Немецкая литература в обучении немецкому языку. Учебник
.pdf
Erich Maria Remarque |
61 |
Erich Maria Remarque
«Drei Kameraden»
(Auszug)
Um sieben Uhr meldete ich das Gespräch mit Pat an. Von dieser Zeit an kostete es die halbe Taxe, und ich konnte doppelt so lange telefonieren. Ich setzte mich auf den Tisch im Vorzimmer und wartete. In die Küche wollte ich nicht gehen. Es roch da nach grünen Bohnen, und damit wollte ich Pat nicht einmal beim Telefonieren zusammenbringen. Eine Viertelstunde später kam das Gespräch. Pat war gleich am Apparat. Als ich ihre warme, dunkle, etwas zögernde Stimme so dicht neben mir hörte, wurde ich so aufgeregt, daß ich kaum sprechen konnte. Es war wie ein Zittern, wie ein Beben des Blutes, gegen das man mit allem Willen nichts machen konnte. «Mein Gott, Pat», sagte ich, «bist du wirklich da?»
Sie lachte. «Wo bist du denn, Robby? Im Büro?»
«Nein, ich sitze bei Frau Zalewski auf dem Tisch. Wie gehts dir?» «Gut, Liebling.»
«Bist du auf?»
«Ja. Ich sitze auf der Fensterbank in meinem Zimmer und habe meinen weißen Bademantel an. Draußen schneit es.»
Ichsahsieplötzlichdeutlichvormir.IchsahdieSchneeflockenwirbeln, ich sah den schmalen, dunklen Kopf, die geraden, etwas vorgebeugten Schultern, die bronzefarbene Haut.
«Herrgott, Pat», sagte ich, «das verfluchte Geld! Ich würde mich sonst auf der Stelle in ein Flugzeug setzen und heute abend noch ankommen.»
«Ach, Liebling.»
Sie schwieg. Ich horchte in das leise Kratzen und Summen der Leitung. «Bist du noch da, Pat?»
«Ja, Robby. Aber du mußt so etwas nicht sagen. Mir ist ganz schwindlich geworden.»
«Mir ist auch verdammt schwindlich», sagte ich. «Erzähl mir, was du da oben alles machst.»
62 |
Erich Maria Remarque |
Sie begann zu sprechen, aber ich hörte bald nicht mehr auf das, was sie sagte. Ich hörte nur ihre Stimme, und während ich so auf dem dunklen Vorplatz hockte, zwischen dem Wildschweinsschädel und der Küche mit den grünen Bohnen, schien es mir, als ginge die Tür auf und eine Welle von Wärme und Glanz käme herein, schmeichelnd und bunt, voll von Träumen, Sehnsucht und Jugend. Ich stemmte die Füße gegen den Tisch, ich stützte den Kopf in die Hand, ich sah den
Wildschweinsschädel an und die abgestoßеne Küchentür, aber ich konnte mir nicht helfen, – Sommer war auf einmal da, Wind, Abend über Ährenfeldern und das grüne Licht der Waldwege. Die Stimme schwieg. Ich atmete tief.
«Es ist schön mit dir zu sprechen, Pat. Und heute abend, was tust du da?»
«Heute abend ist ein kleines Fest. Um acht beginnt es. Ich ziehe mich gerade dazu an.»
«Was ziehst du denn dazu an? Das silberne Kleid?»
«Ja, Robby. Das silberne Kleid, in dem du mich durch den Korridor getragen hast.»
«Und mit wem gehst du?»
«Mit niemand. Es ist doch hier im Sanatorium. Unten in der Halle. Da kennen sich alle.»
«Es muß schwer sein für dich, mich nicht zu betrügen», sagte ich. «In dem silbernen Kleid.»
Sie lachte. «In dem schon gar nicht. Da habe ich Erinnerungen.» «Ich auch. Ich habe gesehen, wie es wirkt. Aber ich will es auch gar
nicht so genau wissen. Du kannst mich betrügen, ich will es nur nicht wissen. Nachher, wenn du zurückkommst, ist es dann nur wie geträumt für dich und vergessen und vorbei.»
«Ach Robby», sagte sie langsam und ihre Stimme klang tiefer als vorher. «Ich kann dich nicht betrügen. Dafür denke ich viel zu viel an dich. Du weißt nicht, wie das hier oben ist. Ein strahlendes, schönes Gefängnis. Man lenkt sich ab, so gut es geht, das ist alles. Wenn ich an dein Zimmer denke, dann weiß ich manchmal nicht, was ich tun soll, dann gehe ich an den Bahnhof und sehe die Züge an, die von unten
Erich Maria Remarque |
63 |
kommen und denke, daß ich dir dann näher bin, wenn ich in ein Abteil einsteige oder so tue, als ob ich jemand abholen will.»
Ich biß die Lippen zusammen. Ich hatte sie noch nie so sprechen gehört. Sie war immer scheu gewesen, und ihre Zuneigung hatte viel mehr in einer Gebärde, einem Blick gelegen als in Worten.
«Ich werde zusehen, daß ich dich einmal besuchen kann, Pat», sagte ich.
«Wirklich, Robby?»
«Ja, vielleicht Ende Januar.»
Ich wußte, daß es kaum möglich war, denn von Februar an mußten wir ja auch das Geld für das Sanatorium aufbringen. Aber ich sagte es ihr, damit sie etwas hatte, woran sie denken konnte. Es war dann später nicht so schwer, es weiter zu verschieben, bis der Tag kam, wo sie wieder herunter konnte.
«Leb wohl, Pat», sagte ich. «Laß es dir gut gehen. Sei froh, dann bin ich auch froh. Sei froh heute abend.»
«Ja, Robby, heute bin ich glücklich.»
Пояснения к тексту
1) ein Gespräch anmelden |
заказать телефонной разговор |
2) eine Viertelstunde später kam |
через четверть часа дали |
das Gespräch |
разговор |
3) zusammenbringen |
объединять |
4) dunkle Stimme |
глухой голос |
5) bist du auf? |
ты на ногах? (ходишь, не |
|
лежишь) |
6) etwas vorgebeugte Schultern |
слегка сутулые плечи |
7) auf der Stelle |
немедленно, сейчас же |
8) der Vorplatz |
зд. прихожая |
9) die abgestoßene Küchentür |
закрытая дверь в кухню |
10) das Geld für das Sanatorium |
достать (внести) деньги за |
aufbringen |
санаторий |
11) so gut es geht |
как только можно, всеми силами |
12) der Wildschweinschädel |
череп дикого кабана |
64 |
Erich Maria Remarque |
Вопросы к тексту
1.Warum telefonierte Robby mit Pat am Abend?
2.Wo befand sich Pat?
3.Warum konnte Robby Pat nicht besuchen?
4.Wohin wollte Pat an diesem Abend gehen?
5.Warum ging Pat manchmal an den Bahnhof?
Задания к тексту
1.Beschreiben Sie die Stimmung von Pat deutsch.
2.Beschreiben Sie, wie Robby sich Pat vorstellte.
3.Geben Sie den Inhalt des Textes deutsch wieder.
HEINRICH BÖLL (1917–1985)
Предтекстовые задания
I. Прочитайте правильно следующие иностранные слова и переведите их на русский язык:
die Alliierten, der Billiard, der Clown, der Dissident, der Essayist, kongruent, der Historiograph, die Massenmedien, authentisch, nonkonformistisch, offiziell.
II. Прочитайте с правильным ударением следующие сложные слова. Переведите их на русский язык:
der Schreinermeister, die Kriegsgefangenschaft, der Schuldienst, die Gelegenheitsarbeit, der Neuaufbau,
die Nachkriegsgeneration,
die Autorenvereinigung, der Sammelband, die Verweigerungsformen,
die Konsumgesellschaft, die Dienstfahrt, der Einzelgänger, die Zigeunerstimme, der Kernkraftgegner.
III. Переведите следующие группы слов:
erziehen – die Erziehung – der Erzieher erzählen – die Erzählung – der Erzähler zerstören – die Zerstörung – der Zerstörer
auszeichnen – die Auszeichnung – ausgezeichnet.
IV. Обратите внимание на следующие синонимы. Переведите их:
der Angehörige – der Vertreter zurückkehren – zurückkommen der Vorläufer – der Vorgänger vertraut – bekannt.
66 |
Heinrich Вöll |
V. Употребите в следующих предложениях синонимы:
1.Das waren die Angehörigen der Autorenvereinigung «Das junge Deutschland».
2.In der Kindheit wurde Böll mit der bürgerlichen und katholischen Literatur vertraut gemacht.
3.Diese Zeitschrift war der publizistische Vorläufer der «Gruppe 47».
4.Er soll morgen aus einer Dienstfahrt zurückkehren.
VI. Запомните значение следующих слов:
1)auftreten (a, e) (für, gegen) – выступать (в защиту кого-либо,
чего-либо, против чего-либо)
2)ernähren – кормить
3)fordern – требовать
4)gelten (а, о) – считаться, слыть, иметь значение
5)heiraten – жениться, выходить замуж
6)verlieren (о, о) – терять
7)verhindern – мешать, чинить препятствия, предотвращать
8)unterstützen – поддерживать
9)der Aufsatz – статья, сочинение (школьное)
10)die Gewalt – сила, насилие
11)der Nachruf – некролог
12)die Rede – речь
VII. Переведите на русский язык следующие предложения:
1.Im Jahre 1943 heiratete Heinrich Böll Anne Marie Cech, Lehrerin von Beruf.
2.Seine Frau ernährte zuerst die Familie.
3.H. Böll verlor nie die Hoffnung auf den Neuaufbau der deutschen Gesellschaft.
4.Diese Autorenvereinigung hatte das Ziel, die Wiederkehr des Faschismus zu verhindern.
5.Diese Literatur forderte die Demokratisierung der Schulen und humanistische Erziehung.
6.H. Böll unterstützte die sowjetischen Dissidenten.
Heinrich Вöll |
67 |
7)Die Aufsätze und Reden von Böll umfassen mehrere Bände.
8)H. Böll galt als einer der progressivsten Schriftsteller unserer
Zeit.
9)Diese Worte können als ein Nachruf für Boll gelten.
10)H. Böll trat für den Umweltschutz, für die Friedensbewegung und gegen jede Gewalt auf.
VIII. Переведите на немецкий язык следующие предложения.
1.Мой отец должен был кормить большую семью.
2.Его брат женился на учительнице.
3.Я не теряю надежды.
4.Полиция хотела предотвратить демонстрацию.
5.Прогрессивные писатели требуют гуманистического воспитания молодежи.
6.Бёлль выступает в защиту движения за мир.
7.Он поддерживает молодых писателей.
8.Романы Бёлля считаются романами эпохи.
9.Некролог о Бёлле мы читали в газете.
Heinrich Böll
(geboren 21.12.1917 in Köln, gestorben 16.07.1985 in Langenbroich)
Heinrich Böll war achtes Kind in der Familie des Schreinermeisters
Viktor Böll. Der Vater war beruflich erfolgreich, die Kinder hatten eine glückliche Kindheit, sie wurden klassisch-katholisch erzogen. Heinrich besuchte das Gymnasium und wurde mit der bürgerlichen und zeitgenössischen katholischen Literatur vertraut gemacht. Diese katholische Erziehung beeinflußte später seine Prosa. Heinrich Böll hatte das Glück, daß sowohl die Eltern als auch die Lehrer seiner Schule antifaschistisch gestimmt waren.
1933 begann Böll sein Studium an der Universität Köln, er schrieb sich für Germanistik und klassische Philosophie ein. Der zweite Weltkrieg zerstörte seine Studienpläne, Böll leistete den Kriegsdienst in vielen
68 |
Heinrich Вöll |
Ländern, geriet in Kriegsgefangenschaft, aus der er im September 1945 entlassen wurde. Während des Krieges (1943) heiratete er Annemarie Cech, Lehrerin von Beruf.
Zurück in Köln geht es Böll sehr elend, zwei Jahre war er unfähig, ein neues Leben zu beginnen. Seine Frau ernährte die Familie, sie gab erst 1951 den Schuldienst auf, arbeitete in der Folge, manchmal mit ihrem Mann, als Übersetzerin aus dem Englischen. H. Böll schlägt sich in diesen Jahren mit Gelegenheitsarbeiten durch und beginnt zu schreiben.
Die Hoffnung auf die Möglichkeit eines selbstbestimmten Neuaufbaus der deutschen Gesellschaft verlor H. Böll nie, trotz der Herrschaft der Alliierten. Die erste Nachkriegsgeneration mußte sich, wollte sie ihren Ideen leben, aus dem Gebiet der Politik auf das der Literatur begeben.
Ihre Angehörigen (darunter auch H. Böll) nannten sich «das junge Deutschland». Ihr Programm ist festgehalten in der Zeitschrift «Der Ruf», dem publizistischen Vorläufer der Gruppe 47, der bedeutendsten deutschen Autorenvereinigung nach 1945. Es soll dazu dienen, die Wiederkehr des Faschismus zu verhindern.
Es wird eine Literatur gefordert, in der Ethik und Ästhetik kongruent sind, eine Literatur, die engagiert, realistisch und einem breiten Publikum verständlich zu sein hat.
Das Moralische wird ein literarisches Programm.
1951, mit einem Preis der «Gruppe 47» für die satirische Geschichte «Die schwarzen Schafe», beginnt Bölls Aufstieg als Schriftsteller. Der Sammelband «Wanderer, kommst du nach Spa...» ist schon 1950 erschienen, und als Autor der Erzählungen, welche die Sinnlosigkeit des Krieges wie die positiven Erfahrungen von Menschlichkeit in der Kriegsund Nachkriegszeit thematisieren, wird Böll in den 50-er Jahren bekannt.
Mit den Romanen «Und sagte kein einziges Wort» (1953), «Haus ohne Hüter» (1955), «Billard um halb zehn» (1959), «Ansichten eines Clowns» (1963) und «Gruppenbild mit Dame» (1971) wird Böll zu einem authentischen Geschichtserzähler der Nachkriegsepoche. Die Kritiker nennen diese Romane Familienund Epocheromane. Ihre nonkonformistischen Helden erproben private Verweigerungsformen
Heinrich Вöll |
69 |
gegen gesellschaftliche Zwänge. Böll tritt für das Humane, für das Menschliche auf, gegen die Gleichschaltung der Menschen in einer totalen Konsumgesellschaft mit ihrem bürgerlichen Besitzdenken, gegen die Mentalität des «Hast du was, dann bist du was».
In «Ende einer Dienstfahrt» (1966) vermittelt er die Hoffnung, daß unter der Voraussetzung der «Einigkeit der Einzelgänger» Reste natürlicher Menschlichkeit Bestand haben könnten.
Historiograph deutscher Geschichte ist Böll auch als Essayist. In der Werkausgabe umfassen seine Aufsätze und Reden mehrere Bände.
Auf die Bedrohung individueller Freiheit durch die Gewalt der Massenmedien und der Staatsüberwachung antwortete Böll mit der Novelle «Die verlorene Ehre der Katharina Blum» (1974).
Ungeachtet aller persönlichen Angriffe setzt sich Böll für Minderheiten und Außenseiter der bundesdeutschen Gesellschaft ein, für die Zigeunerstamme Sinti und Roma, Kernkraftgegner, Hausbesetzer, Umweltschutz und Friedensbewegung, für die Solidarität mit den Dissidenten. Er nimmt A. Solshenizyn und L. Kopelew bei sich auf, unterstützt sie und erweist ihnen Hilfe.
1967 mit dem Büchner-Preis und 1972 als bisher einziger Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, ist Böll Deutschlands im Inund Ausland meistgelesenster zeitgenössischer Autor.
Als ein würdiger Nachruf für H. Böll können die Worte eines Literaturkritikers gelten: «Böll ist einer der erfolgreichsten deutschen Prosaschriftsteller seiner Generation von internationalem Ruf. Er gilt als fortschrittlich. Und er ist aktiver praktizierender Katholik. Die Konstellation dieser nicht leicht versöhnbaren Momente hätte ihn vorbestimmt zum offiziellen deutschen Dichter, zu dem, was man repräsentativ nennt».
Пояснения к тексту
1) der Schreinermeister |
столяр |
2) er war beruflich erfolgreich |
его профессия приносила ему |
|
хорошие доходы |
70 |
Heinrich Вöll |
|
|
3) den Kriegsdienst leisten |
воевать |
4) aus der |
освободить из плена |
Kriegsgefangenschaft |
|
entlassen |
|
5) in der Folge |
в дальнейшем |
6) es ging ihm sehr elend |
жилось ему очень плохо |
7)die Herrschaft der Alliierten господство союзников (имеются
ввиду страны-победительницы во 2-й мировой войне)
8)die Literatur muß engagiert литература должна быть актив-
sein |
ной, не должна быть безучаст- |
|
ной |
9) etwas thematisieren |
брать что-то в качестве темы |
10) die Gleichschaltung der |
уравниловка в обществе потреб- |
Menschen in einer totalen |
ления |
Konsumgesellschaft |
|
11) das Besitzdenken |
собственническое мышление |
12) die Mentalität |
1) образ мыслей, |
|
2) склад ума, менталитет |
13) die Hoffnung vermitteln |
вселять надежду |
14) Bestand haben |
быть постоянным, удерживаться |
15) die Staatsüberwachung |
государственная слежка |
16) der Außenseiter |
необщительный, замкнутый че- |
|
ловек (зд. отщепенец) |
17) das Programm ist |
программа напечатана в... |
festgehalten in... |
|
18) Hausbesetzer |
бедняки, которые захватывают |
|
пустые дома, так как не могут |
|
платить за жилье |
19) die Konstellation |
стечение обстоятельств (зд. со- |
|
единение) |
