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Файл:Der Zauberberg. Vol. 1
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VIERTES KAPITEL
NOTWENDIGER EINKAUF
"J etzt ist euer Sommer zu Ende?" fragte Hans Castorp am
drit-ten Tag ironisch seinen Vetter ...
Es war ein schrecklicher Wettersturz.
Der zweite Tag, den der Hospitant vollständig hier oben
ver-lebt hatte, war prächtig-sommerlich gewesen. Tiefblau
leuchtete der Himmel über den lanzenartigen Wipfeltrieben
der Fichten, während die Ortschaft im Talgrunde grell in der
Hitze schim-merte und das Geläut der Kühe, die umherwandelnd das kurze, erwärmte Mattengras der Lehnen rupften,
heiter beschaulich die Lüfte erfüllte. Die Damen waren schon
zum ersten Frühstück in zarten Waschblusen erschienen, einige sogar mit durchbroche-nen Ärmeln, was nicht alle gleich
gut gekleidet hatte, – Frau Stöhr zum Beispiel kleidete es entschieden schlecht, ihre Arme waren zu schwammig. Duftigkeit der Kleidung eignete sich nun einmal nicht für sie. Auch
die Herrenwelt des Sanatoriums hatte der schönen Witterung
auf verschiedene Weise in ihrem Äuße-ren Rechnung getragen. Lüsterjacken und leinene Anzüge waren aufgetaucht,
und Joachim Ziemßen hatte elfenbeinfarbene Flanellhosen
zu seinem blauen Rock getragen, eine Zusammen-stellung,
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THOMAS MANN
die seiner Erscheinung ein vollständig militärisches Gepräge
verlieh. Was Settembrini betraf, so hatte er zwar wie-derholt
das Vorhaben geäußert, den Anzug zu wechseln. "Teu-fel!"
hatte er gesagt, als er nach dem Lunch mit den Vettern in den
Ort hinunterpromenierte, "wie die Sonne brennt! Ich sehe,
ich werde mich leichter kleiden müssen." Aber trotzdem es
ge-wählt ausgedrückt war, hatte er nach wie vor seinen langen Flaus mit den großen Aufschlägen und seine gewürfelten
Bein-kleider anbehalten, – wahrscheinlich war das alles, was
er an Garderobe besaß.
Am dritten Tage jedoch war es genau, als ob die Natur zu
Falle gebracht und jede Ordnung auf den Kopf gestellt würde;
Hans Castorp traute seinen Augen nicht. Es war nach der
Hauptmahlzeit, und man befand sich seit zwanzig Minuten
in der Liegekur, als die Sonne sich eilig verbarg, häßlich torfbrau-nes Gewölk über die südöstlichen Kämme heraufzog
und ein Wind von fremder Luftbeschaffenheit, kalt und das
Gebein er-schreckend, als käme er aus unbekannten, eisigen
Gegenden, plötzlich durch das Tal fegte, die Temperatur umstürzte und ein ganz neues Regiment eröffnete.
"Schnee", sagte Joachims Stimme hinter der Glaswand.
"Was meinst du mit 'Schnee'?" fragte Hans Castorp darauf. "Du willst doch nicht sagen, daß es jetzt schneien wird?"
"Sicher", antwortete Joachim. "Den Wind, den kennen
wir. Wenn der kommt, dann gibt es Schlittenbahn."
"Unsinn!" sagte Hans Castorp. "Wenn mir recht ist, so
schreiben wir Anfang August."
Aber Joachim hatte wahr gesprochen, eingeweiht, wie er
war in die Verhältnisse. Denn binnen wenigen Augenblicken
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DER ZAUBERBERG
setzte unter wiederholten Gewitterschlägen ein gewaltiges
Schneetrei-ben ein, – ein Gestöber, so dicht, daß alles in weißen Dampf gehüllt erschien und man von Ortschaft und Tal
fast nichts mehr erblickte.
Es schneite den ganzen Nachmittag fort. Die Zentralheizung ward angezündet, und während Joachim seinen Pelzsack in Be-nutzung nahm und sich im Kurdienste nicht stören ließ, flüch-tete sich Hans Castorp in das Innere seines
Zimmers, rückte ei-nen Stuhl an die erwärmten Röhren und
blickte von dort unter häufigem Kopfschütteln in das Unwesen hinaus. Am nächsten Morgen schneite es nicht mehr; aber
obgleich das Außenther-mometer einige Wärmegrade zeigte,
war der Schnee doch fuß-hoch liegengeblieben, so daß eine
vollkommene Winterland-schaft sich vor Hans Castorps verwunderten Blicken ausbreitete. Man hatte die Heizung wieder ausgehen lassen. Die Zimmer-temperatur betrug sechs
Grad über Null.
"Ist jetzt euer Sommer zu Ende?" fragte Hans Castorp seinen Vetter mit bitterer Ironie ...
"Das kann man nicht sagen", erwiderte Joachim sachlich.
"Will's Gott, so wird es noch schöne Sommertage geben.
Selbst im September ist das noch sehr wohl möglich. Aber die
Sache ist die, daß die Jahreszeiten hier nicht so sehr voneinander ver-schieden sind, weißt du, sie vermischen sich sozusagen und hal-ten sich nicht an den Kalender. Im Winter ist
oft die Sonne so stark, daß man schwitzt und den Rock auszieht beim Spazierengehen, und im Sommer, nun, das siehst
du ja schon, wie es im Sommer hier manchmal ist. Und dann
der Schnee – er bringt alles durcheinander. Es schneit im Ja-
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nuar, aber im Mai nicht viel weniger, und im August schneit
es auch, wie du bemerkst. Im ganzen kann man sagen, daß
kein Monat vergeht, ohne daß es schneit, das ist ein Satz, an
dem man festhalten kann. Kurz, es gibt Wintertage und Sommertage und Frühlings – und Herbstta-ge, aber so richtige
Jahreszeiten, die gibt es eigentlich nicht bei uns hier oben."
"Das ist ja eine schöne Konfusion", sagte Hans Castorp. Er
ging in Überschuhen und Winterpaletot mit seinem Vetter
in den Ort hinab, um sich Decken für die Liegekur zu besorgen, denn es war klar, daß er bei dieser Witterung mit seinem
Plaid nicht auskommen werde. Vorübergehend erwog er sogar, ob er nicht zum Kauf eines Pelzsackes schreiten solle,
nahm dann aber Abstand davon, ja, schreckte gewissermaßen
vor dem Gedanken zurück.
"Nein, nein", sagte er, "bleiben wir bei den Decken! Ich
werde unten schon wieder Verwendung für sie haben, und
Decken hat man ja überall, es ist weiter nichts so Besonderes
oder Auf-regendes dabei. Aber so ein Pelzsack ist etwas gar zu
Spezielles, versteh mich recht, wenn ich mir einen Pelzsack
anschaffe, käme ich mir selber vor, als ob ich mich hier häuslich niederlassen wollte und schon gewissermaßen zu euch
gehörte ... Kurz, ich will nichts weiter sagen, als daß es ja absolut nicht lohnen wür-de, für die paar Wochen eigens einen
Pelzsack zu kaufen."
Joachim stimmte dem zu, und so erstanden sie denn in
ei-nem hübschen, reichhaltigen Geschäft des Englischen
Viertels zwei solche Kamelhaardecken, wie Joachim sie hatte,
ein beson-ders langes und breites, angenehm weiches Fabrikat in Naturfar-be, und gaben Order, daß sie sofort ins Sana-
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DER ZAUBERBERG
torium gesandt werden sollten, ins Internationale Sanatorium "Berghof", Zim-mertür 34. Gleich heute nachmittag
wollte Hans Castorp sie zum erstenmal in Gebrauch nehmen.
Natürlich war es um die Zeit nach dem zweiten Frühstück, denn sonst bot die Tagesordnung keine Gelegenheit, in
den Ort hinunterzugehen. Es regnete jetzt, und der Schnee
auf den Stra-ßen hatte sich in spritzenden Eisbrei verwandelt.
Auf dem Heimwege holten sie Settembrini ein, welcher unter
einem Re-genschirm, wenn auch barhäuptig, ebenfalls dem
Sanatorium zustrebte. Der Italiener sah gelb aus und befand
sich ersichtlich in elegischer Stimmung. In reinen und wohlgeformten Worten jammerte er über die Kälte, die Nässe, unter der er so bitter litt. Wenn wenigstens geheizt würde! Aber
diese elenden Machtha-ber ließen die Heizung ja ausgehen,
sobald es zu schneien auf-höre, – eine stumpfsinnige Regel,
ein Hohn auf alle Vernunft! Und als Hans Castorp einwandte, er denke sich, daß eine mäßi-ge Zimmertemperatur wohl
zu den Kurprinzipien gehöre, – man wolle einer Verwöhnung der Patienten offenbar damit vorbeugen, da antwortete
Settembrini mit dem heftigsten Spott. Ei, in der Tat, die Kurprinzipien. Die hehren und unantastbaren Kurprinzipien!
Hans Castorp spreche wahrhaftig in dem richti-gen Tone von
ihnen, nämlich in dem der Religiosität und der Unterwürfigkeit. Nur auffallend – wenn auch in einem durch-aus erfreulichen Sinne auffallend – , daß gerade diejenigen unter ihnen
so unbedingte Verehrung genössen, die mit den ökono-mischen Interessen der Gewalthaber genau übereinstimmten, –
während man denen gegenüber, bei denen dies weniger zutref-fe, ein Auge zuzudrücken geneigt sei ... Und während die
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THOMAS MANN
Vet-tern lachten, kam Settembrini auf seinen verstorbenen
Vater zu sprechen, im Zusammenhang mit der Wärme, nach
der er sich sehnte.
"Mein Vater", sagte er gedehnt und schwärmerisch, –"er
war ein so feiner Mann, – empfindlich am Körper wie an der
Seele! Wie liebte er im Winter sein kleines, warmes Studierstübchen, von Herzen liebte er es, stets mußten zwanzig Grad
Réaumur darin herrschen, vermöge eines rotglühenden Öfchens, und wenn man an naßkalten Tagen oder an solchen,
wenn der schneidende Tramontanawind ging, vom Flure des
Häuschens her eintrat, so legte die Wärme sich einem wie ein
linder Mantel um die Schultern, und die Augen füllten sich
mit wohligen Tränen. Vollgepfropft war das Stübchen mit Büchern und Handschriften, worunter sich große Kostbarkeiten
befanden, und zwischen den Geistesschätzen stand er in seinem Schlafrock aus blauem Flanell am schmalen Pult und
widmete sich der Li-teratur, – zierlich und klein von Person,
einen guten Kopf klei-ner als ich, stellen Sie sich vor! aber mit
dicken Büscheln aus grauem Haar an den Schläfen und einer
Nase, so lang und fein ... Welch ein Romanist, meine Herren!
Einer der Ersten seiner Zeit, ein Kenner unserer Sprache wie
wenige, ein lateinischer Stilist wie sonst keiner mehr, ein uomo letterato nach Boccaccios Herzen ... Von weither kamen
die Gelehrten, um sich mit ihm zu besprechen, der eine aus
Haparanda, ein anderer aus Krakau, sie kamen ausdrücklich
nach Padua, unserer Stadt, um ihm Hochachtung zu erweisen, und er empfing sie mit freundlicher Würde. Auch ein
Dichter von Distinktion war er, welcher in seinen Mußestunden Erzählungen in der elegante – sten toskanischen Prosa
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verfaßte, – ein Meister des idioma gen-tile", sagte Settembrini
mit äußerstem Genuß, indem er die hei-matlichen Silben
langsam auf der Zunge zergehen ließ und den Kopf dabei hin
und her bewegte. "Sein Gärtchen baute er nach dem Beispiele
Virgils", fuhr er fort, "und was er sprach, war ge-sund und
schön. Aber warm, warm mußte er es haben in seinem Stübchen, sonst zitterte er und konnte wohl Tränen vergie-ßen
vor Ärger, daß man ihn frieren ließ. Und nun stellen Sie sich
vor, Ingenieur, und Sie, Leutnant, was ich, der Sohn meines
Vaters, an diesem verdammten und barbarischen Orte leiden
muß, wo der Körper im hohen Sommer vor Kälte zittert und
erniedrigende Eindrücke beständig die Seele foltern! Ach, es
ist hart! Welche Typen, die uns umgeben! Dieser närrische
Teufels-knecht von Hofrat Krokowski" – und Settembrini
tat, als müsse er sich die Zunge zerbrechen –"Krokowski, dieser schamlose Beichtvater, der mich haßt, weil meine Menschenwürde mir verbietet, mich zu seinem pfäffischen Unwesen herzugeben ... Und an meinem Tische ... Welche
Gesellschaft, in der ich zu speisen gezwungen bin! Zu meiner
Rechten sitzt ein Bierbrauer aus Halle – Magnus ist sein Name – mit einem Schnurrbart, der einem Heubündel ähnelt.
'Lassen Sie mich mit der Literatur in Ruhe!' sagt er. 'Was bietet sie? Schöne Charaktere! Was fang' ich mit schönen Charakteren an! Ich bin ein praktischer Mann, und schöne Charaktere kommen im Leben fast gar nicht vor.' Dies ist die
Vorstellung, die er sich von der Literatur gebildet hat. Schöne
Charaktere ... o Mutter Gottes! Seine Frau, ihm gegenüber,
sitzt da und verliert Eiweiß, während sie mehr und mehr in
Stumpfsinn versinkt. Es ist ein schmutziger Jammer ..."
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Ohne daß sie sich miteinander verständigt hätten, waren
Joachim und Hans Castorp eines Sinnes über diese Reden: sie
fan-den sie wehleidig und unangenehm aufrührerisch, freilich auch unterhaltsam, ja bildend in ihrer kecken und wortscharfen Aufsässigkeit. Hans Castorp lachte gutmütig über
das "Heubündel" und auch über die "schönen Charaktere",
oder vielmehr über die drollig verzweifelte Art, in der Settembrini davon sprach. Dann sagte er:
"Gott, ja, die Gesellschaft ist wohl ein bißchen gemischt in
so einer Anstalt. Man kann sich die Tischnachbarn nicht aussuchen, – wohin sollte denn das auch führen. An unserem
Tisch sitzt auch so eine Dame ... Frau Stöhr, – ich denke mir,
daß Sie sie kennen? Mörderlich ungebildet ist sie, das muß
man ja sagen, und manchmal weiß man nicht recht, wo man
hinsehen soll, wenn sie so plappert. Und dabei klagt sie sehr
über ihre Tempe-ratur und daß sie so schlaff ist, und ist wohl
leider gar kein ganz leichter Fall. Das ist so sonderbar, –
krank und dumm – , ich weiß nicht, ob ich mich richtig ausdrücke, aber mich mutet es ganz eigentümlich an, wenn einer
dumm ist und dann auch noch krank, wenn das so zusammenkommt, das ist wohl das Trübseligste auf der Welt. Man
weiß absolut nicht, was man für ein Gesicht machen soll,
denn einem Kranken möchte man doch Ernst und Achtung
entgegenbringen, nicht wahr, Krank-heit ist doch gewissermaßen etwas Ehrwürdiges, wenn ich so sagen darf. Aber wenn
nun immer die Dummheit dazwischen kommt mit 'Fomulus'
und 'kosmische Anstalt' und solchen Schnitzern, da weiß
man wahrhaftig nicht mehr, ob man wei-nen oder lachen soll,
es ist ein Dilemma für das menschliche Gefühl und so kläg-
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lich, daß ich es gar nicht sagen kann. Ich meine, es reimt sich
nicht, es paßt nicht zusammen, man ist nicht gewohnt, es sich
zusammen vorzustellen. Man denkt, ein dummer Mensch
muß gesund und gewöhnlich sein, und Krankheit muß den
Menschen fein und klug und besonders machen. So denkt
man es sich in der Regel. Oder nicht? Ich sage da wohl mehr,
als ich verantworten kann", schloß er. "Es ist nur, weil wir zufällig darauf kamen ..." Und er verwirrte sich.
Auch Joachim war etwas verlegen, und Settembrini
schwieg mit erhobenen Augenbrauen, indem er sich den Anschein gab, als warte er aus Höflichkeit das Ende der Rede ab.
In Wirklich-keit hatte er es darauf abgesehen, Hans Castorp
erst völlig aus dem Konzept kommen zu lassen, bevor er antwortete:
"Sapristi, Ingenieur, Sie legen da philosophische Gaben an
den Tag, deren ich mich gar nicht von Ihnen versehen hätte!
Ihrer Theorie zufolge müßten Sie weniger gesund sein, als Sie
sich den Anschein geben, da sie offenbar Geist besitzen. Erlau-ben Sie mir aber, Ihnen zu bemerken, daß ich Ihren Deduktio-nen nicht folgen kann, daß ich sie ablehne, ja ihnen in
wirkli-cher Feindseligkeit gegenüberstehe. Ich bin, wie Sie
mich da se-hen, ein wenig unduldsam in geistigen Dingen
und lasse mich lieber einen Pedanten schelten, als daß ich
Ansichten unbe-kämpft ließe, die mir so bekämpfenswert
scheinen wie die von Ihnen entwickelten ..."
"Aber, Herr Settembrini ..."
"Ge-statten Sie mir ... Ich weiß, was Sie sagen wollen. Sie
wollen sagen, daß Sie es so ernst nicht gemeint haben, daß die
von Ihnen vertretenen Anschauungen nicht ohne weiteres
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die Ihren sind, sondern daß Sie gleichsam nur eine der möglichen und in der Luft schwebenden Anschauungen aufgriffen,
um sich unverantwortlicherweise einmal darin zu versuchen.
So ent-spricht es Ihrem Alter, welches männlicher Entschlossenheit noch entraten und vorderhand mit allerlei Standpunkten Versu-che anstellen mag. Placet experiri", sagte er,
indem er das c von "placet" weich, nach italienischer Mundart sprach. "Ein guter Satz. Was mich stutzig macht, ist eben
nur die Tatsache, daß Ihr Experiment sich gerade in dieser
Richtung bewegt. Ich bezweif-le, daß hier Zufall waltet. Ich
befürchte das Vorhandensein einer Neigung, die sich charaktermäßig zu befestigen droht, wenn man ihr nicht entgegentritt. Darum fühle ich mich verpflichtet, Sie zu korrigieren.
Sie äußerten, Krankheit und Dummheit ge-paart sei das
Trübseligste auf der Welt. Ich kann Ihnen das zuge-ben. Auch
mir ist ein geistreicher Kranker lieber als ein schwindsüchtiger Dummkopf Aber mein Protest beginnt, wenn Sie Krankheit mit Dummheit im Verein gewissermaßen als einen Stilfehler betrachten, als eine Geschmacksverirrung der Na-tur
und ein Dilemma für das menschliche Gefühl, wie Sie sich
aus-zudrücken beliebten. Wenn Sie Krankheit für etwas so
Vorneh-mes und – wie sagten Sie doch – Ehrwürdiges zu halten scheinen, daß sie sich mit Dummheit schlechterdings
nicht zusammen-reimt. Dies war ebenfalls Ihr Ausdruck. Nun
denn, nein! Krankheit ist durchaus nicht vornehm, durchaus
nicht ehrwürdig, – diese Auffassung ist selbst Krankheit oder
sie führt dazu. Viel-leicht rufe ich am sichersten Ihren Abscheu gegen sie wach, wenn ich Ihnen sage, daß sie betagt und
häßlich ist. Sie rührt aus abergläubisch zerknirschten Zeiten
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