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Файл:Der Zauberberg. Vol. 1
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DER ZAUBERBERG
des Reisenden und Hospitanten, der sich gegen keinen Eindruck ver-härtet und die Dinge an sich herankommen läßt,
in dem Be-wußtsein, daß er morgen oder übermorgen wieder
die Flügel lüften und in die gewohnte Ordnung zurückkehren wird: – et-was wie eine Gewissensvorschrift also, und
zwar, um genau zu sein, die Vorschrift und Mahnung eines
irgendwie schlechten Gewissens, bestimmte ihn, dem Italiener zuzuhören, ein Bein über das andere geschlagen und an
seiner Maria Mancini zie-hend, oder wenn sie zu dritt vom
Englischen Viertel gegen den Berghof emporstiegen.
Nach Settembrinis Anordnung und Darstellung lagen
zwei Prinzipien im Kampf um die Welt: die Macht und das
Recht, die Tyrannei und die Freiheit, der Aberglaube und das
Wissen, das Prinzip des Beharrens und dasjenige der gärenden Bewe-gung, des Fortschritts. Man konnte das eine das asiatische Prinzip, das andere aber das europäische nennen,
denn Europa war das Land der Rebellion, der Kritik und der
umgestaltenden Tä-tigkeit, während der östliche Erdteil die
Unbeweglichkeit, die untätige Ruhe verkörperte. Gar kein
Zweifel, welcher der bei-den Mächte endlich der Sieg zufallen würde, – es war die der Aufklärung, der vernunftgemäßen Vervollkommnung. Denn immer neue Völker raffte die
Menschlichkeit auf ihrem glän-zenden Wege mit fort, immer
mehr Erde eroberte sie in Europa selbst und begann nach Asien vorzudringen. Doch fehlte noch viel an ihrem vollen Siege, und noch große und edelmütige Anstrengungen waren
von den Wohlgesinnten, von denen, welche das Licht erhalten hatten, zu machen, bis nur erst der Tag kam, wo auch in
den Ländern unseres Erdteils, die in Wahrheit weder ein
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achtzehntes Jahrundert noch ein 1789 erlebt hatten, die Monarchien und Religionen zusammenstürzen würden. Aber
dieser Tag werde kommen, sagte Settembrini und lächelte
fein unter seinem Schnurrbart, – er werde, wenn nicht auf
Tau-benfüßen, so auf Adlerschwingen kommen und anbrechen als die Morgenröte der allgemeinen Völkerverbrüderung im Zei-chen der Vernunft, der Wissenschaft und des
Rechtes; die heili-ge Allianz der bürgerlichen Demokratie
werde er bringen, das leuchtende Gegenstück zu jener dreimal infamen Allianz der Fürsten und Kabinette, deren persönlicher Todfeind Großvater Giuseppe gewesen, – mit einem Worte die Weltrepublik. Zu diesem Endziele aber war
vor allem erforderlich, das asiatische, das knechtische Prinzip
der Beharrung im Mittelpunkt und Le-bensnerv seines Widerstandes zu treffen, nämlich in Wien. Österreich gelte es
aufs Haupt zu schlagen und zu zerstören, einmal um Rache
zu nehmen für Vergangenes und dann, um die Herrschaft des
Rechtes und Glückes auf Erden in die Wege zu leiten.
Diese letzte Wendung und Schlußfolgerung von Settembrinis wohllautenden Ergießungen interessierte Hans Castorp
nun gar nicht mehr, sie mißfiel ihm, ja berührte ihn peinlich
wie eine persönliche oder nationale Verbissenheit, sooft sie
wieder-kehrte, – von Joachim Ziemßen zu schweigen, der,
wenn der Italiener in dieses Fahrwasser geriet, mit verfinsterten Brauen den Kopf abwandte und nicht mehr zuhörte, auch
wohl zum Kurdienste mahnte oder das Gespräch abzulenken
suchte. Auch Hans Castorp fühlte sich nicht gehalten, solchen Abwegigkeiten Aufmerksamkeit zu schenken, – offenbar lagen sie außer der Grenze dessen, wovon versuchsweise
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sich beeinflussen zu lassen eine Gewissensvorschrift ihn
mahnte, und zwar so vernehmbar mahnte, daß er selbst, wenn
Herr Settembrini sich zu ihnen setzte oder im Freien sich ihnen anschloß, ihn aufforderte, sich über seine Ideen zu äußern.
Diese Ideen, Ideale und Willensstrebungen, bemerkte
Settembrini, seien Familienüberlieferung in seinem Hause.
Denn alle drei hätten sie ihnen ihr Leben und ihre Geisteskräfte ge-widmet, der Großvater, Vater und Enkel, ein jeder
nach seiner Art: der Vater nicht weniger als der Großvater
Giuseppe, ob-gleich er nicht, wie dieser, ein politischer Agitator und Frei-heitskämpfer, sondern ein stiller und zarter Gelehrter, ein Humanist an seinem Pulte gewesen sei. Was aber
sei denn der Hu-manismus? Liebe zum Menschen sei er,
nichts weiter, und da-mit sei er auch Politik, sei er auch Rebellion gegen alles, was die Idee des Menschen besudele und
entwürdige. Man habe ihm eine übertriebene Schätzung der
Form zum Vorwurf gemacht; aber auch die schöne Form pflege er lediglich um der Würde des Menschen willen, im glänzenden Gegensatze zum Mittelal-ler, das nicht allein in Menschenfeindschaft und Aberglauben, sondern auch in
schimpfliche Formlosigkeit versunken gewesen sei, und von
allem Anbeginn habe er die Sache des Menschen, die irdischen Interessen, habe er Gedankenfreiheit und Lebens-freude verfochten und dafür gehalten, daß der Himmel billig den
Spatzen zu überlassen sei. Prometheus! Er sei der erste Humanist gewesen, und er sei identisch mit jenem Satanas, auf
den Carducci seine Hymne gedichtet... Ach, mein Gott, die
Vet-tern hätten den alten Kirchenfeind zu Bologna gegen die
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christ-liche Empfindsamkeit der Romantiker sollen sticheln
und wet-tern hören! Gegen Manzonis heilige Gesänge! Gegen die Schat-ten – und Mondscheinpoesie des Romanticismo, den er der "bleichen Himmelsnonne Luna" verglichen
habe! Per Baccho, es sei ein Hochgenuß gewesen! Und hören
sollen hätten sie auch, wie er, Carducci, Dante ausgelegt habe, – als Bürger einer Großstadt habe er ihn gefeiert, der gegen Askese und Weltver-neinung die Tatkraft, die umwälzende und weltverbessernde, verteidigt habe. Denn nicht
den kränklichen und mystagogi-schen Schatten der Beatrice
habe der Dichter mit dem Namen der "Donna gentile e pietosa" geehrt; so heiße vielmehr seine Gattin, die im Gedicht
das Prinzip der diesseitigen Erkenntnis, der praktischen Lebensarbeit verkörpere ...
Da hatte Hans Castorp nun auch dies und das über Dante
ge-hört, und zwar aus bester Quelle. Ganz fest verließ er sich
nicht darauf, in Anbetracht der Windbeutelei des Vermittlers; aber hörenswert war immerhin, daß Dante ein geweckter
Großstäd-ter gewesen sei. Und dann hörte er weiter zu, wie
Settembrini von sich selber sprach und erklärte, in seiner, des
Enkels Lodo-vico, Person nun aber hätten die Tendenzen seiner unmittelba-ren Vorfahren, die staatsbürgerliche des
Großvaters und die hu-manistische des Vaters, sich vereinigt,
indem er nämlich ein Li-terat, ein freier Schriftsteller geworden sei. Denn die Literatur sei nichts anderes als eben dies: sie
sei die Vereinigung von Hu-manismus und Politik, welche
sich um so zwangloser vollziehe, als ja Humanismus selber
schon Politik und Politik Humanis-mus sei ... Hier horchte
Hans Castorp auf und gab sich Mühe, es recht zu verstehen;
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denn er durfte nun hoffen, Bierbrauer Magnussens ganze
Unbelehrtheit einzusehen und zu erfahren, inwiefern die Literatur denn doch noch etwas anderes sei als "schöne Charaktere". Ob, fragte Settembrini, seine Zuhörer je von Herrn
Brunetto gehört hätten, Brunetto Latini, Stadtschrei-ber von
Florenz um 1250, der ein Buch über die Tugenden und Laster
geschrieben? Dieser Meister zuerst habe den Florentinern
Schliff gegeben und sie das Sprechen gelehrt sowie die Kunst,
ihre Republik nach den Regeln der Politik zu lenken. "Da haben Sie es, meine Herren!» rief Settembrini. «Da haben Sie
es!» Und er sprach vom «Worte», vom Kultus des Wortes, der
Elo-quenz, die er den Triumph der Menschlichkeit nannte.
Denn das Wort sei die Ehre des Menschen, und nur dieses
mache das 1 eben menschenwürdig. Nicht nur der Humanismus, – Hu-manität überhaupt, alle Menschenwürde, Menschenachtung und menschliche Selbstachtung sei untrennbar mit dem Worte, mit Literatur, verbunden – ("Siehst du
wohl", sagte Hans Castorp später zu seinem Vetter, "siehst du
wohl, daß es in der Literatur auf die schönen Worte ankommt? Ich habe es gleich gemerkt") und so sei auch die Politik mit ihr verbunden, oder vielmehr: sie gehe hervor aus dem
Bündnis, der Einheit von Humanität und Literatur, denn das
schöne Wort erzeuge die schöne Tat. "Sie hatten in Ihrem
Lande", sagte Settembrini, "vor zweihun-dert Jahren einen
Dichter, einen prächtigen alten Plauderer, der großes Gewicht auf eine schöne Handschrift legte, weil er meinte, daß
eine solche zum schönen Stile führe. Er hätte ein wenig weiter gehen sollen und sagen, daß ein schöner Stil zu schönen
Handlungen führe." Schön schreiben, das heiße beina-he
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auch schon schön denken, und von da sei nicht weit mehr
zum schönen Handeln. Alle Sittigung und sittliche Vervoll-kommnung entstamme dem Geiste der Literatur, diesem
Geiste der Menschenehre, welcher zugleich auch der Geist
der Humanität und der Politik sei. Ja, dies alles sei eins, sei ein
und dieselbe Macht und Idee, und in einen Namen könne
man es zusammenfassen. Wie dieser Name laute? Nun, dieser
Name letze sich aus vertrauten Silben zusammen, deren Sinn
und Ma-jestät die Vettern aber gewiß so recht noch niemals
begriffen lullen, – er laute: Zivilisation! Und indem Settembrini dies Wort von den Lippen ließ, warf er seine kleine Rechte empor, wie jemand, der einen Toast ausbringt.
Dies alles fand der junge Hans Castorp hörenswert, zwar
un-verbindlicherweiseund mehr zum Versuch, doch hörenswert auf alle Fälle fand er, daß es sei, und sprach sich in diesem Sinne auch gegen Joachim Ziemßen darüber aus, der
aber gerade das Thermometer im Munde hatte und also nur
undeutlich antwor-ten konnte, danach auch allzu beschäftigt
war, die Ziffer abzule-sen und in die Tabelle einzutragen, um
sich zu Settembrinis Aspekten äußern zu können. Hans Castorp, wie wir sagten, nahm gutwillig Kenntnis davon und öffnete ihnen zur Prüfung sein Inneres: woraus vor allem erhellt, wie vorteilhaft der wa-chende Mensch sich von dem
blöde träumenden unterscheidet, – als welcher Hans Castorp
Herrn Settembrini schon mehrmals ins Gesicht hinein einen
Drehorgelmann geschimpft und ihn aus allen Kräften von
der Stelle zu drängen versucht hatte, weil er "hier störe"; als
Wachender aber hörte er ihm höflich und aufmerksam zu
und suchte rechtlich gesinnt die Widerstände auszugleichen
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und niederzuhalten, die sich gegen des Mentors Anordnungen und Darstellungen in ihm erheben wollten. Denn daß
gewisse Widerstände in seiner Seele sich regten, soll nicht geleugnet werden: es waren solche, die von früher her,
ur-sprünglich und immer schon darin vorhanden gewesen,
wie auch solche, die sich aus der gegenwärtigen Sachlage besonders ergaben, aus seinen teils mittelbaren, teils verschwiegenen Er-lebnissen bei Denen hier oben.
Was ist der Mensch, wie leicht betrügt sich doch sein Gewis-sen! Wie versteht er es, noch aus der Stimme der Pflicht
die Er-laubnis zur Leidenschaft herauszuhören! Aus Pflichtgefühl, um der Billigkeit, des Gleichgewichts willen hörte
Hans Castorp Herrn Settembrini zu und prüfte wohlmeinend
seine Aspekte über die Vernunft, die Republik und den schönen Stil, bereit, sich davon beeinflussen zu lassen. Desto statthafter aber fand er es hinterdrein, seinen Gedanken und
Träumen wieder in ande-rer, in entgegengesetzter Richtung
freien Lauf zu lassen, – ja, um unseren ganzen Verdacht oder
unsere ganze Einsicht auszu-sprechen, so hatte er wohl gar
Herrn Settembrini nur zu dem Zwecke gelauscht, von seinem
Gewissen einen Freibrief zu er-langen, den es ihm ursprünglich nicht hatte ausfertigen wollen. Was oder wer aber befand
sich auf dieser anderen, dem Patrio-tismus, der Menschenwürde und der schönen Literatur entge-gengesetzten Seite,
wohin Hans Castorp sein Sinnen und Be-treiben nun wieder
lenken zu dürfen glaubte? Dort befand sich ... Clawdia
Chauchat, – schlaff, wurmstichig und kirgisen-äugig; und indem Hans Castorp ihrer gedachte (übrigens ist "gedenken"
ein allzu gezügelter Ausdruck für seine Art, sich ihr innerlich
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zuzuwenden), war es ihm wieder, als säße er im Kahn auf jenem holsteinischen See und blicke aus der glasigen Tages-helle des westlichen Ufers vexierten und geblendeten Auges hinüber in die nebeldurchsponnene Mondnacht der östlichen
Himmel.
DAS THERMOMETER
Hans Castorps Woche lief hier von Dienstag bis Dienstag,
denn an einem Dienstag war er ja angekommen. Daß er im
Bureau seine zweite Wochenrechnung beglichen hatte, lag
schon ein paar Tage zurück, – die bescheidene Wochenrechnung von rund 160 Franken, bescheiden und billig nach seinem Urteil, selbst wenn man die Unbezahlbarkeiten des hiesigen Aufenthalts, eben ihrer Unbezahlbarkeit wegen,
überhaupt nicht in Anschlag brachte, auch nicht gewisse
Darbietungen, die wohl berechenbar gewesen wären, wenn
man gewollt hätte, wie zum Exempel die vierzehntägige Kurmusik und die Vorträge Dr. Krokowskis, sondern allein und
ausschließlich die eigentliche Bewirtung und gasthausmäßige
Leistung, das bequeme Logis, die fünf überge-waltigen Mahlzeiten.
"Es ist nicht viel, es ist eher billig, du kannst nicht klagen,
daß man dich überfordert hier oben", sagte der Hospitant zu
"lern Eingesessenen. "Du brauchst also rund 650 Franken
den Monat für Wohnung und Essen, und dabei ist ja die ärztliche Behandlung schon inbegriffen. Gut. Nimm an, du wirfst
im Monat noch dreißig Franken für Trinkgelder aus, wenn du
an-ständig bist und Wert legst auf freundliche Gesichter. Das
sind 680 Franken. Gut. Du wirst mir sagen, daß es noch Spe-
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sen und Sportein gibt. Man hat Auslagen für Getränke, für
Kosmetik, für Zigarren, man macht mal einen Ausflug, eine
Wagenfahrt, wenn du willst, und dann und wann gibt es eine
Schuster – oder Schneiderrechnung. Gut, aber bei alldem
bringst du mit dem besten Willen noch keine tausend Franken im Monat unter! Noch keine achthundert Mark! Das sind
noch keine 10 000 Mark im Jahr. Mehr ist es auf keinen Fall.
Davon lebst du."
"Kopfrechnen lobenswert", sagte Joachim. "Ich wußte gar
nicht, daß du so gewandt darin bist. Und daß du gleich die
Jah-reskalkulation aufstellst, das finde ich großzügig von dir,
ent-schieden hast du schon etwas gelernt hier oben. Übrigens
rech-nest du zu hoch. Ich rauche ja keine Zigarren, und Anzüge hoffe ich mir hier auch nicht machen lassen zu müssen,
ich danke!"
"Also sogar noch zu hoch", sagte Hans Castorp etwas
ver-wirrt. Aber wie es nun gekommen sein mochte, daß er seinem Vetter Zigarren und neue Anzüge in Rechnung gestellt
hatte, – was sein behendes Kopfrechnen betraf, so war das
nichts weiter als Blendwerk und Irreführung über seine natürlichen Gaben. Denn wie in allen Stücken, war er auch
hierin eher langsam und bar des Feuers, und seine rasche
Übersicht in diesem Falle war keine Stegreifleistung, sondern
beruhte auf Vorbereitung, und zwar auf schriftlicher Vorbereitung, indem nämlich Hans Castorp eines Abends während
der Liegekur (denn er legte sich abends nun doch hinaus, da
alle es taten) eigens von seinem vorzügli-chen Liegestuhl aufgestanden war, um sich, einem plötzlichen Einfall folgend,
aus dem Zimmer Papier und Bleistift zum Rechnen zu holen.
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Damit hatte er denn festgestellt, daß sein Vetter, oder vielmehr, daß man überhaupt hier alles in allem 12 000 Franken
pro Jahr benötige und sich zum Spaße innerlich klargemacht,
daß er für seine Person dem Leben hier oben wirt-schaftlich
mehr als gewachsen sei, da er sich als einen Mann von
18-19 000 Franken jährlich betrachten durfte.
Seine zweite Wochenrechnung also war vor drei Tagen
ge-gen Dank und Quittung geregelt worden, was so viel heißen will, wie daß er sich mitten in der dritten und planmäßig
letzten Woche seines Aufenthaltes hier oben befand. Am
kommenden Sonntag würde er noch eines der vierzehntägig
wiederkehren-den Kurkonzerte hier miterleben und am
Montag noch einem der ebenfalls vierzehntägig sich wiederholenden Vorträge Dr. Krokowskis beiwohnen, – sagte er zu
sich selbst und zu seinem Vetter; am Dienstag oder Mittwoch
aber würde er reisen und Joachim wieder allein hier zurücklassen, den armen Joachim, dem Rhadamanth noch wer weiß
wie viele Monate zudiktiert hatte, und dessen sanfte, schwarze Augen sich jedesmal wehmü-tig verschleierten, wenn von
Hans Castorps rapid heranrücken-der Abreise die Rede war.
Ja, großer Gott, wo war diese Ferien-zeit geblieben! Verronnen, verflogen, enteilt, – man wußte wahrhaftig nicht recht
zu sagen, wie. Es waren doch schließlich einundzwanzig Tage
gewesen, die sie hatten miteinander verle-ben sollen, eine
lange Reihe, nicht leicht zu übersehen am An-fang. Und nun
waren auf einmal nur noch drei, vier geringfügi-ge Tage davon übrig, ein wenig beträchtlicher Restbestand, et-was beschwert allerdings durch die beiden periodischen Ab-wandlungen des Normaltages, aber schon erfüllt von Pack – und
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