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ivanov666
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Файл:Der Zauberberg. Vol. 1
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DER ZAUBERBERG
ders getrof-fen hat, – ich weiß nicht, ob er noch lebt, vielleicht
haben sie ihn abgeholt während einer Mahlzeit. Daß ich etwas krank bin, ist mir ja eine Überraschung, ich muß mich
erst darein finden, mich hier als Patient und richtig als einer
von euch zu fühlen, statt, wie bisher, nur als Gast. Und dann
überrascht es mich doch auch wieder fast gar nicht, denn so
recht prachtvoll instand habe ich mich eigentlich niemals gefühlt, und wenn ich denke, wie früh meine beiden Eltern gestorben sind, – woher sollte die Pracht denn schließlich auch
kommen! Daß du einen kleinen Knacks hast, nicht wahr,
wenn er nun auch so gut wie kuriert ist, darüber machen wir
uns alle nichts vor, und also kann es ja sein, daß es ein bißchen in unserer Familie liegt, Behrens wenigstens machte so
eine Bemerkung. Jedenfalls liege ich hier schon seit gestern
und überlege mir, wie mir doch eigentlich immer zu-mute war
und wie ich mich zu dem Ganzen verhielt, zum Le-ben, weißt
du, und seinen Anforderungen. Ein gewisser Ernst und eine
gewisse Abneigung gegen robustes und lautes Wesen lag immer in meiner Natur, – wir sprachen noch neulich davon,
und daß ich manchmal fast Lust gehabt hätte, geistlich zu
wer-den, aus Interesse für traurige und erbauliche Dinge, – so
ein schwarzes Tuch, weißt du, mit einem silbernen Kreuz darauf oder R. I. P... Requiescat in pace ... das ist eigentlich das
schönste Wort und mir viel sympathischer als 'Hoch soll er
le-ben', was doch mehr ein Radau ist. Das alles, denke ich mir,
kommt wohl daher, daß ich selbst einen Knacks habe und
mich von Anfang an auf die Krankheit verstehe, – es zeigt sich
bei dieser Gelegenheit. Aber wenn es sich nun doch so verhält,
so kann ich ja von Glück sagen, daß ich heraufgekommen bin
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THOMAS MANN
und mich habe untersuchen lassen; du brauchst dir nicht die
gering-sten Vorwürfe deswegen zu machen. Denn du hast ja
gehört: wenn ich es im Flachland noch eine Weile so weiter
getrieben hätte, so wäre womöglich mir nichts dir nichts mein
ganzer Lungenlappen zum Teufel gegangen."
"Das kann man nicht wissen!" sagte Joachim. "Das ist es ja
eben, daß man das gar nicht wissen kann! Du sollst ja früher
schon Stellen gehabt haben, um die sich niemand gekümmert
hat und die ganz von selbst verheilt sind, so daß du jetzt nur
noch ein paar gleichgültige Dämpfungen davon hast. So wäre
es möglicherweise auch mit der feuchten Stelle gegangen, die
du' jetzt haben sollst, wenn du nicht zufällig zu mir heraufgekommen wärst, – man kann es nicht wissen!"
"Nein, wissen kann man gar nichts", antwortete Hans
Ca-storp. "Und darum hat man kein Recht, das Ärgerlichste in
An-satz zu bringen, zum Beispiel auch was die Dauer meines
Kur-aufenthaltes betrifft. Du sagst, niemand weiß, wann ich
loskom-me und auf der Werft eintreten kann, aber du sagst es
im pessi-mistischen Sinn, und das finde ich voreilig, da man es
ja eben nicht wissen kann. Behrens hat keinen Termin genannt, er ist ein besonnener Mann und spielt nicht den Wahrsager. Es hat ja auch die Durchleuchtung und photographische Aufnahme noch gar nicht stattgefunden, die erst den
Sachverhalt objektiv klar-stellen wird, und wer weiß, ob da etwas Nennenswertes zutage kommt und ob ich nicht vorher
schon fieberfrei bin und euch Adieu sagen kann. Ich bin dafür,
daß wir uns nicht vor der Zeit aulfspielen und denen zu Hause nicht gleich die größten Räu-bergeschichten erzählen. Es
genügt, wenn wir nächstens mal schreiben – ich kann selbst
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schreiben, mit der Füllfeder hier, wenn ich mich etwas aufsetze –, daß ich stark erkältet und febril und bettlägrig bin und
vorderhand noch nicht reisen kann. Das Weitere findet sich."
"Gut, so können wir's vorläufig machen. Und dann können wir ja auch mit dem anderen noch etwas zuwarten."
"Mit welchem anderen?"
"Sei nicht so gedankenlos! Du bist doch nur auf drei Wochen eingerichtet mit deinem Kajütenkoffer. Du brauchst
Wäsche, Unter – und Oberwäsche und Winterkleider, und
brauchst mehr Schuhzeug. Schließlich, auch Geld mußt du
dir kommen las-sen."
"Wenn", sagte Hans Castorp, "wenn ich das alles brauche."
"Gut, warten wir's ab. Aber wir sollten ... nein", sagte Joachim und ging in Bewegung durchs Zimmer, "wir sollten uns
keine Illusionen machen! Ich bin zu lange hier, um nicht
Be-scheid zu wissen. Wenn Behrens sagt, daß da eine rauhe
Stelle ist, beinah ein Geräusch ... Aber selbstverständlich, wir
können ja zusehen!" –
Dabei blieb es für diesmal, und vorderhand traten die
acht-und vierzehntägigen Abwandlungen des Normaltages in
ihre Rechte, – auch in seiner gegenwärtigen Lage hatte Hans
Castorp teil daran, wo nicht durch unmittelbaren Mitgenuß,
so durch Berichte, die Joachim abstattete, wenn er ihn besuchte und sich für eine Viertelstunde auf seine Bettkante setzte.
Das Teebrett, worauf man ihm am Sonntagmorgen sein
Frühstück brachte, war mit einem Blumenväschen geschmückt, Und man hatte nicht versäumt, ihm von dem Feingebäck zu schicken, das heute im Saale gereicht wurde. Später
wurde es drunten im Garten und auf der Terrasse lebendig,
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und mit Trara und Klarinettengenäsel setzte das vierzehntägige Sonntagskon-zert ein, zu dem Joachim sich bei seinem
Vetter einfand: er nahm die Darbietung bei offener Balkontür
draußen in der Lo-ge entgegen, während Hans Castorp von
seinem Bette aus, halb sitzend, den Kopf auf die Seite gelegt
und liebevoll-andächtig verschwimmenden Blickes den heraufdrängenden Harmonien lauschte, nicht ohne innerlich
achselzuckend der Redereien Set-tembrinis von der "politischen Verdächtigkeit" der Musik zu gedenken.
Im übrigen, wie wir sagten, ließ er sich von Joachim über
die Erscheinungen und Veranstaltungen dieser Tage Bericht
erstat-ten, fragte ihn aus, ob der Sonntag festliche Toiletten
gebracht habe, Spitzenmatinees oder dergleichen (für Spitzenmatinees war es jedoch zu kalt gewesen); auch ob nachmittags Wagen-fahrten stattgefunden hätten (wirklich waren
welche unternom-men worden: der Verein "Halbe Lunge"
war in corpore nach Clavadell ausgeflogen); und am Montag
verlangte er, von Dr. Krokowskis Conference zu hören, als Joachim davon zurück-kehrte und, bevor er in die Mittagsliegekur ging, bei ihm vor-sprach. Joachim zeigte sich mundfaul
und abgeneigt, über den Vortrag zu berichten, – wie ja auch
von dem vorigen weiter nicht zwischen den beiden die Rede
gewesen war. Aber Hans Castorp bestand darauf, Einzelheiten zu hören. "Ich liege hier und zahle den vollen Preis", sagte er. "Ich will auch etwas haben von dem, was geboten wird."
Er erinnerte sich an den Montag vor vierzehn Tagen, an seinen selbständigen Spaziergang, der ihm so wenig gut getan,
und gab der bestimmten Vermutung Ausdruck, daß er es eigentlich gewesen sei, der revolutionierend auf seinen Körper
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gewirkt und die still vorhandene Krankheit zum Ausbruch
gebracht habe. "Aber wie die Leute hier reden", rief er; "das
niedere Volk, – so würdig und feierlich: es klingt zuweilen
wie Poesie. 'Nun so leb' wohl und hab' Dank!<" wie-derholte
er, indem er die Sprechweise des Holzknechtes nach-ahmte.
"So habe ich es im Walde gehört, und ich vergesse es meiner
Lebtage nicht. Dergleichen verbindet sich dann mit an-deren
Eindrücken oder Erinnerungen, weißt du, und man behält es
bis an sein Lebensende im Ohr. – Und Krokowski hat also
wieder von 'Liebe' gesprochen?" fragte er und schnitt ein
Ge-sicht bei dem Wort.
"Selbstredend", sagte Joachim. "Wovon denn sonst. Es ist
ja nun einmal sein Thema."
"Was sagte er denn heute davon?"
"Ach, nichts Besonderes. Du weißt ja selbst, vom vorigen
Mal, wie er sich ausdrückt."
"Aber was gab er denn Neues zum besten?"
"Nichts weiter Neues ... Ja, es war die reine Chemie, was er
heute verzapfte", ließ Joachim sich widerstrebend herbei, zu
be-lichten. Es handelte sich "dabei" um eine Art von Vergiftung, von Selbstvergiftung des Organismus, habe Dr. Krokowski ge-sagt, die so entstehe, daß ein noch unbekannter, im
Körper ver-breiteter Stoff Zersetzung erfahre; und die Produkte dieser Zer-setzung wirkten berauschend auf gewisse
Rückenmarkszentren ein, nicht anders, als wie es sich bei der
gewohnheitsmäßigen Einführung von fremden Giftstoffen,
Morphin oder Kokain, verhalte.
"Und dann kriegt man heitere Bäckchen!" sagte Hans Castorp. "Sieh an, das ist ja hörenswert. Was der nicht alles
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weiß –. Er hat es mit Löffeln gegessen. Warte nur, eines Tages
entdeckt er dir noch den unbekannten Stoff, der im ganzen
Körper ver-breitet ist, und stellt die löslichen Gifte her, die
berauschend aufs Zentrum wirken, dann kann er die Leute
auf eine besonde-re Weise beschwipsen. Vielleicht war man
früher schon einmal so weit. Wenn man ihn hört, so könnte
man denken, daß etwas Wahres ist an den Geschichten von
Liebestränken und solchem Zeug, wovon in den Sagenbüchern die Rede ist ... Gehst du schon?"
"Ja", sagte Joachim, "ich muß unbedingt noch etwas liegen. Ich habe ansteigende Kurve seit gestern. Die Sache mit
dir hat mir doch etwas zugesetzt." –
Das war der Sonntag, der Montag. Aus Abend und Morgen
wurde der dritte Tag von Hans Castorps Aufenthalt in der
"Re-mise", ein Wochentag ohne Auszeichnung, der Dienstag.
Es war aber der Tag seiner Ankunft hier oben, er war nun
rund drei Wochen an diesem Ort, und so trieb es ihn doch,
den Brief nach Hause zu schreiben und seine Onkel wenigstens obenhin Und für den Augenblick über den Stand der
Dinge zu unterrich-ten. Sein Plumeau im Rücken, schrieb er
auf einem Briefbogen der Anstalt, daß seine Abreise von hier
sich planwidrig verzöge-re. Er liege mit einer fiebrigen Erkältung, die von Hofrat Beh-renss, übergewissenhaft, wie er wohl
sei, offenbar nicht ganz auf die leichte Achsel genommen
werde, da er sie mit seiner, des Schreibers, Konstitution überhaupt in Zusammenhang bringe.
Denn gleich bei der ersten Bekanntschaft habe der dirigierende Arzt ihn stark anämisch gefunden, und alles in allem scheine es, als ob maßgeblicherseits die von ihm, Hans
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Castorp, zu seiner Erholung angesetzte Frist nicht für recht
ausreichend erachtet werde. Weiteres ehetunlichst. – So ist es
gut, dachte Hans Castorp. Da ist kein Wort zu viel und doch
hält es auf jeden Fall eine Weile vor. – Der Brief wurde dem
Hausdiener übergeben, der ihn unter Vermeidung des Umweges über den Kasten un-mittelbar zum nächsten fahrplanmäßigen Zug beförderte.
Hiernach schien unserem Abenteurer vieles geordnet,
und mit beschwichtigtem Gemüt, wenn auch geplagt von
Husten und Schnupfendumpfheit, lebte er abwartend in den
Tag hinein, den vielfach in kurze Stückchen geteilten und in
seiner festste-henden Einförmigkeit weder kurz – noch langweiligen Normal-tag, der immer derselbe war. Morgens trat
nach mächtigem An-klopfen der Bademeister herein, ein
nerviges Individuum na-mens Turnherr, mit aufgerollten
Hemdärmeln, hochgeäderten Unterarmen und einer gurgelnden, schwer behinderten Sprech-art, der Hans Castorp,
wie alle Patienten, mit seiner Zimmer-nummer anredete und
ihn mit Alkohol abrieb. Nicht lange nach seinem Abgang erschien Joachim, fertig angezogen, um guten Morgen zu sagen,
nach seines Vetters Sieben-Uhr-früh-Tempe-ratur zu fragen
und seine eigene mitzuteilen. Während er drun-ten frühstückte, tat Hans Castorp, sein Plumeau im Rücken, mit dem
Appetit, den eine neue Lebenslage erzeugt, dasselbe –, kaum
gestört durch den geschäftig-geschäftsmäßigen Einbruch der
Ärzte, die um diese Zeit den Speisesaal passiert hatten und
ihren Rundgang durch die Zimmer der Bettlägrigen und
Mori-bunden im Geschwindschritt zurücklegten. Den Mund
voll Eingemachtem, bekundete er, "schön" geschlafen zu ha-
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ben, sah über den Rand seiner Tasse hin zu, wie der Hofrat,
der seine Fäuste auf die Platte des Mitteltisches stemmte,
rasch die dort aufliegende Fiebertabelle prüfte, und erwiderte gleichmütig ge-dehnten Tones den Morgengruß der Abziehenden. Dann zün-dete er sich eine Zigarette an und sah
Joachim schon von seinem morgendlichen Dienstgang wieder zurückkehren, wenn er kaum gedacht hatte, daß er fortgegangen sei. Wieder plauderten sie dies und das, und der
Zeit-Zwischenraum bis zum zweiten Frühstück – Joachim
hielt Liegekur unterdessen – war so kurz, daß selbst ein ausgemachter Hohlkopf und Geistesarmer es nicht zur Langeweile gebracht haben würde, – während doch Hans Castorp
an den Eindrücken seiner ersten drei Wochen hier oben
reichlich zu zehren, auch seine gegenwärtige Lebenslage und
was etwa daraus werden mochte, innerlich zu bearbeiten hatte und der beiden dicken Bände einer illustrierten Zeitschrift
kaum bedurft hätte, die, der Anstaltsbibliothek entstammend, auf seinem Nachttisch lagen.
Nichts anderes gilt für die Zeitspanne, während der Joachim seinen zweiten Gang nach Platz Davos absolvierte, ein
leichtes Stündchen. Er sprach dann wieder vor bei Hans Castorp und er-zählte von dem und jenem, was ihm im Spazieren
auffällig ge-worden, stand oder saß einen Augenblick am
Krankenbette, be-vor er in die Mittagsliegekur ging, – und
wie lange dauerte die? Nur wieder ein Stündchen! Man hatte
kaum, die Hände hinter dem Kopf gefaltet, ein wenig zur Decke geblickt und den Ge-~nken nachgehangen, so dröhnte
das Gong, das die nicht Bettlägrigen und Moribunden aufforderte, sich zur großen Mahlzeit instandzusetzen.
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Joachim ging, und es kam die "Mittagssuppe": ein einfältig
symbolischer Name für das, was kam! Denn Hans Castorp war
nicht auf Krankenkost gesetzt, – warum hätte man ihn darauf setzen sollen? Krankenkost, schmale Kost war auf keine
Art in-diziert bei seinem Zustande. Er lag hier und zahlte den
vollen Preis, und was man ihm bringt in der stehenden Ewigkeit dieser Stunde, das ist keine "Mittagssuppe", es ist das
sechsgängige Berghof-Diner ohne Abzug in aller Ausführlichkeit, – am Allta-ge üppig, am Sonntag ein Gala-, Lust –
und Parademahl, von ei-nem europäisch erzogenen Chef in
der Luxushotelküche der Anstalt bereitet. Die Saaltochter, deren Amt es war, die Bettlägrigen zu versorgen, brachte es ihm
unter vernickelten Hohldek-keln und in leckeren Tiegeln; sie
schob den Krankentisch, der sich eingefunden, dies einbeinige Wunder von Gleichgewichts-konstruktion, quer über sein
Bett vor ihn hin, und Hans Castorp tafelte wie der Sohn des
Schneiders am Tischleindeckdich.
Kaum hatte er abgespeist, so kehrte auch Joachim zurück,
und bis dieser in seine Loggia ging und die Stille der großen
Liegekur sich über Haus "Berghof" senkte, war es soviel wie
halb drei geworden. Nicht ganz, vielleicht; genau genommen
wohl erst ein Viertel über zwei. Aber solche überzählige Viertelstun-den außerhalb runder Einheiten werden nicht mitgerechnet, sondern nebenbei verschlungen, wo großzügige
Zeitwirtschaft herrscht, wie etwa auf Reisen, bei vielstündiger
Bahnfahrt oder sonst in leerem, wartendem Zustande, wenn
alles Streben und Leben aufs Hinbringen und Zurücklegen
von Zeit zurückge-führt ist. Ein Viertel über zwei Uhr – das
gilt für halb drei; es gilt in Gottes Namen auch gleich für drei
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Uhr, da schon die Drei im Spiele ist. Die dreißig Minuten
werden als Auftakt zur runden Stunde von drei bis vier Uhr
verstanden und innerlich beseitigt: so macht man es unter
solchen Umständen. Und so beschränkte sich denn die Dauer der großen Liegekur schließ-lich und eigentlich wieder auf
eine Stunde, – die übrigens an ihrem Ende vermindert, weggestutzt und gleichsam apostro-phiert wurde. Der Apostroph
war Dr. Krokowski.
Ja, Dr. Krokowski beschrieb auf seinem selbständigen
Nach-mittagsrundgang keinen Bogen mehr um Hans Castorp. Dieser zählte nun mit, er war nicht länger ein Intervall und Hiatus, er war Patient, er wurde gefragt und nicht
links liegengelassen, wie es zu seinem geheimen und leichten, aber täglich wieder emp-fundenen Ärger so lange geschehen war. Es war am Montag ge-wesen, daß Dr. Krokowski zum erstenmal im Zimmer erschie-nen war, – wir sagen
"erschienen", denn das ist das rechte Wort für den sonderbaren und sogar etwas entsetzlichen Eindruck, dessen Hans
Castorp sich damals nicht hatte erwehren können. Er hatte
im Halb – oder Viertelschlummer gelegen, als er auf-schreckend gewahrte, daß der Assistent im Zimmer war, ohne
durch die Tür hereingelangt zu sein, und von der Außenseite her auf ihn zuschritt. Denn sein Weg war nicht über den
Korri-dor, sondern durch die äußeren Loggien gewesen,
und durch die offene Balkontür war er eingetreten, so daß
sich die Vorstel-lung aufdrängte, als sei er durch die Lüfte
gekommen. Da hatte er nun jedenfalls an Hans Castorps Lager gestanden, schwarz-bleich, breitschultrig und stämmig,
der Apostroph der Stunde, und in seinem geteilten Bart wa-
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