Deutsch im Zeichen der US-amerikanischen Exoglossie. Monographie
.pdfSCHRAMMEN in ihrer Widerrede den Sprachdemokraten: „Ein Sprachgesetz würde uns nichts vorschreiben, sondern uns von der Bevormundung durch anglomane Schwätzer befreien. Zu diesem Zweck würde es für den öffentlichen
Gebrauch unserer Landessprache gewisse Regeln festlegen. Staatlichen oder anderen Monopolisten würde es durch diese Regeln untersagt, den Bürgern Sprüche und Ausdrücke wie „E-government goes future“, „Name Game – Win IT“, „Rent a professor“ und „Welcome back – Aktion“, „freecall“, „Green card“ usw. unterzujubeln. Die Gesundheitspolitiker wären endlich gehalten, ihren Bürgern nicht weiter durch Austausch so klarer Ausdrücke wie „Fallpauschale“ gegen „diagnosis related groups“ oder von „wissensbasierte Medizin“ gegen „evidence based medicine“ Reformfreudigkeit vorzutäuschen und sie so an der Nase herumzuführen. Die Geschäftsund Reklamewelt dürfte ihre Kunden nicht mehr mit Wortbastarden wie „Passagen-manager“, „convenience food“, „X-mas shopping“, „funeral master“, „Mode-collection“ und Hunderten anderen traktieren oder ihnen falsches Englisch eintrichtern. „Moonshine-Tarif“ z.B. bedeutet im Angloamerikanischen „Fusel-“, nicht „Mondscheintarif“, „body bag“ bedeutet „Leichensack“, nicht „Körpertasche“. Gebrauchsanweisungen und Namen von Waren des täglichen Gebrauchs würden wieder in verständlichem Deutsch abgefasst. Wer lebensrettende, rechtlich oder gesundheitlich bedeutsame Informationen hinter unverständlichen Amerikanismen versteckt, machte sich strafbar. Eine „stroke unit“ wäre als „Gehirnschlag-Rettungsstelle“ wieder für alle erkennbar. Wissenschaftler wären gehalten, sich in Lehre und Forschung weiterhin klarer deutscher Fachbegriffe zu bedienen anstatt uns für begriffsstutzig zu verkaufen oder über ihr Tun und Lassen im Ungewissen zu lassen. Ein Sprachgesetz würde also zur Ächtung und
61
Entlarvung unklarer anglomaner Wörter und Ausdrücke führen. Es würde uns nicht entmündigen, sondern uns das Recht zur Mitgestaltung unserer Landessprache sichern. Und wir brauchten auch nicht mehr zu befürchten, uns im Ausland mit falschen oder scheinenglischen Wörtern und Wendungen zu blamieren“ (VDS, 2007).
Aber schon die Erwähnung eines Sprachgesetzes im Sinne einer zentrierten Sprachpolitik löst bei vielen Unbehagen aus. Die Praktiken der
Nachbarn Polen und Frankreich werden als Anzeichen einer sprachpuristischen Neurose ausgedeutet. Zusammenhanglos aufgeschnappte Internet-Informationen
über innere Sprachreserven, die eine autonome Sprachregulierung ermöglichen, bestärken die Zweifel durchschnittlicher Sprachnutzer, die eine klare Linie der sprachpolitischen Maßnahmen vermissen. Die Übertragung politischer Wertungsinhalte auf die Sprachökologie stellt sich als inhaltsleerer
Konzeptautomatismus heraus, der im Zuge der fortschreitenden Amerikanisierung Deutschlands zur Isolation der deutschen Sprache im eigenen
Sprachraum führt.
Die Demokratie (auch in sprachlicher Hinsicht) wurde in Deutschland zu einer Art Kult, der den vorherigen Kult des Nationalsozialismus erfolgreich ablöste. Einer jeden Kultur liegt ein gewisser Kult zugrunde, nicht nur etymologisch gesehen. Mit der Stärke des Demokratie-Kultes wird im modernen Deutschland die Schwäche der Sprachpflege aufgewogen. Politische (in diesem
Fall demokratische) Implikationen der Sprachfragen im Lande lassen eine ideologische Motivation des gesamten Sprachplanungssowie Sprachpflegesystems erkennen. Davon ist nicht nur die innere, sondern auch die auswärtige Sprachpolitik nicht unerheblich betroffen.
62
KAPITEL 2. Exoglossie als Bedingung einer Sprachentwicklung
2.1.Begriffe der Exoglossie und der exoglossen Sprachsituation
Mit Bezug auf die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte fehlt bisher jegliche umfassende Analyse der Sprachsituation in Deutschland und ihrer
Komponenten, wohingegen die immanenten Faktoren zum Überfluss diskutiert werden. Der sprachsoziologischen Analyse soll aber ein Exkurs über den Inhalt des Begriffs der Exoglossie, der sozusagen der Schlüssel zum Verständnis der Entwicklungstendenzen im Deutschen ist, vorangestellt werden. Es ist darüber hinaus auch wichtig, die verwandten Begriffe der Endoglossie, der exoglossen und endoglossen Sprachsituationen und entsprechenden Sprachpolitiktypen in die Diskussion mit einzubeziehen, denn häufig werden sie, obwohl sie zum terminologischen Apparat mehrerer Forscher gehören, nicht definiert. Die
Begriffe der Exoglossie und der exoglossen Sprachsituation, die in dieser Arbeit im Vordergrund stehen, sind für Deskriptionen von dauerhaften
Kontaktprozessen mit erheblicher Funktionsdifferenz der Kontaktsprachen bzw. deren Formen unerlässlich. Mit der Konzeption der exoglossen Entwicklung des Deutschen können ebenfalls die externen sowie internen Parameter der
Kontaktprozesse (und ihrer Variablen) nicht nur besser beschrieben und verstanden werden, sondern sie ermöglicht auch einen allgemeinen Überblick der gegenwärtigen Entwicklungsdynamik der Sprache. Man sollte jedoch diesbezüglich nicht den Anspruch auf universelle Geltung einer solchen
Prognostizierung stellen, zumal – wie bereits früher angedeutet – alle heutigen Hochoder Kultursprachen immer stärker vom Bewussten im Menschen
63
beeinflusst werden und sich bestimmte Entwicklungstendenzen aufgrund dessen nicht eindeutig bestimmen lassen. Für die Zwecke einer umfassenden sprachökologischen Perspektive im Hinblick auf die deutsche Sprache sowie einer Versachlichung der Anglizismendiskussion ist es aber maßgebend, von der darzustellenden Konzeption auszugehen.
HELLER gab 1996 in einem Vortrag zu bedenken, dass „sich schwächere Kulturen im Wortschatz bei stärkeren Kulturen bedienen“. Die funktionale Differenz der beteiligten Sprachen ist bei solchem Kontakt für einen Soziolinguisten augenfällig. Was sich hinter den Bezeichnungen „schwächere“ und „stärkere Kulturen“ verbirgt, muss noch von Sprachsoziologen genauer definiert werden, dennoch steht fest, dass es hierbei offensichtlich um solche handelt, die weltweit Verbreitung und Akzeptanz finden. Die von HELLER implizierte Prävalenz der Kultur gegenüber der Sprache in der Situation der Nachahmung einer fremden Kultur für den Zweck der eigenen Entwicklung, ist für das Verständnis der Exoglossie ausschlaggebend.
Im BROCKHAUS (2002) kann man nachlesen: „Die englische Sprache ist die am weitesten verbreitete Fremdsprache der Erde, Hauptsprache des internationalen Verkehrs, der Wirtschaft, Technik und Wissenschaft sowie – neben dem Französischen – auch der Diplomatie; einen besonderen Platz nimmt sie im Rahmen der Unterhaltungsindustrie, Werbung und Jugendkultur ein“.
Diese weite Verbreitung des Englischen provoziert weltweit nicht nur den
Anglozentrismus, wie BRYSON in seinem Buch „The mother tongue: English & How it got that way“ bemerkt (1989: 194), sondern ist auch für die Erhebung des ersteren zur „Weltsprache“ verantwortlich. Behaftet mit dieser Sonderfunktion gegenüber der ganzen Sprachenwelt der Erde wird es
64
automatisch zu einem globalen Kulturmittler und die dazugehörige Kultur – zum Entwicklungsfaktor. Die daraus resultierende funktionale Differenz zwischen der Weltsprache Englisch und autochthonen Sprachen ergibt ein
Verhältnis, das bereits im Abschnitt 1.2. durch die Opposition „aktiv – passiv“ beschrieben wurde und im folgenden präzisiert werden soll. Die Einräumung einer Sprache eines höheren Stellenwertes ist ein sicheres Indiz für eine
Exoglossie, wie wir sie am Beispiel vieler afrikanischen Kolonien kennen, die die Sprachen ihrer Kolonisatoren für die eigene Fortentwicklung lernen mussten. Die Fortentwicklung der autochthonen Kultur und Sprache ist somit eines der charakterisierenden Merkmale der Exoglossie, die ein universelles Fortentwicklungsschema darstellt, ob im Kontext der Entwicklungsländer oder derer, die bereits entwickelt sind.
In den zeitgenössischen Enzyklopädien fehlt ein Definitionslemma „Exoglossie“. Die Linguistische Enzyklopädie, herausgegeben von JARZEVA, enthält nur einen Verweis auf den Artikel von WINOGRADOW, in dem die Begriffsbestimmung der „exoglossen Sprachsituationen“ von NIKOLSKIJ angeführt ist (LES, 2000: 617;). NIKOLSKIJ versteht unter solchen
Sprachsituationen eine „organisierte Gesamtheit mehrerer funktional differenzierten Sprachformen. Ihre Organisiertheit besteht darin, dass Sprachen nicht nur durch enge Kontakte zwischen Sprachgemeinschaften verbunden werden, die zu einer politisch-territorialen Vereinigung gehören, sondern auch durch ihre Zugehörigkeit zum Kontinuum und zur Kommunikation dieses
Sprachbundes und zueinander“ (NIKOLSKIJ, 1976: 80; ebd. SCHWEIZER, 1976: 116–117).
65
In den Werken russischer Linguisten ist der Terminus „Exoglossie“ kaum anzutreffen und wird implizite meistens durch den Begriff „exoglosse Sprachsituation“ (als Opposition zur „endoglossen Sprachsituation“) ersetzt, wobei für die Beschreibung einer solchen die Typologie von NIKOLSKIJ herangezogen wird, vgl. DEBOW (2001), TATARNIKOWA (2003), TOROCHOWA (2005), SCHAJACHMETOWA (2006), LABUNEZ (2007) u. a.
Von vielen Auslandsautoren wird der Terminus „Exoglossie“ ebenfalls im Fokus der Sprachsituationen interpretiert und gehört zum terminologischen
Apparat folgender Forscher: HEINE (1992), SKATTUM (1997), HOCHHAUS (2001), GOMES (2005).
HOCHAUS nennt Exoglossie eine solche Sprachsituation, bei der eine oder mehrere verwendete Sprachen im Land nicht heimisch sind (HOCHHAUS, 2001: 3). HEINE erklärt das Konzept Exoglossie vs. Endoglossie am Beispiel der Sprachsituation in Malawi und Mozambique, indem die Exoglossie mit der Vertikale und die Endoglossie mit der Horizontale verglichen werden. Die Vertikale charakterisiert eine bestimmte Vermittlersprache, in diesem Fall das Portugiesische als Prestige-, Statusund Autoritätssprache, die in der Schule mit dem Ziel, wirtschaftlich erfolgreich zu werden (wortwörtlich: für den Aufstieg, für die Vertikale), unterrichtet wird. Die Horizontale spiegelt einen spontanen
Gebrauch der hiesigen (Mutter)sprache als Umgangssprache zwecks
Beibehaltung sozialer Einigkeit und Solidarität wieder (HEINE, 1992: 23–25). Gomes spricht von der lusophonen Exoglossie, indem die Sprachsituation auf den Kapverdischen Inseln beschrieben wird (GOMES, 2005). Ein ganzheitliches Bild der Exoglossie, jedoch im Zusammenhang mit dem Begriff der „Mündlichkeit“ (orality), liefert die norwegische Forscherin SKATTUM, die der
66
Schulbildungspolitik in Mali nachgeht. Dort ist das Französische weder eine dominante noch eine Mehrheitssprache (majority language), sondern wird von einer verhältnismäßig geringen Anzahl von Menschen gesprochen, die zur Gesellschaftselite (Highsociety) gehören. Die Forscherin bezeichnet eine solche Sprachsituation als „zusätzlichen und substraktiven Bilingualismus“ (additive and substractive bilingualism) (SKATTUM, 1997: 68–97).
Subsumierend lässt sich folgendes festhalten: erstens, wird unter der „Exoglossie“ eine solche Sprachsituation verstanden, bei der eine hiesige Sprache „in den Schatten“ einer Fremdsprache gerät. FÖLDES bezeichnet den Einfluss der letzteren mit dem Terminus „exogen“ (FÖLDES, 1999: 36). In diesem Zusammenhang ist die Aussage von PAUL erwähnenswert: „jeder Einfluss einer Fremdsprache, unabhängig von seiner Auswirkung, sei es nur ein
Kontakt zwischen zwei Sprachen oder eine reelle Beherrschung der beiden, gilt zwangsläufig als Bilingualismus“ (PAUL, 1920: 391). Eine genauso breite Auslegung findet sich bei HAVRÁNEK (1972: 96). Wie aus den Zitaten ersichtlich ist, ist die Definierung der Exoglossie durch die Begriffe „Einfluss“ und „fremdsprachig / exogen“ nicht erschöpfend und kann leicht ausufern. Zweitens, wird der Terminus „Exoglossie“ nicht nur im Hinblick auf die Heterogenität der zusammenwirkenden Sprachen, sondern auch auf ihre funktionale Differenzierung verwendet. Drittens, werden häufig die Begriffe „Exoglossie“ und „exoglosse Sprachsituation“ semantisch identisch benutzt. Für die vorliegende Arbeit ist es jedoch sinnvoll, sie auseinander zu differenzieren.
Unter einer Exoglossie (zu griech.: exo = außen, glőssa = Zunge, Sprache) ist ein solcher Charakter des Zusammenwirkens zweier Sprachen zu verstehen, wenn eine Sprachkultur von einer höher entwickelten von außen beeinflusst
67
wird, die in der Regel an soziokulturellen, wirtschaftlichen, politischen u a.
Parametern überlegen ist und zum Zweck einer weiteren Entwicklung in sozialer, wirtschaftlicher, politischer u a. Hinsicht gewählt wurde.
Ich vermeide bewusst in der Definition der Exoglossie die Ausdrücke wie „eine Sprache wird beeinflusst“ oder „eine höher entwickelte Sprache“, denn erstens schlägt sich der Einfluss einer Sprachkultur immer in der Nehmersprache nieder und zweitens werden extralinguistische Besonderheiten der dominanten Sprachkultur automatisch mit übernommen. Da in diesem Falle die Ausdifferenzierung der Sprache und Kultur zu unnötigen Schwierigkeiten deskriptiven Charakters führen würde, wird bei weiterem auch der Terminus „Sprachkultur“ in generalisierender Bedeutung „Sprache und / oder Kultur“ verwendet.
Eine Exoglossie setzt sich aus folgenden Faktoren zusammen: 1) die Überlegenheit der exogenen Sprachkultur, 2) die Auswahl der exogenen Sprachkultur (s. Abschn. 2.2.), 3) der Einfluss der exogenen Sprachkultur (s. ebd.), 4) die Rolle der exogenen Sprachkultur in der geschichtlichen Entwicklung der Nehmersprache (in Fragen der Sprachpolitik, -planung usw.).
Hiermit ist die Überlegenheit der dominanten Sprachkultur nicht unbedingt sprachlich. Manchmal unterliegt eine höher entwickelte Sprache einer weniger entwickelten und die Sprachträger der ersten erfahren eine Deprivation, i.e. Verminderung des Sprachbeherrschungsniveaus. Folglich liegt der Akzent bei der geschichtlichen Fortentwicklung einer rezipierenden Sprachkultur auf der Erreichung einer kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen u a. Entsprechung der dominanten Sprachkultur durch die Sprache und nicht auf der Sprache selbst.
68
In seinem Werk „Synchrone Soziolinguistik“ bemerkt NIKOLSKIJ zu Recht, dass „die Kenntnisse einer Gebersprache zur unerlässlichen Bedingung einer jeden Prosperität werden“ (NIKOLSKIJ, 1976: 99).
Die exoglosse Sprachsituation ist eine Gesamtheit zweier oder mehrerer
Sprachen, deren Zusammenwirken exoglossen Charakter hat, ihrer Sphären und ihrer Gebrauchsräume in einem bestimmten Zeitabschnitt unter bestimmten soziokulturellen, sozial-wirtschaftlichen und sozial-politischen Bedingungen und in einer bestimmten sozial-administrativen Formation.
Demzufolge kann der Hauptunterschied einer Exoglossie von einer exoglossen Sprachsituation als nachstehende Opposition dargestellt werden: Charakter des Zusammenwirkens (Exoglossie) vs. faktische Situation unter
Berücksichtigung ihrer funktionalen und räumlich-zeitlichen Charakteristiken (exoglosse Sprachsituation).
Die Termini „exoglosse Sprachsituation“ und „Exoglossie“ verhalten sich ebenfalls wie Konkretes und Abstraktes, wobei der Terminus „exoglosse Sprachsituation“ sich für eine synchrone Deskription des Funktionierens einer Nehmersprache eignet, und „Exoglossie“ – für eine sprachsoziologische
Interpretation des Prinzips ihrer geschichtlichen Entwicklung. Trotzdem empfiehlt der Autor der vorliegenden Monographie nachfolgenden Forschern nicht, die beiden Termini in einer konkreten Sprachsituation abzugrenzen, weil dies gewisse Schwierigkeiten in der Bestimmung der Exoglossie und derer Rolle im Wandel der Nehmersprache bei diachroner Analyse nach sich ziehen könnte.
Um den Charakter des Zusammenwirkens zweier Sprachen genau zu bestimmen, bedarf es einer eingehenden Analyse ihrer geschichtlichen Entwicklung, der Besonderheiten ihrer Sprachidiome und der Taxonomien ihres
69
Lehngutes. In maximaler Auswirkung ist die Exoglossie der Endoglossie gegenübergestellt, wie eine Sprachentwicklung einem Sprachzustand in einer „Pufferzone“, i.e. Zeit ohne exoglossen Einfluss, wenn die Nehmersprache eine „Abkühlung“ benötigt, nachdem sie „abgegossen“ (nachgebildet) wurde. Sie muss sich in einer neuen Form entdecken und Überflüssiges loswerden. Demnach äußert sich die Exoglossie durch eine Sprachsituation (was die
Herangehensweise vieler Autoren an die Beschreibung von Sprachsituationen erklärt), die Endoglossie demgegenüber durch einen Sprachzustand. „Der
Sprachzustand ist eine Gesamtheit von Variierungen eines Sprachsystems hinsichtlich des erwählten Entwicklungsstereotyps, des räumlichen und sozialen Zusammenwirkens verschiedener Sprachen“ (LES, 2000: 617).
NIKOLSKIJ unterscheidet folgende Typen von Sprachsituationen:
(nach dem Charakter der Homogenität)
1)exoglosse Sprachsituation (Gesamtheit verschiedener Sprachen),
2)endoglosse Sprachsituation (Gesamtheit von Sprachen und Subsprachen und Funktionalstilen);
(nach dem Verhaltenscharakter der zusammenwirkenden Sprachen oder ihrer Formen)
a)ausgeglichene und
b)unausgeglichene Sprachsituation.
Unter ausgeglichenen Sprachsituationen werden solche verstanden, die sich aus funktional gleichwertigen Sprachen oder Sprachsubsystemen zusammensetzen. Die Komponenten der unausgeglichenen Sprachsituationen sind auf Umgangssphären und Sozialgruppen verteilt (NIKOLSKIJ, 1976: 80– 81).
70
