Добавил:
Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:

Немецкий язык (магистратура). Учебное пособие

.pdf
Скачиваний:
0
Добавлен:
12.08.2026
Размер:
771 Кб
Скачать

Prüfverfahren, was seine Kenntnisse wirklich wert sind. Immerhin soll ein bekannt gewordener Gesetzentwurf aus dem Bundesbildungsministerium diese Situation ändern. Wie Staatssekretär Schütte sagte, «unser Ziel sei es, diese Potenziale endlich zu heben».

Wie nie zuvor werden die in Deutschland lebenden Migranten umworben. Jeder dritte Schüler hat heute einen Migrationshintergrund. Zu viele dieser jungen Menschen verpassen in Schule den Anschluss. Mehr als ein Drittel hat keine abgeschlossene Ausbildung. In dieser Tabelle werden Bildungsabschlüsse von Menschen mit Migrationshintergrund und Deutschen im Alter zwischen 25 und 65 Jahren verglichen. Das Hauptproblem besteht darin, dass viele Zuwanderer auch in dritter Generation schlecht bis gar kein Deutsch sprechen. Nun sollen die 2005 bundesweit eingeführten Integrationskursen helfen. In bis zu 900 Unterrichtsstunden lernen die Zuwanderer Deutsch und bekommen einen Schnellkurs in Geschichte, Landeskunde und Recht. Seit der Einführung haben rund eine halbe Million Migranten den Kurs besucht. Das deutsche Handwerk will diesen jungen Leuten helfen, über die anschließende berufliche Ausbildung in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Würde die Qualifizierungslücke zwischen Deutschen und Migranten halbiert, so die Experten, könnte der Staat bis 2050 jährlich allein rund 39 Milliarden Euro mehr an Steuern bekommen.

Die Zeiten, in denen potenzielle Arbeitskräfte ohne Hoffnung Runden drehten, sind vorbei. Das gilt auch für Azubis. Ausbildungsboni machen den Unternehmen heute selbst sogenannte Altbewerber interessant. Bis zu 6 000 Euro bekommen Ausbildungsbetriebe für ihr Engagement. 34 500 Jugendliche haben bereits einen Antrag gestellt. Zusätzlich will das Programm der Einstiegsqualifizierung ausbildungsunreife Jugendliche für die Lehre fit machen.

TEXT 11. «INNERE» MÖGLICHKEITEN

DES DEUTSCHEN ARBEITSMARKTES

Unternehmen, die den Härtefällen bis zu ein Jahr lang Grundlegendes für eine Ausbildung vermitteln, bekommen einen monatli-

161

chen Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit. Rund 40 Prozent derer, die eine Qualifizierung durchliefen, erhielten im Anschluss einen Ausbildungsplatz. Mehr als zwei Drittel fanden ihn kurz danach.

Ältere Arbeitnehmer sind für die Wirtschaft wieder interessant geworden. Auch die Politik hat umgedacht. So war die Rente mit

67 die mutigste Sozialreform der großen Koalition. Das bedeutet, dass ab 2030 rund zwei Millionen Menschen mehr im erwerbstätigen Alter sein werden. Die Experten schätzen, dass im Jahr 2030 auch den Unternehmen durch die Erhöhung der Altersgrenzen vermutlich zwischen 1,2 und gut drei Millionen Erwerbspersonen zusätzlich zur Verfügung stehen.

Jahrelang hatten viele Betriebe ihre Belegschaften auf Kosten der Sozialkassen reduziert und sich von reiferen Beschäftigten getrennt. Nach den Frühverrentungsexzessen der Achtzigerund frühen Neunzigerjahren war die Beschäftigungsquote der 55bis 64-Jährigen im Jahr 1997 auf magere 38 % abgesackt. Nach einer neuen Auflistung der Deutschen Rentenversicherung gehen heutzutage die Beschäftigten durchschnittlich mit 63,5 Jahren in Rente – vor zehn Jahren lag der Wert bei 62,2 Jahren. Seit 2005 ist der Anteil der 60bis 64-Jährigen, die weiter ihrem Job nachgehen, um zwölf Prozentpunkte auf inzwischen 40 % gestiegen. Dieser Trend wird angehalten, meinen die Experten. Die angeführte Tabelle zeigt, dass Deutschland auch im internationalen Vergleich bei der Beschäftigungsquote von Älteren aufholt. Um die Erwerbstätigenquote älterer Arbeitnehmer zu erhöhen, ist auch deren Weiterbildung wichtig. In diesem Bereich tut Deutschland noch zu wenig. Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigt, dass sich nur 21 % der Mitarbeiter über 55 Jahre im Betrieb weiterbilden.

Nur 65,2 % aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland gehen einer bezahlten Arbeit nach, das ist allenfalls Durchschnitt in Europa. Über Jahre gab die Politik auch hier falsche Anreize. Das Ehegattensplitting etwa hat nie die Familie gefördert, sondern nur die Alleinverdienerehe. Außerdem ist es arbeitspolitisch nicht sinnvoll, qualifizierte Frauen in die Hausfrauenrolle zu drängen. Laut einer spektakulären Studie, die vor drei Jahren von Goldman Sachs vorgelegt worden war,

162

könnte das Bruttosozialprodukt in Deutschland um 9 % höher ausfallen, wenn genauso viele Frauen wie Männer auf dem Arbeitsmarkt vertreten sind. Die deutsche Regierung will deswegen einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz für unter Dreijährige einführen. Bis 2013 soll es bundesweit für 35 % Plätze geben. Die bessere Betreuung würde laut des Deutschen Instituts für Wirtschaft dazu führen, das mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt drängen – und nebenbei auch mehr Kinder bekommen.

Abschließend muss nochmals betont werden, dass Deutschland seine Suche nach bestmöglichen inneren Lösungen des Fachkräftemangels intensivieren muss, um ihre bereits vorhandenen Arbeitsreserven effizienter zu nutzen.

TEXT 12. DEUTSCHE ZUWANDERUNGSPOLITIK:

GESCHICHTE UND PERSPEKTIVEN

In meinem Beitrag möchte ich auf die Problematik der deutschen Zuwanderungspolitik eingehen. Derzeit tobt in der Politik und der Gesellschaft eine neue Einwanderungsdebatte. Es geht unter anderem auch darum, inwieweit sich ausländische Fachkräfte an der Weiterentwicklung der deutschen Wirtschaft beteiligen können. Jahrzehntelang schwankten Bundesregierungen zwischen einer Politik der offenen Tür und einer Abschottung gegenüber Zuwanderern.

Ohne Zuwanderung wäre der wirtschaftliche Aufstieg Deutschlands undenkbar gewesen. Es begann mit der großen innerdeutschen Migration: Von 1945 bis 1961 verließen 3,5 Millionen Menschen das Gebiet der DDR in Richtung Westen – und unter den Flüchtlingen vor dem realen Sozialismus waren überdurchschnittlich viele Akademiker und Fachkräfte. Nach dem Mauerbau im August 1961 gewann die zweite Einwanderungswelle an Dynamik. Nun kamen „Gastarbeiter“ aus Südeuropa, weil die deutsche Industrie ihren Personalbedarf nicht mehr decken konnte. Das Qualifikationsniveau war allerdings meist niedrig, gefragt waren nicht Ingenieure, sondern Fließbandarbeiter. Die Bundesregierung schloss Anwerbeabkommen mit acht Staaten, das erste mit Italien 1955, das letzte 1968 mit Jugos-

163

lawien. 1960 gab es 330 000 ausländische Arbeitnehmer in Deutschland. 1973 stellten sie mit 2,6 Millionen schon über zehn Prozent aller Beschäftigten; die Mehrheit kam inzwischen aus der Türkei. Ende 1973 reagierte die deutsche Regierung auf die erste Ölkrise mit einem Anwerbestopp.

Heute geht es im weltweiten Anwerbekampf nicht mehr um Schichtarbeiter, sondern um Höchstund hoch Qualifizierte. Das Fachkräfteproblem in Deutschland bleibt ungelöst, auch wegen des Versagens der Bildungspolitik. Nach einer Untersuchung der OECD lag Deutschland beim Anteil der Hochschulabsolventen 1970 noch auf Platz neun unter 30 Industriestaaten – 2008 reichte es nur noch zu Platz 23. Problematisch war und ist das für schnell wachsende Branchen. Ende der Neunzigerjahre etwa traf es die boomende Informationstechnologie. Im Jahre 2000 versprach der damalige Kanzler Gerhard Schröder, an die 30 000 IT-Experten nach Deutschland zu holen

– und erfand die deutsche Greencard. Im Gegensatz zu der erfolgreichen US-Greencard lief das ähnliche deutsche Vorhaben nach nur fünf Jahren aus. Laut diesem Programm sollte der erwünschte Spezialist Deutschland in absehbarer Zeit wieder verlassen. Zudem gab es die Arbeitserlaubnis nur für IT-Experten, die einen einschlägigen Hochschulabschluss oder ein Jahreseinkommen von mindestens 50 000 Euro vorweisen konnten. Das lief an den Bedürfnissen vieler kleiner IT-Firmen vorbei. Schließlich wurde der Zuzug auf höchstens 20 000 Personen beschränkt, was gebildeten Zuwanderungskandidaten den Eindruck vermittelte, in Deutschland seien sie bestenfalls als Notlösung für ein temporäres Arbeitsmarktproblem. Tatsächlich kamen dann 17 000 Fachleute. Viele von ihnen waren Absolventen deutscher Hochschulen, denen das damalige Ausländerrecht die Möglichkeit versperrte, in Deutschland auf Dauer zu bleiben.

TEXT 13. GESELLSCHAFTLICHE DISKUSSION ÜBER QUALIFIZIERTE ZUWANDERUNG

Die meisten diplomierten Ingenieure oder Chemiker aus Nicht-EU-Staaten mussten nach dem Examen ihre Koffer packen. Und

164

das, obwohl, wie die Experten behaupten, „Zuwanderung per Studium der Königsweg sei“. Dass die Gaststudenten in der Regel gut Deutsch konnten und auf Staatskosten ausgebildet waren, interessierte niemanden.

Heute dürfen die hoch Qualifizierten immerhin ein Jahr bleiben, um sich einen Job zu suchen. Vorrangprüfung und Mindestgehaltsgrenzen wurden für sie 2007 offiziell abgeschafft. Fast 26 000 der sogenannten Bildungsausländer schaffen pro Jahr ihren Abschluss in Deutschland. Aber arbeiten dürfen sie ohne Arbeitserlaubnis der Ausländerbehörde nur 90 Tage. Ausgedehnte Praktika als Mittel der Jobsuche sind schwierig. Im Ergebnis blieben 2009 nur 4820 Absolventen tatsächlich, um einen Job anzutreten.

Derzeit bleibt die Zuwanderung von Fachkräften gesetzlich begrenzt. Die Bundesregierung lässt keine Änderungen bei der Zuwanderung zu. Das führt z.B. dazu, dass 2009 weniger als 150 hoch qualifizierte Migranten eine unbegrenzte Niederlassungserlaubnis in Deutschland erhalten haben. Viele Migrationsexperten behaupten, dass ein gewaltiges Fachkräftepotenzial dadurch verschenkt wird.

Das Zuwanderungsgesetz von 2004 erlaubt es Unternehmen, IT-Fachkräfte und seit Anfang 2009 auch andere Akademiker im Ausland anzuwerben, wenn sich keine passenden Einheimischen finden. Es darf aber keine staatliche Werbeprämie für umworbene ausländische Fachleute ausgezahlt werden. Bislang wird von Zuwanderern ein viel zu hohes Mindesteinkommen von 66 000 Euro gefordert. Das erreichen selbst Akademiker in den ersten Berufsjahren kaum. Selbstverständlich kann das nicht als eine echte Einwanderung und Aufenthalt auf Dauer sowie Erwerb der Staatsangehörigkeit angesehen werden. Das bedeutet auch einen Standortnachteil gegenüber anderen Industrieländern.

Die Migrationsexperten fordern ein transparentes und steuerndes Bewertungssystem für qualifizierte Zuwanderer. Ähnlich wie Kanada und Australien muss man eine nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ermittelte Zahl erwünschter Dauer-Einwanderer festsetzen. Grundlage ist dabei ein Punktesystem, bei dem etwa gute Schulabschlüsse und Sprachkenntnisse die Chancen der Kandidaten verbes-

165

sern. Menschen mit erforderlichen beruflichen Qualifikationen erhalten dann ein Maximum an Punkten, was eine unkomplizierte Zuwanderung möglich macht.

Die Experten glauben, dass es für Deutschland angesichts der ungünstigen demografischen Entwicklung ziemlich problematisch sein wird, nur aufgrund eigener unausgeschöpfter Potenziale den Fachkräftemangel zu beheben. Es müssen deswegen nicht nur die breite Diskussion über qualifizierte Zuwanderung fortgesetzt, sondern auch entsprechende politische Entscheidungen möglichst schnell getroffen werden. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist es dabei, Deutschland für ausländische Fachkräfte immer attraktiver zu machen.

TEXT 14. PLASTE

Die rasche Entwicklung der Industrie und die bessere Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Gebrauchsgütern erfordern immer mehr die Anwendung neuartiger Werkstoffe. Unter diesen Werkstoffen, den Plasten oder Kunststoffen, versteht man makromolekulare organische Verbindungen, die synthetisch oder durch Umwandlung von Naturprodukten hergestellt werden. Sie sind unter bestimmten Bedingungen plastisch oder haben bei ihrer Herstellung den plastischen Zustand durchlaufen.

Die Plaste besitzen eine Reihe von günstigen technischen Eigenschaften, die den traditionellen Werkstoffen (Metall, Holz, Glas, Porzellan, Zement, Leder, Papier) teilweise fehlen. Sie haben z. B. eine geringe Dichte, ein gutes Isolationsvermögen für Wärme und Elektrizität und eine hohe Korrosionsbeständigkeit. Außerdem sind sie geschmacksund geruchsfrei, gut verformbar und leicht zu färben.

Die plastischen Werkstoffe können oft vielseitiger verarbeitet werden als die Naturstoffe. Sie lassen sich spanlos verformen durch Gießen, Pressen, Walzen, Schneiden und Schweißen. Man kann sie fräsen, hobeln, drehen und sägen.

Die Plaste können rein, gefärbt oder mit Füllstoffen verarbeitet werden. Als Füllstoffe werden Holzmehl, Textilreste, Korkpulver und Asbest verwendet. Dadurch erhalten die Plaste eine größere Fes-

166

tigkeit. Mehrere plastische Massen lassen sich aus dem flüssigen Zustand verspinnen.

Die Plaste teilt man nach der Herstellungsart oder nach den physikalischen Eigenschaften der Stoffe. Nach der Herstellungsart unterscheidet man abgewandelte Naturstoffe und vollsynthetische Stoffe.

Bei der Herstellung der abgewandelten Naturstoffe wird die makromolekulare Struktur nur wenig verändert. Zu diesen Produkten zählen z. B. der Kunststoff Galalith, das Zelluloid und der Gummi. Galalith wird aus Eiweißstoffen, Zelluloid aus Zellulose und Gummi aus Kautschuk hergestellt.

Bei der Herstellung vollsynthetischer Stoffe vereinigen sich niedermolekulare Verbindungen zu Makromolekülen. Auf diese Weise entstehen Stoffe wie Bakelit, Dederon und Perlon.

Nach den physikalischen Eigenschaften teilt man die Plaste in Duroplaste und Thermoplaste ein. Duroplaste können durch Erhitzen gehärtet werden. Thermoplaste sind nicht härtbar und werden beim Erwärmen weich.

TEXT 15. PLASTE – WERKSTOFFE DER ZUKUNFT

Plaste setzen sich in der ganzen Welt durch. Überall werden diese Stoffe erzeugt, überall verwendet. Sie sind auf der Baustelle und im Büro, im Kraftfahrzeug und im Flugzeug sowie auch zu Hause zu finden. Bei den Kunststoffen handelt es sich um Verbindungen, die nirgends in der Natur vorhanden sind. Reine Metalle kommen in der Natur nur selten vor. Kautschuk und Holz sind häufiger zu treffen. Kunststoffe aber gibt es nirgends. Sie sind ausschließlich das Werk des Chemikers, des Menschen, und werden aus billigen organischen und anorganischen Stoffen wie Kohle, Erdöl, Erdgas und Mineralsalzen hergestellt. Schon heute gibt es eine Vielzahl von solchen Stoffen, die die Naturstoffe zu ersetzen haben, und von Jahr zu Jahr wird es mehr geben. In vielen Beziehungen haben die Kunststoffe sogar bessere Eigenschaften als andere Werkstoffe. Plaste sind leicht, weil sie ein geringes spezifisches Gewicht haben. Buntmetalle und Stahl sind

167

fünfbis zehnmal schwerer als sie. Das ermöglicht ihren Einsatz in verschiedenen Industriezweigen. Vor allem ist hier die Flugzeugindustrie zu nennen. Aber auch die Kraftfahrzeugindustrie, der Maschinenbau und der Schiffbau sind nicht zu vergessen. Dank der großen chemischen Beständigkeit der Plaste lassen sich daraus z.B. viele Geräte der chemischen Großindustrie herstellen. Es werden dabei das wertvolle Blei und andere teuere Buntmetalle eingespart. Viele Plastwerkstoffe leiten den elektrischen Strom sehr schlecht. Deshalb sind sie als billiges Isoliermaterial von hohem Wert. Überhaupt werden in der Elektrotechnik organische Plastwerkstoffe mehr und mehr eingesetzt.

Noch andere Vorteile der Plaste haben wir hier zu erwähnen. Sie lassen sich so herstellen, dass sie den Schall und die Wärme schlecht leiten. Deshalb werden sie im Bauwesen statt herkömmlicher Isolierstoffe eingesetzt. Ferner ist es möglich, durchsichtige Plaste zu erzeugen. Auch in sehr harten Ausführungen sind Plastwerkstoffe herstellbar. Dann kann man daraus Zahnräder, Federn und andere Maschinenteile herstellen, statt das Metall zu verwenden.

Die Plaste lassen sich entweder nach ihrer Herstellung oder nach ihren physikalischen Eigenschaften einteilen. Nach der Herstellung sind abgewandelte Naturstoffe und vollsynthetische Stoffe zu unterscheiden. Nach den physikalischen Eigenschaften werden die Plaste in Duroplaste und Thermoplaste eingeteilt. Duroplaste werden durch Erwärmen hart, während Thermoplaste beim Erwärmen weich werden. Die Chemiker haben ihre Forschungsarbeit in dieser Richtung fortzusetzen, um unserer Wirtschaft neue billige und anwendbare Werkstoffe zur Verfügung zu stellen.

Den vielen guten Eigenschaften der Kunststoffe stehen einige ihre Nachteile gegenüber, die ihren Einsatz verhindern. Das ist die Empfindlichkeit gegenüber Temperaturveränderungen. Außerdem scheiden sie beim Zerfall Schadstoffe aus. Da viele Kunststoffarten sich sehr langsam zersetzen, bilden sich richtige Müllberge aus Plasterzeugnissen, die die Umwelt verunreinigen. Das stellt eine Reihe von Problemen dar, die die Fachleute schon heute zu beseitigen haben.

168

TEXT 16. CHEMIEFASERN

Unter Chemiefasern versteht man alle künstlich erzeugten Faserstoffe. Sie bestehen wie die Plaste aus makromolekularen Verbindungen, die entweder durch Polykondensation oder durch Polymerisation gebildet werden.

Infolge ähnlicher Molekülstrukturen besitzen Chemiefasern und Naturfasern auch ähnliche Eigenschaften. Wegen der größeren Regelmäßigkeit in der Anordnung der Moleküle übertreffen die synthetischen Fasern die Naturfasern in der Elastizität und Reißfestigkeit.

Das Polyvinylchlorid wird zur Verbesserung der Wärmebeständigkeit nachchloriert. Dabei erhöht sich der Chloranteil im Molekül von 57 auf 63 %. Dieses nachchlorierte PVC läßt sich aus der Lösung zu endlosen Fäden verspinnen. Es ist die Pe-Ce-Faser.

Die Pe-Ce-Faser wird besonders in der Technik verwendet, da sie säureund laugenbeständig, elektrizitätsisolierend, nicht faulend und unentflammbar ist. Es werden daraus Säureschutzkleidung, Fischnetze, Zelte und Filtertücher für die chemische Industrie produziert.

Perlon ist eine Polyamidfaser. Ähnliche Struktur haben auch die natürlichen Eiweißstoffe, die Wolle und Seide. Perlon ist ebenso fein wie Baumwolle, Wolle oder der zarte Chiffonstoff aus Seide. Federleichte Wäsche, Kleider, Blusen und andere Stoffe aus Perlon sind auf Kohle, Kalk und Wasser aufgebaut.

Die vollsynthetischen Stoffe haben Eigenschaften, die sie uns fast unentbehrlich machen. Sie sind wasserabstoßend, formbeständig und beanspruchen keine Bügelei.

Neben der Perlonstoffen werden auch Fasern für Stoffe im Wolloder Baumwollcharakter hergestellt. Diese Stoffe sind wettersowie lichtbeständig und lassen sich ebenso leicht waschen und trocknen, wie Perlon.

Aus feinen Perlonfäden werden Nähgarne gemacht. Starke Fäden verarbeitet man zu Seilen, Fischernetzen und Fallschirmen. Es wird zur Herstellung von Strümpfen, Wäsche, Borsten und Nähfäden für die Chirurgie verwendet.

169

Perlon wird überall verwendet, wo es auf hohe Reißund Scheuerfestigkeit und auch auf Fäulnisbeständigkeit ankommt. Diese Eigenschaften machen Perlon auch für Mischgewebe hervorragend geeignet. Die Perlonfaser gibt dem Gewebe erhöhte Haltbarkeit und Formbeständigkeit.

TEXT 17. KI-FORSCHUNG WILL

INFORMATIONSTECHNIK VEREINFACHEN

Die Ergebnisse der Forschung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (IK) sind nicht immer leicht als solche zu erkennen. «Wenn Künstliche Intelligenz schließlich funktioniert, dann wird es nicht mehr KI genannt, sondern Informatik, weil wir es dann verstehen», fasst Wilfried Brauer, Professor an der Technischen Universität München, ein Paradoxon des Forschungsgebietes zusammen.

Heute begegnen uns überall Systeme, in denen KI steckt: Schrifterkennung im Taschencomputer, telefonische Reservierungssysteme für Kinound Bahntickets, virtuelle Gegner bei PC-Spielen oder Roboter, die Rasen mähen. Bei einem Lebewesen zeige sich Intelligenz darin, wie gut es sich in einer unbekannten Umwelt zurechtfinde, wie es auf unerwartete Situationen reagiere, beschreibt Professor Hans-Dieter Burkhard, Projektleiter an der Berliner HumboldtUniversität, das Forschungsfeld. «Fußball ist in gewisser Weise so eine unbekannte Umwelt, da man nie genau weiß, was der Gegner als Nächstes macht». Das Fernziel der Wissenschaftler ist, Roboter zu erschaffen, die mit Menschen zusammen handeln können. Man denkt dabei gar nicht an eine Maschine, die ein Problem besser lösen soll, sondern modelliert in der Maschine Verfahren, die für Menschen typisch sind, wenn sie Probleme lösen. «Technologien, die sich im Versuchsfeld Fußball bewähren, haben gute Aussichten, auch in anderen Einsatzfeldern wie Haushalt, Büro, Fabrik oder auf anderen Gebieten eine gute Figur zu machen», sagt Ubbo Visser, Chef des Organisationskomitees der Robo-Cup-WM am Informatik-Zentrum Bremen.

Für Professor Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken

170

Соседние файлы в предмете [НЕСОРТИРОВАННОЕ]