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Deutsch im Zeichen der US-amerikanischen Exoglossie. Monographie

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durchschauen wir plötzlich, dass es sich bei ihnen um die Lebensdaten des

Dichters handelt: geboren am 10. November 1759, gestorben am 9. Mai 1805. Dasselbe erfolgt, wenn das rein Linguistische verlassen und ein Blick von außen auf die Problematik geworfen wird.

So kommt einer Spracheinheit (auch Sprachzeichen genannt) ein Sinnbild zu. Anglo-Amerikanismen stellen eine Verbindung mit der entsprechenden Kultur her, die außerhalb der deutschen Sprache existiert. Deshalb erscheint vieles am Anglo-Amerikanismen-Gebrauch oft redundant und unsinnig. Dem ist es aber nicht so. Durch Wörter und Ausdrücke werden Sachverhalte versinnbildlicht, die der fremden Kultur eigen sind. Da die AngloAmerikanismen Zitate dieser Kultur und ihrer Ausprägungen sind, werden diese Kulturverweise nicht gelöscht. Das ist erfreulich, denn es bedeutet, dass das deutsche Bewusstsein die Kulturbereiche und ihre Register noch trennt (und auseinanderhält).

Beispielsweise ist der Ausdruck „sie verdient ihr Geld mit Cleaning und Babysitting“ nicht modisch-schaumig, sondern enthält distinktive soziale Marker des Sprechers: modern, westlich, leichtlebig, unbesorgt, oberflächlich – kurzum amerikanisch. Das Gegenteil wäre „sie verdient ihr Geld mit Putzen und Kinderhüten“.

Jedoch wird nicht direkt die amerikanische Kultur zitiert. Die

überbordende Anzahl der Scheinentlehnungen (Blue Card, Oldtimer,

Showmaster, Dressman, Handy, Beamer usw.) zeugt davon, dass sich die Deutschen mit einer Kultur identifizieren, die in der Wirklichkeit nicht existiert. Sie ist ein Implikat, d. h. Einbezogenes, also etwas, das in Anlehnung an die amerikanische Kultur mit Hilfe der deutschen Sprachschöpfung im deutschen

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Sprachraum entsteht und bestimmte Sachverhalte innerhalb der deutschen

Kultur beschreibt. Beispiele gibt es zur Genüge auch in der deutschen Sprache: die Fachlexik der Medizin bedient sich des lateinischen Sprachmaterials auch dann, wann das Lateinische selbst längst tot ist; die Musiksprache operiert mit Ausdrücken italienischen Ursprungs, Griechisch und Französisch sind die Sprachen der Architektur. Jetzt ist es an der Zeit, den Soziolekt der glamourösen

Oberschicht, der sog. Highsociety zu kreieren, denn auch sie braucht eine Norm und ein Stilbild.

Das ist eine Besonderheit vieler entwickelter Sprachen: ein polyglosses

Sprachidiom. Für jede Sparte im kulturellen Leben eines Volkes ist bereits eine Spendersprache vorhanden. Der Anteil einer Sprache an sämtlichen Kultursparten spricht für ihre Anerkennung. Es ist interessant mitzuverfolgen, wie ehrgeizig sich mehrere Sprachen darum bemühen, Sprachspender im

Bereich der Top-Gastronomie zu sein: das Japanische mit der Sushi-Esskultur, das Chinesische mit Bratnudeln und Insektendelikatessen, das Amerikanische mit dem „Fastfood“. Aber selbst in vielen anderen Sublexiken sind AngloAmerikanismen in großer Zahl zu verzeichnen. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine komplette Umstrukturierung des Wortschatzes vor sich geht, sondern dass sich die entsprechende Sprachträgergruppe, die sich mit der amerikanischen Kultur identifiziert, sprachlich sehr schöpferisch agiert und die Welt um sich herum erforscht und beschreibt. Auf diese Weise füllt sich die deutsche Sprache mit vielen Neuwörtern, die meistens englischsprachiger Herkunft sind“.

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KAPITEL 3. Exoglossie und Sprachidentität

3.1. Sprachidentität als Einheitlichkeitsparameter im Prisma der

Exoglossie

Aus den beiden vorangehenden Kapiteln kann im Hinblick auf die neuere deutsche Sprachpolitik gefolgert werden, dass sie heutzutage erheblich mehr einschließt als völkerund verwaltungsrechtliche, gesellschaftliche und ausbildungsbezogene Aspekte, die sich bei HAARMANN (1988: 1660f) unter

„politischen Implikationen von Sprachenfragen“ finden. Bei dieser Form von Sprachpolitik handelt es sich um ein besonderes Konzept, das ungeachtet jeglicher Erkenntnis über die Normund Ususbildung das sprachpolitische Mitbestimmungsrecht jedes Einzelnen sichern und die sprachliche Vielfalt, die im deutschen Kontext eher „Abgrenzung durch die Sprache“ heißen sollte, erhalten will.

An dieser Stelle muss freilich eingeräumt werden, dass die USamerikanische Exoglossie im heutigen Deutschland nicht aus einer jahrelangen Kulturund Sprachdemokratisierung allein entstanden ist. Diese Exoglossie ist ebenfalls Symptom dessen, was in der Linguistik als „Dispersion der deutschen Sprachmaterie“ bezeichnet wird. Es ist ein sozusagen stammesgeschichtliches Kulturmerkmal der germanischen Volksstämme, die GÖTZE in seinem Seminar „Nation und Mythos“ als „Ausgrenzung nach außen und Abgrenzung nach innen“ deskribiert. Nur dank dieser Besonderheit bestand einst auf dem Territorium von knapp 400 tausend Quadratkilometern über 100 Sprachformen, viele von denen gegeneinander wie schwarz und weiß abstachen. Man wird sehr

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leicht dieses Charakteristikum – vielleicht in etwas abgeänderter Form – bei den deutschen Zeitgenossen wiederfinden, die, wenn sie einen Nichtmuttersprachler gut Deutsch sprechen hören, bedenklich werden und sich ihm voller Misstrauen verschließen. Beispielshalber würde die Kenntnis ihrer Muttersprache die Vertreter vieler asiatischer Völker erfreuen und die entsprechende Person gewänne die allermeisten Sympathien. Der Deutsche fühlt sich dagegen in seiner Einzigartigkeit gewissermaßen verletzt und flieht in seine „kleine Trautheit“, die letztendlich nur Vereinzelung und Zersplitterung bedeutet. Die bestehende Exoglossie verdankt sich in vielem dieser kulturellen Besonderheit der Deutschen, denn, hätten sie ein einheitliches Sprachbewusstsein, ja überhaupt einen Gemeinsinn, wäre es niemals zu einer Amerikanisierung ihrer

Kultur und Sprache gekommen. Diese Interpendenz zwischen der kulturellen Eigenart und dem Sprachevolutionskurs gibt Anlass zu spannenden linguistischen Prognosen über die weitere geschichtliche Entwicklung des

Deutschen.

Viele heutige Sprachkritiker in Deutschland erblicken in der

Einheitlichkeit eine Gefahr für die sog. sprachliche Vielfalt. HOBERG prangert die weltweite Vereinheitlichung durch das Englische an und plädiert dafür, dass „gerade in der heutigen, sich ständig vereinheitlichenden Welt das Bewusstsein dafür erhalten bzw. geschärft werden muss, dass der Untergang oder auch Zurückdrängen einer Sprache immer einen Verlust bedeutet […]“ (HOBERG,

2000: 304).

Die Abschaffung der sprachlichen Vielfalt durch Vereinfachung und Verallgemeinerung ist mit Sicherheit eine Tendenz, der man kritisch gegenüberstehen muss. Aber man muss sich auch fragen, ob diese leidige

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Vereinheitlichung nicht etwa Resultat eigener Fehler wäre? In Deutschland hatte sich das Englische als „Einheitssprache“ nur aufgrund der Abkehr der Deutschen von der eigenen Kultur und Sprache durchsetzen können, wohingegen es in Russland beispielsweise nie anders als Fremdsprache existierte. Zum anderen dürfen die sprachliche Vielfalt überhaupt und die „Vielfalt der deutschen Mundarten“ nicht miteinander verschwistert werden. Es handelt sich dabei mindestens um verschiedene Existenzdimensionen der Sprachformen. Kleinere Sprachen starben und sterben unter dem Einfluss stärkerer Kulturen und dieser Prozess, nämlich Sprachtod, ist natürlich und meistens unvermeidbar. Erinnerlich ist mir eine Geschichte aus den 80er Jahren, die über das Schicksal eines entlegenen Gebirgsdorfs in Tadschikistan erzählt, wo alle Bewohner mangels jeglichen Kontakts zur Außenwelt einer grassierenden Lepraseuche zum Opfer fielen. Einen ausgebildeten Arzt hatten sie nicht, zumal keiner den Wunsch besaß, in ihre Abgeschiedenheit zu ziehen.

Schuld an ihrem Untergang sowie an dem ihrer Sprache war dieselbe Abgrenzung, die ich bei den Deutschen festgestellt habe: die Dorfbewohner sprachen eine nirgendwo sonst mehr gesprochene Mundart und verteufelten außerdem noch den technischen Fortschritt, hatten also nicht einmal ein

Telefonkabel.

Sprachen sterben und neue Sprachen entstehen. Keine Weltsprache vermag diesen Vorgang zu hindern. Kleine Sprachen erscheinen überall dort, wo neue Kommunikationsbedingungen entstehen, und erlöschen, sobald diese Bedingungen erschöpft sind, denn die Funktionen dieser Sprachen sind ebenfalls gering und meist lohnt sich das ethisch motivierte Nachtrauern gar nicht. Ein anderes Bild ergibt sich bei Sprachen wie z.B. paläosibirischen, die ehemals auf

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größeren Arealen verbreitet waren, dann an ihrer Bedeutung einbüßten, „zusammenschrumpften“ und anschließend ausstarben. Hier müssen mit aller Seriosität die Ursachen der Auflösung der sog. „Kulturklammer“, die die Identität der Ethnie und nicht zuletzt die der Sprache sichert, in Augenschein genommen werden. Sicherlich träte dabei der Faktor einer

Sprachdiskriminierung durch das Russische als Lingua franca in Vordergrund, mit dem wir die heutige Globalisierung vergleichen könnten. Eins steht jedoch fest: Der Spracherhalt hängt mit der Bewahrung der Kulturkonventionen, mit der Herstellung einer ausgewogenen Balance zwischen Selbstidentifizierung und

Fremdkategorisierung aufs Engste zusammen und äußert sich nicht selten in einem selbstbehauptenden Widerstand gegen die Gewalt stärkerer Kulturen bzw. den Assimilationsdruck der Staatssprachen. Das weitgehend exoglosse Entwicklungsszenarium einer Sprache zeugte dann von einem Abgehen von eigenen Kulturkonventionen und könnte die Sprachidentität nicht ohne weiteres gefährden. Unbestreitbar ist der Umstand, dass die Deutschen einen Teil ihrer kulturellen Identität im Laufe der letzten 60 Jahre preisgaben und nun mit ernst zu nehmenden Folgen der Amerikanisierung in Bezug auf die Kultur und – zweifelsohne – die Sprache rechnen müssen.

„Wird es bald noch eine deutsche Sprache geben?“ ist eine Frage, die heutzutage bedauerlicherweise viel häufiger im Ausland gestellt wird als in

Deutschland. Gemeint ist sicherlich nicht nur der Unterrichtsumfang an Auslandsschulen und -universitäten, sondern vor allem die besorgniserregende Außensprachpolitik des Mutterlandes in der globalisierten Welt: Das Fehlen jeglicher Einheitlichkeit und die daran anknüpfende Amerikanisierung der deutschen Kultur hatte dem Ansehen der deutschen Sprache weltweit schwere

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Einbuße getan. Noch rangiert Deutsch mit mehr als 100 Mio. Muttersprachlern in Europa an zweiter Stelle nach Russisch und hat neben Englisch, Russisch und

Französisch einen besonderen Vorrang. Diese Stellung verdankt es seiner ehemals überregionalen Geltung in den Bereichen der Wissenschaft, Technik, Kultur usw. und seiner Bedeutung als Fremdund Zweitsprache.

Inzwischen hatte das sprachpolitische Leitkonzept der Sprachdemokratie im Geflecht parallel verlaufenden kulturellen Pauperismus zunächst zur falschen Auslegung der Norm und anschließend dazu geführt, dass die einstmals hoch angesehene Kultursprache zu einer existenzbedrohten herabsank.

Nach Einschätzung von HASPELMATH wird die kulturelle

Globalisierung in hundert Jahren 2000 von 6500 Sprachen der Welt übriggelassen haben. Der mexikanische Sprachwissenschaftler HAMEL spricht von 80 Prozent aller Sprachen, die nur im Verlauf des XXI. Jh. „vom Aussterben bedroht“ sein werden (zitiert nach SCHREIBER, 2006: 182). Dass dieses Schicksal auch die deutsche Sprache (bei gleichbleibender sprachpolitischer Strategie) ereilen wird, lässt bereits deutlich weniger Zweifel aufkommen, als noch Ende der 90-er. Mitschuld daran ist neben dem sprachpolitischen Dezentralismus die fast von allen deutschen Sprachgesellschaften zu vermittelnde Vorstellung von der Polyvalenz der deutschen Norm als Gewähr für den Erhalt der deutschen sprachlichen Vielfalt.

In Anlehnung an den Sachverhalt über die „Dispersion der deutschen Sprachmaterie“ als immanentes Charakteristikum der deutschen Sprachkultur lässt sich diese Normvorstellung zumindest im Kontext der Globalisierung als wichtigster existenzbedrohender Faktor für die deutsche Kultur und Sprache

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erkennen. Der exoglosse Einfluss könnte dann die zahlreichen

Fehlentwicklungen in der letzteren unumkehrbar machen.

Die Vielfalt der Sprachen ist nur deshalb gefährdet, weil der

Verbreitungsgrad der meisten von ihnen sehr gering ist. Ansonsten verbirgt sich hinter der vermeintlichen Gefahr ein ganz natürlicher Vorgang. Die globalen

Umwandlungsprozesse der Sprachen verlaufen ungefähr nach folgendem Muster: stärkere Sprachen verschlingen die kleineren, da sie aber unterschiedliche Funktionen erfüllen, kommt es bald zu einer natürlichen Auflösung der größeren Sprachareale, dann zur Entstehung neuer Sprachbünde bzw. Verkehrssprachen usf. Man bedenke die Vielfalt der Formen einer und derselben englischen Sprache (Standardvarietäten, Metalekte, Mundarten, kreolischer und Pidgin-Sprachen usw.), so dass bei den allermeisten von ihnen die Sprachgenetik bereits nicht ohne Mühe festzustellen ist. Die Vertreter der sog. Stammbaumtheorie11 nach AUGUST SCHLEICHER (1821–1868) gehen von einer gemeinsamen indogermanischen Grundsprache (Ursprache) aus, die sich im Zuge der Verbreitung ihrer Sprecher in die heute existierenden indoeuropäischen Sprachen aufteilte. Die alttestamentarische Erzählung über die babylonische Sprachverwirrung ist sicherlich ein Mythos, der jedoch folgende

Moral enthält: Keine der Sprachen ist im Stande – auch bei einer allgemein perfekten Beherrschung der Totalität ihrer Mittel – den Umgang in engeren Kommunikationsverhältnissen zu ersetzen. Dass aber eine solche Sprache, die nur eine vorübergehende Form der Sprachentwicklung und sowieso vergänglich

11 Theorie der Entwicklung der indoeuropäischen Einzelsprachen durch Teilung und Aufspaltung einer angenommenen indoeuropäischen Ursprache (in Gestalt eines Stammbaums) im Gegensatz zur sog. Wellentheorie von JOHANNES SCHMIDT (1843–1901), die die Herausbildung der Einzelsprachen aus einer Grundsprache durch allmähliche Differenzierung vertritt, wobei sich sprachliche Neuerungen von beliebigen Punkten aus und jeweils unterschiedlich weit ausgebreitet hätten.

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ist, zur Bildung einer gefährlichen Hierarchie führen kann, ist nicht zu bezweifeln. Daher sollte eine vernünftige Sprachpolitik auf einer

Konsolidierung kleinerer verwandter Sprachformen aufbauen, wohingegen die

Beförderung der Vielfalt anstatt des Einheitlichen (z. B. eines gesamtdeutschen

Sprachbundes) unter den Bedingungen einer Globalisierung mit der zweitgrößten Sprache der Welt an der Spitze dramatisch enden könnte.

In einer altrussischen Parabel belehrt ein Greis seine drei zerstrittenen

Söhne, indem er jedem einen dicken Besenstiel zum Zerbrechen bietet. Keiner der Söhne vermag dies zu vollbringen, woraufhin der Alte den Besen auseinander nimmt, so dass davon viele Reiser übrigbleiben, und sagt: „Jedes einzelne Reis kann mühelos zerbrochen werden; sind sie jedoch in einem Bündel, werden sie bruchfest“. Die Idee eines Zusammenschlusses zum Zwecke der Existenzsicherung liegt also einer jeden Konsolidierung zugrunde, schließlich haben wir festgestellt, dass sich Sprachen sehr menschenähnlich verhalten. Selbst eine so verbreitete Sprache wie Russisch, die ohnehin ziemliche Auswirkungen des amerikanischen Einflusses zu verzeichnen hat, wäre ohne Einheitlichkeitsprinzip der sprachpolitischen Maßnahmen dieser Verkehrssprache völlig ausgeliefert.

Einige Leser werden an dieser Stelle den berechtigten Einwand vorbringen, dass eine innerstaatliche Vereinheitlichung die Vielfalt der deutschen Mundarten nicht minder gefährden könnte, gehe es doch auch um eine natürliche Erscheinung wie Vielfalt der Arten (Biodiversität) einerseits, und die Zunahme der „Indoktrinierbarkeit“ der Sprachträger durch zentral verabschiedete Normen andererseits. In den beiden Punkten würde ich ihnen – leider Gottes – widerstandslos zustimmen: Jede Form von (sprach)politischen

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Maßnahmen endet in Deutschland – und dies lehrt uns die Geschichte – in einer höchstmöglichen Übertreibung, wäre es der (Sprach)nationalismus oder die (Sprach)demokratie, und nachher gezwungenermaßen. In diesem Zusammenhang würde ich für eine Vereinheitlichung der deutschen Sprachnormen plädieren, die auf einer Kooperation mit den

Sprachgesellschaften der Staaten bzw. Regionen aufbaut, wo Deutsch als Fremdoder Minderheitssprache (in Sprachinseln) existiert, um erstens die

Sprachenvielfalt tatsächlich und nicht deklarativ zu fördern und zweitens die nachteilige Sprachdemokratie in eine richtige demokratische Sprachpolitik umzufunktionieren, die sich nach dem Prinzip richtet: jede deutsche

Sprachform, gleichgültig wo sie gesprochen wird, ob in Sibirien oder auf den Antillen, soll unterstützt werden. Dies ist freilich (aus finanzieller, politischer u.a. Sicht) nur aufgrund einer Kooperation mir allen beteiligten Staaten bzw.

Regionen möglich, vgl. den Ansatz von STICKEL (2001): „Für die deutsche

Sprachpolitik und das sprachspezifische Handeln deutscher Institutionen liegt es nahe, die Bemühungen um die eigene Sprache nicht auf das Inland zu beschränken, sondern stets auch in Zusammenhängen mit der internationalen Sprachentwicklung, speziell im (derzeit noch) vielsprachigen Europa zu sehen“.

Ebenfalls unter dem funktional-stilistischen Aspekt sollte die Einheitlichkeit der Sprachnormen keineswegs die Vielfalt der deutschen

Mundarten gefährden, denn es handelt sich, wie im Abschn. 1.3. bereits erwähnt wurde, um eine Norm, die in der stilistischen Stratifikationsskala eine Stellung zwischen den regionalen Ausdruckstandards und der Weltsprache bekommen sollte. Da aber dazwischen eine Lücke klafft, findet der überregionale

Sprachverkehr in Deutschland – paradoxerweise – überwiegend auf Englisch

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