusagen als Auslöse für seine Braut.

Ein alter Aberglaube besagt, dass der Bräutigam nicht selbst das Hochzeitsauto lenken darf, wenn er nicht direkt ins Unglück fahren will.

Der Brauch, zur Hochzeit zu klappern und zu scheppern, ist jahrhundertealt. Man will damit böse Geister und sonstige Unholde von der Hochzeitsfeier fernhalten und das Brautpaar in der bevorstehenden Ehe schützen. Die Amerikaner haben diesen Brauch übernommen und binden alte Dosen an das Hochzeitsauto!

(nach Krusenstern: http://www.krusenstern.de)

Wortschatzerläuterungen

der Polterabend – вечеринка накануне свадьбы; der Brautschleier – фата (невесты);

der Hochzeitsbitter – тамада;

die grüne Hochzeit – день свадьбы;

die hölzerne Hochzeit – пятилетний юбилей бракосочетания; die zinnerne Hochzeit – юбилей бракосочетания после 6 лет

(оловянная свадьба);

die kupferne Hochzeit – семилетний юбилей (медная свадьба); die Rosenhochzeit – десять лет со дня свадьбы;

die gläserne Hochzeit – пятнадцатилетний юбилей (стек- лянная свадьба);

die silberne Hochzeit – двадцатипятилетний юбилей (сереб- ряная свадьба);

die goldene Hochzeit – пятидесятилетний юбилей (золотая свадьба);

die diamantene Hochzeit – шестидесятилетнийюбилей(брил- лиантовая свадьба);

die eiserne Hochzeit – шестидесятипятилетний юбилей (же- лезная свадьба);

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die steinerne Hochzeit – семидесятилетний юбилей (камен- ная свадьба);

die Flitterwochen – медовый месяц;

in die Flitterwochen fahren – поехать в свадебное путешес-

твие;

die Onkelehe – совместная жизнь вдовы с мужчиной, брак с которым она не оформляет, чтобы не лишиться вдовьей пенсии;

die wilde Ehe – незарегистрированный брак;

Ehe zur linken Hand, morganatische Ehe – неравный брак; der Unhold – злой дух, демон; дьявол, черт;

knallen – щелкать, хлопать; j-m Eine knallen – влепить пощечину кому-л.

Aufgaben

1.Finden Sie deutsche Hochzeitsbräuche spannend? Reizend? Oder langweilig? Begründen Sie Ihre Meinung.

2.Beantworten Sie die Fragen:

1) Wann findet der Polterabend statt? 2) Wozu steckt man das Geldstück in den Brautschuh? 3) Was für Dinge muss die Braut tragen? 4) Was müssen die Braut und der Bräutigam gemeinsam machen? 5) Warum klappert man während der Hochzeit?

3.Wie wird in Russland die Hochzeit gefeiert? Gibt es viel Gemeinsames beim Feiern der Hochzeit in Deutschland und in unserem Land? Welche Traditionen stimmen überein? Gehen Sie auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ein.

4.Glauben Sie, dass etwas Altes, etwas Geliehenes, etwas Blaues und etwas Neues die Ehe glücklich machen können? Wenn ja/nein, erklären Sie, warum.

5.Übersetzen Sie ins Deutsche:

1) К свадьбе обычно готовятся долго. У жениха и невес- ты дел очень много: нужно купить одежду, пригласить гос- тей, привести все в порядок. 2) Перед свадьбой проводится вечеринка, на которой бьют фарфоровую посуду, a будущая супружеская пара должна убрать вместе осколки, показывая тем самым свое умение работать. 3) Чаще всего вечеринка проводится в четверг или пятницу, а в субботу или воскре- сенье устраивается свадьба. 4) По обычаю в день свадьбы молодым преподносят хлеб с солью. 5) Важную роль во вре- мя свадьбы играет тамада. 6) Многие пары отправляются во время медового месяца в путешествие, чтобы хорошо провес- ти время и отдохнуть.

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6.Gliedern Sie den Text in Abschnitte und betiteln Sie jeden Abschnitt. Erzählen Sie den Text entsprechend Ihrer Gliederung nach.

7.Wie interpretieren Sie das Gedicht von einem unbekannten Verfasser:

Guter Rath

Präge dir beim Streite Böser Eheleute

Nur die Regel ein: zankt das femininum mit dem maskulinum Musst du neutrum sein.

8.Nehmen Sie Stellung zum Sprichwort: Mann und Weib sind ein Leib.

9.Was für eine Ehe nennt man „Ehe zur linken Hand“ oder „morganatische Ehe“? Äußern Sie Ihr Verhältnis dazu.

10.In der modernen Welt kommt es immer öfter vor, dass die jungen Leute ohne Trauschein zusammen leben. Wie ist Ihr Verhältnis zur nichtehelichen Lebensgemeinschaft? Was ist an der freien Ehe positiv, und was ist negativ? Warum wollen viele junge Leute nicht auf dem Standesamt heiraten?

11.Lesen Sie kurze Information der Universität Mannheim hinsichtlich des Problems der nichtehelichen Lebensgemeinschaft.

Das Standesamt kann warten

Mannheim (AP) Die formelle Ehe hat in der modernen Welt ihre Stellung als dominierende Lebensform verloren. Eine Vielfalt von Lebensmodellen hat sich entwickelt; Single-Dasein und wilde Ehe erfreuen sich steigender Beliebtheit. Wer doch das Standesamt ansteuert, lässt sich mehr Zeit als früher üblich, wie die Universität Mannheim am Donnerstag berichtete. Das Heiratsalter ist gestiegen, viele Paare haben bereits vorher zusammengelebt.

In einer empirischen Untersuchung hatten der Mannheimer Soziologieprofessor Josef Brüderl und sein Heidelberger Kollege Thomas Klein der seit etwa vier Jahrzehnten in Westdeutschland zunehmenden Pluralisierung der Lebensläufe nachgespürt. Sie werteten über 5.000 Datensätze auf die Lebensform Typen «ledig, verheiratet, verwitwet, wiederverheiratet, getrennt, eheähnliche Gemeinschaft» hin aus.

Von den in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts Geborenen waren 70 Prozent im Alter von 30 Jahren in erster Ehe verheiratet, bei den 1960ern nur noch 54 Prozent, und bei den

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1970ern sind es 44 Prozent. Von den heute 30-Jährigen sind 38 Prozent Singles, bei den in den 1950ern Geborenen waren in diesem Lebensalter nur 21 Prozent noch solo. Die Landbevölkerung ist stärker der Tradition verhaftet, aber unter den 30-Jährigen in den Großstädten gibt es heute mehr Singles als Verheiratete.

Die Hinwendung zu den so genannten modernen Mustern verlief den Erkenntnissen zufolge allmählich und nicht als sprunghafter Individualisierungsschub. Die Pluralisierung halte sich in Grenzen, eine wilde «Alles-ist-möglich-Stimmung» habe es nicht gegeben, erklärte Brüderl. Gründe für den Umschwung sind nicht auf Anhieb erkennbar. Der viel zitierte Wertewandel sei keine befriedigende Antwort, weil dann die Frage nach seiner Ursache akut werde, heißt es. Auch steigender Wohlstand und damit einhergehende Zunahme der Bildung seien keine entscheidenden Faktoren.

Beantworten Sie die Fragen:

Wie änderte sich das Verhältnis zur nichtehelichen Lebensgemeinschaft im Laufe von einigen Jahrzehnten?

Warum hat die formelle Ehe ihre Stellung als dominierende Lebensform verloren? Welche Folgen kann das haben?

Text 8. Nichteheliche Lebensgemeinschaft

Nach Uwe Wesel

Es ist noch gar nicht so lange her, da stand hierzulande auf Kuppelei Zuchthaus. Heute leben in der Bundesrepublik drei Millionen Männer und Frauen ohne Trauschein zusammen.

Im Jahr 1884 schrieb Friedrich Engels eines seiner bekanntesten Bücher, das heute noch in den Köpfen der Gebildeten herumgeistert: „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“, mit den Rinderherden am Anfang der Sesshaftigkeit, die nun den Männern gehörten, als neu entstandenes Privateigentum, weil sie es waren, die die Tiere immer so schön gehütet hatten. Das Privateigentum wollten sie auf ihre Söhne vererben, die als eigene aber nur in einer festen Ehe sicher zu identifizieren waren, so dass die Familie entstand und darüber, zur Sicherung des Ganzen, der Staat.

Heute weiß man längst, dass Engels sich geirrt hat. Der Staat ist aus anderen Gründen entstanden, nicht wegen des bösen Privateigentums. Und die Familie ist viel älter. Es gab sie schon bei Sammlern und Jägern. Die neuesten Schätzungen gehen zurück bis weit in die Altsteinzeit.

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Heute scheint das Ende der bürgerlichen Familie gekommen zu sein, und das Stichwort heißt nichteheliche Lebensgemeinschaft. Lange hat man daran herumformuliert, nannte es freie Lebensgemeinschaft, freie Ehe, wilde Ehe, Onkelehe, Partnerschaft, Ehe ohne Trauschein, Verhältnis oder Konkubinat. Die Juristen haben sich geeinigt auf nichteheliche Lebensgemeinschaft. Abgekürzt neL.

Meistens sind es wohl Jüngere, die ohne Trauschein zusammenleben. Aus vielen Gründen. Manche fühlen sich noch zu jung, um sich schon fest zu binden. Andere lehnen so etwas grundsätzlich ab. Oder es sind Ältere, die sich nicht mehr binden wollen. Und es gibt viele, die fürchten ganz einfach Gefahren im Hin und Her der Formalitäten einer späteren Scheidung und die finanziellen Konsequenzen.

Die Zahl derjenigen, die so leben, ist erstaunlich gestiegen, mit gemeinsamer Wohnung oder ohne, mit gemeinsamen Kindern oder nicht.

Die entscheidende Wende kam in den siebziger Jahren des XX. Jahrhunderts. Damals fiel die erste juristische Schranke: 1974 wurde der Kuppeleiparagraph abgeschafft. Seitdem ist nur noch Kuppelei mit Minderjährigen strafbar oder bei Ausbeutung von Prostitution.

Seit 1970 kann man auch seinen Lebensgefährten oder seine Lebensgefährtin als Erben einsetzen. Natürlich werden immer noch einige Einschränkungen gemacht: z.B. wenn man mit dem Testament das Erbrecht von sehr nahen Verwandten oder Kindern ausschließen will, dann geht das nicht. Man darf Gatten und Kinder nicht auf ihr Pflichtteil beschränken. Das ist sittenwidrig.

Da nichteheliche Lebensgemeinschaften inzwischen von der Bevölkerung weitgehend toleriert werden, gibt man auch grünes Licht für nichteheliche Lebensgemeinschaften in Mietwohnungen. Aber wenn Mann und Frau ohne Trauschein zusammenleben, dürfen sie bei der Sozialhilfe nicht besser gestellt werden als Eheleute.

Mit der Gleichstellung der neL entstand ein juristisches Problem. Was ist denn eigentlich eine nichteheliche Lebensgemeinschaft? Wann beginnt sie? Und wann endet sie? Sie endet, wenn die beiden sich trennen und nicht mehr in derselben Wohnung leben. Darf man die Leute für eine neL halten, sobald sie in einer Wohnung zusammenzuleben beginnen? Es gibt doch auch ganz normale Wohngemeinschaften ohne eheähnliche Zuneigung. Genügt schon eine Wirtschaftsgemeinschaft, in der gemeinsam eingekauft wird, ohne dass es auf in-

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