Немецкий язык для аспирантов. Адаптативный курс. Практическое пособие
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Texte für die Nacherzählung und Diskussion
Doch Interesse ist nicht alles. Promotionsberaterin Helga KniggeIllner von der FU Berlin jedenfalls warnt Doktoranden regelmäßig vor zu umfangreichen Themen: „Ganz wichtig ist, dass das Thema in vertretbarer Zeit zu bearbeiten ist“.
Als was promovieren? Jeder Doktorand steht vor der Wahl: feste Stelle an der Uni oder Promotion als Externer? Beide Optionen haben Vorund Nachteile. Wer sich eine Zukunft als Lehrstuhlinhaber ausmalt, sollte sich auf jeden Fall schon in der Promotionsphase um eine Stelle an der Uni bemühen. Denn nur dort können erste Lehr-Erfahrungen und wichtige persönliche Kontakte gesammelt werden. Doch die Arbeit als interner Doktorand hat auch einen Nachteil: Der Lehralltag an der Uni ist oft so zeitaufwendig, dass für die eigentliche Doktorarbeit kaum noch Energie bleibt. Als „Ideal für Doktoranden“ bezeichnen Ratgeber deshalb immer wieder Stipendien. Denn durch die finanzielle Unterstützung können sich die Doktoranden voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. Auf jeden Fall lohnt es, auch beim künftigen Doktorvater nach Fördermöglichkeiten zu fragen.
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Per Netz zum Titel: htth://www.promoxy.de
Die letzte Prüfung ist erfolgreich bestanden. Doch laut Beschluß der Kultusministerkonferenz (KMK) ist es notwendig, die wissenschaftlichen Ergebnisse zu publizieren, um an den ersehnten Titel zu kommen: Dazu mußte man bisher 40 bis 120 gedruckte Exemplare der Dissertation oder auch eine entsprechende Anzahl von Mikrofiches, je nach Promotionsordnung, an die Universität abgeben. Diese bisherige Praxis verursachte eine Reihe von Problemen für die Promovenden, die Bibliotheken und die Wissenschaftler. In der Regel fielen für die Autoren hohe Kosten bei der Veröffentlichung an, sei es durch die Erstellung der Copyshopexemplare oder durch die Publikation in einem Verlag („Druckkostenzuschuß“). Die Unibibliotheken hatten aufgrund der Menge der Dissertationen oft mit Speicherproblemen und erhöhtem Arbeitsanfall zu kämpfen. Wissenschaftler mußten lange War-
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Anhang 2
tezeiten im Rahmen der Fernleihe in Kauf nehmen, um Dissertationen zuanderer Universitäten auszuleihen. Auch war das Auffinden von Dissertationen in Unibibliotheken oft nicht einfach, da sie zum Teil anders als normale Literatur behandelt und demensprechend schlecht erschlossen wurden.
Neue Regelung: Seit dem 30.10.97. sehen die KMK-Grund- sätze für die Veröffentlichung von Dissertationen neue Regelungen vor (http://www.ub.uni-dortmund.de/Eldorado/kmk.htm). Besonders interessant ist Punkt e), in dem es heißt, dass der Erfüllung der Publikationspflicht auch nachgekommen werden kann „durch die Ablieferung einer elektronischer Version, deren Datenformat und deren Datenträger mit der Hochschulbibliothek abzustimmen sind“. Damit ist der Weg frei für eine Internetpublikation der Doktorarbeit. Allerdings muß die Hochschule diese Passage erst in ihre Promotionsordnung aufnehmen. Wer sie nicht in seiner Promotionsordnung findet, sollte bei der Bibliothek Sonderregelungen erfragen. Weltweit verfügbar & dreidimensional: Die Vorteile einer elektronischer Publikation liegen in der weltweiten Verfügbarkeit. Außerdem können die Dissertationen mittels spezieller Suchmaschinen komfortabel recherchierbar gemacht werden: So ist es nun möglich, gezielter nach Gutachtern oder Fakultäten bzw. nach Schlagwörtern zu suchen. Dazu muß der Doktorand bei der Abgabe seiner Arbeit ein spezielles Formular im Internet ausfüllen, welches die Bibliothek dann nutzt, um die Suchmaschinen zu füttern (z. B. www.ub.uni-duisburg.de/cgi-mmmft/MMMfT-1.2.cgi).
Dank den neuen Regelungen können sogar Multimediadissertationen erstellt und Videosequenzen, Töne, Simulationen und Animationen Bestandteil der Doktorarbeit werden. Schon jetzt reicht die einfache textuelle Darstellung in den Wissenschaften oft nicht aus, um einen Sachverhalt exakt zu beschreiben. So bedienen sich Chemiker schon seit längerem dreidimensionaler Modelle, um die komplexe Molekülstruktur ihrer Verbindungen darzustellen. Und die Nachteile? So einleuchtend die Vorstellung der Veröffentlichung von Dissertationen im Netz auch erscheint, so ist es doch kein einfaches Unterfangen. Es ist eben nicht damit getan, einfach eine Word-Datei über das WWW bereitzustellen, die dann Anwender von Word-Perfect möglicherweise nicht lesen können, ganz
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abgesehen von der Frage, ob man selbst mit Word in 10 Jahren noch Word-Dokumente von heute lesen kann. Auch neuartige rechtliche Probleme treten zutage: So tun sich Verlage oft schwer damit, eine bereits im Internet veröffentliche Dissertation noch einmal als Buch herauszubringen. Um den mit der elektronischen Veröffentlichung von Dissertationen verbundenen Fragenkomplex in technischer, bibliothekarischer und archivarischer Hinsicht aufzuarbeiten und in Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Informatikern und Bibliothekaren einer Lösung zuzuführen, haben sich mehrere Projekte zusammengefunden. Eines davon ist das Projekt Dissertationen-Online, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (http://www.dfg.de) gefördert wird. Beteiligt sind fünf wissenschaftliche Fachgesellschaften (Chemie, Physik, Mathematik, Erziehungswissenschaften und Informatik), sowie das Rechenzentrum der Humboldt-Universität Berlin, die Staats — und Universitätsbibliothek Göttingen und die deutsche Nationalbibliothek, „Die Deutsche Bibliothek“. Dissertationen Online (http://www.educat. hu-berlin.de/diss_online) gliedert sich in verschiedene inhaltlich organisierte Teilprojekte: Metadaten, Retrieval und rechtliche Fragen, Formate, Multimedia, Autorenbetreuung und bibliothekarische Fragen. Eine Liste von Unibibliotheken, die bereits elektronische Dissertationen entgegennehmen, findet man unter: http://www. educat.hu-berlin.de/disss_online/biblio.html.
(TV & Medien, 07 /08—99, AUDIMAX)
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A n h a n g 3
DIE HAUSLEKTÜRE, DIE SPAß MACHT
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Das erste Mal sah ich Tom in Strumpfhosen und konnte mir das Lachen nicht verkneifen
Ballett war schon immer mein Traum, seit ich ein kleines Mädchen war. Als ich erfuhr, dass die Volkshochschule bei uns Anfängerkurse gab, meldete ich mich begeistert an. Ich war schon mehr als zwei Jahre dabei, als gleich etwas Seltsames passierte. Ein Mann in Strumpfhosen und Legwarmers, in Ballettschuhen schätzungsweise Größe 43 stellte sich vor.
Wir kämpften allesamt mit dem Grinsen, wenn wir uns ansahen. Die einzigen, die ernst blieben, waren unsere nette, taktvolle Lehrerin und der Herr Tänzer selbst. Der war noch dazu kein blasses, zartes Pflänzchen mit Zopf, sondern ein handfester, gutgebauter Mittdreißiger mit Yuppi — Frisur. Es war zum Piepen! Dabei stellte er sich gar nicht so blöd an, war aber eben ein völliger Anfänger. Das waren wir zwar alle einmal gewesen, aber neben dem Neuen fühlten wir uns jetzt wie routinierte Profis.
Jutta und ich unterhielten uns über diese Sensation. „Wie kommt ein Mann in dem Alter dazu, Ballett zu tanzen“? Wir hatten beide den Verdacht, dass unser neuer Schüler Tom sicher dem anderen Geschlecht zugetan war! Er sah ja auch so enorm gut aus mit seinem dichten, dunklen Haar und den klaren, hellblauen Augen. Unser Verdacht bestätigte sich, als Tom ein paarmal im Wagen ab-
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Die Hauslektüre, die Spaß macht
geholt wurde und zwar von einem ähnlich gut aussehenden jungen Mann. Schade, dachte ich…
Allmählich gewöhnten wir uns an unseren Mitschüler Tom, er machte seine Sache auch immer besser, wir waren zwar freundlich aber doch sehr zurückhaltend. Dann kam der Hammer: Ungefähr ein halbes Jahr später stellte sich in unserer Firma der neue Abteilungsleiter vor — es war Tom! Ich starrte ihn mit kreisrunden Augen an. Er schien außerordentlich verlegen, sobald er mich erkannte. Erwartete er etwas, ich würde jetzt laut raus trompeten: „Ach, den kenne ich, der tanzt in meiner Ballettgruppe“!
Ich hielt natürlich — sicher zu seiner Erleichterung — den Schnabel. Im schicken Anzug sah er viel normaler aus als in seiner Tanzkluft vor allem weniger albern. Tom erwischte mich an diesem Tag, gerade als ich in den Fahrstuhl stieg, drängelte sich schnell noch dazu und wartete, bis alle anderen ausgestiegen waren. Dann sah er mich flehentlich an und begann: „Bitte…“! „Klar“! unterbrach ich ihn forsch. „Dienst ist Dienst und Freizeit ist Freizeit. Geht niemanden etwas an“! Ich war sehr zufrieden mit meiner Loyalität, und er schien auch beruhigt zu sein. Von da ab lächelte er mir in der Volkshochschule immer ganz nett zu.
Zum Winterschlussverkauf war ich auf der Jagt nach einem schönen, warmen Mantel, als ich in einem großen Warenhaus plötzlich unvermutet dem attraktiven Lebensgefährten von Tom begegnete. Das war er ganz ohne Zweifel. Aber an seinem Arm hing eine bildhübsche Blondine, mit der er hin und wieder ein Küsschen tauschte! Ich war richtig entrüstet, denn ich empfand inzwischen doch viel Sympathie für meinen Ballettfreund und Abteilungsleiter. Ich überlegte, ob ich ihm das nicht irgendwie taktvoll sagen sollte.
Die Gelegenheit ergab sich wenig später auf einem Betriebsausflug in einem Bowlingcenter. Ich signalisierte Tom, dass ich gern mit ihm sprechen würde. Ich hatte mir auch zurechtgelegt, was ich ihm sagen wollte, um so taktvoll wie möglich zu sein. „Herr Jordan? Ich habe neulich zufällig Ihren Bekannten gesehen — den, der Sie anfangs ein paarmal abgeholt und gebracht hat, Sie wissen bestimmt schon…“? „Ja, und“? Er guckte sich unruhig um. Wahrscheinlich hatte er ein bisschen Angst, ich würde doch noch den Ballettunterricht erwähnen.
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„Eigentlich nichts weiter. Bloß — er hatte eine sehr hübsche, blonde Frau bei sich…“ Ich erwartete, dass er schockiert gucken würde. Aber er lachte nur: „Das ist Grit. Sieht sie nicht toll aus? Die beiden heiraten bald“.
Ich war platt. Damit ging er ja locker um! War er gar nicht eifersüchtig?
Wahrscheinlich sah er meinem Gesicht an, was ich dachte. Denn nachdem Tom mich einen Augenblick angeguckt hatte, brach er plötzlich in schallendes Gelächter aus. Er konnte sich gar nicht wieder beruhigen. Als er endlich wieder reden konnte, meinte er: „Ach, du lieber Himmel, jetzt begreife ich überhaupt erst! Passen Sie mal auf: Roland ist mein kleiner Bruder. Und Ballett mache ich nicht, weil ich weiblicher sein möchte“!
Darauf lachte er wieder erst mal ein paar Minuten lang, ehe er fortfuhr: „Ich habe ein paar Fortbildungskurse belegt, um weiterzukommen, Rhetorik und so. Ich war früher auch extrem schüchtern und hatte einen Ausbilder, der sich mit meiner Körpersprache abgequält hat. Der fand mich unwahrscheinlich plump und tapsig und hat schließlich gemeint, ich solle unbedingt Ballett machen, um mich etwas natürlicher zu bewegen“.
Ich starrte Tom ungläubig an, denn ich konnte gar nicht so schnell umdenken. Da grinste er breit und fragte, ob ich vielleicht eher zu überzeugen wäre, wenn wir am Wochenende essen gehen würden?
Ich muss schon sagen, er hat mich überzeugt! Wir sind jetzt immer noch zusammen, wollen im Mai heiraten. Aber in der Volkshochschule mache inzwischen nur noch ich Ballett. Tom ist jetzt untapsig genug, finden wir beide…
Text 2
Ich bezahlte den Taxifahrer,
aber beim „Stimmt so“ stockte mir plötzlich der Atem
Der Tag war wie verhext gewesen. Aber manche Tage sind einfach so, da gibt es eine Menge Arbeit, alles ist dringend, alles soll gleichzeitig erledigt werden. Feindselig starrte ich das Telefon an, das den ganzen Tag pausenlos geklingelt hatte. Mein Mund war
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Die Hauslektüre, die Spaß macht
ausgetrocknet, ich hatte das Gefühl, seit heute morgen zweitausendmal „Moment bitte, ich verbinde Sie“ gesagt zu haben. Außerdem hatte ich zentnerweise Unterschriftsund Postmappen geschleppt, unzählige Briefe gefaltet und in Umschläge gesteckt. Berge von Kopien gemacht und in Ordner geheftet — ich war einfach erledigt, und obendrein bekam ich schaurige Kopfschmerzen. Mein Magen hatte resigniert aufgehört zu knurren, dafür war mir vor Hunger richtig übel, mir blieb nicht einmal die Zeit, mir mittags einen Happen zu essen zu holen. Erst in den letzten Minuten war es ruhig geworden, aber das nutzte mir wenig — mein Bus war weg. Ach, egal — nichts wie raus hier! Einen Augenblick lang blieb ich draußen vor der Tür stehen, die hinter mir leise ins Schloss klickte. Tief atmete ich die frische Abendluft ein. Der nächste Bus würde erst in einer halben Stunde fahren. Sollte ich in irgendeine Kneipe gehen, um etwas zu essen? Nein, dazu reichte die Zeit dann doch wieder nicht. Also begann ich, langsam die Straße zur Haltestelle hinaufzusteigen. Jeder Schritt schmerzte in meinem Kopf. Ich hätte heulen können, so kaputt war ich. Ein einzelnes Auto kam langsam den Berg heruntergefahren, auf seinem Dach sah ich das gelbe Taxischild. Mein Arm hob sich und der helle Wagen hielt am Gehsteigrand. Was hatte ich getan? „Sind Sie frei“? hörte ich meine Stimme. Blöde Frage, hätte er sonst gehalten? Und was war überhaupt in mich gefahren? Ich konnte mir doch gar kein Taxi leisten! Aber der Autositz sah himmlisch bequem aus, und der Schmerz hämmerte in meinem Schädel. Ich wollte nur noch nach Hause, und zwar so schnell wie möglich. Ich ließ mich in den Rücksitz fallen, warf die Tür zu, nannte dem Fahrer meine Adresse und griff nach dem Sicherheitsgurt. Das Taxi fuhr an, drückte mich in den Sitz, mein Kopf sank an die Rücklehne, und ich schloss die Augen.
„Wollen Sie Musik hören“? klang die Stimme des Fahrers an mein Ohr. Ich schüttelte den Kopf und fügte ein „nein, bloß nicht“ hinzu. Der Motor brummte leise, das Auto nahm die Kurven langsam, so dass es mich weich nach der einen oder anderen Seite wiegte. Guter Fahrer. Sein Glück! Ich fröstelte vor Müdigkeit, kroch tiefer in meine Jacke. „Sind Sie krank“? fragte er dann. Seine Stimme klang teilnahmsvoll und mitfühlend. Das konnte ich
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ganz und gar nicht gebrauchen — um ein Haar hätte ich vor Selbstmitleid angefangen zu heulen. „Nein, bloß müde“. Wenn ich nicht so erledigt gewesen wäre, hätte ich mich wegen meines bissigen Tonfalles geschämt. Aber mir war alles egal, wenn er nur seinen Mund hielt! Nach einer Weile begann der Chauffeur erneut: „Schlimmen Tag gehabt“? „Ja“, knurrte ich gereizt, „so schlimm, dass ich keine Lust zum Reden habe“. „O. k.“, kam es ruhig, dann nichts mehr, bis das Auto sanft anhielt. Seufzend sah ich aus dem Fenster: Ja, ich war daheim. Ich tastete nach meiner Handtasche. Und dann sagte der Fahrer: „Hätten Sie nicht Lust mit mir etwas trinken zu gehen? Sie könnten über Ihren Ärger reden. Mein Tag war auch nicht gerade erhebend, ich könnte ein bisschen Gesellschaft gebrauchen. Vielleicht fühlen wir uns danach beide besser? Das wäre doch ein netter Abschluss für einen grässlichen Tag“! Unfreundlich erwiderte ich: „Das wäre so ziemlich das letzte, was ich jetzt tun möchte. Entschuldigung, aber ich will bloß meine Ruhe haben. “Ich fummelte nach meinem Geldbeutel. Das Taxameter zeigte 17,60 Euro. Der Fahrer drehte sich zu mir um, und ich drückte ihm einen Zwanziger in die Hand, aber das „Stimmt so“ blieb mir im Hals stecken. Ich hatte diesen Typen bisher noch gar nicht angesehen. Vor mir saß ein total attraktives Mannsbild mit raspelkurzen Haaren, dunkelbraunen Traumaugen, langen Wimpern und einem witzigen Grübchen am Kinn. Mein Kopf hörte augenblicklich auf zu dröhnen, dafür hämmerte mein Herz, und wenn ich nicht gesessen hätte, hätten meine Knie unter mir nachgegeben. Ich hätte mich ohrfeigen können! Da saß ich einmal mit so einem aufregenden Mann in einem Wagen und mir fiel nichts Besseres ein, als ihn anzuschnauzen! Blind fummelte ich nach dem Türgriff, fühlte, wie mir die Wärme über den Hals bis zu den Haarwurzeln kroch, versuchte, mich zusammenzureißen, brachte aber nur ein Stottern heraus: „Ich…ich…glaube, ich möchte doch etwas trinken. Am besten Kamillentee. Wahrscheinlich habe ich Fieber. Mö…Mögen Sie Kamillentee? Und was machen Sie dann mit dem Taxi“? Er lächelte: „Ja, ich liebe Kamillentee, und es ist mein Taxi, ich kann es auch mal stehen lassen“.
Das Taxi stand an diesem Abend sehr lange vor unserem Haus, am nächsten auch — und dann immer wieder. Einmal brachte mein
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wunderbarer Fahrer einen Riesenstrauß roter Rosen mit und vor drei Monaten ein winziges Schächtelchen mit einem goldenen Ring darin. Und nächste Woche lassen wir uns — der liebenswerte Taxichauffeur und ich — damit von meinem Bruder zum Standesamt kutschieren. Kaum zu glauben, dass mein großes Glück mit einem grässlichen Arbeitstag begonnen hat!
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Eigentlich gar nicht so schlecht, dieser Verdi…
Morgens um viertel nach sechs stehe ich auf, denn um acht möchte ich frisch, geschminkt, ordentlich gekleidet und befrühstückt im Büro sitzen. Das ging auch immer, bis zu jenem Tag, an dem dieses „Untier“ über mir einzog.
Um fünf war’s mit der Ruhe vorbei
Dieser Typ stellte morgens um fünf seine Anlage an. Offenbar stand er auf Verdi, denn nichts Geringeres als „La Traviata“ schallte mir in meine müden
Ohren, holte mich aus dem Tiefschlaf und erklärte die selige Nachtruhe für beendet. Anfangs dachte ich, was man als junger toleranter Mensch so denkt: ist doch nicht so schlimm; kann wohl nicht schlafen, der Arme; hat jeder mal; geht sicher bald vorbei…
Ging’s auch, nach einer Woche. Ich atmete auf. Bis es genau eine Woche später wieder anfing. Diesmal hörte ich „Nabucco“, und mir schwoll der Kamm. Zwischen fünf und viertel nach sechs liegen 75 kostbare Minuten süßen Schlafes, den mir dieser Knallfrosch da oben raubte! Da lag ich nun mit all meiner wunderbaren Toleranz und stopfte mir „Ohro-ich-sag’s-nicht“ in die Hörmuscheln. Leider vergeblich. Denn Verdi muss man laut hören, damit er richtig guttut.
Jede zweite Woche verbrachte ich also unausgeschlafen. Und meine Gesichtszüge waren bald ebenso ermattet wie meine Frisur. Wären wenigstens heiße Liebesnächte der Grund dafür gewesen!
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Aber nein — seit Monaten ging ich nur mit meiner Nachtcreme und einem guten Buch ins Bett!
Meine Wohnung lag im vierten, seine im fünften Stock unterm Dach. Wir beide waren aneinandergekoppelt, unweigerlich hörten wir jede laute Äußerung des anderen. Aber ehrlich — von mir kamen nicht viele Geräusche. Es gab also für ihn keinen Grund zur Klage. Doch obwohl mein Herz so rein war, traute ich mich nicht, bei ihm zu klingeln und mit freundlichem Gesicht so etwas zu sagen wie: „Könnten Sie vielleicht nachts Ihre Musik etwas leiser stellen? Ich schlafe da nämlich noch“.
Aber warum überhaupt nett sein? Wir kannten uns nicht, und dass er männlichen Geschlechts war, wusste ich auch nur von seinem Namen auf der Klingel. Nur einmal raffte ich mich zu einer Beschwerde auf: Schlaftrunken tapste ich in die Küche und klopfte mit dem Besen und all meiner mir nächstens verfügbaren Kraft an die Decke. Putz fiel mir auf den Kopf, das war alles — gegen den Opernchor über mir kam ich nicht an. Ich hätte ihn echt in der Luft zerreißen können, diesen elendigen, rücksichtslosen Typen!
Zwei Monate später stand mein Geburtstag ins Haus. Weil ich 30 wurde, hatte ich eine Menge Leute eingeladen. Freitag machte ich den Großeinkauf. Das Auto war voll bis unters Dach. Es war zwar wieder mal „Verdi-Woche“, aber man wird schließlich nur einmal 30 — müde oder nicht.
„Warten Sie, ich helfe Ihnen“
Fünf Tüten, zwei Kartons, eine Kiste Wasser, eine Kiste Bier, ein Klapptisch für den Balkon, noch verpackt, plus zwei Klappstühle warteten auf den Transport in den vierten Stock. Mit den Kartons fing ich an. Offenbar hatte ich zu hoch gestapelt, denn auf halber Strecke brach bei dem einen der Boden durch. Mist, verdammter!
Ich sammelte gerade alles wieder ein und sah mich auch schon entkräftet achtundzwanzigmal den Weg bis in den vierten Stock laufen, als neben mir ein Schatten auf den Gehweg fiel. Dessen Besitzer sagte ohne Umschweife „Oje! Ich helf‘ Ihnen“, packte beherzt zu, und gemeinsam trugen wir alles nach oben.
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