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Der Zauberberg. Vol. 1

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DER ZAUBERBERG
ders getrof-fen hat, – ich weiß nicht, ob er noch lebt, vielleicht haben sie ihn abgeholt während einer Mahlzeit. Daß ich et­was krank bin, ist mir ja eine Überraschung, ich muß mich erst darein finden, mich hier als Patient und richtig als einer von euch zu fühlen, statt, wie bisher, nur als Gast. Und dann überrascht es mich doch auch wieder fast gar nicht, denn so recht prachtvoll instand habe ich mich eigentlich niemals ge­fühlt, und wenn ich denke, wie früh meine beiden Eltern ge­storben sind, – woher sollte die Pracht denn schließlich auch kommen! Daß du einen kleinen Knacks hast, nicht wahr, wenn er nun auch so gut wie kuriert ist, darüber machen wir uns alle nichts vor, und also kann es ja sein, daß es ein biß­chen in unserer Familie liegt, Behrens wenigstens machte so eine Bemerkung. Jedenfalls liege ich hier schon seit gestern und überlege mir, wie mir doch eigentlich immer zu-mute war und wie ich mich zu dem Ganzen verhielt, zum Le-ben, weißt du, und seinen Anforderungen. Ein gewisser Ernst und eine gewisse Abneigung gegen robustes und lautes Wesen lag im­mer in meiner Natur, – wir sprachen noch neulich davon, und daß ich manchmal fast Lust gehabt hätte, geistlich zu wer-den, aus Interesse für traurige und erbauliche Dinge, – so ein schwarzes Tuch, weißt du, mit einem silbernen Kreuz dar­auf oder R. I. P... Requiescat in pace ... das ist eigentlich das schönste Wort und mir viel sympathischer als 'Hoch soll er le-ben', was doch mehr ein Radau ist. Das alles, denke ich mir, kommt wohl daher, daß ich selbst einen Knacks habe und mich von Anfang an auf die Krankheit verstehe, – es zeigt sich bei dieser Gelegenheit. Aber wenn es sich nun doch so verhält, so kann ich ja von Glück sagen, daß ich heraufgekommen bin
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und mich habe untersuchen lassen; du brauchst dir nicht die gering-sten Vorwürfe deswegen zu machen. Denn du hast ja gehört: wenn ich es im Flachland noch eine Weile so weiter getrieben hätte, so wäre womöglich mir nichts dir nichts mein ganzer Lungenlappen zum Teufel gegangen."
"Das kann man nicht wissen!" sagte Joachim. "Das ist es ja eben, daß man das gar nicht wissen kann! Du sollst ja früher schon Stellen gehabt haben, um die sich niemand gekümmert hat und die ganz von selbst verheilt sind, so daß du jetzt nur noch ein paar gleichgültige Dämpfungen davon hast. So wäre es möglicherweise auch mit der feuchten Stelle gegangen, die du' jetzt haben sollst, wenn du nicht zufällig zu mir heraufge­kommen wärst, – man kann es nicht wissen!"
"Nein, wissen kann man gar nichts", antwortete Hans Ca-storp. "Und darum hat man kein Recht, das Ärgerlichste in An-satz zu bringen, zum Beispiel auch was die Dauer meines Kur-aufenthaltes betrifft. Du sagst, niemand weiß, wann ich loskom-me und auf der Werft eintreten kann, aber du sagst es im pessi-mistischen Sinn, und das finde ich voreilig, da man es ja eben nicht wissen kann. Behrens hat keinen Termin ge­nannt, er ist ein besonnener Mann und spielt nicht den Wahr­sager. Es hat ja auch die Durchleuchtung und photographi­sche Aufnahme noch gar nicht stattgefunden, die erst den Sachverhalt objektiv klar-stellen wird, und wer weiß, ob da et­was Nennenswertes zutage kommt und ob ich nicht vorher schon fieberfrei bin und euch Adieu sagen kann. Ich bin dafür, daß wir uns nicht vor der Zeit aulfspielen und denen zu Hau­se nicht gleich die größten Räu-bergeschichten erzählen. Es genügt, wenn wir nächstens mal schreiben – ich kann selbst
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schreiben, mit der Füllfeder hier, wenn ich mich etwas aufset­ze –, daß ich stark erkältet und febril und bettlägrig bin und vorderhand noch nicht reisen kann. Das Weitere findet sich."
"Gut, so können wir's vorläufig machen. Und dann kön­nen wir ja auch mit dem anderen noch etwas zuwarten."
"Mit welchem anderen?"
"Sei nicht so gedankenlos! Du bist doch nur auf drei Wo­chen eingerichtet mit deinem Kajütenkoffer. Du brauchst Wäsche, Unter – und Oberwäsche und Winterkleider, und brauchst mehr Schuhzeug. Schließlich, auch Geld mußt du dir kommen las-sen."
"Wenn", sagte Hans Castorp, "wenn ich das alles brauche."
"Gut, warten wir's ab. Aber wir sollten ... nein", sagte Joa­chim und ging in Bewegung durchs Zimmer, "wir sollten uns keine Illusionen machen! Ich bin zu lange hier, um nicht Be-scheid zu wissen. Wenn Behrens sagt, daß da eine rauhe Stelle ist, beinah ein Geräusch ... Aber selbstverständlich, wir können ja zusehen!" –
Dabei blieb es für diesmal, und vorderhand traten die acht-und vierzehntägigen Abwandlungen des Normaltages in ihre Rechte, – auch in seiner gegenwärtigen Lage hatte Hans Castorp teil daran, wo nicht durch unmittelbaren Mitgenuß, so durch Berichte, die Joachim abstattete, wenn er ihn besuch­te und sich für eine Viertelstunde auf seine Bettkante setzte.
Das Teebrett, worauf man ihm am Sonntagmorgen sein Frühstück brachte, war mit einem Blumenväschen ge­schmückt, Und man hatte nicht versäumt, ihm von dem Fein­gebäck zu schicken, das heute im Saale gereicht wurde. Später wurde es drunten im Garten und auf der Terrasse lebendig,
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und mit Trara und Klarinettengenäsel setzte das vierzehntä­gige Sonntagskon-zert ein, zu dem Joachim sich bei seinem Vetter einfand: er nahm die Darbietung bei offener Balkontür draußen in der Lo-ge entgegen, während Hans Castorp von seinem Bette aus, halb sitzend, den Kopf auf die Seite gelegt und liebevoll-andächtig verschwimmenden Blickes den her­aufdrängenden Harmonien lauschte, nicht ohne innerlich achselzuckend der Redereien Set-tembrinis von der "politi­schen Verdächtigkeit" der Musik zu gedenken.
Im übrigen, wie wir sagten, ließ er sich von Joachim über die Erscheinungen und Veranstaltungen dieser Tage Bericht erstat-ten, fragte ihn aus, ob der Sonntag festliche Toiletten gebracht habe, Spitzenmatinees oder dergleichen (für Spit­zenmatinees war es jedoch zu kalt gewesen); auch ob nach­mittags Wagen-fahrten stattgefunden hätten (wirklich waren welche unternom-men worden: der Verein "Halbe Lunge" war in corpore nach Clavadell ausgeflogen); und am Montag verlangte er, von Dr. Krokowskis Conference zu hören, als Jo­achim davon zurück-kehrte und, bevor er in die Mittagsliege­kur ging, bei ihm vor-sprach. Joachim zeigte sich mundfaul und abgeneigt, über den Vortrag zu berichten, – wie ja auch von dem vorigen weiter nicht zwischen den beiden die Rede gewesen war. Aber Hans Castorp bestand darauf, Einzelhei­ten zu hören. "Ich liege hier und zahle den vollen Preis", sag­te er. "Ich will auch etwas haben von dem, was geboten wird." Er erinnerte sich an den Montag vor vierzehn Tagen, an sei­nen selbständigen Spaziergang, der ihm so wenig gut getan, und gab der bestimmten Vermutung Ausdruck, daß er es ei­gentlich gewesen sei, der revolutionierend auf seinen Körper
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gewirkt und die still vorhandene Krankheit zum Ausbruch gebracht habe. "Aber wie die Leute hier reden", rief er; "das niedere Volk, – so würdig und feierlich: es klingt zuweilen wie Poesie. 'Nun so leb' wohl und hab' Dank!<" wie-derholte er, indem er die Sprechweise des Holzknechtes nach-ahmte. "So habe ich es im Walde gehört, und ich vergesse es meiner Lebtage nicht. Dergleichen verbindet sich dann mit an-deren Eindrücken oder Erinnerungen, weißt du, und man behält es bis an sein Lebensende im Ohr. – Und Krokowski hat also wieder von 'Liebe' gesprochen?" fragte er und schnitt ein Ge-sicht bei dem Wort.
"Selbstredend", sagte Joachim. "Wovon denn sonst. Es ist ja nun einmal sein Thema."
"Was sagte er denn heute davon?"
"Ach, nichts Besonderes. Du weißt ja selbst, vom vorigen Mal, wie er sich ausdrückt."
"Aber was gab er denn Neues zum besten?"
"Nichts weiter Neues ... Ja, es war die reine Chemie, was er heute verzapfte", ließ Joachim sich widerstrebend herbei, zu be-lichten. Es handelte sich "dabei" um eine Art von Vergif­tung, von Selbstvergiftung des Organismus, habe Dr. Krokow­ski ge-sagt, die so entstehe, daß ein noch unbekannter, im Körper ver-breiteter Stoff Zersetzung erfahre; und die Pro­dukte dieser Zer-setzung wirkten berauschend auf gewisse Rückenmarkszentren ein, nicht anders, als wie es sich bei der gewohnheitsmäßigen Einführung von fremden Giftstoffen, Morphin oder Kokain, verhalte.
"Und dann kriegt man heitere Bäckchen!" sagte Hans Cas­torp. "Sieh an, das ist ja hörenswert. Was der nicht alles
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weiß –. Er hat es mit Löffeln gegessen. Warte nur, eines Tages entdeckt er dir noch den unbekannten Stoff, der im ganzen Körper ver-breitet ist, und stellt die löslichen Gifte her, die berauschend aufs Zentrum wirken, dann kann er die Leute auf eine besonde-re Weise beschwipsen. Vielleicht war man früher schon einmal so weit. Wenn man ihn hört, so könnte man denken, daß etwas Wahres ist an den Geschichten von Liebestränken und solchem Zeug, wovon in den Sagenbü­chern die Rede ist ... Gehst du schon?"
"Ja", sagte Joachim, "ich muß unbedingt noch etwas lie­gen. Ich habe ansteigende Kurve seit gestern. Die Sache mit dir hat mir doch etwas zugesetzt." –
Das war der Sonntag, der Montag. Aus Abend und Morgen wurde der dritte Tag von Hans Castorps Aufenthalt in der "Re-mise", ein Wochentag ohne Auszeichnung, der Dienstag. Es war aber der Tag seiner Ankunft hier oben, er war nun rund drei Wochen an diesem Ort, und so trieb es ihn doch, den Brief nach Hause zu schreiben und seine Onkel wenigs­tens obenhin Und für den Augenblick über den Stand der Dinge zu unterrich-ten. Sein Plumeau im Rücken, schrieb er auf einem Briefbogen der Anstalt, daß seine Abreise von hier sich planwidrig verzöge-re. Er liege mit einer fiebrigen Erkäl­tung, die von Hofrat Beh-renss, übergewissenhaft, wie er wohl sei, offenbar nicht ganz auf die leichte Achsel genommen werde, da er sie mit seiner, des Schreibers, Konstitution über­haupt in Zusammenhang bringe.
Denn gleich bei der ersten Bekanntschaft habe der diri­gierende Arzt ihn stark anämisch gefunden, und alles in al­lem scheine es, als ob maßgeblicherseits die von ihm, Hans
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Castorp, zu seiner Erholung angesetzte Frist nicht für recht ausreichend erachtet werde. Weiteres ehetunlichst. – So ist es gut, dachte Hans Castorp. Da ist kein Wort zu viel und doch hält es auf jeden Fall eine Weile vor. – Der Brief wurde dem Hausdiener übergeben, der ihn unter Vermeidung des Um­weges über den Kasten un-mittelbar zum nächsten fahrplan­mäßigen Zug beförderte.
Hiernach schien unserem Abenteurer vieles geordnet, und mit beschwichtigtem Gemüt, wenn auch geplagt von Husten und Schnupfendumpfheit, lebte er abwartend in den Tag hinein, den vielfach in kurze Stückchen geteilten und in seiner festste-henden Einförmigkeit weder kurz – noch lang­weiligen Normal-tag, der immer derselbe war. Morgens trat nach mächtigem An-klopfen der Bademeister herein, ein nerviges Individuum na-mens Turnherr, mit aufgerollten Hemdärmeln, hochgeäderten Unterarmen und einer gur­gelnden, schwer behinderten Sprech-art, der Hans Castorp, wie alle Patienten, mit seiner Zimmer-nummer anredete und ihn mit Alkohol abrieb. Nicht lange nach seinem Abgang er­schien Joachim, fertig angezogen, um guten Morgen zu sagen, nach seines Vetters Sieben-Uhr-früh-Tempe-ratur zu fragen und seine eigene mitzuteilen. Während er drun-ten früh­stückte, tat Hans Castorp, sein Plumeau im Rücken, mit dem Appetit, den eine neue Lebenslage erzeugt, dasselbe –, kaum gestört durch den geschäftig-geschäftsmäßigen Einbruch der Ärzte, die um diese Zeit den Speisesaal passiert hatten und ihren Rundgang durch die Zimmer der Bettlägrigen und Mori-bunden im Geschwindschritt zurücklegten. Den Mund voll Eingemachtem, bekundete er, "schön" geschlafen zu ha-
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ben, sah über den Rand seiner Tasse hin zu, wie der Hofrat, der seine Fäuste auf die Platte des Mitteltisches stemmte, rasch die dort aufliegende Fiebertabelle prüfte, und erwider­te gleichmütig ge-dehnten Tones den Morgengruß der Ab­ziehenden. Dann zün-dete er sich eine Zigarette an und sah Joachim schon von seinem morgendlichen Dienstgang wie­der zurückkehren, wenn er kaum gedacht hatte, daß er fort­gegangen sei. Wieder plauderten sie dies und das, und der Zeit-Zwischenraum bis zum zweiten Frühstück – Joachim hielt Liegekur unterdessen – war so kurz, daß selbst ein aus­gemachter Hohlkopf und Geistesarmer es nicht zur Lange­weile gebracht haben würde, – während doch Hans Castorp an den Eindrücken seiner ersten drei Wochen hier oben reichlich zu zehren, auch seine gegenwärtige Lebenslage und was etwa daraus werden mochte, innerlich zu bearbeiten hat­te und der beiden dicken Bände einer illustrierten Zeitschrift kaum bedurft hätte, die, der Anstaltsbibliothek entstam­mend, auf seinem Nachttisch lagen.
Nichts anderes gilt für die Zeitspanne, während der Joa­chim seinen zweiten Gang nach Platz Davos absolvierte, ein leichtes Stündchen. Er sprach dann wieder vor bei Hans Cas­torp und er-zählte von dem und jenem, was ihm im Spazieren auffällig ge-worden, stand oder saß einen Augenblick am Krankenbette, be-vor er in die Mittagsliegekur ging, – und wie lange dauerte die? Nur wieder ein Stündchen! Man hatte kaum, die Hände hinter dem Kopf gefaltet, ein wenig zur De­cke geblickt und den Ge-~nken nachgehangen, so dröhnte das Gong, das die nicht Bettlägrigen und Moribunden auffor­derte, sich zur großen Mahlzeit instandzusetzen.
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Joachim ging, und es kam die "Mittagssuppe": ein einfältig symbolischer Name für das, was kam! Denn Hans Castorp war nicht auf Krankenkost gesetzt, – warum hätte man ihn dar­auf setzen sollen? Krankenkost, schmale Kost war auf keine Art in-diziert bei seinem Zustande. Er lag hier und zahlte den vollen Preis, und was man ihm bringt in der stehenden Ewig­keit dieser Stunde, das ist keine "Mittagssuppe", es ist das sechsgängige Berghof-Diner ohne Abzug in aller Ausführ­lichkeit, – am Allta-ge üppig, am Sonntag ein Gala-, Lust – und Parademahl, von ei-nem europäisch erzogenen Chef in der Luxushotelküche der Anstalt bereitet. Die Saaltochter, de­ren Amt es war, die Bettlägrigen zu versorgen, brachte es ihm unter vernickelten Hohldek-keln und in leckeren Tiegeln; sie schob den Krankentisch, der sich eingefunden, dies einbeini­ge Wunder von Gleichgewichts-konstruktion, quer über sein Bett vor ihn hin, und Hans Castorp tafelte wie der Sohn des Schneiders am Tischleindeckdich.
Kaum hatte er abgespeist, so kehrte auch Joachim zurück, und bis dieser in seine Loggia ging und die Stille der großen Liegekur sich über Haus "Berghof" senkte, war es soviel wie halb drei geworden. Nicht ganz, vielleicht; genau genommen wohl erst ein Viertel über zwei. Aber solche überzählige Vier­telstun-den außerhalb runder Einheiten werden nicht mitge­rechnet, sondern nebenbei verschlungen, wo großzügige Zeitwirtschaft herrscht, wie etwa auf Reisen, bei vielstündiger Bahnfahrt oder sonst in leerem, wartendem Zustande, wenn alles Streben und Leben aufs Hinbringen und Zurücklegen von Zeit zurückge-führt ist. Ein Viertel über zwei Uhr – das gilt für halb drei; es gilt in Gottes Namen auch gleich für drei
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Uhr, da schon die Drei im Spiele ist. Die dreißig Minuten werden als Auftakt zur runden Stunde von drei bis vier Uhr verstanden und innerlich beseitigt: so macht man es unter solchen Umständen. Und so beschränkte sich denn die Dau­er der großen Liegekur schließ-lich und eigentlich wieder auf eine Stunde, – die übrigens an ihrem Ende vermindert, weg­gestutzt und gleichsam apostro-phiert wurde. Der Apostroph war Dr. Krokowski.
Ja, Dr. Krokowski beschrieb auf seinem selbständigen Nach-mittagsrundgang keinen Bogen mehr um Hans Cas­torp. Dieser zählte nun mit, er war nicht länger ein Inter­vall und Hiatus, er war Patient, er wurde gefragt und nicht links liegengelassen, wie es zu seinem geheimen und leich­ten, aber täglich wieder emp-fundenen Ärger so lange ge­schehen war. Es war am Montag ge-wesen, daß Dr. Krokows­ki zum erstenmal im Zimmer erschie-nen war, – wir sagen "erschienen", denn das ist das rechte Wort für den sonder­baren und sogar etwas entsetzlichen Eindruck, dessen Hans Castorp sich damals nicht hatte erwehren können. Er hatte im Halb – oder Viertelschlummer gelegen, als er auf-schre­ckend gewahrte, daß der Assistent im Zimmer war, ohne durch die Tür hereingelangt zu sein, und von der Außensei­te her auf ihn zuschritt. Denn sein Weg war nicht über den Korri-dor, sondern durch die äußeren Loggien gewesen, und durch die offene Balkontür war er eingetreten, so daß sich die Vorstel-lung aufdrängte, als sei er durch die Lüfte gekommen. Da hatte er nun jedenfalls an Hans Castorps La­ger gestanden, schwarz-bleich, breitschultrig und stämmig, der Apostroph der Stunde, und in seinem geteilten Bart wa-
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