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Der Zauberberg. Vol. 1

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DER ZAUBERBERG
"Ich nehme dieses", sagte er, ohne dem anderen nur Beach-tung zu schenken. "Das hier zu fünf. Darf ich Ihnen sofort..."
"Abgemacht!" quäkte die Oberin. "Nur nicht knausern bei wichtigen Anschaffungen! Eilt nicht, es kommt auf die Rech-nung. Geben Sie her, wir wollen es erst noch recht klein machen, ganz hinunterjagen – so." Und sie nahm ihm das Thermometer aus der Hand, stieß es wiederholt in die Luft und trieb so das Quecksilber noch tiefer, bis unter 3 5 hinab. "Wird schon steigen, wird schon emporwandern, der Merkurius!" sagte sie. "Hier haben Sie Ihre Erwerbung! Sie wissen doch wohl, wie es gemacht wird bei uns? Unter die werte Zunge damit, auf sieben Minuten, viermal am Tag, und gut die geschätzten Lippen drum schließen. Adieu, Men­schenskind! Wünsche gute Ergebnisse!" Und sie war aus dem Zimmer.
Hans Castorp, der sich verbeugt hatte, stand am Tische und sah auf die Tür, durch die sie verschwunden war, und auf das Instrument, das sie zurückgelassen. "Das war nun die Oberin von Mylendonk", dachte er. "Settembrini mag sie nicht, und wahr ist es, sie hat ihre Unannehmlichkeiten. Das Gerstenkorn ist nicht schön, übrigens hat sie es ja wohl nicht immer. Aber warum nennt sie mich immer 'Menschenskind', noch dazu mit einem s in der Mitte? Es ist burschikos und sonderbar. Und da hat sie mir nun ein Thermometer verkauft, sie hat immer ein paar in der Tasche. Es soll ja hier überall welche geben, in allen Läden, auch da, wo man es gar nicht erwarten sollte, Joachim sagte es. Aber ich habe mich nicht zu bemühen brauchen, es ist mir von selbst in den Schoß gefal-
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len." Er nahm das zierliche Gerät aus dem Futteral, betrachte­te es und ging dann mehrmals in Unruhe damit durch das Zimmer. Sein Herz klopfte rasch und stark. Er sah sich nach der offenen Balkontür um und machte eine Bewegung gegen die Zimmertür, aus dem Antrie-be, Joachim aufzusuchen, un­terließ es aber dann und blieb wie-der am Tische stehen, in­dem er sich räusperte, um die Dumpf-heit seiner Stimme zu prüfen. Hierauf hustete er. "Ja, ich muß nun sehn, ob ich Schnupfenfieber habe", sagte er und führte rasch das Ther­mometer in den Mund, die Quecksilberspitze unter die Zun­ge, so daß das Instrument ihm schräg aufwärts zwi-schen den Lippen hervorragte, die er fest darum schloß, um kei-ne Au­ßenluft zuzulassen. Dann sah er nach seiner Armbanduhr: es war sechs Minuten nach halb zehn. Und er begann, auf den Ablauf von sieben Minuten zu warten.
"Keine überflüssige Sekunde", dachte er, "und keine zu we-nig. Auf mich ist Verlaß, nach oben wie nach unten. Man braucht es mir nicht mit einer Stummen Schwester zu ver­tau-schen, wie der Person, von der Settembrini erzählte, Otti­lie Kneifer." Und er ging im Zimmer umher, das Instrument mit der Zunge niederdrückend.
Die Zeit schlich, die Frist schien endlos. Erst zweiundei­ne-halbe Minute waren verstrichen, als er nach den Zeigern sah, schon besorgt, er könnte den Augenblick verpassen. Er tat tau-send Dinge, nahm Gegenstände auf und setzte sie nie­der, trat auf den Balkon hinaus, ohne sich seinem Vetter be­merklich zu machen, überblickte die Landschaft, dies Hoch­tal, seinem Sinn schon urvertraut in allen Gestaltungen: mit seinen Hörnern, Kammlinien und Wänden, mit der links
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vorgelagerten Kulisse des "Brembühl", dessen Rücken schräg gegen den Ort abfiel und dessen Flanke der rauhe Matten­wald bedeckte, mit den Bergformationen zur Rechten, deren Namen ihm ebenfalls ge-läufig geworden waren, und der Alt­einwand, die das Tal, von hier aus gesehen, im Süden zu schließen schien, – sah hinab auf die Wege und Beete der Gartenplattform, die Felsengrotte, die Edeltanne, lauschte auf ein Flüstern, das aus der Liegehalle drang, wo Kur gemacht wurde, und wandte sich ins Zimmer zurück, wobei er die Lage des Instrumentes im Munde zu verbessern suchte, um dann wieder durch Vorrecken des Armes den Ärmel vom Handge­lenk zu ziehen und den Unter-arm vor das Gesicht zu biegen. Mit Mühe und Anstrengung, unter Schieben, Stoßen und Fußtritten gleichsam, waren sechs Minuten vertrieben. Da er nun aber, mitten im Zimmer ste-hend, ins Träumen verfiel und seine Gedanken wandern ließ, so verhuschte die letzte noch übrige ihm unvermerkt auf Katzenpfötchen, eine neue Armbewegung offenbarte ihm ihr heimliches Entkommen, und es war ein wenig spät, die achte lag schon zu einem Drit­teile im Vergangenen, als er mit dem Gedanken, daß das nichts schade, für das Ergebnis nichts ausmache und zu be­deuten habe, das Thermometer aus dem Munde riß und mit verwirrten Augen darauf nie-derstarrte.
Er ward nicht unmittelbar klug aus seiner Angabe, der Glanz des Quecksilbers fiel mit dem Lichtreflex des flachrun­den Glas-mantels zusammen, die Säule schien bald ganz hoch oben zu stehen, bald überhaupt nicht vorhanden zu sein, er führte das Instrument nahe vor die Augen, drehte es hin und her und er-kannte nichts. Endlich, nach einer glücklichen
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Wendung, wurde das Bild ihm deutlich, er hielt es fest und bearbeitete es hastig mit dem Verstande. In der Tat, Merkuri­us hatte sich ausgedehnt, er hatte sich stark ausgedehnt, die Säule war ziemlich hoch gestiegen, sie stand mehrere Zehn­telstriche über der Grenze nor-maler Blutwärme, Hans Cas­torp hatte 37,6.
Am hellen Vormittag zwischen zehn und halb elf Uhr 37,6 – das war zuviel, es war "Temperatur", Fieber als Folge einer In-fektion, für die er aufnahmelustig gewesen, und es fragte sich nur, was für eine Art Infektion das war. 3 7,6 – mehr hatte auch Joachim nicht, mehr hatte hier niemand, der nicht als schwer-krank oder moribund das Bett hütete, weder die Kleefeld mit dem Pneumothorax noch ... noch auch Ma­dame Chauchat. Es war natürlich in seinem Falle wohl nicht ganz das Rechte, – blo-ßes Schnupfenfieber, wie man es un­ten nannte. Aber genau zu unterscheiden und auseinander­zuhalten war das nicht, Hans Castorp bezweifelte, daß er die­se Temperatur erst bekommen, seit er sich erkältet hatte, und er mußte bedauern, Merkurius nicht schon früher befragt zu haben, gleich anfangs, wie der Hofrat es ihm nahegelegt hatte. Ganz vernünftig war dieser Ratschlag gewesen, das zeigte sich nun, und Settembrini hatte völlig unrecht getan, so höhnisch darüber in die Lüfte zu lachen, Settembrini mit der Republik und dem schönen Stil. Hans Castorp verachte-te die Republik und den schönen Stil, während er immer wie-der die Aussage des Thermometers prüfte, die ihm mehrmals durch die Blen­dung verlorenging und die er dann durch eifriges Drehen und Wenden des Instruments wieder herstellte: sie lau-tete auf 37,6, und das am frühesten Vormittag!
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Seine Bewegung war mächtig. Er ging ein paarmal durch das Zimmer, das Thermometer in der Hand, wobei er es je­doch waagerecht hielt, um nicht durch senkrechte Erschütte­rung eine Störung hervorzurufen, legte es dann mit aller Be­wahrsamkeit auf die Waschtischplatte nieder und ging vorerst einmal mit Paletot und Decken in die Liegekur. Sitzend warf er die Decken um sich, wie er es gelernt hatte, von den Seiten und von unten, eine nach der anderen, mit schon geübter Hand, und lag dann still, die Stunde des zweiten Frühstücks und Joachims Eintritt erwartend. Zuweilen lächelte er, und es war, als lächle er jeman-dem zu. Zuweilen hob sich seine Brust mit einem beklomme-nen Beben, und dann mußte er husten, aus seiner katarrhali-schen Brust.
Joachim fand ihn noch liegend, als er um elf Uhr, nach dem Tönen des Gongs, zu ihm herüberkam, um ihn zum Frühstück abzuholen.
«Nun?» fragte er verwundert, indem er neben den Stuhl trat ...
Hans Castorp schwieg noch eine Weile und sah vor sich hin. Dann gab er zur Antwort:
"Ja, das Neueste ist also, daß ich etwas Temperatur habe."
"Was soll das heißen?" fragte Joachim. "Fühlst du dich fieb-rig?"
Hans Castorp ließ wieder ein wenig auf die Antwort war­ten und gab hierauf mit einer gewissen Trägheit die folgende:
"Fiebrig, mein Lieber, fühle ich mich schon längst, schon die ganze Zeit. Aber jetzt handelt es sich nicht um subjektive Emp-findungen, sondern um eine exakte Feststellung. Ich ha­be mich gemessen."
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"Du hast dich gemessen?! Womit?!" rief Joachim er­schrok-ken.
"Selbstverständlich mit einem Thermometer", antwortete Hans Castorp nicht ohne Spott und Strenge. "Die Oberin hat mir eines verkauft. Warum sie einen immer 'Menschenskind' anredet, das weiß ich nicht; korrekt ist es nicht. Aber ein sehr gutes Thermometer hat sie mir in aller Eile verkauft, und wenn du dich überzeugen willst, wieviel es zeigt, so liegt es da drin-nen auf dem Waschtisch. Es ist eine minimale Erhö­hung."
Joachim machte kurz kehrt und ging ins Zimmer. Als er zu-rückkehrte, sagte er zögernd:
"Ja, das sind 37 Komma 5½."
"Dann ist es etwas zurückgegangen!" versetzte Hans Cas­torp rasch. "Es waren sechs."
"Keinesfalls kann man das minimal nennen für den Vor­mit-tag", sagte Joachim. "Eine schöne Bescherung", sagte er und stand an seines Vetters Lager, wie man eben vor einer "schönen Bescherung" steht, die Arme in die Seiten gestemmt und mit gesenktem Kopfe. "Du wirst ins Bett müssen."
Hans Castorp hatte darauf seine Antwort bereit.
"Ich sehe nicht ein", sagte er, "warum ich mich mit 37,6 ins Bett legen soll, wo doch du und so viele andere, die auch nicht weniger haben, – wo ihr alle hier frei herumlauft."
"Das ist aber doch etwas anderes", sagte Joachim. "Bei dir ist es akut und harmlos. Du hast Schnupfenfieber."
"Erstens", erwiderte Hans Castorp und teilte seine Rede nun sogar in erstens und zweitens ein, "verstehe ich nicht, warum man mit harmlosem Fieber – ich will einmal anneh-
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men, daß es so etwas gibt – , mit harmlosem Fieber das Bett hüten muß, mit anderem aber nicht. Und zweitens sage ich dir ja, daß der Schnupfen mich nicht heißer gemacht hat, als ich schon vorher war. Ich stehe auf dem Standpunkt", schloß er, "daß 37,6 gleich 37,6 ist. Könnt ihr damit herumlaufen, kann ich es auch."
"Ich habe aber vier Wochen liegen müssen, als ich an­kam", wandte Joachim ein; "und erst als sich zeigte, daß die Tempera-tur durch Bettruhe nicht verschwand, durfte ich aufstehen."
Hans Castorp lächelte.
"Nun und?" fragte er. "Ich denke, bei dir war es etwas an­de-res? Mir scheint, du verwickelst dich in Widersprüche. Erst un-terscheidest du, und dann stellst du gleich. Das ist doch Schnickschnack ..."
Joachim drehte sich auf dem Absatz um, und als er sich sei-nem Vetter wieder zukehrte, sah man, daß sein gebräun­tes Ge-sicht noch eine Schattierung dunkler geworden war.
"Nein", sagte er, "ich stelle nicht gleich, du bist ein Kon­fu-sionsrat. Ich meine nur, du bist elend erkältet, man hört es ja an deiner Stimme, und du solltest dich legen, um den Pro­zeß ab-zukürzen, da du nächste Woche nach Hause willst. Wenn du aber nicht willst, – ich meine: wenn du dich nicht legen willst, so kannst du es ja lassen. Ich mache dir keine Vorschriften. Je-denfalls müssen wir jetzt zum Frühstück. Mach, es ist über die Zeit!"
"Richtig. Los!" sagte Hans Castorp und warf die Decken von sich. Er ging ins Zimmer, um sich mit der Bürste übers Haar zu fahren, und während er es tat, sah Joachim noch ein-
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mal nach dem Thermometer auf dem Waschtisch, wobei Hans Castorp ihn von weitem beobachtete. Dann gingen sie, schweigend, und saßen wieder einmal an ihren Plätzen im Speisesaal, wo es, wie immer um diese Stunde, weiß schim­merte vor lauter Milch.
Als die Zwergin das Kulmbacher Bier für Hans Castorp brachte, lehnte er es mit ernstem Verzichte ab. Er trinke heu­te lieber kein Bier, trinke überhaupt nichts, nein danke sehr, höch-stens einen Schluck Wasser. Das erregte Aufsehen. Wie­so? Was für Neuerungen! Warum kein Bier? – Er habe ein bißchen Temperatur, warf Hans Castorp hin. 37,6. Minimal.
Da drohten sie ihm mit den Zeigefingern, – es war sehr son-derbar. Sie wurden schelmisch, legten den Kopf auf die Seite, kniffen ein Auge zu und rührten die Zeigefinger in Hö­he des Ohres, als kämen kecke, pikante Dinge an den Tag von einem, der den Unschuldigen gespielt hatte. "Na, na, Sie", sag­te die Lehrerin, und der Flaum ihrer Wangen rötete sich, in­des sie lä-chelnd drohte. "Saubere Geschichten hört man, aus­gelassene. Wart', wart', wart'." –"Ei, ei, ei", machte auch Frau Stöhr und drohte mit ihrem kurzen und roten Stummel, in­dem sie ihn ne-ben die Nase hielt. "Tempus hat er, der Herr Besuch. Sie sind mir einer, – der Rechte sind Sie mir, ein Bru­der Lustig!" – Selbst die Großtante am oberen Tischende drohte ihm scherz-haft und verschlagen zu, als die Nachricht zu ihr drang; die hübsche Marusja, die ihm bisher kaum je Be­achtung geschenkt, beugte sich gegen ihn vor und sah ihn, das Apfelsinentüchlein gegen die Lippen gepreßt, mit ihren kugelrunden braunen Au-– n an, indes sie drohte; auch Dr. Blumenkohl, dem Frau Stöhr die Sache erzählte, konnte nicht
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umhin, sich der allgemeinen Gebärde anzuschließen, ohne freilich Hans Castorp dabei anzu-sehen, und nur Miß Robin­son zeigte sich teilnahmslos und ver-schlossenen Sinnes wie immer. Joachim hielt mit anständiger Miene die Augen ge­senkt.
Hans Castorp, geschmeichelt von so viel Neckerei, glaubte hescheiden ablehnen zu müssen. "Nein, nein", sagte er, "Sie ir-ren sich; mein Fall ist der denkbar harmloseste, ich habe Schnupfen, Sie sehen: die Augen gehen mir über, meine Brust ist verstockt, ich huste die halbe Nacht, es ist unangenehm ge-nug ..." Aber sie nahmen seine Entschuldigungen nicht an, sie lachten und winkten ihm mit den Händen ab, rufend: "Ja, ja, ja, Flausen, Ausreden, Schnupfenfieber, kennen wir, ken­nen wir!" Uud dann forderten sie alle auf einmal, daß Hans Castorp sich unverzüglich zur Untersuchung melde. Sie wa­ren belebt von der Nachricht; unter den sieben Tischen war an diesem während des Frühstücks die Unterhaltung am muntersten. Frau Stöhr insbesondere, hochroten, störrischen Gesichts über ihrer Halsrüsche und kleine Sprünge in der Wangenhaut, legte eine fast wilde Gesprächigkeit an den Tag und erging sich über die Vergnüglichkeit des Hustens, – ja, es habe unbedingt eine un-terhaltliche und genußreiche Be­wandtnis damit, wenn in den Gründen der Brust der Kitzel sich mehre und wachse und man mit Krampf und Pressung so recht tief hinunterlange, um dem Reiz zu genügen: ein ähnli­cher Spaß sei das wie das Niesen, wenn die Luft dazu gewaltig anschwelle und unwiderstehlich werde und man mit be­rauschter Miene ein paarmal stürmisch aus – und einatme, sich wonnig ergäbe und über den gesegneten Ausbruch die
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ganze Welt vergäße. Und manchmal komme es zwei-, dreimal hintereinander. Das seien kostenfreie Genüsse des Lebens, wie beispielsweise auch noch, sich im Frühling die Frostbeu­len zu kratzen, wenn sie so süßlich juckten, – sich so recht innig und grausam zu kratzen bis aufs Blut in Wut und Ver­gnügen, und wenn man zufällig in den Spiegel sähe dabei, dann sähe man eine Teufelsfratze.
So schauderhaft eingehend redete die ungebildete Stöhr, bis die kurze, wenn auch reichhaltige Zwischenmahlzeit be­endigt war und die Vettern ihren zweiten Vormittagsgang antraten, den Gang hinunter nach Platz Davos. Joachim war in sich ge-kehrt unterwegs, und Hans Castorp ächzte vor Schnupfen und räusperte sich aus rostiger Brust. Auf dem Heimwege sagte Joachim:
"Ich mache dir einen Vorschlag. Heute ist Freitag, – mor­gen nach Tische habe ich Monatsuntersuchung. Es ist keine General-untersuchung, aber Behrens klopft mich ein bißchen ab und läßt Krokowski ein paar Notizen machen. Da könn­test du mitkom-men und bitten, dich auch bei der Gelegen­heit rasch zu behor-chen. Es ist ja lächerlich, – wenn du zu Hause wärst, du ließest Heidekind kommen. Und hier, wo zwei Spezialisten im Hause sind, läufst du herum und weißt nicht, woran du bist, und wie tief es sitzt bei dir, und ob du nicht besser tätest, dich hinzule-gen."
"Schön", sagte Hans Castorp. "Wie du meinst. Natürlich, so kann ich es machen. Und es ist ja auch interessant für mich, mal einer Untersuchung beizuwohnen."
So kamen sie überein; und als sie hinauf vor das Sanatori­um gelangten, wollte es der Zufall, daß sie mit Hofrat Beh-
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