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ivanov666
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Файл:Der Zauberberg. Vol. 1
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DER ZAUBERBERG
in bezug auf Hans Castorps Person und sein Innenleben als
passend und zulässig zu erachten; aber wir erinnern daran,
daß er sich als ein junger Mann von Ver-nunft und Gewissen
auf den Anblick und die Nähe Frau Chau-chats nicht einfach
"freuen" konnte und, da wir es wissen müssen, stellen wir fest,
daß er dies Wort, wenn man es ihm ange-boten hätte, achselzuckend verworfen haben würde.
Ja, er wurde hochnäsig gegen gewisse Ausdrucksmittel, –
das ist eine Einzelheit, die angemerkt zu werden verdient. Er
ging umher, indes seine Wangen in trockener Hitze standen,
und sang vor sich hin, sang in sich hinein, denn sein Befinden
war musikalisch und sensitiv. Er summte ein Liedchen, das er,
wer weiß wo und wann, in einer Gesellschaft oder bei einem
Wohl-tätigkeitskonzert einmal von einer kleinen Sopranstimme gehört und jetzt in sich vorgefunden hatte, – einen
sanften Un-sinn, der anfing:
"Wie berührt mich wundersam
Oft ein Wort von dir",
und er war im Begriffe, hinzuzusetzen:
"Das von deiner Lippe kam
Und zum Herzen mir!" –
als er plötzlich die Achseln zuckte, "lächerlich" sagte und das
zarte Liedchen als abgeschmackt und läppisch empfindsam
ver-warf und von sich wies, – es mit einer gewissen Melancholie und Strenge von sich wies. An solchem innigen Lied-
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chen mochte irgendein junger Mann Genüge und Gefallen
finden, der "sein Herz", wie man zu sagen pflegt, erlaubter-,
friedli-cher – und aussichtsreicherweise irgendeinem gesunden Gäns-chen dort unten im Flachlande "geschenkt" hatte
und sich nun leinen erlaubten, aussichtsreichen, vernünftigen und im Grunde vergnügten Empfindungen überließ. Für
ihn und sein Verhältnis zu Madame Chauchat – das Wort
"Verhältnis" kommt auf seine Rechnung, wir lehnen die Verantwortung dafür ab – schickte sich ein solches Gedichtchen
entschieden nicht; in seinem Lie-gestuhl fand er sich bewogen, das ästhetische Urteil "albern!" darüber zu fällen und
brach in der Mitte ab, indem er die Nase rümpfte, obgleich er
nichts Geeigneteres dafür einzusetzen wußte.
Eins aber bereitete ihm Genugtuung, wenn er lag und auf
sein Herz, sein körperliches Herz achtete, das rasch und
ver-nehmlich in der Stille pochte, – der vorschriftsmäßigen
Haus-ordnungsstille, die während der Haupt – und Schlafliegekur über dem ganzen "Berghof" waltete. Es pochte hartnäckig und vor-dringlich, sein Herz, wie es das fast beständig tat,
seitdem er hier oben war; doch nahm Hans Castorp neuerdings weniger Anstoß daran als in den ersten Tagen. Man
konnte jetzt nicht mehr sagen, daß es auf eigene Hand, grundlos und ohne Zu-sammenhang mit der Seele klopfte. Ein solcher Zusammenhang war vorhanden oder doch unschwer
herzustellen; eine rechtfer-tigende Gemütsbewegung ließ
sich der exaltierten Körpertätig-keit zwanglos unterlegen.
Hans Castorp brauchte nur an Frau Chauchat zu denken –
und er dachte an sie – , so besaß er zum Herzklopfen das zugehörige Gefühl.
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AUFSTEIGENDE ANGST VON DEN BEIDEN
GRO
ßVATERN UND DER KAHNFAHRT
IM ZWIELICHT
Das Wetter war spottschlecht, – in dieser Beziehung hatte
Hans Castorp kein Glück mit seinem flüchtigen Aufenthalt
in diesen Gegenden. Es schneite nicht gerade, aber es regnete
tagelang schwer und häßlich, dicke Nebel erfüllten das Tal,
und Gewitter von lächerlicher Überflüssigkeit – denn es war
ohnehin so kalt, daß man im Speisesaal sogar geheizt hatte –
entluden sich mit umständlich ausrollendem Widerhall.
"Schade", sagte Joachim. "Ich hatte gedacht, wir wollten
mal mit dem Frühstück auf die Schatzalp oder sonst etwas unterneh-men. Aber es scheint, es soll nicht sein. Hoffentlich
wird deine letzte Woche besser."
Aber Hans Castorp antwortete:
"Laß nur. Ich brenne gar nicht auf Unternehmungen.
Meine erste ist mir nicht sonderlich bekommen. Ich erhole
mich am besten, wenn ich so in den Tag hineinlebe, ohne viel
Abwechslung. Abwechslung ist für die Langjährigen. Aber ich
mit mei-nen drei Wochen, was brauche ich Abwechslung."
So war es, er fühlte sich ausgefüllt und beschäftigt an Ort
und Stelle. Wenn er Hoffnungen hegte, so blühten Erfüllung
wie Enttäuschung ihm hier, und nicht auf irgendeiner
Schatzalp. Langeweile war es nicht, was ihn plagte; im Gegenteil begann er zu fürchten, das Ende seines Aufenthalts möchte allzu be-schwingt erscheinen. Die zweite Woche schritt
vor, zwei Drittel seiner Zeit würden bald abgelebt sein, und
brach erst das dritte an, so dachte man schon an den Koffer.
Die erste Auffrischung von Hans Castorps Zeitsinn war
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längst vorbei; schon begannen die Tage dahinzufliegen, und
das taten sie, obgleich jeder ein-elne von ihnen sich in immer
erneuter Erwartung dehnte und von stillen, verschwiegenen
Erlebnissen schwoll ... Ja, die Zeit ist ein rätselhaftes Ding, es
hat eine schwer klarzustellende Be-wandtnis mit ihr!
Wird es nötig sein, jene verschwiegenen Erlebnisse, die
Hans Castorps Tage zugleich beschwerten und beschwingten,
näher zu kennzeichnen? Aber jedermann kennt sie, es waren
durchaus die gewöhnlichen in ihrer sensiblen Nichtigkeit,
und in einem vernünftiger und aussichtsreicher gelagerten
Fall, auf den das abgeschmackte Liedchen "Wie berührt mich
wundersam" an-wendbar gewesen wäre, hätten sie sich auch
nicht anders abspie-len können.
Unmöglich, daß Madame Chauchat von den Fäden, die
sich von einem gewissen Tische zu ihrem spannen, nicht irgend etwas hätte bemerken sollen; und daß sie etwas, ja möglichst viel davon bemerkte, lag zügelloserweise durchaus in
Hans Castorps Absichten. Wir nennen das zügellos, weil er
sich über die Ver-– ftwidrigkeit seines Falles völlig im klaren
war. Aber um wen es steht, wie es um ihn stand oder zu stehen begann, der will, daß man drüben von seinem Zustande
Kenntnis habe, auch wenn kein Sinn und Verstand bei der
Sache ist. So ist der Mensch.
Nachdem also Frau Chauchat sich zwei – oder dreimal
zufällig oder unter magnetischer Einwirkung beim Essen
nach jenem lisch umgewandt hatte und jedesmal den Augen
Hans Castorps begegnet war, blickte sie zum viertenmal mit
Vorbedacht hin-über und begegnete seinen Augen auch diesmal. In einem fünf-ten Fall ertappte sie ihn zwar nicht unmit-
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telbar; er war gerade nicht auf dem Posten. Doch fühlte er es
sofort, daß sie ihn an-sah, und blickte ihr so eifrig entgegen,
daß sie sich lächelnd ab-wandte. Mißtrauen und Entzücken
erfüllten ihn angesichts dieses Lächelns. Wenn sie ihn für
kindlich hielt, so täuschte sie sich. Sein Bedürfnis nach Verfeinerung war bedeutend. Bei sechster Gelegenheit, als er
ahnte, spürte, die innere Kunde ge-wann, daß sie herüberblickte, tat er, als betrachte er mit ein-dringlichem Mißfallen
eine finnige Dame, die an seinen Tisch getreten war, um mit
der Großtante zu plaudern, hielt eisern durch, wohl zwei
oder drei Minuten lang, und gab nicht nach, bis er sicher war,
daß die Kirgisenaugen dort drüben von ihm abgelassen hatten, – eine wunderliche Schauspielerei, die Frau Chauchat
nicht nur durchschauen mochte, sondern ausdrücklich
durchschauen sollte, damit Hans Castorps große Feinheit und
Selbstbeherrschung sie nachdenklich stimme ... Es kam zu
fol-gendem. In einer Eßpause wandte Frau Chauchat sich
nachlässig um und musterte den Saal. Hans Castorp war auf
dem Posten gewesen: ihre Blicke trafen sich. Indes sie einander ansehen – die Kranke unbestimmt spähend und spöttisch, Hans Castorp mit erregter Festigkeit (er biß sogar die
Zähne zusammen, wäh-rend er ihren Augen standhielt) –
will ihr die Serviette entfal-len, ist im Begriffe, ihr vom Schoße zu Boden zu gleiten. Ner-vös zusammenzuckend greift sie
danach, aber auch ihm fährt es in die Glieder, es reißt ihn
halbwegs vom Stuhle empor, und blindlings will er über acht
Meter Raum hinweg und um einen zwischenstehenden Tisch
herum ihr zu Hilfe stürzen, als würde es eine Katastrophe bedeuten, wenn die Serviette den Boden er-reichte ... Knapp
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über dem Estrich wird sie ihrer noch habhaft. Aber aus ihrer
gebückten Haltung, überquer zu Boden geneigt, die Serviette
am Zipfel und mit verfinsterter Miene, offenbar ärgerlich
über die unvernünftige kleine Panik, der sie unterle-gen und
an der sie ihm, wie es scheint, die Schuld gibt, – blickt sie
noch einmal nach ihm zurück, bemerkt seine Sprungstellung,
seine emporgerissenen Brauen und wendet sich lächelnd ab.
Über dies Vorkommnis triumphierte Hans Castorp bis
zur, Ausgelassenheit. Jedoch blieb der Rückschlag nicht aus,
denn Madame Chauchat wandte sich nun volle zwei Tage
lang, also während der Dauer von zehn Mahlzeiten, überhaupt nicht mehr nach dem Saale um, ja, unterließ es sogar,
sich bei ihrem Ein-tritt, wie es sonst ihre Gepflogenheit gewesen, dem Publikum zu "präsentieren". Das war hart. Aber da
diese Unterlassungen sich ganz ohne Zweifel auf ihn bezogen, so war eine Beziehung eben doch deutlich vorhanden,
wenn auch in negativer Gestalt; und das mochte genügen.
Er sah wohl, daß Joachim vollständig recht gehabt hatte
mit seiner Bemerkung, es sei gar nicht leicht, hier Bekanntschaft zu machen, außer mit Tischgenossen. Denn während
der einzigen knappen Stunde nach dem Diner, in der eine gewisse Gesellig-keit regelmäßig statthatte, die aber oft auf
zwanzig Minuten zusammenschrumpfte, saß Madame
Chauchat ohne Ausnahme mit ihrer Umgebung, dem hohlbrüstigen Herrn, der humoristi-schen Wollhaarigen, dem stillen Dr. Blumenkohl und den hän-geschultrigen Jünglingen,
im Hintergrunde des kleinen Salons, der dem "Guten Russentisch" vorbehalten schien. Auch drängte Joachim stets bald
zum Aufbruch, um die Abendliegekur nicht zu verkürzen, wie
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er sagte, und vielleicht noch aus anderen diä-tetischen Gründen, die er nicht anführte, die aber Hans Castorp ahnte und
achtete. Wir erhoben den Vorwurf der Zügellosigkeit gegen
ihn, aber wohin seine Wünsche nun immer gehen moch-ten,
die gesellschaftliche Bekanntschaft mit Frau Chauchat war es
nicht, was er anstrebte, und mit den Umständen, die dagegen
wirkten, war er im Grunde einverstanden. Die unbestimmt
ge-spannten Beziehungen, die sein Schauen und Betreiben
zwi-schen ihm und der Russin hergestellt hatten, waren außergesell-schaftlicher Natur, sie verpflichteten zu nichts und
durften zu nichts verpflichten. Denn ein beträchtliches Maß
von gesell-schaftlicher Ablehnung vertrug sich wohl mit ihnen, auf seiner Seite, und die Tatsache, daß er den Gedanken
an "Clawdia" dem Klopfen seines Herzens unterlegte, genügte
bei weitem nicht, den Enkel Hans Lorenz Castorps in der
Überzeugung wankend EU machen, daß er mit dieser Fremden, die ihr Leben getrennt von ihrem Mann und ohne Trauring am Finger an allen mögli-chen Kurorten verbrachte, sich
mangelhaft hielt, die Tür hinter sich zufallen ließ, Brotkugeln
drehte und zweifellos an den Fin-gern kaute, – daß er, sagen
wir, in Wirklichkeit, das heißt: über jene geheimen Beziehungen hinaus, nichts mit ihr zu schaffen haben könne, daß tiefe
Klüfte ihre Existenz von der seinen trennten, und daß er vor
keiner Kritik, die er anerkannte, mit ihr bestehen würde. Einsichtigerweise war Hans Castorp ganz ohne persönlichen
Hochmut; aber ein Hochmut allgemeiner und weiter hergeleiteter Art stand ihm ja auf der Stirn und um die etwas schläfrig blickenden Augen geschrieben, und aus ihm entsprang das
Überlegenheitsgefühl, dessen er sich beim An-blick von Frau
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Chauchats Sein und Wesen nicht entschlagen konnte noch
wollte. Es war sonderbar, daß er sich dieses weit-läufigen
Überlegenheitsgefühls besonders lebhaft und vielleicht überhaupt zum erstenmal bewußt wurde, als er Frau Chauchat eines Tages Deutsch sprechen hörte, – sie stand, beide Hände in
den Taschen ihres Sweaters, nach Schluß einer Mahlzeit im
Saa-le, und mühte sich, wie Hans Castorp im Vorübergehen
wahr-nahm, im Gespräch mit einer anderen Patientin, einer
Liegehal-lengenossin wahrscheinlich, auf übrigens reizende
Art um die deutsche Sprache, Hans Castorps Muttersprache,
wie er mit plötzlichem und nie gekanntem Stolze empfand, –
wenn auch nicht ohne gleichzeitige Neigung, diesen Stolz
dem Entzücken aufzuopfern, womit ihr anmutiges Stümpern
und Radebrechen ihn erfüllte. Mit einem Worte: Hans Castorp sah in seinem stillen Verhältnis zu dem nachlässigen
Mitgliede Derer hier oben ein Ferienabenteuer, das vor dem
Tribunal der Vernunft – seines eigenen vernünftigen Gewissens – keinerlei Anspruch auf Billigung erheben konnte:
hauptsächlich deshalb nicht, weil Frau Chauchat ja krank war,
schlaff, fiebrig und innerlich wurmstichig, ein Umstand, der
mit der Zweifelhaftigkeit ihrer Gesamtexistenz nahe zusammenhing und auch an Hans Castorps Vorsichts – und Abstandsgefühlen stark beteiligt war ... Nein, ihre wirkliche Bekanntschaft zu suchen, kam ihm nicht in den Sinn, und was
das andere betraf, so würde es ja in andert-halb Wochen, wenn
er bei Tunder & Wilms in die Praxis trat, wohl oder übel folgenlos beendet sein.
Vorderhand allerdings stand es so mit ihm, daß er angefan-gen hatte, die Gemütsbewegungen, Spannungen, Erfül-
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lungen und Enttäuschungen, die ihm aus seinen zarten Beziehungen zu der Patientin erwuchsen, als den eigentlichen
Sinn und Inhalt seines Ferienaufenthaltes zu betrachten,
ganz ihnen zu leben und seine Laune von ihrem Gedeihen
abhängig zu machen. Die Umstände leisteten ihrer Pflege den
wohlwollendsten Vor-schub, denn man lebte bei feststehender und jedermann bin-dender Tagesordnung auf beschränktem Raum beieinander, und wenn auch Frau Chauchat in einem anderen Stockwerk – im er-sten – zu Hause war (sie
hielt übrigens ihre Liegekur, wie Hans Castorp von der Lehrerin hörte, in einer gemeinsamen Liege-halle, nämlich der,
die sich auf dem Dache befand, derselben, in der Hauptmann
Miklosich neulich das Licht abgedreht hatte), so war doch allein schon durch die fünf Mahlzeiten, aber auch sonst auf
Schritt und Tritt, vom Morgen bis zum Abend die Möglichkeit, ja Unumgänglichkeit der Begegnung gegeben. Und auch
dies, ebenso wie das andere, daß keine Sorgen und Mühen die
Aussicht versperrten, fand Hans Castorp famos, wenn auch
solches Eingesperrtsein mit dem günstigen Ungefähr zugleich etwas Beklemmendes hatte.
Doch half er sogar noch ein bißchen nach, rechnete und
stell-te seinen Kopf in den Dienst der Sache, um das Glück zu
ver-bessern. Da Frau Chauchat gewohnheitsmäßig verspätet
zu Ti-sche kam, so legte er es darauf an, ebenfalls zu spät zu
kommen, um ihr unterwegs zu begegnen. Er versäumte sich
bei der Toilette, war nicht fertig, wenn Joachim eintrat, um
ihn abzuholen, ließ den Vetter vorangehen und sagte, er käme gleich nach. Be-ulen von dem Instinkt seines Zustandes,
wartete er einen ge-wissen Augenblick ab, der ihm der richti-
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ge schien, und eilte ins erste Stockwerk hinab, wo er nicht die
Treppe benutzte, die die Fortsetzung derjenigen bildete, die
ihn herabgeführt hatte, son-dern den Korridor fast bis ans
Ende, bis zur anderen Treppe ver-folgte, die einer längst bekannten Zimmertür – es war die von N r. 7 – nahegelegen
war. Auf diesem Wege, den Korridor ent-lang, von einer Treppe zur anderen, bot sozusagen jeder Schritt eine Chance, denn
jeden Augenblick konnte die bewußte Tür sich öffnen, – und
das tat sie wiederholt: krachend fiel sie hin-ter Frau Chauchat
zu, die für ihre Person lautlos hervorgetreten war und lautlos
zur Treppe glitt ... Dann ging sie vor ihm her und stützte das
Haar mit der Hand, oder Hans Castorp ging vor ihr her und
fühlte ihren Blick in seinem Rücken, wobei er ein Reißen in
den Gliedern sowie ein Ameisenlaufen den Rücken hinunter
verspürte, in dem Wunsche aber, sich vor ihr aufzu-spielen,
so tat, als wisse er nichts von ihr und führe sein Einzel-leben
in kräftiger Unabhängigkeit, – die Hände in die Rockta-schen
grub und ganz unnötigerweise die Schultern rollte oder sich
heftig räusperte und sich dabei mit der Faust vor die Brust
schlug, – alles, um seine Unbefangenheit zu bekunden.
Zweimal trieb er die Abgefeimtheit noch weiter. Nachdem
er am Eßtisch schon Platz genommen, sagte er bestürzt und
ärgerlich, indem er sich mit beiden Händen betastete: "Da,
ich habe mein Taschentuch vergessen! Jetzt heißt es, sich
noch ein-mal hinaufbequemen." Und er ging zurück, damit
er und "Clawdia" einander begegneten, was denn doch noch
etwas ande-res, gefährlicher und von schärferen Reizen war,
als wenn sie vor oder hinter ihm ging. Das erstemal, als er dies
Manöver ausgeführt, maß sie ihn zwar aus einiger Entfernung
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